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2022 01 14: Pfeffersteaks und Cocktails [by Liana-Medea]

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
14.01.2022
14.01.2022
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14.01.2022 1.475
 
Tag der Veröffentlichung: 14.01.2022
Titel der Geschichte: Pfeffersteaks und Cocktails
Song: “In ein paar Jahren” von Christina Stürmer
Autor: Liana-Medea
Kommentar des Autors: Als ich das Musikvideo gesehen habe, musste ich sofort an ein schwules Paar denken - auf dem Junggesellenabschied (weil ich durchaus der Meinung war, dass die Männer eine gewisse Chemie miteinander hatten).  Wer sich über den seltsamen Titel wundert:  Das kommt davon, wenn man beim Schreiben und Überarbeiten abwechselnd Tschaikowsky und Troye Sivan hört.  Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen.



Pfeffersteaks und Cocktails


„Keine Stripper, keine Musicals, keine Kostüme und keine peinlichen Spiele“, das waren die Grenzen gewesen, die Ben abgesteckt hatte, als ihm sein bester Freund mit einem Junggesellenabschied in den Ohren gelegen war. Wenn es nach Ben gegangen wäre, hätte er auch drauf verzichten können, aber Marius war der Meinung gewesen, dass das unbedingt zur Hochzeit dazugehörte.

Das konnte er auch gut sagen, er musste nicht den Abend ohne seine Tina verbringen, im Gegensatz zu ihm – ein Abend ohne Jonas war jetzt nicht unbedingt das, was er im Sinn gehabt hatte. Aber Marius hatte sich nicht davon abbringen lassen, er hatte sogar vorgeschlagen, dass er und die anderen Jungs alles zahlen würden. Dann hatte Jonas ihm gesagt, dass seine Eltern noch einen gemeinsamen Abend mit ihm verbringen wollten und er somit mit seinen Freunden etwas machen konnte.

So ganz ohne gute Ausrede konnte Ben dann schlecht Nein sagen, weshalb er schließlich eingewilligt hatte – nicht aber ohne eine Liste von allen Dingen zu schreiben, mit denen er nichts zu tun haben wollte.

Ben hasste Musicals – das eine Mal, als ihn jemand in eins geschleppt hatte, war er nur dagesessen und hatte gehofft, dass die Handlung endlich weiterging und er nach Hause konnte. Stripper verstanden sich von selbst – vor allem, da die Jungs vermutlich auch noch Stripperinnen bestellen würde – nein, danke, er stand wirklich nicht auf Frauen.

Ben hatte während seines Studiums in der Großstadt zu viel Zeit damit zugebracht,  Junggesellenabschiede zu beobachten und er fand sie eigentlich immer nur peinlich. Das fing bei den dämlichen Kostümen an (das Peniskostüm, das er einmal gesehen hatte, hatte ihm gereicht – vielen Dank, er musste nicht so rumlaufen) und hörte bei den dämlichen Aufgaben auf: Schilder aus BHs sammeln, Liköre verkaufen, die Liste war endlos.

Das wurde nur von dem einen Mal übertroffen, als Ben den Zug nach Hause genommen hatte. Ein Junggesellenabschied war ihm durch drei Züge gefolgt und im letzten hatte dem armen Bräutigam in spe jeder sagen können, wo die Reise hinging, in ein tschechisches Bordell. Genau das wollte Ben überhaupt nicht, er wollte sich nicht zum Affen machen – er wollte nur einen schönen Abend mit seinen Freunden verbringen – vielleicht etwas gemeinsam trinken.

Er hoffte, dass Marius sich an die Vorgaben gehalten hatte und sie nicht jetzt plötzlich später in einem Nachtclub standen, von dem Marius hoffte, dass er ihm gefiel.  Verspätet fiel Ben allerdings ein, dass sie in seiner Heimatstadt waren und auch nirgendwo hinfahren würden, so schlimm konnte es nicht werden.

Marius überraschte ihn positiv – er hatte sich tatsächlich an seine Vorgaben gehalten und nur einen Tisch im „Milchkannerl“, seiner Lieblingsgaststätte, reserviert. Auf dem Tisch stand eine Menükarte, die Ben überflog – es waren nur Sachen, die er gerne aß.

„Hast du dir so deinen Junggesellenabschied vorgestellt?“, fragte ihn Marius, als er sich nach der Vorspeise zu ihm setzte. „Ja, genau so etwas wollte ich haben“, meinte Ben erleichtert. „Wenn du von Anfang an so etwas vorgeschlagen hättest, hätte ich vielleicht schneller ja gesagt“, fügte er grinsend hinzu.

Marius hatte als Hauptgang ein Steak bestellt, dasselbe Steak, das Ben in der Gaststätte immer schon am liebsten gegessen hatte, Pfeffersteak mit Kartoffelgratin und Sommergemüse. Nur ein paar Frauen bekamen etwas anderes, eine Gemüseplatte mit Kartoffelrösti.

„War das deine vegetarische Variante?“, fragte Ben dann. Marius grinste nur: „Am liebsten hätte ich einfach für alle Pfeffersteak bestellt, aber dann kam Tina und hat gemeint, dass ich das nicht bringen könnte, weil einige von den Mädels Vegetarierinnen sind.  Also habe ich mir von Tina die Namen geben lassen und dann noch ein vegetarisches Gericht bestellt – war ja alles halb so wild“, er winkte ab, „aber jetzt lass es dir schmecken“

Jonas kochte zwar häufig und gut für sie, aber ein Pfeffersteak gehörte da nicht dazu. Selbst wenn er könnte, es würde nie an das Pfeffersteak im „Milchkannerl“ herankommen. Und Ben selbst würde das nie versuchen, er hatte viele Talente, aber Kochen definitiv gehörte nicht dazu. Er scheiterte eigentlich schon fast an Nudeln. Seine Schwester kugelte sich noch immer vor Lachen, wenn sie sich daran erinnerte, wie er das erste Mal Nudeln gekocht hatte: Sie hatte noch etwas besorgen müssen und hatte ihn angewiesen, die Nudeln zu kochen. Er hatte die Nudeln einfach ins kochende Wasser geschmissen und überhaupt nicht auf die Kochzeit geachtet, sondern sie nach einigen Minuten abgegossen.

Man konnte es auch so sagen, die Nudeln waren sehr, sehr bissfest gewesen, wie seine Schwester hinterher festgestellt hatte. Sein erster Versuch von Rührei war darin geendet, dass er irgendetwas zwischen Rührei, Omelett und Spiegelei produziert hatte, weil er viel zu langsam mit dem Rühren gewesen war, bevor das Ei größtenteils stockte.

Marius kannte auch alle diese Geschichten – Ben wusste selbst nicht, wie er überlebt hatte, bevor Jonas und seine Kochkünste in sein Leben getreten waren – hauptsächlich von Müsli und Kantinenessen in der Werkskantine. Auch wenn die nicht sonderlich grandios war – aber solide genug, dass man das Essen essen konnte – er war aus Ausbildungszeiten noch ganz andere Sachen gewohnt.

Jonas hatte ihm erzählt, er hätte sich das Kochen großteils selbst beigebracht, als Selbstverteidigung gegen die miserable Mensa auf dem Campus. „Immerhin haben wir nicht immer ein Essen abnehmen müssen, wie meine Cousine an der Beamtenhochschule“, hatte er gemeint – „glaub mir, wenn die Kantine meint, dass ein Risotto, das absolut scheußlich schmeckt, verkauft werden muss, denn lernt man lieber schnell selbst kochen, bevor man sich das antut.“

Nach der Hochzeit – Ben war eigentlich überhaupt nicht der Typ für solche Fantasien, aber irgendwie konnte immer noch nicht ganz wahrhaben, dass das tatsächlich gehen würde – dass er tatsächlich heiraten konnte. Jonas und er würden gemeinsam in ihren Anzügen - die seine Schwester mit ihnen einzeln gekauft hatte – dort sitzen und darauf warten, dass die Standesbeamtin oder der Standesbeamte sie verheiratete.

Es würde nicht lange dauern und dann wären sie wirklich verheiratet, wie es auch alle Paare unterschiedlichen Geschlechts sein konnten.

„Ben – dein Pfeffersteak wird kalt – woran denkst du denn?“, riss ihn Marius aus seinen Gedanken. Ben hatte gar nicht gemerkt, dass er das Essen aufgehört hatte, während er über die Hochzeit nachgedacht hatte.

„Ich habe nur über die Hochzeit nachgedacht – es ist doch trotz allem ein großer Schritt“, fing er an. „Du bekommst jetzt doch nicht etwa kalte Füße?“, meinte Marius. „Nein, aber trotzdem – es fühlt sich immer noch total unwirklich an – als könnte jeden Augenblick jemand kommen, der als nächstes sagt: Was ihr Homosexuellen wollt heiraten? Das dürft ihr doch nicht“.

„Hey, Ben, ich weiß, dass das nicht leicht ist, aber denk immer daran, du hast es verdient, ihr alle habt dafür gekämpft, dass du es jetzt auch endlich darfst“, das half zwar Ben nicht so wirklich, aber es gab ihm etwas mehr Sicherheit.

Nach dem Dessert – eine Mousse au Chocolat – bestellte Marius für sie alle eine Runde Cocktails und sie saßen noch lange zusammen, bis schließlich den ersten fast schon die Augen zufielen.

Als Ben nach Hause kam, war Jonas schon im Bett und schlief – Ben zog sich so leise wie möglich aus und schlüpfte ins Bett, um ihn nicht zu wecken.

Als sich Ben und Jonas nach den Hochzeitsfeierlichkeiten zurückzogen, zog Jonas einen Schlüssel aus der Tasche:

„Meine Eltern haben uns zur Hochzeit die Eigentumswohnung geschenkt – du weißt schon, die Eigentumswohnung, die meinen Großeltern gehört hat.  Ich hatte immer gedacht, sie hätten sie verkauft - aber sie haben sie tatsächlich vermietet, bis der letzte Mieter ausgezogen ist und danach komplett renoviert. Wir müssen dort nicht wohnen, wenn es dir nicht gefällt, aber sie ist größer als die Wohnung hier und wir könnten damit machen, was wir wollen“

Jonas wusste genauso gut wie er, dass sie schon die ganze Zeit nach einer eigenen Wohnung suchten – eine, die größer war, als ihre jetzige. So fuhren sie am nächsten Tag zu ihrer Wohnung. Ben war einfach zu überzeugen und so packten sie wenige Wochen später alles in Umzugskartons und bezogen die Wohnung.

Als Ben einen der Kartons in die Wohnung geschleppt hatte und abgestellt hatte, küsste er Jonas.

„Deine Eltern sind genial – das weißt du schon!“, meinte er dann. Jonas lachte nur: „Das wusste ich schon immer – außer natürlich in der Pubertät, aber wer hat seine Eltern da nicht nicht wegsperren wollen?“ Ben gab ihm einen Rippenstoß und antworte: „Niemand. Jetzt komm, ich will heute Nacht in unserem Bett schlafen und nicht bis spät in die Nacht Kisten hochschleppen!“
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