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Forgotten, lost and still loved

von SonjaFe
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P16 / Het
Darkside Markus Maxi OC (Own Character)
27.01.2022
23.06.2022
20
47.807
3
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23.06.2022 2.087
 
Alina:

Sie waren tot. Ich fühlte es. Schon seit ich den Wohnwagen betreten hatte, konnte ich fühlen dass sie tot waren.
Die Polizei meinte, sie würden weiterhin nach meinen Eltern und meinem Bruder Julian suchen, aber aus irgendeinem Grund hatte ich das Gefühl dass sie nicht fündig werden würden. Wer auch immer dafür verantwortlich war, hatte sehr sauber gearbeitet.
Der Wohnwagen war innen blitzeblank gewesen, als hätte jemand sauber gemacht. Die Polizei hat keine einzigen Spuren gefunden, nichts. Absolut gar nichts! Hätten Karina und ich den Wohnwagen nicht zufällig gefunden und ich meine Erinnerung zurückbekommen, man hätte ihn niemandem zuweisen können. Es war unmöglich, denn wir hatten bestimmt schon einen Monat darin gelebt.
Julian wollte ja nach England gehen um dort zu studieren. Nun, meine Eltern hielten es für eine großartige Idee auszuwandern, weswegen wir nochmal eine Deutschlandtour mit dem Wohnwagen machen wollten. Wir hatten keine Verwandten hier, deswegen suchte auch niemand nach uns. Es war alles abgeklärt gewesen und wir hätten theoretisch nur noch in den Flieger steigen müssen. Ich erinnerte mich daran, wie sehr sich meine Eltern auf unsere neue Heimat gefreut hatten. Sie wollten nach Texas und sich dort den Traum von einer eigenen Ranch erfüllen.
Krampfhaft versuchte ich mich an jenen Tag oder Nacht zu erinnern, wo etwas passiert sein musste, in diesem Wald. Doch da war nichts. Meine Erinnerung schloss damit, dass Mama, Papa, Julian und ich um ein Lagerfeuer saßen und geredet haben. Dann bin ich müde geworden, in den Wohnwagen und ins Bett gegangen. Das war das letzte woran ich mich erinnerte.
Frustriert schlug ich mit meiner Faust auf meinen Schreibtisch. Ich war so wütend auf mich selbst. Egal wie sehr ich mich auch anstrengte, da war nichts mehr! Auch was dieses Mädchen betraf dem Karina und ich im Wald begegnet waren, ich wusste dass ich sie irgendwo her kannte, aber ich wusste nicht woher!
Es klopfte an meiner Zimmertür, weswegen ich aufstand um nachzusehen. Wahrscheinlich waren es nur Gabriele oder Karl, die wieder versuchten mir irgendetwas zu essen oder zu trinken anzudrehen. Natürlich war es nur lieb gemeint von den beiden, nur wollte ich einfach niemanden sehen.
Umso überraschter war ich, als ich nicht meine Pflegeeltern sondern Maxi vor meiner Tür vorfand. „Hy. Darf ich reinkommen?“ begrüßte mein Freund mich. Ich zwang mir ein lächeln ins Gesicht und trat zur Seite.
Maxi setzte sich auf mein Bett und sah zu mir. „Alina, ich weiß dass es eine schwierige Zeit für dich ist, aber...wieso schließt du uns aus? Wieso schließt du mich aus?“ sah Maxi mich traurig an. Sofort überkam mich das schlechte Gewissen. Maxi hatte recht, seit wir den Wohnwagen vor fast zwei Wochen gefunden hatten, die Polizei alles untersucht und die Ringe meiner Eltern gefunden hatte, zog ich mich mehr und mehr zurück und schloss somit meine Freunde aus meinem Leben aus.
„Es tut mir leid. Das war nicht meine Absicht.“ murmelte ich tonlos. War es ja wirklich nicht, andererseits aber auch doch. Ich wusste es selbst nicht.
„Alina...wir sollten zu dem Wohnwagen zurück gehen. Sie schleppen ihn morgen ab, ob du dir deine Sachen geholt hast oder nicht. Du weißt was das heißt.“ begann Maxi.
Sie würden alles verschrotten, das hieß es. „Ich kann nicht…“ antwortete ich und lehnte mich an meine Zimmertür. Warum ich mich nicht zu Maxi setzte wusste ich selbst nicht. Vielleicht weil ich eigentlich allein sein wollte. „Die anderen und ich würden dir helfen, Alina. Du musst das nicht alleine tun.“ versuchte Maxi es wieder.
„Verdammt nochmal, ich hab nein gesagt!“ schrie ich plötzlich meinen Freund an. Tränen der Wut stiegen in meine Augen und ich rutschte an der Tür auf den Boden. „Ich hab nein gesagt.“ schluchzte ich.
Seufzend hockte Maxi sich vor mich und legte eine Hand auf meine Schulter. „Wir sind dort, falls du nachkommen möchtest.“ Dann stand er auf und ich merkte wie er mein Zimmer verließ.


Maxi:

Es fühlte sich merkwürdig an hier zu sein. Karina meinte, dass zumindest wir ein paar Sachen aus dem Wohnwagen mitnehmen sollten, damit Alina etwas von ihrer Familie hatte. Im Moment war Alina noch zu sehr mit ihrer Trauer beschäftigt. Die Polizei hatte rausgefunden dass dieses Zeichen, das auf den Wohnwagen gemalt wurde, mit Blut hingemalt wurde und es war eindeutig das Blut von Alinas Eltern. Man ging davon aus, dass es mit einer Sekte zu tun haben musste und Alinas Eltern tot waren. Von Julian, Alinas Bruder, fehlte noch immer jede Spur.
Diese Informationen gaben Alina den Rest und sie hatte sich völlig zurückgezogen. So entschlossen sie anfangs war, ihre Sachen aus dem Wohnwagen zu holen, so blieb sie nur noch in ihrem Zimmer und versank in ihrer Trauer.
Deswegen hatte Karina auch vorgeschlagen dass wir Alina halfen, beim Ausräumen, wobei sie schon meinte, dass Alina nicht kommen würde.
„Aua! Verdammte scheiße!“ hörte ich Karina rufen. Blitzschnell rannten wir zu ihr. „Was ist denn passiert?“ fragte Markus sofort.
„Ich hab mir einen Nagel abgebrochen, als ich diese verdammte Tür öffnen wollte.“ jammerte sie rum und betrachtete den abgebrochenen Nagel. Ich sah wie Markus kurz die Augen verdrehte und sich der Wohnwagentür zuwandte.
„Ich hab mir einen Nagel abgebrochen.“ äffte Leon Karina nach. „Seit wann bist du denn so ne Tussi geworden, Karina?“
Karina warf ihm einen bösen Blick zu. „Das tut verdammt nochmal weh, das hat nichts mit Tussigkeit zu tun.“ zischte Karina und betrat nach Markus den Wohnwagen.
Nachdem nur Markus, Karina, Leon und ich da waren und der Wohnwagen doch ein eher größeres Modell war, hatten wir alle leicht Platz dort drinnen und so teilten wir uns auf.
Natürlich war es merkwürdig in fremden Sachen rumzustöbern, jedoch machten wir es für Alina. Sie würde es später bereuen, nichts mitgenommen zu haben.
Wir hatten bereits ein paar Sachen gefunden, hauptsächlich ein paar kleine Dekoteile und einiges an Fotoalben, als Markus laut zu lachen begann.
„Maxi, ich glaub du hast da ein ganz besonderes Mädchen gefunden, oder soll ich sagen, YIHA Cowboy!“ Mit den Worten zog Markus einen rosa Cowboyhut und braune Cowboylederstiefel hervor. „Vielleicht solltest du und Alina euch mal zusammen tun. Dann könntest du deine alte Countryband wieder aufleben lassen, Leon.“ lachte Markus weiter.
Wir begannen alle zu lachen, außer natürlich Leon.
„Wie kommst du darauf, dass das Alinas Sachen sind?“ fragte Karina schließlich.
Markus zuckte mit den Schultern. „Da war dieser Karton, da stand Alina´s Cowgirl-Ausrüstung drauf.“ meinte er ernst.
Ungläubig starrten wir Markus an, der wieder laut loszulachen begann. „Natürlich nicht. Aber ich hab vorhin ein Bild gesehen, wo sie genau das getragen hat. Zumindest was den Hut und die Stiefel betrifft.“ meinte Markus schließlich und kramte in einer der bereits gepackten Kisten, bis er schließlich fündig geworden war. Triumphierend hielt er das Bild hoch. Darauf war Alina mit genau diesem Hut und den Stiefeln zu sehen. Sie trug eine karierte Bluse, deren Enden sie zusammen geknotet hatte und eine kurze Jeans.
„Ich erinnere mich an diesen Tag. Es war der Tag, an dem meine Eltern Julian und mir verkündet hatten nach Texas zu gehen. Es müsste inzwischen gut zwei Jahre her sein.“ hörte ich plötzlich Alina hinter mir. Ruckartig drehte ich mich in ihre Richtung und tatsächlich stand sie hinter mir.
Sie lächelte mich kurz an und ging an mir vorbei zu dem Tisch, auf dem ihr Hut lag. „Meine Eltern wollten ihre Zelte hier abreißen könnte man sagen und nach Texas gehen, um sich den Traum einer eigenen Ranch zu erfüllen. Deswegen hatten sie Julian und mir einen Cowboyhut und Stiefel gekauft, um uns quasi einzustimmen. Es war ein echt toller Tag, den wir alle zusammen verbracht hatten.“ schwelgte Alina in Erinnerung und nahm dabei ihren Hut in die Hände um ihn zu betrachten. „Irgendwie hatte ich mich schon auf Texas gefreut.“ hörte ich sie murmeln.
„Danke, dass ihr das macht. Und es tut mir leid, dass ich die letzten Wochen so...in meinem Selbstmitleid versunken bin.“ begann Alina sich an uns zu wenden.
Sofort eilte Karina auf ihre beste Freundin zu und nahm ihre Hände in die ihren. „Bist du denn verrückt? Du musst dich doch für nichts entschuldigen! Was redest du außerdem von Selbstmitleid? Das ist doch völlig normal, wie du dich verhalten hast, immerhin hast du deine Familie verloren!“ meinte Karina.
Alina allerdings schüttelte ihren Kopf. „Nein, es war nicht richtig von mir. Ihr alle habt versucht mich irgendwie abzulenken und ich hab euch nur von mir weggestoßen.“
Zögernd griff ich nach Alinas Hand und drehte sie somit leicht zu mir. „Nein, es ist alles gut. Es gibt nichts, wofür du dich entschuldigen musst, okay?“ sagte ich meiner Freundin. Alina lächelte, doch es erreichte nicht mal annähernd ihre sonst so strahlend eisblauen Augen. „Danke.“ flüsterte sie und lehnte ihren Kopf für einen kurzen Moment an mich.
Alina straffte ihre Schultern und atmete einmal tief ein. „Okay. Lasst uns weitermachen, damit wir fertig werden, bevor es dunkel wird.“ klatschte sie in ihre Hände.
Sie ging auf einen Schrank zu und riss regelrecht die Türen auf. In diesem Schrank befand sich ein Koffer und eine Menge Klamotten. Alina begann diese einzupacken, so wie es aussah, waren es ihre eigenen. Dann ging sie zu einem anderen Schrank und zog eine schwarze Lederjacke daraus, die sie ebenfalls einpackte. Scheinbar bemerkte sie, dass ich sie beobachtet hatte. „Die Jacke gehörte Julian. Er hat sie immer geliebt, ich würd sie gern als Erinnerung an ihn behalten.“ erklärte sie mir. „Außerdem würde er es mir nie verzeihen, wenn ich sie zurücklassen würde.“ lächelte Alina leicht.
Nickernd erwiderte ich ihr lächeln und half ihr den Koffer zu schließen, da er doch schon ziemlich voll war. „Willst du auch was von deinen Eltern mitnehmen?“ fragte ich. Alina aber schüttelte ihren Kopf. „Ich bekomm ihre Eheringe von der Polizei zurück.“ murmelte sie.
Wir sammelten noch ein paar Sachen von Alina ein und trugen alles nach draußen. Alina war die Sachen auch nochmal durchgegangen die wir bereits eingepackt hatten, es fielen noch ein paar Sachen weg und so konnten wir alles gut auf unseren Motorrädern verstauen. Wir mussten mehrmals fahren, um alles transportieren zu können.
Währenddessen blieb Karina bei Alina, damit sie nicht allein war.
Als wir dann endlich bei der letzten Fuhr waren und nur noch eine kleine Kiste übrig blieb, bedankte Alina sich erneut. Danach fuhren Leon, Karina und Markus nach Hause und so blieben nur noch Alina und ich übrig. Inzwischen dämmerte es schon, Alina aber wollte noch hier bleiben und sie hier allein zu lassen, kam natürlich nicht in Frage.
Wir saßen vor dem Wohnwagen und redeten. Alina erzählte mir etwas über sich, aus ihrer Vergangenheit. Sie hatte, bevor sie die Deutschlandtour mit ihrer Familie gestartet hatte, an der Nordsee gelebt. Nähere Verwandte hatte sie nicht mehr, was somit die Frage klärte, warum sie und ihre Familie von niemanden vermisst wurde. Außerdem erzählte Alina von ihrem Bruder, Julian. Sie mochte ihn sehr und die beiden hatten eine sehr enge Bindung zueinander. „Ihr hättet euch bestimmt gemocht.“ meinte Alina zum Schluss lächelnd. „Bestimmt. Er schien echt nett zu sein.“ stimmte ich meiner Freundin zu und wieder nickte sie nur.
Seufzend stand sie schließlich auf. „Lass uns nach Hause fahren, es ist schon spät.“ Ich erhob mich ebenfalls. „Ist gut. Ich muss nur noch mal eben hinter einen Baum. Bin gleich wieder da.“ meinte ich knapp und endlich erreichte Alinas lächeln wieder ihre Augen.
„Ist gut. Ich warte solange hier.“ grinste sie noch immer breit.
Nachdem ich mich erleichtert hatte und zurück ging, hatte ich ein merkwürdiges Gefühl. Jedoch konnte ich nicht sagen was es war. Am Wohnwagen angekommen, merkte ich schnell, dass Alina nicht wie vereinbart bei meinem Motorrad wartete. Vielleicht musste sie auch nochmal. Vorsichtshalber sah ich aber nochmal im Wohnwagen nach. „Alina? Bist du hier?“ rief ich als ich ihn betrat. Es war still, viel zu still.
Im Wohnwagen war Alina nicht zu finden und mein schlechtes Gefühl breitete sich weiter in mir aus. „Alina?! Alina! Wo bist du?!“ rief ich immer wieder, bekam jedoch keine Antwort. Ich umrundete den Wohnwagen. „Alina, wenn das ein Scherz ist, dann ist er verdammt schlecht!“ Noch immer keine Antwort. Wohin war sie denn verschwunden?
Ich ging einen Schritt nach vor, als ich sie sah. Ein blond gelocktes Mädchen, sie stand hinter einem Baum und hatte mich beobachtet. Noch bevor ich etwas sagen konnte, lächelte sie mich an und war im nächsten Moment verschwunden.
Im nächsten Moment fiel mir ein, was Alina mir erzählt hatte. Ein blondes Mädchen hatte sie im Wald verfolgt. War sie dieses Mädchen? Hatte sie etwas mit dem verschwinden von Alina zu tun?
 
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