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Zwiegespräche

von LeseFalke
Kurzbeschreibung
OneshotMystery, Horror / P16 / MaleSlash
Gestaltwandler
06.01.2022
06.01.2022
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Eine meiner ersten Kurzgeschichten. Sie fühlt sich ehrlich gesagt noch etwas... roh an?
Aber ich kann noch nicht genau ausmachen, was ihr fehlt.
Dennoch glaube ich, dass sie es verdient hat gelesen zu werden.
Lasst mich gerne eure Meinung dazu hören.


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Ariel saß auf der Parkbank.
Er atmete tief durch und lehnte sich zurück, fragte sich, als wer er ihm heute erscheinen würde. Seine Imitationen wurden immer besser und Ariel fiel es immer schwerer zwischen Kopie und Original zu unterscheiden.
Nicht lange, da hörte er Schritte hinter sich und kurz darauf saß sie neben ihm.
Ariel erstarrte. Er wusste nicht, wie er reagieren sollte.
Normalerweise kam er selbst und schickte niemand anderen zu ihm vor.
Und warum ausgerechnet sie?
Ariel versuchte zu atmen, aber es drang nur ein Keuchen aus seiner Kehle.
Sie streckte ihre Hand nach ihm aus.
Aus dem Augenwinkel konnte er die Narben auf der Innenseite ihrer Finger und Handflächen ausmachen.
Die Schnitte hatte sie sich beim Weben zugezogen. Beim Weben von Schicksalsfäden.
Ariel wusste, woher jeder einzelne Schnitt stammte, welches Schicksal dort umgeschrieben worden war.
Sie legte ihre Hand auf die seine.
Sie drückte sie sanft.
Ihre Haut war schwarz wie Pech und fühlte sich an wie Stoff. Wie Samt.
Ariel sah sie nicht an.
Geister waren kein schöner Anblick.
Erst recht nicht der Geist einer Hexe.
“Wie endet die Geschichte?”, fragte sie.
Ihre Stimme klang genau wie früher.
Leise, aber doch bestimmt.
Perfekt um komplizierte und lange Zauberformeln aufzusagen, ohne nach stundenlangem Exerzieren heiser zu werden.
Er dachte über ihre Frage nach.
Welche Geschichte könnte sie meinen?
Seine etwa?
Oder…?
Ariel fiel das Märchen ein, dass er ihm erzählt hatte.
Aber das könnte sie doch unmöglich meinen?
Es war ziemlich kindisch und Ariel hatte es nur erfunden um ihn damit aufzuziehen.
Wie endet die Geschichte?
Nun, das wusste er nicht.
Noch nicht.
Er hatte angefangen von einem jungen Mann zu erzählen, der den Tod traf.
Und weil er ihre Unterhaltung so genossen hatte, weil er das Gefühl hatte, er höre ihm wirklich zu und er leiste ihm gerne Gesellschaft, wäre gerne bei ihm…
Fand er Wege sich zu verletzen, nur so, dass er in sein Reich kommen könnte.
Aber nie so sehr, dass er nicht zurück könnte.
Die Geschichte hatte beim letzten Mal damit geendet, dass der Tod dem jungen Mann eine Frage gestellt hatte.
Aber welche?
So sehr Ariel es versuchte, er konnte sich einfach nicht an die Frage erinnern.
Sie lehnte sich näher zu ihm herüber.
Er erschreckte bei der plötzlichen Bewegung und schauderte, als ein Teil ihres Gesichts in sein Blickfeld geriet.
Auch hier hatte sie Narben.
Das verändern von Schicksalen, von Geschehnissen forderte seinen Preis.
Dieser Preis war Schmerz.
Sie hatte sie sich selbst zugefügt, um andere retten zu können.
Ariel wusste auch von den Schnitten, die unter ihrer Kleidung verborgen waren.
Die auf ihrem Rücken stammten von ihm.
Sie hatte ihn darum gebeten, sie dort zu schneiden, weil sie nicht so gut herangekommen war.
“Wie entscheidet sich der junge Mann?”, fragte sie ihn.
Ariel überlegte, überlegte fieberhaft.
Welche Frage hatte der Tod ihm gestellt?
Welche Entscheidung sollte er treffen?
“Bleibt er bei ihm?”, fragte sie.
Natürlich! Der Tod hatte den Mann gefragt, ob er bei ihm bliebe.
Diesmal dauerhaft.
Für immer.
Weil der Tod… einsam war.
“Ich glaube schon. Ich meine, wenn der Tod so ehrlich war zuzugeben, dass er einsam ist und den Mann gerne bei sich behalten würde, sollte der Mann auch so ehrlich sein und zugeben, dass er nur deswegen in sein Reich kam.
Dass er eigentlich nur auf diese Frage gewartet hat.
Also, ja. Er bleibt bei ihm.”
“Gut.”, sagte er.
Ariel zuckte zusammen.
Er blickte neben sich.
Statt ihr, saß dort ein Mann neben ihm.
Ein Mann mit rotem Haar und Augen grün wie der Frühling.
Er hatte Sommersprossen und sein Lächeln war ansteckend.
Er trug einen schwarzen Umhang.
“Endlich!”, seufzte er.
“Aber… wo… “
“Ach, Ariel. Du hättest mir nie die Wahrheit gesagt.
Also nahm ich die Gestalt der Frau an, die du niemals hättest belügen können.
Selbst unbewusst nicht.”
Ariel sprang auf, “Schon wieder einer deiner Tricks. Diesmal hast du dich wirklich selbst übertroffen! Erst meine Tante, dann mein Bruder und heute meine Mutter. Ich dachte wirklich du wärst sie.
Aber was du mit Wahrheit meinst, weiß ich nicht. Es ist nur eine alberne Geschichte!”
Traurig schüttelte er den Kopf.
“Oh, ich finde sie überhaupt nicht albern, sondern sehr schön.
Und die Wahrheit, die ich meine, ist, dass du bei mir bleiben willst. Denn ihr könnt nur bei mir bleiben, wenn ihr freiwillig zu mir kommt.
Du sagtest sogar, dass du mich nur hier aufsuchtest, damit ich dich genau darum bitten kann.”
“Wie gesagt, es ist nur eine Geschichte!”
Wieder schüttelte er den Kopf.
“Ich wusste, dass der menschliche Verstand nicht sehr belastbar ist, aber eine solch spezifische Amnesie bezüglich der Ereignisse bevor du hier ankommst, habe ich noch nie gesehen.”
Ariel wurde ärgerlich. Er wusste nicht im geringsten wovon er sprach.
Welche Amnesie denn? Er fand, dass er seine Sinne sehr gut beisammen hatte.
Und wie er hierhergekommen war? Na, er war natürlich dem Licht gefolgt.
Wie sonst auch.
“Aber was ist vor dem Licht?”, fragte er.
Ariel hasste es, wenn er das tat.
Er hatte ihn schon so oft darum gebeten nicht seine Gedanken mitzulesen.
“Ich weiß, bitte verzeih, aber es gibt momentan wichtigeres als diese kleine Belanglosigkeit.
Du solltest dir beispielsweise lieber einmal deine Handgelenke ansehen.”
“Warum soll ich- ?”
“Sieh sie dir an, Ariel.”
Er hob seine Hände.
Und erschrak.
Er blutete.
Seine Handgelenke zierten feine Schnitte, drei auf jeder Seite und aus ihnen sickerte das Blut unablässig aus seinem Körper.
Ariel wusste, wie man sich schnitt.
Nicht zu sehr, nur gerade so, dass er ihn in seinem Reich aufsuchen konnte.
Seine Mutter hatte es ihm beigebracht.
Sie hatte ihm auch beigebracht, nicht zu lange dort zu verweilen.
Nur so lange wie nötig, um ein Schicksal zu verändern.
Denn wenn er einen Weber fand, verkürzte sich dessen eigener Faden rapide.
Sein Charme war unwiderstehlich und er hatte eine Schwäche für hübsche, junge Hexer.
“Also, Ariel.
Wie endet die Geschichte?”
 
 
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