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Copper Flames

Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Gladiolus Amicitia Ignis Scientia
07.01.2022
29.06.2022
42
158.104
4
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Dieses Kapitel
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23.06.2022 2.532
 
Als Ignis wach wurde, versuchte er sich aufzusetzen, merkte jedoch schnell, dass er scheiterte. Er blinzelte ein wenig verwirrt, als er seinen eingeschränkten Bewegungsradius bemerkte und brauchte ein paar Sekunden um zu begreifen, was ihn so ans Bett fesselte. Sein Gesicht lief schlagartig rot an, als ihm klar wurde, dass Gladio neben ihm lag und seine Arme um ihn geschlungen hatte.
Das Gesicht des Schildes war nur wenige Zentimeter von seinem eignen entfernt und er konnte seinen Atem auf seiner Haut spüren, nahm den Duft des anderen wahr. Er schlief allem Anschein nach tief und fest, denn selbst Ignis Bewegung hatte nicht ausgereicht, um ihn zu wecken. Was machte Gladio hier? In seinem Zimmer? In seinem Bett? Ignis Herz begann unweigerlich zu rasen und pochte unkontrollierbar in seiner Brust. Er versuchte sich ein wenig aus der Umklammerung zu lösen, doch keine Chance. Er war an das Bett, an Gladio gefesselt. Nicht, dass es ihn wirklich störte. Nach und nach gewöhnte er sich ein wenig an den Gedanken, dass er gezwungen war liegen zu bleiben und rutschte ein wenig näher an den Schild heran. Wann bot sich schon mal die Gelegenheit so in seinen Armen liegen zu können und sich von ihm halten zu lassen?
Er schloss die Augen und genoss die Wärme, die Gladios Körper ausstrahlte. Er liebte diese Nähe und hatte sich so lange, so oft danach verzehrt. Warum konnte es nicht immer so sein? Nun ja, sie waren kein Paar, weshalb sollte es also? Und obwohl sie kein Paar waren, lagen sie jetzt so hier beisammen. Und nicht nur das. Obwohl sie nicht zusammen waren, Gladio sogar verlobt war, hatten sie erneut eine Nacht miteinander verbracht. Und was für eine Nacht es gewesen war. Die Berührungen, die Worte des Schildes, es hatte sich einfach alles so wundervoll, so nah, so richtig angefühlt. Am nächsten Morgen hatte Ignis es dann jedoch mit der Angst zu tun bekommen. Allein die Vorstellung, dass der Morgen ähnlich hätte ablaufen können wie damals, hatte den Dunkelblonden so sehr verunsichert, dass er der Konfrontation zunächst aus dem Weg gegangen war. Gladio hatte zwar mehrfach angedeutet, dass ihm sein Verhalten von damals leid tat und dass er es bereute, doch das hieß ja nicht, dass es sich deshalb nicht wiederholen würde. Ein weiteres Mal würde sein Herz einen solchen Angriff nicht überleben.
Ihm war bereits am Abend, als sie sich näher gekommen waren klar gewesen, dass er damit sein Versprechen Gladio gegenüber brach und dass dies sicherlich Konsequenzen hätte. Deshalb hatte es ihn nicht sonderlich gewundert, dass der Schild wütend war. Er war ja immerhin auch wütend auf sich selbst. Aber das er das Ganze in der Zitadelle zum Thema machen würde? Damit hatte Ignis eigentlich nicht gerechnet. Noch mehr hatte ihn jedoch der Grund von Gladios Wut verwundert. Er war gar nicht wegen ihrer Nacht wütend gewesen, sondern lediglich, weil Ignis am Morgen nicht an seiner Seite gewesen war. Den Worten des Älteren nach zu urteilen, hatte dieser an seiner Seite aufwachen wollen. Ignis errötete leicht, als er es sich vorstellte. Wie eine Szene aus einem Traum. Doch was bedeutete das? Hieß das tatsächlich, dass Gladio ihr Beisammensein ähnlich empfunden hatte wie er? Die Nähe, die Verbindung? Das konnte doch gar nicht sein. Oder doch?
Ignis hatte zunächst vermutet, dass Gladio in Anbetracht der nahenden Hochzeit Torschlusspanik bekommen und sich deshalb auf eine weitere gemeinsame Nacht eingelassen hatte. Dass er noch ein letztes Mal seiner Neugier hatte nachgehen wollen, bevor er einer anderen ewige Treue schwor und sich deshalb an von der Stimmung hatte mitreißen lassen. Zumindest hatte er es sich nicht anders erklären können, denn der Schild hatte damals ja eigentlich sehr deutlich gemacht, was er von der Liebe zwischen zwei Männern hielt. Aber nachdem sie gesprochen hatten, war er sich nicht mehr so sicher, ob Gladios Beweggründe tatsächlich so oberflächlich waren, wie er im ersten Moment geglaubt hatte. Zumindest hatte sich ihre Nacht keineswegs oberflächlich angefühlt. Im Gegenteil.
Ignis hob seine Hand und tastete vorsichtig nach Gladios Gesicht. Er erfühlte die warme Haut  unter seinen Fingerspitzen und streichelte zärtlich darüber. Er war immer wieder erstaunt, wie weich sie war. Er strich sanft über die markanten, typischen Narben auf Gladios Gesicht und schmunzelte ein wenig verträumt. Eigentlich wollte Ignis sich nicht zu viele Hoffnungen machen, immerhin wollte er nicht wieder enttäuscht und verletzt werden. Wenn das alles doch nur aus Neugier, aus einer Stimmung heraus entstanden war…
Doch allein die Tatsache, dass sie jetzt so beisammen lagen, ließ sein Herz vor Freude beinahe explodieren. Er wollte sich zu gern darauf einlassen, diesen Moment einfach zu genießen und sich fallen zu lassen, doch noch etwas anderes brannte auf seiner Seele und hielt ihn davon ab. Er hielt nicht nur seine Gefühle, sondern noch etwas anderes vor dem Älteren geheim und dieser Tatsache war sich Gladio bewusst. Er wollte am liebsten mit offenen Karten spielen und den Schild einweihen, aber das war eine Entscheidung die nicht bei ihm lag, sondern bei Regis, Cor und vor allem bei Clarus. Bei denen, die über die aktuellen Vorgänge Bescheid wussten. Er war ihnen durch seinen Alleingang grade erst in den Rücken gefallen und hatte ihnen enorme Unannehmlichkeiten beschert. Er konnte jetzt nicht schon wieder eigenmächtig handeln.
Ignis seufzte schwer.  Wenn Gladio herausfinden würde was vor sich ging, würde er sich verraten fühlen? Würde er Ignis sein Schweigen verzeihen können? Würden sie sich dann jemals wieder so nahe sein? Gladios tiefe, regelmäßige Atemzüge verrieten, dass dieser noch immer wie ein Stein schlief und Ignis stellte sich vor, wie friedlich sein Gesicht aussehen musste. Wie sehr er sich wünschte ihn in diesem Moment sehen zu können.
Mit trauriger Mine starrte er in die Finsternis, als müsste er nur lange genug in der Dunkelheit nach dem ersehnten Anblick suchen, doch natürlich änderte es nichts. Wenn das hier womöglich das letzte Mal war, dass sie einander so nah waren, weil Gladio ihm tatsächlich nicht vergeben könnte, musste er die Chance nutzen. Er beugte sich zu dem Gesicht des Schildes vor. Wenige Millimeter vor Gladios Lippen hielt er noch einmal inne und betete zu den Astralen, dass es nicht das letzte Mal sein würde, wenngleich ihm klar war, dass seine Wünsche wahrscheinlich niemals in Erfüllung gehen würden. Dann schloss er die letzte Distanz zwischen ihnen und küsste die Lippen des Mannes, den er mehr liebte als alles andere auf der Welt.

Gladio stellte erst fest das er eingeschlafen war, als er einige Zeit später verschlafen seine Augen aufschlug. Im ersten Moment war er sich nicht sicher wo er überhaupt war. Die Müdigkeit der letzten Nächte hatte ihn anscheinend vollkommen übermannt und er musste eingenickt sein. Er schaute auf dem Bett umher und erkannte sofort, dass es nicht sein eigenes war. Er setzte sich schlagartig auf, als ihm klar wurde, dass er im Gästezimmer war und in Ignis Bett lag. Er erinnerte sich noch daran, wie er sich zu dem Dunkelblonden gesetzt hatte und in seinen Gedanken versunken war. Anscheinend war er dabei neben ihm eingeschlafen. Doch wo war er? Gladio schaute sich suchend in dem Zimmer um, konnte Ignis aber nirgendwo finden.
„Fuck!“ fluchte er und sprang beinahe etwas panisch vom Bett auf. Sein Vater hatte ihm aufgetragen auf Ignis aufzupassen. Und was machte er? Er schlief seelenruhig, wie ein Baby! Der Schild polterte aus dem Zimmer hinaus und schaute sich suchend auf dem Flur um. Als er Ignis auch hier nicht finden konnte, spurtete er zur Treppe und sprang hinunter in Richtung Küche. Die Worte seines Vaters und die Tatsache, dass irgendetwas Wichtiges hinter seinem Rücken ablief, hatten ihn enorm beunruhigt und die Sorge, dass Ignis etwas zugestoßen sein könnte, während er geschlafen hatte hämmerte durch seinen Schädel. Er kannte den Dunkelblonden jetzt schon lange genug und er wusste, dass dieser sich durch nichts von seiner Arbeit abhalten ließ. Nicht das er doch in die Zitadelle gefahren war! Er hielt den Atem an, als er die Küche schließlich erreichte und seine Bernsteinaugen durch die vier Wände schnellten.
„Ignis!“ Stieß der Dunkelhaarige beinahe vorwurfsvoll aus, als er den anderen mit seinem Laptop am Esstisch erblickte. Ignis zuckte zusammen, als Gladio seinen Namen in seine Richtung bellte und unterbrach das beständige Tippen seiner Finger. „Ah, Gladio. Du bist wieder wach.“ Sagte er, nachdem die erste Schrecksekunde vorüber war. Der Schild stieß erleichtert stöhnend die Luft aus und fuhr sich kurz durchs Haar. „Bei den Sechs, du kannst mir doch nicht so einen Schrecken einjagen!“ murrte er, war innerlich aber einfach froh, dass Ignis hier und wohlauf war. „Schrecken einjagen?“ wiederholte der Dunkelblonde verwirrt und legte den Kopf ein wenig schief. „Ich wollte dich nicht wecken, deshalb dachte ich, dass ich ja auch von hier aus arbeiten könnte. Du scheinst wirklich müde gewesen zu sein. Geht es dir gut?“ fragte er besorgt, während er seinen Laptop zuklappte und sich von seinem Stuhl erhob. „Hm? Mir? Ja, klar. Mir geht es gut…“ nuschelte Gladio und betrachtete, wie der andere zu ihm hinüber lächelte.
„Das ist gut.“ Sagte Ignis erleichtert und das zarte Lächeln sorgte dafür, dass Gladio sich schon wieder in dem Anblick verlor. „Was ist mit dir?“ „Was soll mit mir sein?“ „Du fühlst dich nicht gut, nicht wahr?“ hakte der Dunkelhaarige noch einmal nach und trat zu Ignis hinüber. „Du brauchst es gar nicht leugnen. Es ist ungewöhnlich, dass du so lange schläfst. Außerdem hast du schon wieder Temperatur. Seit gestern Abend schon. Du solltest nicht hier rum sitzen und arbeiten, sondern im Bett bleiben und dich ausruhen.“ Ignis zog ein wenig ertappt die Augenbrauen nach oben und schmunzelte dann ein wenig beschämt. „Ich kann dir da wohl nichts vormachen.“ Gestand er schließlich ein. „Nein. In dieser Hinsicht wohl nicht…“ Gladios Worte klangen bitterer als er es geplant hatte. Der Brillenträger wusste sofort, worauf der Schild anspielte und senkte seinen Blick.
„Gladio, ich…“ „Du brauchst nicht weiter reden. Ich weiß, du darfst es mir eh nicht sagen. Deshalb lass uns nicht weiter darüber streiten.“ Seufzte er niedergeschlagen. Ignis spürte wie unzufrieden der andere damit war und in ihm kam wieder der Drang auf, Gladio in alles einzuweihen. Doch es ging nicht. Zumindest jetzt noch nicht. Deshalb war er enorm froh, dass der Schild das Thema erst mal ruhen lassen wollte. „Ok…“ „So und jetzt lass die Arbeit Arbeit sein und komm mit.“ Während seiner Worte hatte er Ignis Hand gepackt und zog in mit sich. „M..Mitkommen? Wohin?“ stotterte der Jüngere, der in Anbetracht der Berührung ein wenig überfordert wirkte. „Na wohin wohl? Du bist angeschlagen, deshalb geht es für dich jetzt direkt wieder ab ins Bett!“ „Das ist wirklich lieb gemeint, aber…“ „Nein! Kein aber..!“ unterbrach der Dunkelhaarige den anderen und schaute über seine Schulter zu ihm zurück. „Du musst besser auf dich aufpassen, hörst du? Es bringt doch nichts, wenn du dich direkt wieder zu Tode schuftest. Oder muss ich dir erst wieder zeigen, dass es keinen Sinn hat mit mir zu diskutieren und dich bis ins Bett tragen, damit du dich von mir gesund pflegen lässt?“
Die Erinnerung trieb Ignis direkt die Röte ins Gesicht und sorgte dafür, dass er Gladios Hand unterbewusst ein wenig fester drückte als zuvor. Als er zusammengebrochen war, hatte Gladio ihn jeden Abend bis ins Bett getragen, ihn umsorgt und ihn wieder aufgepäppelt. Es war schön gewesen, den Schild die ganze Zeit um sich zu haben. Ganz für sich allein. Gladio schaute kurz zu ihren Händen hinunter, als er spürte, wie Ignis Griff sich veränderte und schaute dann auf. Der zarte Rosa-Ton auf Ignis Wangen sorgte immer wieder dafür, dass dem Schild die Luft weg blieb. Dieser Ausdruck, wenn Ignis versuchte dem zwischen ihnen zu widerstehen, es ihm dann aber doch nicht so recht gelang… Auch Gladio versuchte der Verlockung zu widerstehen, zumindest redete er sich ein, dass er es versuchte, doch er konnte nicht verhindern, dass auch seine Wangen zu glühen begannen.
„Komm…“ sagte er, während er den Jüngeren jetzt noch zielstrebiger als zuvor weiter zog. Dieser tapste ein wenig unbeholfen hinter dem Schild hinterher und blinzelte verwundert, als Gladio ihn am Gästezimmer vorbei manövrierte. „Gladio, mein…mein Zimmer ist…“ begann er zwar, wurde jedoch unterbrochen, als der Schild ihn in sein eigenes Zimmer schob und die Tür hinter ihnen zuwarf.
Als Ignis hörte, wie die Tür hinter ihnen in Schloss fiel, wandte er sich fragend zu Gladio um, strauchelte jedoch direkt ein wenig zurück, als er die Präsenz des anderen auf sich zu schnellen spürte. Wieso war er hier? Was genau hatte Gladio vor? Der Schild hatte die Distanz zu Ignis mit zwei langen Schritten überbrückt, legte seine großen Hände auf die Wangen des Brillenträgers und nährte sich ohne zu Zögern seinen Lippen. Ignis atmete erschrocken aus, als er verstand, was der Ältere vor hatte und umfasste haltsuchend die Handgelenke des Schildes. Er spürte, wie sein gesamter Körper vor Aufregung zitterte und er erwartete sehnsüchtig das, was jeden Moment folgen würde.
Das Klingeln seines Handys unterbrach ihren Moment, noch bevor ihre Lippen sich berührt hatten. Ignis merkte, wie ein Zucken durch Gladios Körper fuhr und er sein Gesicht schon beinahe geschockt los ließ. Die Enttäuschung darüber, dass sie unterbrochen wurden, breitete sich sofort in Ignis Magengegend aus. Er zog sein Handy hervor und nahm das Gespräch mit einem niedergeschlagenen Gesichtsausdruck entgegen. „Ja?“ sagte er leise und fuhr sich kurz durch sein Haar, um sich ein wenig zu sammeln. „Ah, e..euer Majestät.“ Stotterte Ignis, als er die Stimme von Regis am anderen Ende erkannte. „Ob..ob ihr stört? Nein! Nein, keineswegs!“ Doch, eigentlich störte er schon, doch er konnte dem König ja nicht sagen, dass er ihn und den Schild seines Sohnes grade beim rumturteln unterbrach. Während des anfänglichen Geplänkels machte sich Ignis zögerlich auf den Weg zu Gladios Zimmertür. Im Vorbeigehen streichelte er dem Schild einmal, beinahe etwas entschuldigend, über den Arm und zog sich anschließend in sein Zimmer zurück, um ungestört mit Regis sprechen zu können.
Gladio hatte sich seit sie unterbrochen wurden keinen Millimeter gerührt und stand wie versteinert mitten im Raum herum. Neben der unendlichen Enttäuschung machte sich noch ein anderes Gefühl in ihm breit. Es war eine seltsam schüchterne Verwirrung. Er hob seine Hand und presste sich seine Faust gegen die Stirn. Ignis errötetes Gesicht zu sehen und die zarte Berührung seiner Hand hatte vollkommen ausgereicht, um dem Schild einen emotionalen Höhenflug zu bescheren. Nun war er mit voller Wucht wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geholt worden. Verdammt noch mal, seit wann ließ er sich so leicht aus der Fassung bringen? Die Stärke der Gefühle in seinem Inneren war so überwältigend, dass es ihm beinahe Angst machte.
Er war schon mit vielen Frauen zusammen gewesen, hatte sie geliebt. Zumindest hatte er geglaubt dass er sie geliebt hatte. Jetzt war er sich dessen nicht mehr so sicher, denn das was er für Ignis empfand war so viel stärker als alles andere, was sie jemals in ihm hatten auslösen können. Selbst Amber, die Frau mit der er verlobt war und die er heiraten sollte, hatte in all der Zeit grade mal einen Bruchteil an solchen Emotionen in ihm hervorgerufen.
„Scheiße…“ fluchte der Schild sich selbst leise zu, als ihm klar wurde, dass ihm ein schwieriges Gespräch bevorstand. Er musste Amber sagen, dass ihre Hochzeit niemals stattfinden würde.
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