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„Ey, Jerry! Sing’s nochmal!“

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Historisch / P12 / Gen
Collins
01.01.2022
01.01.2022
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Zu gegebener Zeit, kann der Leser sich gerne ein wenig Liedgut auf die Ohren packen: https://www.youtube.com/watch?v=ke3NjScnoog

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Warmes Licht, dumpfes Stimmengewirr und vertraute Melodien wehen durch die dicken, von innen beschlagenen Glasfenster hinaus in die nasskalte Nacht und auf die zugefrorenen Bürgersteige.

Inzwischen muss es deutlich nach zehn Uhr abends sein.
Die Luft im Pub ist so stickig und dunstig wie sie nur um diese Uhrzeit sein kann. Da braucht es keinen Blick mehr auf die alte Standuhr in der Ecke - die man ohnehin kaum noch erkennt. Abgestandener Zigarettenrauch hängt dicht und schwer in der Luft.

Es ist schon seltsam wie der Krieg in den letzten Tagen des Jahres den Anschein erweckt zu pausieren. Als würde jemand das Rad der Zeit für ein paar Tage anhalten. Es ist eine nervöse und trügerische Ruhe. Der Krieg lässt sich nicht vergessen und er sorgt auch dafür, dass man sich nie an ihn gewöhnen wird - und vielleicht ist wenigstens Letzteres ein bitterer Trost in diesen Zeiten. Wer sich nicht gewöhnen kann, der wehrt sich. Immer weiter. Resignation würde die leisen Hoffnungen endgültig zerstören. Niemals kapitulieren!  Seit gut drei Jahren.

Bis ganz nach Hause hat es Collins dieses Jahr nicht geschafft. Erneut. Zum vierten Mal um genau zu sein. Zu weit liegen der Stützpunkt im Süden Englands und sein Heimatort im fernen Schottland auseinander. Zu unsicher sind die Verkehrsverbindungen. Es blieben ihm nur Grüße und kleine Pakete per Post um sich der Familie nahe zu fühlen. Wenn es von der Familie kommt freut man sich auch im vierten Kriegswinter unglaublich über ein Stück Seife oder Schokolade. Selbst über ein Hemd oder Zigaretten, auch wenn er an die Glimmstängel das ganze Jahr über noch am Besten rankommt. Doch nichts ist wertvoller als die Briefe. Jede gelesene und geschriebene Zeile ist ein Stück Anteilnahme am Leben der Anderen. Collins ist sich sicher, dass sie zueinander nicht immer ehrlich sind, wenn es um den Alltag geht - man will einander nicht noch mehr Sorgen bereiten. Doch bisweilen verändert sich auch Collins’ Leben ein wenig mit, obwohl er gar nicht daheim ist: Vor drei Wochen erst ist er zum zweiten Mal Onkel geworden. So stand es in einem jener Briefe, den er besonders gut verwahrt und der die geschwungene Handschrift seiner älteren Schwester trägt. Seit dem Frühjahr haben sie sich nicht mehr gesehen. Sein letzter Heimaturlaub. Vorerst.

Wenn schon nicht nach Hause, so hat es Collins doch immerhin in den Pub geschafft. Und mit ihm noch weitere Kameraden. Das ist bescheiden formuliert: Der gesamte hintere Bereich des Pubs ist im Grunde ausschließlich in fester Hand der Royal Air Force. Wie jedes Jahr an diesem einen Tag in der letzten Woche des Jahres.
Mit dem Befehl es sich doch bitte bequem zu machen, haben die meisten Kameraden bereits nach der Landung im Pub ihre Jacken und Mützen abgelegt, die Hemdkragen gelockert und die Ärmel hochgerollt. Man braucht schließlich Bewegungsfreiheit in jeglicher Hinsicht, wenn man den Kopf frei bekommen will. Die Sitzbänke und Stühle werden zusammengeschoben wie man es in der mess hall gewohnt ist. Spielkarten werden auf die rauen Tischplatten geknallt und es wird reichlich Bier geordert. Im Gegensatz zu den Vorräten am Stützpunkt mangelt es her nicht an Nachschub. Der Wirt des Pubs lässt den Männern freie Hand und begrüßt jeden mit Handschlag, den er noch aus den vorherigen Jahren kennt. Es sind längst nicht mehr alle. Doch spätestens wenn die Kameraden sich nachher hinaus in die Nacht verabschieden, werden auch dem Wirt die neuen Gesichter vertraut sein … wie jedes Jahr. Sie kommen und gehen - manche für immer.

Sogar vier Flight Lieutenants und zwei Squadron Leader sind bei dieser Truppe versammelt. Die Rangordnungen zwischen den Kameraden und Vorgesetzten legen über Weihnachten bisweilen ähnliche oberflächliche Pausen ein wie der Krieg zwischen den Nationen.

Am Ende des Jahres sind sie doch alle nur Menschen.

Durch Collins’ bereits etwas getrübte Gedanken schleicht sich irgendwann die bittere Frage, warum dem Menschen seine Menschlichkeit nur einmal im Jahr auf eine Weise bewusst wird, dass selbst Feinde einander in den Armen liegen können und man einander Frieden wünscht - während der Zeitgeist und die Erfahrungen doch immer wieder lehren, dass dies lediglich fromme Wünsche bleiben werden. Sein Vater erzählte ihm einst stets die gleiche Geschichte aus jenem Winter, wenige Jahre vor Collins’ Geburt, als in den Schützengräben der Westfront Deutsche, Franzosen und Briten … Eine bittersüße Geschichte. Warum sie nur einmalig geschah? Eine Antwort darauf hat Collins als kleiner Junge damals nie bekommen und jetzt will er sie eigentlich gar nicht mehr finden. Nicht heute. Nicht hier. Nicht bei dieser Stimmung.

„Eine letzte Runde noch!“, verkündet Flying Officer Jenkins gerade lallend zum wiederholten Mal und mit bereits auffallend glasigen Augen. Squadron Leader Partridge beschließt schweigend für sich, dass es zumindest für Flying Officer Jenkins definitiv das letzte Pint für heute gewesen ist. Partridge behält bei aller Ausgelassenheit die Truppe soweit im Auge, dass er sich zumindest am nächsten Morgen nicht wird vorwerfen lassen müssen, was für eine Schande die Jungs für Großbritannien seien … Man kann auch mit einer gewissen Würde und einigermaßen manierlich so einen Abend hinter sich bringen.
Allgemeine Zustimmung aus dem üblichen Gemurmel drumherum ist offenbar die Reaktion auf Jenkins’ Ausruf, denn der Geräuschpegel erfährt eine erhebliche Steigerung. „Ey, Jerry! Sing’s nochmal!“ Jemand schlägt mit dem Absatz seines ausgezogenen Stiefels einen beständigen Takt auf die Tischplatte. Ein anderer spielt mit der Mundharmonika auf.

Und Flight Lieutenant „Jerry“  Cherrington lässt sich nicht zweimal bitten und beginnt inbrünstig damit das Lied The White Cliffs of Dover  zu intonieren. Und nicht nur Collins stimmt mit ein - ein Umstand, zu dem der Alkohol inzwischen zuverlässig beigetragen hat indem er die Zunge lockert. Collins erhebt sich dabei sogar halb von seinem Platz auf der Eckbank, als wolle er sich auch körperlich gerne mitreißen lassen. Hitzig, betrunken, verschwitzt, leicht und unbeschwert. So wie seine Kameraden. Im Hier und Jetzt. Mit dieser ewigen Hoffnung, dass der Krieg endlich vorbei sein möge.

There'll be bluebirds over
The white cliffs of Dover
Tomorrow, just you wait and see

There'll be love and laughter
And peace ever after
Tomorrow, when the world is free

The shepherd will tend his sheep
The valley will bloom again
And Jimmy will go to sleep
In his own little room again


Einige Kameraden machen aus Jimmy  einen Tommy.  Es gibt kaum jemanden, der keine Geschichten aus den Gräben von vor mehr als zwanzig Jahren kennt oder gehört hat. Die Älteren sollen endlich zur Ruhe kommen dürfen.
Doch nicht nur die besungenen Jimmys und Tommys könnten zu diesem Zeitpunkt wohl bereits ein Schläfchen gebrauchen - weil das noch immer am Besten dabei geholfen hat dem Rausch wieder Herr zu werden. Collins wirkt in der Tat bereits ein wenig ramponiert was die allgemeine Nüchternheit angeht, schlägt sich aber wacker im Kampf um sein Gleichgewicht. Seine Uniformjacke hängt derweil längst ordentlich über der Banklehne hinter ihm, nicht nur weil es in dem Pub ziemlich warm ist. Immerhin will Collins halbwegs manierlich aussehen, wenn es irgendwann zu Fuß heimwärts gen Stützpunkt geht. Wenigstens die Jacke sollte dann ordentlich sitzen. Ein Gentleman ist nur dann wirklich einer, wenn er nach außen hin noch anständig wirkt, möge er selbst innerlich ein Trümmerfeld sein … diese Überzeugung kämpft sich gerade durch Collins’ benebelten Geist. Sie erscheint ihm absolut einleuchtend.

Ziemlich unvermittelt bekommt Jenkins im nächsten Augenblick tatsächlich Collins an Hemd und Hosenträger zu fassen und will ihn überschwänglich weiterzerren. So wie all die Jahre zuvor. Collins taumelt jedoch nur kurz ein Stück mit und fängt sich dann wieder. Heiser lachend windet er sich aus Jenkins’ Griff heraus und wedelt entschuldigend mit einer Zigarette in der Hand herum, die er sich dann auch mit einem Streichholz anzündet - als wäre das die einzige Möglichkeit dem allgemeinen Trubel zu entkommen und unantastbar zu bleiben. Heute bleibt er lieber in der Nähe seines Platzes, doch dadurch nicht minder beteiligt an jenem Lied, dessen Melodien nun durch den Pub wabern wie der Zigarettenrauch. Selbst mit einer Zigarette im Mundwinkel kann man schließlich immerhin noch ganz gut mitsummen.
Manche singen durchaus erträglich, andere sind einfach nur enthusiastisch und sorgen dafür, dass es kaum mehr jemanden auf seinem Stuhl hält. Es bedeutet ihnen in diesem Moment einfach alles in guter Gesellschaft einen Abend lang das größte Glück darin zu sehen nicht an Morgen denken zu müssen.

Und dann ist Collins plötzlich doch mittendrin, das Zigarette-Alibi ist da längst vergessen und im wahrsten Sinne irgendwo verloren gegangen. Sie liegen sich alle in den Armen, wiegen sich im Takt der Melodie und in einige Liedzeilen wird sich dabei mit solcher Vehemenz hinein geworfen, dass es den einen oder anderen Kameraden tatsächlich beinahe von den Füßen holt  … unbeholfene Rettungsversuche und Gelächter mischt sich in das Durcheinander, während zwei Kameraden zu Boden gehen.
Unter großem Hallo und mit einer gewissen, und zu diesem Zeitpunkt doch recht erstaunlichen, Haltung wird schließlich die eigens abgeänderte Strophe angestimmt, welche inzwischen innerhalb der Truppe nicht mehr fehlen darf:

His majesty give a speech
Great Britain will bloom again
And Churchill will go to sleep
In Downing Number Ten again

No more war and disaster
But  peace ever after
Tomorrow, when the world is free


Collins meint in all den vielen Stimmen Avery und Farrier herauszuhören. Er hört sie seit vier Jahren in jenen Liedern zu so später Stunde.
An diesem einen Tag im Jahr.
Wieder und wieder.
Doch waren sie nur beim ersten Mal tatsächlich mit dabei. Und damals gab es The White Cliffs of Dover  noch nicht - aber Collins wüsste nicht, was die beiden dagegen gehabt hätten. Nein, das wüsste er wirklich nicht … mit einem Mal beginnen seine Augen zu brennen. Das liegt sicherlich am Zigarettenrauch. Und an dieser furchtbar seligen Stimmung. Ganz bestimmt. Manches kann man eben doch nicht vergessen. Niemals mehr. Da helfen auch kein Alkohol und auch kein besungener Frieden, egal auf welche Weise Letzterer jemals eintreten mag. Collins verspürt mit einem Mal eine Last auf seinen Schultern, die ihn straucheln lässt und zu Boden zieht. Das Fernweh nach der Heimat tritt zudem ordentlich nach in diesen sensiblen Minuten…
Er muss im Hier und Jetzt bleiben und darf sich bloß nicht fallen lassen. Niemals kapitulieren!

Sein vormaliger Tischnachbar, der sich neben Collins recht standhaft hält und sich mit ihm in den Reigen der Kameraden hat mitreißen lassen, legt den Arm fester um den blonden jungen Mann und zwingt ihn mit einem kurzen kräftigen Armdruck dazu ihn anzusehen. Als könne Collins das aus seinen Gedanken reißen und … Es gelingt! Mit nur einem einzigen Blick. Wie zum Teufel auch immer. Er nickt Collins aufmunternd zu und lächelt flüchtig und schief. Nicht zum ersten Mal an diesem Abend, wie es Collins trübe durch den Kopf sickert, ehe sein Kamerad erneut brummend in den Refrain des Liedes einstimmt. Er hat ebenfalls schon Einiges intus, dennoch hat Collins den Eindruck, dass der Mann noch deutlich mehr Selbstbeherrschung vorzuweisen hat als er selbst. Es ist eine einstmals so vertraute Ruhe und Selbstbeherrschung  ...

insofern nichts seinen Weg kreuzt, was ihn in seiner Meinung persönlich betrifft und zurechtzurücken wäre - nicht nur auf verbale Weise.

Collins schüttelt kurz verwirrt und nach Klarheit suchend den Kopf, was keine gute Idee ist. Für den Bruchteil einer Sekunde verweigert eines seiner Innenohren leise pfeifend den Dienst und er bekommt ordentlich Schlagseite nach Steuerbord. Instinktiv beugt er sich nach vorne, um nicht seitlich direkten Kurs auf seinen Nachbarn zu setzen und ihn mit sich zu reißen.

Einer muss oben bleiben. Nur einer. Einer von dreien. Dann ist noch nichts verloren!  

Jene verzweifelten Worte schießen wie Geschosse aus dem Hinterhalt durch Collins’ Gedankenwelt und er kann nicht verorten woher sie plötzlich kommen.

Es hat ihn erwischt, aus dem toten Winkel.  

Collins schüttelt erneut heftig den Kopf ... und sofort neigt sich der Boden in seinem Blickfeld bedenklich. Verbissen versucht er sich auf die Horizontlinie in Form der Fußbodenleiste zu fokussieren. Mit einem festen Griff an der Schulter wird Collins von seinem Nebenmann aufgefangen und wieder nach oben gezerrt. In der freien Hand hält der Kamerad eine fast aufgerauchte Zigarette und irgendwie ist sich Collins bei deren Anblick sicher, dass er da etwas Verlorenes wiedergefunden hat.

Collins holt tief Luft, mehrmals. Dann schließt er die brennenden Augen und lehnt sich leicht zurück, um den eigenen Körperschwerpunkt wieder ausloten zu können. Im Rücken spürt er nur ganz schwach und vielmehr beiläufig den stützenden Arm des anderen, der ihm alle Optionen des Fallens offen lässt. Doch Collins fängt sich von allein. Allmählich nimmt die Atmosphäre des Pubs wieder den größten Raum in seiner Welt ein. Die allgemeine Stimmung um ihn herum übernimmt die Kontrolle und legt sich um ihn wie eine warme Decke.

Als Collins die Augen wieder öffnet erlebt er einen seltsam flüchtigen Moment von Klarheit. Als hätte jemand das Fenster geöffnet und endlich etwas frische kalte Nachtluft hereingelassen. Und er weiß sofort, dass dieser Abend eben doch nicht so ist wie in den vergangenen drei Jahren.
Er weiß nun wieder, und er weiß es schon den ganzen verdammten Abend lang, dass nicht nur irgendein Kamerad hier bei ihm ist, mittendrin im Überschwang der Truppe: Es ist Farrier, der neben ihm, und mehr oder weniger im Takt, hin und her schwankt und die Melodie mitbrummt. Auch er sieht inzwischen etwas zerzaust aus und  die verschwitzten Haare fallen ihm wirr in die Stirn. Die Alibi-Zigarette von Collins in seiner Hand ist bereits fast bis zum Filter aufgeraucht - wie früher verschwendet Farrier keinen einzigen Krümel Tabak, wenn nicht gerade ein Alarm dazwischen funkt. Er hat die Ärmel seiner Jacke unordentlich halb hoch geschoben und wirkt damit einmal mehr so, als wäre dies lediglich ein Feierabend von vielen - wobei Collins gar nicht genau sagen kann, wann Farrier sich die Uniformjacke wieder angezogen hat.
Moment, ist das nicht sogar seine Jacke?

Seine Jacke … und sein Tischnachbar.
Die letzten Stunden liegen wie im Nebel.
Gespräche, Bier, Zigaretten.
Leises Lachen.
Geteilte Erinnerungen.
Fehlende Worte.
Langes Schweigen, welches nicht schwer lastet, weil man es teilt.
Wie damals.
Noch gar nicht zu begreifen.
Schon den ganzen Abend lang.

Energisch versucht Collins mit dem Handrücken sich das Brennen aus den Augen zu wischen. Es bleibt zwar erfolglos, doch immerhin auch unbemerkt. Vielleicht wird sich der Mensch irgendwann wieder daran gewöhnen können, dass es auch gute Geschichten gibt, selbst in den dunkelsten Stunden, und dass er an etwas glauben kann. Nicht nur einmal im Jahr.
Es wirkt so seltsam fremd, hier und jetzt und mitten im Krieg, zu wissen, dass nicht alle verlorenen Kameraden auf immer verloren sind. So wie Farrier.

Und als Farrier in der nun wirklich allerletzten Runde des Abends, die Jerry zum Besten gibt, mit einem gewissen Nachdruck Halt bei Collins sucht, umfasst auch Collins dessen Schulter etwas fester … nicht nur weil das der allgemeinen Standfestigkeit zuträglich ist. Nicht nur deswegen.

   




ENDE

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Anmerkungen und Inspiration:

Drei Dinge ...

Im vergangenen Sommer habe ich mehrmals den Film DER RAUSCH  in unserem Kino ansehen können - und u.a. die Bar-Szene und die Art wie Martin, Peter, Tommy und Nikolaj eines der Lieder mitsingen und sich am Trubel "beteiligen" blieb mir noch lange im Kopf.  Ganz so artet es hier in der Geschichte dann natürlich nicht aus - aber eine ähnliche Grundstimmung schwebte mir beim Schreiben durchaus vor. So unbeschwert, Arm in Arm, egal was der nächste Tag bringen mag.

Das Lied The White Cliffs of Dover  stammt aus dem Jahr 1941. Es ist zwar amerikanischen Ursprungs, bezieht sich aber vor allem auf die moralische Unterstützung für die Briten nach der Luftschlacht um England und  besingt die allgemeine Hoffnung auf Frieden. Längst ist das Lied auch in britischen Pubs zu einem Evergreen geworden. Ob das bereits 1943, wie hier in meiner Geschichte, schon der Fall war, kann ich nicht sagen. Wohl eher unwahrscheinlich. Ich hab mir einfach mal die Freiheit dafür herausgenommen.

Was die Kameradschaft zwischen Collins und Farrier nicht nur nach unverhofftem Zusammentreffen angeht, daran musste ich  denken, als in der Dokumentation BATTLE OF DUNKIRK  ein Zeitzeuge namens Alfred Smith Folgendes erzählte:
Als junger Soldat war Alfred Smith damals dem Royal Army Service Corps zugeteilt. Während der Evakuierungen und Ereignisse rund um Dünkirchen verlor er seinen Kameraden Ginger aus den Augen und erreichte ohne ihn schließlich Dover.  Und Smith erinnert sich:
„My pal and I, we were together all through the war. We both survived Dunkirk. But when we went out to the boat, we sort of somehow went in different directions, and I assumed that he’d either got killed or taken prisoner. And he thought the same about me. And next morning, when I was walking up the street to get a breakfast … walking down in the opposite direction was my pal Ginger. And he suddenly spotted me and come and put his arms around me, like we were long lost lovers. We both thought the other had perished. … I mean, the escapes I had was absolutely amazing. Ginger and I were in the cinema and I can’t remember what the film was called, but we were in there and, um, got hit by a bomb, and there was over 500 people killed in it. And him and I walked out just covered in dust.”


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Euch allen ein friedliches, gesundes und glückliches Jahr 2022.
Mögen wir die Achtsamkeit für uns selbst und füreinander weiterhin nicht verlieren.
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