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2022 01 09: Gedankenkreisel [by lula-chan]

Kurzbeschreibung
OneshotAllgemein / P16 / Gen
Quentin Coldwater
09.01.2022
09.01.2022
1
821
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09.01.2022 821
 
Tag der Veröffentlichung: 09.01.2022
Titel der Geschichte: Gedankenkreisel
Song: “just_another_day” von TJ_babybrain
Autor: lula-chan
Kommentar des Autors:
Meine erste Geschichte für den Jahreskalender. ^^
Bei dem Song musste ich sofort an Quentin denken. Ich warne direkt vorweg, dass diese Geschichte canon!depression thematisiert. Ich selbst habe nur wenige Erfahrungen mit Depressionen und stelle es so dar, wie ich es durch die Serie wahrgenommen habe. Diese Geschichte spielt vor Beginn der Serie.



Gedankenkreisel


Quentin starrt sein Spiegelbild an. Die längeren Haare. Die braunen Augen. Das frisch rasierte Kinn. Er legt seinen Kopf schief. Fast erwartet er, dass sein Spiegelbild sich nicht mitbewegt. Quentin lehnt sich zurück und wendet sich schließlich ab. Auf dem Rand des Waschbeckens liegt noch die Dose mit den Rasierklingen. Er war schon kurz davor, eine weitere zu nehmen. Doch für den Moment hat er das unter Kontrolle. Fragt sich nur für wie lange.
Langsam dreht sich Quentin wieder zum Waschbecken um. Vielleicht nur ein kleiner Schnitt. Quentin schüttelt seinen Kopf energisch. Nein! Er lässt die Dose offen dort auf dem Waschbecken stehen und verlässt das Badezimmer. Er weiß, wenn er jetzt hingegangen wäre, um die Dose zu schließen, hätte er eine Rasierklinge in die Hand genommen und das wollte er doch nicht mehr tun.
Quentin zieht die Badezimmertür hinter sich zu. Er hatte gehofft, dass das etwas endgültiges mit sich bringen würde, aber es ist nur schlimmer geworden, jetzt, wo er sie nicht mehr sehen kann. Quentin setzt sich auf sein Bett und schaut zu seinem Nachtisch. Die beiden Dosen mit Medikamenten - Antidepressiva und Schlaftabletten - scheinen ihn höhnisch anzugrinsen. Wie er die Tabletten hasst, aber er weiß, nimmt er jetzt keine, wird er später die Klinge in der Hand haben - und dafür hasst er sich noch mehr. Also wählt er das kleinere Übel und nimmt sich die Dose mit den Antidepressiva und die Flasche Wasser, die daneben steht.

Quentin liegt mit dem Rücken auf seinem Bett, die Arme hinter seinem Kopf verschränkt, damit er die Narben nicht sieht. Heute scheinen sie ihn noch schlimmer verhöhnen zu wollen als sowieso schon. Quentin lugt an seinen Armen vorbei zum Nachtisch, wo noch immer seine Medikamente stehen. Die Antidepressiva scheinen heute nicht so gut zu wirken. Vielleicht sollte er noch eine nehmen oder zur Sicherheit gleich eine Handvoll, noch ein paar Schlaftabletten dazu und er könnte sicher entspannt einschlafen. Quentin dreht seinen Kopf schwerfällig von seinem Nachtisch weg und sieht stattdessen wieder zurück zur Decke.
Die Tabletten sollen ihm helfen, aber gleichzeitig sind sie auch seine größten Gegner. Schon öfter hat er mit den Gedanken gespielt, mehr - viel mehr - als die geforderte Dosis zu nehmen. Auch so würden die Tabletten ihm helfen und mal ehrlich: Wäre es nicht besser, wenn er nicht mehr aufwachen würde? Einfach für alle Ewigkeiten schlafen könnte? Die Welt wäre ohne ihn doch viel besser dran. Sie müssten sich keine Sorgen mehr um ihn machen.
Anfangs wären sie vielleicht traurig, aber das würde sich legen. Viele gäbe es da sowieso nicht: seine Eltern natürlich, Julia, James. Aber sonst? Freunde hatte er nie viele. Er war immer nur der Nerd. Irgendwie ein Wunder, dass er die Freundschaft zu Julia und James überhaupt halten konnte. Die beiden brauchen ihn aber auch nicht wirklich, sie haben einander. Er ist doch schon seit langer Zeit nur noch das dritte Rad am Wagen, auch wenn sie sich Mühe geben, es nicht so wirken zu lassen. Und seine Eltern? Zu seiner Mutter hat er fast gar keinen Kontakt mehr, zu seinem Vater nur spärlichen. Sie brauchen ihn schon längst nicht mehr.

Mit einem Ruck setzt sich Quentin auf. Er fixiert die Dosen und streckt bereits die Hand danach aus, doch er reißt seinen Kopf zur Seite und springt auf. Quentin sprintet ins Badezimmer und schlägt die Tür hinter sich zu, bloß weg von diesen Dingern. Dafür fällt sein Blick nun auf die immer noch offenstehende Dose mit Rasierklingen. Quentin atmet tief durch, schließt seine Augen und rutscht an der Tür zu Boden. Mit zittrigen Fingern tastet er seine Taschen ab. Sein Atem geht immer schneller, doch dann erfühlt er endlich sein Handy. Es wiegt schwer, als er es aus seiner Hosentasche zieht und auf seinem Schoß ablegt. Sein Blick hebt sich wie von selbst zum Waschbecken. Er kann die Dose von hier aus nur erahnen, aber das reicht schon. Schnell senkt er seinen Blick wieder auf das Handy. Er benötigt mehrere Versuche, um es anzuschalten und noch mehr, bis er endlich den richtigen Kontakt hat. Julias Name leuchtet ihm entgegen. Er müsste nur auf den grünen Hörer drücken und sie wäre in Windeseile hier. Sein Finger schwebt bereits knapp darüber, doch dann schaltet er sein Handy mit einer schnellen Bewegung aus. Quentin zieht seine Beine an seinen Körper, legt seine Arme darum und bettet seinen Kopf auf seinen Knien. Er kann das Handy spüren, wie es gegen seine Beine drückt. Es fühlt sich gut an.
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