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Colin - Eine Elfen-Welten-Helden-Saga

von Federfaun
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Mix
Elben & Elfen Engel & Dämonen
08.01.2022
12.08.2022
35
142.972
1
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05.08.2022 4.448
 
Im Gasthaus >Schmiedehof
Colin und Sonja haben ein Doppelzimmer genommen – und einen zusätzlichen Strohsack für Juris. Es ist zwar eine unübliche Kombination aus zwei Männern und einer Frau, aber hier fragt keiner so genau nach. Geld ist Geld und die Bewohner des angrenzenden Viertels tun viel schändlichere Dinge als das, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Es unangenehm, dass die Gestalten im Gastraum und auch der Wirt Sonja ansehen, als wäre sie eine Hure, und deshalb hat sich die Gruppe nach dem Essen auch schnell auf das schäbige Zimmer verzogen. Außerdem sind sie müde von ihrem langen Ritt durch den Wald. Es ist schon spät und Juris hat seinen zerschnittenen Umgang auf dem Strohsack ausgebreitet, sich in die Decke eingerollt und schläft.
Auch Sonja und Colin haben sich im Bett verkrochen, aber an Schlafen denken die beiden nicht. Sonjas Körper ist warm und der Waldelf schmiegt sich an seine geliebte Frau. Je länger er so bei ihr liegt, um so größer wird sein Verlangen. Das Kribbeln in seinem Schwanz wird unerträglich, je fester er ihn gegen Sonjas Oberschenkel reibt. Sonja stöhnt leise – auch sie will es … sie will Colin in sich spüren und sich von ihm gänzlich ausfüllen lassen. Colins Atem bebt und Sonjas Herz klopft wild vor Erregung. Sie wollen es beide! Jetzt sofort! Sie können nicht wissen, ob Juris wirklich schon schläft, aber es ist ihnen auch egal.

Es braucht keine Worte. Sonjas Signale sind unmissverständlich. Colin tastet sich mit der Hand voran, er spürt die Feuchtigkeit zwischen Sonjas Schenkeln. Sonja stöhnt leise und spreizt die Beine. Colin ist mehr als nur bereit. Er schiebt sich über sie und dringt vorsichtig ein...

ooo


Am nächsten Tag stehen Sonja und Juris gegen Mittag m Eingang zum Innenhof ihres Gasthauses, als Colin mit hängenden Schultern zu ihnen stößt. Sonja trägt eine Kombination aus weißem Unterkleid und dunkelgrünem Überkleid – um sich hier um Arbeit zu bewerben, ist es das Beste, sich wieder anzupassen… Colin und Juris tragen ihre Elfenkleidung in grün-braun-weiß und in grau-schwarz. Der Tag ist nicht so erfolgreich verlaufen wie Sonja es sich erhofft hatte. Colin blickt traurig, als er sich zu den beiden gesellt.

Colin (deprimiert): „Ich hoffe, ihr ward erfolgreicher als ich…“
Sonja (seufzt): „Meine Stelle als rechte Hand des Marktherrn ist nun anderweitig besetzt… Ich werde mir also etwas anderes suchen müssen. ...vielleicht sollte ich es als Bedienung in einem der Gasthäuser versuchen.“
Juris: „Ich hatte zumindest einen kleinen Erfolg. Sonjas Vater könnte mir eine Stelle besorgen – allerdings nur als Wärter im Verlies. Es ist besser, als gar nichts.“
Der Schwarzelf lächelt kurz, doch er weiß, dass sie sich von dem Geld alleine keine Wohnung würden leisten können. Die anderen wissen das auch – aber auch ihre Unterkunft muss bezahlt werden. Alleine mit ihrem wenigen Ersparten und der Unterstützung durch Sonjas Vater werden sie nicht lange über die Runden kommen.
Sonja: „Und was ist mit dir, Colin?“
Colin (seufzt): „Ich war im Alten Schrein – ober besser in dem, was davon noch übrig ist. Unser Heiligtum, das wir alle so beschützt haben, ist leergeräumt. Eine Frau, die trotz allem noch immer Opfergaben an den verwaisten und entweihten Ort bringt, hat mir erzählt, dass Stadtrat und Kirchenführer beschlossen haben, die Ruine dem Erdboden gleich zu machen. Ob es einen neuen Tempel geben wird, ist fraglich...“
Es herrscht eine Weile betretenes Schweigen.
Juris: „Wir sollten überlegen, was mit den Pferden passieren soll. Sie kosten uns unnötig Geld und wir brauchen sie nicht. Wenn wir sie zu einem guten Preis verkaufen, könnten wir sicher eine Weile davon leben.“

ooo

Während die drei noch überlegen, kommt ein schwarzer Reiter auf sie zu. Der junge Schwarzelf bringt den erschöpften Rappen zum Stehen, als er sieht, dass er fündig geworden ist. Es ist Erithor, König Grindas Enkel. Er sieht ziemlich mitgenommen aus. Seine dunkle Kleidung ist zerschlissen und sein Umhang hat ebenfalls schon bessere Tage gesehen. Erithors etwas graues, amberbraunes Gesicht ist schmutzig und seine langen ungewaschenen Haare hat er zu einem schlampigen Pferdeschwanz gebunden.

Erithor: „Ich grüße dich, Juris.“
Juris: „Erithor! Was führt dich hierher? Du bist doch noch nicht einmal in der Ausbildung!“
Der Elf gleitet geschmeidig vom seinem Pferd und umarmt Juris nach Schwarzelfen-Art. Man sieht dem jungen Mann an, dass er sich freut, Juris wieder zu sehen. Dann macht Erithor vor Sonja und Colin eine kleine, angedeutete Verbeugung.
Erithor: „Krieg, Juris! Es wird vielleicht Krieg geben!“
Juris: „...nur vielleicht? Und deshalb hat der König ein unerfahrenes Kind geschickt um einen einzelnen Schwarzelfen einzusammeln? Noch dazu seinen eigenen Enkel...“
Erithor (verlegen): „Nein… Und ich bin auch längst kein Kind mehr. Nächstes Jahr werde ich in den Kriegsdienst gehen…“
Juris: „Nun sag schon! Weshalb bis du dann so fern ab der Heimat unterwegs?“
Erithor: „Ich habe mir Sorgen gemacht und bin auf eigene Faust los. Ich dachte, da stimmt doch was nicht, wenn Juris so lange nicht zurück kommt. Da kam ich halt eben zufällig in dieser Gegend vorbei und weil man mir sagte, dass du hier leben würdest, habe ich die ganze Stadt nach dir abgesucht.“
Juris seufzt. Die Jugend ist doch überall gleich… Und doch verheimlicht der junge Mann noch etwas. Sonja und Colin sehen sich fragend an, wagen aber nicht, sich in die Unterhaltung einzumischen.

Juris: „Wir kommen gerade aus… Ach, lassen wir das! Wir reden drinnen weiter. Willst du dich nicht etwas ausruhen? ...und dann vielleicht auch erzählen, warum du wirklich davon gelaufen bist? Sicher nicht wegen mir, oder?“
Juris sieht sich kurz zu den anderen um und als er in ihre Gesichter blickt, ist klar, dass sie mit dieser vorschnellen Einladung einverstanden sind, Erithor für eine Weile aufzunehmen.
Erithor: „Danke, Juris. Ich nehme dein, nein euer, Angebot gerne an.“

Juris legt seine Hand auf die Schulter des jungen Schwarzelfen. Dann nimmt er diesem die Zügel seines müden Pferdes aus der Hand und führt es in den Innenhof. Er versorgt das Pferd mit Wasser und Heu und geht nach drinnen, um anzumelden, dass sie noch ein Pferd unterstellen müssen. Und, um für dessen Versorgung zu bezahlen.

ooo

Colin und Sonja nehmen sich des derweilen des jungen Schwarzelfen an und bringen ihn auf ihr herunter gekommenes Zimmer.
Colin: „Wir können dir leider nicht viel anbieten, wir haben selbst in Moment nicht mehr, als das hier.“
Erithor: „Das ist in Ordnung. Es ist warm und trocken, das genügt mir.“
Sonja: „Vielleicht sollten wir uns erst einmal vorstellen. Ich heiße Sonja und das hier ist Colin.“
Der junge Elf nickt kurz mit dem Kopf.
Erithor: „Ich bin Erithor, aber das habt ihr ja schon mitbekommen. Ich bin königlicher Enkel von Maldoria. Wenn ich meine militärische Ausbildung hinter mir habe, werde ich Botenreiter, genau wie Juris.“
Colin: „Juris ist kein Bote mehr…“
Erithor (ernüchtert): „Er ist nie von seiner Mission zurück gekommen... Hab mich schon gefragt, wieso. Enoria hat einen eigenen Boten zurück gesandt und… Was ist eigentlich genau passiert? König Grinda meinte nur, dass Juris in Enoria eine Straftat begangen hat und ihm der Rat der Lichtelfen den Botenstatus entzogen hat – was er eigentlich gar nicht darf, weil Juris Bote unseres Königreichs ist… “

Inzwischen hat sich Juris zu ihnen gesellt und ergreift das Wort.
Juris: „Er hat einen Menschen unerlaubt ins Lichtelfenreich gebracht, dieser Juris… Aber vor allem hat er einem geflohenen Verbrecher geholfen, ein Elfenleben zu retten.“
Erithor (mit Schulterzucken): „Dunkelelfen-Blut – da kann man nichts machen…“
Juris zeigt dem Jungen die Tätowierung am Handgelenk, die sein Vergehen in Enoria verewigt, ihn als >des Vertrauens unwürdig
Juris: „Ich erzähl dir schon noch alles. Ist nämlich ´ne lange Geschichte. Aber nun solltest du dich erst einmal erklären.“
Sie setzen sich auf dem nackten Fußboden zusammen und Sonja reicht dem jungen Schwarzelfen einen Wasserbeutel. Der Jüngling bedankt sich und trinkt gierig. Dann erzählt er, dass die Königin von Enoria einen Boten nach Maldoria geschickt hat. … und, dass die Lichtelfen sich nicht an einem Krieg gegen die Menschen beteiligen werden. Die Hochelfen lehnen es grundsätzlich ab, auf eine latente Bedrohung mit dem Äußersten zu reagieren. König Grinda hat sich dennoch entschieden, die Menschen irgendwie zurück zu drängen.
Juris: „Es wird also Krieg geben?“
Erithor: „Du meinst, obwohl Königin Arithiën einen Kampf gegen die Menschen abgelehnt hat? Ich denke schon. Grinda wird sein Reich nicht kampflos aufgeben. Sieh dich um in der Welt – die Menschen lassen den Elfen bald keinen Raum zum Leben mehr… Es geht auch um die Waldelfen und die Moorelfen. Die freien Völker werden als erste fallen.“
Colin: „Das stimmt vielleicht… Trotzdem weiß ich nicht, wie ich dazu stehen soll…“
Erithor: „Was wollt ihr denn machen, wenn die Menschen euch zu sehr bedrängen? Enoria wird niemanden aufnehmen und Maldoria… Unser Reich ist bergig, rau und karg. Wir können unmöglich die anderen Völker aufnehmen – so viele Elfen können die Berge überhaupt nicht ernähren … und wir werden ja selbst von den Menschen bedrängt.“
Colin: „Das Reich Darials ist stark und es sind Waldelfen wie wir – vielleicht können wir unter ihrer Herrschaft leben.“
Erithor: „Und eure Freiheit aufgeben? Außerdem wird sich Darial ebenfalls gegen die Menschen behaupten müssen.“
Colin: „Das Königreich Elythriën wäre auch eine Möglichkeit, es ist eine Insel und gut zu verteidigen…“
Erithor (niedergeschlagen): „Sei nicht naiv. Selbst die Ulyak, die Tylvaren und die Schwarzelfen werden in ein paar Hundert Jahren untergehen. Nur das Reich der Lichtelfen wird sich behaupten können, da ihr Land unerreichbar zwischen den Welten und hinter einem abschreckenden Gebirge verborgen liegt.
Juris: „Enoria wäre ein strategisch günstiger Verbündeter gewesen, aber … wären nicht auch die Waldelfen des Südens oder die Ulyak eine Option für einen Krieg?“
Erithor: „Die Ulyak sind zwar Dunkelelfen wie wir, aber ihre Clans sind zerstritten … und man kommt mit ihnen nur schwer aus, das weißt du selbst…“
Juris (grinsend): „Also ich hatte da mal… (ernst) Lassen wir das. Der Kerl ist es nicht wert, dass ich mich zurück erinnere. Du hast Recht…“
In Wirklichkeit ist dieser Kerl es schon wert, sich an ihn zu erinnern, aber das möchte Juris nur schwer zugeben. Er wechselt das Thema, denn dieses Thema schmerzt ihn fast ein bisschen. Außerdem hat Erithor noch immer nicht das erzählt, was Juris wissen möchte.
Juris: „Und was hat unseren König nun bewogen, jetzt doch gegen die Menschen vorzugehen? Er wollte doch keine alleinige Entscheidung treffen und stand einem Krieg selbst skeptisch gegenüber?“
Erithor: „Es wird auch keine großen Schlachten geben – das ist bei der Überzahl der Menschen sowieso unklug. Aber die Spriggan sind ja nicht nur als Späher gut…“

Es wird also mehr ein Kampf aus dem Untergrund werden, denn darin sind die Krieger der Schwarzelfen ebenso ausgebildet, wie für den Kampf in einer Schlachtformation, vielleicht sogar noch besser. Und Erithor hat Recht – besonders die Spriggan-Brigarde ist nicht nur fürs Aufklären und Beobachten zuständig, sie sind Elitekämpfer … und manchmal auch Meuchelmörder. Aber Grinda will keine Ländereien erobern, sondern lediglich die sich ausbreitenden Menschen aus Maldoria soweit zurück drängen, dass auch die Schwarzelfen und die ihrem Reich untergebenen Dunkelelfen-Stämme der Schwarzbergler und Schattenelfen überleben können. Er will den Menschen durch eine unsichtbare oder vielleicht auch sichtbare Bedrohung die Berge und deren Vorland madig machen…
Ein guter Plan. Ob er Erfolg haben wird, wird sich zeigen.

ooo

Irgendwo im Reich der Bergriesen, in einem düsteren Palast in Utgard: Ein bildhübscher Gott in zerfetztem, schwarzem Gewand sitzt in seinem verwüsteten Thronsaal. Ketten und Seile binden seine Hände und Füße, so dass er seinen steinernen und mit Schlangen verzierten Thron nicht verlassen kann. Doch so traurig, wie sein Dasein, so bösartig scheint auch der Gott zu sein. Die Haut des Schönlings ist gebräunt und seine pechschwarzen Haare glänzen seidig, sein Gesicht trägt hin und wieder liebevolle, weibliche Züge, doch meist funkeln seine dunklen Augen verschlagen und sein Mund lächelt fast unablässig das falsche Lächeln einer Hyäne.
Dann bricht ein Tapsen die Totenstille im Saal. Eine Göttin in Schwarz tritt vor den Gefesselten. Ihre dunklen Haare trägt sie hochgesteckt und die Ärmel ihres Gewandes sind mit Bändern gebunden wie bei einer Kriegerprinzessin. Nun legt der gefesselte Gott einen nichtssagenden Gesichtsausdruck auf und sieht die Besucherin lange und intensiv an.

Loki: „Schön, dich zu sehen, Urd…“
Urd: „Plagt dich die Einsamkeit in der Verbannung, oder warum hast du nach mir geschickt, Loki?“
Loki: „Ich mache mir Gedanken um die Welt.“
Urd: „Das ist eigentlich meine Aufgabe – und die der anderen Götter...“
Loki: „Ich meine nicht die Welt der Sterblichen … ich meine die Welt der Götter. Es ist ruhig geworden, findest du nicht auch, Urd?“
Urd: „Was willst du damit sagen?“
Loki: „Sieh dich um. Ihr habt es euch so schön eingerichtet in Asgard. Doch es gibt nur noch Stillstand, das religiöse Konstrukt der Asen hat seinen Zenit überschritten. Die Zeit wird voranschreiten und auch der Lauf der Dinge muss vorwärts gehen. Der Glaube der Menschen wandeln sich. Wer betet heute noch zu Sonne und Mond? Wer verehrt Thor und Odin? Mit dem Glauben werden auch die Asen untergehen. Wir alle werden untergehen ... in Feuer und Blut. Der Wandel wird kommen – unweigerlich – und das wisst ihr alle. ...aber Wandel bedeutet, dass die Mächtigen ihre Macht verlieren und die Namenlosen aus ihrer Bedeutungslosigkeit empor steigen. Das ist das, wovor ihr euch in Asgard so sehr fürchtet. Liege ich richtig? Aber es sind nur Namen, die sterben – wir selbst werden als Gottheiten oder Dämonen eines anderen Glaubens weiterleben. So war es immer und so wird es auch dieses Mal sein. Ohne das Ende gibt es keine Erneuerung...“
Urd (genervt): „Und du lässt mich kommen, um mir diese nicht ganz so neue Erkenntnis mitzuteilen? … Und was wird deine Rolle in einer neuen Weltordnung sein?“
Loki (lacht): „Du weißt doch, dass ich als Aschmodai über 72 Legionen von Dämonen befehle – das wird meine Zukunft sein.“
Urd (abfällig): „Wie du meinst. … Nun komm aber endlich zur Sache! Oder hörst du dich gerne selbst reden?“
Loki (beschwichtigend): „Nein, nein. Du hast Recht, ich schweife ab… Ich habe nach dir geschickt um dich zu fragen, ob du es gut heißen kannst, dass die Götter Asgards nun schon über Glück und Unglück von Elementargeistern entscheiden… Das ist doch nicht richtig, oder?“
Urd: „Wie meinst du das?“
Loki: „Mir ist zu Ohren gekommen, dass Heimdall einen Halbdämon, einen Undine-Mischling, den Totengöttern überantwortet hat… Aber sollte denn über solch ein Wesen mit den gleichen Maßstäben gerichtet werden, wie über einen einfachen Sterblichen? Ich denke, die Angelegenheit geht auch die Elementargeister etwas an. Zumindest Nykura sollte doch erfahren, was aus ihrem Sohn geworden ist. Oder etwa nicht? “
Urd: „Er hat sich selbst dafür entschieden.“
Loki (seufzt): „Er war benebelt von Heimdalls süßem Geschenk… Denk nicht, dass ich nicht davon weiß… Ich glaube trotzdem nicht, dass die Sache so läuft, wie sie laufen sollte… Urd, ich bitte dich – lass nicht zu, dass alles durcheinander gerät!“

Urd entgegnet dem düsteren Gott darauf nichts. Sie dreht sich um und verlässt wortlos den Saal. Als die Göttin gegangen ist, breitet sich wieder ein fieses Grinsen über Lokis Gesicht aus.
Die Saat des Zweifels ist gesät… Es steht außer Frage, dass seine Worte an Urd nagen und, dass die Schicksalsgöttin handeln wird. Nun braucht es nur noch eine Kleinigkeit, um etwas Streit zu stiften – zwischen den Welten, zwischen den Reichen, vielleicht sogar zwischen den Göttern selbst…

ooo

Im >Schmiedehof

Erithor (seufzt): „Und was seine Entscheidung angeht: Mutter ist tot!“
Juris (schockiert): „Prinzessin Ellnora! Was ist passiert?“
Erithor: „Es war in den steinernen Gärten von Seth … Menschen haben sie mit einem Armbrustpfeil erschossen. Es war aber wohl ein Unfall.“
Der junge Schwarzelf kämpft nun gegen die Tränen. Juris legt seinen Arm um dessen Schultern und drückt ihn an sich. Und auch Colin und Sonja, die schweigend gelauscht hatte, sind sichtlich berührt.
Juris (erschüttert): „So weit in unserem Reich?! Die arme Prinzessin… (sanft) Und deshalb bist du weggelaufen…“
Erithor: „So ähnlich… Ein paar Tage nach Mutters Totenfeier hab ich es nicht mehr ausgehalten. Vater hat sich seit Mutters Tod jeden Tag betrunken. Da hab ich mir mein Pferd geschnappt und bin einfach drauf los geritten… Als ich so unterwegs war, hab ich mich daran erinnert, dass du auch nicht zurück gekommen bist und mir vorgenommen, dich zu suchen. … Aber eigentlich wollte ich nur noch weg.“
Juris: „Jetzt hast du mich ja gefunden. Und nun?“
Erithor: „Ich weiß es nicht. Es gehört sich als Mitglied der königlichen Familie nicht, einfach so davon zu laufen. Sicher macht sich Vater Sorgen … und bestimmt suchen sie nach mir – oder auch nicht, sonst hätten sie mich doch längst nachhause gebracht. (deprimiert) Ich bin eben nicht wichtig genug ... in der Thronfolge stehe ich ja ganz weit unten. Als Bote bin ich gut, aber nach denen sucht man ja nicht, wenn sie … verloren … gehen.“
Juris seufzt erneut und auch Colin und Sonja blicken sorgenvoll auf den jungen Schwarzelfen.
Juris: „Sicher vertrauen sie auf deine Fähigkeiten. Und auf deinen gesunden Elfenverstand, wieder nachhause zurück zu kommen.“
Erithor: „Ich habe Angst, ihnen jetzt noch unter die Augen zu treten – immerhin bin ich schon seit vielen Wochen unterwegs.“
Juris (aufmunternd): „Hast dich scheinbar aber gut durchgeschlagen…“
Erithor (hebt den Kopf): „Bin eben zäh...“
Zuhause! Auch Juris hat Angehörige, die sich sicher Sorgen machen. Und auch Juris ist doch irgendwie davon gelaufen – vor seiner arrangierten Hochzeit mit seiner Halbschwester...
Juris: „Wie geht es meiner Schwester Lumiel? Und … meinen Eltern?“
Erithor (entschuldigend): „Ich weiß es nicht. Tut mir leid.“
Juris: „Schon gut … du bist lange unterwegs. Leg dich hin und ruh dich etwas aus. Du kannst meine Matratze haben.“
Erithors schwarze Augen strahlen Dankbarkeit aus, trotzdem wirkt er traurig und bedrückt. Tatsächlich möchte er nur noch nachhause – und das schon lange. Aber er hat vor der Strafe für sein Weglaufen … Angst, sich dem ganzen stellen zu müssen – auch den Vorwürfen seines Vaters und des Königs, die sie ihm ganz zu Recht machen wird… Doch jetzt ist erst einmal alles gut. Er hat Juris gefunden und er hat Gefährten, die ihn mit offenen Armen aufnehmen.

ooo


Während Erithor sich die Stiefel auszieht und seinen Umhang ablegt, fällt Colins Blick auf dessen Köcher und die schwarz gefiederten Pfeile – lediglich zwei von ihnen besitzt der junge Elf noch. Colin nimmt einen der beiden Pfeile heraus und betrachtet ihn eingehend. Die Pfeile der Schwarzelfen sind etwas anders als die der Waldelfen, wohingegen Erithors Bogen dem gleicht, den er selbst besessen hatte … bevor Sonja einen Bogen aus Thorneburg mitgebracht hatte. Im Gegensatz zu den Jagdpfeilen der Waldelfen und Menschen sind die Federn der Schwarzelfen-Pfeile schwarz, ihre Spitze ist dicker und der ebenfalls geschwärzte Schaft etwas kürzer. Die Schwarzelfen besitzen neben den Jagdbögen aber auch Langbögen für den Krieg.
Colin (zu Juris): „Sag mal Juris, warum besitzt du eigentlich keinen Bogen?“
Juris: „Der Bogen ist eine Frauenwaffe…“
Erithor (empört): „Er ist die Waffe des Adels und der Jäger!“
Juris (amüsiert): „...und die der Frauen. Nein, im Ernst. Ich hab nie wirklich Bogenschießen gelernt. Bin eher der Nahkampf-Typ. Und als Bote kämpft man ja sowieso eher weniger…“
Colin weiß genau, dass Juris auch ganz passabel schießen kann, wenn es nötig ist – immerhin hat er auf ihrem Weg nach Enoria mit Colins Bogen Wild erlegt. An Aivens Treffsicherheit und Zielgenauigkeit kommt er natürlich nicht heran. Juris große Stärke liegt aber tatsächlich im Anschleichen und Fallenstellen...
Erithor: „Ja, du hast ja Recht. Der Bogen ist die Waffe der Frauen. Aber die Frauen haben mit ihren Langbögen so manche historische Schlacht entschieden…“
Juris (nachdenklich): „Das stimmt wohl...“

ooo


Es ist mitten im Tag, aber der junge Schwarzelf ist dann doch irgendwann über seiner Erschöpfung eingeschlafen. Sonja hat sich bereit erklärt, bei ihm zu wachen – sie hat ja sowieso nichts anderes vor. Sie könnte zwar die Gasthäuser und Schankstuben abklappern und sich um eine Arbeit bemühen … aber irgendwie fehlt ihr die rechte Lust dazu. Außerdem hat Juris die Befürchtung geäußert, Erithor könnte die Abwesenheit aller nutzen, um sich aus dem Staub zu machen – nicht, weil er ihre Gastfreundschaft mit Füßen treten oder sie hintergehen möchte, sondern weil er fürchten muss, gefunden zu werden, wenn er sich zu lange an ein und dem selben Ort aufhält.

Colin und Juris sind aufgebrochen, um einen Käufer für die beiden Pferde zu finden, die sie von Lusien bekommen haben. Es dürfte nicht leicht werden, die Gäule los zu werden, denn der Viehmarkt findet erst am Samstag statt – also in drei Tagen. Außerhalb des Viehmarkts eine Genehmigung für das Feilbieten eines Tieres zu bekommen, das größer als ein Huhn ist, dürfte fast unmöglich sein. ...vor allem für zwei Elfen, die erst vor einem knappen Jahr für Aufruhr in der Stadt gesorgt haben. Sonja weiß das nur zu genau – und die beiden sollten es eigentlich auch wissen… Die beiden Männer versuchen ihr Glück trotzdem. Vielleicht bekommen sie zumindest einen Standplatz für den Samstag.
Die andere Möglichkeit wäre dann nur noch, die beiden Pferde an den Abdecker zu verkaufen. Und das wollen sie alle nicht – nicht nur wegen dem viel zu geringen Preis, den sie für die guten Pferde bekommen würden, sondern vor allem zum Wohl der Tiere...

Gegen Nachmittag erwacht Erithor und findet sich mit Sonja alleine im Zimmer. Die Situation ist ihm irgendwie unangenehm … schon alleine die Tatsache, dass sein Körper sich ungeziemlich verhält und ihn mit einer gewaltigen Erektion aufwachen lässt. Und dann der Umstand, dass er mit einer Frau alleine auf dem Zimmer eines herunter gekommenen und zwielichtigen Gasthauses ist. Es ist wie in diesen Geschichten, die sich die älteren Elfen über die Zustände in Menschensiedlungen erzählen und dabei laut und dreckig lachen … diese Geschichten, die er als Enkel des Königs nie mit anhören durfte, wenn sie im Pferdestall die Runde machten … diese Geschichten, für die er lange Zeit immer zu jung gewesen war, und deren Inhalt er nun kennt, jetzt, da er volljährig ist.

Sonja: „Alles in Ordnung mit dir?“
Erithor (stammelt): „Ähm, ja… alles in Ordnung.“
Sonja (besorgt): „Du guckst so verstört. Hast du schlecht geschlafen?“
Erithor (beschämt): „Nein… eher im Gegenteil…“

Der junge Elf schämt sich ein bisschen dafür, dass er solch schmutzigen Gedanken in Anwesenheit einer Frau hat – dabei kann Sonja nicht einmal in seinen Kopf schauen und weiß deshalb auch gar nicht, welche Bilder aus seinen Träumen ihn gerade beschäftigen. Und den Rest verhüllt die Decke, in die er sich eingekuschelt hat…
Er schämt sich aber auch dafür, dass er Sonja indirekt solche schändlichen Dinge unterstellt … nur weil sie ein Mensch ist. Und er schämt sich vor allem dafür, dass er überhaupt solche Gedanken hat – wo er doch noch immer um seine Mutter trauern müsste … was er ja auch tut, wenn sein Körper ihm nicht gerade dazwischen funkt … oder er in Sorge ist, gefunden zu werden, oder zu verhungern, oder nachts vor Wölfen gefressen zu werden … oder überfallen…
Es gibt viele Gründe, nicht an den Tod seiner Mutter zu denken. Das war ja auch der Grund, weshalb er weggelaufen ist – um nicht mehr daran denken zu müssen. Aber es ändert nichts an ihrem Tod...
Sonja bemerkt den Blick des jungen Schwarzelfen, fragt aber nicht weiter nach, um ihn nicht noch mehr zu verunsichern.

ooo


Derweilen auf einer Lichtung in einem Wald in Asgard: Nuriel wandert zwischen den Baumstämmen hin und her. Kaltes und unwirkliches Licht fällt durch die Kronen der Bäume. Es ist totenstill. Der Feuergeist hat die Gestalt einer Frau angenommen, denn in Asgard ist es nicht unüblich, sich in Menschengestalt zu zeigen. Nuriel ist barfuß und trägt ein langes, wallendes und blütenweißes Kleid. Ihre feuerroten Haare wallen in üppigen Wellen über ihren Rücken und reichen bis zu den Fußknöcheln herab. Ein leises Knistern in der Haarpracht verrät ihre Feuernatur.
Nuriel ist nicht zufällig hier in diesem verwunschenen Wald unterwegs, der sich zwischen den Palästen der Götter und der Totenhalle Walhalla erstreckt. Sie wurde hierher gerufen, doch die Wesenheit zu der Stimme hat sich noch nicht gezeigt.
Dann dringt ein Flüstern an Nuriels Ohr und kurz darauf taucht eine Frau zwischen den Bäumen auf. Im ersten Moment erscheint sie wie eine weißhaarige Elfenfrau, doch als sie näher kommt, verschwimmt ihr Bild und nun scheint es eher ein schwarzhaarige Kriegerin zu sein und dann eine strahlende Göttin mit blondem Haar. Auch ihre Gewand, das in seiner Form dem von Heimdall ähnelt, wechselt die Farbe von zartem violett über schwarz nach grün.

Nuriel: „Du kannst dich wohl mal wieder nicht entscheiden, Urd.“
Urd: „Frech wie immer. Ihr Elementarwesen seid einfach respektlos… Am meisten von euch das Feuer... Nuriel, du weißt genau, dass ich eine Dreiheit bin – das Schicksal, das Werden und das Sein … oder Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.“
Nuriel (entschuldigend): „So war das doch gar nicht gemeint. … Und ich weiß, wer du bist, Norne. Was willst du von mir? Warum hast du mich hierher bestellt?“
Urd: „Nuriel, ich brauche deine Hilfe als Salamander. Und nicht nur deine. Du musst Stillschweigen über meine Absichten bewahren – auch Heimdall darf es nicht wissen. Vorerst zumindest. … Aber ich werde dir alles erklären.“
Nuriel: „Na wenn das so ist…“

Urd hat sich inzwischen für die Gestalt der blondgelockten Göttin in grünen Gewändern entschieden. Sie ist an Nuriel heran getreten und greift nach deren Hand. Der Feuergeist lässt sich gerne von der mädchenhaft strahlenden Schicksalsgöttin in die Tiefen des Waldes entführen, um in deren geradezu verschwörerischen Plan eingeweiht zu werden. Nuriels Leben in Heimdalls Palast ist mal üppig und verschwenderisch, mal lustvoll und zeitlos leichtsinnig… aber im Gegensatz zu dem des Mondgottes zeitweilig auch sehr langweilig. Zumindest für ihren Geschmack. Nuriel begrüßt also sichtlich die Abwechslung, die sich ihr nun bietet und freut sich wie ein Kind über Urds Einladung zu diesem konspirativen Treffen.

ooo

Zur selben Zeit im Höllenverlies Tartaros: Belija kauert noch immer in seiner Zelle, die mehr an einen Käfig erinnert … und wartet. Er sieht zum Feuer und beobachtet, wie die Flammen lodern. Ist das Warten auf seine Folter die eigentliche Strafe? Wie lange soll er noch so warten – ohne Hoffnung auf Erlösung und immer in der Angst, dass die höllischen Folterknechte ihn holen werden? Wie lange soll er noch den Schreien der anderen lauschen?

Auch nach Tagen gibt es kein Wasser und kein Brot– oder sind schon Monate vergangen? Belija hungert, aber er verhungert nicht. Er hat Durst, aber er verdurstet nicht. Tag und Nacht sind gleich. Tag und Nacht erfüllen die tausendfachen Schreie der Gefolterten den gewaltigen, nach oben offenen Raum, lodert das unerbittliche Feuer in einen endlosen, schwarzen Himmel. Und niemand spricht mit ihm…
Tag und Nacht huschen Schatten über den schmalen, geländerlosen Steg vor den Zellen. Sie holen sich einen nach dem anderen und bringen ihn irgendwann zurück – noch mehr gebrochen und geschundener als zuvor. Sterben kann hier niemand, denn sie sind bereits alle tot. Hier kann man nur büßen.
Niemand hier hat ein Gesicht und Belija fragt sich, ob er selbst noch eines hat. Er fragt sich, wann er selbst an der Reihe ist, gefoltert zu werden und die Strafe für sein schädliches und sündiges Leben zu empfangen … und er fürchtet sich davor.
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