Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Galar Arena Challenge 2009 - Wie alles begann

von CCMicra
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
11.01.2022
23.09.2022
9
25.144
2
Alle Kapitel
18 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
23.09.2022 2.660
 
Reichlich verlegen folgt Delion Peony vom Kampffeld, wobei sie einige Steinbrocken umrunden müssen. Am Rand des Kampffeldes werden die beiden von einem Schiedsrichter erwartet. „Peony, es gibt Anzeichen für einen eklatanten Regelverstoß durch deinen Herausforderer“, beginnt der Mann im Liga-Trikot. „Kann gar nicht sein“, brummt Peony. „Das hätte ich da draußen bemerkt.“ Er macht Anstalten, den Unparteiischen stehen zu lassen. Der hält ihn am Arm zurück. „Peony! War der Einsatz von Dynamax vor dem Kampf zwischen euch beiden abgesprochen?“ Statt einer Antwort hebt Peony nur seine linke Hand, an der sein eigenes Band sitzt. „Nach was sieht das deiner Ansicht nach aus, Stuart?“ Das Display zeigt deutlich an, dass der Wunschstern Galar-Partikel gesammelt hat, die Energie aber noch nicht zur Dynamaximierung ausgereicht hat. „Der Bengel hatte den Vorteil. Er hat ganz klar gewonnen. Oder siehst du das anders?“ Erneut sieht der Schiedsrichter auf Peonys Band, dann schüttelt er den Kopf. „Nein. Es scheint alles seine Richtigkeit zu haben.“ Er lässt die beiden Sportler stehen, während er sich abwendet und leise in sein Headset spricht. Als Stuart außer  Hörweite ist, dreht sich der Arenaleiter mit einem ernsten Gesichtsausdruck um. „Merk dir das für die Zukunft, Delion: Wenn du die Absicht hast, Dynamax einzusetzen, musst du das laut Reglement VOR dem Kampf anzeigen. Es reicht völlig, wenn du dazu das Handgelenk hebst, damit dein Gegner das Band sehen kann. Dadurch kann er entsprechend reagieren. Regeln sind nicht umsonst Regeln, keine Richtlinien, die du beliebig auslegen darfst. Hätte ich mein Band gerade nicht getragen, wäre unser Kampf annulliert worden“, erklärt er leise. Delion nickt verlegen.

„Tut mir leid. Ich hatte das nicht bedacht.“ „Auf mich hat das da draußen wie eine spontane Entscheidung gewirkt. Du bist deine Optionen durchgegangen und hast dich für die beste entschieden, nicht wahr?“ Erneut nickt der Junge, dem dieser Fauxpas sichtlich peinlich ist. Der Arenaleiter zwinkert ihm verschwörerisch zu. „Ist schon okay. Dynamax ist schließlich erst seit kurzem etabliert in der Liga. Wenn das irgendwann zur Normalität in der Arena geworden ist, wird vermutlich eher der Verzicht darauf auffallen. Ich habe mir angewöhnt, mein Band immer zu tragen, auch wenn ich es nicht einsetze. Daher war das jetzt kein Problem. Aber einige meiner Kollegen sind da noch ein wenig – zurückhaltend und ziehen es nur an, wenn sie wirklich müssen. Mal abgesehen von der Tatsache, dass dein Glurak und du mich auch mit Ansage platt gemacht hätten. Daher sehe ich keine Notwendigkeit für einen zweiten Kampf, weil es am Ergebnis eh nichts geändert hätte. Zeitverschwendung.“ Delion ist immer noch reichlich eingeschüchtert. Peony schlägt dem Jungen aufmunternd auf die Schulter. „Auf jeden Fall war das ein extrem guter Kampf, den du gerade da draußen abgeliefert hast. Ich bin gespannt, wie lange wir mit den Aufräumarbeiten beschäftigt sind. Zwei, drei Tage bestimmt, schätze ich. Wir sehen uns im Stadion von Score City. Da mache ich es dir aber nicht so leicht, verlass dich drauf! Mach`s gut!“ Noch einmal grinst er Delion an, dann verschwindet er im Gang.

„Du bist echt unmöglich. Erst die Nummer mit der Hecke in Turffield, und jetzt reißt du mal eben beinahe die halbe Arena ab. Was wollte eigentlich der Schiri von euch?“ Sania sieht Delion dabei zu, wie er seine Ausrüstung in seine Tasche wirft. „Wenn du in der Arena Dynamax einsetzen willst, musst du laut Reglement deinen Gegner vor dem Kampf darüber in Kenntnis setzen. Er wollte wissen, ob ich das getan habe, weil sonst der Kampf für ungültig erklärt worden wäre“, erklärt der Junge. „Klingt logisch“, nickt Sania. „Und? Hast du?“ Delion wird rot. „Hast du also nicht“, schließt Sania aus seiner Reaktion. „Peony hat den Unparteiischen vom Gegenteil überzeugt.“ Verwirrt sieht Sania auf. „Kapier ich nicht. Er hat den Schiri angeflunkert?“ Delion zuckt mit der Schulter. „Wenn du es so ausdrücken willst, dann ja.“ „Aber er ist Arenaleiter!“ Sania ist entsetzt. Delion greift nach seiner Tasche. „Er meinte, am Ergebnis hätte das so oder so nichts geändert.“ Sania hat Mühe, ihre Gesichtszüge unter Kontrolle zu behalten. „Ernsthaft? Das hat er gesagt? Du scheinst ihn wirklich beeindruckt zu haben.“ „Er meinte, ich sei wahrscheinlich der größte Idiot, den er jemals in der Arena vor sich hatte.“ Sania versucht vergeblich, ernst zu bleiben. Dann lacht sie laut los. „Ja, so kannst du es natürlich auch ausdrücken.“

Kichernd verlassen die beiden die Kabinen. Am Rand des Foyers sehen sie Peony und einen anderen Mann – wobei Gespräch ihren Wortwechsel nur unzutreffend beschreibt. Die Ähnlichkeit der beiden ist unübersehbar. „Also, was willst du hier?“, grollt Peony. „Freust du dich denn gar nicht, mich zu sehen?“ Der andere im maßgeschneiderten Anzug zieht eine Augenbraue hoch. „Wenn du auftauchst, verheißt das nichts Gutes. Also verschwinde wieder.“ „Wie bedauerlich. Dabei hatte ich so einen amüsanten Nachmittag hier in deiner Arena.“ „Seit wann interessierst du dich ausgerechnet für meine Kämpfe?“ „Ich finde sie inspirierend. Vor allem, wenn du verlierst“, sagt der Unbekannte mit einem ironischen Unterton. „Ach, ist das so?“ „Vergiss nicht: Immerhin ist es mein Verdienst, dass du überhaupt Dynamax in deiner Arena einsetzen kannst.“ Peony funkelt sein Gegenüber an. „Wie könnte ich das vergessen? Du hältst es mir ja bei jeder Gelegenheit vor.“ „Tja. Wie du siehst: Ich bin dir einmal mehr überlegen. Wenn du mich jetzt entschuldigen würdest – ich habe noch Termine.“ Der Unbekannte dreht sich um und lässt Peony stehen. Der sieht ihm noch einen Moment hinterher, sichtlich darum bemüht, seine Fassung wiederzufinden. Dann dreht er sich mit einem Grollen um und lässt die schwere Feuerschutztür zu den Nebengängen des Stadions krachend hinter sich ins Schloss fallen.  

Nachdenklich sehen die beiden Kinder zu der Tür hinüber, hinter der Peony verschwunden ist. Zeit, sich weiter Gedanken über das Beobachtete zu machen, haben sie allerdings nicht. Denn in diesem Moment schnappt Delion nach Luft, weil ihn ein Rempler von der Seite gegen Sania stolpern lässt. „Voll krasse Aktion.“ Roy ist neben den beiden aufgetaucht und grinst. „Aber du warst auch nicht übel, Vulpix.“ Überrascht sehen Sania und Delion zu Roy. „Wow – woher kommt der Sinneswandel?“ Roy zuckt lässig mit der Schulter. „Im Grunde haben wir doch alle das gleiche Ziel – die Challenge bestehen und nach Score City zu kommen. Da reicht es doch, wenn wir uns in der Arena beharken. Außerdem kann ich ein bisschen Hilfe für die dämlichen Schulaufgaben ganz gut gebrauchen.“ Delion zieht kritisch eine Augenbraue in die Höhe. „Geht es dir gut? Hast du einen Sonnenstich oder so? Oder warum machst du jetzt einen auf bester Kumpel?“ „Beste Kumpel – ausgerechnet mit euch?“ Roy gibt ein gespieltes Würgegeräusch von sich. „Nein danke. Lieber beste Rivalen forever!“ Sania kichert. „Ja, das klingt schon eher nach dir, du Angeber.“ Delion grinst. „Okay. Damit kann ich leben.“ Klatschend treffen sich ihre Hände zu einem High Five, dann laufen die drei lachend die Treppen vor dem Stadion hinunter.

Ein Blitzen im Sonnenlicht lässt Delion den Kopf drehen. Vor einem Händler, der seinen Stand auf dem Marktplatz aufgebaut hat, liegen einige seltsam aussehende Steine. In einem von ihnen hat sich das Licht gebrochen und wie einen Blitz reflektiert – was den Jungen aufmerksam werden ließ. Neugierig bleibt er stehen. „Was ist das?“ Sania dreht sich zu ihrem Freund um. „Entwicklungssteine“, stellt sie nach einem kurzen Blick fest. „Manche Pokémon benötigen so genannte Evolutionsitems, um sich zu entwickeln. Das können Steine wie die da oder  andere Gegenstände sein – Drachenschuppen, Metallmantel, ein Galar-Nuss-Reif oder so.“ „Wow – was bist du? Ein wandelndes Lexikon, oder wie?“ Roy sieht Sania fragend an. Delion grinst. „Ihre Oma ist Wissenschaftlerin. Das scheint abgefärbt zu haben. Theoretisch macht Sania in Sachen Pokémon keiner was vor.“ „Deshalb hast du ihr deine Hausaufgaben zum Lesen gegeben?“ „Halt den Ball flach, Roy. Du hast schließlich auch davon profitiert, schon vergessen?“ Der Junge grinst, und wieder blitzt der Eckzahn kurz auf. „Stimmt“, kommt seine trockene Antwort.

Sania ist derweil neben Delion getreten und mustert die Steine, die auf einem dunklen Tuch liegen. „Mal sehen – das grüne da ist ein Donnerstein. Der daneben mit der Struktur ist ein Blattstein.“ Sie zeigt auf den Gold funkelnden Stein, der das Sonnenlicht einfängt und wie von einer inneren Flamme heraus zu brennen scheint. Ein Lichtblitz dieses Steines war es auch, der Delion auf das Sammelsurium auf dem Marktstand aufmerksam werden ließ. „Das ist ein Feuerstein. Wenn ich diesen meinem Vulpix geben würde, könnte es sich zu Vulnona weiter entwickeln.“ Am Rand des Tuches liegt ein seltsam geformter Stein, der sich kaum von seiner Unterlage abhebt. Seine Kanten schimmern in einem tief dunklen Violett. Sania kichert. „Ein Finsterstein. Das wäre was für dein Duokles.“ Delion sieht seine Freundin irritiert an. „Warum?“ „Weil es sich damit zu Durengard weiter entwickelt.“ Sie kichert erneut. „Ein brillanter Kämpfer und ein 1-A-Konter gegen Fee.“ Delion winkt ab. „Ist mein Duokles auch.“ Roy sieht überrascht auf. „Du hast ein Duokles gefangen? Ernsthaft?“ Sania nickt. „Ist ihm in der Naturzone regelrecht hinterher gelaufen.“ Widerwillig schleicht sich so etwas wie Respekt in den Blick des schlacksigen Jungen. „Du scheinst als Trainer doch was drauf zu haben.“ „Ich habe genau wie Sania und du vier Orden.“ Sania schmunzelt, während sie die beiden Jungs beobachtet, die sich schon wieder wie angriffsbereite Pokémon belauern. Solange sich die beiden mit Verbalattacken zurück halten, könnte das wirklich etwas werden mit einer Art Koexistenz. „Ja, und damit haben wir immerhin die Hälfte der Challenge gepackt – was gut 300 der gestarteten Challenger nicht oder noch nicht von sich behaupten können“, stellt sie gelassen fest. Während sich ihre Begleiter wieder mit Blicken duellieren, wendet sich Sania dem Händler zu und beginnt, um den Feuerstein zu feilschen.

Die Ankündigung, dass die Passbeck-Arena voraussichtlich drei Tage für Aufräumarbeiten gesperrt bleibt, sorgt im Quartier der Challenger für große Aufregung. Mehr wie einmal wandern beim Abendessen skeptische Blicke der anderen Teilnehmer zum Tisch des jungen Trios. Ausgerechnet eines dieser Kinder soll dafür verantwortlich gewesen sein? Jetzt, nach dem vierten Orden, beginnt sich das Feld der Teilnehmer immer stärker zu lichten. Das ein oder andere Gesicht wird vertraut, weil sich die Herausforderer doch immer wieder irgendwo begegnen. Natürlich fallen gerade Küken wie Sania, Roy und Delion besonders auf – sind doch die übrigen Herausforderer alle deutlich älter und erfahrener. „Morgen nach dem Frühstück wollten wir los in den Wirrschein-Wald. Durch die Sperrung der Arena wird es hier ohnehin voll, und auf Papella vorbereiten können wir uns unterwegs immer noch“, erklärt Sania. Delion verzieht unbehaglich das Gesicht. Die Bilder, die er von dem mysteriösen Wald auf seinem Tablet gesehen hat, verheißen nichts Gutes: Riesige Bäume, viel Unterholz, fahles Dämmerlicht, Nebel und dazwischen nur schmale Trampelpfade. Hoffentlich behält Sania da den Durchblick, sonst sieht er schwarz für Fairballey. Alleine würde er den Ort vermutlich in 100 Jahren nicht finden. „Habt ihr was dagegen, wenn ich mich euch anschließe? Zumindest für die Etappe bis Fairballey?“ Roy sieht die beiden fragend an. „Nö“, beschließt Sania. „Sei aber pünktlich, sonst ziehen wir ohne dich los.“

„Brava“, zirpt das insektenartige Pokémon und dreht den Kopf zu seinem Trainer. „Na bitte, geht doch.“ Grinsend kniet Sania auf dem Gesteinsplateau und krault ihr Vulpix hinter den Ohren. Bevor sie den Wald betreten, wollten  sie noch eine kurze Trainingseinheit einschieben. Dabei hatte sich Roys Knacklion  weiter entwickelt. Unsicher sieht Roy zu ihr hinüber. „Ähm. Danke?“ „Gern geschehen. Damit solltest du Papella wenigstens ein bisschen Kontra bieten können.“ Roy nickt. „Boden ist ganz gut, das stimmt. Komm zurück, Vibrava.“ Mit einem zufriedenen Sirren verschwindet es in seinem Ball, den Roy an seinen Gürtel zurück steckt. „Wobei...“ Er hält inne, die Hand unsicher über einem anderen Ball schwebend. Dann zuckt er mit der Schulter. „Was soll`s. Es kommt auf einen Versuch an.“ Schwungvoll wirft er den Ball vor sich. „Duraludon“, grollt das erscheinende Pokémon. Es klingt, als würde ein Haufen leerer Getränkedosen in einer Kiste umher rollen. Dann dreht es den Kopf und sieht seinen Trainer abschätzend an. Sania mustert das Duo auf der anderen Seite ihres improvisierten Kampffeldes. Delion, der auf einem Felsen neben dem Kampffeld sitzt, hat die Augen zusammen gekniffen und beobachtet ebenfalls kritisch jede Reaktion der beiden. Sania zieht ihren Pokédex aus ihrer Hosentasche und sieht auf das Display. „Das ist also ein Duraludon vom Typ Stahl und Drache. Interessant.“ Sie sieht zu Delion herüber. „Willst du?“ Er grinst. „Nein danke. Das überlasse ich dir. Ich denke, ich habe noch Gelegenheit genug, gegen die beiden zu kämpfen.“ Roy lächelt säuerlich. „Ach ja? Träum weiter.“ Noch einmal wirft er seinem Pokémon einen unsicheren Blick zu.

Vulpix sträubt kampflustig sein Nackenfell, dann beginnt es vorsichtig, seinen Gegner zu umkreisen. Sania beobachtet sowohl ihren Kämpfer als auch das andere Duo. „Flammenrad“, fordert sie leise. Ihr Kämpfer reagiert sofort: Lodernde Zungen lecken aus dem Ring aus Feuer, das auf Duraludon zurollt. „Ausweichen und Eisenabwehr“, kontert Roy. Einen Augenblick lang bleibt Duraludon unbeweglich stehen, dann gleitet es mit einer eleganten Bewegung aus der Bahn des Flammenrades und umgibt sich mit einer Art Schild aus grauschimmerndem Licht. „Flammenwurf“, fordert Sania nun nachdrücklich. Eine Zunge aus Feuer schießt auf Duraludon zu und hüllt das Pokémon ein. Sein schmerzerfülltes Jaulen reißt Roy aus seiner Verblüffung. „STOP!“, brüllt er lautstark über das Plateau. Sania hält Vulpix mit einer Handbewegung zurück, während sie Roy beobachtet, der auf sein Pokemon zustolpert und ihm anschließend um den Hals fällt. Delion ist aufgestanden und kramt in seinem Rucksack herum. Als er sich wieder aufrichtet, hält er einen Trank in den Händen. In Roys Augen glitzert etwas. Verlegen wendet er sich von den beiden anderen ab. Muss ja keiner mitbekommen, dass Duraludon gerade zum ersten Mal auf einen Befehl von ihm reagiert hat. „Fang!“, reißt ihn da Delions Stimme aus seinen Gedanken. Reflexartig reißt er die Hände hoch und kann gerade so die Medizin für seinen verletzten Partner auffangen. „Danke“, ruft er, während er beginnt, die Brandverletzungen vorsichtig damit zu besprühen. Weder Sania noch Delion sind allerdings sein erleichtertes Grinsen entgangen. Verschwörerisch blinzeln sich die beiden zu – wäre ja noch schöner, wenn er wüsste, dass sie ihn in Keelton beobachtet haben... „Wie sieht es aus? Wollen wir so langsam mal weiter? Wir haben noch ein gutes Stück vor uns.“ Zustimmendes Grummeln der beiden Jungs antwortet Sania, dann packen sie ihre Rucksäcke und laufen weiter in den schmalen Canyon hinein, an dessen Ende sie schon die ersten Ausläufer des Wirrschein-Waldes entdecken können.

„Sind Sie sicher, was diese Analysen betrifft?“ Die Wissenschaftlerin nickt. „Ganz sicher. An meinen Ergebnissen kann es keinen Zweifel geben.“ Ihr Gegenüber studiert die Tabellen und Kurven, dann schiebt er das Tablet zur Seite und sieht auf. „Das Potential ist wirklich erstaunlich. Das hätte ich jetzt nicht erwartet – zumindest nicht in dieser Deutlichkeit.“ „Problematisch wird die Frage nach der Quelle. Es gibt bislang keine bekannte Möglichkeiten, diese künstlich zu erzeugen. Ihr natürliches Vorkommen ist dagegen zu gering.“ „Also sollten wir unsere Aufmerksamkeit auf diese Frage konzentrieren. Gute Arbeit! Was Ihre Frage betrifft: Ich denke, ich habe einen Ansatz gefunden.“ Vorsichtig legt der Mann ein Buch auf den Tisch. Es sieht alt aus. Der Einband hat sich teilweise gelöst, das Papier ist vergilbt und brüchig, einzelne lose Seiten hängen schief aus dem Einband heraus. Ihre Seitenränder wirken, als hätte sie ein Rattfratz angeknabbert. Die Schrift ist nur schwer lesbar. Die Wissenschaftlerin rümpft die Nase. „Was ist das?“ Sie beugt sich vor und versucht, die Lettern auf dem Einband zu entziffern. Sie sieht auf. In ihren Augen blitzt ein Hauch von Entrüstung. „Ein Märchenbuch? Ist das Ihr Ernst?“ Der Mann lächelt wie ein Tohaido. „Kein Märchenbuch, sondern eine alte Sammlung von Märchen und Sagen aus Galar. Anders als ein Märchen hat eine Sage immer einen wahren Kern“, doziert er. „Und ich denke, diese Sage hier könnte durchaus interessant sein.“ Vorsichtig blättert er in dem zerlesenen Buch, bis er eine Federzeichnung aufschlägt. Er dreht das Buch, so dass die Frau die Seite besser betrachten kann. Sie schiebt ihre Brille zurecht und entziffert das Geschriebene. Nach einer Weile sieht sie auf. „Eine interessante Hypothese.“ Smaragdgrüne Augen funkeln sie an. „Ich will, dass Sie sich darauf konzentrieren. Ich will alles darüber wissen.“
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast