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Zwei Leben - Severus Snape

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Romance / P18 / MaleSlash
Harry Potter Severus Snape
31.01.2022
25.06.2022
31
240.000
40
Alle Kapitel
68 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
31.01.2022 1.786
 
~* Das übliche Prozere: Die hier verwendeten Charaktere aus dem Potter-Universum gehören nicht mir, ich habe an ihnen keine Rechte und Geld verdiene ich damit (leider) auch keines.

Diese Fanfiction entsteht in Kooperation mit meiner lieben Freundin Enoraá - wir schreiben gemeinsam die komplett gleiche Geschichte, allerdings wird sie sich Harrys Sicht der Dinge widmen, während bei mir Severus im Fokus steht. Für ein komplettes Bild und das perfekte Erlebnis, lest also gern beide Teile!

Neue Kapitel gibt es voraussichtlich 1x pro Woche.*~

Was hatte er getan? In welchem Moment hatte er falsch reagiert, die falschen Worte genutzt? Auge in Auge mit dem uralten Feind, seinem einstigen Meister, hatte er nicht die richtigen Worte gefunden, damit dieser ihn nicht zum Tode verurteilte. Der wortlose Zauber seines Herren hatte ihn von den Beinen gerissen, hatte ihn hart gegen die marode Wand in der heulenden Hütte taumeln und an dieser zusammensacken lassen. Als das warme Blut aus der Wunde an seinem Hals floss und der dunkle Lord ihm den Rücken kehrte, wusste Severus Snape, dass er versagt hatte. Er würde sterben, noch bevor Harry Potter erfahren hatte, was er tun musste, um den mächtigsten dunklen Zauberer aller Zeiten zu schlagen. Seine Lider sanken hinab, schwer wie Blei und doch waren sie willkommene Vorhänge, die den trostlosen Anblick dieses heruntergekommenen Ortes verschleierten. Wie durch Wasser hindurch hörte er die Stimme des dunklen Lords, der seiner gewaltigen Schlange befahl, ihn zu töten. Dann folgte heftiger Schmerz, lange Fänge gruben sich wieder und wieder in sein Fleisch.
     Severus Snape schrie nicht vor Schmerz. Warum, das wusste er selbst nicht. Hatte er keine Luft zum Schreien? Oder war es ohnehin zwecklos an diesem Ort, an dem ihn lediglich der dunkle Lord würde schreien hören? Muskeln zuckten, sein Körper bebte. Blut verschmierte das schmutzige Glas. Sein Blut. Bald schon wäre es kalt, bald schon war er tot. Seine Hand schlug gegen die Glasscheibe, ein letzter, verzweifelter Versuch, sich zu retten, dann sank sie, eine dramatische Spur in den Blutspritzern hinterlassend, am Glas hinab. Alles, was er nun noch tun konnte, war der Schlange hinterherzusehen und zu atmen, bis sein Herz aufhörte zu schlagen.
     Er hörte kaum, wie das Holz doch deutlich knarzte. Jemand betrat den Raum. Jemand, der nicht der dunkle Lord war. Mühsam drehte der Mann den Kopf zur Seite, erspähte im Zwielicht dieser Nacht das wohlvertraute Gesicht des jungen Mannes, an dem all die Hoffnung gehangen hatte: Harry Potter. Und wie verzweifelt dieser versuchte, die klaffenden Wunden nur mit seiner kühlen Hand zu verschließen. Dabei war es bereits zu spät. Die Wunden zu Viele. Das hatte Severus längst begriffen.
     Warum sah er so viel Bedauern im Gesicht des Gryffindors? Warum sah er all die Verzweiflung? Warum drückte der Junge so verzweifelt auf die blutende Wunde als wolle er ihn retten? Harry hasste ihn und das zurecht. Er hatte nichts im Leben getan, dass diesen Blick rechtfertigte. Harry Potter musste ihn hassen. Vor allem, wenn er diese eine, letzte Grausamkeit von Severus erfuhr. Die Spitze des langwierigen Plans einer Größe wie Albus Dumbledore. Er war der Bote und hier war seine letzte Chance, seine Aufgabe doch noch zu erfüllen.
     Severus hatte keine Kraft mehr, um viele Worte zu sprechen. Nutzlos und schwach hingen seine Arme hinab, unfähig, seinen Zauberstab zu führen. Was er jedoch tun konnte, war mit seiner letzten, bemitleidenswerten Träne all seine Erinnerungen an die Worte des Schuldirektors auffangen zu lassen. Seine einzige Chance.
     »Nimm.. nimm sie«, hauchte der Tränkemeister mit brechender Stimme, nur mit Mühe eine Geste in Richtung seiner Tränen andeutend. Wenn Harry nicht verstand, wenn er nicht reagierte… wäre alles vergebens. Für einen quälend langen Augenblick wirkte es, als wäre der junge Zauberer von seiner Trauer derart eingenommen, dass er nicht reagieren konnte. Die junge Granger jedoch ließ sich nicht von Sentimentalitäten aufhalten und drückte Harry eine kleine, schlanke Phiole in die von Severus‘ Blut völlig verschmierten Hände. »Bring Sie… in Dumbledores Büro… das Denkarium…«, war die letzte Anweisung, die er dem jungen Zauberer geben konnte. Einen Moment lang sah er noch in die grünen Augen des anderen, die von Schock und Verzweiflung ganz glasig waren, dann sanken seine eigenen Lider herab, während sein Körper unter den Händen des Gryffindors erschlaffte.

     Was geschah nach dem Ableben? Eine Frage, die sich Severus nie gestellt hatte. Er hatte den Tod nie gefürchtet. Vielleicht, weil er sich nie gefragt hatte, was nach dem Leben geschehen würde. Wurde ein Zauberer wiedergeboren, wie es in alten Sagen hieß, oder wurde man dem christlichen Glauben folgend nach seinen Taten geurteilt und entsprechend in den Himmel oder die Hölle verfrachtet?
     Wenn Letzteres stimmte, was würde unter dem Strich bei ihm herauskommen? War er ein guter Mann gewesen, trotz all dem schlechten das er getan hatte? Oder überwog das Übel über all die Taten, die er mit gutem Willen getätigt hatte? Was rechtfertigte eine Tötung, einen Fluch, einen Verrat? Konnte ein nobles, gutes Ziel darüber hinwegtäuschen?
     Severus würde es nicht erfahren, zumindest nicht aktuell. Er löste sich nicht in einer Quintessenz seines Seins auf, erfuhr keine außerkörperliche Reise ins Jenseits. Er schlug seine Augen auf, die sich nach seinem Empfinden viel zu lange geschlossen gehalten hatten. Kälte hatte von seinen Gliedmaßen Besitz ergriffen, machte sie ganz steif und unbeweglich. Sein warmes Blut hatte den Großteil seiner Kleidung getränkt, hatte eine Lache unter ihm gebildet. Bei all dem Blut hätte er die Augen nicht wieder öffnen dürfen, das wusste er. Es gab keine Möglichkeit, die nicht Magie oder sehr mächtige Tränke beinhaltete, die ihn von der Schwelle des Todes hätte zurückholen können. Systematisch wanderte sein Blick also umher, bis sein Blick auf einen leeren, bauchigen Flakon fiel, der unachtsam fortgeworfen worden war. Er griff danach und hob ihn mit der Öffnung an seine Nase, den intensiven, zitronigen Duft von Diptam sofort erkennend. Natürlich, ohne Magie konnte nur Diptam-Konzentrat eine solche Heilung bewirken.
     Er wusste, dass seine Wunden noch ganz verheilen mussten und nur eine fragile Schicht Haut zwischen ihm und dem Tod durch Verbluten stand. Für den Augenblick hatte das jedoch keine Relevanz: Harry hatte die Erinnerung und sofern er seinen Kopf für mehr nutzte als nur zum Sprüche klopfen, hatte er wohl mittlerweile eine Ahnung, was seine Aufgabe war.
     Mit einiger Anstrengung kam er auf die Beine, sich an dem Fenster abstützend, dass von seinem Blut troff und rutschig war, sodass er wirre Spuren darauf hinterließ. Er musste Harry erreichen und sicherstellen, dass der Junge verstanden hatte, was zu tun war. Dass er nicht wirklich sterben musste.
     Der Weg hinauf zum Schloss erwies sich dieser Tage als überaus lang und mit den Verletzungen, die er hatte, konnte er keine Animagus-Wandlung riskieren. Wo würde Harry sein? Wohin würde er gehen? Wieder schloss der Tränkemeister die Augen, sich dieses Mal mit Legilimentik auf Harrys Gedanken konzentrierend. Was sah er? Was fühlte er? Wo war er? Über diese Distanz kostete es den Zauberer viel Kraft, eine Verbindung zu Harry aufzubauen und hätten sie im fünften Jahr nicht derart intensiv miteinander trainiert, wäre es ihm wohl kaum möglich gewesen, Zugang zu diesem verwirrten Geist zu finden.
     Severus war verwirrt wegen dem, was er sah. Harry, der leblos in sich zusammengesackt war und doch lebte. Wiederum regte er sich nicht, obwohl er wach war. Er konnte spürten, dass man Harry trug. Plötzlich hörte er die Stimme des dunklen Lords, triumphierend und volltönend. Die Verzweiflung der Menschen, die ihm lauschen mussten. Was geschah dort?
     So schnell es ihm möglich war schritt der Lehrer für Zaubertränke weiter, eilte mit der Schnelligkeit eines hundertjährigen den verfluchten Pfad hinauf bis ins Schloss, bis an den Ort, an dem er Harry vermutete. Er spürte, wie die Verbindung leichter fiel, wie er ihn besser wahrnehmen konnte. Er näherte sich der Szene.. und wurde plötzlich so hart ausgesperrt, dass er taumelte und sich den Kopf hielt. Okklumentik? Oder hatte etwas anderes die Gedanken des Jungen derart dominiert, dass er selbst keinen Zugriff mehr bekam? Er wusste es nicht. Er wusste nur eines: Er würde nicht zulassen, dass Harry Potter heute starb.
     Das Donnern tödlicher Flüche, die aus verfeindeten Stäben einander um die Ohren flogen, dröhnte weit über das Schlossgelände und die lauten Schläge der Körper, die gegen Dächer und Mauern des Schlosses schlugen, drangen Severus ans Ohr. Überall wurde gekämpft, erbittert, verbittert. Niemand schien Notiz von ihm zu nehmen, so blutverschmiert wie er hier stand, im Schatten des einstigen Säulenganges, hilflos mitansehend, wie Harry und der dunkle Lord sich einen Kampf auf Leben und Tod darboten, gemeinsam durch den Himmel jagten, verschmolzen, sich heftigst bekämpften.
     Sein Magenverkrampfte sich als beide geräuschvoll auf den Steinboden des Vorhofes aufschlugen, sich getrennt voneinander mehrfach überschlagend. Getrennt von ihren Zauberstäben lagen sie da und ließen es sich doch nicht nehmen, auf allen Vieren zu ihren Zauberstäben zu kriechen, voller Verzweiflung, voller Mordlust. Was für ein erbärmlicher Anblick der dunkle Lord doch bot, so verwundet, so gedemütigt. Kaum mehr Anmut als ein einfacher Käfer.
     Rotes Licht. Grünes Licht. Ein Entwaffnungszauber gegen den tödlichsten aller Flüche. Harry Potter würde es niemals lernen. Er würde niemals jemanden wirklich verletzen. Nicht, wenn es sich nicht vermeiden ließ. Wie könnte dieser kleine Zauber aus dem zweiten Jahr gegen den Avada Kedavra bestehen? Es war unmöglich. Das bewies der dunkle Lord mit dem Anschwellen des grünen Lichtes, das nach und nach das rote Licht des Jüngeren verschlang und Harry an Boden raubte, ihn immer weiter bedrängte. Er kämpfte so tapfer, gab nicht auf.
     Zwei oder drei Herzschläge verblieben noch, dann würde Harry Potter sterben und das Zeitalter von Lord Voldemort würde sich über die Welt der Zauberer erheben. Ließ es sich noch verhindern? Nein, Harry hatte keinen Boden mehr, er war erschöpft von der langen Zeit der Flucht und von unzähligen Kämpfen, die diesem vorangegangen waren. Severus wusste, dass dieser Kampf verloren war. Er wusste, dass der dunkle Lord heute siegte.
     Einzig ein einzelnes Leben konnte er nun noch retten, die letzte Hoffnung für diese Welt wahren. Er hob zitternd seinen Zauberstab. Dicht hintereinander verließen zwei Zauber wortlos seinen Zauberstab, das weiße Licht viel zu klein und unbedeutend im Inferno dieser zwei erbittert kämpfenden Todfeinde. Beide Zauber trafen ihre Ziele. Wie betäubt konnte er nur zusehen, wie Harry Potter reglos zu Boden stürzte.
 
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