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May we always meet again

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
Anya Bellamy "Bell" Blake Clarke Griffin Lexa Raven Reyes
14.01.2022
27.01.2022
3
11.262
12
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
14.01.2022 4.048
 
Willkommen zu meiner neusten Geschichte. Wer gedacht hat, ich halte meine Füsse still, weils grad ein bisschen dauert mit Heda, irrt sich wie man sieht, darum danke, dass du sie liest und der neuen Story eine Chance gibst, ich weiss es sehr zu schätzen. Sie sollte eigentlich maximal 10 Kapitel lang werden, na ja, sie wurde grösser. Sogar wesentlich grösser.

Ich widme diese Geschichte Fan05, die mir zugehört hat und immer wieder Input gab. Sie hat geholfen, diese Story zu entwickeln. Danke für deine offenes Ohr und deine Ideen. einfach danke.



Clarkes POV
Genervt stöhnte ich auf. Ich wollte nicht dahin, aber wenn ich es nicht tat, wusste ich, sie würden über mich reden und darauf hatte ich erst recht keine Lust. Vielleicht sollte ich Finn fragen? Aber ist es wirklich eine gute Idee meinen Ex zu fragen, ob er nicht an mein Klassentreffen mitkommen möchte? Nein, das war zu verrückt, selbst für mich.

2 Wochen. Ich hatte noch 2 beschissene Wochen Zeit um zu- oder abzusagen. Voller Inbrunst verdrehte ich meine Augen. Am liebsten hätte ich nie wieder damit aufgehört. Ich sass an meinem Küchentisch und atmete tief ein, bevor seufzend die Luft wieder meinen Lungen entwich. Am liebsten hätte ich mit meiner Faust gegen eine Wand geschlagen, aber irgendetwas sagte mir, dass die Wand den Kampf gewinnen würde und ich wollte die Verletzung weder dem Krankenhaus noch meiner Versicherung erklären müssen.

Stattdessen widmete ich mich meinem vor mir liegenden Jahrbuch und schlug es auf. Alleine vom Gedanken an diese Zeit, lief mir ein kalter Schauer über den Rücken. Ich blätterte es durch, bis ich zu den Klassenfotos und den Einzelportraits kam und ich eine jüngere Version meiner selbst mit Pickeln, Pony, Zahnspange, Brille und etwa 20kg mehr auf den Rippen, sah. Ich weiss, Klischee lässt grüssen, irgendwie fehlten nur noch die Zöpfchen und der selbstgestrickte Pullover, aber zum Glück hasste ich Stricken. Wer weiss, wohin das sonst geführt hätte… Nur eine Reihe ober meinem eigenen Foto sah man Bellamy Blake, Jahrgangssprecher und beliebtester Junge der Schule und derjenige, der mir mein Leben zur Hölle gemacht hatte. Er hatte mich immer mal wieder in meinen Spind gesteckt, mir meine Klamotten versteckt, wenn ich nachdem Sport geduscht habe, was dazu geführt hat, dass ich es nicht mehr gemacht habe, was meiner Beliebtheit nicht unbedingt geholfen hat, wie man sich sicher vorstellen kann…  Wann immer Bellamy konnte, hatte er mich ausgelacht und vorgeführt und seine Leute rund um Murphy, CP, und Miller, haben mitgemacht und die Leute angespornt es ihnen gleich zu tun. Die Wut in mir stieg auf und ich liess sie wachsen, zumindest ein bisschen, aber nicht gross genug werden, dass sie ein Waldbrand wurde.

"Clarke, du bist nicht mehr 16. Du bist erwachsen, na ja, zumindest ein bisschen, bald Ärztin und erfolgreich, was kümmert es dich, was vor so vielen Jahren passiert ist?" Ich kannte die Antwort, es sollte mich nicht kümmern, ich sollte *drüberstehen*, doch ich tat es nicht, vielleicht wollte ich es auch nicht. Vielleicht wollte ich es mir auch selbst beweisen, dass ich mittlerweile so viel mehr war als ich es damals war.

Kaum war ich aus der Highschool draussen, wurde der Stress zu 80% geringer, trotz Studium. Ich begann mich im Fitnessstudio zu quälen, passte meine Ernährung an, begann mit Yoga, um zu lernen wie ich mich entspannen konnte, habe mir endlich eine anständige Frisur schneiden lassen und die Zahnspange ist auch draussen. Für die Pickel bin ich sogar zu einer Hautärztin gegangen, Harper McIntyre, das ging so weit, dass ich regelmässig mit ihr Essen ging und wir mittlerweile ziemlich gut befreundet sind. Wir kannten uns immerhin auch ein paar Jahre.

Ich wollte mich einfach so weit wie möglich von meinem damaligen Ich entfernen und das hat geklappt. Natürlich sah ich immer noch so aus wie ich, nur halt in sportlicher und femininer, mit passenden Kurven. Und es hatte sich gelohnt. Mit der Zeit wurde ich immer öfter nach meiner Nummer und einem Date gefragt und, wer kann es mir verübeln, ich habe es genossen. Den Walk of Shame gab es bei mir mehr als einmal, auch wenn ich mich nicht dafür geschämt habe. Manchmal war es ein Junge aus einem meiner Kurse oder das eine Mal diese hübsche Barista aus einem Starbucks Café. Jetzt gerade hatte ich eine Freundschaftsplus Sache mit Nyilah. Sie war einige Jahre älter als ich und ich konnte noch einiges von ihr lernen und es genügte mir zurzeit. Ich genoss dieses unkomplizierte. Sie rief mich an oder ich sie, manchmal reichte auch eine Nachricht, dann trafen wir uns um etwas zu unternehmen, was immer gleich endete, aber was soll ich sagen, ich hatte nichts dagegen.  Ich genoss die Routine die unsere *Beziehung* eingenommen hatte. Nichts Verbindliches, wir konnten auch ausserhalb dieser F+ Leute treffen, ohne dass es ein Betrug war. Es war für mich anfangs zwar eher ein bisschen mehr, als nur eine Freundschaft, doch je länger es ging, umso mehr merkte ich, dass ich nicht mehr brauchte.

Vor einigen Jahren hatte ich eine Beziehung, sein Name war Finn und ich wollte vorerst nichts festes mehr. Wir hatten uns einvernehmlich getrennt und konnten nach wie vor normal miteinander umgehen, wenn wir uns sahen. Es gab kein böses Blut. Vermutlich, weil uns beiden von Anfang klar war, dass es nicht die grosse Liebe war. Zuneigung? ja. Gefühle? Auf jeden Fall. Aber Liebe? Das bezweifle ich. Es hatte immer etwas gefehlt, was es genau war, wusste ich nicht, er vermutlich auch nicht, aber das spielte letztendlich auch gar keine Rolle.

Jetzt dateten sich er und Raven, meine beste Freundin. Sie studierte Mechanik oder wie auch immer das genau hiess und etwas im IT-Bereich, was sie aber ziemlich langweilig fand, weil sie die Sachen alle schon konnte. Streber.

Bei den beiden könnte es mehr werden und ich würde es beiden gönnen. Wem schadet schon ein wenig Glück? Und mich störte es nicht. Ich genoss mein Leben, in dem ich mir keine Sorgen um Dates machen musste, so wenig Drama wie irgend möglich, das war die Devise und es lebte sich grossartig so, ausser ich bekam eine Einladung zu einem blöden, unnötigen Scheiss, wie diesem.  

Bei all den vielen, mal mehr mal weniger produktiven Gedanken, bin ich meinem eigentlichen Problem nicht Herr oder Frau, wenn man`s richtig gendern will, geworden. Nyilah konnte und wollte ich nicht fragen, das war mir zu wenig freundschaftlich und ich wollte jemand Heisses mitbringen, der alle Blicke auf sich zieht, männliche und weibliche und bei dem ich mir nicht immer Sorgen machen musste, dass es falsch verstanden wurde oder dass es sich merkwürdig anfühlte. Es sollte zwischen Nyilah und mir einfach weiterhin Freunde mit Vorzügen bleiben. Mittlerweile war ich mir nämlich nicht mehr so sicher, ob es für sie immer noch dasselbe war wie für mich. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass sie mehr wollte. Dass sie das begann zu empfinden, was ich empfunden hatte, als das mit uns anfing. Da wäre eine solche Einladung vermutlich nur kontraproduktiv und würde ihr am Ende ein falsches Bild vermitteln.

Statt weiter darüber nachzugrübeln, fand ich es eine tolle Idee Alkohol zu trinken. Zunächst habe ich in einer Bar vorgeglüht, natürlich mit jeder Menge Sprüche, auch einmal unter der Gürtellinie, mit meinem Lieblingsbarmann, um mir dann Zuhause den Rest zu geben. Dachte ich anfangs noch, dass es ein brillanter Einfall war, wurde ich spätestens am nächsten Morgen eines Besseren belehrt.

***

Sie haben eine neue E-Mail.

Blinkte es auf meinem geöffneten Laptop. Ich öffnete die Augen und schloss sie direkt wieder, es war noch dunkel draussen und mein heller Bildschirm verursachte mir regelrecht Schmerzen.

Plötzlich setzte ich mich kerzengerade in meinem Bett auf, wobei mein Laptop beinahe vom Bett fiel, hätte ich ihn nicht festgehalten. Als ein Erinnerungsfetzen aufkam hoffte ich so sehr, dass ich mich irrte. Ich hoffte es von ganzem Herzen, doch die neue Nachricht auf meinem Laptop sagte etwas anderes.

"Fuck!" sagte ich viel zu laut und erschreckte mich damit selbst. Ich schüttelte über mich selbst den Kopf, schlug die Decke zur Seite und versuchte mich an alles zu erinnern, was gestern vorgefallen war. Barfuss tapste ich Kreise drehend durch meine Wohnung, bis mir schwindlig wurde. Daran war wohl der Restalkohol schuld. So eine Scheisse! Mein Kopf dröhnte und ich schwanke. Alles in mir schrie danach, mich wieder hinzulegen und diesen Abend zu vergessen, einfach bloss nicht darüber nachzudenken, aber ich musste es wissen.

"Okay, bevor du falsche Schlüsse ziehst, denk noch einmal genau nach, was gestern alles passiert ist. Vielleicht war es ja doch nur ein Traum? Oder wohl eher ein Albtraum…"
Erneutes tapsen, bis ich mich dazu entschloss, mir einen Kaffee aus der Maschine zu lassen, an Schlaf war ohnehin nicht mehr zu denken, dann konnte ich wenigstens versuchen komplett nüchtern zu werden. Wobei ich die Betonung auf das Wort versuchen legte.

"Was ist das Letzte woran ich mich erinnere? Ich war aufgeregt, weil ich keine Lösung für dieses bescheuerte Problem habe, daher bin ich nach unten zu Joe, meinem Lieblingsbarmann. Wie immer haben wir geflirtet, bis ich mich entschlossen habe, in der Wohnung weiter zu trinken und dann?" Ich sah zum Bett, darauf lag nicht nur immer noch mein Laptop, sondern auch die Einladung. "Dann habe ich die Einladung gelesen und habe, noch immer trinkend, das Internet angefangen zu durchforsten, aber was habe ich gesucht?"

Ich schnappte mir meinen Kaffee, machte Milch rein und ging zum Laptop, welcher natürlich jetzt wo ich ihn brauchte keinen Akku mehr hatte. So langsam flatterten mir wirklich die Nerven und am liebsten hätte ich ihn genommen und aus dem Fenster geworfen, aber das würde mein Problem nicht lösen und ich würde wohl mit ihm weiterkommen als ohne. Stattdessen nahm ich das Laptopkabel und schloss ihn an. Auf die Idee, dass ich auch mit dem Handy meine Mails checken könnte, kam ich nicht. Scheiss Kater.

Nach quälend langen 10 Minuten konnte ich ihn endlich starten und begann meine Suchleiste zu durchforsten. Was hatte ich gesucht? Die Mail, die mir nun wieder angezeigt wurde, ignorierte ich. Na gut, vielleicht wollte ich auch nicht wissen was darinstand, bisher konnte ich noch alles verleugnen, danach würde das wahrscheinlich nicht mehr klappen.

Begleitung zu Anlässen das hatte ich ernsthaft gesucht? Natürlich erschienen augenblicklich Begleitservice Dienste, aber ich hatte doch nicht? Nein oder? Ich verwarf den Gedanken gleich wieder. Nein, so tief würde ich nicht sinken. So betrunken war ich nicht. So betrunken konnte ich gar nicht sein.

Sie haben 2 ungelesene E-Mails blinkte jetzt auf. Der Schreck durchfuhr mich und machte mich wesentlich wacher als es 10 Espressi könnten.

Ich klickte auf die E-Mail die schon etwas älter war und damit meinte ich wenige Stunden alt.

Sehr geehrte Frau Griffin,

Vielen Dank für ihre Anfrage an den Polis Begleitservice. Wir bearbeiten diese und werden Ihnen so rasch wie möglich eine Antwort zukommen lassen. Aufgrund der erhöhten Nachfrage bezüglich der Feiertage, kann es 2 Tage dauern, bis Sie eine Antwort erhalten. Wir bedauern diese Unannehmlichkeiten und wünschen Ihnen eine besinnliche Adventszeit.

Ihr Polis Begleitservice


Aha. Wir hatten gerade einmal Oktober und wirklich viel schlauer war ich nicht geworden, deswegen klickte ich stattdessen die zweite Mail an, die etwas länger war als die Erste. Auch wenn ich erstaunt war, dass sich bereits jemand bei mir gemeldet hatte und ich nicht sicher war, ob ich wirklich wissen wollte, was darinstand.

Guten Morgen Frau Griffin,

Ich melde mich aufgrund Ihrer wirklich sehr interessanten Anfrage. Ehe wir jedoch zum geschäftlichen Arrangement kommen, würde ich mich gerne vorab mit Ihnen treffen. Bevor Sie jetzt erwarten, dass Sie ein besonderes Merkmal tragen müssen wie eine rote Rose, kann ich Sie beruhigen, es wird keine solchen Klischees geben und Sie müssen auch nicht nervös sein. Es ist ein Geschäft wie jedes andere. Würde es Ihnen heute gegen 15Uhr passen oder wäre ein anderer Tag passender? Bitte melden Sie sich um den Termin entweder zu bestätigen oder einen anderen auszumachen.

Lexa


Ein schöner Name und ein äusserst verwirrender Text. Wollte ich wirklich wissen, was ich volltrunken geschrieben hatte? Wollte ich wirklich wissen, was daran so interessant war? Sollte ich mich überhaupt melden? Letzten Endes überwog die Neugier und ich bestätigte den Termin, ich hatte zwar nur knapp 2 Stunden Zeit ehe ich eine meiner vielen 24h Dienste würde antreten müssen, aber zumindest würde es nicht langweilig werden, auch wenn ich wusste, dass ich letzten Endes wohl wesentlich länger im Krankenhaus bleiben würde.

Ich ging in mein E-Mail-Postfach um zu lesen, was genau ich für eine Peinlichkeit geschrieben hatte, um beim Treffen darauf vorbereitet zu sein.

Sehr geehrter Polis Begleitservice, Guten Abend,

Mein Name ist Clarke Griffin und ich bin auf Ihre Anzeige gestossen. Gerne würde ich diesen Dienst in Anspruch nehmen, ich bräuchte ihn nämlich dringend für mein Klassentreffen. Ich will nicht wieder die Einzige ohne Begleitung sein und am liebsten hätte ich eine Frau oder einen Mann, der alle Blicke auf sich zieht. Sie verstehen was ich meine? So richtig heiss, dass jede und jeder sich nach diesem Menschen umdreht, aber so richtig. Am besten so, dass man diese Person am liebsten ausziehen und vernaschen würde, das wäre perfekt. Hot Stoff Material eben. Das Treffen ist in 4 Wochen, ich hoffe, das passt und Sie können mir helfen.

Freundliche Grüsse oder was auch immer man da so üblicherweise so schreibt. Ich weiss ja nicht, wie viele Klischees Sie erfüllen. Als was kann man das überhaupt verbuchen? Geschäftlich? Privat? Vergnügen? Ich habe keine Ahnung wie so etwas abläuft und ich möchte keine rote Rose zu einem Treffen anziehen, das wäre ziemlich unangenehm. Ich bin ziemlich nervös, es könnte aber auch am vielen Alkohol liegen. Könnte man Mails hören, würden Sie mein Kichern hören.


Ich machte grosse Augen als ich den Text las. Das war doch wohl nicht mein Fucking ernst?  Wie besoffen kann man den bitte sein? Es erklärte zumindest ihre Antwort. Wer sie wohl war? Würde sie mich begleiten oder war sie die Managerin? Zuhälterin? Keine Ahnung wie man so etwas nennt. Ich beschloss, mir die Website, welche ich wohl als Vertrauenswürdig abgestempelt hatte, anzuschauen. Ich vertraute meinem Alki - Ich nicht. Nein, nicht einmal ansatzweise und das wohl zurecht, nach diesem Mail Fiasko.

Nervös starrte ich auf die Uhr, das tat ich mittlerweile seit Stunden mindestens alle 30min. An Schlaf war nach dem Mail – Fiasko nicht mehr zu denken und der Kater war weg. Geblieben war das Schamgefühl. Was würde Lexa wohl von mir halten? Na ja, eigentlich konnte es mir ja egal sein, schliesslich würde ich sie ja bezahlen. Trotzdem, war es mir sehr unangenehm.

Würde dieses Treffen auch etwas kosten? Hmm, sicherheitshalber nehme ich mal 100 Dollar mit, sicher ist sicher. Oder gab es eine Gesamtrechnung? Vielleicht musste man als Neukunde alles Bar bezahlen? Ob Ratenzahlung möglich war?

Ich stöhnte entnervt auf. Wie immer machte ich mir viel zu viele Gedanken um nichts. Abwarten was passiert. Das war die Devise, denn offensichtlich wusste sie, dass ich keine Ahnung hatte, dafür musste man kein Profi sein, das würde man, wenn man nicht ich war, sogar Sturzbesoffen merken.

Lexas POV

"Lexi Puuh. Du hast eine neue Anfrage bekommen." Mein Chef, Jasper kam auf mich zu. Er trug einen Pelzmantel und grinste breit.

"Was daran ist speziell?"

"Es ist kein üblicher Kunde und dazu eine Frau." Er zwinkerte mir zu und sein Lachen wurde immer grösser, während er leicht dabei tanzte.

"Na und? Das wäre nicht das erste Mal."

"Lexii. Lies die E- Mail und sag mir dann, dass das eine normale Mail ist, aber denk dran, du musst in wenigen Minuten los. " Er kicherte als hätte er etwas genommen und tanzte ein wenig, ehe er das Zimmer verliess. Jasper wirkte immer so als wäre er etwas high, aber eigentlich war das sein normaler Zustand, ich kannte ihn nur so.

Trotz seiner speziellen Art, kümmerte er sich gut um alle die bei ihm arbeiteten und er schrieb die Sicherheit sehr gross. Darum holten uns unsere Kunden nicht selbst ab, sondern wir wurden gefahren und hatten stets jemanden bei uns, der uns im Notfall helfen und beschützen konnte. Das grösste Plus bei Jasper war, dass er von niemandem verlangte, Sex mit den Kunden zu haben, wenn sie nicht wollten. Einige der Begleitservices waren da anderer Ansicht, ich hatte das zur Genüge selbst bei anderen Agenturen erlebt und war froh, als ich die Stelle beim Polis bekam.

Noch bevor ich die Mail auch nur öffnen konnte, klingelte es an der Tür, dann würde ich eben Morgen oder heute Abend lesen, was daran so speziell sein sollte.

Ich schnappte mir meine Jacke und ging nach draussen. Der Fahrer hatte zunächst den Kunden, Thelonious Jaha, und dann mich abgeholt. Er versuchte charmant zu sein und gab mir einige Komplimente für mein Outfit und mein Aussehen generell sowie meinen Körper. Das war ich gewohnt und es liess mich kalt. Es waren immer dieselben Attitüden und irgendwann begann man etwas abzustumpfen, doch nie genug, damit man trotzdem jederzeit reagieren konnte, wenn etwas unangemessen war. Diesen Kunden hatte ich mir nicht ausgesucht, sondern von einer Arbeitskollegin übernommen, welche relativ kurzfristig krank geworden war. Das war aber nach etwas Bürokratie, reine Vorsichtsmassnahme, schnell erledigt gewesen. Ich hatte ihn vorab nicht gesehen, sondern nur eine Mail mit den entsprechenden Verträgen geschickt und nachdem man mir gesagt hatte, was er sich vorstellt, war es auch schon losgegangen.

Jaha hatte bestimmte Vorstellungen wie ich heute zu sein hatte. Das begann mit der Kleiderwahl, das Treffen war eher konservativ, also zog ich mich entsprechend an und ging bis zu meiner Meinungsäusserung. Ich durfte nur bestimmte Themen anschneiden und allem anderen musste ich ausweichen oder etwas Passenderes finden. Ich hatte eine Liste möglicher Gesprächsthemen erhalten. Wenn möglich, sollte ich einfach ein stilles Anhängsel sein. Entsprechend verhielt ich mich und sah auch seinen Wünschen betreffend aus.

Es war ein spätes Geschäftsessen und das Ziel war, ihn gut dastehen zu lassen, während ich Smalltalk mit den anderen Gästen machte oder schwieg und gut aussah. Mein Kunde bestellte sogar für mich, ohne mich zu fragen und Teil des Deals war es, ihm während dem Essen nichts abzuschlagen, weil er sonst schwach gewirkt hätte. Männer und ihr Ego. Ich lächelte trotzdem artig und rief mir immer wieder ins Gedächtnis, dass das ein Job wie jeder andere war und ich meinen Zielen dadurch ebenfalls näherkam, auch wenn ich froh war, wenn der Abend vorüber war. Die Treffen fanden immer nachts statt, damit ich den Tag hindurch in die Uni und auch meinem Praktikum in einer Anwaltskanzlei nachkommen konnte. Es war zwar bezahlt, aber deckte nur knapp die Miete und ich wollte mein Jurastudium möglichst bald abbezahlt haben, da bot sich dieser Job an. Meine Termine konnte ich um alles drumherum legen und hatte trotzdem noch etwas Zeit zum Lernen. Freunde und alles andere musste eben einen Moment zurückstecken, alle, ausser meiner Schwester.

Einige Stunden später sassen wir wieder im Wagen und ich hing meinen Gedanken nach, zumindest solange, bis der Herr neben mir seine Hand auf meinen Schenkel legte und begann ihn zu streicheln. Ungläubig sah ich ihn an, doch er ignorierte es und kam mir stattdessen etwas näher, während ich zurückwich.

"Warum weichst du mir aus?" er hatte seine Augenbraue erhoben und sah mich verwirrt an.

"Diese Nähe war nie Teil unserer Abmachung. Kein Sex oder sonstige Körpernähe, du kennst die Regeln und hast sie unterschrieben."

Er lachte höhnisch. "So etwas soll ich ernst nehmen? Das gehört zu einem Begleitservice dazu. Wenn der Mann danach mehr will, gibt es mehr. So war es schon immer." Das war ein absolutes Tabu und entsprechend würde ich mich verhalten, wenn er es noch einmal versuchen würde, was er tat. Er kam mir mit seinen schmierigen Lippen wieder näher und ich stoppte ihn, indem ich ihm einen Zeigefinger daran drückte. "Ein nein, ist immer ein nein."

"Ich bezahle dich dafür und sehr gut, wenn ich das hinzufügen darf." Er war also die Sorte Mann, die dachte, dass er mit Geld alles bezahlen konnte, aber das konnte er vergessen. Nicht mit mir. Er wusste, worauf er sich mit mir eingelassen hatte und da machte ich keine Ausnahme, schon gar nicht, wenn er mit so etwas kam.

"Nein, du bezahlst mich für die Begleitung, nicht mehr und nicht weniger. Du nimmst jetzt sofort deine Hände da weg." Sein Lächeln wurde breiter. Er kam mir näher und seine Hand rutschte nach oben, statt sie wegzunehmen. Ich erwiderte sein Lächeln, was er als Einwilligung sah, nicht dass er die seiner Meinung nach brauchte.

"Roan." Meine Stimme wurde nur minimal lauter, der Wagen stoppte und schon wenige Sekunden später wurde der Kunde aus der geöffneten Wagentüre gezogen.

Roan, mein Fahrer und gleichzeitig auch Bodyguard, schützte mich vor genau solchen Menschen und er kannte kein Erbarmen, weil er wusste, dass ich mich sehr gut alleine wehren konnte und ihn nur dann holte, wenn es nicht anders ging. Entsprechend verhielt er sich. Er hatte Jaha aus dem Wagen geschleift, mit blossen Händen hochgehoben und sah aus, als wartete er nur auf mein Kommando um ihn an einen Pfahl zu binden und ihm wehzutun. Vermutlich Stück für Stück mit einem Schwert. Thelonious dagegen baumelte vor sich hin und sah ängstlich aus. Und ich genoss es für einen Moment wohl etwas zu sehr, aber Menschen wie er brauchten einen Denkzettel.

Ich stellte mich vor den Mann und sah ihn kalt an, bevor ich zu sprechen begann. "Jaha, du kanntest die Regeln und da du sie gebrochen hast, wirst du auf der schwarzen Liste landen. Du wirst wohl das Land wechseln müssen, bevor du wieder eine Begleitung erhalten wirst." Sehr wahrscheinlich gab es dennoch Begleitservices, die ihn aufnehmen würden, aber die wirklich guten, die er für seine Schmierentheater brauchte, würden Abstand zu ihm nehmen. Jasper hatte einen sehr guten Ruf in der Branche und wurde von allen respektiert.

Noch immer baumelte der Kunde in der Luft, bis Roan mich ansah, ich nickte und er den schmierigen Mann danach einfach auf den Boden schmiss. Ich stieg ein und wir fuhren los.

Mit einem Blick in den Rückspiegel fragte mich mein Beschützer ob alles in Ordnung ist und als ich mit einem angedeuteten Nicken mein Ja gab, wirkte er entspannter.

Kaum zurück erzählte ich Jasper was vorgefallen war, dieser war ausser sich vor Wut und schon am nächsten Tag hatten alle Agenturen ein Bild und alle benötigten Angaben von Thelonious Jaha. Wäre es nach meinem Chef gegangen, wäre direkt eine Anzeige rausgegangen, aber damit wäre auch meine Identität herausgekommen und das wollte ich nicht.

"Geh nach Hause Lexa." Er klang besorgt.

"Gleich, zuerst muss ich noch eine Mail lesen."

"Mach das Morgen früh, heute war ein langer Tag." Ich sah auf die Uhr, mir blieben nur noch wenige Stunden Schlaf, ehe ich im Vorlesungssaal sitzen müsste, dennoch liess ich mich nicht beirren.

"Ich weiss Jas, aber morgen habe ich noch Vorlesung bis um 14Uhr und ich will das erledigt haben."

"Das kann ich verstehen und ich fand sie lustig. Vielleicht ist es genau das, was du jetzt brauchst. Aber melde dich, wenn etwas ist, okay?" Dankbar nickte ich ihm zu. Er ging und ich öffnete meine Mails.

Ich las sie mehrere Male durch und musste Grinsen. Da war jemand wirklich sehr betrunken, aber es war erfrischend und neu, auch wenn der Teil mit sehr heiss und vernaschen etwas speziell war. Trotzdem hatte die Mail etwas, was mich anzog, etwas, das mich reizte. Vielleicht lag es auch an der Tatsache, dass sie eine Frau war und eigentlich meldeten sich selten bis nie Frauen. In der Regel waren es Männer, die ein hübsches Mitbringsel wollten um sie vorzuführen. Klar, diese Clarke Griffin wollte auch jemanden dabeihaben, der etwas hermachte, aber sie klang dabei so offen und ehrlich, wenn auch sehr verzweifelt und nicht nach jemandem, der sich einfach nahm, was sie wollte. Genau darum schrieb ich ihr gleich zurück, obwohl die Wartezeit in diesen Tagen bei mindestens 2 Tagen lag.


Ich würde mich riesig freuen, wenn du ein Review hierlässt, einen Stern oder auch mich als favorisierten Autor markierst. So bald wie möglich lade ich das nächste Kapitel hoch.

lg Romy
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