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Colin - Eine Elfen-Welten-Helden-Saga

von Federfaun
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Mix
Elben & Elfen Engel & Dämonen
08.01.2022
22.01.2022
3
11.161
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15.01.2022 4.297
 
Gute tausend Jahre später. Irgendwo zwischen Dürning und Thorneburg: Colin steht alleine auf einer Lichtung mitten im Wald – er muss heute eine Prüfung ablegen. Es ist relativ früh am Tag und die Morgensonne lässt die Blätter der Bäume, die Farne und die Moosteppiche in zartem Licht erstrahlen. Colin ist ein typischer Waldelf mit schulterlangen weißen Haaren und leuchtend eisblauen Augen. Seine Haut ist blass und sein Gesicht so schön und edel, wie das jedes Elfen. Er trägt ein weißes Hemd, eine braune Hose mit Gürtel, Lederstiefel und einen braunen Umhang mit großer Kapuze.
Colin zielt mit dem gespannten Langbogen konzentriert auf einen prächtigen Hirsch, der im Wald zwischen den Bäumen steht. Nach ein paar Augenblicken der Einschätzung und Abwägung, schießt er den Pfeil ab. Doch dieser verfehlt sein Ziel. Der Hirsch schreckt auf und verschwindet mit einigem Radau und Geblöke tiefer im Wald. Die panische Flucht des Tieres lässt ein paar Vögel in den Bäumen aufschrecken und Colin seufzt. Das war ja so klar...

Kurz darauf treten weitere ebenso schöne, weißhaarige Elfen in Jagdkleidung hinter Colin aus dem Wald und gesellen sich zu ihm: Aiven, ein älterer Elfenmann, Anführer der Jäger und Mitglied des Hohen Rates, die Elfenfrauen Olwen und Keena und der Elfenjunge Darin, der einen toten Hasen an seinem Gürtel trägt.
Aiven (zu Colin): „Ach Colin, schon wieder daneben… Du lernst es wohl nie, oder?“
Colin dreht sich zu Aiven und den anderen um und senkt den Blick. Er weiß, dass er in dieser Hinsicht eine Niete ist. Eigentlich ist er das in jeder Hinsicht.
Olwen: „Damit wäre die Prüfung wohl beendet. Und nicht bestanden… Wie immer...“
Colin: „Du weißt doch, dass ich nicht gut im Bogenschießen bin...“
Keena (zu Colin): „Du bist nie in etwas gut… Selbst Kinder schaffen es, ein Ziel zu treffen. Wie willst du später deine Familie und unser Dorf versorgen, wenn du keinen Erfolg bei der Jagd hast?“
Colin sieht beschämt zu Boden, da er Keenas vorwurfsvollem Blick nicht standhalten kann. Er weiß doch selbst, dass er ein Versager ist – es ist nicht nötig, dass alle anderen ihm das immer wieder mit Worten und Blicken sagen. Die Elfenfrau baut sich vor ihm auf und wirft ihr langes, weißes Haar nach hinten. Sie strahlt trotz ihrer einfachen Kleidung vor Schönheit und Eleganz und ihre blauen Augen leuchten voller Stärke und Selbstvertrauen. Sie ist ganz das, was man sich gemeinhin unter einer Elfe vorstellt.
Keena (stichelnd): „...oder wirst du dir eine Frau nehmen, die diese Aufgabe übernimmt?“
Colin wird rot und Olwen kichert amüsiert. Die beiden Frauen wissen genau, dass er auf sie steht und ziehen ihn immer wieder damit auf. Darin guckt mit fragendem Blick von einem zum anderen – von den Angelegenheiten der Erwachsenen versteht er noch nicht viel.
Aiven (in die Runde): „Lasst uns gehen… Immerhin hat sich Darin gut geschlagen.“

Die Elfen machen sich nach diesem Reinfall in Sachen Jagdprüfung wieder auf den Weg zurück ins Dorf. Keena, Olwen und Darin gehen voraus und die beiden Frauen tuscheln miteinander. Der Junge versucht ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen, indem der aufgeregt über den toten Hasen redet, doch für die beiden Frauen scheint es gerade wichtigere Dinge zu geben.
Colin trottet mit gesenktem Kopf an Aivens Seite hinter ihnen her.
Aiven: „Du bist als Jäger ziemlich nutzlos, Colin. Ich gebe es auf, dich zu unterrichten… Ich frage mich manchmal, ob du überhaupt zu irgendetwas zu gebrauchen bist. Du schaffst es wirklich, alles was du anpackst daneben gehen zu lassen.“
Colin schweigt betreten.
Aiven: „...aber wir finden schon eine erfüllende Aufgabe für dich. Ich bin mir sicher, dass es irgend etwas gibt, das du beherrscht. Oder zumindest etwas, wobei du dich nützlich machen kannst...“
Colin: „Im Handwerk bin ich auch nicht gut, das wisst Ihr selbst… Und wie Ihr bereits gesagt habt – ich bin einfach ungeschickt und wenn ich etwas anfange, dann endet es nicht selten im Chaos...“
Aiven: „...und das ist mir nicht erst seit gestern bekannt. Ich denke, du bist einfach zu unkonzentriert. … Machen dir denn wenigstens deine derzeitigen Aufgaben Spaß?“
Colin: „Gemüse putzen? Nicht wirklich. Tiere zerteilen und Schlachtabfälle entsorgen? Absolut nein. Die Hühner versorgen? Schon eher … immerhin reden sie nicht über mich...“
Aiven: „Das tun Gemüse und Fleisch auch nicht...“
Colin schweigt und auch Aiven hat nichts mehr zu sagen.

ooo

Es ist Abend geworden. Auf dem Festplatz nahe dem Elfendorf begeht die Gemeinschaft heute ein heiliges Fest – der Hohe Rat hat die junge Elfenfrau Eara für die nächsten 12 Jahre als Braut für den Mondgott Heimdall gewählt. Das ganze Elfen-Dorf hat sich bereits versammel um die neue Braut zu ehren und das Opferritual zu feiern. Der Festplatz ist geschmückt mit Blumen, Efeuranken und glitzernden Girlanden aus Morgentau. Zarte Musik ist zu hören und einige Elfen-Frauen in halbdurchsichtigen, weißen Kleidern tanzen bereits.
Auch Colin ist gekommen. Er trägt, wie alle männlichen Elfen, ein langes weißes Tunika-Hemd, eine eng anliegende, hellbraune Hose und einen weißen Umhang mit grün-blauem Glanz – nur, dass sein Umhang am Saum zerrissen ist, weil er eine nicht ganz so schöne Abkürzung zum Festplatz genommen hat. Der feine, leichte Stoff hat sich irgendwo in den Zweigen der Büsche verfangen... Ein paar Elfen rollen mit den Augen, als sie Colin so sehen.

Da sich Colin unter den Blicken der anderen Elfen unwohl fühlt, stellt er sich irgendwo an den Rand und sieht den Mädchen und Frauen beim Tanzen zu. Er hasst solche Feierlichkeiten, aber es ist die Pflicht jedes Elfen, an den heiligen Ritualen und Festen teilzunehmen. Was soll er also machen...?
Plötzlich kommt Darin auf ihn zu.
Darin: „Bist du traurig wegen heute Morgen?“
Colin: „Nein, bin ich nicht.
Darin: „Aber du siehst traurig aus...“
Colin: „Bin ich aber nicht. Mein Gesicht ist halt so. Außerdem ist es für mich nichts Neues, dass ich irgendwas nicht schaffe...“
Darin: „Keena hat gesagt, dass du ein Vollidiot bist. Aber ich finde dich lustig… Nur heute nicht. Heute siehst du traurig aus.“
Colin (lächelt): „Mach dir wegen mir keine Sorgen, Darin. Geh lieber wieder zu den anderen und amüsier dich.“
Darin sieht Colin nachdenklich an und geht dann langsam zurück zu den feiernden Elfen. Eigentlich würde er lieber bei Colin bleiben und ihn trösten – oder etwas lustiges mit ihm spielen.
Olwen (aus dem Hintergrund): „Da steckst du ja! Ich habe überall nach dir gesucht...“
Colin (sarkastisch): „Als würde irgendjemand je nach mir suchen...“
Olwen: „Du solltest dich doch um das schmutzige Geschirr kümmern...“
Colin (seufzt): „Stimmt, da war ja was… Lasst den Trottel Colin hinter den Zelten die Becher spülen, damit er keinen Schaden anrichten kann und die anderen mit seinem Anblick nicht beim Feiern stört...“
Olwen: „Jetzt komm schon, Keena ist auch da. Sie wartet schon...“
Colin (sarkastisch): „Na toll… Ich bin begeistert...“
Colin trottet schweigend hinter einer ziemlich genervten Olwen her, während sie zu den Schankzelten gehen.

ooo

Colin macht erst spät in der Nacht Pause. Er weiß, dass Keena und Olwen schon den ganzen Abend über ihn tuscheln – das tun sie ja eigentlich immer. Irgendwie hasst er die beiden dafür. Auf der anderen Seite sind die beiden Elfenfrauen äußerst hübsch und er hätte schon Interesse, mit einer von ihnen… Oder gerne auch mit beiden. Doch das wird wohl immer nur sein Traum bleiben. Genau wie jeder andere Traum, in dem eine Frau vorkommt. Und warum gerade sie? Ausgerechnet die beiden, die immer da sind, wenn er etwas Dummes macht oder vor allen Anwesenden irgendetwas versaut! Ausgerechnet die beiden, die immer kichern, wenn sie in seiner Nähe sind! Aber was soll er machen – er fühlt sich eben zu ihnen hingezogen, auch wenn sie ihn mit ihrem Verhalten ständig verletzen…
Colin hat seinen unpraktischen Umhang im Schankzelt zurück gelassen und schleicht durch das Halbdunkel des nächtlichen Waldes. Er sucht einen ruhigen Platz, um endlich den Druck los zu werden. Er hat den halben Abend den süßen Hintern von Keena vor Augen gehabt und bewundert wie ihr langes Haar im Licht des Vollmondes seidig glitzert. Er hat beobachtet wie ihre zarten Hände liebevoll die Becher polieren und sich dabei vorgestellt, es wären nicht die Becher, die da poliert werden… Sein Schwanz drückt schon eine ganze Weile hart gegen die enge Hose und Colin ist froh, dass das lange Hemd die verräterische Beule verdeckt. Na ja, er hofft es zumindest. Er muss diesen Druck loswerden, sonst… Sonst saut er sich womöglich völlig ein – und das vor Keenas und Olwens Augen!

Doch Colin ist nicht alleine im Wald. Es raschelt und knackt verdächtig– da schleicht noch jemand verstohlen durchs Gebüsch.
Darin (voller Freude): „Colin? Bist du das?“
Colin (genervt): „Darin? Was machst du hier draußen im Dunkeln? Solltest du nicht bei deinen Eltern sein?“
Darin (verlegen): „Ja, schon...“
Colin: „Dann geh wieder zu ihnen, sie machen sich sonst noch Sorgen.“
Darin: „Ich will aber lieber bei dir sein...“
Colin: „Aber ich…ähm... Ich muss mal.“
Darin: „Warum gehst du dann nicht da, wo alle gehen?“
Colin: „Da ist es mir zu voll...“
Darin: „Okay. Ich dreh mich um und pass auf, dass keiner guckt.“
Colin: „Das ist lieb von dir, aber…
Colin weiß genau, dass er jetzt nicht einmal in der Lage wäre, so zu tun als würde er pinkeln. Und wenn er erst einmal seinen Schwanz ausgepackt hätte und… Nein, so etwas kann er doch nicht in Anwesenheit eines Kindes tun! Unmöglich!
Colin: „Ich kann nicht… Ich möchte jetzt lieber alleine sein. Ich wollte nämlich eigentlich Erwachsenenkram machen...“
Darin: „Ach so… Zeigst du mir, wie das geht? Ich will auch erwachsen sein.“
Colin (flüstert): „Darin, ich will mir einen runterholen…!“
Darin (frech): „Ich weiß. Ich bin doch kein kleines Kind mehr!“
Colin sagt darauf nichts. Seine Erregung hat inzwischen zwar etwas nachgelassen, aber er weiß genau, dass er den restlichen Abend an Keenas Seite nicht unbeschadet überstehen wird, wenn er diesen Druck nicht abbaut.

Und so ergreift er die Flucht. Er lässt Darin einfach alleine im Wald stehen und verschwindet hastig zwischen den Bäumen. Er muss dringend einen ungestörten Ort finden…
Und er findet schließlich tief im Wald eher durch Zufall einen Felsspalt, der von Moos und Farnen verdeckt ist. Am Fuß des Spalts ergießt sich ein Rinnsal in den Waldboden. Dieser Ort scheint ihm geeignet zu sein, also zwängt er sich durch den schmalen Spalt und findet sich in einer kleinen Höhle wieder, in der eine Quelle entspringt. Dicht über dem befestigten Becken, in dem sich das Wasser sammelt, schwebt eine rote faustgroße, kugelige Flamme. Auf die Wänden der Höhle sind kaum erkennbar mystische Zeichen gemalt. Als Colin näher tritt, beginnen sie bläulich zu leuchten. Einige Teile der Wände sind abgebröckelt und die elbischen Worte und Beschwörungsformeln sind unvollständig und teilweise kaum noch lesbar. Colin schenkt den Worten keine Beachtung und setzt sich auf den Rand des Wasserbeckens, um sich endlich zu befriedigen. Er öffnet die Hose und befreit seinen steifen Schwanz aus dem engen Gefängnis. Dann bringt er mit schnellen Bewegungen und mit unterdrücktem Stöhnen das zu Ende, was sich schon den ganzen Abend lang angekündigt hatte.
Gerade als er fertig ist, platzt Darin herein. Colin erschreckt sich fast zu Tode, fällt beinahe rückwärts ins Quellbecken und reißt mit einer rudernden Armbewegung die Flamme vom Wasser. Sie zügelt an seinem Hemd entlang und beginnt sich schnell auszubreiten. Darin schreit erschrocken auf. Colin versucht sein scheinbar brennendes Hemd zu löschen, doch die Flamme läuft wie ein Tropfbrand an seinem Körper hinunter bis zum Boden und schießt wie ein Kugelblitz aus der Höhle. Die beiden Elfen sind starr vor Schreck und sehen sich ungläubig an. Colins Kleidung ist an der Stelle, wo ihn die Flamme berührt hat zwar etwas rußgeschwärzt, aber nicht verbrannt.

Darin (unsicher): „Was war das?“
Colin: „Nichts Gutes, fürchte ich… Wir müssen ihm nach! Schnell!“
Darin: „Colin … deine Hose ist noch offen...“
Colin wird rot, aber zum Glück ist es dunkel in der Höhle, jetzt wo die Flamme nicht mehr hier ist. Er packt in Eile alles weg, was da noch baumelt, wisch sich die Finger am Hemd ab und folgt Darin, der in seinem Eifer schon voraus geeilt ist. Sie rennen dem Feuerball hinterher und jagen ihn durch den Wald. Doch der ist verdammt schnell.
Darin (außer Atem): Wohin will das Ding?“
Colin (ebenfalls keuchend): „Ich weiß nicht genau… Zum Heimdall-Schrein, vielleicht. Die Richtung könnte passen.“
Colin und Darin rennen so schnell sie können durch den düsteren Wald, doch sie kommen nicht so schnell voran wie sie möchten und verlieren den Feuerball bald aus den Augen. Auf gut Glück laufen sie aber trotzdem weiter Richtung Schrein...

Als sie dort ankommen, steht das Heiligtum des Mondgottes lichterloh in Flammen. Das Knacken und Bersten von Holz ist zu hören, Funkenschweife tanzen mit den Flammen in den Nachthimmel und die Hitze des Feuers schlägt ihnen schon aus einiger Entfernung entgegen. Ein kleines Mädchen mit knöchellangen, feuerroten Haaren steht vor dem Inferno und scheint dieses mit ausgestreckten Händen zu kontrollieren.
Colin (zu Darin): „Lauf zum Festplatz und hol Hilfe! Und beeil dich!“
Darin zögert keine Sekunde und läuft los, obwohl seine Beine bereits schmerzen.
Als der Junge weg ist, steht Colin noch immer tatenlos da. Das rothaarige Mädchen dreht sich um und ihre Augen glühen rot.
Mädchen (mit tiefer, verzerrter Stimme): „Bleib weg von mir, sonst muss ich dir weh tun. (etwas sanfter)...und das möchte ich nicht.“
Dann wird das kleine Mädchen zu einer schwebenden Flamme die kurz darauf in tausend Funken zerplatzt, die sich zerstreuen und schließlich verschwinden. Colin sinkt verzweifelt auf die Knie. Er kann alleine nichts gegen das Feuer ausrichten und muss tatenlos zusehen, wie das Heiligste der Elfen ein Raub der Flammen wird.

Darin hat inzwischen völlig außer Atem den Festplatz erreicht. Seine Beine zittern und drohen zu versagen. Sein ganzer Körper zittert…
Die Elfen-Räte Aiven und Lusien sind die ersten beiden, die er noch nüchtern antrifft.
Darin (atemlos und aufgewühlt): „Kommt schnell! Der Schrein brennt! Colin ist auch da...“
Aiven (seufzt): „Colin…“

ooo

Am nächsten Tag nahe dem Elfendorf: In den frühen Morgenstunden hat es geregnet und auf dem festgestampften Thingplatz unter der Linde stehen Pfützen. Lediglich ein kleiner Bereich direkt unter dem heiligen Baum ist trocken geblieben und eben hier im Trockenen hat sich der siebenköpfige Hohe Rat der Elfen versammelt – alle Ratsmitglieder tragen ihre weißen Festtags-Gewänder und als Zeichen der Trauer über die Katastrophe der letzten Nacht haben sie die Kapuzen ihrer Umhänge weit ins Gesicht gezogen. Die Elfen halten Gericht über Colin, denn die Zerstörung des Schreins wird ihm alleine zur Last gelegt. Der Angeklagte trägt seine Alltagskleidung und steht stumm und mit gesenktem Kopf in der Mitte das Platzes – und in der Mitte der Aufmerksamkeit aller Anwesenden. Colin fühlt sich miserabel; diesmal hat er wirklich richtig Scheiße gebaut. Ein gutes Stück neben ihm stehen Darin und dessen Mutter. Der Rest der Elfen-Gemeinschaft hat sich im Halbkreis ein Stück weiter hinter ihnen versammelt. Sie alle tragen ebenfalls Trauerkleidung.

Ratssprecher:Wir sind heute zusammen gekommen, um über den Angeklagten Colin zu urteilen. Der Sachverhalt ist klar und so wird diese Versammlung nicht lange dauern. Trotzdem soll jede Stimme gehört werden, die gehört werden will. So verlangt es unser Gesetz. … Colins unzählige vorausgegangene Fehltritte werden wir in diesem Verfahren außer Acht lassen.“
Lusien: „Colin, Sohn von Neera und Menowin, du wirst heute vor den Augen und Ohren der Götter und Elfen der Zerstörung des Heimdall-Schreins angeklagt. Möchtest du dazu etwas sagen?“
Colin (beschämt): „Nein...“
Rätin: „Darin, Sohn von Auriel und Edin, du bist gestern Nacht dabei gewesen. Erzähl uns, was passiert ist.“
Darin: „Colin war in einer Höhle. Er hat...“ Darin sieht unsicher zu Colin hinüber und dieser wirft ihm einen flehenden Blick zu. „...wir haben Verstecken gespielt. In der Höhle war eine Flamme und Colin ist dran gestoßen. Aber es war ein Versehen. Colin hat gebrannt und dann ist das Feuer aus der Höhle rausgezischt. Wir sind ihm nachgelaufen, aber der Schrein hat schon gebrannt als wir dort ankamen. Und da war so ein kleines Mädchen mit roten Haaren… Colin hat mich dann weg geschickt, damit ich Hilfe hole...“
Lusien: „Colin, möchtest du jetzt etwas dazu sagen?“
Colin (gequält): „Nein. Es ist so, wie Darin es geschildert hat.“
Lusien: „Also bist du für die Zerstörung des Schreins verantwortlich, richtig?“
Colin (mit erstickter Stimme): „Ja… irgendwie schon...“
Rätin: „Das Wohlwollen Heimdalls haben wir nun wohl verloren und es wird vielleicht Jahrzehnte dauern, wieder einen vergleichbaren Schrein aufzubauen und seine Gunst zurück zu gewinnen... Colin, du bist dir hoffentlich dessen bewusst, was du angerichtet hast! … Diesmal können wir kein Auge zudrücken. Du wirst verbannt!“
Darin (ruft verzweifelt): „Aber es war doch keine Absicht! Colin wollte den Feuergeist nicht befreien!“
Rätin (sanft zu Darin): „Nur weil man etwas nicht gewollt hat, kann man nicht seiner Strafe entgehen… Colin hat einen schlimmen Fehler gemacht und dafür muss er auch bestraft werden.“
Die hohe Rätin nickt den übrigen Mitgliedern des Rates zu und diese nicken zustimmend zurück.
Ratssprecher (tritt nach vorne): „So verkündige ich also das Urteil. Colin wurde vor den Augen und Ohren der Götter und Elfen des Verbrechens für schuldig befunden und wird rechtskräftig verbannt. Er hat noch bis zum Einbruch der Dunkelheit Zeit, dem nachzukommen. Sollte er sich widersetzen, dann…
Die Hohe Rätin zupft den Ratssprecher am Ärmel und unterbricht ihn damit.
Rätin (zum Ratssprecher): „Lass gut sein...“

Die Versammlung löst sich kurz darauf auf unter Gemurmel der Elfen-Gemeinschaft auf. Colin und der gesamte Hohe Rat bleiben am Thingplatz zurück, denn der Verurteilte bekommt, wie es in so einem Fall üblich ist, noch eine Tätowierung auf den Unterarm, die ihn Zeit seines Lebens als verbannten Verbrecher kennzeichnen wird.

Darin ist sichtlich geknickt, als er mit seiner Mutter den Platz verlässt. Er sieht sich mehrmals zu Colin um, der noch immer wie ein geprügelter Hund da steht und alles Weitere kommentarlos über sich ergehen lässt. Darins Mutter muss ihren Sohn beinahe weiterschieben, da dieser so langsam geht.
Mutter (ärgerlich, zu Darin): „Nun siehst du wo es endet. Ich habe dir nicht ohne Grund verboten, mit Colin Umgang zu haben!“
Darin (traurig): „Er hat es doch nicht mit Absicht gemacht...“
Mutter: „Mit Absicht oder nicht… das spielt doch keine Rolle. Er ist kein gutes Vorbild für dich. Was hast du dir eigentlich dabei gedacht!?“
Darin: „Aber ich mag Colin...“
Mutter: „Colin ist ein Taugenichts, ein Idiot. Ich weiß wirklich nicht, was du an ihm findest. Und er hat… er hat … komische Hobbys.“
Darin (flüstert): „Meinst du, weil er immer an sich rumspielt?“
Mutter (schockiert): „Bei allen Göttern und Geistern, wo hast du das her?! Ich hoffe, er hat dich nicht angefasst! “
Darin: „Ich habe es gesehen. Colin hat sich einen runtergeholt...“
Die Mutter sieht Darin mit weit aufgerissenen Augen an. Sie packt ihn an der Schulter und dreht ihn ruckartig zu sich, so dass er ihr ins Gesicht sehen muss. Darin schluckt erschrocken.
Darin: „Das war nur ein Witz!“
Nun packt sie Darin grob an einem seiner spitzen Elfenohren und zieht daran, bis der Junge einen gequälten Laut von sich gibt.
Mutter (erbost): „Darin, mach so einen Witz nie wieder in deinem Leben! Verstehst du?! NIE WIEDER!“
Darin (eingeschüchtert): „Entschuldigung, Mutter...“
Mutter (sanft): „Und nun kein Wort mehr über Colin, okay? Du wirst ihn sowieso nie wieder sehen.“
Darin (unterwürfig): „Ja, Mutter.“
Als die beiden weiter gehen, sieht die Mutter liebevoll lächelnd auf ihren Sohn und legt tröstend ihre Hand auf seine Schulter. Darin geht mit gesenktem Kopf neben ihr her und lässt stumm seinen Tränen freien Lauf.

ooo

Colin ist fast alleine, als er am Nachmittag das Dorf für immer verlässt und in die Verbannung geht. Aiven begleitet ihn hinaus – aber das ist seine Pflicht. Nicht einmal Colins Eltern sind gekommen, oder Keena und Olwen… Lediglich Darin ist da, um sich zu verabschieden. Er schlingt seine Arme um Colin und weint.
Darin (leise schluchzend): „Es tut mir leid. Wenn ich dir nicht nachgelaufen wäre, dann...“
Colin drückt den Jungen fest an sich. In solchen Situationen erkennt man, wie die anderen zu einem stehen, wer zu einem hält und wer nicht. Colin hat Darins Aufdringlichkeit oft als lästig empfunden, doch er weiß, dass er den Jungen vermissen wird. Vielleicht ist Darin sogar der Einzige der es wert ist, vermisst zu werden...
Colin (flüstert): „Es ist nicht deine Schuld, Darin… Wenn ich nicht so wäre wie ich bin, dann wäre ich gar nicht erst in dieser Höhle gewesen… Tu mir einen Gefallen und werde nicht so wie ich. Ich bin kein gutes Vorbild.“
Darin (schluchzt): „Ich weiß.“

Dann ist es an der Zeit, alleine weiter zu gehen. Aiven und Darin bleiben zurück. Als Colin sich noch einmal umdreht, hat Aiven tröstend seinen Arm um die Schultern des Jungen gelegt. Colin klammert sich hilfesuchend an die kleine Tasche mit den wenigen Habseligkeiten die er mitnehmen konnte, um nicht selbst in Tränen auszubrechen. Sein Kopf fühlt sich taub und leer an, seine Beine laufen automatisch weiter. Es ist, als wäre er nicht mehr in seinem eigenen Körper … es ist, als würde er sich selbst dabei zusehen, wie er fast willenlos einfach weiter läuft. Einen zweiten Blick zurück wagt Colin nicht – aus Angst, Aiven und Darin könnten schon gegangen sein. Nein, er will den Weg zum Dorf mit Darin in Erinnerung behalten und nicht so leer und verlassen, wie er sich selbst nun fühlt…

ooo

Colin ist bereits eine ganze Zeit lang einfach ziellos geradeaus und querfeldein durch den regennassen Wald gelaufen. Immer weg vom Dorf, immer weiter weg. Nun hat er einen kleinen, ausgetretenen Weg erreicht dem er eine Weile folgt. Irgendwann legt er eine Pause ein, er kann und will nicht mehr. Er setzt sich auf einen Stein am Wegrand, nimmt ein Ästchen, das vor seinen Füßen liegt und stochert damit nachdenklich im Schlamm.
Colin (seufzt resigniert): „Wohin soll ich nur gehen?“ Der Wald gibt ihm keine Antwort. Lediglich der Wind rauscht in den Blättern der Baumkronen. „Ich hab alles vermasselt … einfach alles…“
Und nun weiß er nicht weiter. Er wurde aus dem Dorf verbannt, seine Familie hat ihn verstoßen und ob ihn je eine andere Elfen-Gemeinschaft aufnehmen würde, ist fraglich. Colin ist nun ganz offiziell ein verurteilter Verbrecher… Er fühlt sich verloren … verlassen – nicht nur von den Elfen, sondern von der ganzen verdammten Welt.
Colin schiebt den Ärmel seines Hemdes ein Stück nach oben und betrachtet hasserfüllt die schwarze Tätowierung an seinem Unterarm. Er wird für immer und für jedermann als Verbannten erkennbar sein. Ein Schandfleck für alle Elfen. Nach einer Weile steht Colin auf, stellt sich mitten auf den Weg und richtet seinen Blick nach oben – zu den Baumkronen und dem Himmel darüber.
Colin (brüllt): „Ich habe das alles nicht gewollt!“
Ein paar Vögel fliegen erschrocken auf. Der Wald schweigt noch immer. Kein Gott der Vergebung antwortet und so setzt sich Colin auf den feuchten Waldweg und beginnt zu weinen. Er fühlt sich verlassen. Irgendwann legt er sich dann rücklings auf die Erde, streckt die Arme zur Seite aus, starrt in die Leere und lässt seinen Tränen freien Lauf.

ooo

Zwei Tage sind vergangen und Colin streift noch immer durch den Wald. Er hat kein wirkliches Ziel, aber er möchte erst einmal so weit weg vom Dorf, wie möglich. Es wird Abend und die Dämmerung legt sich rasch über den Wald. Colin sammelt in der einbrechenden Dunkelheit möglichst trockene Zweige, Holz und Rinde und schichtet die kleinen Stücke auf einer kleinen Lichtung zu einem kleinen Häufchen auf. Er versucht mit Elfenmagie ein Feuer zu entfachen, doch nichts geschient. Feuerzauber hat er noch nie sonderlich gut beherrscht. Wie eigentlich alles andere auch. Dann versucht er es mit einem Feuerstein und Zunder. Funken tanzen und verlieren sich wieder... Es wird immer dunkler und Colin bekommt einfach kein Feuer zusammen – immerhin steigt aber schon etwas Qualm aus dem Zunder auf.
Der Wald ist alles andere als still um diese Tageszeit. Es raschelt und knackt überall. Irgendetwas nähert sich… Da! Ein Knirschen, ein Knacken! Colin dreht sich erschrocken um, kann zwischen den Bäumen und Büschen in der Dunkelheit aber nichts entdecken. Als er sich wieder seinem Holzhäufchen zuwendet, hat sich der Zunder doch noch richtig entzündet – kleine Flammen zügeln empor und stecken das wenige trockene Holz in Brand. Colin füttert sein Lagerfeuer mit den größeren Zweigen und Holzstücken, das restliche Holz legt er zum Trocknen rings ums Feuer. Der Waldelf sitzt noch eine ganze Weile da, beobachtet nachdenklich die schwindenden Flammen und isst das letzte Stück Brot, das er bei sich hat. Dann rollt er sich neben der Glut auf dem nackten Erdboden zusammen und lauscht weiter den Geräuschen des nächtlichen Waldes, bis er eingeschlafen ist.
Im Gebüsch unweit vom Lager hat sich ein großer, roter Fuchs zusammen gekauert. Er schläft nicht, sondern beobachtet angestrengt den schlafenden Elfen.

ooo

Seit nunmehr guten zwei Woche ist der verbannte Colin jetzt schon im Wald unterwegs, schläft unter freiem Himmel oder zusammengerollt wie ein Tier unter irgendwelchen Büschen. Manchmal muss er sich mit einem Schutzzauber vor Regen schützen, manchmal ist ihm das alles aber auch einfach ganz egal. Er fühlt sich leer und inzwischen sieht er wüst und schmutzig aus – mehr wie ein Räuber als ein Elf. Der spätsommerliche Wald hat wenig an Essen zu bieten, aber es reicht zum Überleben. An manchen Tagen leidet Colin trotzdem bitteren Hunger, an anderen Tagen hat er hingegen sogar richtig Glück.
An einem dieser Glückstage begegnet Colin einem Fuchs. Das Tier taucht wie aus dem Nichts vor ihm auf dem Trampelpfad auf. Füchse hat der Elf die vergangenen Tage bereits öfter gesehen, aber keiner von ihnen war so groß und schön wie dieser hier. Der stattliche Fuchs hat ein erbeutetes Kaninchen im Maul und bleibt augenblicklich stehen, so als hätte er erst jetzt bemerkt, dass er nicht alleine im Wald unterwegs ist. Colin sieht den Fuchs lange an und dieser scheint zurück zu starren. Dann legt der Fuchs unvermittelt die Ohren an, so als hätte der Elf das Duell des Anstarrens gewonnen. Er lässt seine Beute fallen und jagt mit großen Sätzen davon.
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