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High Hedge

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Jan Böhmermann Joachim "Joko" Winterscheidt Klaas Heufer-Umlauf Olli Schulz
30.12.2021
24.11.2022
33
21.016
20
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30.12.2021 1.066
 
Kurze Anmerkung vorab:

Mir gehört nix und niemand, ich verdien nix damit und alles ist nur zum Spaß und frei erfunden, von ein paar historischen Einblicken in die Börsengeschichte mal abgesehen.

Und jetzt los, viel Vergnügen!

******************************

Kontrolle abgeben


Joko sah auf seine Uhr. Er hatte noch 15 Minuten und würde sich beeilen müssen, um pünktlich zu sein. Konzentriert lenkte er seinen grauen S Klasse Mercedes durch die Hektik des Berliner Nachmittags. Im Radio dudelte irgendein nerviges Weihnachtslied, als er leise summend in die letzte Straße einbog. *Sie haben Ihr Ziel erreicht.*

Er ließ einen prüfenden Blick über die helle Fassade des Hauses schweifen, sah gut aus. Wie auf den Bildern. Einladend aber unverbindlich. Gute Wahl.
Auf seinem Smartphone checkte er ein letztes Mal die Stockwerkangabe und merkte sich den Code für die Tür.

Nervös war er nicht, eigentlich schon lange nicht mehr, denn seinen Lieblings-Nebenjob hatte er schon ein paar Jahre am Laufen und inzwischen wusste er recht gut, was er zu tun hatte.
Kurz wollten seine Gedanken abschweifen zur Anfangszeit, doch das schrille Geräusch des Handyweckers unterbrach ihn und so nahm er seine Tasche vom Beifahrersitz und stieg aus dem Auto.

Schnell lief er die paar Schritte zur Haustür, atmete noch einmal die kühle Luft des Nachmittags ein und betrat dann das Treppenhaus. Im dritten Stock tippte er den Code in das Zifferblatt neben der Tür, die sich darauf mit einem leisen Klicken öffnete.

Er kannte den Grundriss, rechts Badezimmer, daneben eine kleine Küche und am Ende des Flurs das Schlafzimmer. Ab jetzt musste jeder Handgriff sitzen. Er legte die Tasche auf der Kommode am Eingang ab, öffnete den kalten Reißverschluss und nahm seine schwarzen Lederhandschuhe heraus, zog sie an und richtete noch einmal seine Krawatte. Dann nahm er auch den Rest heraus und machte sich auf den Weg.
‘Auf geht`s.’ Dachte er, ein leises vor freudiges Ziehen in seiner Magengegend und ein kurzes Schmunzeln auf den Lippen.

Langsam und bedacht schritt er durch den Flur und öffnete die Tür zum Zimmer. Sie war angelehnt und machte kein Geräusch, als er sie auf schob. Das Zimmer war dunkel, die Jalousien heruntergelassen, so wie er es angewiesen hatte. Leise trat er ein und blickte sich um.

Da stand er. Oberkörperfrei in einer engen schwarzen Stoffhose, mit dem Rücken zu ihm in der Ecke. `Braver Junge` ging es Joko durch den Kopf und er schließlich leise auf sein Gegenüber zu. Dieser hatte ihn noch nicht bemerkt, konnte er auch gar nicht, dank der Ohropax. Alles ein Teil dieser Inszenierung, die von vorn bis hinten perfekt geplant war. Dafür wurde er hier schließlich bezahlt.

Joko blieb direkt hinter ihm stehen und beobachtete, wie sich eine leichte Gänsehaut auf dem Rücken des Anderen ausbreitete. Er hatte ihn zwar nicht gehört, die Bewegung blieb ihm allerdings nicht verborgen. Trotzdem zuckte er zusammen, als Joko ihm kurz über die Schulter strich. Leder auf Haut. Er berührte seine Kunden nie direkt.

Der Kunde nahm die Ohropax raus, Joko das Kleidungsstück, das er zuvor aus seiner Tasche mitgenommen hatte und in stiller Absprache zog er es dem Anderen, ohne ihn umzudrehen über Arme und Kopf, zog danach sanft aber bestimmt dessen Arme hinter den Rücken und verschloss die Schnallen so, dass dieser sich auf keinen Fall mehr selbst befreien konnte. Blind griff er noch einmal nach vorn, um auch das Kopfteil zu richten und sicher zu gehen, dass alles seine Ordnung hatte. Danach nahm er die Ohropax, die der Andere zu seiner Belustigung nicht einfach fallen gelassen hatte wie die Meisten, und legte sie kurzerhand auf den Couchtisch. `Vielleicht sollte ich diese Idee mal überdenken, so richtig lecker ist das nicht.`  

Es war ein sachliches Prozedere, vorher abgesprochen, beziehungsweise per Mail geklärt und die Grundlage für ein anfängliches Vertrauen zwischen Unbekannten, da die meisten Kunden sich mit dem Einhalten eines klaren Ablaufs zu Beginn der ersten Sitzung schneller fallen lassen konnten.  
   
“Auf die Knie.” raunte er dem noch immer von ihm abgewandten Mann vor sich ins Ohr.
Als der sich nicht rührte unterstrich er seine Aufforderung indem er seine Hände auf dessen Schultern legte und sachte Druck nach unten ausübte. Doch zu seiner Überraschung drehte sich sein Gegenüber jetzt um. Joko sah ungläubig in die krass blauen Augen, die als einziger Teil des Gesichts nicht von der Bondagekapuze verdeckt wurden und ihn ausdruckslos musterten. Doch er fing sich wieder und schmunzelte “Frech für einen Sklaven, was?”

Im nächsten Moment stand er hinter ihm, brachte mit einem sanften aber gezielten Tritt seine Knie zum einknicken, während er mit seinem linken Arm den Oberkörper des Anderen so festhielt, dass diesem der schmerzhafte Aufprall auf die Knie erspart blieb. Das konnte noch interessant werden heute…

.

.

.

Stunden später saß Joko auf dem weißen Sofa und fragte sich, warum um alles in der Welt der Andere ihn gebucht hatte. Er hatte weder das Gefühl, dass dieser einer von der unterwürfigen Sorte war, noch, dass es ihn scharf machte, auf dem Boden rumzurutschen, sich beleidigen, oder gar übers Knie legen zu lassen. Er hatte alles mögliche mit ihm angestellt, aber irgendwie kamen sie nicht in den flow, der sich sonst irgendwann einstellte und er war kurz davor, dieses Treffen zu beenden, entschied sich aber dafür, den Anderen jetzt einfach mal zu fragen, was das hier sollte. Also ging er auf den mit gesenktem Kopf in der Ecke knienden Mann zu, löste den gag - ball aus dessen Mund und schob sein Kinn mit dem Daumen nach oben. Das bisschen Spucke, was noch daran hing wischte er leicht weg.

“Warum bist du hier?” Lieber direkt, als Rumgelaber, so war er halt.
“...” Sein gegenüber sah ihm unergründlich in die Augen, schien aber noch nicht ganz wieder an dem Punkt zu sein, normale Konversation zu betreiben.
“Warum du hier bist, habe ich gefragt.”
“...Ich”
“Ja?”
Der andere stockte kurz, räusperte sich, schließlich hatte er seit Stunden nicht geredet und auch nichts getrunken…mal abgesehen von der Milch, die er ihn vom Couchtisch lecken hatte lassen.

“...Ich soll lernen, Kontrolle abzugeben.”  

Und Joko verlor zum ersten Mal seit er den Job machte die Fassung. “What?”

“Naja, Ich…”

“Und dafür lässt du dich von mir auspeitschen?” Fragte er ungläubig. Das der Andere noch immer mit gefesselten Händen in einer recht unbequemen Position vor ihm kniete, registrierte er erst, als dieser ein bisschen hin und her rutschte. “Könnten Sie mich kurz losbinden, bevor wir diese Unterhaltung weiter ausbauen?”



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