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Treffen, die alles verändern

Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P12 / Het
Carl Philip von Schweden Madeleine von Schweden OC (Own Character) Viktoria von Schweden
14.01.2022
23.09.2022
6
9.525
9
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23.09.2022 1.535
 
6. Natürlich nur, um sich besser kennen zu lernen

Mit der Zeit fiel es mir dann auch einfacher das zu glauben. Ich strauchelte zwar in der nächsten Woche öfter dabei ihn einfach so anzuschreiben, aber nachdem er mich dann den Samstag darauf noch einmal zu sich zur Fika (Kaffeerunde) einlud, fiel es mir leichter ihn wiederum im Gegenzug den folgenden Freitag zu mir zum kochen eingeladen. Wir hatten bis dahin dann ja theoretisch drei Treffen gehabt und wenn er es wirklich nur aus Höflichkeit getan hätte, wäre alles ja spätestens nach dem Spaziergang anders verlaufen. Ich versuchte bei dem Gedanken nicht ständig zu erröten, besonders den Vormittag über auf der Arbeit und als ich anschließend einkaufen ging. Welcher vernünftige Mensch wurde schon beim auswählen der Kartoffeln für ‘Janssons frestelse’ rot? Vielleicht hatten Karolina und Caja doch recht gehabt und mein letztes Date (mit jemanden den ich wirklich toll fand, für einige eher schlechte hatte ich in meinem Versuch in New York Anschluss zu finden selbst gesorgt) war wirklich lange her.

An dem Abend lernte ich, dann dass Carl Philip mit einer absoluten Ruhe Zwiebeln scheiden konnte, während mir am anderen Ende der Küche die Augen wie blöd alleine schon von dem Geruch tränten. Auch die Anchovis machten ihm keine Probleme, während ich versuchte trotz meinem Lachen über seine verrückten Geschichten von der Rennstrecke oder früheren Streichen, die er versucht hatte seinen Schwestern zu spielen, die frisch geschälten Kartoffeln halbwegs gleichmäßig für den Auflauf zu schneiden. Zum Thema Geschwister konnte ich dann leider nichts weiteres zu beitragen, als es an das Schichten des Auflaufes ging. Solange ich mich gegen die Versuche meines Vaters wehrte Karlsson als ‘meinen kleinen Bruder’ zu etablieren, war ich leider Einzelkind und auch spannende Hobbys hatte ich keine zu berichten, so landeten wir schließlich bei skurrilen Kunden denen ich versucht hatte Häuser oder Wohnungen die sie erstanden hatten nun so zu machen, wie sie es seit der Besichtigung im Kopf hatten. Manchmal wollte einem einfach nicht in den Kopf, was anderen da scheinbar als erste Gedanken oder Traumvorstellungen so kam.

Von da an entwickelte es sich so, dass wir uns jede Woche mindestens einmal sahen, meistens allerdings auch öfter, wenn es unsere Kalender erlaubten. Mal hatte ich einen Kunden der nun wirklich alles meine Zeit beanspruchte und er hatte natürlich auch Termine die er wahrnehmen musste, aber irgendwie schafften wir es. In meinen vollen Wochen schaffte er es uns ungesehen irgendwo in der Mittagspause einen schönen Tisch zu besorgen und wenn seine Woche kaum freie Plätze hatte, dann schneite ich in den paar Minuten halt bei ihm herein. In den ‘normalen’ Wochen schafften wir es dann einmal sogar ungesehen abends in eines der Theater in der Innenstadt, eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, wie er mir mit zufriedenen Grinsen zu flüsterte.

Den meisten Spaß hatte ich jedoch als Carl Philip sich entschied, dass sein Büro in der schönen Mehrparteien Stadtvilla ihm zu langweilig war und mich zum streichen einlud. Ich glaube, er bereute es bereits in dem Moment als ich meinen inneren Monk nicht davor zurückhalten konnte seine Packart sämtlicher Büroutensilien, schlicht als nicht effektiv und unsinnvoll zu kommentieren. Was soll ich sagen, sämtliche meiner Filter die es schafften meine Gedanken vor dem aussprechen noch höflich umzuformulieren oder ganz aufzuhalten verschwanden, wenn es ums Thema Ordnung ging. Jeder hatte ja irgendwie so ein Thema. Auch das penible abkleben der Kanten und kommentieren, wenn er das nicht vernünftig machte, schien nicht das zu sein, was er sich von mir erhofft hatte, oder warum ich eingeladen war.

“Hast du schon mal gestrichen?” konnte ich mir die amüsierte Frage nicht verkneifen, als ich ihm dann beim starten zu sah. “Warum?” “Darf ich nichts fragen, um dich besser kennen zu lernen?” versuchte ich mich schnell aus der Bredouille zu winden, aber zu spät. Ein breiter Streifen der Farbe ‘Wüstendüne’ zierte gleich darauf meinen Oberschenkel. “Hey!” beschwerte ich mich und versuchte gleichzeitig aus seiner Reichweite zu kommen. “Ich wollte nur rausfinden, wie du darauf reagierst, um dich besser kennen zu lernen” neckte er zurück. “Ich glaube, du hast nach einem Pinselstrich schon jeglich motivation verloren und versuchst nur abzulenken.” konzerte ich. “Oh, glaubst du ich bin so schlecht im ablenken?” “Naja, Madeleine hast du nicht lange ausweichen können” “Vielleicht war das ja Taktik” “Ah ja? Und mit welchem Ziel?” Er schlich sich während unseres kleines Schlagabtausches immer näher heran und während ich misstrauisch seine Hand mit dem Pinsel im Auge behielt, wurde ich tatsächlich erfolgreich von seinem eigentlichen Plan abgelenkt.

Kurz darauf fand ich mich in eine Ecke gedrängt wieder, aber auch neben dem offenen Farbeimer der weißen Farbe. Es war offensichtlich eine Frage der Ehre, ihm die Oberhand in diesem Kampf nicht einfach so zu überlassen und so duckte ich mich so schnell ich konnte, um meinen sauberen Pinsel in eine passende Waffe zu verwandeln. Die Farbschlacht begann fast augenblicklich und während ich in meinem Fluchtversuch fast über weitere Eimer stolperte, machte sich seine Geschwistererfahrung deutlich bemerkbar. Meine aus dem Sportunterricht bewährte Taktik des Haken schlagens funktionierte auch nur ein paar Mal, ehe wir beide lachend gegen die Wand stolperten. Und plötzlich fand ich mich in einer Situation wieder, die ich so nur aus Filmen kannte (passierte sowas automatisch, wenn man sich Prinzen umgab? Erst Blind Dates und jetzt sowas?).

So nah beieinander änderte sich die ganze Atmosphäre von unverbindlichem herum gealbert zu etwas viel intimen. Ich verbot mir, ihm wie ein absolutes Klischee in die Augen oder auf die Lippen zu starren, aber konnte trotzdem spüren, wie ich errötete, während ich versuchte verschiedene Punkte über seiner Schulter zu fokussieren. Kaum kam er mir jedoch noch ein wenig näher und schon flogen alle guten Vorsätze aus dem Fenster und soland unsere Blicke sich trafen überbrückte er schließlich den letzten Abstand, bis unsere Lippen sich trafen.

Wenn mein letztes gutes Date lange her war, will ich nicht davon anfangen, wie lange es her war, dass ich SO geküsst worden war. Jede Zelle meines Körpers wurde augenblicklich unter Strom gesetzt und begann entsprechend zu kribbeln, ich spürte jede Faser von den Haarspitzen bis zu den Zehen und fühlte mich so lebendig, ich konnte gar nicht anders, als automatisch zu lächeln zu beginnen. Als ich meinen Kopf schließlich zurück gegen die Wand fallen ließ, um ihn zu betrachten, trug sein Gesicht einen ganz ähnlichen Ausdruck. “Und dafür all das?” fragte ich schließlich möglichst cool mit einer Armbewegung zu den Farbtöpfen, während ich versuchte meine Gesichtsfarbe und die buchstäblichen Schmetterlinge in meinem Magen in den Griff zu bekommen. “Gut, vielleicht sehe ich den Spaß im Wände streichen nicht so, aber eine gute Idee war es trotzdem” gab er schließlich mit schelmischen Glitzern in den Augen zu.

“Was ist denn etwas, was du nicht magst?” kam schließlich die Frage auf mich zurück, als wir es wirklich nochmal mit dem ernsthaften Streichen versuchten. In dem jetzigen Zustand war das Büro nämlich definitiv nicht nutzbar. “Fahrrad fahren”, gab ich schließlich nach kurzer Denkpause zu “Fahrrad fahren? Was kann man denn daran nicht mögen?” “Fragt der, der ruhiges, entspanntes Streichen nicht mag” konterte ich. “Wir sollten mal zusammen Fahrrad fahren. Eine Radtour” “Ich glaube nicht” “Doch, ich kenne tolle Strecken.” “An den Strecken hat es bisher auch nicht gelegen” “Das wird super” “Wage ich zu bezweifeln. Du kannst auch Fahrrad fahren gehen und ich mache hier weiter” Einen Versuch war es wert, sein Lachen ließ mir jedoch nicht viel Hoffnung. “Ich glaube, ich kann dann an dem Tag einfach nicht” “Ja, ja, wir werden ja sehen”

Das Schicksal wollte es dann natürlich so, dass mir tatsächlich am Tag der Fahrradtour spontan etwas dazwischen kam. Ich versuchte also die Freude im angemessenen Maße aus meiner Stimme verschwinden zu lassen, während ich versuchte ihn zu erreichen und gleichzeitig zu meinem Auto hetzte. “Wenn du jetzt sagst, du hast dir den Knöchel verstaucht, glaube ich dir nicht” wurde ich schließlich begrüßt, während ich nach meinem Schlüssel kramte. “Dir auch ‘hallo’. ” machte ich es besser “Bürojobs sind meines Wissens nicht prädestiniert dafür so Verletzungen hervor zu rufen, aber ich fürchte ich muss trotzdem absagen” “Eine Alien Invasion?” riet er weiter “Dann wäre die Königsfamilie bestimmt schon in Bunker oder anderweitig in Sicherheit gebracht.” gab ich zu bedenken.

“Hast du eine gute Ausrede?” gab er auf und mein Grinsen wurde breiter “Ich bin vor circa einer Stunde Patentante geworden! Wobei, Patin bin ich ja glaube ich erst ab der Taufe, aber du weißt was ich meine” “Annikas Baby ist da?” Mein Herz schwoll gefühlt vor Freude noch mehr an, als es das in diesem Moment eh schon tat, bei so etwas banalem, wie dass er sich den Namen gemerkt hatte. Ich schob es auf die Hormone und die Aufregung, war bei Frauen in so Momenten doch normal oder? “Ja! Ein kleines Mädchen” “Das musst du natürlich kennenlernen.” stimmte er mir zu. Etwas zu schnell allerdings, als das ich den Haken nicht hätte kommen hören. “Dein Fahrrad läuft uns ja nicht weg” ich stöhnte und konnte ein hoffnungsvolles “Vielleicht ja doch” nicht einhalten. “Fahr vorsichtig” ließ er sich davon jedoch nicht beirren und wurde dann wie es im Hintergrund klang zu seinem letzten Termin heute gescheucht. Und ich machte mich auch auf den Weg zu meinem kleinen wundervollen Nachmittag Date.
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