Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Bunte Welt

Kurzbeschreibung
OneshotAbenteuer, Freundschaft / P6 / Gen
Luna Lovegood
11.01.2022
11.01.2022
1
1.040
2
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
 
11.01.2022 1.040
 
Mit etwas Verspätung: Fröhliche Weihnachten!
Viel Spaß mit meinem Beitrag zum diesjährigen HP-Weihnachtswichteln für Katie C.

-----o0o-----


Ich lief über den verschneiten Weg nach Hogsmeade hinunter, vor und hinter mir waren Schülerscharen – lachend, singend, laut. Im Dorf bog ich in eine Seitenstraße ein, weg von all dem Lärm, weg von überfüllten, blinkenden Läden, die uns Schülern zu Weihnachten nur das Geld aus den Taschen ziehen wollten. Hier, in dem Teil des Dorfes, in dem die Dorfbewohner wohnten, war es ruhiger, besinnlicher, nicht so überdreht. In den Fenstern sah ich hübsche Lichter, aus so manchem Haus strömte der Geruch von köstlichen Weihnachtsplätzchen. Um mich herum fielen dicke Schneeflocken, die die Straße bepuderten – meine Fußabdrücke waren die einzigen hier. Wenn ich einen Fuß in den Schnee setzte, knatschte es, wenn ich ausatmete, bildeten sich vor mir in der Luft kleine Wölkchen; sie sahen aus wie Schnecken, Kürbisse oder Trankkessel. Es wunderte mich, dass ich die einzige war, die es in diesen wunderschönen Teil des Dorfes verschlug, aber ich machte mir nichts daraus, so würde ich meine Ruhe hier noch länger genießen können. Trotzdem – ich musste auch noch zu den Läden, dorthin, wo alle waren, denn auch ich hatte noch Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Ich lief also weiter die ruhige Gasse entlang, ich wusste, dass sie mich in einem Bogen zur Hauptstraße führen würde. Langsam hörte ich nicht mehr nur das Knatschen des Schnees, sondern auch den Lärm, meiner Mitschüler. Nach der Stille erschlug mich die Geräuschekulisse fast, wild durcheinanderrufende Schüler, laute Weihnachtsmusik aus den Läden und ein Chor, der mitten auf der Straße stand und „Stille Nacht“ sang. Das einzige, was mir an diesem Bild gefiel, war die Farbenpracht, die man hier immer zu sehen bekam. Ich überlegte, wo ich am besten hinging, wenn ich möglichst schnell wieder hier weg wollte. Der Honigtopf? Nein, da ging ich hin, wenn nicht mehr so viel los war... Warum durften wir auch nur an diesen bestimmten Wochenenden ins Dorf? Wenn wir einfach immer dann gehen dürften, wenn wir Lust haben, wäre es hier nicht so unerträglich laut und voll... Denn auch, wenn es nach außen hin vielleicht so wirken mochte, als würde ich alles um mich herum immer ausblenden und in meiner eigenen Welt leben – Lärm auszublenden war schwer und ich mochte diese Welt, für mich gab es keinen Grund, in einer anderen zu leben. Auch die Gasthäuser kamen nicht in Frage, dort war es wie immer gesteckt voll und ich finde, es ist komisch, ganz alleine an einem Tisch zu sitzen. Also ging ich zum „magischen Gärtner“, einem kleinen, unscheinbaren Laden, dessen Besitzer sich immer über Kundschaft freute – hier wollte ich einen kleinen Busch mit hübschen meerblauen Früchten für meinen Dad kaufen. Er freute sich immer über besondere Pflanzen. Er freute sich eigentlich über alles. Vielleicht war das seine Art, Trauriges zu verdrängen... Ich ging alleine durch verschneite Gassen, um nicht mehr in Mitten einer riesigen Menge alleine zu sein – er versuchte in jedem kleinen Detail Freude zu finden. Ja, obwohl mein Dad etwas komisch war, war er trotzdem mein Vorbild, keiner konnte mich besser zum Lachen bringen, keiner außer uns glaubte an so wunderbare Dinge wie Schnarchkackler. Mit dem Busch auf dem Arm verließ ich den Laden und machte mich auf den Weg zum Honigtopf. Drinnen war es warm und roch nach Süßigkeiten, jede Packung war in grellen Farben gehalten und ich beeilte mich, hier schnell wieder hinaus zu kommen. In einer Tasche trug ich nun ein paar Packungen Schokofrösche und Bohnen in allen möglichen ekelhaften Geschmacksrichtungen. Fast überstürzt lief ich aus der Tür, schnappte draußen nach frischer, kalter Luft und prallte mit Schwung gegen einen großen, dunkelroten Kessel, der bis zum Rand mit verpackten Kesselkuchen gefüllt war. Mein Gesicht landete im Schnee, ich spürte, wie meine Lippen sehr schnell sehr kalt wurden, stand wieder auf, rieb den Schnee aus meinem Gesicht und begann, die Kesselkuchen wieder in den Kessel zu stopfen und meine Einkäufe sicher in der Tasche zu verstauen. Ich musste wohl einen ziemlich hilflosen Eindruck gemacht haben, denn ein Mädchen mit feuerroten Haaren kniete sich neben mich auf den kalten Boden und half mir stumm. Irgendwo hatte ich sie schon einmal gesehen, doch sicher war ich mir nicht. Als wir fertig waren und ich mich bedankt hatte, dachte ich, sie würde wieder gehen, doch zu meiner Überraschung schien sie auf mich zu warten. Völlig überrascht stand ich auch auf und ging neben ihr über die nun schon etwas leerere Hauptstraße von Hogsmeade. Kurz vor dem Tor, das am Ortsausgang stand, begann das Mädchen, mir Fragen zu stellen, meinte, dass ich ihr bekannt vorkäme und stellte sich als Ginny Weasley vor (eigentlich Ginevra, aber sag das niemandem, der Name ist schrecklich, das hört sich an, als käme ich aus dem Mittelalter – nenn mich bitte einfach Ginny). Auf dem weiteren Weg zum Schloss hoch redeten wir weiter locker über alles Mögliche. Über die sehr verschiedenen Weihnachtstraditionen in unseren Familien, darüber, dass wir sehr nah beieinander wohnten, über Lehrer und unsere Freude darüber, dieses Jahr auch nach Hogsmeade zu dürfen. Ich mochte Ginny und sie schien mich auch zu mögen, sie fand mich nicht seltsam und konterte ihrem Bruder Ron stark, als der ihr einen auslachenden Blick zuwarf und dann leicht mit dem Kopf auf mich zeigte. Ich hoffte inständig, dass die Freundschaft, die soeben entstanden war, noch lange bestehen bleiben würde und suchte lange nach Worten, um Ginny dies klar zu machen, ihr zu zeigen, was für ein wunderbarer Mensch sie für mich war. Wir waren schon im Schloss, als ich passende Worte gefunden hatte. „Danke“, sagte ich, „danke, dass ich nicht mehr allein sein muss, danke für alles gerade“. Dann umarmte ich sie, bemerkte, wie verwirrt sie war und trotzdem lächelte. Dann ging ich in Richtung Ravenclawturm davon. Am Ende der Treppe drehte ich mich noch einmal um, Ginny rief: „Gerne, ich schreib dir in den Ferien, was bei mir so los ist und frag meine Mum, ob du auch mal vorbeikommen darfst“ und dann drehte sie sich um und ging mit wehenden Haaren in die andere Richtung zum Gryffindorturm davon. Ja, ich würde ihr auch schreiben und ich würde sie liebend gerne besuchen. Endlich hatte ich nicht mehr das Gefühl, in der riesigen Menge der Hogwartsschüler alleine zu sein...
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast