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Die schlafende Schönheit

von Daiya93
Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P12 / Het
Akane Tendo Ranma Saotome
09.01.2022
06.11.2022
12
34.888
10
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Dieses Kapitel
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09.01.2022 3.226
 
„Akane! Warte doch!“ Ranma verfolgte seine Verlobte durch den Schulflur. Diese schenkte ihm kein Gehör und stampfte mit verengter Augenbraue und bebenden Nasenflügeln einfach weiter. Einige Schüler sprangen ihr erschrocken aus dem Weg und lugten dem Paar mit großen Augen hinterher.

„Spar dir deine Ausreden! Ist mir doch egal, was du mit anderen Frauen treibst!“, brüllte sie, die Hände zu Fäusten geballt. Immer mehr Schüler drehten sich zu ihnen um und verfolgten die Szene. Besser er brachte das schnell hinter sich, bevor sie wieder einmal zum Unterhaltungsprogramm für all ihre Mitschüler wurden. Warum bemühte er sich eigentlich, sie würde ihm ja doch keinen Glauben schenken. Er konnte den Vorfall aber auch nicht so stehen lassen, also beschleunigte er seine Schritte. Schließlich erwischte er sie bei den Schultern und drehte sie zu sich um.

„Hey, das war kein geheimes Rendezvous“, zitierte er Akanes Wortlaut, „ich habe mich aufs Schuldach zurückgezogen, um ein Nickerchen zu machen“, dass er sich auch vor ihr versteckt hatte, um ihren neusten Kochexperimenten zu entgehen, behielt er lieber für sich, „sie hat sich ohne Vorwarnung, geschweige denn der Frage um Erlaubnis auf mich geschmissen.“ Was konnte er dafür, dass Shampoo sein Schläfchen als Aufforderung verstand, ihn zu küssen. Natürlich war Akane just in jenem Moment auf dem Schuldach erschienen. Irgendwer da oben musste ihn hassen, denn es konnte einfach kein Zufall mehr sein, wie oft er in solche Situationen geriet. Akanes Augen funkelten bedrohlich, sie wollte sich losreißen, doch er hielt sie fest, nicht so fest, dass er ihr wehtat, aber fest genug, um sie daran zu hindern, sich aus seinem Griff zu entwinden.

„Akane glaub mir doch …“, setzte er an, als ihm auf einmal seine Sicht verschwamm und ihm das Gefühl in Armen und Beinen verloren ging. Er taumelte zurück, schloss die Augen und versuchte wieder Herr seiner Sinne zu werden. Ein heftiges Gefühl von Müdigkeit eroberte ihn, nur mit größter Mühe konnte er seine Augen noch einmal aufschlagen, alles um ihm drehte sich. Das Letzte, was er hörte, war Akanes Stimme, wie diese erschrocken seinen Namen schrie, dann wurde alles schwarz.

Mit weit aufgerissenen Augen und offenem Mund fing Akane ihren Verlobten auf und konnte gerade noch verhindern, dass er mit dem Gesicht auf dem Boden aufschlug.

„Ranma, Ranma, was ist los mit dir?“  Sie schüttelte ihn, bekam jedoch keine Reaktion von ihm.

„Wenn das ein Scherz sein soll, finde ich ihn nicht lustig.“ Sie war auf die Knie gegangen und polsterte seinen Kopf auf ihrem Schoß. Sie klopfte ihm vorsichtig auf die Wange, aber er rührte keinen Muskel.

„Ranma, sag doch was!“ Noch nie hatte sie erlebt, dass er grundlos das Bewusstsein verlor. Ihr Puls beschleunigte sich und ihre Atmung wurde hektisch. Sie griff nach seiner Stirn, diese fühlte sich normal an, sie fühlte seine Atmung mit ihrer Hand, seine regelmäßigen Atemzüge beruhigte sie zumindest etwas. Erneut schüttelte sie ihn, ohne der gewünschten Reaktion von ihm.

„RANMA?!“ Tränen bildeten sich in ihren Augenwinkeln, was war nur los mit ihm? Sie schloss ihre Augen, konzentrierte sich auf ihre Atmung und versuchte nachzudenken. Es gab eigentlich nur eine Person, die sie um Rat fragen konnte. Akane öffnete ihre Augen, wischte sich die Tränen weg und schulterte dann ihren Verlobten. Ohne sich die Zeit zu nehmen, ihre Abwesenheit für die nächsten Schulstunden zu entschuldigen, stürmte sie los. Trotz Ranmas Gewicht auf ihren Schultern war sie sich sicher, die Strecke von der Schule zu ihrem Hausarzt noch nie so schnell zurückgelegt zu haben.

„Dr. Tofu“, brüllte sie, bevor sie die Türschwelle überhaupt überschritten hatte. Dieser stolperte aus dem Behandlungszimmer.

„Akane, was ist passiert?“

„Irgendetwas stimmt nicht mit Ranma, er ist, er ist…“.

„Ganz ruhig, Akane, atme tief durch!“ Dr. Tofu nahm ihr den Jungen von den Schultern. „Komm, wir legen ihn erst mal auf eins der Krankenbetten und dann erzähl mir, was passiert ist.“ Ein schneller Blick verriet ihm, dass es sich ausnahmsweise um keine äußerlichen Wunden handelte. Der Junge schien komplett unversehrt zu sein. Aufmerksam lauschte er Akanes Schilderung, während er Ranmas Körper abtastete, dessen Atmung, Herzschlag und Temperatur kontrollierte. Doch er konnte nichts Besonderes feststellen. Der junge Kampfsportler war einer seiner Stammpatienten, daher war er sich ziemlich sicher, dass sich dieser, bester Gesundheit erfreuen sollte. Da Ranma seinen Körper oft größter Belastung aussetzte, war es Dr. Tofu wichtig, ihn regelmäßig zu untersuchen. Erst vor zwei Wochen bat er Ranma um eine Blutabnahme, um dessen Blutwerte zu kontrollieren. Dabei war alles unauffällig gewesen.

„Sehr seltsam es wirkt, als würde er einfach nur schlafen, doch er hätte längst reagieren müssen. Sag, ist heute irgendetwas Ungewöhnliches vorgefallen?“

„Sie meinen ungewöhnlicher als sonst?“ Da musste Akane erst einmal nachdenken. Eigentlich war es ein Tag wie jeder andere auch gewesen. Sie weckte ihn in der Früh mit einem Eimer Wasser, er motzte sie an. Seinetwegen waren sie wieder einmal spät dran. Den ganzen Schulweg über hatten sie sich in den Haaren und auch in den Pausen zankten sie sich. Während der Mittagspause war Ranma dann plötzlich verschwunden, dabei wollte sie ihn unbedingt von ihrem Bento probieren lassen. Ganze zwei Wochen hatte sie extra ein neues Rezept geübt. Irgendwer erwähnte, dass Ranma am Weg zum Schuldach gewesen war. Also hatte sie sich aufgemacht, ihn zu suchen und fand ihn dort am Boden liegend, Shampoo über ihn gebeugt und ihre Lippen auf seinen. Die vergessene Wut stieg ihr erneut in die Adern. Dieser verdammte Idiot. Wieso machte sie sich eigentlich Sorgen? Konnte ihr doch egal sein, was mit dem Trottel war.

„Akane?“, riss Dr. Tofu das Mädchen aus ihren Gedanken. Sie blickte auf und blinzelte ein paar Mal, dann erinnerte sie sich wieder an seine Frage. „Also eigentlich…“,

>> Shampoo! << schoss es ihr plötzlich durch den Kopf. Zugegeben, dass sich die Amazone an Ranma ranschmiss, war nicht wirklich etwas Ungewöhnliches, aber sie schreckte vor keinem Mittel zurück, um seine Gefühle zu beeinflussen. Sie dachte an den Liebesfaden und die Liebespillen, was wenn Ranmas Zustand auf einer ihrer faulen Zauber zurückging? Nur was für ein Zauber sollte das sein? Vielleicht würden sich die Auswirkungen auch erst später bemerkbar machen. Sie blickte in sein friedlich schlummerndes Gesicht.

„Dr. Tofu, mir ist da möglicherweise etwas eingefallen, ich muss etwas überprüfen, ich komme gleich wieder.“ Sie stürmte aus der Praxis und rannte so schnell sie ihre Beine tragen konnten zum Cat Café. Akane erinnerte sich, dass Shampoo mit ihrer Lieferbox am Dach war, was wohl bedeutete, dass sie Ranma nach einer ihrer Lieferungen besucht hatte, also war sie vermutlich mittlerweile wieder bei der Arbeit.

Als sie ins Café platzte, entdeckte sie die Gesuchte sogleich, diese servierte eben dampfende Ramen an ihre Gäste. Die ersten Kunden wandten sich verwundert dem atemlosen Mädchen zu. Shampoo blinzelte, als sie Akane entdeckte und legte ihren Kopf schief. Akane musste dreimal tief ein- und wieder ausatmen, bevor sie zu sprechen beginnen konnte.

„Shampoo! Was hast du mit Ranma am Schuldach gemacht?“ Die junge Kellnerin verzog ihre Lippen zu einem überheblichen Grinsen: „Oh, wir nur schönes Rendezvous genossen, bevor du kamst und uns gestört hast.“

„Lass den Unsinn! Mit Ranma stimmt etwas nicht, also sag schon, was du angerichtet hast?“ Akane hasste ihre dämlichen Spielchen, die sollte sie sich sonst wohin stecken.

„Dann Zauber also doch gewirkt, Ranma jetzt unsterblich in Shampoo verliebt?“ Shampoos Augen begannen zu leuchten. „Oh, wo steckt Ranma, ich muss sofort zu ihm.“

„Ranma liegt bewusstlos bei Dr. Tofu, spuck auf der Stelle aus, was du getan hast?“

„Oh, du böses Mädchen, hast Ranma mit deinem Hammer krankenhausreif geschlagen, weil er mich liebt. Sieh ein, du hast verloren!“ Also, das war doch die Höhe, mit einem Satz schnappte Akane Shampoo am Kragen.

„Ich habe ihn nicht einmal berührt, er ist nach eurem „Stell dich ein“ einfach zusammengebrochen, also sag mir jetzt endlich, was du gemacht hast!“ Shampoo riss die Augen auf, dann befreite sie sich aus Akanes Griff. Cologne war nun auch hellhörig geworden, Shampoo hatte ihr Gegenüber nie etwas von einem neuen Liebeszauber erwähnt.

„Von welchem Zauber sprichst du?“, wollte sie von ihrer Urenkelin wissen. „Zauber sein mehrere tausend Jahre alt, Händler aus China hat es mir gestern verkauft.“ Sie zückte eine kleine Holzdose in Form eines Herzens aus ihrer Hosentasche.

„Wenn jemand pikst sich mit Nadel aus der Dose und dann küsst jemanden, er verliebt sich unsterblich in diese Person. Doch mir sein Rätsel, warum Ranma zusammengebrochen, davon hat Händler nichts gesagt.“ Akane wollte Shampoo besagtes Döschen abluchsen, Cologne kam ihr allerdings zuvor und pflückte das Döschen aus Shampoos Hand. Sie überflog die alten Inschriften, welche feinsäuberlich in das Holz graviert worden waren.

„Oh Shampoo, warum hast du mich nicht eingeweiht und mir die Dose zuvor gezeigt, für dich sind diese Schriftzeichen doch unlesbar?“ Es waren furchtbar alte Schriftzeichen, kaum wer vermochte diese noch zu lesen.

„Ich wollte dich überraschen, wenn Ranma endlich willigt ein mich zu heiraten. Lesen war überflüssig, Händler hat alles mir erklärt.“ Cologne rieb sich die Schläfen, der Schuss war nach hinten losgegangen. Akane wusste nicht, ob sie zuerst aus Wut oder aus Ungeduld platzen würde. „Jetzt spuck schon aus, was steht denn nun auf den Kästchen. Was ist mit Ranma? Wie wecken wir ihn wieder auf?“

„In einem hast du Recht Shampoo, dieser Zauber, oder sollte ich lieber sagen Fluch ist sehr, sehr alt, älter noch als ich und Happosai zusammen. Mir ist unbegreiflich, wie er in die Hände eines ziehenden Händlers gelangen konnte. Das hier hat mit einem Liebeszauber wenig zu tun. Die Nadel in dieser Dose hat keinen Einfluss auf die Gefühle eines Menschen, sie versetzt ihn in einen tiefen Schlaf, auch Todesschlaf genannt.“ Akane musste heftig schlucken und ihr Puls beschleunigte sich, als Cologne weitersprach.

„Wer auch immer sich an dieser Nadel sticht, ist dazu verdammt auf ewig zu schlafen.“ Akane machte einen Schritt nach hinten und konnte sich gerade noch an einem Tisch abstützen, bevor ihr die Knie nachgaben. Shampoo schlug sich die Hände vor den Mund und starrte ihre Urgroßmutter ungläubig an. Akane schloss kurz die Augen, sie musste aufwachen, das war nur ein böser Traum, nicht mal Shampoo konnte so dämlich sein, einen Liebeszauber mit einem Todeszauber zu verwechseln. Das war alles ein schrecklicher Albtraum, komm schon Akane wach endlich auf.

Shampoo fand schneller ihre Stimme wieder: „Ab-er, ab-er, Händler sagte, sagte, Nadel und Kuss führt zur wahren Liebe“, stotterte Shampoo, sie wollte nicht glauben, was ihre Urgroßmutter da sagte, das war doch gelogen. Nach ihrem missglückten Versuch war sie ohnehin davon ausgegangen, dass der Händler ihr einen Bären aufgebunden hatte. Sie überraschte Ranma während seines Schläfchens, pikste ihn mit der Nadel und küsste ihn anschließend, jedoch erfolglos. Er hatte sie von sich geschubst und als er dann auch noch Akane erblickte, hatte er sie völlig vergessen und war dem kurzhaarigen Mädchen hinterhergeeilt. Für Ranma gab es immer nur Akane, Akane und noch mal Akane, oh, wie Shampoo dieses Mädchen hasste.

Cologne seufzte tief: „Nun, das war zwar keine komplette Lüge, aber die Wahrheit sieht anders aus. Kennt ihr das Märchen von Dornröschen?“ Colognes Stimme riss die beiden aus ihren Gedanken. „Dornröschen?“, fragten sie gleichzeitig. Klar kannten sie die Geschichte, wer nicht, aber die Idee, welche nun in ihren Köpfen aufkeimte, war nun wirklich zu absurd, oder?

„In China gibt es eine ähnliche Erzählung. Es war einmal eine junge Prinzessin, die sich vor Verehrern kaum erretten konnte. Die junge Prinzessin träumte allerdings von ihrer wahren Liebe und fragte eine alte Zauberin um Rat. Diese erklärte ihr, dass sie, um die wahre Liebe zu finden, Geduld und Aufmerksamkeit bräuchte. Davon wollte die Prinzessin nichts wissen, ihr schwebte ein Zauber vor, der ihr helfen sollte, ihre wahre Liebe schneller zu erkennen. Die Zauberin warnte sie, dass es zwar Möglichkeiten gebe, doch diese ein hohes Risiko beherbergten. Die Prinzessin schüttelte die Bedenken einfach beiseite, also reichte ihr die Zauberin eine verhexte Nadel. Die Prinzessin sollte sich damit in den Finger stechen, dann würde sie in einen tiefen Schlaf fallen und nur ihre wahre Liebe wäre in der Lage, sie mit einem Kuss wieder zu erwecken. Doch wer auch sein Glück versuchte, die Augen der Prinzessin blieben verschlossen. Man sagt, sie wartet noch heute auf ihre wahre Liebe.“

„Willst du sagen, Ranma ist wie schlafendes Dornröschen und nur Kuss kann ihn wecken?“ Shampoo versuchte das Gehörte zu verarbeiten, vielleicht war das alles doch kein völliger Fehlschlag gewesen.

„Ja und Nein. Der Todesschlaf kann wahrlich nur durch einen Kuss gebrochen werden, aber nicht irgendein Kuss, nein, es muss der Kuss der wahren Liebe sein.“ Akane zog scharf die Luft ein. Das war doch ein schlechter Scherz, oder?

„Oh kein Problem, ich eile zu Ranma und werde in wieder erwecken“, mit diesen Worten stürmte Shampoo aus dem Café. „Den Teufel wirst du tun“, brüllte Akane und rannte hinterher. Keiner der beiden hörte mehr, dass Cologne ihnen noch etwas hinterher brüllte.  

Akane musste sich eingestehen, dass sie es für einen Tag wohl etwas übertrieben hatte. Zuerst ihr Sprint mit Ranma auf dem Rücken und dann auch noch der Lauf zum Café, sie konnte unmöglich jetzt noch mit Shampoos Geschwindigkeit mithalten. Doch noch weniger konnte sie zulassen, dass dieses Weibsstück zweimal an einem Tag ihre Lippen auf Ranmas presste. Einmal war schon einmal zu viel. Mit heftigem Seitenstechen und keuchender Atmung platze sie zum zweiten Mal an diesem Tag in Dr. Tofus Praxis. Sie lief am reichlich verwirrten Arzt vorbei ins Krankenzimmer und da war die Amazone bereits und küsste Ranma tatsächlich zum zweiten Mal an diesem Tag. Akane wollte sie schon wegzerren, als sie kurz innehielt, um einen Blick auf Ranma zu werfen. Er lag unverändert da, kein Muskel regte sich, kein Zucken, kein Blinzeln. Akane konnte nur schwer sagen, ob sie erleichtert oder enttäuscht war. Mit einem Schlag war sie wieder in der Realität. Sie packte die Amazone an den Schultern und zog sie bestimmt zurück.

„Das reicht ja wohl jetzt“.

„Wieso du immer stören, es ist hässlich von dir so eifersüchtig zu sein.“

„Ich enttäusche dich ja nur ungern, aber es scheint mir, als wärst DU NICHT Ranmas wahre Liebe, er schläft immer noch.“

„Und du glaubst, du bist wahre Liebe von Ranma?“, fauchte die Amazone sie an.

„Das habe ich nie behauptet, aber ich an Ranmas Stelle würde es furchtbar finden, ohne meine Einwilligung ständig geküsst zu werden.“

„Dann Ranma wird für immer schlafen, möchtest du das, du dummes Mädchen?“

„Natürlich nicht!“  

„Dann ich werden es noch mal probieren, erster Kuss war wirkungslos, weil du unterbrochen hast.“ Akane hatte sich ja wohl verhört, das konnte unmöglich ihr Ernst sein. Mit einem schnellen Schritt brachte sie sich zwischen Ranma und Shampoo.

„Das lässt du gefälligst bleiben, du hattest deinen Versuch.“ Die Amazone wollte gerade etwas erwidern, als plötzlich Cologne durchs Fenster gehüpft kam. Erst jetzt bemerkte Akane, dass auch Dr. Tofu neben ihnen stand und sich am Kopf kratzte.

„Es tut mir leid Shampoo, aber ich muss ausnahmsweise Akane recht geben, es gibt nichts mehr, dass du für ihn tun könntest. Wenn du willst, dass Ranma wieder aufwacht, dann kannst du nur hoffen, dass seine wahre Liebe ihn küsst.“

„Meine Gefühle sind wahr, ich liebe Ranma“, protestierte die Amazone mit Tränen in den Augen.

„Ich weiß, aber das ist leider zu wenig. Ich wollte es euch eben im Lokal noch erklären, ist euch eigentlich klar, was wahre Liebe ist?“ Sie machte eine Pause und sah zwischen den beiden Mädchen hin und her.

Schließlich setzte sie fort: „Sie ist absolut bedingungslos und bedeutet vor allem, loslassen zu können. Jemanden, ohne die geringsten Zweifel zu lieben, selbst wenn diese Person jemand anderen liebt. Solche Gefühle existieren nicht einfach, sie müssen erst keimen und wachsen. Es war töricht, von der Prinzessin zu glauben, dass sie auf diesen Weg ihre wahre Liebe finden könnte. Daher ergab die europäische Variante des Märchens für mich auch nie Sinn, es ist unmöglich, dass ein völlig Fremder die wahre Liebe der Prinzessin ist. Sie sind sich schließlich nie begegnet… und es ist schon schwierig genug eine Person zu finden, die so für jemanden empfindet, jedoch damit der Verfluchte wieder erwacht, muss auch er so für diese Person empfinden. Verstehst du mein Kind…“

Shampoo ballte die Hände zu Fäusten, dann sprang sie aus dem Fenster und verschwand. Kurz verspürte Akane innerlich den Drang, ihr nachzueilen, dann fiel ihr allerdings wieder ein, dass Shampoo überhaupt erst verantwortlich war für diesen Schlamassel.

„Möchtest du dein Glück versuchen?“ Cologne sah Akane erwartungsvoll an. „Ich?“, quiekte das Mädchen. „Unmöglich, nein, niemals, kommt nicht infrage, dass ich diesen Trottel küsse!“ Nein diese Blöße würde sie sich keinesfalls geben. Ihr Versuch war bereits im Vorhinein zum Scheitern verurteilt. Sie mochte vieles für ihn sein, aber nie und nimmer seine wahre Liebe.

„Würde mir mal jemand erklären was das alles soll?“, warf schließlich Dr. Tofu ein. Die alte Amazone zog das kleine Kästchen hervor und weihte ihn in die Geschichte ein.

Akane hörte nur mit halbem Ohr hin, sie war wieder an Ranmas Bett getreten und strich ihm eine Haarsträhne aus dem Gesicht.

„Solch eine Magie ist mir bisher noch nie untergekommen“, sagte Dr. Tofu und Akane wurde wieder hellhörig.

„Oh, Dr. Tofu, jetzt sagen Sie schon, Sie können Ranma bestimmt auch auf andere Weise wieder aufwecken?“ Sie hielt den Atem an, als sie auf eine Antwort von ihm wartete.

„Nun wie gesagt, mit dieser Art von Magie hatte ich es noch nie zu tun, ich werde erst einige Nachforschungen betreiben müssen, ich kann nichts versprechen, aber vielleicht gibt es ja einen anderen Weg.“ Wenn jemand eine andere Lösung finden konnte, dann Dr. Tofu. Akane wollte fest daran glauben, Dr. Tofu würde Ranma bestimmt helfen können.

„Ich nehme dir nur ungern deine Hoffnungen, aber glaube mir, wenn ich dir sage, für diesen Zauber gibt es nur eine Heilung.“ Cologne schüttelte traurig den Kopf. Sie getraute sich nicht auszusprechen, was ihr noch auf der Zunge lag. Sie verabschiedete sich und folgte Shampoo aus dem Fenster. Akane drehte sich wieder zu Ranma und strich ihm vorsichtig über die Wange.

„Du Riesentrottel… Trottel… Trottel… “ Eine Weile stand sie neben seinem Bett und ließ alles Gehörte noch mal durch ihren Kopf laufen. Schließlich trat Dr. Tofu an sie heran.  

„Akane, vielleicht solltest du nach Hause gehen. Jemand muss schließlich Ranmas Vater unterrichten und deiner Familie solltest du wohl auch Bescheid geben. Ich werde Ranma vorerst hierbehalten und sehen, ob ich noch etwas über diesen Zauber in Erfahrung bringen kann.“

„In Ordnung, versprechen Sie mir nur, dass sie sich bei der kleinsten Veränderung sofort melden.“

„Versprochen und jetzt Kopf hoch, ich bin mir sicher, es wird alles wieder gut.“ Sein Lächeln gab Akane neuen Mut und nachdem sie sich von Ranma und dem Doktor verabschiedet hatte, verließ sie die Praxis. Sie schlenderte ungewöhnlich langsam heimwärts. Es eilte für sie nicht, allen von den Ereignissen zu berichten. Sie ahnte schon, wohin dieses Gespräch führen würde. Sie seufzte tief, Colognes Worte hallten immer noch in ihrem Kopf. Bedingungslose Liebe, gab es so etwas? Jemanden, ohne den kleinsten Zweifel zu lieben, war das möglich?

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Hallo :D

Ich hoffe, der Auftakt zu dieser Geschichte hat euch gefallen. Ich würde mich sehr über Rückmeldungen freuen und wäre sehr gespannt auf eure Gedanken zu der Geschichte!

Die Geschichte wird um die 10-15 Kapitel lang werden und ihr könnt euch auf viele absurde und verrückte Momente freuen, ein wenig Drama und Herzschmerz, aber natürlich auch Romantik <3

Danke fürs Lesen!

Eure animachibi
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