Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Heal me

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 / MaleSlash
Draco Malfoy Harry Potter Hermine Granger Luna Lovegood Minerva McGonagall Ronald "Ron" Weasley
20.01.2022
29.06.2022
31
137.864
111
Alle Kapitel
259 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
23.06.2022 4.851
 
Ich sitze im Garten und versuche krampfhaft, nicht alle fünf Sekunden zur Hintertür zu blicken, ob Draco wieder zurück ist. Er ist nun seit ungefähr drei Stunden weg und ich bin einigermaßen stolz auf mich, dass ich die erste Stunde mit Cookie im Park verbracht habe, ohne dauernd auf die Uhr zu sehen.
Seit ich zurück bin, habe ich geduscht, wobei ich mir sehr viel Zeit gelassen habe, habe eine Kleinigkeit gegessen und mich dann in den Garten gesetzt, wo ich seither kleine Übungen mache, um meine Magie zu trainieren. Allerdings bin ich abgelenkt und meine Schwebezauber werden mit jeder Minute erbärmlicher. Der Stuhl, den ich eben schweben lasse, bebt bereits verdächtig und als ich eine Bewegung an der Tür wahrnehme, kracht er mit einem unschönen Knirschen auf den Boden.
“Reparo.”
Immerhin gelingt dieser Zauber, wie ich mit einem kurzen, prüfenden Blick feststelle, aber dann erstarre ich, denn Dracos Miene ist steinern.
“Was ist passiert?”
Draco lässt sich auf den eben reparierten Stuhl sinken - er muss wirklich Zutrauen in meine Magie haben - und seufzt. Dann sieht er zu mir hoch und scheint meine Anspannung zu erkennen. Die Tatsache, dass er sich sofort wieder erhebt und auf mich zu geht, lässt nichts Gutes verheißen. Er ist sich offenbar sicher, dass ich seine Nähe brauche, seinen Halt, wenn er mir sagt, was geschehen ist.
“Die Verteidigung hat beantragt, dass du als Zeuge vor Gericht erscheinen musst und der Richter hat dem statt gegeben.”
Ich bin ihm dankbar, dass er nicht um den heißen Brei herum redet, aber die Information schafft es noch nicht in mein Gehirn, da habe ich intuitiv bereits einen Schritt zurück gemacht, der mich ins Straucheln bringt. Draco greift nach mir und zieht mich in eine feste Umarmung. Er sagt nichts. Versucht nicht, mich zu beruhigen, mir zu versichern, dass Hermine, Minerva oder er selbst das verhindern werden. Er hält mich einfach nur, streichelt mich sanft und küsst meine Schläfe.

Ich schaffe es, mich auf seine Berührungen zu konzentrieren, aber mit jedem sanften Kuss, jedem liebevollen Streicheln wird mir bewusster, dass es keinen Ausweg gibt. Wenn es einen gäbe, hätte Draco ihn gleich im Anschluss an diese Offenbarung genannt.
“Ich … ich werde nicht darum herum kommen, oder?” Obwohl meine Stimme nur ein Flüstern ist, hat er mich verstanden. Er seufzt wieder.
“Ich weiß es, ehrlich gesagt, nicht. Hermine hat angedeutet, dass sie die Anklage anders aufziehen will, aber wenn du als Zeuge der Verteidigung geladen wirst und nicht erscheinst, dann wird das so oder so Fragen an der Glaubwürdigkeit deiner Aussage aufwerfen. Das ist wirklich clever gemacht, denn natürlich will die Verteidigung gar nicht, dass du kommst. Und falls du doch kommen solltest …” Er verstummt.
“... gehen sie davon aus, dass ich selbst der Beweis für die Unzulänglichkeit meiner Aussagen bin.”
Draco nickt leicht an meiner Schulter. Er wirkt erschöpft.
“Was … was bedeutet das? Für Riverstone? Für Diggory? Hermine sagte doch, dass Kingsleys Unterlagen umfangreich genug sind, oder?”
Ich klammere mich an diesen kleinen Strohhalm, obwohl mir klar ist, dass Draco nicht so drauf wäre, wenn es einen anderen Weg gäbe.
“Es ist nunmal so, dass Kingsleys Mord direkt mit dem zusammenhängt, was dir angetan wurde. Er hat herausgefunden, dass dir Unrecht widerfahren ist, weil eben gar keine Gefahr von dir ausging. Sollte das Gericht zu dem Schluss kommen, dass du psychisch labil bist und die Verteidigung es dann so hinbiegt, dass du es vermutlich bereits vor 10 Jahren warst …”
“Ja … ich verstehe …”  
Alle Hoffnung der letzten Tage ist hinfällig, denn egal, wie ich es drehe und wende - Riverstone und Diggory werden davonkommen.

Ich löse mich abrupt von Draco. Dieser will nach mir greifen, aber ich gehe noch einen Schritt von ihm weg.
“Harry, was ist?”
“Wenn dieser Prozess scheitert, wirst du nicht mehr als Auror arbeiten können.”
“Das kann man so noch nicht sagen. Riverstone hat auf jeden Fall Dreck am Stecken und Diggory kommt allein für meine Entführung und den Mord an Simons in Haft.”
“Gibt es denn eine Leiche? Gibt es irgendeinen Beweis für Simons’ Tod, außer der Aussage dir gegenüber?”
Ich wollte Draco nicht so angehen, aber die Angst tobt in mir wie ein Sturm und ich gebe diese wilde Energie direkt weiter. Wenn ich meine Angst in Wut umwandle, fühle ich mich nicht so hilflos. Es ist einfacher, wütend zu sein, als der Angst nachzugeben.
Draco schüttelt betrübt den Kopf. “Jonas und Gina sind darauf angesetzt. Wir haben einfach zu wenig Zeit, weil wir Riverstone dingfest machen mussten, um uns nicht alle in Gefahr zu bringen. Und dann falle ich ja auch schon seit Wochen aus …”
Ich weiß, dass ich Draco jetzt trösten sollte, aber ich bin gerade in diesem Moment froh, dass meine Angst in Wut umgeschlagen ist. Diese gilt es, am lodern zu halten, denn sie hält mich aufrecht, während die lauernde Angst droht, mich erneut in die Knie zu zwingen. Wenn ich beginne, mir vorzustellen, was von mir verlangt wird …
“Was machen deine Kolleginnen und Kollegen denn die ganze Zeit? Du hast gesagt, sie seien gut und würden auch ohne dich klar kommen! Wir haben Diggorys Geständnis, wir haben Kingsleys Erinnerungen! Warum genügt das nicht? Warum … warum …”
Draco kommt erneut auf mich zu, aber ich drehe mich in dem Moment leicht von ihm weg, mache eine wegwerfende Bewegung mit den Armen, und obwohl ich ihn nicht berühre, wird er zu Boden geschleudert. Das holt mich aus meiner Raserei. Ich bin sofort bei ihm und halte ihm die Hand hin, an der er sich hoch zieht.
“Draco … alles in Ordnung?”
Er nickt, aber sieht, wenn möglich, noch betrübter aus. Und ich ahne, warum.
“Draco … ich habe das normalerweise unter Kontrolle. Es tut mir leid … ich …”
“Schon gut, Harry. Es ist nicht deine Schuld. Lass uns … lass uns erstmal abwarten. Hermine wird sich mit ihren Kollegen beraten, ob es noch eine andere Möglichkeit gibt. Es war erst der erste Verhandlungstag …”
Ich weiß, dass er mich beruhigen will, obwohl es keinen Grund gibt, sich zu beruhigen. Aber ich tue ihm den Gefallen. Er soll sich nicht noch mehr Sorgen machen müssen.


Ich sitze wieder allein im Garten, Draco ist nach oben gegangen, um sich zu duschen, als mir ein an mich adressierter Brief auffällt, den Draco auf den Tisch gelegt hat. Ich zögere, ob ich ihn öffnen soll, aber die immer noch vorhandene Wut lässt mich übermütig werden und ich ziehe das Pergament hervor und beginne zu lesen. In umständlichen Worten werde ich darüber in Kenntnis gesetzt, dass man den Ausgang des Prozesses und die darin gewonnenen Erkenntnisse abwarten will, bevor ich meinen Zauberstab zurück erhalten kann. Der Termin wäre in wenigen Tagen gewesen. Die unterschwellige Nachricht, die mir damit vermittelt wird, kann mir natürlich nicht entgehen: Wir sind uns sicher, dass du nie wieder einen Zauberstab tragen solltest.
Die Panik, die stets lässig in einer Ecke meines Gemüts darauf wartet, mich einzunehmen, zieht mich beinahe beiläufig in ihre Arme, aber das kleine Fünkchen Wut genügt, um sie ohne Kreachers oder Dracos Hilfe abzuschütteln. Immerhin gelingt es mir, nicht völlig in dem Strudel der Angst verloren zu gehen. Vielmehr habe ich sie kommen sehen, habe sie bereits erwartet und bin mir durchaus bewusst, was hier geschieht, so dass ich es schaffte, mich selbst zu ruhigen Atemzügen zu motivieren.
“Harry, was …”
Ich sitze noch etwas zusammengekauert, den zerknitterten Brief in der Hand und atme konzentriert ein und aus, als Draco zurück in den Garten kommt.
“Warum hast du ihn alleine aufgemacht?” Der Vorwurf und die Ungeduld, die in seiner Stimme mitschwingen, holen mich endgültig wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.
“Weil …”, knurre ich und stehe wankend auf. Dracos Augen werden groß und ich nehme an, dass ich einen ziemlich beunruhigenden Anblick biete und meine Magie auch wieder mit mir durchgeht, “... weil ich kein kleines Kind bin. Weil das ein an mich adressierter Brief war und ich verdammt nochmal selbst entscheiden kann, wann ich diesen lese.”
Draco sieht mich erschrocken an. “Harry … natürlich. So hab ich das nicht gemeint.”
Er bleibt wie erstarrt stehen und als ich nichts weiter sage, fragt er: “Was stand denn drin?”
Ich halte ihm das zerknüllte Pergament hin und er überfliegt es und seufzt. “Verdammter Mist.”
“Naja … im Grunde ist es doch egal. So lange der Prozess läuft, hätte ich mich sowieso nicht im Ministerium blicken lassen können, wenn ich nicht als Zeuge vorgeführt werden will.”
Er nickt und auf einmal fühle ich mich schrecklich. Draco tut alles, um Unheil von mir abzuwenden. Er will mich beschützen und hat mir schon so viele Male nur durch seine Anwesenheit und seine Nähe Halt und Kraft gegeben. Ohne ihn wäre ich nicht in der Lage, so einen Brief selbst zu lesen und den Inhalt derart gelassen hinzunehmen.

Ich trete auf ihn zu und nehme ihn in die Arme. “Es tut mir leid.” Sanft küsse ich mich von seiner Schläfe zu seinen Lippen. Er zögert noch etwas, aber als ich meine Hände unter sein Shirt wandern lasse, entspannt er sich und seufzt in den Kuss. “Kannst … kannst du mir verzeihen?”
Ich lasse ihn nicht antworten sondern verschließe unsere Lippen erneut, lasse meine Zunge in seinen Mund gleiten und hoffe, er spürt, dass ich es ernst meine.
Schließlich löst er sich und lehnt seine Stirn gegen meine. “Es gibt nichts zu verzeihen. Vielmehr muss ich mich wohl entschuldigen. Ich … ich will dich nicht bevormunden …”
“Ich weiß”, unterbreche ich ihn. “Bisher war ich dir immer dankbar für deinen Halt und das bin ich immer noch. Aber ich muss einfach lernen, selbst mit den Herausforderungen zurecht zu kommen. Und nur du bist der Grund, dass ich überhaupt in der Lage bin, auch nur darüber nachzudenken.”
Ich ziehe ihn an mich und vergrabe mein Gesicht in seiner Halsbeuge.
“Du. Dein Duft, deine Kraft, deine Berührungen und Worte … Deine Liebe, Draco. Das alles hat mich erinnert, wer ich einmal war und wer ich sein kann.”
“Ich habe einfach Angst um dich”, flüstert er und seine Stimme droht zu kippen. “Ich … ich will nicht, dass ich jemals wieder zusehen musst, wie du mir entrissen wirst.”
“Das wird nicht passieren. Du hast es selbst gesagt: du passt auf mich auf und Hermine, Minerva und alle anderen.”
Irgendwie ist es seltsam, aber auf einmal muss ich ihn trösten, ihm Mut machen und ihm Halt geben. Und das fühlt sich verdammt gut an, wenn man in der Lage ist, für einen anderen Menschen Halt und Schutz zu sein.

Dieses Gefühl reißt mich plötzlich mit sich und meine Hände verselbstständigen sich, als sie sich ihren Weg zu dem Knopf von Dracos Hose bahnen. Erst als Draco mein Handgelenk packt und etwas auf Abstand geht, um mich skeptisch anzusehen, stoppe ich kurz. Aber ich genieße es viel zu sehr, dass ich der Panik ganz alleine entronnen bin. Es gibt mir ein Gefühl von Macht - Macht über meine eigenen Empfindungen, die mir in den letzten Jahren viel zu oft abhanden gekommen ist - oder aber genommen wurde.
Aber ich weiß, was ich jetzt und hier empfinde, bin mir dessen voll und ganz bewusst. Und in vollem Bewusstsein möchte ich jetzt meiner Lust nachgeben und Draco mitreißen.
“Ich will das. Wirklich.”
Draco sieht offenbar in meinem Blick, dass es mir ernst ist und nickt kurz, bevor er den Griff lockert. Ich lotse ihn rückwärts zu einer Liege und wir landen etwas unelegant gemeinsam darauf. Er liegt auf dem Rücken und ich halb über ihm. Und obwohl diese ganze Situation beinahe grotesk ist, wenn man nur ein paar Wochen in die Vergangenheit blickt, fühlt es sich richtig an.
Ich will hier und jetzt die Führung übernehmen, obwohl ich bis vor wenigen Tagen noch nichts von meiner sexuellen Gesinnung - ja überhaupt kaum etwas von meiner eigenen Sexualität - wusste. Also beschließe ich jetzt, keinen weiteren Gedanken mehr zu verschwenden, sondern einfach zu machen.

Draco blickt mich verwundert an, scheint aber zu spüren, dass es wichtig ist, mir jetzt nicht weiter zu widersprechen. Meine linke Hand liegt auf seiner Hüfte, den rechten Unterarm habe ich neben seinem Kopf abgestützt. Ich senke meine Lippen auf seine und führe die linke Hand wieder zu dem Knopf seiner Hose. Er versucht nicht mehr, mich aufzuhalten, sondern seufzt leise in den Kuss.
Ich liebe dieses Geräusch. Es wird nur noch von dem Stöhnen übertroffen, das ihm dumpf entweicht, als meine Nestelei endlich erfolgreich war und ich meine Hand direkt unter den Stoff seiner Boxer gleiten lasse.
Obwohl ich noch nie das Glied eines anderen Mannes in der Hand hatte, fühlt sich das alles einfach nur richtig an. Die warme Haut unter meinen Fingern ist weich, mein Daumen fährt sanft über seine Eichel - ein neues wundervolles Geräusch vibriert daraufhin in meinem Mund - und verteilt die klebrige Feuchte mit kreisenden Bewegungen.
Aber das genügt mir nicht. Ich muss ihn sehen, ich muss ihn mit allen Sinnen erfahren.

Also richte ich mich etwas auf und nutze nun beide Hände, um Draco die Hose über seinen Hintern zu schieben. Da ich erneut Dracos Blick auf mir spüre, gebe ich ihm nochmals einen versichernden Kuss. “Ich will das”, wiederhole ich und er nickt ganz leicht.
Dann küsse ich mich seinen Kiefer entlang über seinen Hals, öffne Knopf für Knopf seines Hemdes und bewege meine Lippen über seinen wundervollen Oberkörper. In der Kuhle unter seinem Brustbein vergrabe ich meine Nase und atme tief ein.
Meine Hand ist dabei nicht untätig, sondern gleitet immer wieder an Dracos Schwanz auf und ab. Draco hat seine Hand in meinen Haaren vergraben. Ich mag dieses Gefühl, auch weil ich spüre, dass diese Geste intuitiv ist und nicht, weil er mich festhalten oder dirigieren will.
Als ich mich schließlich über seinen flachen Bauch geküsst habe, versteift er sich etwas. Ich spüre, dass er die Luft anhält und es ist so, als würde der Satz in der Luft hängen: “Du musst das nicht machen.” Kurz überlege ich, ob ich ihm nochmal sagen soll, dass ich das will. Aber dann folge ich einfach meiner Neugier und meiner Lust und tippe mit der Zunge gegen die glänzende Eichel.
Es ist nur eine minimale Berührung, aber Draco stöhnt ungehemmt. Davon angespornt lecke ich darüber, etwas forscher diesmal, und dann lasse ich sie etwas in meinen Mund gleiten.
Es ist ein unglaubliches Gefühl, Draco so zu schmecken, seine Hitze zu spüren und das Pulsieren seines Blutes unter der dünnen Haut. Ich lasse meine Zunge über die Eichel tanzen, während ich den Kopf leicht bewege und mit der Hand am Schaft etwas nachhelfe. Schade, dass ich Dracos Gesicht nicht sehen kann. Auch seine Hand hat er in der Zwischenzeit aus meinem Haar genommen - was vielleicht besser ist, denn ich sehe im Augenwinkel, wie er sie in den Stoff der Liege gekrallt hat und das wäre vielleicht doch etwas schmerzhaft.
Seine Atmung wird schneller und davon angespornt, nehme ich ihn noch etwas weiter ihn mir auf, sauge, lecke und genieße das wirklich auf eine Weise, die ich mir nie hätte träumen lassen. Schließlich werden Dracos Atemzüge abgehackter und er legt doch wieder seine Hand auf meinen Kopf. “Harry … ich … “
Ich habe seine Warnung verstanden und lasse ihn aus meinem Mund gleiten, ohne die Bewegungen meiner Hand einzustellen. Es dauert nur noch wenige Sekunden, bevor er sich mit einem langgezogenen Stöhnen auf die freigelegte Brust ergießt.

Als er wieder zu Atem kommt, sieht er mich mit immer noch etwas verschleiertem Blick an und schüttelt den Kopf. “Du bist verrückt, weißt du das?”
Sein Lächeln ist wunderbar und ich komme gar nicht auf die Idee, dass ich selbst Befriedigung benötigen könnte. Ihm auf diese Weise Lust zu verschaffen, hat mich so zufrieden zurückgelassen, wie ich es nie für möglich gehalten hätte.
Draco hat es geschafft. Es gibt wieder jemanden in meinem Leben, für den es sich lohnt, immer weiter zu machen. Er hat keine Ahnung, was diese Erkenntnis für mich bedeutet.


Als wir am Abend im Bett liegen und ich Dracos ruhige Atemzüge höre, fasse ich einen Entschluss, den ich weder Draco noch Hermine werde anvertrauen können. Aber der heutige Tag hat eine längst verschüttet geglaubte Empfindung in mir geweckt: Zuversicht in meine eigenen Fähigkeiten. Und diese Empfindung werde ich mir von heute an immer wieder ins Gedächtnis rufen, um nie wieder zu vergessen, wie sich das anfühlt.


Der zweite Verhandlungstag steht ganz im Zeichen der Entführung von Draco und Franklin. Die Fakten liegen hier einigermaßen klar auf dem Tisch, aber immer wieder dreht sich alles um die Frage nach dem Motiv.
Als Hermine abends versucht, mir zu erklären, warum man nicht einfach feststellen kann, dass Diggory ein kranker Kerl ist, der Draco und Franklin doch ganz offensichtlich entführt und gefoltert hat, seufzt sie.
“Harry, dieses System kommt jedem zugute. Auch und gerade denen, die zu Unrecht verdächtigt werden. Und das Motiv ist nunmal enorm wichtig für das Strafmaß.”
Sie sieht mich entschuldigend an und legt eine Hand auf meine. “Es tut mir leid, dass es nicht so leicht ist, wie man sich das vielleicht vorstellen mag. Hast … hast du schon eine Vorladung bekommen?”
Ich schüttle den Kopf.
“Gut. Du wirst natürlich nicht erscheinen, darüber sind wir uns ja alle im Klaren. Heiler Franklin hat bereits ein Gutachten erstellt, dass es dir nicht zugemutet werden kann …”
Sie spricht weiter, aber ich höre nur noch mit einem Ohr zu, denn ich kenne den Text zur Genüge. Ich weiß, dass sie alle nur mein Bestes wollen und Hermine mir durch das ständige Wiederholen versichern will, dass alles gut gehen wird.
Aber wann ist denn mal alles gut gegangen?
“Danke, Hermine. Das bedeutet mir viel”, sage ich schließlich zum Abschied und es ist wahr. Ich bin unglaublich dankbar, dass sie für mich kämpft. Aber ich sehe auch, dass sie viel zu viel Energie darauf verwendet, ihre Anklage um mein Scheitern herum aufrecht zu erhalten. Ich kann nicht zulassen, dass Kingsley durch meine Unzulänglichkeit umsonst gestorben ist. Ich bin es ihm schuldig. Er wollte es richtig machen, so wasserdicht, dass niemand sich rausreden kann und es hat ihn das Leben gekostet.

Seit ich den Brief vom Ministerium bekommen habe, dass ich meinen Zauberstab nicht zurück erhalten kann, habe ich dieses neue alte Gefühl der Zuversicht gehegt und gepflegt. Und so bin ich beinahe froh, als Draco eines Abends nach Hause kommt und mir einen weiteren Brief aushändigt.
“Willst du ihn alleine lesen?”, fragt er fast schon scheu.
“Nein, bleib bitte bei mir”, sage ich und ziehe ihn neben mich auf die Couch.
“Morgen schon?”, entfährt es Draco neben mir entsetzt,nachdem er den Text gelesen hat. “Ich muss Hermine anflohen! Das ist ja wohl eine Frechheit!” Über seine Empörung ist ihm offenbar gar nicht aufgefallen, dass ich den Inhalt lediglich mit grimmiger Entschlossenheit zur Kenntnis  genommen habe.
Ich habe mir die letzten Tage so oft ausgemalt, wie es sein wird, habe Pläne geschmiedet und mich in die Vergangenheit zurück versetzt. Alles, damit mich die Realität am Ende nicht in die Knie zwingt. Natürlich bin ich mir bewusst, dass es etwas anderes ist, sich diese Dinge vorzustellen, aber immerhin war mir das vor einen paar Wochen noch nicht möglich, ohne ein zitterndes und hilfloses Bündel Mensch zu sein.
So, wie die Notwendigkeit, Draco zu retten, Energie in mir freigesetzt hat, tut es nun auch diese Kriegserklärung der Verteidigung. Wenn es nur um mich ginge, das Unrecht meiner Behandlung … keine Ahnung, ob das genügen würde, mich derart zu motivieren.
Aber es ist ja nicht nur Kingsleys Tod, den es endlich zu sühnen gilt. Es geht um die, die für mich kämpfen. Hermine, die ihre Kinder nur noch wenige Stunden am Tag sieht, weil sie sich unter Paragraphen, Präzedenzfällen und Berichten vergräbt.
Draco und seine Leute, die jeden verdammten Stein in Margate, Ottery St. Catchpole und den Wohnorten von Riverstone und Kingsley umdrehen. Dracos Zukunft als Auror …
Es darf einfach nicht sein, dass deren ganze Arbeit, deren Wunsch auf Gerechtigkeit, nun daran scheitert, dass ich zu schwach bin.


“Mach dir keine Gedanken. Hermine wird das schon hinbiegen”, verabschiedet sich Draco am nächsten Morgen von mir. Ich küsse ihn innig, möchte ihm zeigen, wie dankbar ich ihm bin.
“Pass auf dich auf”, murmle ich an seine Lippen und er erwidert es mit einem leisen “Dito.”
Als Draco verschwunden ist, blicke ich auf die Uhr. Es ist kurz vor acht. Um halb zehn bin ich als Zeuge geladen. Also werde ich mich jetzt noch ungefähr eine Stunde intensiv damit beschäftigen, mir den Gerichtssaal vorzustellen. Das dunkle Holz, das unter den Schritten knarrt oder wenn jemand die Haltung auf seinem Platz verändert. Den Geruch nach Pergament, verbrauchter Atemluft und Wachs. Und natürlich die größte Herausforderung: Die Menschen.
Menschen, die mir wohlgesonnen sind - Hermine, Draco. Vielleicht ist auch Maggie da, Heiler Franklin und Minerva. Das weiß ich nicht mit Bestimmtheit.
Aber natürlich sind da meine Gegner: Diggory, Riverstone und seine Anwältin, die alles daran setzen wird, mich auseinanderzunehmen. Vermutlich auch die Presse, die sich wie Aasgeier auf mein Erscheinen stürzen werden.
Ich muss mich darauf konzentrieren, dass sie mir nichts tun können. Wenn ich komplett versage, ist es nicht schlimmer, als wenn ich zuhause bleiben würde.
Denn es kann mir nichts geschehen, weil ich Kreacher bei mir haben werde. Sobald auch nur der Hauch eines Verdachts besteht, dass ich erneut festgesetzt werden soll, wird Kreacher mich aus dem Ministerium bringen. Er hat das in den letzten Tagen mehrfach ausprobiert - ist in alle möglichen Abteilungen appariert und wieder verschwunden, ohne dass jemand etwas mitbekommen hätte. Es wird gelingen und am Ende werde ich allen beweisen, dass sie Unrecht haben  - schon immer hatten!

Um kurz vor halb zehn lasse ich mich von Kreacher unter dem Tarnumhang vor die Tür des Gerichtssaals bringen. Bewusst will ich mir nicht zu viel Zeit geben, mich hier umzusehen. Dennoch schweift mein Blick zu der Bank, auf der Ron und Hermine vor zehn Jahren saßen und mich zur Eile antrieben. Zur Eile … damit ich endlich aus ihrem Leben verschwinden würde …
Ich bin froh, dass keine anderen Leute hier warten, denn dann müsste ich auf meine Atmung achten, die ich nur schwer unter Kontrolle halten kann. Außerdem würde dann in wenigen Sekunden klar werden, dass ich immer noch meinen Tarnumhang habe, was hoffentlich die meisten Menschen in den letzten zehn Jahren vergessen haben.

Ich konzentriere mich und atme tief durch. Ganz kann ich es nicht verhindern, dass ich leicht unter dem Umhang wanke und ich spüre, wie mir der Schweiß ausbricht. Ein Blick zu Kreacher, der stoisch neben mir steht, beruhigt mich etwas. Er hat offenbar beschlossen, für mich sichtbar zu bleiben, so lange es möglich ist.
Kaum dass die Tür sich öffnet und der Gerichtsdiener seinen Kopf heraus streckt, ziehe ich den Umhang herab und Kreacher wird unsichtbar.
“Der Zeuge Harry James Potter wird …” Die leiernde Stimme verstummt und der Mann sieht mich mit überraschtem Gesichtsausdruck an. Es ist offensichtlich, dass er nicht mit mir gerechnet hat.
“Ja?”, frage ich und wundere mich selbst, dass mir nicht nur ein Krächzen über die Lippen kommt.
“Äh … Entschuldigung,” stammelt der Gerichtsdiener. “Der Zeuge Harry James Potter wird aufgerufen.”
“Ja, das bin ich”, sage ich, da der Mann sich nicht rührt. Seine Unsicherheit verleiht mir Mut und ich erinnere mich an mein Gefühl der Zuversicht. An den Grund für meine Anwesenheit an diesem Ort, den ich nie wieder betreten wollte.
“Wollen wir dann …?”, frage ich und gehe einen Schritt auf die halb geöffnete Tür zu, die von dem Körper des Mannes versperrt wird.
“Ja … gewiss …” Er hält die Tür weiter auf und ich schreite hindurch, Kreacher an meiner Seite, wie ich an dem leichten Zupfen an meiner Hose spüre.

Im ersten Moment bin ich mir nicht ganz sicher, ob das Keuchen, das ich vernehme, von mir selbst kommt oder aus den Kehlen der zahlreichen anwesenden Personen.
“Harry …” Das ist Hermine und ich kann ihr Entsetzen bis hierher spüren, obwohl sie sehr leise gesprochen hat.
Ich balle meine Hände zu Fäuste und suche den Saal mit den Blicken ab, bis ich Draco entdecke. Seine Miene ist eisern und ich habe tatsächlich Mühe, den Draco, den ich kenne hinter dieser Maske zu erkennen. Vielmehr erinnert er mich an sein früheres Selbst, beinahe an seinen Vater.
Ich nehme an, er kämpft damit, sein Entsetzen nicht zu zeigen und so wende ich den Blick ab und lasse ihn über die Seite der Verteidigung schweifen. Keith Riverstone blickt mich erstaunt an, allerdings ist keinerlei Sorge in seinem Gesicht zu lesen.
Diggorys Blick ist dagegen mörderisch - nun ja, er hat sein wahres Gesicht ja bereits gezeigt. Neben Riverstone sitzt eine sehr dünne Frau. Sie erinnert mich an Tante Petunia, auch wenn ihr angewiderter Blick noch einen Hauch arroganter ist und gleichzeitig ein bösartiges schmales Lächeln um ihre Mundwinkel spielt.

“Mr. Potter”, reißt mich die dröhnende Stimme des vorsitzenden Richters aus meiner Betrachtung, so dass ich meine ganze Aufmerksamkeit nun ihm schenken muss und keinen Blick mehr auf die Zuschauerränge werfen kann. “Das ist eine Überraschung. Ich glaube, niemand hat mir Ihrem Erscheinen gerechnet. Nehmen Sie bitte Platz.”
Er weist auf den Stuhl, der in der Mitte vor dem Richterpult steht. Ich habe sehr oft versucht, mir diesen Moment vorzustellen, und ich habe bestimmt gut daran getan. Denn nun hier zu stehen und aufgefordert zu werden, erneut in diesem Stuhl Platz zu nehmen, ist etwas ganz anderes, als es sich vorzustellen.
Ich spüre, wie der Schweiß mir den Rücken hinab rinnt und konzentriere mich ganz auf dieses Gefühl, einfach um nicht der nackten Angst die Möglichkeit zu geben, mich zu überwältigen. Offenbar habe ich zu lange gezögert, denn der Vorsitzende, er heißt Nilsson, wie ich von Draco weiß, spricht mich erneut an.
“Mr. Potter, ist alles in Ordnung?”
“Offensichtlich nicht”, höre ich die unangenehm schrille Stimme dieser Miss Blank. Diese holt mich auch wieder in die Realität.
“Oh, tut mir leid … natürlich …” Ich hatte im Vorfeld überlegt, den Richter zu bitten, ob ich stehen dürfe, aber das wäre mir gleich am Anfang wie ein Eingeständnis von Schwäche erschienen. Außerdem wäre dann jedes Zeichen von Schwindel und Unsicherheit sofort sichtbar geworden. Also hat Kreacher mir versichert, dass er die in dem Stuhl vorhandenen Ketten blockieren könne.
Mit - wie ich hoffe - festen Schritten, steige ich auf das Podium und setze mich auf den Stuhl. Kreachers kleine Hand, die er kurz an mein Knie legt, versichert mich seiner Anwesenheit. Dennoch schließe ich kurz die Augen und atme tief durch. Es ist mir bewusst, dass meine Hände zittern, aber ich kann es leider nicht verhindern. Ich bin schon ziemlich stolz, dass ich hier sitze und atme.

“Geht es Ihnen gut, Mr. Potter”, fragt Miss Blank in scheinheiliger Anteilnahme.
Ich wende mich ihr zu und in diesem Moment ist es, als würde ich in die Schlacht ziehen. Alle Panik fällt von mir ab. Das Adrenalin schießt durch meinen Körper und mein einziger Wunsch ist, diese Frau in ihre Schranken zu weisen, damit Riverstone und Diggory die Strafe erhalten, die sie verdienen.
Ich lächle sie süßlich an und erwidere: “Nein, Miss. Es geht mir nicht besonders gut. Aber danke der Nachfrage.”
“Oh … Das tut mir aber leid”, sagt sie und ich frage mich, für wen sie dieses Schmierentheater spielt. Das nimmt ihr doch kein Mensch ab. “Was fehlt Ihnen denn?”
“Einspruch!”, höre ich da Hermines schneidende Stimme von der anderen Seite und sie so zu hören gibt mir weiteren Mut. Wir werden wieder gemeinsam kämpfen! Sie hat den ersten Schrecken verarbeitet und ist jetzt im Angriffsmodus.
“Stattgegeben!”, erklärt Nilsson und ich bin schon beinahe enttäuscht, denn ich hätte durchaus eine Antwort auf diese Frage gehabt.
“Miss Blank, Sie dürfen gleich Ihre Fragen an Mr. Potter stellen. Aber vorher würde ich gerne ein paar Worte an ihn richten”, erklärt Nilsson. Sein Tonfall ist freundlich, aber er wirft der Anwältin einen strengen Blick zu.
"Mr. Potter, uns liegen hier einige Erinnerungen und Niederschriften vor, die uns Mr. Malfoy und Miss Granger vorgelegt haben. Ist es korrekt, dass Sie diesen beiden dieses Material zur Verfügung gestellt haben?"
"Ja, Sir. Das ist richtig."
"Gut", er nickt und scheint zu überlegen, ob er noch mehr wissen will, aber dann macht er eine auffordernde Handbewegung zu Miss Blank. "Alsdann, Miss Blank. Ihr Zeuge."

Nun wird es interessant …
"Mr. Potter, wie Sie bestimmt wissen, geht es in diesem Prozess um die Umstände, die zum Tod von Mr. Shacklebolt führten. Dieser ist nun bald 9 Jahre her. Wenn ich mich recht entsinne, dürfte die letzte Verhandlung, in der Sie ausgesagt haben, ziemlich genau 10 Jahre her sein …"
"Einspruch!"
"Stattgegeben! Ich sehe nicht, was das mit den Vorwürfen gegen Ihre Mandanten zu tun hat. Sie sollten die Anwesenheit von Mr. Potter nutzen, um Fragen zu stellen. Immerhin ist es Ihr Zeuge!", herrscht Nilsson.
Doch es ist nicht Blank, die jetzt spricht. Es ist Riverstone. Er ist aufgestanden, sein Blick wutverzerrt. "Ich hab eine Frage an Mr. Potter. Warum hast du Cedric getötet? Du solltest angeklagt werden! Du bist hier der Mörder!"
Der Tumult, der nach diesen Worten um mich herum ausbricht, ist ohrenbetäubend. Ich selbst rühre mich nicht. Als würde ich im Auge eines Tornados sitzen, betrachte ich ungläubig und unfähig, mich zu rühren, wie um mich herum alles im Chaos versinkt.

____________________________________

Ich bin sooo gespannt, was ihr sagt!
Irgendwie schaffe ich es nicht mehr, mich kurz zu fassen ...

LG Luna
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast