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Das Weihnachtswunder

von Caralia
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteDrama, Romance / P18 / MaleSlash
Albus Dumbledore OC (Own Character) Remus "Moony" Lupin Severus Snape
31.12.2021
31.12.2021
1
3.375
3
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31.12.2021 3.375
 
Update 25.2.2022:
Ein großes Sorry an euch, dass es hier erst mal nicht weitergeht. Ich war/bin mit der fertigen Story nicht zufrieden, weshalb ich auch noch nichts hochgeladen habe. Natürlich ist bei mir jetzt auch die (Weihnachts-)Luft raus. Soll heißen, das hier liegt vorerst auf Eis, bis ich Ende des Jahres wieder in Weihnachtsstimmung bin.
Vielen Dank trotzdem an euch, die ihr so fleißig Sternchen und Favos verteilt habt! <3

***

Heyho, ihr Lieben!
Diese kleine Geschichte ist im Rahmen des diesjährigen Weihnachtswichtelprojekts von KatieC und mir entstanden. Da mein Wichtelkind in letzter Sekunde abgesprungen ist, habe ich die Gelegenheit genutzt und die Story nach meinen eigenen Wünschen etwas erweitert.
Herausgekommen ist ein kleiner Dreiteiler. Teil 2 und 3 folgen dann im Laufe der nächsten Tage.

Viel Spaß beim Lesen!



***


Das Weihnachtswunder – oder: Snupin 2.0




Teil 1






Godric’s Hollow, Dezember 1978



Etwas wehmütig beobachtete ich die vielen Menschen, die sich im Garten der Potters tummelten. Tief in meinem Inneren spürte ich, dass heute einer der letzten schönen Tage für eine sehr lange Zeit werden würde. Niemand sprach darüber – einige, weil sie die Augen davor verschlossen, andere, weil sie Angst hatten. Und dann gab es noch diejenigen, die heute alle hier waren: Diejenigen, die mutig waren, die sich vorbereiteten, auf das, was kommen würde; diejenigen, die sich einen Tag wie diesen nicht verderben lassen wollten.

Zu diesen Menschen gehörten auch die Potters. Euphemia und Fleamont waren die fröhlichsten Menschen, die ich kannte. Manchmal glaubte ich, die beiden wussten gar nicht, was Pessimismus eigentlich ist. Auch heute, auf der Verlobungsparty ihres Sohnes, strahlten beide mit der zukünftigen Braut um die Wette. Gerade ließen sie sich gemeinsam für das Familienalbum ablichten: James und Lily, die sich liebevoll in die Augen schauten, Euphemia und Fleamont neben James, Lilys Eltern neben ihrer Tochter. Vor ein paar Tagen hatte Lily uns tränenüberströmt erzählt, dass ihre Schwester Petunia sich weigerte, zu kommen. Petunia hatte ihren Neid und ihre Eifersucht auf Lily noch nie gut verbergen können – aber dass sie es ihrer Schwester nicht gönnte, glücklich zu werden, fand ich furchtbar.

Okay, wenn wir in anderen Zeiten leben würden, hätte ich James’ Heiratsantrag für verfrüht gehalten. Immerhin hatten wir kaum unsere Abschlusszeugnisse in den Händen gehalten, da hatte Lily schon Ja gesagt. Aber wer wusste schon, wie lange sie ihr Glück noch leben konnten? In zwei Wochen war Weihnachten, im April die Hochzeit. Sie hatten es verdient.

„Irgendwie gruselig, wie sie vor Liebe fast zerfließen, oder?“, meinte Sirius, der sich mit zwei Bechern Glühwein zu mir gesellte. Sein rot leuchtender Wärmezauber, den die Potters auf jeden Gast gelegt hatten, verband sich mit meinem.

Ich nahm einen der Becher entgegen, den Sirius mir reichte.

„Gruselig? Ich finde es schön, wenn zwei Menschen sich so sehr lieben und es auch zeigen können“, erwiderte ich – nicht ohne einen Hauch von Sehnsucht in der Stimme. Während ich leicht pustete, um mir nicht die Zunge am Glühwein zu verbrennen, überlegte ich, warum bei mir nicht einmal etwas normal laufen konnte. Remus Lupin war nicht nur ein Werwolf, sondern auch bisexuell und verliebt in jemanden, der auf dieser Party mehr Feinde als Freunde hatte.

„Warum sollte man es nicht zeigen können?“, fragte Sirius verständnislos. „Hast du immer noch Schiss, es deinen Eltern zu sagen? Merlin, Moony! Es ist doch nichts dabei, auch auf Kerle zu stehen. Und vielleicht kriegen sie ja doch irgendwann eine Schwiegertochter, das weißt du ja selbst nicht so genau.“

Ich verdrehte nur die Augen und trank einen Schluck vom Glühwein. Klar, Sirius hatte leicht reden. Die Blacks wollten so oder so nichts mehr von ihm wissen – egal, welche sexuelle Orientierung er hatte. Und James’ Eltern, die Sirius vor zwei Jahren bei sich aufgenommen hatten, waren sehr tolerant. Meine Eltern hingegen empfanden für mich wohl mehr Mitleid als alles andere, schließlich war es für mich als Werwolf nie einfach gewesen. Wenn sie wüssten, dass ich mich eventuell auch mit Homophobie auseinandersetzen musste, würden sie sich noch mehr Vorwürfe machen, irgendetwas falsch gemacht zu haben. Nein, das würde ich sicher nicht an die große Glocke hängen. Es war besser, wenn es nur meine besten Freunde wussten.

Allerdings kannten die ja auch nur die halbe Wahrheit – was allerdings besser für sie war.

„Dumbledore ist hier“, verkündete Peter, der mit einem Teller voller Zimtsterne zu uns kam. „Er sieht ziemlich finster aus.“

Ich folgte Peters Fingerzeig und entdeckte Dumbledore bei Krone, Lily, James’ Eltern und ein paar anderen, die, wenn ich mich recht erinnerte, einige Jahre vor uns den Abschluss gemacht hatten. Sie mussten mit Dumbledore gekommen sein, denn James und Lily hatten nur enge Freunde und die Familie eingeladen. James, mit Lily an der Hand, hatte uns anscheinend gesucht, denn sie kamen nun auf uns zu.

„Dumbledore hat sich entschuldigt, unsere Party zu stören“, erzählte Lily aufgeregt. „Er sagt, es geht leider nicht anders, wir müssen uns wappnen. Es wird immer schlimmer, Jungs. Menschen verschwinden … und in der Muggelwelt geschehen grausame Verbrechen, die sich die Muggelpolizei nicht erklären kann.“

Ich hätte mich fast am Glühwein verbrannt, weil ich das Pusten vergessen hatte.

„Im Ernst? Ich hätte nicht gedacht, dass es so schlimm ist.“

Peters Gesichtsausdruck wurde ängstlich. Er ließ den Teller fallen, sodass die Zimtsterne auf den Boden fielen, was aber niemanden kümmerte.

„M-M-Menschen verschw-schw-inden?“, stotterte er. „S-Sollten wir dann nicht fl-fliehen?“

Sirius verpasste ihm eine Kopfnuss.

„Ehrlich, Wurmschwanz, du willst ein Gryffindor sein? Wir hauen nicht ab, wir werden kämpfen, egal, was passieren wird.“

James nickte.

„Deshalb ist Dumbledore hier“, erklärte er. „Er meinte, da wir alle volljährig sind und unsere Leistungen in Verteidigung immer sehr gut waren, könnten wir der Geheimorganisation beitreten, die er gründen will. Das soll eine Art Widerstandsgruppe werden, damit wir uns vorbereiten können. Es soll aber niemand gezwungen werden, sagt er. Wenn wir Interesse haben, können wir jetzt gleich mit ihm nach Hogwarts flohen, dort bekommen wir mehr Infos.“

Sirius nickte eifrig.

„Natürlich sind wir dabei! Oder, Leute?“

Er guckte uns der Reihe nach abwartend an. James und Lily nickten ebenfalls, Peter erst, nachdem Sirius auffordernd die Augenbraue hochgezogen hatte. Als Sirius bei mir ankam, wurde mir plötzlich klar, dass es nach meiner Entscheidung kein Zurück geben würde. Es war nur so: Ich konnte mich nicht jetzt sofort entscheiden. Wenn ich jetzt mit meinen Freunden mitging, wäre meine Entscheidung gefällt, und damit würde ich mir mein Herz herausreißen, ohne zu wissen, ob ich es wiederbekam. Doch wie sollte ich mein Zögern erklären?

„Moony? Hey!“

Sirius schnippte vor meinen Augen mit seinen Fingern.

„Ähm – wisst ihr …“, begann ich langsam, wurde jedoch von Lily unterbrochen.

„Remus will sicher erst mit seinen Eltern sprechen, oder?“, fiel sie mir ins Wort und sah mich verschwörerisch an. „Wenn er es ihnen nicht vorher erklären kann, machen sie sich nur wieder zu viele Sorgen.“

Ich konnte lediglich nicken, zu perplex war ich über Lilys Blick. Täuschte ich mich oder war das ein Zwinkern, das ich gerade gesehen hatte? Konnte sie etwas mitbekommen haben? Lily war schließlich nicht dumm, ganz im Gegenteil, sie war Jahrgangsbeste gewesen. Hinzu kam, dass sie nicht nur mich sehr gut kannte, sondern auch ihn. Wenn sie etwas wusste, hatte sie es aber bestimmt für sich behalten, sonst hätte James mich schon längst einen Kopf kürzer gemacht.

„Okay, Mann“, sagte James und klopfte mir auf die Schulter. Ein bisschen berechnend war es ja schon von Lily gewesen, denn James unterstützte sie eigentlich immer bei allem. Und wenn James mit etwas einverstanden war, waren es auch Sirius und Peter.

„Alles klar, wir sagen Dumbledore, dass du später kommst.“

Sirius umarmte mich kurz, genau wie Peter.

Als ich Lily im Arm hatte, wagte ich es und flüsterte ihr ein Danke ins Ohr.

„Viel Glück“, murmelte sie fast lautlos zurück. „Sag ihm, er soll sich benehmen.“

Erst, als meine Freunde im Haus der Potters verschwunden waren, um dort den Kamin zu benutzen, realisierte ich, dass Lily es nicht nur wusste, sondern mich auch jederzeit deswegen verteidigen würde.



*




Nokturngasse, London



Ich hatte diese Gegend noch nie gemocht, aber wenigstens war es hier keine Schande, ein Werwolf zu sein. Hier flößte es mir Respekt ein, denn die anderen zwielichtigen Gestalten fürchteten mich, obwohl nicht einmal Vollmond war. Sie mussten es riechen oder spüren – aber es kam mir nur recht, denn so wurde ich auf dem Weg zum Schlafenden Drachen von niemandem aufgehalten.

Nicht zum ersten Mal betrat ich die riesige Eingangshalle des Hotels, das von innen wesentlich einladender aussah als von außen. Soweit mir bekannt war, nutzte das Hotel einen speziellen Ausdehnungszauber, denn wenn man davor stand, würde man nie erwarten, auf ein so großes Gebäude zu treffen. Obwohl ich nach wie vor fasziniert von der Inneneinrichtung war, blieb ich dieses Mal nicht stehen, um die künstlerisch gestalteten Wände zu betrachten. Hier hatten sich viele namhafte Künstler – Muggel wie Hexen und Zauberer – verewigt, um die Geschichte der Zauberwelt festzuhalten. Dabei war nichts beschönigt worden; teilweise waren wirklich Horrorszenen zu sehen, vor allem aus den Zaubererkriegen, was wohl auch der Grund dafür war, dass das Hotel sich nicht in der Winkelgasse befand.

Zane Ridgewood nämlich, der Erbauer des Schlafenden Drachen und der Hoteldirektor, gehörte keinesfalls zu den typischen Besuchern der Nokturngasse, um die man gerne einen großen Bogen machen würde. Er war ein ehemaliger Ravenclaw, hatte einen Bierbauch und freundliche, hellblaue Augen, mit denen er allerdings jeden in Grund und Boden starren konnte, wenn er wollte. Jetzt aber strahlten sie mich freudig an, als ich an die Rezeption trat und Zane mich erkannte.

„Remus! Schön, dich mal wieder zu sehen“, meinte er. „Alles in Ordnung bei dir?“

„Das wird sich noch zeigen“, antwortete ich seufzend. „Du hast ja sicher von Dumbledores Plänen gehört, nicht wahr?“

Zane pflegte eine gute Freundschaft mit Dumbledore, seit sie sich vor Jahren in der Winkelgasse beinahe gegenseitig über den Haufen gerannt hatten.

„Natürlich.“

Zane nickte und lächelte sanft.

„Ich habe vorgeschlagen, mich im Hintergrund zu halten. Vielleicht kann es ganz nützlich sein, als Hotelbetreiber in der Nokturngasse nicht offen auf Dumbledores Seite zu stehen. Immerhin wissen nicht viele, dass wir befreundet sind.“

„Gute Idee“, stimmte ich zu, wurde dann jedoch wieder ernst.

„Sei mir nicht böse, Zane, aber ich habe gerade keinen Kopf zum Quatschen. Welches Zimmer?“

Zane lächelte trotzdem.

„Das habe ich mir gedacht. Du bist nicht der Einzige, der heute keine Lust hat, sich mit mir zu unterhalten. Aber ich verstehe es, für euch ist das sicher nicht leicht. Hebst du bitte deinen Zauberstab?“

Ich tat wie geheißen, immerhin kannte ich das Prozedere. Zane hob seinen eigenen Stab und berührte mit der Spitze die meines Zauberstabs. Der ungesagte Zauber, der nur Zane und einigen seiner Angestellten bekannt war, sorgte für ein hellblaues Licht, das die beiden Stäbe umgab. Somit bewirkte Zane, dass ich die entsprechende Zimmertür mit einem Alohomora öffnen konnte, was mir ansonsten nicht gelingen würde.

„212“, sagte Zane, als er fertig war.

Ich warf ihm noch einen dankbaren Blick zu, bevor ich mich zu den Aufzügen begab. Zumindest wurden sie so bezeichnet, denn eigentlich waren sie nur ein Apparierpunkt. Man stellte sich in eine Kabine, tippte mit dem Zauberstab auf das entsprechende Stockwerk und apparierte kurz darauf dorthin. Es gab zehn Stockwerke – wieder etwas, was unglaublich erschien, wenn man draußen vor dem Hotel stand.

Als ich im zweiten Stock landete, stand ich direkt vor Zimmer 212. Sofort spürte ich eine Ruhe in mir, die mich nur ergriff, wenn er in meiner Nähe war. Es war, als bräuchte ich nur ihn, um alles zu schaffen, was ich mir vornahm. Doch heute mischte sich dazu die Ungewissheit, was passieren würde, wenn wir das Hotel nach unserem Treffen verließen. Würden wir auf derselben Seite stehen oder auf verschiedenen? Ich hatte immer gewusst, dass er mit den Dunklen Künsten liebäugelte. Er schwärmte oft von den schwarzmagischen Zaubertränken, deren Zutaten man nur in der Nokturngasse bekam. Und beim Gedanken an die Flüche, die er sich selbst ausgedacht hatte, bekam ich eine Gänsehaut – und zwar nicht im positiven Sinne. Schon als ich jetzt meinen Zauberstab hob, um die Zimmertür zu öffnen, war mir klar, dass er ein gefährlicher Gegner sein würde, wenn wir verschiedene Seiten wählten.

Alohomora!“, sagte ich laut und hörte daraufhin das vertraute Klicken.

Kaum war die Tür hinter mir ins Schloss gefallen, wurde ich auch schon an sie gedrückt. Mein Zauberstab fiel auf den Boden, als ich, kurz aufkeuchend aufgrund dieser unerwarteten Begrüßung, endlich wieder seinen Körper dicht an meinem spürte. Severus, der sich mit seinen Händen links und rechts neben meinem Kopf an der Tür abstützte, küsste mich verlangend, was ich nur zu gerne zuließ. Ich vergrub eine Hand in seinem dichten, schwarzen Haar, während ich ihn mit der anderen an der Hüfte näher an mich zog. Obwohl er sehr schlank und wenig muskulös war, war er für mich perfekt – das war immer schon so gewesen, seit wir uns in der vierten Klasse zum ersten Mal so nahegekommen waren. Severus nahm eine Hand von der Tür und schob sie in meinen Nacken. Sein Griff war fest, als er seine Lippen von meinen löste und sie an mein Ohr führte.

„Ich hab dich so vermisst, Johnny“, sagte er leise, wobei er es kaum schaffte, seine Erregung zu verbergen.

Ich schloss die Augen. Der lustvolle Klang von Severus’ Stimme, gepaart mit seinem Kosenamen für mich, würden mir die Sinne vernebeln, wenn ich jetzt nicht die Notbremse zog. Es wäre nicht fair, würde ich mich erst meinen Gefühlen hingeben, nur um dann mit meiner Hiobsbotschaft zu kommen.

„Sev, warte bitte“, bat ich also entschlossen und schob ihn ein Stück von mir weg, nahm jedoch seine Hände in meine. „Es gibt da etwas, worüber wir sprechen müssen.“

Severus schaute mich mit seinen schwarzen Augen fragend an. Also wusste er es noch nicht – was aber auch kein Wunder war, denn er gehörte zu der Art von Zauberern und Hexen, denen grundsätzlich misstraut wurde. Ob Dumbledore dies auch tat, wusste ich zwar nicht, aber es war klar, dass er sich erst einmal an Vertrauenspersonen wandte, wenn es um seine Geheimorganisation ging.

„Ich muss eine Entscheidung treffen, Sev, und zwar heute noch“, fuhr ich fort. Meine Stimme klang entschlossener, als ich mich fühlte.

„Danach wird es für mich kein Zurück geben.“

Severus entzog sich meinen Händen, blieb jedoch in meiner Nähe. Er lehnte sich an die Wand neben der Tür und verschränkte die Arme hinter dem Rücken.

„Ich habe etwas munkeln hören“, erwiderte er. Sein Blick suchte meinen, und wie so oft konnte ich in ihm wie in einem offenen Buch lesen. All das, was Severus nie ausgesprochen hatte – und vielleicht auch niemals würde –, verriet er mir mit seinem liebevollen Blick, doch jetzt konnte ich auch Wehmut darin erkennen.

„Dann ist es also wahr, dass Dumbledore beginnt, sich zu formieren?“

„Ja“, bestätigte ich. „Er hat heute die Verlobungsparty gesprengt, um mich und die anderen zu rekrutieren. James, Lily, Sirius und Peter sind schon in Hogwarts, aber ich konnte einfach nicht mitgehen, ohne vorher mit dir zu sprechen.“

Severus zog eine Augenbraue hoch.

„Und sie haben keine blöden Fragen gestellt?“

Ich sparte mir eine patzige Antwort. Seit wir uns vor zwei Jahren einmal fast getrennt hätten, weil wir die Freundschaften des anderen nicht guthießen, hatten wir beschlossen, das Thema auszusparen.

„Lily hat mir die Ausrede verschafft, ich müsste sicher erst mal mit meinen Eltern darüber sprechen“, sagte ich dennoch die Wahrheit, da ich wusste, dass Severus für Lily immer schon eine Schwäche gehabt hatte. Sie waren, wie Muggel immer so schön sagten, Sandkastenfreunde, da sie in derselben Gegend aufgewachsen waren. Durch Severus hatte Lily einiges über Zauberei gelernt und verstanden, dass sie nicht seltsam, sondern einfach anders war. Allerdings hatte ihre Freundschaft Hogwarts nicht überlebt – sie waren einfach zu verschieden.

Wie er und ich eigentlich auch, wenn man es genau nahm.

„Ich glaube, Lily weiß Bescheid“, schob ich noch hinterher.

Severus lächelte.

„Das wundert mich nicht. Sie ist die klügste Hexe, die ich kenne.“

Dann verschwand sein Lächeln wieder und schaute mich ernst an.

„Was willst du tun, Johnny?“

So berechtigt die Frage auch war, so wenig hatte ich mit ihr gerechnet. Irgendwie hatte ich gehofft, Severus würde mir die Entscheidung abnehmen. Hätte er vorwurfsvoll reagiert, hätte ich einen Streit provozieren können und somit einen Grund gehabt, Dumbledore zu unterstützen. Hätte er mich angefleht, nicht zu gehen, hätten wir auf der Stelle das Land verlassen und untertauchen können. Aber Severus zwang mich mit seiner Frage, wirklich darüber nachzudenken, was ich tun wollte.

„Johnny, ich kann das nicht für dich tun“, sagte Severus sanft, als ob er meine Gedanken gelesen hätte. „Ich kann nicht für dich entscheiden.“

Er drückte sich von der Wand ab und blieb vor mir stehen. Mit einem seiner Finger strich er mir über die Wange.

„Auch wenn wir es bisher noch nicht wahrhaben wollten – es war immer klar, dass dieser Tag kommen würde. Wir wussten nur nicht, wer von uns sich entscheiden muss“, sprach Severus die unangenehme Wahrheit aus. „Glaub mir, es wäre nur eine Frage der Zeit gewesen, bis es meine Entscheidung gewesen wäre. Zane hat mir gesteckt, dass Lucius Malfoy auf der Suche nach jungen, begabten Hexen und Zauberern ist, die für ihn arbeiten wollen. Totaler Blödsinn, wenn du mich fragst. Es ist nur ein Vorwand – ich garantiere dir, dass Malfoy ihm die Füße küsst.“

Er. Er war der Grund, weshalb sich die Zauberwelt zu spalten begann. Niemand wusste, wie er wirklich hieß, nur, dass er sich selbst Lord Voldemort nannte. Gerüchte besagten, er sei ein äußerst raffinierter und talentierter Schwarzmagier, dessen Ziel es war, die Dunklen Künste in der Zauberergesellschaft zu etablieren. Wie er das schaffte, war ihm anscheinend egal, denn in letzter Zeit war wirklich viel Unheil geschehen. Angeblich hatte Voldemort vor nichts und niemandem Angst – außer vor Dumbledore, der ihn unter Kontrolle gehalten hatte, solange er in Hogwarts gewesen war. Doch inzwischen war es wohl so, dass dieser Mistkerl immer mehr Anhänger fand, ganz so, wie Dumbledore es vorhin Lily und James berichtet hatte. Ich persönlich hatte große Zweifel an Voldemorts Motiven, aber beweisen konnte ich es natürlich nicht.

Meine Zweifel hatten in den letzten Monaten schon zu einigen Streitereien zwischen Severus und mir geführt. Da er schon immer von den Dunklen Künsten fasziniert gewesen war, hatte ich sein Wort haben wollen, sich niemals Voldemort anzuschließen. Severus hatte mir bis heute keine klare Antwort gegeben, weil es seiner Meinung nach nicht notwendig war, darüber nachzudenken, solange es uns nicht direkt betraf.

Jetzt war es allerdings so weit, und Severus hatte recht mit dem, was er sagte. Es hätte genauso gut ihn treffen können: Malfoy oder ein anderer von Voldemorts Anhängern hätte auf der Suche nach talentierten Zauberern auf Severus stoßen und aufsuchen können. Severus hatte in seinen UTZ ein Ohnegleichen in Zauberkunst, Verteidigung und Zaubertränke erhalten. Letzteres hatte ihm außerdem ein Stipendium für die Meisterlehre in Zaubertränke bei Professor Slughorn eingebracht, was Schlagzeilen im Tagespropheten gemacht hatte, da dies seit zwanzig Jahren nicht mehr vorgekommen war. Früher oder später wäre es also Severus gewesen, der vor dieser Entscheidung gestanden hätte. Und auch, wenn mir mein Herz bei dem Gedanken daran schmerzte, wusste ich ganz genau, wofür Severus sich entschieden hätte.

„Dann ist es jetzt vorbei, oder?“, fragte ich leise, denn ich hatte meine Entscheidung sowieso längst getroffen.

Severus lächelte.

„Wir waren doch von Anfang an nicht für die Ewigkeit bestimmt, Johnny“, erwiderte er, griff an meine Hüften und zog mich an sich. Er beugte sich leicht zu mir hinunter, um mir einen sanften Kuss zu geben. Seufzend lehnte ich mich in seine Umarmung und ließ mich fallen. Severus küsste mich noch eine ganze Weile, bis er sich von mir löste.

„Leb wohl, Johnny.“

Noch immer gefangen in meinen Gefühlen, die der Kuss in mir ausgelöst hatte, bemerkte ich zu spät, dass Severus das Zimmer verlassen hatte, ohne auf meinen Abschiedsgruß zu warten. Er war nicht der Typ für so etwas – nie hätte er mir gezeigt, wie ihn unser Abschied schmerzte. Garantiert apparierte er jetzt in irgendeinen einsamen Wald, um sich dort seinem Schmerz hinzugeben. Das hatte er schon getan, als sein Vater begonnen hatte, ihn zu schlagen. Natürlich hatte er damals laufen müssen, aber das Ergebnis war dasselbe gewesen: Er machte alles mit sich selbst aus.

Ich starrte noch lange auf die geschlossene Tür und versuchte, auszublenden, dass das eben womöglich unser letzter Kuss gewesen sein könnte.




to be continued ...
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