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Open End

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P16 / Mix
15.01.2022
15.01.2022
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Völlig gelöst öffnete ich die Tür zum Flur um aus dem Schlafzimmer. Ich sah in das Gesicht von meinem Freund Sebastian. Irritiert trat ich ein Schritt zurück. Was tat er denn schon hier? Mein Herz schlug laut und Panik machte sich in mir breit. Er wollte doch erst in zwei Stunden wieder hier sein, nach seinem Wochenendtrip mit seinen Freunden. Doch nun stand er in unserem Flur, schließlich hatten wir die Wohnung zusammen gemietet, und sah mich mit einem irritierten Blick an, denn ich stand nur in Unterwäsche vor ihm. Und das am Helligen Tag.

„Was ist?“ fragte mein bester Freund Dominik der hinter mir im Schlafzimmer sich gerade das T-Shirt über den Kopf zog.

„Es ist nicht so wie es aussieht.“ Schoss der eine Satz aus meinem Mund und mein Freund sah mich entgeistert an.

Dominik trat an mich ran und blickte in den Flur. Er ließ ein entnervten Seufzer von sich hören. Jetzt kam der Satz, den ich am meisten hasste und vor allem die Tatsache das Domi recht hatte und das er mir seit zwei Wochen ständig damit in den Ohren Lag das ich es längst hätte klären müssen, machte es nicht besser.

Domi drückte sich an mir vorbei. Nur in Boxershorts, denn seine Hose lag wie meistens im Wohnzimmer. Sebi sah mich immer noch entgeistert an und dann Domi.

„Nach was sieht es den aus?“ fragte mein Freund und kam mit langen Schritten auf mich zu.

„Sebi, es ist ganz anders.“  Versuchte ich meinen Freund aufzuhalten.

„Wie lange fickst du schon hinter meinem Rücken mit ihm?“ fragte Sebi nur und zeigte Richtung Wohnzimmer.

„Nein so ist das nicht.“ Versuchte ich es zu erklären.

„Ach so ist das nicht?“ fragte er und lachte Bitter „Du siehst nach frisch gefickt aus und er ist halb nackt. Klar, aber so ist das nicht.“ Brüllte er mich an.

„Bitte, lass mich das erklären.“ Ich starrte in seine blauen Augen, in die ich mich vor einem Jahr verliebt hatte. Die mich bis jetzt immer freudig angesehen hatten, in der ich eine Ruhe gefunden habe, die ich bisher bei sonst keinem gefunden habe.

„Vergiss es.“ Er wandte sich ab und holte eine große Reisetasche aus dem Schrank. Als er diese aufs Bett schmeißen wollte hielt er in der Bewegung inne. Er schnaubte und behielt die Tasche in seiner Hand, während er seine Sachen rein drückte.

In meinen Augen sammelten sich die Tränen. Ich sprang auf ihn zu und zog an seinem Arm „Bitte hör mir zu. Ich kann das erklären.“ Versuchte ich ihn aufzuhalten.

„Was? Das du mir 10 000 mal erklärt hast das zwischen euch nichts läuft und du dennoch Sex mit ihm hast? Das du mich, weiß Gott wie lange, betrügst? Was willst du mir erklären? Was?“ keifte er zurück und sorgte mit seiner Körpersprache dafür, das ich ihn los ließ und von ihm wich „verdammt noch mal Julia, er ist verheiratet. Ihr hab sie beide doch nicht mehr.“

„Bitte.“ Schluchzte ich. „hör mir nur kurz zu.“

„Scheiße nein. Ich will deine Lügen nicht mehr hören.“ Knurrte er.

„Lass ihn.“ Hörte ich Domi leise sagen und sah ihn entsetzt an. Er stand völlig gelassen in der Tür. Ja war klar. Er hatte die Ruhe weg. Seine Frau wusste alles. Sie wusste es von Anfang an. Sie wusste bereist nach dem ersten treffen, bei dem ich ihnen Sebi vorgestellt hatte, das er mich nicht auf allen Ebenen befriedigen konnte und das ich früher oder später wieder zu ihrem Mann gehen würde. Sie wusste es. Sie wussten es beide. Vor zwei Monaten bin ich eingeknickt und habe es mir selbst ebenso eingestanden. Bin wie ein trockner Alkoholiker meiner Sucht erlegen und rückfällig geworden, wenn man es so sehen wollte. Ich konnte nicht mehr wieder stehen und habe mich meiner Fantasie hingegeben. Ich habe mit Domi darüber gesprochen, weil wir über alles reden, schon immer. Er hat versucht mich dazu zubringen mit Sebi darüber zu sprechen, doch die Angst das dieser mich verlassen würde, war viel größer. Vor zwei Wochen ist dann alles passiert, was nicht hätte passieren sollen. Ich hatte einen komplett beschissenen Tag und war heulend bei Domi auf geschlagen. Er wollte mich erst weg schicken, doch er sah sofort wie es um mich bestellt war. Wie immer. Er kennt mich so gut wie sonst keiner. Er hat mir geholfen, wie er es immer tut und obwohl er sonst dagegen ist, mir gegeben was ich brauchte.

Jetzt steht er da so lässig in der Tür und sieht dabei zu wie meine Beziehung und alles zu Grunde geht. Wie mein größter Albtraum in Erfüllung geht und er kann mir das Messer noch tiefer in die Wunde rammen. Denn er hatte es mir ja gesagt. Seit zwei Wochen sagt er es mir immer wieder. Seit zwei Wochen ….

„Aber er…“ fing ich an und deutete auf Sebi der grade einen weiteren Schrank aufriss und seine Sachen wahllos in die Tasche stopfte. So würde garantiert nicht alles in die Tasche passen, doch das schien ihm erst mal egal zu sein.

„Julia, lass ihn.“ Entgegnete mein Bester Freund strenger und sah mich durchbohrend an „Du hast es verbockt und du kannst ihn nicht mehr aufhalten.“

Ich sah Domi an und versuchte etwas zu erkennen. Irgendetwas, was er wusste aber ich nicht, das mich beruhigen konnte, doch grade jetzt konnte ich ihn nicht lesen. Seit sieben Jahren kennen wir uns und verbringen so viel Zeit zusammen. Bis jetzt konnte ich ihn immer lesen, doch jetzt, wo ich es am dringendsten braucht, da konnte ich ihn nicht lesen.

„Steh auf und geh in die Küche.“ Befahl mein bester Freund. Ich sah ihn irritiert an. Normal befahl er mir nichts, wenn andere, vor allem Sebi, dabei waren. Warum jetzt? Das war etwas, was wir beide ausgeschlossen hatten. Die Situation überforderte mich. Sollte ich hören oder nicht. Konnte ich meine Beziehung noch irgendwie vor dem Untergang bewahren oder kämpfte ich auf verlorenen Posten?

Ich sah zu Sebi, der mit verkniffener Mine seinen Schrank ausräumte. Es war deutlich das er nicht mehr mit mir reden würde. Ich hatte verloren.

In mir tat sich ein schwarzes Loch auf und verschluckte mich. Ich nickte und sah meinen Freund an, die Tränen die ich in meinen Augen hatte, konnte ich nicht mehr aufhalten. Rückwärts verließ ich den Ort des Geschehens und ging in Richtung Küche.

Es war so leise in unserer Wohnung. So leise. Kein Vogel war zu hören und ausnahmsweise auch kein Auto, die sonst pausenlos an unserer Wohnung vorbei rauschten. Nichts, nur Stille. Hin und wieder hörte man ein Klappern aus dem Schlafzimmer und ein auf oder zu machen eines Reisverschlusses aber sonst nichts.

Die Wohnungsklingel durch brach die Stille. Doch danach trat sie wieder ein. Keiner tat was.

„Mach auf.“ Hörte ich Domi sagen und nickte nur mechanisch. Es war mir egal wer nun die Treppen hochkommen würde. Es war mir egal ob mich einer von Sebis Freunden sehen würde, so nackt wie ich nun mal jetzt war. Es war mir egal.

„Zieh den an.“ Domi hielt mir einen Bademantel hin. Ich wollte ihn ergreifen, doch ich sah das es Sebis war und nicht meiner und so zog ich meine Hand zurück. Ich schüttelte den Kopf. „Sebis.“ Flüsterte ich „will den bestimmt mitnehmen.“ Meine Stimme brach und ich verstummte. Domi nickte und holte meine Jacke von der Garderobe. Er öffnete die Wohnungstür und kam auf mich zu. Ich nahm ihm die Jacke ab und legte sie über meine Schultern. Es war mir egal, wenn ich jetzt erfrieren würde. Es war mir egal, was jetzt passieren würde. Es würde nichts mehr ändern. Ich nahm die Jacke nur damit Domi beruhigter war. Nur für ihn tat ich das.

„Hey“ hörte ich eine ruhige Frauenstimme die mir sehr bekannt ist.

„Hey,“ antwortete Domi seiner Frau „danke das du so schnell kommen konntest“

„Was ist passiert?“ fragte sie und sah mich besorgt an. Ich reagierte nicht. Warum auch? Es hat ja kein Sinn.

„Es kam, was kommen musste.“ seufzte Domi. „Er ist im Schlafzimmer.“

Ich sah wie Sina nickte und in Richtung Schlafzimmer ging. Mechanisch stand ich auf und folgte ihr.

Domi hielt mich nicht auf, doch als ich das Zimmer betreten wollte schlang er ein Arm um mich. Sina stellte sich hinter meinen Freund und dieser drehte sich zu ihr um. Er sah sie überrascht an.

„Was machst du hier?“ frag er irritiert und sah zu mir und Domi die in der Tür standen .

„Ich möchte helfen zu vermitteln,“ sagte Sina „dass ihr mit der Situation abschließen könnt.“

Er sah sie skeptisch an „Du weißt das dein Mann Ehebruch begeht?“

Sina seufzte und nickte.

„Komm wir gehen in die Küche.“ Domi sah seine Freundin an, während er mich wegschob. Nur widerwillig ließ ich das zu. Sebi hatte mich nicht mal beachtet. Keinen Blick hat mich getroffen. Nichts. Als wäre ich Luft für ihn.

In der Küche drückte mich mein bester Freund auf einen Stuhl.

„Du musst dich beruhigen.“ redete Domi leise auf mich ein.

„Ich hab es verbockt oder?“ fragte ich „Ich hab es schon wieder verbockt.“

Domi schwieg, was so viel sagte das er mir nicht wieder sprechen konnte.

„Egal was ich mach, ich mach es falsch.“ hauchte ich und stütze mich auf den Tisch.

„Sch“ Domi kniete neben mir „wir bekommen das schon hin.“ er rieb über meinen Arm. In meiner Kehle löste sich ein Schluchzen.

Die anderen zwei betraten die Küche und setzten sich an den Tisch.

Ich richtete mich auf und versuchte mich zu sammeln. Domi setzte sich neben mich.

„Also fangen wir an.“ Sina eröffnete das Gespräch. „Julia willst du anfangen?“ fragte sie.

Ich sah zu Sebi und zog unbehaglich an den Ärmeln der Jacke.

„Ich habe nicht mit Domi geschlafen. Also nicht seit wir zusammen sind.“ fing ich an. Unsicher sah ich zu Domi. Der mir zu nickte.

„Wir waren zusammen und haben so, sagen wir mal, ein Hobby entdeckt, dass wir ... also wir haben damit auf gehört.“ Ich schluckte „Aber vor zwei Wochen bin ich schwach geworden.“ ich schlucke.

„Ich verstehe nicht.“ Sebi sah mich irritiert an. Sein Blick wanderte zwischen den anderen hin und her.

„Sag dir BDSM etwas?“ fragte Domi ihn.

Ich sah ihn schlucken. Sein Blick huschte zu mir.

„Etwas.“ er schluckte nervös. Ich sah auf die Tischplatte.

„Das ist nicht unbedingt immer an Sex gebunden. Bzw. es kommt immer auf die Definition an. Wenn du Sex als Nacktsein und das sehen von dem entblößten Körper des anderen, dann haben wir Sex. Aber ich habe keinen Geschlechtsverkehr mit Julia.“ erklärte Domi.

Jetzt sah Sebi noch verwirrter aus.

„Er hilft mir Stress abzubauen und meine Gedanken zu sortieren und zu bereinigen.“ erklärte ich.

„In dem er dich schlägt?“ fragte Sebi. Abwertend sah er mich an und ich schrumpfte unter seinem Blick.

„So oder anders“ erklärte Domi an meiner Stelle. „Es gibt viele verschiedene Arten jemanden zu dominieren.“

Sebi sah mich an „Was aber nicht erklärt, warum du mit mir nicht darüber geredet hast.“

„Das hat mehrere Gründe.“ Ich sah ihn unsicher an. „Mein letzter Ex hat mich erst deswegen ausgelacht und im Laufe der Zeit als Ausrede für Häusliche Gewalt rund um die Uhr genutzt.“ Ich schluckte „Es fällt mir schwer seitdem jemanden zu vertrauen.“ Ich sah ihn an „Zum anderen könntest du mir diese Bedürfnisse nicht befriedigen.“ Ich hielt die Luft an. Die Schultern berührten fast die Ohren. Doch Sebi reagierte nicht. Er sah mich abwartend an.

„Woher willst du das wissen?“fragte er.

„Wenn man viele Menschen in der Szene trifft, kann man sie schnell einschätzen.“ erklärt Sina.

„Wir bewegen uns seit fast 5 Jahren in der Szene.“ fügte Domi hinzu.

Sebi nickte nur und überlegte.

Dann stand er auf und ich sackte in mich zusammen.

„Das war’s.“ murmelte ich deprimiert und stand auf.

Im Schlafzimmer stand Sebi vor dem Schrank und atmete tief ein und aus.

„Es tut mir leid.“ sagte ich „Ich hätte es dir anders sagen müssen, aber ich wusste nicht wie.“

Er nickte nur, er sah mich jedoch nicht an.

„Es tut mir leid, dass ...“ ich brach ab denn ich wusste nicht, wie ich es ihm sagen sollte. Er war alles was ich brauchte, alles was ich mir immer gewünscht habe. Bis auf den einen Punkt.

Er drehte sich ruckartig um und ging aus der Wohnung „ Ich brauch Luft.“ keuchte er. Wenige Sekunden später fiel die Tür ins Schloss.

Ich ließ mich aufs Bett fallen und rollte mich zusammen.

Ich hörte Schritte die vor meinem Bett hielten. Wenige Sekunden später senkte sich die Matratze hinter mir und ich wurde an Domis Brust gezogen.

Warme Tränen rannen über mein Gesicht. Domi drückte mich an sich und drückte mir liebevoll einen Kuss ins Haar und strich sanft über dieses.

„Es tut mir so leid.“ hauchte er und ich nicke schniefend „Ich habe es mir gewünscht für dich, dass er derjenige welche ist.“ ich nickte. Ja ich auch.

Auf der anderen Seite senkte sich das Bett ebenfalls und Sina legte sich auf die andere Seite. Auch sie umarmte mich.

„Warum?“ schluchzte ich und wusste nicht welche der Tausend Fragen ich eigentlich stellen wollte.

Warum hatte ich ihn nicht eingeweiht? Warum hatte ich es nicht früher beendet wenn er mir nicht alles geben konnte was ich brauchte?

Warum verliebte ich mich immer in die falschen?

Warum konnte ich nicht normal sein?

Warum war ich nicht Vanilla?

Warum war das Leben so schwer? und vor allem die Liebe?

„Alles wird gut .“ hauchte Sina wofür ich allerdings nur ein schnauben übrig hatte.

„Glaub mir er braucht nur Zeit um das zu verarbeiten.“ versuchte sie mich zu trösten. Doch das brachte mir meinen Freund auch nicht zurück.

Es war spät am Abend als Sina und Domi gingen. Sie hatten dafür gesorgt das ich geduscht hatte und mir was angezogen hatte. Sie hatten sogar gekocht und mich dazu gezwungen was zu essen.

Sebi war nicht aufgetaucht. Er musste allerdings noch mindestens einmal kommen. Denn seine Sachen standen noch hier. Etwas Hoffnung bestand also das ich ihn noch ein letztes Mal sah, bevor er mein Leben verlassen würde. Konnte ich ihm noch einmal sagen das ich ihn liebte? Konnte ich ihm deutlich machen, dass er alles war was ich in einer Vanille Beziehung wollte. Dass er der perfekte Mann ist, wenn man nicht so einen Knall hat wie ich.

Das alles was ich gemacht hab nichts mit ihm zu tun hatte. Jedenfalls nicht persönlich. Ich will ihm noch alles Glück der Welt wünschen, dass er glücklich wurde.  Denn das wünschte ich ihm wirklich vom ganzen Herzen.

Ich saß auf meinem Lieblingsplatz auf unserer Couch und sah zum Fenster raus. Ich ließ den ganzen Tag review passieren und hing meinen Gedanken nach.

Man kann es nicht anders sagen. Ich hatte es verbockt. Ich hatte dem wichtigsten Menschen in meinem Leben weh getan. Das schlimme daran war das ich mir sicher war, dass wenn ich noch mal in diese Situation kam, dass ich es nicht anders machen würde. Ich würde es genauso noch mal machen, weil ich eben Angst hatte und habe.

Ich hörte einen Schlüssel, der in unser Türschloss gesteckt wurde. Mein Herz machte einen Satz. Das war sicher Sebi. Ich wollte mich bewegen und ihn begrüßen gehen, doch mein Körper bewegte sich nicht. Wie einbetoniert saß ich da und bewegte mich keinen Millimeter. Ich hörte ihn reinkommen und zum Schlafzimmer laufen. Angespannt hörte ich in die Stille, doch ich hörte nichts, was darauf hinwies das er sein Zeug nahm und ging. War das ein gutes Zeichen? Aber was war schon ein gutes Zeichen?

Ich hörte wieder Schritte, dieses mal zum Badezimmer. Die Tür quietschte und fiel dann ins Schloss. Ich saß stocksteif da und lauschte, wie er seine Badroutine erledigte. Sollte ich zu ihm gehen? Sollte ich mich ins Bett legen und hoffen das er nicht weglief? Sollte ich hier auf der Couch schlafen? Wusste er das ich hier war oder ging er davon aus, dass ich bei Domi war?

Ich hörte, wie er ins Schlafzimmer ging und sich ins Bett legte. Sollte ich zu ihm gehen? Alles in mir schrie bereist danach, doch erst nach wenigen Minuten stand ich auf. Vorsichtig ging ich ins Schlafzimmer und blieb im Türrahmen stehen. Mein Freund lag auf seiner Seite des Bettes und hatte sich zusammen gerollt. Er schlief nicht. Dafür bewegten sich seine Schultern beim Atmen zu schnell.

Sollte ich mich dazu legen und wie immer mich an ihn Kuscheln?

Vorsichtig betrat ich das Zimmer und stellte mich unsicher ans Bett. Sollte ich mich rein legen? Nachdenklich biss ich mir auf die Unterlippe.

Sebi drehte sich zu mir um und hob einladend meine Bettdecke hoch. Erleichtert schlüpfte ich unter diese.

„Ich hab viel nachgedacht.“ Sagte er in die Stille als die Decke über mir lag und er einen Arm auf meinem Bauch platziert hatte.

Ich nickte nur. Hatte ich schließlich auch.

„Ich hab drüber nach gedacht ob ich dir das geben kann, was du anscheint von Domi bekommst.“ Erklärte er und seufzte „Kann ich nicht.“ Er klang frustriert. Wieder nickte ich, das war mir bereits klar „Ich könnte dich nie Schlagen oder ähnliches. Ich kann dir das nicht geben und das ist irgendwie frustrierend.“

Wieder nickte ich. Auch für mich war es nicht leicht zu realisieren, dass er mir nicht geben konnte, was ich brauchte. Oft hatte ich drüber nachgedacht mich von ihm zu trennen, eben deswegen, doch jedes Mal hat mir der Gedanke ein Leben, ohne ihn führen zu müssen das Herz gebrochen.

„Ich glaub ich bin zu verwirrt um eine Entscheidung zutreffen.“ Sagte er und rollte sich auf den Rücken. Ein Seufzten stieß er aus. Ich rutschte an ihn ran.

„Ich liebe dich.“ Hauchte ich leise. Er lachte bitter, was mir ein Stich mitten ins Herz versetzte „Warum hast du dann nichts gesagt? Warum können wir dann über unsere Bedürfnisse nicht reden?“ fragte er.

„Weil ich Angst habe dich zu verlieren.“ Gab ich zu. „Du bist das beste was mir passiert ist und der erste Mann, bei dem ich mich verstanden fühle. Der mich immer unterstützt egal was ich mir in den Kopf gesetzt habe. Du bist mir wichtig und dich zu verlieren ist …“ ich stoppte. Ich durfte ihn nicht unter Druck setzten. Ich durfte ihm kein Schlechtes Gewissen machen, wenn er sich doch von mir trennen wollte, was ich durch aus verstehen konnte. Er musste nicht wissen, dass ich kaputt gehen würde, wenn er sich gegen mich entscheiden würde.

„Also hast du dich entschieden mich nicht nur zu betrügen, sondern mich auch zu belügen und zu hintergehen.“ Sagte er mit einem Hauch von Sarkasmus und Bitterness. Ich zuckte zusammen und wich von ihm zurück. Ja das hatte ich wohl.

„Und darauf gepokert, dass du nie erfährts was für eine kranke Freundin du hast.“ Flüsterte ich leise. Ich schloss die Augen und versuchte die Tränen zurück zuhalten.

Er sagte nichts.

Stille legte sich in unserem Schlafzimmer nieder. Ich betrachtete ihn im Dunkeln und versuchte zu erkennen was er dachte. War er angewidert von mir? Was dachte er? Warum stand er nicht auf und ging? Warum war er noch hier?

„Fuck, ist das krank.“ Stieß er auf und setzte sich auf. Ich kniff die Augen zusammen und wartete darauf das er aufstand und ging. Das er mich verließ. Vielleicht auch das er mich beschimpfte. Ich wappnete mich gegen alles was jetzt kommen könnte und mich in Stücke zerreißen würde. Doch es passierte nichts. Er saß nur neben mir und hatte sein Gesicht in seine Hände gestützt.

„Es ist okay, wenn du das nicht kannst.“ Flüsterte ich in die Stille. Er sollte sich nicht verpflichtet fühlen hier zu bleiben.

„Die Frage ist ehr ob ich dich teilen kann. Ob ich es aushalte, wenn du dir das bei jemand anderen holst. Kann ich damit leben, dass ich nicht alles aus deinem Leben kenne und nicht weiß was ihr da macht.“  Sagte er.

Ich schluckte sollte ich es nun sagen oder nicht.

„Gegen das Unwissen könnten wir was machen.“ Fing ich leise an und sah vorsichtig zu ihm „Sina war auch am Anfang einmal dabei. Sie wollte damals wissen, wie weit wir gehen.“

Er sah mich überrascht an. „Du willst das ich zuschaue.“

„Wenn es dir helfen würde, warum nicht.“ Ich zuckte mit den Schultern „Für dich würden wir es machen. Normal ist das was sehr intimes zwischen Domi und mir und wir lassen keinen Zuschauen, doch für Partner.“ Ich zuckte mit den Schultern.

„Meinst du das würde helfen?“ fragte er.

Ich seufzte „Das musst du wissen.“ Erklärte ich „ich weiß nicht ob ich es könnte, aber du bist nicht ich.“

Er nickte. „ich überlege es mir.“

Beruhigt nickte ich. Es war noch nicht verloren. Im Moment hörte es sich ehr an als würde er uns noch eine Chance geben.

Er blieb. Der folgende Tag und Wochen suchte er sich alle möglichen Informationen aus dem Internet zusammen. Er fragte regelmäßig was ich von dies oder jenem halten würde und wie ich dazu stand.

Domi hatte ich seit dem Vorfall nicht mehr gesehen. Irgendwas in mir wartete auf die Erlaubnis oder den zu Spruch von Sebi das ich ihn wieder treffen durfte. Im Moment war mir unsere Beziehung zu fragil, um es zu riskieren.

Wir saßen abends auf dem Sofa. Ich hatte mich an ihn gekuschelt und genoss es das sein Arm auf meiner Schulter lag.

„Warst du bei Domi?“ fragte er mich auf einmal leise.

„Nein.“ Sagte ich ruhig. Er nickte.

„Aber du würdest es brauchen?“

Ich horchte in mich rein „Noch nicht.“ Ja ich war angespannt, aber ich würde mich sichern noch etwas zusammenreißen können.

„Kannst du es steuern?“ fragte er.

„Nicht wirklich.“ Ich richtete mich auf „Es kommt darauf an wie viel Stress ich habe. Grade geht es. Ich hab im Moment auch viel zu viel Angst unsere Beziehung kaputt zu machen. Noch hab ich noch nicht den Tiefpunkt erreicht.“

„Aber bald?“

Ich zuckte mit den Schultern „Vielleicht.“

„Was passiert dann, wenn du an dem Tiefpunkt bis?“ fragte er.

„Ich rutsch von Panik Attacke in Depression und wieder zurück. Ich kann mich über nichts mehr freuen und reg mich über alles was ich falsch mache deutlich mehr auf, als ich müsste. Ich komm dann einfach nicht mehr zur Ruhe.“

Er sah mich überlegend an und nickte. „Vor mir, wie oft hast du dich da mit Domi getroffen um … naja das zu machen?“

„Ein Mal die Woche, vielleicht auch zwei Mal die Woche.“ Ich zuckte mit den Schultern „Es gab sicher auch Wochen, wo wir es nicht gemacht haben.“

Er nickte. „Wenn ich nicht damit klarkommen würde.“ sagte er leise und sah in den Raum „Was würde das für uns bedeuten?“

Ich schluckte und sah weg. „Das ich es wahrscheinlich wieder heimlich machen werde und du uns früher oder später erwischen würdest. Du wärst bei jedem Treffen von mir und Domi skeptisch, Zu Recht, und würdest mich bitten ihn nicht mehr alleine zu treffen.“ Ich schluckte „Früher oder später würden wir zerbrechen.“ Ich zog meine Beine auf die Sitzfläche und umklammerte sie. Es auszusprechen, machte es realer als jemals zu vor.

Er nickte. Doch er äußerte sich dazu nicht. Es hing alles von ihm ab. Konnte er es ertragen das ich Domi brauchte. Konnte er damit leben, dass er mir nicht alles geben konnte, was ich brauchte.

„Es ist okay.“ Sagte ich leise „Egal wie du dich entscheidest. Es ist okay.“

Er sah mich mit einem gequälten Gesichtsausdruck an. Es war seine Entscheidung. Er weiß was ich brauche und nur er weiß was er geben kann.



_____
Mich würde interessieren was du machen würdest. Ich weiß was ich an Sebis Stelle tun würde nur habe ich zum Thema Sex, Beziehung und Bedürfnisse vielleicht eine etwas außergewöhnliche Ansicht. Deswegen würde es mich interessieren, wie du dazu stehst.

Würdest du deine Sachen packen und gehen?

Oder würdest du es akzeptieren können, wenn dein Partner neben dir noch jemand anderen braucht?
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