Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Tauschhandel

von EdePetete
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Übernatürlich / P16 / Gen
Ryomen Sukuna
25.01.2022
25.01.2022
1
1.209
5
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
 
25.01.2022 1.209
 
Augenlieder schwer, der Geist erschöpft, die Glieder schmerzend und der Kaffee leer – die Pein des Studentenlebens. Ausgelaugt lässt du deinen Kopf auf das helle Holz deines Schreibtisches senken, welcher durch deinen mehrwöchigen Lernprozess – oder zumindest den Ansatz, etwas in den bereits vollgestopften Schädel deiner selbst zu zwängen- in kompletten Chaos versunken ist. Du bist zu müde um zu seufzen, zu fertig um den Kopf zu heben und zu sehr im Selbstmittleid versunken um dich zu freuen. Die Prüfungszeit hatte mit dem heutigen Tag ihr Ende gefunden. Für´s erste zumindest.  Eigentlich wäre das der Startschuss gewesen um endlich in deine wohlverdiente Entspannungszeit überzugehen und den Fokus auf Schlafen, Essen und Ausgehen zu legen. Ja eigentlich.
Resigniert beschließt du dich zunächst auf die einfachen Dinge zu konzentrieren, bevor du dich in das Getümmel der nächstgelegenen WG Party stürzt.  Der Stuhl knarrt leise, als du aufstehst und dich mit schweren Schritt in die Küche schleppst. Ein paar Handgriffe später hältst du ein Glas mit Orangensaft in deiner Linken, während du mit deiner anderen Hand im Küchenschrank über dir nach den Kopfschmerztabletten suchst. Als du diese zwischen deinen Fingern spürst, machst du dich schnell auf den Rückweg in dein Zimmer – wobei du nicht drum rum kommst zu bemerken, dass du anscheinend die Einzige bist, die mit Ende der Prüfungsphase nicht flügge geworden ist. Wahrscheinlich waren alle sieben deiner Mitbewohner bereits entweder in die Heimat, auf der nächsten Party oder, im traurigen Fall der in Folge einer nicht bestandenen Klausur eintritt, in der Bibliothek um sich für dich Wiederholungsprüfung vorzubereiten.

Du musst zugeben, dass du dich ein wenig einsam fühlst. Natürlich ist dieses Gefühl auch dem gruseligen Flur geschuldet, welcher zwar eine Lichtquelle besitzt, diese jedoch vor ein paar Tagen den Geist aufgegeben hat. Dementsprechend kannst du nur hoffen, dass du in der Schwärze der Dunkelheit nicht gegen die nächste Wand läufst, was du vorzubeugen versuchst indem du deine Augen leicht zusammen kneifst und versuchst dich trotz der Kopfschmerzen zu konzentrieren.
Du unterdrückst den Drang deinen Schritt zu beschleunigen um schnellstmöglich in dein Zimmer zu kommen, vor allem weil du dir die aufkeimende Angst, welche dein Herz leicht schneller klopfen lässt, nicht eingestehen willst. An deiner Tür angekommen fühlst du dich plötzlich etwas merkwürdig, allerdings ist dir nicht ganz klar woher dieses Gefühl nun kommt und was du dagegen tun kannst. Was du weißt ist, dass irgendetwas nicht stimmt…
Um sicher zu gehen schließt du die Tür deines kleinen 9 qm Zimmers ab und setzt dich auf dein Bett, um ein wenig Abstand zwischen dir und die Tür zu bringen. Es ist schon das zweite Mal, dass du dich so merkwürdig fühlst und es macht dir Angst. Das Gefühl der blanken Panik breitet sich in dir aus, doch bevor du komplett durchdrehst fällt dir die Kopfschmerztablette ein, welche beinahe durch deine zittrige Finger auf den Fußboden gefallen wäre. Schnell nimmst du einen Schluck von deinem Glas, darauf folgt die Tablette und noch ein Schluck. Als du das Glas komplett gelehrt hast ist dein Verlangen groß die, sich immer noch ausbreitende,  Panik zu leugnen und sich stattdessen etwas abzulenken.  Du greifst nach deinem Handy und beginnst die zahlreichen Apps darauf nach etwas Zerstreuung zu durchsuchen – was dir auch gelingt. Nach einiger Zeit auf Tiktok, Youtube und co. Merkst du wie die Panik einer bleiernen Müdigkeit gewichen ist und es fällt dir immer schwerer den Fokus zu behalten.

Bis du ihn verlierst.

Pling.   Pling.    Pling.
Wasser, tropfendes Wasser. Aber wo? Du öffnest deine Augen, um die Quelle des Tropfen ausfindig zu machen, jedoch kannst du nichts erkennen. Nichts. Einen Moment lang gibst du dich der Dunkelheit hin, die dich umgibt und sich so anfühlt wie eine Mischung aus Seide und Rauch. Die ganze Situation ist dir zwar irgendwie Suspekt, aber du hast keine Angst. Du spürst…nichts mehr? ‚Ist das normal?‘, fragst du dich und während sich dieser kleine Gedanke formt, merkst du bereits wie er sich wieder in Luft auflöst. ‚Gedanken…was sind Gedanken? Worte, sprechen, handeln….‘ in deinem Kopf erscheinen die Wörter, ohne dass du sie zuordnen kannst. Aber das ist okay, fühlst du dich doch so….so… ‚Wie hieß das Wort noch gleich? Ach egal.‘ Du beginnst die Augen wieder zu schließen, um dich besser auf das Gefühl von Seide und Rauch konzentrieren zu können.

„Ahh, sieh an. Hat dich lang genug gedauert, Mensch.“
‚Was?‘
Die Stimme erklingt deutlich und klar, jedoch ist es dir unmöglich herauszufinden woher sie kommt. Rechts? Links? Von oben? Oder…?  
„Ich hätte nicht gedacht, dass dich mein Einfluss so ausknockt. Ihr Menschen seit so zerbrechlich. Aber besser so, dann geht die Sache schnell. Wobei es schon schade ist…ich hätte gerne etwas mit dir gespielt. Langweilig.“
Die Stimme klingt dunkel und hallend, als wäre sie weit weg und doch so nah.
„Oh? Kannst du mich wohlmöglich gar nicht hören?“
Ein Seufzen.
„Oder ist es doch die Angst die dich lähmt?“
Wie ein Blitz schießt das Gesprochene durch deinen Körper und reißt dich aus der Paralyse. Du schnappst nach Luft, deine Augen weit offen, während du versuchst Abstand zu gewinnen. Abstand von der Stimme, welche ihren letzten Satz direkt in dein Ohr gehaucht hat.
„Ah geht doch.“  Auch wenn du noch immer nicht deine Sicht wiedererlangt hast, siehst du das fette Grinsen bildlich vor dir, welches zusammen mit der triefenden Belustigung im Klang der Stimme mitschwingt.
„Ich dachte du wärst stärker. Aber egal. Ich glaube, dass wir Spaß haben werden.“  Die Worte folgen einen Lachen. Ein dunkles, grollendes Geräusch, dass in deinen Ohren wie ein Echo weiterhalt.
Dir ist übel. Auf einen Schlag spürst du sie wieder – die Angst. Diesmal ist es nicht Seide und Rauch sondern das Gefühl grenzenloser Panik welches dich betäubt. Du versuchst zu sprechen, zu schreien – irgendwas zu tun was deiner Angst Ausdruck verleiht um nicht komplett von ihr verschluckt zu werden. Aber es geht nicht und so bleibst du stumm.
„Du solltest schweigen, es gibt keinen Grund für dich jetzt zu sprechen. Ich brauche deine Stimme lediglich bei der Zustimmung meines…nennen wir es Tauschhandel.“
‚Tauschhandel?‘ Spätestens jetzt war es Zeit die Beine in die Hand zu nehmen, aber auch dieses Verlangen schien die Stimme nur zu belustigen. Erst jetzt fiel dir auf, dass du deinen Körper nicht spüren konntest. ‚Was ist das für ein abgefucktes Spiel? W-War das womöglich keine Kopfschmerztablette?‘
„Ah wird da jemand ungeduldig? Keine Sorge kleiner Mensch, es dauert nicht lang. Ich brauche nur ein Ja. Ich suche schon lange nach einer Hülle und du scheinst mich gerade so aushalten zu können.“
‚Hülle? Tauschhandel?‘ Nein. Ohne die Lage auch nur im geringsten einschätzen und schon gar nicht kontextualisieren zu können, manifestiert sich ein Gedanke in dir:
„Nein.“
Die Worte kommen zittrig und leise aus deinem Mund, aber anscheinend zeigen sie Wirkung.
Ein Schnalzen ertönt. Anscheinend ist die Person, oder was auch immer zu dir spricht, nicht sonderlich von dieser Reaktion begeistert.
„Vorsichtig Mensch. Ich mag es nicht unterbrochen zu werden.“
Kaum hatte er zu Ende gesprochen spürst du erneut die Angst, nein, die schiere Panik.
„Du weißt nicht was dir entgeht. Und was du gewinnen kannst. Ich sehe doch wie schwach du bist, wie klein, wie zerbrechlich, wie erbärmlich….Du kannst das alles ändern, sag einfach Ja.“

Nein!
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast