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I'm Falling I TASM Andrew Garfield

Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Gwen Stacy May Parker OC (Own Character) Peter Parker / Spiderman
25.01.2022
03.04.2022
6
12.222
 
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25.01.2022 1.967
 
Wie gebrochen darf eine Seele sein, um noch den Weg zurück finden zu können?
Kannst du verarbeiten was passiert ist?
Kannst du darüber hinweg kommen?
Kannst du wieder ein Sinn im Leben finden?
Kannst du von vorne beginnen?
Kannst du wieder jemanden in dein Leben lassen?
Kannst du...
dir selbst vergeben?

New York.
Die Stadt der endlosen Möglichkeiten.
Ich schwang mich durch die Straße. Bald würden diese von den Strahlen der aufgehenden Sonne in Besitz genommen werden. Mein Spiegelbild huschte über die Fenster der Hochhäuser aber ich traute mich nicht es anzusehen. Ich hatte wieder kein Auge zubekommen. So langsam spürte ich auch die Kälte wie sie sich immer tiefer in meinen Körper fraß. Eine weitere Nacht auf dem Empire State Building. Der Regen hatte sich mittlerweile etwas beruhigt und streichelte fast schon liebevoll meinen Anzug, als wolle er sich für die scharfen Messerstiche von heute Nacht entschuldigen. Die Nächte wurden ohnehin immer kühler. Welch Überraschung...im Dezember.

Ich schwang gerade um eine Ecke als ich einen kurzen Stromschlag im Kopf spürte. Mein Spinnensinn? In letzter Zeit war er nicht wirklich zuverlässig. Vielleicht lag es aber auch an den ganzen Stimmen im Kopf, dass ich ihn einfach überhörte. Auf dem nächstbesten Vorsprung einer der Hochhäuser machte ich Halt um mich umzusehen.
Es war ruhig auf den Straßen. Für New York zumindest. Nichts erregte meine Aufmerksamkeit. Wahrscheinlich war es nur ein falscher Alarm. Toll! Erst meldet er sich gar nicht und dann schlägt er auch noch fehl. Gerade als ich weiter schwingen wollte, hörte ich einen kurzen Aufschrei. Ich blickte nach oben und sah wie eine Frau sich fest an das Geländer eines Hochhausdaches klammerte. Was tut sie da?

Innerhalb weniger Sekunden hatte ich die Strecke bis zu ihr überwunden und landete elegant auf dem Dach des Hochhauses. Zwischen uns waren noch ein paar Meter, da sie jedoch schon über das Geländer geklettert war und viel zu sehr damit beschäftigt war sich ans Geländer zu klammern und immer wieder panisch nach unten zu sehen, bemerkte sie mich nicht. Ich beobachtet sie für einen kurzen Moment um die Situation richtig einordnen zu können. Würde Sie springen? „Ist das nicht ein schlechter Tag sich umzubringen?", fragte ich sarkastisch als ich langsam auf sie zuging. Als ob es jemals einen guten Tag für so etwas gab. Ob ich schon mal daran gedacht hatte? Ja. Aber ich war sogar dafür zu schwach.
Erschrocken zuckte Sie zusammen, wodurch sie das Gleichgewicht verlor, etwas schwankt und sich anschließend noch fester an das Geländer des Daches klammerte. „Bleib genau da stehen wo du gerade bist!", zischte sie und funkelte mich mit Ihren Augen wütend an. Ihr Blick war starr auf mich gerichtet, ihre Augen etwas verengt, und es schien als würde sie jede noch so kleine Bewegung von mir wahrnehmen. Ich blieb stehen und hob die Hände ergeben etwas in die Luft. Als sie sich sicher war, dass ich nicht näher kommen würde blickte sie wieder nach unten, als würde sie versuchen abzuschätzen wie lange es dauern würde. Ich musterte sie eingängig. Ihrem Gesicht konnte man entnehmen, dass sie gerade eine schwere Zeit durchmachen zu schien. Wäre dies nicht der Fall und würden Ihr die Haare nicht nass ins Gesicht hängen, wäre sie eine ziemlich schöne Frau, die es definitiv nicht nötig hätte sich von einem Hochhaus zu stürzen. Was sie wohl dazu antreibt?

Sie biss sich auf die Lippe und schien völlig auszublenden dass ich bei ihr war. Sie schien mit sich zu hadern. „Hör mal, tu uns beide doch bitte den Gefallen und komm einfach wieder auf die andere Seite des Geländers. Ich sehe doch dass du das gar nicht tun willst.", versuchte ich mit ruhiger Stimme zu sagen, klang dabei aber eher genervt als einfühlsam. Ich war darin früher so viel besser. „Was weißt du den schon? Du kennst mich noch nicht einmal. Warum bist du überhaupt hier wenn du sowieso kein Bock darauf hast?", zischte sie mich wieder an und ich sah in Ihren Augen etwas feucht glitzern, als sie mich wieder ansah. „Du bist seit einem Jahr verschwunden und genau jetzt musst du auftauchen? Hier?", fuhr sie fort, „Es hat dich die ganze Zeit nicht gekümmert was mit den Leuten passiert. Hast du eine Ahnung davon wie es da unten ist? Außerhalb von deiner Spiderbubble wo du jedes Mal die Welt rettest und der Held der Geschichte bist? Erzähl mir nichts vom Leben und ob es es wert ist." Ich schluckte, da mich ihre Worte mehr trafen als ich zugeben wollte. Ja, ich wusste wie es dort unten war. Bis vor einiger Zeit war ich schließlich selber ein Teil davon gewesen. Es war sicherlich nicht einfach gewesen, aber man konnte sich in Gewissermaßen damit arrangieren. Bis man dir endgültig den Boden unter den Füßen wegzieht. „Ich bin mir sicher, du würdest es bereuen wenn du jetzt springst. Es mag für dich wie eine einfach Lösung klingen aber hast du mal daran gedacht wie es für die Menschen ist, die übrig bleiben?", versuchte ich an ihr Gewissen zu appellieren. Mir hatte das immer geholfen wenn ich mich so tief in der Dunkelheit gefangen sah. Ich konnte Tante May das einfach nicht antun. Sie musste schon genug durchmachen als sie ihren Mann und ihr Kind verloren hatte. „Ich habe niemanden. Es wird niemand übrig bleiben.", sagte sie leise und ich sah den Schmerz in ihren Augen welcher so tief in ihr verborgen lag. Gab es wirklich Menschen die noch weniger besaßen als ich? Menschen die nicht einmal eine Tante May hatten? Nicht einen einzigen Mensch welcher sich um sie sorgte?

Ich überlegte ob ich sie mit einem Netz schnell genug erreichen könnte, für den Fall dass sie doch los ließ. Der Wind spielte mit Ihren blonden Haare und ich hatte das Gefühl zu sehen, dass Ihre Kräfte so langsam nachließen. Wie lange stand sie schon hier oben? Langsam versuchte ich mich auf sie zuzubewegen, doch der Kies unter meinen Füßen verriet mich sofort. Blitzschnell sah sie mich wieder an: „Ich hab dir doch gesagt du sollst stehen bleiben!" Ich sah wie sich ihre Brust immer wieder heftig hob und senkte. Ihr innerlicher Kampf war ihr deutlich anzusehen und eigentlich war ausgerechnet ich jetzt der falsche Typ der bei ihr war. Ich kam ja nicht mal mit mir selber klar und versuchte mich aus einem Loch zu ziehen, wie konnte ich ihr dann dabei helfen? „Ich schaffe das einfach nicht mehr.", sprach sie wieder leise, als ich stehen blieb und sah mich nach einem kurzen Blick nach unten wieder an, „Wo warst du als ich dich gebraucht habe? Wo warst du als meine Familie dich gebraucht hat?" Der Wind trug ihr leises Schluchzen zu mir und mein Magen zog sich zusammen. Die fehlende Existenz Spidermans raubte den Menschen die Hoffnung. War es weil sie den Luxus gewöhnt waren, das die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft kommt und jeden und alles rettet? Aber ich kann nicht jeden retten. Und schon gar nicht konnte ich noch die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft sein. „Es tut mir leid.", entgegnete ich leise während ich den Blick senkte. Die Leute hatten sich auf mich verlassen, doch ich war zu sehr mit mir selbst beschäftigt um ihnen helfen zu können. „Egal was ich getan habe, oder nicht getan habe, es tut mir leid.", fuhr ich leise fort und meine Reue war aufrichtig. Sie richtete sich auf und sah mich ungläubig an. „Was?", fragte sie leise und konnte wohl genau so wenig glauben was sie eben gehört hatte wie ich selbst. Sie fing zu weinen an und wieder zeigte sich gebrochen auch sie war. „Wieso sagst du so was? Wieso jetzt?", schluchzte sie und wendete wieder den Blick zu Boden. Der Wind war mittlerweile stärker geworden und ich sah wie sie etwas schwankte. Durch den Regen war sowohl das Geländer als auch der Kies unter unseren Füßen rutschig geworden. Vorsichtig machte ich wieder einen Schritt auf sie zu und hatte sie fast erreicht. Vorsichtig versuchte ich ihre Aufmerksamkeit wieder auf mich zu ziehen um sie nicht wie zuvor zu erschrecken. Nur noch ein, zwei Schritte dann hätte ich sie erreicht. Sanft und mit ruhigem Ton fuhr ich fort: „Es tut mir leid, dass ich deine Familie nicht beschützt habe, aber ich werde dich beschützen. Vertrau mir." Wieder schluchzte sie auf und wischte sich hastig mit einer Hand die Mischung aus Tränen und Regen von den Augen. Das war absolut keine gute Idee! Um das zu wissen hätte ich nicht mal meinen Spinnensinn gebraucht, welcher sich sofort meldete.

Die Tür hinter mir welche vom Gebäude aufs Dach führte sprang auf und ein älterer, etwas rundlicher Mann stürmte hindurch. „Ma'am, kommen Sie sofort wieder zurück!", befahl er hastig und außer Atem. Ich schenkte ihm einen kurzen Blick und erkannte an der Aufschrift seiner Jacke, dass er die Security des Hauses war. Fast schon zeitgleich hörte ich einen Aufschrei aus der entgegen kommenden Richtung und als ich mich wieder zum Geländer umdrehte, an welchem eben noch die junge Frau stand, war sie verschwunden. Verdammt!
Mir blieb nicht der Bruchteil einer Sekunde Zeit, um darüber nachzudenken was ich nun tun sollte. Meine Beine waren schon in Bewegung und mit einer Leichtigkeit sprang ich über das Geländer direkt in den freien Fall. Ich legte meine Arme an den Körper an um an Geschwindigkeit zu gewinnen währen ich versuchte Sie mit meinen Augen in der Dunkelheit zu sehen. Ich fand sie! Ihre Augen waren weit geöffnet, soweit, dass ich nun ihre Augenfarbe sehen konnte. Waren sie wirklich so blau? Konnte das wirklich wahr sein? Ich weiß ich sollte sie auffangen, sollte die Umgebung nach einer Möglichkeit absuchen uns beide festhalten zu können, aber ich konnte den Blick einfach nicht von ihren Augen abwenden. War es die Angst, welche man in ihnen sah, welche mir so bekannt vor kam? War es die Hoffnungslosigkeit, dass ich sie nicht erreichen würde, welche mir so vertraut vorkam? Vor einem inneren Auge blitzen Bilder auf und ich wusste sofort wieso mir das alles hier so bekannt vorkam. Es war nicht diese fremde Frau die mir so vertraut vorkam, es war die Situation. Und sie war mir viel zu vertraut.
Es fühlte sich an, als würden wir in Zeitlupe fallen und als würde sich eben so langsam ihre Augen schließen. Sie wusste, dass ich es nicht schaffen würde. Sie wusste, das sie gleich ihre letzten Atemzüge machen würde. Und sie wusste, das gleich mit einem schlag alles vorbei sein würde. Ich spürte wie sich meine Nackenhaare aufstellten, wie mir unglaublich heiß wurde und sich der Schweiß seinen Weg durch meine Poren suchte. Nein, nicht jetzt. Nicht hier. Nicht wieder einer dieser Tagträume, diese Albträume.

Die Bilder zogen rasch an mir vorbei. Realität und Fiktion verschwammen zu einer nicht mehr trennbaren Einheit. Ich streckte meine Hand aus. Ich durfte sie nicht wieder verlieren, nicht noch einmal. Mit zwei Finger drückte ich feste den Knopf in meiner Handfläche welcher zu dem Armband an meinem Handgelenk führte. Meine Hand zitterte und ich spürte wie sich die Angst bereits in meinem ganzen Körper ausgebreitet hatte und mich auffraß. Es gab kein entrinnen. Die Umrisse vor meinen Augen verschwammen, während sie immer mehr zu brennen begannen. Ich musste nicht in die Spiegelung der Fenster sehen um zu wissen, dass ich weinte. In diesem Moment war ich einmal mehr dankbar um meine Maske hinter der ich mich verstecken konnte.
Ich spannte meinen gesamten Körper an in der Hoffnung dadurch noch schnelle zu werden. Der Boden war schon so unglaublich Nahe, das ich selbst nicht mehre daran glaube, dass mein Netz sie noch rechtzeitig erreichen würden. Die Panik überkam mich mit voller Wucht und ohne auch nur den Hauch von Kontrolle zu haben schrie ich verzweifelt auf: „GWEN!"
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