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Weißwurst-Rebellion

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteHumor, Liebesgeschichte / P16 / Mix
Deutschland Italien Japan OC (Own Character) Preussen
22.01.2022
03.04.2022
10
11.436
3
Alle Kapitel
11 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
22.01.2022 944
 
Kapitel 1: Ein Wellensittich namens Fritz


Fritz, der kleine, gelbe Wellensittich, schimpfte laut in seinem Käfig. Er schien ebenso wie Otto nicht erfreut über die morgendliche Ruhestörung. Auf der Flucht vor Otto Beilschmidts bösen Blicken war Carla zusammen mit Feliciano in Gilberts Zimmer im ersten Stock geschlichen.

„Schnauze, Fritz“, stöhnte das Mädchen erschöpft, ihr Schädel brummte und sie wusste nicht, wie lange sie dem Gezirpe standhalten konnte, ohne auszurasten. Warum musste Gilbert ausgerechnet einen hyperaktiven Wellensittich besitzen? Warum kein Kaninchen? Etwas, was weniger Krach machte…

Feliciano dagegen schien sich kein bisschen an dem Tier zu stören, er kramte in der Box neben dem Käfig nach einem Körnerstick. „Ciao, più piccola“, flötete er mit Fritz um die Wette und stopfte das Leckerchen zwischen den Stäben hindurch.

„Warum bist du überhaupt hier, Feli?“, wunderte sich Carla, „Die Party war bei euch im Garten, du hättest dich einfach dort in dein schönes, weiches Bett schmeißen und pennen können.“

Feli zuckte bloß mit den Schultern. „Wollte euch nur mit Gilbert helfen.“

Carla zog zweifelnd die Augenbrauen hoch. Das Haus der Vargas lag nur eine Querstraße entfernt, auch ohne Felis Hilfe hätten sie Gilbert irgendwie hierher geschafft.

„Ehm“, räusperte sich Feliciano und starrte interessiert an die Decke, „Außerdem wollte Ludwig bei mir übernachten. Aber weil er sich jetzt um Gilbert kümmern muss, wollte ich mit und sicherstellen, dass er nicht doch hier schläft. Ich nehme ihn wieder mit, sobald Gilbert versorgt ist.“

Ein nervöses Kichern kam über Carlas Lippen. Das klang schon eher nach der Wahrheit. „Aha! Das trifft sich ganz gut, dann könnte ich in Ludwigs Zimmer pennen und müsste nicht den ganzen weiten Weg den Berg rauf bis zu mir nach Hause… Oh meine Güte, was ist mit Ann und Kiku? Wir haben sie im Vorgarten zurückgelassen! Otto wird nicht besonders erfreut sein!“

Feliciano lief schnell zum Fenster, um nach draußen zu sehen, dann schüttelte er den Kopf. „Die beiden sind weg. Ann meinte vorhin, ihre Mum holt sie hier ab. Sicher haben sie Kiku auch mitgenommen.“

„Hoffentlich“, stöhnte Carla, „Seine Gasteltern reißen uns sicher den Schädel ab, wenn ihr Pflegesohn nach seiner allerersten Party mit der Band spurlos verschwindet!“

Die Tür wurde aufgetreten und die Beilschmidt-Brüder stolperten in den kleinen Raum. „Raus aus den Klamotten“, befahl Ludwig seinem Bruder, während er ihn in Richtung Bett bugsierte.

Gilbert gab nur ein paar unverständliche, leidende Laute von sich und rührte sich nicht mehr, kaum war er auf die Kissen geplumpst.

„Du musst das ausziehen, es ist klatschnass.“, beschwor Ludwig ihn wieder und wandte sich an Carla, „Ich musste ihn unter die Dusche stellen, anders hab ich ihn nicht sauber bekommen…“

„Schon gut, das kriegen wir irgendwie hin. Sind deine Eltern sehr sauer?“

„Mama schrubbt den Läufer und Papa schimpft was von wegen pubertären Kackbratzen, aber die kriegen sich wieder ein, keine Sorge. Ah, ich bin so müde!“

„Wir haben das mit der Bettenverteilung schon geklärt!“, schaltete sich Feliciano rasch ein und hängte sich an Ludwigs Arm, „Wir bleiben bei unserem Übernachtungsplan, du kommst mit mir und Carla kann in deinem Zimmer schlafen.“

„Ich will nicht nochmal raus“, jammerte Ludwig (etwas sehr, sehr ungewohntes für seine Verhältnisse), „Es ist schon hell, ich hab meinen Bruder von seiner eigenen Kotze befreit, ich will einfach nur ins Bett. Bitte, Feli, wir können das ein andermal-“

Carla, die sich inzwischen abmühte, Gilbert aus den nassen Klamotten zu schälen, meinte: „Dann schlaf du doch hier, Feli. Ich fühle mich eigentlich wieder relativ fit, ich werde es auch nach Hause schaffen.“

Endlich gelang es ihr, das T-Shirt über Gilberts Kopf zu ziehen. Sie warf es beiseite und machte sich an seiner Hose zu schaffen. Mit vereinten Kräften zogen sie ihm den schweren Jeansstoff von den Beinen. Da keiner der drei große Lust verspürte, dem komatösen Jungen trockene Kleidung anzuziehen, breiteten sie einfach die Bettdecke über ihm aus. Sollte er sich später selbst anziehen, wenn er ausgenüchtert war.

Carla nahm sich noch einen Moment Zeit, um die Decke auch über Gilberts nackte Füße zu ziehen (nicht, dass er sich noch eine Erkältung einfing) und die Vorhänge ein Stück zuzuziehen, dann wollte sie Ludwig fragen, ob sie vielleicht doch hier schlafen konnte. Das Haus der Böhms lag am Ende einer sehr, sehr steilen Straße, die nach einer Nacht ohne Schlaf sicher noch viel steiler war.

„Ludwig?“, murmelte sie, doch sie bekam keine Antwort. Ludwig und Feli waren verschwunden. Na wunderbar!

„Binnich Ludwig…“, krächzte eine heisere Stimme vom Bett aus, „Wie kannsu mich mit diesm Trottel verwechseln, das bricht mir das He- Herz! Ich seh viel besser aus. Neee, ich bin… ich bin… Bi… Birdy.“

„Ja, stimmt, du bist Birdy, ich weiß“, flüsterte Carla und angelte eine Wasserflasche vom Schreibtisch, „Trink was, wenn du gerade bei Bewusstsein bist.“

„Danke“ Gilbert nahm ein paar gierige Schlucke aus der Flasche, bevor er versuchte, Carla zu fokussieren. Es gelang ihm teilweise. „Warum stehscht du noch hier rum? Willste nicht pennen?“

„Doch, ich würde gerne in meinem Bett liegen und tief und fest schlafen, aber ich musste mich um gewisse, betrunkene Leute kümmern.“

„Unn jetzd?“

„Jetzt werde ich mich auf den Heimweg machen.“, seufzte sie erschöpft, „Gute Nacht, Birdy“

„Ischdoch viel su weit, bleibdosch hier“, nuschelte dieser und rollte sich etwas zur Seite, um Platz zu machen.

Carla trat unschlüssig von einem Bein aufs andere. „Sicher?“, fragte sie mit zitternder Stimme. Doch Gilbert ‚Birdy‘ Beilschmidt schnarchte schon in sein Kissen und hörte nichts mehr. So bekam er auch nicht mit, wie Carla sich eine Jogginghose und ein Shirt aus seinem Schrank holte, sich umzog und zu ihm unter die Decke schlüpfte. Das Herz pochte ihr dabei so laut durch den ganzen Körper, dass selbst Fritz eingeschüchtert verstummte.
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