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A New Light

von Xiema
Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy, Schmerz/Trost / P16 / Mix
Gladiolus Amicitia Ignis Scientia Noctis Lucis Caelum Prompto Argentum Ravus Nox Fleuret
14.01.2022
16.01.2022
6
26.557
 
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14.01.2022 4.244
 
Mir gehören weder Final Fantasy noch dessen Charaktere, die gehören zu Squere Enix. Mir gehören nur die Oc. Ich schreibe nur zum Spaß und verdiene kein Geld mit dieser Story

----oOo----

Von hoch oben schien der Mond auf Eos herab, die Sylleblüten strahlten in seinem Licht, gleichzeitig wunderschön und geheimnisvoll. Nichts außer dem Lachen dreier Kinder war zu hören, ein Lachen, das schon bald verstummen sollte. Doch das kümmerte sie nicht. Die Gefahren dieser Welt waren für sie nichts weiter als Geschichten.

Mit einem breiten Lächeln lief der junge Prinz durch das riesige Blütenfeld. Ein junger Mann von 16 Jahren, die kurzen weißen Haare schienen im Mondlicht noch heller als sonst. Auf seinem Rücken ein Junge von gerade einmal 8 Jahren, dessen Haare so dunkel wie der sternenlose Nachthimmel. Beide so verschieden wie Tag und Nacht, beide lachend, beide glücklich. Hinter ihnen lief ein Mädchen so schnell sie konnte ihrem Bruder und dem kleinen Prinzen hinterher. Eine Prinzessin, 14 Jahre, blond wie ihre Mutter und deren Mutter davor, mit Sommersprossen, wie ihr Bruder und Augen so blau wie die Blumen durch die sie liefen. (1)

"Ravus, Noctis, wartet, das ist nicht fair!" rief sie erschöpft, als sie versuchte schrittzuhalten. Doch die beiden Prinzen dachten gar nicht daran, wer würde sich beim Fangenspielen denn bitte freiwillig stehen bleiben?

„Wenn du so langsam bist!" rief Noctis ihr hinterher

„Du musst einen Zahn zulegen Lunafreya!"

Beleidigt blies sie die Backen auf und schmollte, was ihren Bruder zum Lachen brachte. Sie war so süß, wenn sie versuchte Böse zu schauen. Sie sah dann aus wie ein Welpe, dachte er, er konnte sie so einfach nicht ernst nehmen.

„Ihr seid so gemein!"

In einem unachtsamen Moment stolperte der junge Mann über eine Wurzel und verlor das Gleichgewicht, er konnte sich gerade noch so halten als seine Schwester mit voller Wucht in ihn hineinlief und alle drei gemeinsam hinfielen. Sie lagen am Boden, die Kleidung voller Erde, am Ende ihrer Kräfte, lachend. Genauso wie es sein sollte.

„Ravus, Luna, wir bleiben für immer Freunde, oder?" Fragte der kleine Junge und drehte sich so gut er konnte auf den Bauch.

„Natürlich, wir sind durch das Schicksal verbunden." versicherte sie ihn mit einem Lächeln und nahm die Hand des Jüngeren.

„Wirklich? Versprochen?"

Der Weißhaarige nickte ihm zu

„Versprochen."

----oOo----

Ravus Kopf schoss hoch noch bevor er überhaupt realisierte, wo er war, und was passierte. In seinem Kopf hallten immer noch das Gelächter und die Worte des kleinen Prinzen. Es war nur ein Traum, nichts weiter als ein Echo der Vergangenheit, eine Erinnerung an längst Vergangene Zeiten. Nichts woran er gerade denken sollte und das Letzte woran er überhaupt denken wollte. Er hatte nicht einmal die Absicht einzuschlafen, nur für ein paar Sekunden die Augen geschlossen, aber sein Körper war wohl anderer Meinung gewesen. Kein Wunder, wenn er die ganze Nacht wach blieb und kein Auge zubekam. Der Rückstoß der Landung durchflutete das Ganze Luftschiff und hatte ihn aus dem Schlaf gerissen, müde strich er über die vom Schlaf verkrusteten Augen. Ardyn hatte nerven ihn mitten in der Nacht noch nach Tenebrae fliegen zu lassen.

"Du tätest gut daran deine Schwester im Zaum zu halten, bevor sie uns noch alles ruiniert. Ein Vögelchen hat mir gezwitschert, dass sie sich nämlich bereit für eine Reise nach Lucis macht. Und da ich so ein zuvorkommender Mensch bin, habe ich bereits eine Erlaubnis für dich eingeholt nach Tenebrae zu fliegen. Du fliegst jetzt sofort. Keine Ursache übrigens."

Ardyns Worte. Er hatte dieses Arschloch wirklich bis aufs Blut. Erschöpft fuhr er sich mit der freien Hand übers Gesicht. Wann hatte er das letzte Mal mehr als vier Stunden geschlafen? Seine Position verlangte ihm viel ab, zu viel. Alle Arbeit die durch die Abwesenheit seines Vorgesetzten auf ihnzurückviel, plus die Arbeit die er durch die Schlamperei oder Faulheit andererausbessern musste und natürlich seine Eigene. Eine schier endlose Aufgabe. Er war müde, gereizt und brachte kaum Zeit für sich selbst auf geschweige denn welche, um seine Schwester zu besuchen. Der Briefkontakt über die Hunde-Emissäre wurde mit der Zeit der normale Kommunikationsweg für die beiden Geschwister. Selten sah er sie und wenn dann nur für wenige Minuten. Es wäre schön, wenn er mehr Zeit mit ihr verbringen könnte, gerade jetzt wo ihre Gesundheit mehr als zu wünschen übrigließ.

Von dem einst energiegeladenen Mädchen, welches vor ihm fliehend, lachend, durch die Hallen des riesigen Manor lief war nichts mehr geblieben. Im Vergleich zu früher war sie nur ein Schatten ihrer selbst, blass, viel zu dünn, fast schon gebrechlich. Lunafreya glich mehr einer Porzellanpuppe als einem Menschen, die Gefahr lief bei jeder noch so geringster Berührung zu zerbrechen. Ihre Gesundheit hatte sich erst mit ihrem Amtsantritt als Kannagi verschlechtert. Am Anfang nur wenig, sie war müder als sonst, damals hatte er es auf die Anstrengung der vielen Reisen geschoben, die sie auf sich nehmen musste, um ihr Amt auszuführen und um die an der Astralplage leidenden Menschen zu Heilen. Mit einem kindlichen Lächeln hatte sie seine Sorgen abgewinkt, versicherte ihm das nichts sei, doch mit der Zeit wurde es offensichtlich. Sie wurde oft krank, hatte fast ständig Kopfschmerzen, Schwächeanfälle und vieles mehr. Ihr Wille war stark das wusste er, doch ihr Körper würde schon bald nicht mehr mitmachen.

"Ich muss das tun. Mir bleibt nichts anderes mehr übrig." Die strahlende Morgensonne blendete Ravus als sich die Ladefläche des Luftschiffes öffnete und er aus dem Düsteren Innenraum ins Freie trat. Schützend hielt er sich eine Hand vor sein Gesicht, bis er sich an das helle Licht gewöhnte, während er schon fast ins Manor stürmte. Er ignorierte die Aufkommenden Kopfschmerzen durch den unerwarteten Wechsel von grellem Licht zu Schatten und befahl den MI mit einem Handzeichen stillzustehen und auf ihn zu warten, er wollte sie nicht bei sich haben. Schnellen Schrittes trat er durch die ihm wohlbekannten weißen Mamorgänge, jeder Gang glich dem nächsten, fast auf Haar, sie unterschieden sich nur minimal durch unterschiedlich Gemälde oder Türenanzahlen. Dieses Schloss war ein einziges Labyrinth, ein anderer hätte sich zweifelslos verlaufen, aber Ravus würde den Weg selbst im Halbschlaf finden.

Schlussendlich tat er es auch. Lunafreya saß im Musikzimmer, sie spiele eine einfache, sinnfreie, Melodie am Flügel. Die blonden Haare waren zu einem einfachen Pferdeschwanz zusammengebunden und statt ihrem weißen Kleid trug sie eine einfache dunkelblaue Bluse, welche ihre Augen perfekt unterstrich und dazu einen Grauen Rock. Zu ihren Füßen schliefen Umbra und Pryna friedlich. Keiner bemerkte ihn als er nähertrat. Die Blonde spielte einfach, als würde nichts weiter als das Instrument existieren. Es war eine Schande das sie nie die Chance hatte richtig Spielen zu lernen, dachte Ravus, sie war so talentiert. Erst als sie ihr Stück beendet hatte und sich ihr Blick von den Tasten löste bemerkte sie ihn.

"Ravus" vor Schock stand ihr der Mund offen, doch im selben Moment schwang Überraschung in Freude über.

"Du spielst wunderschön, ich wünschte ich könnte mehr davon hören." Die Röte schoss ihr sofort in die Wangen und sie klappte den Flügel zu. Auch die Geschwister erwachten langsam aus ihrem Schlaf und rannten auf den Weißhaarigen zu, als sie ihn erkannten, um ihn zu begrüßen und um sich streicheln zu lassen. Zwar waren sie vielleicht Mächtige Wesen, die mit Leichtigkeit durch Zeit und Raum reisen konnten, aber gleichzeitig waren sie auch nur Hunde, die Streicheleinheiten liebten und für einen Löffel Erdnussbutter fast alles tun würden.

"Sie haben dich vermisst." elegant erhob sie sich und schritt auf ihn zu und wollte ihn umarmen. Ravus blockte aber ab. Wortlos deutete sie ihm, ihr zu folgen und hacke sich bei ihn ein und führte ihn durch die endlosen Hallen, Gefolgt von den Emissären. Zuerst verstand er nicht, wo sie ihn hierhinführte, bis sie vor ihrem Zimmer Halt machten und eintraten. Wie fast jedes Zimmer war es in blau- und Türkistönen gehalten und durch die riesigen Fenster strömte viel Sonnenlicht hinein. Von dort konnte man geradewegs in den Garten und den Pavillon sehen. Zu dieser Jahreszeit blühte der Garten, wohin man auch sah. Die beiden Geschwister hatten dort viel Zeit mit ihrer Mutter verbracht als sie noch klein waren. Er erinnerte sich genau wie die beiden Stunden zusammen in der Wiese gesessen sind und er der 4-jährigen Lunafreya beigebracht hatte, Blumenkronen zu flechten. Abrupt wurde Ravus aus seinen Gedanken gerissen als Lunafreya ihm plötzlich eine Tasse unter die Nase hielt. Er nahm sie ihr aus der Hand und setzten sich auf den Breiten Fenstersims vordem ein kleiner Tisch aufgestellt worden war.

"Warum hast du mir nicht gesagt das du kommst?" Fragte sie und griff nach der Porzellankanne.

"Es war eine kurzfristige Entscheidung." Antwortete er. Das war nicht einmal gelogen. Ardyn hatte ihn letzte Nacht tatsächlich sehr kurzfristig noch Fliegen lassen.

"Also ein Befehl." Stellte sie nüchtern fest und goss ihnen beiden Tee ein.

"Mehr oder Weniger. Aber jetzt bin ich da und das für länger." Ihr lächeln beruhigte den Weißhaarigen enorm, Lunafreya war wahrlich sein Lichtblick in dieser kalten Welt. Für eine Weile saßen sie nur zusammen, redeten über dies und das und genossen einfach die Anwesenheit des anderen. Lange war es her das die beiden Geschwister so friedlich zusammen saßen und einfach nur reden konnten. Doch je mehr Zeit verging desto angespannter schien sie zu werden. Aufgeregt tippte sie mit ihren Fingernägeln gegen das Porzellan, ließ dabei einen hellen klang ertönen und wippte kaum merklich hin und her.

"Was geht hier vor Ravus?" Sie stellte die Tasse ab. Und sah in geradewegs in Gesicht.

"Was meinst du?"

"Niflheim plant doch irgendetwas, bitte sag es mir." Nicht das schon wieder. Wie oft hatten sie dieses Thema schon durchgekaut.

"Niemand plant irgendetwas, Lunafreya."

Enttäuscht sank sie in den Sessel und trank wieder einen Schluck.

"Was hast du?" Er stellte seine Tasse ab.

"Es ist nichts." Antwortete sie kleinlaut und biss sich in die Lippe. Das tat sie eigentlich nur wenn sie etwas vor ihm verbarg. Für einen Moment verschwamm alles vor ihn und Ravus erhaschte er einen Blick in ihre Tasse. Sie war voll, Lunafreya hatte nichts getrunken, aber wieso?

"Ich hatte geahnt das du kommen würdest." Blaue Augen blicken ihn schuldbewusst entgegen. Seine Sicht verschwamm immer mehr, er spürte, wie sein Körper an Kraft verlor und sich immer mehr entspannte. Die Tasse glitt ihn aus der Hand, der übrig gebliebene Tee floss über den Tisch und tropfte an dessen Kante zu Boden. Die Tasse zerschlug als sie fiel und aufschlug. Doch das merkte Ravus kaum, alles was er mitbekam war die zunehmende Müdigkeit.

"Bitte verzeih mir." Mit einem Tippen auf seine Stirn sackte er in sich zusammen und die Welt um ihn herum wurde schwarz.

----oOo----

Eine brennende Welt. Schwarzer Rauch vernebelte die Sicht. Er hörte eine Stimme, ihre Stimme, ein Schreien, dann sah er sie. Lunafreya.

Sie war verletzt, kämpfte, konnte ihrem Gegner aber nichts entgegenbringen. Ihre Schilde konnten sie nicht beschützen. Sie war zu schwach. Ihr Gesicht voller Dreck, das einst weiße Kleid zerfetzt, dann fiel sie. Ein erneuter Schrei. Der Dreizack der Kannagi, eine uralte Waffe ihrer Familie viel zu Boden. Eine Gestalt verborgen von dunklem Nebel überragte sie, glühend rote Augen blickten auf Lunafreya herab, wie der Teufel in Person. Er nahm die Waffe an sich, schritt näher, immer näher. Sie versuchte zurückzuweichen, doch ihre Arme gaben nach, sie konnte sich nicht bewegen, sie würde sterben.

Das Monster erhob den Dreizack und erstach sie, kein Zögern, keine Gnade. Dann verschwand der Nebel, das Monster schrie und Ravus sah endlich den Mann hinter dem Teufel. Noctis. Die Szene verfloss, wie Tinte im Wasser und Ravus viel. In der Ferne hörte er eine Stimme, die Stimme einer Frau, wie sie nach ihm rief. Aber er konnte sie nicht sehen, er spürte nur wie sich eine Hand auf seine Wange legte.

"... wach auf!"

---oOo---

Sie hatte ihn betäubt, seine eigene Schwester hatte ihn betäubt. Alles drehte sich noch als Ravus zur Tür rauslief. Er hatte es nicht glauben wollen, hatte gehofft das Ardyn ihn anlog und zum Narren hielt. Wütend stürmte der Weißhaarige durch die Gänge, sie konnte noch nicht weit sein. Er kannte jeden Weg, jede Abkürzung, jede Ausweichroute, um die Wachen zu umgehen und so wusste er auch, wohin seine Schwester gehen würde, um unbemerkt am schnellsten das Manor verlassen zu können. Und genau dort fand er sie auch. Begleitet von der alten Hausangestellten Maria, in Reiseklamotten und Gepäck, vollkommen überrascht ihn zu sehen. Die MI hatten bereits zu ihn aufgeschlossen.

„Ich entsinne mich nicht daran dir erlaubt zu haben deine Gemächer verlassen zu dürfen Lunafreya."

„Ravus" Der Schock überdeckte weder die mitschwingende Enttäuschung noch den traurigen Ausdruck in ihren Augen. Sie wusste, dass er sie nicht so einfach gehen lassen würde. Das Wissen, dass sie ihn so hintergehen wollte, schmerzten dem Weißhaarigen mehr als jede Wunde. Er packte sie am Handgelenk, befahl den MI bei Maria auf ihn zu warten und zog die Jüngere hinter sich her. Lunafreya werte sich kaum, sein Griff war nicht fest genug um sie zu verletzten, das wäre das letzte was er wollte, aber genug, um ihr zu zeigen, dass sie erst gar nicht versuchen sollte sich loszureißen. Selbst wenn sie es könnte, würde sie nicht weit kommen, schon gar nicht in diesen albernen Schuhen, die bei jedem Schritt laut auf dem Steinboden aufschlugen. Grober als gewollt stieß Ravus seine Schwester in ihr Zimmer und schloss die Tür hinter sich ab.

„Du wirst diesen Raum nicht bis zu unserer Reise nach Lucis verlassen. Es ist zu deinem eigenen wohl."

„Zu meinem eigenen Wohl?" Fragte sie mit fester Stimme „Was geht hier wirklich vor? Welchen Vorteil sieht das Imperium darin mich mit Noctis zu vermählen?" Blaue Augen sahen direkt in seine, geduldig eine Antwort abwartend.

„Es gab ein Angebot für Frieden und deine Hochzeit ist die Bedingung dafür."

"Du erwartest von mir das ich, das Glaube?" Natürlich tat er das nicht, Lunafreya war klüger als das, aber die Wahrheit konnte er ihr auch nicht sagen, die Gefahr, dass sie Insomnia mithilfe von Umbra oder Pryna warnte, war zu groß, auch wenn er sie nur ungern anlügte. Sie konnten sich so kurz vor dem Ziel keine Fehler erlauben.

„Es spielt keine Rolle was du glaubst, jedoch schon, dass du dich wegschleichen wolltest, um Mutters Mördern etwas über irgendwelche Verschwörungen zu erzählen, die du dir einbildest." Er liebte Lunafrya wirklich, aber manchmal war ihre eigensinnige Art einfach nur schwierig, wieso war sie nur so verdammt stur, er wollte nur das Beste für sie. Sie schwieg, sah in nicht mal in die Augen und drehte sich weg. Ravus wusste, dass es nichts bringen würde, weiter mit ihr zu diskutieren. Sie würde nicht reden, weder mit ihm noch mit sonst jemanden. So war sie schon immer. Er war schon fast zu Tür raus als er Luna flüstern hörte

„Du irrst dich, über König Regis, Niflheim hat Mutter getötet, nicht er." Sie erhob ihre Stimme „Sie haben sie ermordet und nun bist du ihr Schoßhund." Wütend schlug er die Tür zu und lief schon fast zurück zu den MI. Sollte sie das glauben, wenn es sie glücklich machte, er kannte die Wahrheit und eines Tages würde Lunafreya es auch tun, da war er sich sicher.

Vor 12 Jahren als das Imperium Tenebrae angriff, starb seine Mutter vor seinen Augen, um ihn zu retten. An jenem Tag verlor er nicht nur sie, sondern auch seine Freiheit und obwohl er dem Tod entgegenblickend den König von Lucis um Hilfe anflehte, rannte dieser einfach nur davon und lies den damals 16-Jährigen und seine jüngere Schwester und ihr Volk schutzlos zurück. Tenebrae wurde annektiert und war fortan nur noch die Königliche Kolonie des Imperiums. Lunafreya und Tenebrae wurden zur Geisel und er schloss sich der Armee an, um sie zu beschützen, der einzige Grund wieso es Ravus überhaupt gestattet wurde ihnen beizutreten war es, um ihre Macht zu demonstrieren. Wenn Niflheim es sogar schaffte sich einen Feind, einen Fleuret, zum Diener zu machen, wer würde ihnen dann noch trotzen?

Es stimmte Niflheim hatte sie getötet, aber Regis hatte es zugelassen. Dieser Feigling war geflohen, um seine eigene Haut zu retten. Ravus würde diesen Tag niemals vergessen und das Geschehene niemals vergeben. Er war der Grund, wieso das alles passierte. Lunafreya und sein ganzes Land war dank ihm eine Geisel des Imperiums. Er hasste Regis dafür, er hasste Noctis für alles was noch kommen würde und an diesem Tag schwor er sich, dass er das Schicksal ändern und seine Schwester vor ihrem Retten würde. Selbst wenn er sich dafür die ganze Welt, gar die Götter, zum Feind machen musste. Regis Tod würde nur ein kleiner Preis für dieses Ziel sein. Wäre Der König damals nicht so ein Feigling gewesen. Der gefallene Prinz würde Regis leiden lassen, ihn alles nehmen und Lunafreya retten und wenn es das Letzte war, was er tat.

Maria stand immer noch an Ort und Stelle bei den MI, hatte sich nicht einen Zentimeter bewegt sie zitterte leicht. Es war kein Wunder da sie Angst hatte. Sie sah nicht einmal auf als er direkt vor ihren Stand.

"Sie wird diesen Raum nicht verlassen. Habe ich mich klar ausgedrückt?" Seine Stimme war emotionslos, gleich seiner Maske. Emotionen im Angesicht des Feindes zu zeigen war eine Schwäche, selbst wenn diese nur leblose Maschinen waren. Die alte Dienerin nickte und ging wieder, ohne auch nur ein Wort zu sagen. Den Magitek befahl er vor Lunafreyas Zimmer Wache zu stehen. Ravus zitterte innerlich vor Wut im Versuch sie zu unterdrücken. Er war angespannt, übermüdet und wütend. Er brauchte eine lange Dusche und Schlaf.

Die Flure wahren ruhig, auf dem Weg zu seinem Zimmer lief ihn keine Menschenseele über den Weg, sie gingen ihn alle aus dem Weg. Die Mamorwände schienen ihn auf einmal unerträglich kalt. Reue? Reue konnte er sich nicht leisten. Leise schloss er die Tür hinter sich und ging direkt ins Bad. Er wollte nicht mehr darüber nachdenken. Sobald er den Ring hatte, wäre alles vorbei.

Ein erleichtertes Seufzen entkam seinen Lippen als der warme Wasserstrahl seine Haut traf. Genussvoll die blauen Augen, schaltete für einen Moment ab und erfreute sich dem Frieden. Er hörte dem Rauschen des Wassers zu und blendete alles andere aus. Er wusste nicht wie lange er so verweilte, Sekunden, Minuten, vielleicht sogar Stunden. Und da war sie wieder. Er musste an die Stimme denken, die ihn geweckt hatte. Sie klang so vertraut. Melancolisch. Ravus war sich sicher sie schon irgendwo mal gehört zu haben nur wusste er nicht wo, oder wann. Er konnte dieser Stimme weder Gesicht noch einen Namen zuordnen, gleichzeitig schien sie ihm so vertraut wie sonst keine andere, nicht einmal Lunafreyas oder die seine Mutter. Sie war ein Geist in seinen Erinnerungen, ohne Gestalt. Je mehr er versuchte sie sich wieder in Erinnerung zu rufen desto mehr entglitt sie ihm.

Frustriert drehte der Weißhaarige den Hahn zu und band sich ein Handtuch um. Der Dampf hüllte den gesamten Raum ein, doch er versteckte nicht die Narben, die er mit seinem schweren Mantel normalerweise verdeckte. Sie waren ihm egal, solange es hieß, das Lunafreya sicher war. Er verließ das Bad, lief geradewegs aufs Bett zu und ließ sich auf die Federweiche Matratze fallen. Ihm war es egal das er Nass war und er die teuren Laken ruinierte. Er wolle nur schlafen. Lange. Sehr lange. Doch egal wie sehr er es auch versuchte der Schlaf entzog sich ihm und er war gefangen in seinen Gedanken an die Zukunft und die Vergangenheit.

-----oOo---

Der nächste Tag kam viel zu schnell. Die beiden Geschwister hatten nicht mehr viel miteinander geredet. Natürlich blieb seine Schwester nicht still in ihrem Zimmer, immer und schlich sie sich heimlich raus in die Gärten. Ravus ließ es zu, er wusste, dass sie nicht weglaufen würde, und sie tat es auch nicht.

Eine warme Frühsommerbrise riss an seinem weißen Mantel, fuhr sanft durch die schulterlangen Haare. Ravus saß auf dem Boden, die Hände auf dem Schoß gefaltet. Das Grab seiner Mutter sah genau so aus, wie am Tag ihrer Beisetzung. Eine Menschengroße Abbildung Eos' überrage es, die Arme ausgebreitet, als wolle sie die tote Seele in ihre Arme schließen, über dem Sarg der toten Königin wachend. Der Sarg selbst lag genau wie der der anderen Kannagi über der Erde. Aus weißer Keramik, verziert mit Reliefs der sechs Götter und den 24 Emissären in Form von Engeln.

Blumen von trauernden Besuchern schmücken es, meistens Sylleblüten aber auch andere waren vertreten. Rosen, Lilien, Narzissen, Strelitzien, Nelken, Spinnenlilien, und Hortensien in allen Farben. Auf einem schwarzen Mamorstein der im Boden eingelassen wurde stand in einer schwungvollen, goldenen Schrift:

'Sylva Via Fleuret'
Königin, Kannagi, Mutter
Auf ewig geliebt, niemals vergessen.'

Ravus liebte diesen Ort genau so sehr, wie er ihn verachtete. Es war ein Sinnbild für die Schlimmste Zeit seines Lebens, der Grund für alles Schlechte was ihn und Lunafreya widerfahren war und gleichzeitig der einzige Platz, an dem er den Schrecken vergessen und loslassen konnte. Ein Paradox, aber so war es nun mal.

In ein paar Stunden würden sie nach Lucis fliegen. Es war nun so weit, nicht mehr lange bis er den Ring in seinen Händen hielt. Dann könnte er beweisen, dass er die Rolle des Außerwählten erfüllen konnte. Er würde die Kraft der Götter nicht brauchen, würde die Pakte nicht brauchen. Lunafreya würde leben.

Lunafeya...

"Ich weiß nicht mehr was ich tun soll Mutter. Es ist fast so als wäre sie in ein tiefes Loch gefallen, als hätte jemand ihr Strahlen gestohlen. War ich vielleicht zu streng? Hätte ich sie gehen lassen sollen? Aber wenn sie die Pakte schließt, würde sie sterben und das kann ich nicht zulassen. Ich habe geschworen sie zu beschützen und das werde ich bis zum Schluss. Warum versteht sie das nicht?" Als Antwort kam nur das Grollen, welcher ein immer näherkommendes Gewitter vorhsagen ließ. Letzten Endes konnte man sich nicht auf Märchen und Legenden verlassen, wenn man wollte das sich was ändert musste man es schon selbst tun.

Ravus war immer ein logischer Mensch gewesen, entschlossen und unerschütterlich in seinen Überzeugungen. Er war stolz auf seine Position, selbst als er die Hände seiner Schwester ergriff, als sie hustete, bis sie fast keine Luft mehr bekam. Es waren Momente wie diese an denen er zweifelte, in denen er alles hinwerfen wollte was er sich über Jahre hinweg aufgebaut hatte, um mit Lunafreya zu fliehen. Irgendwohin wo sie niemand kannte. Doch das würde nichts bringen, sie würden vom Imperium gejagt und schlussendlich gefangen genommen werden, Ravus seine Position verlieren und vermutlich sogar als Hochverräter hingerichtet werden.

Es waren Gedanken, die er während des Tages unterdrückte, wenn er Militärstrategien plante und seine perfekte, steinerne Maske trug, während seine sogenannten 'Verbündeten' wie die Geier um ihn kreisten und nur darauf warteten, dass er einen Fehler machte. Egal wie sehr sie an seinem Fleisch herumhackten, er gewährte ihnen nicht die Befriedigung. Sollen sie ihn niedermachen, sollten sie hinter seinem Rücken reden, sie würden ihn niemals brechen. Jahre hatte er durch die Hand Niflheims gelitten, war durch ihre Taten gezeichnet. Jahrelang lag sein Leben in ihren Händen, sie hätten ihn und Lunafreya jederzeit töten können. Aber er war kein Kind mehr, nicht mehr klein und schwach.

"Ich glaube es ist Zeit zu gehen Lord Ravus." Die Stimme der alten Dienerin klang bedrückt. Wie konnte sie nicht? Ravus stand auf, klopfte Staub und Erde von der Kleidung du drehte sich zu der Dame.

"Danke Maria. Und Lunafreya?"

„Sie wartet in ihren Gemächern." Antwortete sie.

----oOo----

Der ehemalige Prinz klopfte, bevor er eintrat. Lunafreya saß immer noch nicht fertig angezogen auf ihrem Bett, genau wie er sie vor ein paar Stunden zurückgelassen hatte. Schweigend starrte sie auf ihr Brautkleid, träumte mit Sicherheit von ihrer Zukunft mit Noctis. Die Spuren getrockneter Tränen waren noch auf ihren Wagen sichtbar, die Augen Rot und geschwollen vom Weinen.

"Lunafreya, es ist so weit." Er hielt seine Stimme ruhig. Sie reagierte nicht, betrachtete weiter das strahlendweiße Kleid vor ihr als wäre es das einzige, das existierte. Zögernd nahm er neben ihr platzt legte seinen Arm über ihr Schulter in der Hoffnung, dass es sie zumindest ein wenig trösten würde. „Ich will mich nicht mit dir streiten, nicht jetzt. Wenn das alles vorbei ist, kannst du mich so sehr hassen, wie du willst. Ich flehe dich an, bitte, tu mir das nicht an."

„Du bist mein Bruder Ravus, ich könnte dich niemals hassen." Er griff nach Lunafreyas Hand, drücke sie leicht. Es war als würde ihm ein Stein vom Herzen fallen. Er schenkte ihr ein seltenes Lächeln.

Ravus würde alles für sie tun, alles und noch mehr. Stumm nicke sie ihm zu und Ravus verließ sie damit sie sich fertigmachen konnte. Nur wenige Minuten später standen beide Geschwister am Landeplatz. Entschlossen blickte er auf seine Heimat zurück als sie zusammen die Hallen dessen verließen das er einst sein zu Hause nannte, glücklich Erinnerungen einer Familie formten die Mauern dieses alten Herrenhauses, Erinnerungen, die längst der Vergangenheit angehöhrten. Er vermochte vielleicht nicht die Vergangenheit zu ändern, aber dafür die Zukunft.

----oOo----
(1) Ich benutze Lunafreyas Desing aus Kingsglaive. Das zählt auch für sie als erwachsene. Ravus Desing allerdings aus den Spielen. Warum? Weil es mir besser gefällt
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