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Der Mann aus dem Frankenland

von Piscium
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Historisch / P18 / MaleSlash
04.01.2022
04.01.2022
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“Eivor”, ich schnaufte und stützte meinen Fuß auf den Hocker, welcher bis gerade eben noch als Sitzplatz für einen Soldaten des Jungen Königs Oswald von East-Anglia gedient hatte, “Ich sehe hier keinen Eivor”
Meine behandschuhten Hände knetend stützte ich meinen Unterarm auf mein Knie und beugte mich zu dem jungen Burschen herunter.
Verbitterte Augen starrten zu mir und doch wusste ich das der König keine wirkliche Gefahr für mich darstellte. Die hellen Pupillen zitterten kaum merklich und seine Wange war aufgeplatzt von dem Ring an meiner Hand, als ich ihm mit einer Backpfeife zurück auf seinen kümmerlichen Thron geschickt hatte. Das Templerkreuz glänzte mit seinem Blut als ich meine Hand im schwachen Licht drehte und einen Blick auf die Menschen warf, die verängstigt um uns herum versammelt waren. Mütter hielten ihre Kinder dicht bei ihnen, alte stützten sich auf Gehstöcke und junge und alte Krieger standen mit einem feurigen Ausdruck in den Augen und warteten auf das Kommando ihres Königs. Sie alle setzten ihre Hoffnung in den kleinen Burschen, ohne zu wissen das ihre Hoffnung vergeblich war.
Sein Herz war um einiges größer als seine Muskeln, seine Arme schienen viel zu dünn um ein Schwert länger als wenige Minuten zu heben, geschweige denn in einem brutalen Kampf um Leben und Tod viel auszurichten. Seine Haut war hell, Narbenfrei, er war nicht gezeichnet durch Schlachten, durch blutige Auseinandersetzungen, gekennzeichnet durch Ruhm und Ehre. Sie sollten mich ansehen, mich nach Vergebung, nach Gnade anflehen, da ich der einzige war der die Macht hatte ihre Leben verschonen zu lassen.
König Oswald von East-Anglia war kein Kämpfer, ganz im Gegensatz zu seiner Braut, welche Adger, einer meiner besten und loyalsten Männer eine heftige Kopfnuss verpasste. Ich zog eine Augenbraue hoch und zischte mitfühlend, als ich seinen Schmerzenslaut vernahm, „Meine Dame, ich muss Sie bitten meinen besten Mann heile zu lassen, den brauche ich noch“

“Du Drecksschwein! Komm her! Bist du zu feige um dich mir in einem fairen Kampf zu stellen?!”, ihre Stimme war wahrlich atemberaubend und vulgar und doch…selbst jetzt wo sie mir Beleidigungen entgegen spuckte, wurde die wilde und doch schöne Frau vor mir, ihrem Titel gerecht. Sie war das Leben, die Leidenschaft und die Schönheit dieser Ländereien. Und ich respektierte einen solchen Kampfgeist wenn ich ihn sah.
Ich seufzte und schenkte ihr ein angedeutetes zucken meiner Mundwinkel, “Meine Liebe, ich kämpfe nicht gegen Frauen und schon gar nicht gegen solch Schöne wie ihr es seid”
Ich konnte ihre Augenbraue zucken sehen, drehte amüsiert den Kopf als zwei Männer sich anfingen in den Griffen meiner Truppe zu wehren, mir Beleidigungen zuzubrüllen. Wie einfach es war sie anzustacheln. Anscheinend hatte ich es hier in der Tat mit zurückgebliebenen Wilden zu tun, die Konflikte mir brüllen und fletschen def Zähne lösten. Ich konnte sehen wie der König aufstand und somit direkt vor meiner Nase stand, was mich nun zu ihm Aufsehen ließ. Mit den Augen deutete ich auf seinen Stuhl und machte eine schwache Handbewegung, “Hinsetzen, eure Majestät”

Die Anrede glitt mir spottend von den Lippen, die sich zu einem scharfen Lächeln verformten, “Wir sind mitten in den Verhandlungsgesprächen, ich würde sagen jetzt aufzustehen und zu gehen wären schlechte Manieren”
Manieren hin oder her, er verstand das meine Bemerkung eine Drohung war und bewies mehr Köpfchen als so mancher vor ihm als er die Lippen aufeinander presste und sich steif erneut auf seinem künstlichen Thron niederließ. Ein plötzlicher Schub von Mut, stellte ich fest und wank über die Schulter während ich mich aufrichtete und den Blickkontakt mit dem Jungen hielt, “Ich glaube die Dame fühlt sich unwohl in deiner Präsenz, chéri”
“Ach wirklich?”, kam es deutlich gereizt von Agder, was jedoch beinahe in den Wüsten Beleidigungen der Frau unterging.
“Lass sie los”, wies ich ihn an und wandte mich ihm voll zu. Er hielt einen Moment inne und schien drüber nachzudenken ob er mich wirklich richtig verstanden hatte, ehe er die Frau des Königs losließ und im selben Atemzug zu mir schubste.



“Feigling!”, sie stürzte auf mich, ohne überhaupt nach einem Schwert zu greifen, stolperte mehr als recht. Mit bloßen Fäusten hielt sie auf mich zu, versuchte mich nieder zu starren, während das Feuer in ihren Augen ein warmes Kribbeln der Vorfreude in mir entfachte. Adrenalin pumpte durch meine Adern und ich wusste, dass dies ein vielversprechender Kampf werden würde, doch meine Anweisungen waren klar. Ich hatte keine Zeit für Spielchen und es war mir ausdrücklich verboten dem Königspaar auch nur ein Haar zu krümmen, bis die Krähe nicht im Netz war.
Lady Valdis hatte wahrlich einen starken Rechte Haken. Zentimeter von meinem Gesicht entfernt zischte ihre zarte Hand vorbei und bließ mir einen kühlen Windstoß ins Gesicht. Noch während ich mich zur Seite, aus ihrer Reichweite gelehnt hatte, ließ ich meine Hand vorschnellen und packte ihr Handgelenk. Meine andere Hand glitt um ihre Schultern und zog sie in ihrer Bewegung mit einem Ruck an meine Brust, sodass ich mein Kinn auf ihren Kopf stützen konnte. Zusammen mit dem Laut der Überraschung und den andauernden Befreiungsversuchen, wurde ich mit empörten Rufen aus der Menge konfrontiert. Beschimpfungen die Schande über mich bringen sollten, vor dem Auge des Königs mich so intim seiner Frau zu nähern, was mich amüsiert an ihrem Ohr Summen ließ.


“Ruhig, Brauner”, wisperte ich in ihr Ohr, während ich sie näher an mich heran zog. Ich konnte ihre Körperwärme spüren, ihren Herzschlag, ich konnte so viele Emotionen in den Augen des Jungen Königs sehen, welcher wie von mir angewiesen noch immer auf seinem Thron verweilte. Er schien hilflos, er war hilflos, konnte nichts anderes tun als die Finger in die Armlehnen zu Krallen und die Lippen fest aufeinander zu beißen. Sein Blick war auf seine Frau gerichtet, seine Augen glasig und ich konnte Verzweiflung in ihnen lesen, wie er kaum merklich nickte als wolle er sie beruhigen und ihr Versprechen das er sie beschützen wollte. Meiner Meinung nach müsste die Kleine ihn beshützen. Ein Seitenblick zu Adger verriet mir, das dieser sich seine blutende Nase hielt und ziemlich schlecht gelaunt schien. Das müsste später wieder gerichtet werden...die Kopfnuss der Kleinen in meinen Armen schien es in sich gehabt zu haben.
Ich erlaubte mir nicht viel Zeit des Mitleids und und pfiff einmal laut, um die Aufmerksamkeit des Königs zu erlangen.
Helle Augen glitten von seiner Frau zu mir und strahlten so viel Missgunst aus, das ich überrascht war, das ein solch naiver Mensch so viel Abneigung empfinden konnte.


“Ich will diese haaraträubene Romanze wirklich nur ungern unterbrechen, fühle mich jedoch dazu verpflichtet darauf hinzuweisen das wir noch immer in Verhandlungen stecken. Ihr ruft Eivor her, ich nehme ihn mit und ich krümme keinem hier ein Haar”, ich legte den Kopf schieß und zuckte mit den Mundwinkeln, “So einfach”
Alles blieb ruhig, die Heiden sahen mich an, sahen ihren König an und keiner schien gewillt ein klares “Nein!” zu brüllen oder meine Konditionen anzunehmen. Ich wartete noch ein paar Momente länger drehte den Kopf und musterte jeden einzelnen in dem Langhaus, ehe ich inner hielt als eine laute Stimme erklang

“Wir verhandeln nicht mit Deines Gleichen, Fremder! Ohne Ehre, ohne Ruhm”
Mein Kopf zuckte zu einem der beiden Unruhestifter, welche, wenn ich mich recht entsinnte, die beiden Brüder der Lady waren. Er spuckte mir vor die Füße und lachte, wobei er eine Reihe mit Blut getränkte Zähne offenbarte. Anscheinen hatte er sich gewehrt als wir ihr kleines Fest unterbrochen hatten.
“Und du bist noch gleich?”, Ich hatte mir seinen Namen nicht merken können, viel zu desinteressiert war ich in ihn. Dazu kam noch das sein Bruder fast denselben Trug. Sie waren stark, schienen gute Kämpfer zu sein, definitiv begabter als Oswald und doch nicht gut genug um ihre Schwester vor mir zu retten, ihren Stamm, noch ihr an sich gerissenes Land.

“Broder. Merk dir diesen Namen gut. Ich werde dir den Schädel spalten”, erneut lehnte er sich gegen meine Männer auf, die genervt Dreinsahen und mich ansahen, als wollen sie mir sagen ihn nicht zu provozieren, da es auch ohne das dieser Broder wütend war, schwer genug war ihn im Zaun zu halten.
Ich konnte nicht anders als dunkel zu lachen und nickte ihm entgegen, “Ich freue mich auf den Tag, Broder.”
“Eivor wird kommen”, zischte die Frau vor mir und warf mir über ihre Schulter einen dunklen Blick zu, der von so viel Vertrauen in den Mann vom Rabenclan sprach, das ich zugeben musste beeindruckt zu sein. Entweder war Eivor Wolfsmahl gut mit Worten oder hatte mir ihr geschlafen. Das Versprechen dem Mann aus dem Legenden geschaffen wurden bald zu begegnen gab mir ein angenehmes Kribbeln im Magen. Wenn ich Eivor hatte konnte ich dieses kalte und regnerische Land verlassen, konnte meine Männer schicken um auch Basim zu vertreiben und somit wieder Ruhe in die europäische Welt bringen.

Ich nickte, “Das hoffe ich doch. Sein Kopf muss als Geschenk für meinen Vater dienen, er wird sich über den neuen Wandschmuck freuen.”
Ich nickte meinen Männern zu, welche augenblicklich anfingen, die Gefangenen aus dem Langhaus zu zerren.
“Halt! Ihr hattet versprochen zu verhandeln!”, der König hatte sich abermals erhoben und sah gestresst zu mir, klammerte sich als letzte Hoffnung an den Zipfel meines Mantels.
Nickend legte ich den Kopf schief, “Ich hab’s mir anders überlegt. Keine Verhandlungen.”
Mit einer rauschenden Bewegung entzog ich ihm den Stoff meines Mantels und deutete mit meinem Kopf auf den König, welcher die Ansicht zu haben schien, das dies der beste Zeitpunkt war den Mund aufzumachen.
“Das ist ehrenlos! Ein Mann der nicht zu seinem Wort steht!”
Ich lachte leise und schlug Lady Valdis gezielt so leicht wie möglich, dennoch so stark wie nötig gegen die Schläfe, was sie augenblicklich schlaff in meine Arme fallen ließ. Mühelos fing ich sie auf und gab sie an Piere weiter, der mir einen anklagenden Blick schenkte, mich jedoch gut genug kannte und sich seinen bissigen Kommentar verkniff, was den König einen Schritt auf uns zugehen ließ, die Schultern zurück gezogen und die Hände zu Fäusten geballt, “Lasst sie los!”
“Ich würde mir das Gespräch über Ehre gerne ersparen, mein König. Schon allein aus dem Grund, das ihr wohl kaum davon reden könnt.”, ich nickte in seine Richtung, “Sperrt ihn weg”
Adger nickte und griff nach den schlacksigen Armen des Burschen, wurde in eine bedeutungslosen Rangelei verwickelt, die nur daraus bestand das Oswald der Große sich hin und her warf. Ich lachte leise und folgte ihnen aus dem Langhaus.

——-

„Eivor“, wiederholte ich den Namen des Mannes welcher sich in den letzten Jahren seine eigene kleine Legende in Englaland geschaffen hatte. Ein Name welcher bei den Pikten im Norden gefürchtet, bei den Christen als Heiden Teufel galt und bei den Sachsen als Däne, der ihre Siedlungen raubte und in Brand steckte. Bis an die Küste Francias und ins Herz nach Paris wurden Geschichten von dem Biest auf dem Schlachtfeld getragen. In den Tavernen wurden von Betrunkenen Reisenden Geschichten erzählt die von Göttern Sprachen, von dem Teufel und meiner Meinung nach eher klangen wie das leere Geschwafel eines traurigen Trunkenbolts, der eine Geschichte ausschmückte die er selbst nur so halb mitbekommen hatte. Für viele Seefahrer und Reisende blieb Eivor Wolfsmahl eine Legende, etwas was man nicht greifen konnte, eine Figur die keinen wirklichen Namen hatte, so viele trug er und zu jedem Namen gab es eine Geschichte.
Geschichten von Kriegern die von einem Ungeheuer erzählten, das im Blut der Leichen badete, die hellen Haare rot gefärbt mit den Eingeweiden seiner Opfer. Ein tödlicher Sturm aus Kraft, Stahl und Gerissenheit. Sie sprachen von einem Wilden, einem Barbaren, welcher Kopf besaß und erst dann über seine Beute herfiel, wenn sie ihm direkt ins Maul gelaufen war in das er sie getrieben hatte. Der pechschwarze Rabe sollte dein Ende ankündigen, denn wenn dieser Vogel über deinem Kopf kreiste war sein Meister nicht mehr weit. Ich hatte sogar gehört der Rabe solle seine Augen sein, mit der er die Ländereien erschließe und so seinen Weg über jede Mauer und durch jedes noch so gut bewachte Speergebiet fand. Erst im Angesicht des Todes würde man die schwarze Krähe zu Gesicht bekommen, die ihrem Meister, den Weg über Mauern und Dächer gezeigt hatte und nun laut krächzend über meinem Kopf schwebte.
“Schießt das Vieh runter!”, brüllte ich die umstehenden Männer an, welche auch so gleich “Jawohl!”, schrien und hastig anfingen ihre Bögen zu bespannen.
Es hatte keine drei Tage gedauert bis die Nachricht, das ich das kleine Königreich des jungen Königs an mich genommen hatte, bei seinen Verbündeten angekommen war. Sie waren gekommen, genau wie von mir erwünscht und ich hieß die dunkle Welle die aus den Wäldern zu den Stadtmauern schwappten mit einem vor freudigen Lächeln willkommen.
Auch wenn mein Herz pochte, die Geschichten über Eivor Wolfsmahl in meinem Kopf herum geisterten und die Hörner der Schlacht erklungen, so dunkle und unheilvoll, hatte ich keine Angst. Furcht ließ einen unvorsichtig werden, es ließ einen panisch werden und dies bedeutete den Tod. Und ich war nicht bereit für den Tod. Mein Werk hier war noch nicht vollendet.

Tiefe Hörner kündigten die Ankunft der zahlreichen Krieger an, welche langsam aus dem Wald strömten und sich nahe des Flusses sammelten. Zwischen den Fußsoldaten erschienen Pferde, Kriegsgesänge wurden laut und rote Feuer schossen in den Himmel.
Äxte trafen auf Schilde und bildeten dunkle Trommeln, ein Marschlied des Todes, begleitet von Ausrufen zu ihren Göttern. Fackeln wurden auf unsere Tore zu getragen, Bogen gespannt und dann blieben sie stehen.
Es waren vielleicht 300 Krieger, mit bemalten Gesichtern, geflochtenen Bärten und schwarzen barbarischen Bemahlungen und Tattoos ihres Glaubens. Die Heiden waren angekommen. Die Dänen, welche Dörfer und Klöster überfielen, den heiligen Grund entweihten und die Kirchen zu Asche verbrannten. Brutale Barbaren, Fremde die nach Englaland gekommen waren und den Menschen hier Land und Vieh nahmen. Sie töteten ohne Moral, ohne Recht und respektierten die Hierarchie dieses Landes nicht.

Doch all dies war nicht mein Problem. Es interessierte mich nicht im geringsten was die Heiden in Englaland taten, was mich interessierte waren die Verborgenen, die wieder hier operierten, die Assassinen. Basim hatte neue Freunde gefunden, denen er ihr lächerliches Kredo aufbinden konnte, die er benutzen konnte um Chaos und Unheil zu stiften, mit dem wackeligen Versprechen von Frieden und Freiheit.


Das Goldene Kreuz brannte unter meiner dunklen Kleidung in meine Haut, fast wie der Schnee, welche so eiskalt und unberührt die Landschaft bedeckte. Meine Mundwinkel verzogen sich zu einem amüsierten Lächeln. Mein Vater würde mich in ein Kloster stecken, um wieder zur Vernunft kommen zu lassen und mich von meinen Sünden reinzuwaschen, wüsste er das ich Gott längst abgeschworen hatte. Wenn er gesehen hätte wie ich mich ausgeschlichen hatte, um mich mit Frauen zu vergnügen, anstatt der Abendmesse beizuwohnen. Ich war es leid. Ich war die Kontrolle leid, den Orden der Ältesten, diesen ewige Krieg um die Streitfrage wer letztenendes Recht hatte, wie mit den Menschen verfahren werden sollte. Es war nie mein Krieg gewesen, Ich hatte ihn nicht gestartet und keiner hatte mich gefragt ob ich ihn fortführen wollte, er wurde mir aufgezwungen. Von dem Mann welchen ich mein Vater nannte, jedoch eher die Rolle meines Ausbilder besaß, der Mann der mich zu einem Soldaten gemacht hatte. Der mich geschmiedet hatte, mit Blut und Tränen, zu einem perfekten Schwert, welches dem Orden Ruhm und Ehre bringen sollte.

Eine weiße Rauchwolke stieg vor meinem Gesicht auf, als ich Ausatmete und die kalte Luft auf meiner Haut brannte. Ich knetete meine behandschuhten Hände hinter meinem Rücken, um wieder Gefühl in diese zu bekommen und nahm die kommende Präsenz einer meiner Männer wahr.
„Magister Laron, sie scheinen auf etwas zu warten“, die Fußschritte verstummten schräg hinter mir. Ich drehte mich nicht um und musterte die Reihen der Heiden. Ihre Hörner waren verstummt. Vollkommen still standen sie im Schnee, während der kalte Wind ihnen durch die langen Haare pfiff. Selbst die wenigen Pferde die sie mitgebracht hatten, scharrten nicht mit den Hufen sondern standen so leblos wie das Weiß um sie herum.
„Sie werden nächtigen, sich sammeln und im Morgengrauen angreifen, wenn die Sonne aufgeht“, ich hob den Kopf und sah in die schwache Abendsonne die sich dem Horizont näherte. In der Nacht war es zu kalt für einen Angriff und bei der Dunkelheit zu glatt, das würden sie nicht riskieren. Fälschlicherweise wurden die Dänen immer für dumme Wilde gehalten, unzivilisiert, mehr Muskeln als Köpfchen und dies konnte ich auch niemandem verübeln. Die meisten von ihnen waren dies. Blutrünstig, brutal und wie die Tiere, jedoch schienen sie auch intelligente Männer unter sich zu haben, die sie führten und diese Horde Barbaren zu ihren Siegen verholfen.
Ich war gespannt was mir mein Gegner entgegen setzten würde. Wie viel aus den Legenden war Wahr? Wie gut war er wirklich. Waren die Geschichten des Großen Kriegers, welcher Stark wie ein Bär und schnell wie ein Luchs war, nur das Geschwätzt eines betrunkenen Mannes gewesen oder konnte dieser Mann wirklich Äxte durch die Luft wirbeln und tobte wie einer ihrer Götter selbst auf dem Schlachtfeld. Ich wollte diesen Teufel sehen, den neuen Schoßhund von Basim. Ich wollte Eivor Wolfsmahl sehen und dass was er darzubieten hatte.

Als Bewegung in die Horden vor unseren Mauern kam und Lagerfeuer entzündet, Zelte hochgezogen und die Pferde abgesattelt wurden, wandte ich mich zufrieden ab. Wie erwartet.
„Sagt den Männern sie sollen schlafen gehen, sobald die ersten Sonnenstrahlen dieses verfluchte Land Erde treffen, steht ihr alle an euren Positionen!“, rief ich den paar Wachposten zu, die mir mit einem lauten, „Jawohl!“, antworteten. Augenblicklich klapperten ihre Waffen, als sie davon gingen und die Nachricht weiter trugen.

Mein Blick fiel auf das neumodische Langhaus.  Ein Zeichen des guten Willens, der Vereinigung beider Völker in East-Engla, durch den Jungen König Oswald. Ausgerechnet ein hagerer Bursche, kaum der Erwähnung wert, geschweige denn des Titels eines Königs. Was hatten sie sich dabei gedacht? Es war lustig wem die Menschen sich alles unterwarfen, nur weil er sich auf einen Theon setzte. Sie würden einem Huhn folgen. Die Versprechen Oswalds waren leer, ein Versprechen sein Volk zu beschützen, Konflikte zu lösen und für Frieden zu sorgen. Niemand der Waffen trug kam im Namen des Friedens, Worte blockten keine Schwerter und ein kleiner Junge konnte kein Volk beschützen.
Wie hilflos er auf dem Thron gesessen hatte, als ich in das Langhaus geschlendert war, eine spöttische Verbeugung angedeutet und ihm mitgeteilt hatte, dass dies ein Überfall war.
Es war ein wahres Trauerspiel gewesen, kurz hatte ich überlegt Oswald den Helden spielen zu lassen und ihm ein Duell mit meiner rechten Hand anzubieten -so ganz ehrenlos wollte ich den König doch nicht verlieren lassen. Jedoch war mir in diesem Moment das warme Bad eingefallen, was auf mich wartete, wenn ich diese Übernahme endlich hinter mir hatte. Weswegen ich keine Zeit hatte ein kleines Kind zu unterhalten. Zeit war kostbar, gerade in diesen Zeiten.


Das Innere des Langhauses war still, die Kessel über den Feuern dampften nur noch schwach, die Speisen, welche vor drei Tagen noch von einer Horde hungriger Männer verspeist worden waren, lagen nun unberührt auf ihren Tellern. Bei jedem meiner Schritte, klackten meine schwarzen Stiefel auf dem dreckigen Boden, das Schwert an meiner Seite rasselte leise und mein schwerer Pelzmantel Schliff hinter mir über den Boden. Mein Blick fokussierte sich auf den Thron, während ich zwischen den langen Tischen auf diesen zulief. Ich hatte keinen Gott zu dem ich für die morgige Schlacht beten konnte, nur einen Meister und einen Auftrag zu erfüllen.
Den Auftrag Eivor Wolfsmal nach Francia zu bringen, zu meinem Vater, damit wir den Wikinger zu den Verborgenen befragen konnten, zu Basim. Und diesen eventuell so aus den Schatten locken konnten.
Ich blieb Vor dem Thron stehen und schürzte die Lippen. Vielleicht sollte ich mich in diesem kalten und von Barbaren besetzten Land niederlassen, weit weg von meinem Vater und selber König werden. Ich könnte ein paar Festungen überfallen, ein paar Könige töten und mein eigenes Königreich gründen. Ein seufzten und ein dunkles Lachen entwich mir. Egal wie hoch ich aufsteigen würde, wie mächtig ich werden würde und wie weit ich versuchte zu fliehen, ich würde dem Orden niemals entkommen können. Ich kannte sie, wusste wie die geendet waren, die versucht hatten zu rennen. Selbst die Jahre meines Trainings, meiner Ausbildung zum perfekten Soldaten konnten mich nicht schützen, sie würden mich umbringen. Ich würde nicht nur die Verborgenen als Feinde haben, sondern auch den Orden.
Willkürlich ballten sich meine Hände zu Fäusten und ließen mich mit einem Wutschrei den Thron umtreten. Ein dumpfes Pochen ertönte als das massive Holz auf den Boden traf und leicht ächzte und zitterte bevor es reglos liegen blieb.

Das Feuer knisterte in meinem Rücken und gab mir ein komisches Gefühl von Sicherheit, etwas so starkes und wildes im Rücken zu haben.
Ich verzog das Gesicht und massierte mir die Schläfen fuhr durch meine Haare und ließ zu das mir schwarze Strähnen in die Augen fielen. Schwarz. Schwarz wie alles an mir, meine Kleidung, meine Vergangenheit, mein Herz, um melodramatisch zu werden. Mein Vater hatte dafür gesorgt. Schwäche war tödlich, Emotionen waren tödlich, und doch war Wut alles was mich antrieb. Wut, Überheblichkeit, vielleicht auch etwas Arroganz und Ego.
Morgen würde sich entscheidenen ob ich einmal mehr als Sieger hervor gehen würde oder das legendäre Wolfsmahl meinem Darsein ein jähes Ende setzten konnte.


Der Morgen kam schneller als erwartet, obwohl der Schlaf mich in der Nacht nicht einholte und ich die meiste Zeit auf dem kleinem Holzbett im Langhaus lag und an die Decke starrte, ehe ich mich, sobald der Himmel heller zu werden schien, auf machte um meine Soldaten zu wecken. Die kalte Luft wehte durch meine Haare und brannte mir in den Augen als ich durch die Zeltreihen in der Festung lief und gegen jeden Körper trat, der mir unter die Augen kam, um diese aus dem Traumland wieder zu holen. Während sich hinter mir mit Fluchen unheimlich schwankenden Verbeugungen Soldaten aufrappelten, schlug ich schwungvoll eine Zeltwand beiseite und wurde prompt von überraschten und Verschlafenen Gesichter begrüßt.
„Magister“, stammelte einer der Soldaten und zog sich eilig seine Stiefel an.
„Magister“, äffte ich ihn nach und schlug dem Mann rechts von mir, einer der jungen, auf den Hinterkopf, „Was soll das hier werden?! Soll ich euch vielleicht noch frühstück ans Bett bringen? Seht zu das ihr euren Ärsche bewegt!“
In die Soldaten kam leben, sie zuckte zusammen und sprangen auf um noch immer völlig schläfrig in einander zu laufen, auf der Suche nach ihrer Kleidung und Waffen. Das Chaos ignorierend stapfte ich an ihnen vorbei, zum Letzten Schlafplatz ganz hinten im Zelt. Ich nahm den Krug mit Wasser von einer der Kisten und entleerte ihn über dem Kopf des Dunkelhaarigen Mannes, welcher auch gleich mit einem Fluchen in die Höhe schoss.
Mit zuckenden Mundwinkeln verschränkte ich die Arme und packte den Stapel dunkler Klamotten, der neben ihm lag, „Guten Morgen Prinzessin“
Wilde Augen suchten nach ihrem Angreifer und versprachen unmenschliche Qualen, ehe sie an mir hängen blieben und sich ein Funken Realisation in ihnen wieder spiegelte.
„Manchmal hasse ich dich, weißt du das?“, Piere wischte sich das Wasser vom Gesicht und schwang die Beine über die Kante des improvisierten Strohbettes, „Was ist? Greifen sie an?“
Ich musterte die halb ausgetrunkenen Krüge Wein, während mein bester Mann in meinem Rücken nach seinen Stiefeln griff und began mit seinem Wurstfingern die Schnüre festzuziehen.
„Die Sonne geht auf“, bemerkte ich und gab ihm damit Antwort genug. Tonlos ließ ich meine Finger über das Würfelspiel tänzeln, was wohl im gestrigen Abend restlos untergegangen sein musste und längst vergessen auf einem kleinen hölzernen Hocker lag. Wer auch immer den letzten Zug getan hatte, hatte den größten Fehler seines Lebens begangen und musste froh sein, dass sein Gegner anscheinend keine Lust mehr gehabt haben musste.
„Du bist besorgt“, stellte er fest und hielt inne, wobei er die Arme auf die Knie stützte und mich ernst musterte. Ein Seitenblick zu ihm ließ mich tonlos seufzten, „Sie nennen ihn einen Gott, wäre es nicht dumm vor einem Gott keine Ehrfurcht zu haben?“
Ich zog eine Augenbraue hoch und legte den Kopf schief, meine behandschuhte Hand nun nach seinem Schwert ausstreckend.
„Okay“, er nickte und machte eine auffordernd Handbewegung, „Und jetzt der eigentliche Grund?“
„Mein Vater hat mich angewiesen ihn nach Francia zu bringen“, verächtlich schnaufte ich und kräuselte unzufrieden meine Lippe, „Lebendig“
„Die Templer machen keine Gefangenen, wird er versuchen den Barbaren für sich zu gewinnen?“, mit leisen Knacken der Knochen erhob der Braunhaarige sich und nahm mir das Schwert aus der Hand, was ich bereitwillig zuließ, um es sich um die Hüfte zu schnallen, „Sag deinem alten Herrn, das auch du keine Wunder vollbringen kannst“
„Wer weiß schon was er plant, ich führe Befehle aus und räume hinter ihm auf, ich werde in die Pläne leider nicht eingewiesen“, erinnerte ich ihn und wartete bis er auch seinen dunklen Mantel übergeschmissen hatte, bevor ich die Zeltplane zurückschlug und in die kalte Winterluft trat.

Überraschenderweise war tatsächlich Leben in unser Lager gekommen, sodass meine Männer mit französischen Flüchen, die die Kälte und diese Gottlose Land verwünschten, Schwerter ausgaben, Pech in großen Kesseln über lodernden Lagerfeuer schmolzen und Bögen und Pfeile verteilten. Ich machte Adger mitten in dem Gewusel aus und hob zum groß die Hand als seine wachsamen Augen auf uns trafen. Er nickte uns grimmig zu, mit einer halb verbundenen Nase und brüllte kurze Zeit später wieder einige Soldaten zusammen die ihm nicht schnell genug arbeiteten. Barrikaden wurden hochgezogen und als ich durch die äußerst Beschäftigten Straßen schritt konnte ich bereits die Kriegsgesänge der Dänen vernehmen, die noch immer vor unseren Mauern standen. Oder ihren eigenen Mauern, kam ganz drauf an wie man es nahm.

Ein unheilvoller Schrei ließ mich den Kopf in den Nacken legen und in den klaren Himmel sehen, der fast wie eine Eiswand wirkte, die uns in diesem Land einsperrte. Dunkles Gefieder stand im Kontrast zu dem hell blau des frühen Morgens und die Klauen des Rabens, welcher über unserem Lager kreiste und mit einer mir nicht ganz so gut gefallenen Intelligenz auf uns hinab zu schauen schien, glänzten lang und scharf. Anscheinend war es schwieriger als gedacht einen einfachen Vogel vom Himmel zu schießen, ich dachte dieses Problem hatte sich geklärt. Nun kam in mir die Frage auf ob ich den inkompetenten Soldaten vom Vorabend köpfen lassen oder amüsiert und vielleicht etwas erfreut den Raben wieder zu sehen zu dem dunklen Tier Aufsehen sollte.  

Schwere Schritte erklangen hinter mir, dichtgefolgt von Pieres missmutiger Stimme.
„Ein Rabe“, stellte er fest und kam neben mir zum stehen, „Bringen nur Unglück die Viecher“
„Odin scheint mit ihnen zu sein“, ich starrte weiter zu dem Raben hinauf und konnte das heben meiner Mundwinkel nicht unterdrücken, „Wollen wir hoffen das unser Herr auch mit uns ist, nicht wahr?“
Piere sah mich einen Moment einfach nur an, schien zu versuchen die Bedeutung hinter meinen Worten zu erfassen, ehe er nach einem weiteren krächzten des Vogels enttarnt die Hände in die Luft warf.
„Hey! Du!“, er deutete auf einen der Bogenschützen die voll beladen an uns vorbei rauschten, „Hohl dieses Vieh vom Himmel!“
„Aber Sir, ich soll diese Pfeile zu Ra-…“
„Hast du mich nicht gehört?!“, Piere gab dem armen Mann keine Zeit auszureden und marschierte auf sein Opfer zu, was für mich das Zeichen war zu gehen.

Ohne dem ausgebrochenen Gebrüll in meinem Rücken noch weiter Aufmerksamkeit zu schenken, wissend, das Piere immer in meiner Nähe war, wenn ich ihn brauchte, machte ich mich auf dem Weg zurück zum höchsten Punkt des Dorfes. Zum Langhaus.
Noch bevor meine Männer mich herannahen sahen und mich im Chor begrüßten und sich verbeugten, konnte ich das Herr sehen, was sich an den Mauern versammelt hatte. Sie sangen, hielten ihre Äxte in die Luft und stachelten die Feuer an, die sie in der Nacht warm gehalten hatten. Ich legte den Kopf schief und verengte die Augen, versuchte in dem Gewirr der Wilden den einen Mann zu entdecken, wegen dem ich hier war, doch vergebens. Wenn man den Legenden glauben schenken konnte würde ich ihn erst sehen, wenn er direkt hinter mir stand und mir einen Gruß vom Tod ins Ohr flüsterte.



Geschrei wurde laut, als sich eine dunkle Welle mit Kampfgebrüll auf die Stadtmauern zubewegte. Waffen wurden erhoben und ich verengte die Augen um zwischen den kleinen Figuren mein Ziel auszumachen. Der einzige Krieger der hier heute von Bedeutung war, war Eivor. Mein Auftrag war es ihn gefangen zu nehmen und am Ende selbstverständlich zu töten, doch vorläufig standen seine Verbindungen zu den Verborgenen im Mittelpunkt. Er würde uns zu den stationierten Mitgliedern in Englaland führen, zu Basim, welcher dachte uns entkommen zu können. Die neue Freundschaft zwischen Eivor und den Verborgenen hatte uns viele Mitglieder gekostet und für schlechte Stimmungen in inneren Kreisen gesorgt.
Ich verzog das Gesicht, als ich mich an die Schelle meines Vaters erinnerte, wie sein Ring mir die Wange aufgerissen hatte, während das Kreuz auf diesem mir spottend entgegen funkelte, als würde Gott mich auslachen. Er selbst wollte auch nicht nach Englaland gehen, also warum musste ich hier versauern und mich mit Sachsen und Dänen beschäftigen.
Konstantinopel war auch von den Temperaturen her angenehmer gewesen, keine Dänen, bis auf diesen Sigurd der genau wie sein Bruder nur Probleme für uns zu bedeuten schien, die Hafenstadt war voller Leben gewesen, Handelsmänner und mittendrin hatte ich mir ein schönes Leben gemacht, hatte in meiner Freizeit Basim gejagt und sonst den guten Wein aus Italien und Griechenland genossen, welcher eingeschifft wurde. Ich vermisste diese Tage. Einmal mehr fraß sich die Kälte durch meinen Fellmantel, der Wind wirbelte meine dunklen Haare auf und der Schnee schien meine Stiefel zu durchnässen. Wenn wir Eivor gefangen hatten, hatte ich mir ein heißes Bad verdient.

Kampfgeräauche drangen an mein Ohr, das  Tor bebte unter den Stößen des Rammbocks und Goldene Pfeilsalven schmückten den Himmel. Ein Wachturm stand in Flammen und brach auf die Angreifer hinein. Ein Meer aus Flammen bildete sich, verschlang alles, was es erreichte und schien die feindlichen Krieger nur noch schneller in unsere Forten zu treiben. Das Geschrei der Sterbenden wurde übertönt vom Gebrüll der Lebenden, von dem bärsten des Holzes, als die Feinde durch das Tor brachen, von dem hellen Kreischen der Waffen als diese aufeinander prallten.
Unzufrieden schürzte ich die Lippen, “Das ging schneller als erwartet”

Aus all den Legenden konnte ich raushören, das Eivor kein Freund von Wölfen war, er schien diese Biester zu meiden und zu töten wenn er auf sie traf. Eivor Wolfsmahl hatte Angst vor Wölfen, die Narbe an seinem Hals lieferte wohl einen nachvollziehbaren Grund. Doch es schien mir kindisch an kindlichen Ängsten festzuhalten.
“Der Wolf ist auf der Jagd. Oh sag mir Fenrir siehst du was du suchst?”, Adger stellte sich neben mich, sah mir kalkulierend entgegen und nutzte den Spitznamen, den sie Heiden in unseren Reihen mir gegeben hatten. Ich warf ihm einen kurzen Blick zu und bemerkte seine Blaue Nase, selbst bis unter seine Augen, hatten sich blau grün Töne gezogen und ließen ihn wirken wie eine dieser Barbaren, mit ihrem Kriegsbemahlungen. Er sah so fremd und wild aus und doch kannte ich Adger, wusste das er diese Seite von sich längst hinter sich gelassen hatte. Wenn man so wollte war er ein Verräter durch und durch.

Ich summte und beobachtete das Kampfgetümmel, suchte noch immer nach meinem Ziel.
“Es hat gerade einmal drei Tage gedauert, bis sie vor unseren Toren standen”, der Mann neben mir war ruhig, er wusste das kein verlorenes Leben an diesem Tag Bedeutung hatte. Der Orden der Ältesten scherte sich nicht um belanglose Leben, die für die gute Sache geopfert wurden.

Meine Mundwinkel zuckten, “Ich hatte irgendwie doch gehofft Basim wieder zu sehen, doch anscheinend hat er wirklich sein neues Schoßhündchen vorgeschickt”, endlich fiel mein Blick auf einen Mann, welcher zwei Äxte herumwirbelte und in diesem Moment zwei meiner Männer gleichzeitig ausschaltete. Mit einem sauberen Wurf, spalteten seine Äxte ihre Schädel. Sein Haare waren blond, waren zu den Zöpfen geflochten, die die Wilden trugen und wirbelten um ihn herum wie in Heiligenschein.
Ich zog eine Augenbraue hoch als ich feststellte wie viel Kraft der Mann zu besitzen schien. Fast mühelos warf er Männer zu Boden und trotz seiner Statur und Größe war er zu flink, als das ein Langschwert ihn treffen könnte.
“Das ist er? Eivor?”, Adger verschränkte die Arme und musterte den Wikinger, welcher zu unseren Füßen sein Unheil trieb, “Bei Odin. Er wütet wie Thor selbst”
“Scheint ganz so”, gab ich ihm recht und rollte meine Schultern, wobei ich nach dem Verschluss meines Mangels griff und mir diesen in einer Bewegung von den Schultern zog, “Halte die Giftpfeile bereit”
Ich schenkte Adger einen bedeutenden Blick und streckte ihm meinen Mantel entgegen, den er stumm an sich nahm, “Und versuch nichts wichtiges zu treffen”

Ich wandte mich zum gehen und rieb meine behandschuhten Hände aneinander um wieder etwas Gefühl in diese zu kriegen. Eivor war Stark, schnell und obwohl mein Ego groß genug war zu behaupten ich hätte Chancen ihn in einem fairen Kampf zu schlagen, wusste ich das ich weder Zeit für diesen Kampf hatte, noch riskieren konnte zu verlieren. Ein zwei kleine Tricks hatten noch niemandem geschadet und wenn es stimmte und er ein halbgott war sollte das Gift ihn mit einer überzeugend großen Überlebenschance nichts anhaben können. Jedenfalls in der Theorie nicht.



Kontrolliert steuerte ich durch sie helle Aufregung in unserem Lager, wie wild die Tore blockiert wurden und immer mehr meiner Bogenschützen die Mauern hochkletterten.
Ich machte Piere aus, welcher sein Schwert schwang und einem Heiden glatt den Arm durchtrennte, er war schwer am schnaufen und voll mit Blut, was mich stehen bleiben ließ.
“Immer weiter so, Chéri”, rief ich ihm zu und erntete einen bösen Blick und ein ziemlich unartiges Wort auf dreckigen Französisch, was mir ein leises Lachen abrung. Ich setzte meinen Weg fort, als Piere sich dem nächsten Angreifer zu wandt.

Pfeile flogen an mir vorbei und das Beben an unserem zweiten Tor ließ mich inne halten. Vielleicht sollte ich einfach hier warten, es würde ohnehin nicht lange dauern bis sie durchbrechen würde. Ich musste zugeben, ich war etwas enttäuscht. Neben dem Ruf als Krieger eilte Eivor auch der eines Strategen voraus, doch ein simpler Frontalangriff enttäuschte mich in meinen Erwartungen.




——-




Mit einem Blick zu den hohen Mauern, konnte ich Adger ausfindig machen, einen Bogen in einer Hand und einem entschlossenen Blick. Ich schenkte ihm ein Nicken, als das Tor nachgab und die Angreifer durchbrachen. Die meisten wurden bereits im Tor von meinen Männern angefangen, einige wurden durch Pfeile niedergestreckt, doch die die durchkamen stürzten sich auf mich.
Ein müdes Lächeln wurde auf meinem Gesicht breit als ich mich ohne mein Langschwert zu ziehen zur Seite lehnte und so der Axt des Mannes auswich. Ich tanzte den Tanz des Todes nun schon seitdem ich ein Schwert halten konnte, da konnte ganz sicher kein Däne mithalten, welcher blind links auf mich zustürmte. Ich hätte nur einen Hieb gebraucht und sein Kopf wäre zu den Füßen Eivor’s gerollt, welcher gerade das Tor durchschritt. Unsere Augen trafen sich, und an seinem kalkulierenden Blick konnte ich sehen das er mich als Autoritätsperson erkannt hatte. Er

Augenblicklich kam Leben in mich und ließ mich beim nächsten ausweichen, mein Schwert ziehen. Blut spritzte als ich die Kehle des Mannes aufschnitt und ein dumpfes pochen bezeugte den Aufprall seines Körpers.
Ich verfiel in einen leichten Laufschritt und hob das Schwert, alle anderen um mich herum ignorierend, alles bis auf den blonden Mann, dessen Augen sich verengten während er die Axt fester griff und kurz an meiner Gestalt hoch und runter glitt. In letzter Sekunde riss der Wikinger die Axt hoch und blickte meinen kommenden Schlag, strauchelte Kurz unter meiner Kraft und sah mir dunkle entgegen, als ich mich zu ihm runter lehnte und stärker gegen ihn drückte.

“Willkommen Eivor, Oswald lässt sich entschuldigen, er kann leider nicht persönlich kommen um dich zu begrüßen”, ich legte den Kopf schief und offenbarte ihm meine Zähne in einem breiten Lächeln, was er mit einem schnaufen quittierte, ehe mein Schwert mit einem wuchtigen Schlag zur Seite geschlagen wurde.
“Und du bist?”, Eivor drehte seine Äxte scheinbar mühelos in seinen Händen während er ausfächerte und anfing mich zu umkreisen. Ich beäugte das Schauspiel und konnte nicht verhindern von der Waffenbeherrschung des Barbaren beeindruckt zu sein.
Seine Schritte waren federnd, er tänzelte scheinbar schwerelos um mich herum und ich konnte die goldene Klinge an seinem Unterarm sehen, die mir verriet wie tödlich er wirklich sein konnte. Hatte Basim ihm womöglich einiges beigebracht? Von den zugegebenermaßen beeindruckenden Fähigkeiten der Assassinen.

Ich hob mein Schwert und deutete auf das Schmuckstück, “Du trägst sie falsch herum”
“Das macht keinen Unterschied, wenn ich damit dein Herz durchstoße”, lautete die Antwort, ein dunkles Versprechen in der Stimme.
Ich nickte, “Ja das stimmt wohl. Weißt du wessen Krieg du gerade kämpfst?“
„Ja, den Krieg den du gestartet hast als du diese Ländereien betreten hast!“
„Nein“, ich schüttelte den Kopf, „Du bist nur ein Werkzeug zum Zweck, genau wie ich. Du kämpfst Basims Krieg.“
„Du bist also einer von denen? Den Verrückten die über Götter sprechen und den Menschen in Englaland leid bringen.“
„Wie Mans nimmt, Eivor. Alles was ich weiß ist, das über dich genau das gleiche gesagt wird. Touché“, noch während ich das letzte Wort aussprach stürzte ich auf ihn zu und schwang mein Schwert. Immer wieder kreischte Stahl auf, als unsere Waffen aufeinander prallten, Funken sprühten und dumpfe Laute entwichen uns, wenn der andere besonders viel Kraft in seinen Schlag steckte.
Erst jetzt im Kampf wurde mir bewusst was für ein gefährlicher Gegner Eivor war. Seine Schläge waren präzise und kraftvoll und ließen mich ein zwei mal unerwartet im letzten Moment zurückweichen um einen tödlichen Axthieb zu entgehen. Wie ein Hagel aus tödlichem Stahl schlug er auf mich ein und machte es mir schwer seinen Hieben, die sich nicht blocken ließen rechtzeitig auszuweichen. Ich war zu langsam, trotz meiner schmaleren Statur, war ich aufgrund meines langen Schwertes und schweren Klamotten zu langsam. Ich verzog unzufrieden das Gesicht, als meine Arme anfingen von den Vibrationen zu schmerzen, welche mir jedesmal durch Mark und Bein gingen, wenn Eivor zuschlug.

Schwer atmend sah ich zu dem Mann vor mir, wie die dunkle Asche um seine Augen, ihm etwas wildes gaben. Etwas Barbarisches. Er sah aus wie ein Biest, bereit seine Zähne in mein Leib zu schlagen und mir meine Gliedmaßen auszureißen. Der Bart lang und geflochten und voll mit Blut, ganz im Gegensatz zu meinem rasierten Gesicht. Seine hellen Haare, standen gegen meine schwarzen. Seine hellen Augen, die an den eisigen Himmel im Norden erinnerten, gegen meine dunklen. Es war als träfe Feuer auf Eis.
Ich bemerkte den amüsierten Ausdruck in seinem Gesicht, wie er abschätzig einen Mundwinkel gehoben hatte und anfing mich abermals zu umkreisen. Nur beiläufig nahm Ich war, das die Kämpfe um uns herum noch immer tobten und nur die Leichen mehr zu werden schienen. Genervt verzog ich die Augenbrauen und bemühte mich meinen Atem wieder unter Kontrolle zu kriegen, “Was ist, Däne?”
Die kleine Wolke, welche vor seinem Gesicht erschien, verriet das er überhaupt atmete, “Euer Orden hätte einen Krieger schicken sollen”, sein Blick glitt über meine Gestalt, “Keinen Burschen”
Ich schnaufte und und warf einen kurzen Blick über seine Schulter zur Mauer, auf der ich Adget ausmachte, wie er sich gerade gegen zwei weitere Dänen wehrte und einen mit einem Pfeil in der Stirn zu Boden schickte.
“Und ihr hättet einen König wählen sollen, keinen unfähigen Idioten!”, ich warf mein Schwert, was ihn zu überraschen schien. Noch während er zur Seite sprang, hechtete ich in seine Richtung und machte mich daran ihn mit einer hart erlernten Technik von den Füßen zu reißen. Ein guter Bekanntet hatte sie mir in Konstantinopel beigebracht, und mir erklärt das ich die Anaconda sein musste, die sich um ihr Opfer schlängelte, ehe sie es im Ganzen fraß.

Ich ächzte unter seinem Gewicht und mobilisierte meine letzten Kräfte, ehe ich es tatsächlich schaffte ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen. Ich biss die Zähne zusammen als ich spürte wie er zu Boden stürzte und mir somit den Schwung gab mich auf ihn zu rollen.
„Adger!“, brüllte ich als ich versuchte seine Hände zu fixieren und die versteckte Klinge an seinem Arm von mir fernzuhalten. Ich stöhnte vor Schmerz als Eivor unter mir knurrte, sein Bein im Bogen hochzog und mich in den Rippen traf. Meine Reaktion war ein wütendes fluchen meinerseits und mein Unterarm den ich unter das Kind des Wikingers presste um ihm die Sauerstoffzufuhr zu nehmen und zu schwächen. Ein starker griff legte sich um mein Handgelenk und drückte gefährlich fest zu, was mich das Gesicht verziehen ließ, während ich versuchte mich gegen den Mann zu stemmen, der drauf und dran war mir nicht nur das Handgelenk zu brechen, sondern mir ebenfalls das Leben zu nehmen, sollte ich ihn loslassen. Schweiß machte sich auf meiner Stirn breit, ließ mich, den Kopf hochreißen um Adger zu finden, wissend das Ich Eivor nicht für immer so halten konnte.
„Bleib einfach liegen, Eivor. Dann werde ich auch vorsichtig mit dir sein“, knurrte ich atemlos und knirschte mit den Zähnen, als ich ihn mit einem Ruck wieder auf den Boden drückte nachdem er sich ein gutes Stück hochgekämpft hatte.
„Ich reiße dir den Kopf ab, Franke“, war seine Antwort, auf die er mit einer Rolle antwortete, die mich in ihrer Kraft überraschte. Mein Arm wurde erfasst und mir auf den Rücken gedreht, während Eivor sich auf die Knie kämpfte. Ich warf einen Blick zurück und musste mir eingestehen, dass ich das so nicht eingeplant hatte. Mit einem Tritt beförderte ich die Axt des Blonden, nach der er gegriffen hatte, außer Reichweite und versuchte meinen Arm aus seinem Griff zu ziehen, scheiterte jedoch als ein dumpfer Schmerz durch diesen zuckte.
„Adger!“, brüllte ich ein weiteres Mal und sah über meine Schulter, an Eivor vorbei zu der Mauer auf der Adger gerade mit einem Dänen Rang und diesen mit einem Tritt von sich wegbeförderte. Der Heide brüllte, stürzte und landete mit einem dumpfen Geräusch nicht weit weg auf dem Boden, was Eivor seinen Griff verengen ließ. Adger blitzte mich genervt an, rieb sich das Blut aus den Augen und dem Bart und griff nach dem Bogen den er wohl im Kampf verloren hatte.

Ich schloss die Augen als ich den Pfeil durch die Luft surren hörte und zuckte erleichtert mit den Mundwinkel als ich ein schmerzerfülltes grunzen von Eivor vernahm. Seine Hand verließ mein Handgelenk um den Pfeil zu ergreifen der in seinem Schulterblatt steckte und ziemlich schmerzhaft aussah. Ich konnte sehen wie das Gift augenblicklich seine Wirkung entfaltete und der Wikinger den Kopf schüttelte, während er wild blinzelte und von mir weg kroch. Ich stemmte mich in die Höhe und sah auf ihn hinab, beobachtete wie er versuchte sich ebenfalls wieder auf die Beine zu kämpfen, als die Erkenntnis zu ihm durchsickerte, das er einen bereits verlorenen Kampf kämpfte. Er fluchte auf seine Sprache, sah mich mit Feuer in den glasigen Augen an und brüllte wütend in meine Richtung, blind nach seine Axt suchend. Ich verfolgte ihn und tigerte im ihn herum, beobachtete wie sein Körper immer schwächer wurde.
Ein letztes Mal versuchte Eivor Wolfsmahl sich aufzurichten, ehe das Feuer in seinen Augen erlosch und diese glasig wurden, ehe sie schlussendlich zu fielen. Sein Körper sackte zusammen und blieb schließlich im Dreck liegen.

Der Lärm der Schlacht war mit einem Mal wieder da, die Kämpfe dauerten noch immer an, Geschrei wurde Laut, Rauch stieg mir in die Nase und mit einem Blick zu Eivor musste ich feststellen, das es sich fantastisch anfühlte als Sieger hervorzugehen. Ich fühlte mich als hätte ich ein legendäres Biest erlegt.
“Ich will das ihre Schreie in ganz East-Engla ertönen!”, stachelte ich meine Männer an und erntete zustimmendes Gebrülle, ehe ihre Hiebe kräftiger wurden.
Adger rannte in dem Durcheinander auf mich zu, musste ein paar mal taumelnden Soldaten ausweichen und kam schlussendlich neben mir zum stehen, “Er hat dich mehr als fertig gemacht”
Ich schenkte ihm einen dunklen Blick und trat dem Bewusstlosen gegen das Bein, “Hat er nicht, ich hatte alles im Griff”
“Du hast nicht ehrenhaft gekämpft”,  warf er ein als er sich zu Eivor niederkniete und seine Atmung checkte. Der Stoff um den Pfeil herum war bereits rot gefärbt rund klebte an seiner Haut.
Ich wank ab, “Ehre ist oftmals Dummheit, aber die Menschen sind so versessen darauf, dass man meinen könnte sie lieben den Tod mehr als sie ihn fürchten.”
“An dir ist ein Philosoph verloren gegangen”, er nickte mir zu und richtete sich wieder auf, “Er atmet noch, wir sollten den Pfeil dennoch nicht zu lange drin lassen.”
“Hey!”, ich wank einen meiner Soldaten zu mir, welcher auch sofort angerannt kam, “Schafft diesen Mann zum Heiler und anschließend in eine Zelle.”
Der Großteil der Angreifer waren zurück gedrängt worden, nachdem ihr Anführer gefallen war und es würde sich nur noch um Minuten handeln können bis sie sich zurück ziehen mussten.
“Legt ihm Eisen an”, gab ich an die Männer weiter, welche zu dritt ächzten um den Wikinger hochzustemmen. Mit einem letzten Blick zu Eivor, hob ich mein Schwert aus dem Schnee und Schritt von dannen, Adger in meinem Rücken. Ich sollte vielleicht nach Piere sehen.


Erst als als die Nacht hinein gebrochen war, waren alle Feuer gelöscht worden, alle Leichen zusammen auf großen Haufen verbrannt worden und unsere eigenen bestattet. Der Angriff hatte bereits am Mittag geendet, doch der Geruch von Blut und Tod lag in der Luft, als würde der Kampf noch andauern. Auch hier im Langhaus, wo ich mich einquartiert hatte, konnte ich die Lieder meiner Solaten vernehmen, hatten sie sich doch an Feuern versammelt und tranken Met bis zum umfallen. Ich starrte in die Flamme der Kerze, welche auf dem Tisch vor mir stand und das Blatt Pergament vor mir erhellte. Ich sollte nach Eivor sehen. Es hatte keinen Sinn, zu Lügen und zu sagen, das er mich nicht auf eine komische Art und Weise faszinierte. Der Blonde Mann hatte etwas was mich beeindruckt, seine Wildheit, seine Entschlossenheit im Kampf. Ihn schien etwas mystisches zu umgeben, etwas kraftvolles. Der Kampf mit ihm hatte mich leben lassen, mich lebendig fühlen lassen, so lebendig wie lange nicht mehr.
Nie hatte ich viel von Mitgliedern der Verborgenen gehalten, nichts von ihrer Motivation, von ihrer Vorgehensweise. Auch wenn Basim wie ein würdiger Gegner schien, so beeindruckte er mich doch nicht. Doch Eivor war neu, anders. Eivor war wie ein unbändiges Biest, geführt von Freiheit und dem Mut Entscheidungen zu treffen, ein Anführer für die Leute seines Clans.
Er brachte etwas in mir zum Vorschein was ich vor Jahren vergraben hatte, die Tattoos an meinem Rücken, meine Brust schienen wieder zu brennen und ich musste einmal schlucken, um dieses Brennen nieder zu kämpfen. Vater würde toben, wäre er sich bewusst, was der neue Verbündete Basims in mir auslöste. Er würde toben wenn er die Tattoos überhaupt sehen würde.

Ich seufzte und senkte die Feder mit Tinte auf das Blatt um die ersten Worte zu schreiben.

Vater,
Ich habe Eivor Wolfsmahl gefangen genommen, wie von dir aufgetragen. East-Engla’s Tore stehen unserem Orden nun offen und ich erwarte den Fuchs, welcher nun für dieses Land verantwortlich ist. Noch am selben Tag seiner Ankunft, werde ich mich auf den Weg zu dir machen und dir meinen Gefangenen Bringen.

Auf bald, der Wolf


Ich griff nach dem roten Wachs und hielt diesen in die Kerze bis er auf das Papier tropfte. Mit müden Gliedmaßen griff ich nach dem Siegel unseres Ordens und verschloss den Brief. Dem Papier keinen weiteren Blick schenkend, stemmt ich mich hoch und entledigte mich dem schweren Pelzmantel auf meinen Schultern. Erleichtert stieß ich die Luft aus, als ich von der Last befreit wurde und begann auch die Waffengurte, mitsamt ihrer Waffen abzulegen. Das Langschwert polterte auf den Boden, meine Dolche schlitterten über den Tisch und endlich konnte ich meinen erschöpften Muskeln Ruhe gönnen. Ich legte den Kopf in den Nacken und streckte mich, legte den Kopf zu beiden Seiten und genoss für einen Moment die Freiheit, ehe ich nach meinem dünnen Umhang griff und ihn mir über die Schultern schwang. Ich hatte meine Klamotten halbiert Trug nun, nur noch meine Hose und ein loses Hemd und steuerte die Tür an. Ich griff beim Vorbeigehen nach dem Brief auf dem Tisch und wurde in der Halle im Langhaus prompt von betrunkenen Gejohle begrüßt. Alkohol erfüllte den Raum, schickte meine tapferen Krieger in den Himmel zu Gott, ließen sie die Kälte vergessen.
Es war nicht schwer Adger ausfindig zu machen. Er war Däne., anders als es sein Name vermuten ließ und trug seine Haare ebenso lang wie Eivor. Er war genauso Stolz auf ihre Länge als auf seine Alkoholverträglichkeit. Ein Schmunzeln wurde mir entlockt als mein bester Mann mit der Faust auf den Tisch schlug und so ein paar Männer dazu brachte aus einem Schleier des Alkohols aufzuschrecken. Vermutlich erzählte er wieder Geschichten über wilde Seeschlachten und Raids, die er immer parat hatte. Ich musste gestehen, das er ein wirklich guter Erzähler war, ich hörte ihm gerne zu, auch wenn sein Gelaber oftmals totaler Unsinn war. Nur zu gut erinnerte ich mich an die vielen Male wo wir neben einander, nach einer Schlacht, in den Betten des Heilers gelegen und uns die wildesten Geschichten erzählt hatten. Wir hatten gelacht bis unsere Wunden erneut angefangen hatten zu Bluten.
Ich legte meinem besten Mann und einzigen Freund eine Hand auf die Schulter, was ihn sofort hochstehen ließ.
“Fenrir”, Er schenkte mir ein schiefes Lachen, was mir verriet das er bereits einiges Getrunken hatte. Adger war der einzige Mensch der mich Fenrir nannte. Seit unserer ersten großen Schlacht zusammen hatte er mir gesagt, ich hätte gewütet wie der Wolf Fenrir selbst. Seitdem ist der Name hängen geblieben.
“Laron!”, riefen die Männer zur Begrüßung und blinzelten , um mich überhaupt wahrnehmen zu können. Ihre Aussprache meines Namens war katastrophal. Ein weiterer Punkt an den ich mich in diese verschissenen Land gewöhnen musste. Ich beschloss meinen halb gelallt und falsch ausgesprochenen Namen hinzunehmen und hielt Adger den Brief hin. “Schicke den Boten weg, hörst du? Der Brief muss noch heute hier weg”
Ich prüfte ob er meinen Worten folgen konnte und stellte erleichtert fest, das er wohl noch soweit bei Verstand war, dass er in der Lage war diesem einfachen Befehle nach zu kommen. Ich nickte und drückte ein letztes Mal seine Schulter, ehe ich mich an den Feiernden vorbei drückte und das Langhaus verließ. Auch draußen wurde gefeiert, kleine Truppen tranken im Kreise , während über ihnen die Sterne funkelten. Musik drang an meine Ohren und hier und dort, wurde sich zu mir umgedreht und mir manchmal mehr betrunken manchmal weniger mein Name entgegen gerufen. Ich beschränkte mich jedesmal auf ein Nicken, als Zeichen sie gehört zu haben und sah zu das ich schnell weiter kam. Es war kalt und meine dünneren Klamotten, so bequem sie auch waren, raten nicht viel um die Kälte von mir fern zuhalten. Erleichtert machte ich das kleine Haus mit den Zellen aus und stieß die Tür auf.

Ein angenehmer Schauer lief mir über den Rücken als mir ein Schwall Wärme, von einem kleinen Feuer ausgehend, entgegenkam. “Laron”, begrüßte die Alte Frau mich und sah von der kleinen Schüssel auf in der sie irgendeine Pflanze zermürbte.
Die richtige Betonung meines Namens zauberte mir ein ehrliches Lächeln auf die Züge, “Ich dachte du bist Sächsin, also warum sprichst du meinen Namen besser aus, als so manch einer aus Francia?”
Die Alte bedachte mich mit einem prüfenden Blick und sah anschließend wieder in ihre Schüssel, “Weil sie Euch nicht leiden Können, Wolf. Ihr Franken seid so. Arrogant, Eitel. Sie sprechen es vermutlich mit Absicht falsch aus.”
Ich blinzelte und spürte wie meine Mundwinkel abermals zuckten,  “Wohl wahr. Wohl Wahr.”
Mein Blick zuckte zu dem Wikinger, welcher mit beiden Handgelenken an stabile Holzbalken gefesselt war. Seine Arme waren in einer Position, in der die Alte noch seine Schulterwunde problemlos versorgen konnte, er jedoch unfähig jemanden anzugreifen, geschweige denn sich selbst zu befreien.
Ich nickte in seine Richtung und ließ mich gegenüber der Alte am Feuer nieder und streckte auch sofort meine Füße in dessen Richtung. Zu meinem Heißen Bad war ich noch immer nicht gekommen, was mir jetzt wieder schmerzlich bewusst wurde.
„Den Umständen entsprechend“, kam die mürrische Antwort, „Das Gift wird einige Tage brauchen bis es aus seinem Körper raus ist. Er wird geschwächt sein, es jedoch überleben“
Ich nickte als Zeichen das ich sie verstanden hatte und musterte Eivor Wolfsmahl erneut. Da nun sein Oberkörper freigelegt war, konnte ich die dunklen Runen sehen, welche sich über seine vernarbte Haut zog. Die Tattoos standen oft mit den Göttern in Verbindung, Adger selbst hatte auch einige. Stolz hatte er mir von ihrer Bedeutung erzählt, mich über ihre Religion aufgeklärt und ich ihn über das Christentum und der Bedeutung meiner Tattoos. Man konnte sagen diese Nacht war eine seltsam intime Nacht gewesen.

„Ich habe geplant in drei Nächten aufzubrechen“, warf ich schließlich ein und hoffte auf die Erlaubnis der Heilerin. Sie verzog das Gesicht und schien die Pflanzen nur aggressiver zu zermalmen, „Gib ihm fünf Tage und er wird die Reise problemlos überstehen. Ich nehme an es geht zurück nach Francia.“
Ich nickte als Antwort seufzte jedoch, „Fünf Tage sind zu viel, man schickt nach mir. Drei.“
„Fälscht du mit mir, Wolf?“, die Alte kniff die Augen zusammen und hob den Mörser drohend in meine Richtung.
Ich lachte leise und hob abwehrend die Hände, „Das würde ich nicht wagen. Ich wollte damit nur sagen, dass er sich mit Sicherheit schnell erholt. Er ist Däne, die sind hart im nehmen“
Außerdem konnte ich es mir nicht leisten auf einen Besuch von Basim zu warten, welcher womöglich die Absicht hatte seinen Schoßhund zurück zu holen. Dazu war da noch Sigurd, ein weiterer Bekannter Krieger in Englaland, welcher als der Bruder Eivors, ebenfalls zu Besuch kommen wird, sollte er von dessen Verschwinden Wind bekommen. Wir hatten mit ihm bereits Bekanntschaft gemacht, hier in Englaland und in Konstantinopel.
Ich war kein schlechter Stratege und bei weiß Gott kein schlechter Kämpfer, jedoch war ich weise genug, keine unnötigen Risiken einzugehen. Manchmal musste man sich eben mit seiner Beute leise davon schleichen.

Ich warf einen Blick zu Eivor, „Drei Tage, hörst du? Dann brechen wir auf, nach Francia.“
„Du bist hoch unsensibel, junger Mann“, kommentierte die Heilerin und füllte die grüne Matsche, nachdem sie wohl festgestellt hatte, genug Leben aus ihnen heraus gepresst zu haben, in eine größere Schüssel.
„Lass ihn Ruhen, er wird seine Kraft brauchen“, wurde ich angefahren und für einen Moment hatte ich Angst sie sticht mir die Augen aus, mit dem spitzen Gegenstand mit dem sie in ein Madenartugen Insekt herumstocherte.
Ich verzog das Gesicht und musterte den Blonden. Eivor Wolfsmahl in meiner Obhut.
 
 
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