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Vom Ende zum Anfang

von Enoraa
Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Harry Potter Hermine Granger Lord Voldemort / Tom Vorlost Riddle Ronald "Ron" Weasley Severus Snape
28.12.2021
21.01.2022
22
88.729
70
Alle Kapitel
51 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
15.01.2022 1.835
 
Trigger-Warnung: Dieses Kapitel bezieht sich in expliziter Weise auf misshandelnde Handlungen an/gegen Kinder und Tiere. Bei manchen Menschen können diese Themen negative Reaktionen auslösen. Bitte sei achtsam, wenn das bei dir der Fall ist.
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Kapitel 15 – Für das größere Wohl



Severus hatte eigentlich gehofft, dass es mit diesem Abend vorbei war. Nicht, dass er nicht für Harry da sein wollte, ganz im Gegenteil, das tat er sogar erstaunlich gerne und es fiel ihm mittlerweile so viel leichter, Harry aufzufangen, ihm Halt und Trost zu spenden, mit ihm zu reden.
Aber diese Dinge zu sehen, die Harry irgendwo in den Tiefen seines Gedächtnisses mit sich trug, war furchtbar. Manche Dinge erinnerten ihn an sich selbst. Schließlich hatte auch er als Kind Misshandlung erfahren und sein alkoholsüchtiger Vater war selten zurückhaltend gewesen.
Harry jedoch so zu sehen, so klein, hilflos und vollkommen alleine, war so viel furchtbarer. Was auch immer geschehen war, Severus hatte seine Mutter gehabt. Sie hatte sich nicht gegen Tobias wehren können, das nicht. Aber sie hatte Severus gehalten und gesundgepflegt, hinterher. Harry hatte einfach gar niemanden gehabt. Und als er eine Erinnerung heraufholte, in der Harry schon annähernd zwölf gewesen sein musste, hatte er die Verbindung von sich aus unterbrochen. Vernon hatte Harry so übel verprügelt als der dumme Hauself, den Harry als Freund bezeichnete, Magie angewendet hatte, dass Severus sich fragte, wie der Junge je wieder halbwegs gesund nach Hogwarts zurückgekehrt war. Wie hatte das niemand von ihnen sehen können?
Natürlich… gab es auf diese Frage nur eine Antwort. Dumbledore musste es verschleiert haben.
Während er sich also die Abende mit Harry in dessen Gedanken um die Ohren schlug, versuchte er sich tagsüber ganz und gar auf die bevorstehende Aufgabe zu konzentrieren. Unter einem Vorwand hatte Lucius es wirklich geschafft, einen Termin beim Minister zu bekommen, zudem er ‚zwei Vertreter aus dem Ausland‘ mitbringen würde. Da die Schutzzauber des Ministeriums jedoch herkömmliche Verwandlungen und Trankeffekte außer Kraft setzten, musste er all sein Wissen aufbringen, um entsprechende Tränke herzustellen. Deren Wirkung würde, ähnlich dem Vielsafttrank, nicht lange halten, aber es war die einzige Chance, die sie hatten.
Harry und seine Freunde wälzten sich durch unzählige Schutzzauber und lernten so viele davon, wie es nur ging. Und der Dunkle Lord kümmerte sich sowohl um das Ritual als auch um andere Dinge. Es war nicht so, dass er Severus in jeden seiner Pläne einweihte.
„Sev?“, fragte Harry an diesem Abend leise. Morgen würde er mit dem Dunklen Lord ins Ministerium gehen. „Ich möchte gerne noch ein letztes Mal in meine Erinnerungen“, erklärte er zurückhaltend. „Und, dass du so tief gräbst, wie du kannst.“ Severus sah ihn heftig schlucken. Wollen war eindeutig das falsche Wort. Harry wollte das ganz und gar nicht. Er hatte Angst vor dem, was sie finden könnten.
„Ein letztes Mal?“
Harry nickte ernst.
„Mit allem, was danach kommt, muss ich irgendwie so fertig werden.“
„Die am schwersten zu erreichenden, werden wahrscheinlich sehr, sehr alt sein“, warnte er vor. Vielleicht waren Erinnerungen an seine Eltern dabei, darüber sollte er sich lieber im Klaren sein.
„Ja, ich weiß. Machst du es?“, fragte er leise. Severus atmete tief durch. Am liebste würde er ihm ‚Nein‘ entgegenbrüllen, ihn schütteln, es ihm verbieten.
„Ja“, sagte er stattdessen und nahm eine Phiole zur Hand, die er Harry reichte. Der trank sie aus und setzte sich, die Augen schließend, um den trank in Ruhe wirken zu lassen und vielleicht auch selbst ein kleines bisschen Ruhe zu finden, bevor Severus sich erneut vor ihn kniete und seine Finger an seine Schläfen legte. Er spürte selbst, dass seine Finger heute kalt waren…

„Du bist ein braves Hundi“, flüsterte Harry, vielleicht fünf Jahre alt, und streichelte eine Bulldogge. Er saß versteckt hinter dem Gartenhäuschen. Wenn Tante Magda da war, ließ er sich drinnen lieber nicht blicken. Meistens ging sie nach ein paar Tagen wieder, dann war es sicher, wieder hineinzugehen und sein Onkel ließ ihn dann meistens in Ruhe. Die paar Tage ohne Essen kam er aus.
Der Hund vor ihm, war nicht so groß, wie die Tiere, die Tante Magda sonst mitbrachte und er war sehr zutraulich. Harry verspürte eine unbändige Freude darüber, mit den Fingern über das weiche, kurze Fell zu streicheln und kicherte immer wieder, wenn die Zunge ihn abschlabberte. Sein Gesicht war so knuffig! Harry knautschte die Falten ganz sachte, ehe er weiter streichelte.
„Was glaubst du, was du da machst!?“, fuhr eine aufgebrachte, strenge Stimme ihn an. Aufgebracht schaute Tante Magda auf ihn herunter und deutete mit dem Finger drohend auf ihn.
„Das sind keine Kuscheltiere! Das ist ein Kampfhund und du verhätschelst ihn!“, fauchte sie. Der Hund, der die laute Stimme offenbar ebenso fürchtete wie Harry, drängte sich schutzsuchend gegen ihn. „Steh auf, Bursche, ich zeige dir, wie man das macht!“ Sie beugte sich vor und zerrte ihn an seinem T-Shirt auf die Beine. „Schlag ihn!“, wies sie ihn streng an und Harry fielen fast die Augen aus dem Kopf.
„Nein“, entwich es ihm entsetzt. Warum sollte er denn dem Hund etwas tun? Er war doch lieb!
„Schlag ihn, oder ich schlage dich!“, fauchte sie und versprühte dabei genauso viel Spucke, wie Onkel Vernon, wenn er wirklich sauer war.
„Ich möchte ni-“
Der Schlag mit der Hinterhand riss gefühlt sein halbes Gesicht auf.
„Schlag ihn!“, kreischte sie jetzt. Harry hielt sich das Gesicht, rührte sich aber nicht. Zum einen, wollte er wirklich nicht von dem Hund gebissen werden, davor hatte er große Angst. Zum anderen brachte er es einfach nicht über sich. Der Hund war doch so klein und lieb! Es reichte doch, wenn Harry geschlagen wurde! Womit er nicht gerechnet hatte, war Magdas pure Grausamkeit. Sie trat ein paar Mal nach ihm, bis er liegen blieb. Dann holte sie aus dem Schuppen, neben dem sie standen, einen Stecken und drosch damit abwechselnd auf Harry und den kleinen Hund ein, bis beide vor Schmerz wimmerten und schrien.

Harry mochte acht Jahre alt sein, es war so schwer zu sagen, weil er so klein und schmächtig war. Ganz alleine saß er auf dem Schulhof, während um ihn herum die Kinder spielten und lachten und riefen. Er hatte die Arme um die Knie geschlungen und machte sich ganz klein, damit Dudley und seine Bande ihn nicht sahen, während er den anderen Kindern beim Spielen zusah. Wie gerne wäre er bei ihnen gewesen. Wie gerne würde er mit ihnen spielen und lachen. Er durfte nie lachen. Es gab nichts zum Lachen.
Eines der Mädchen, die er beobachtete, stolperte und fiel hin, ihre Freundinnen kicherten und Harry wagte es den Moment zu nutzen. Er stieß ein Lachen aus, laut und unkontrolliert, da traf ihn plötzlich ein halbes Pausenbrot am Kopf.
„Du ekelhafter Freak!“, kreischte das Mädchen, das hingefallen war, in seine Richtung. „Ich habe mir wehgetan und du lachst mich aus! Stirb doch, Freak!“

Harry, in seinem Kinderbettchen, mit blutender Stirn, schrie und schrie und schrie. Er weinte so sehr. In ihm war nur Angst und Unverständnis, während das Zimmer um ihn herum halb zerstört war und rief mit seinem Schreien immer und immer wieder nach der rothaarigen Frau die regungslos auf dem Boden im Zimmer lag.
„Mama! Mama! Mama! Papa!“ Mehr Worte hatte er nicht. Er hatte nicht geschrien, als der Fremde ins Zimmer gekommen war. Erst als das böse grüne Licht kam und seine Mama hinfiel, hatte er zu greinen begonnen. Irgendetwas war falsch, so falsch! Und dann tat ihm alles weh und das grüne Licht war wieder da gewesen und danach war er alleine, so alleine.
Plötzlich betrat jemand das Zimmer und er stieß ein Wimmern aus und hob die kleinen Hände, damit er hochgenommen und gehalten wurde, doch der schwarzhaarige Mann sah nur kurz zu ihm. Stattdessen klebte sein ungläubiger Blick auf der toten Frau, ehe er auf die Knie sackte. Sein Schrei schloss sich Harrys erneuten Schreien an, bis sie beide weinten, und er zog die Tote an sich, wiegte sie in seinem Arm.
Harry weinte weiter, bis der Mann sich erhob und mit dem Stäbchen, dass er bei Papa nicht anfassen durfte, zu ihm kam. Er machte etwas, aber nichts was grün war und die Kälte verschwand. Ihm wurde warm und der Mann beugte sich zu ihm, strich ganz sachte über seinen Kopf, ehe er sich umwendete und ging. Harry weinte nicht mehr. Er saß nur da, sein Kopf ganz leer und die Wärme um ihn herum…

Er hatte geschlafen, trotzdem es sehr laut gewesen war. Es war warm. Und dunkel. Etwas kitzelte sein Gesicht und jemand redete. Immer noch fühlte er eine so schöne Wärme, wie er sie sonst nur von seiner Mama kannte. Was ihn kitzelte, verschwand aus seinem Gesicht, dann kitzelte ihn etwas weißes, ehe er höher gehoben wurde und in ganz hellblaue Augen schaute. Hellblaue Augen hatte er überhaupt noch nie gesehen. Die Menschen sprachen, dann wurde Harry weiter in die Dunkelheit getragen. Da wollte er nicht hin, auch wenn es warm war. Er wollte da bleiben, wo Licht war. Doch er wurde abgelegt und etwas unter seinen Kopf geschoben. „Für das größere Wohl, Harry Potter“, murmelte Dumbledore, ehe er verschwand und ihn ganz alleine zurückließ.

Harry sank dieses Mal nur ganz langsam in sein Bewusstsein und seinen Körper zurück. Severus vor ihm war ganz steif, und anders als sonst, streichelte er ihn nicht. Die Erinnerung an Dumbledore, schob er direkt wieder beiseite. Er wusste doch schon, dass Dumbledore ihn nur zum Sterben aufgezogen hatte. Nein, seinen Gedanken hingen bei einem wesentlich jüngeren Severus, der geschrien hatte, als würden fünf Cruciatus-Flüche ihn gleichzeitig treffen. Es war schlimm, diese kindliche Verzweiflung erneut zu durchleben, nicht nur das Sterben seiner Eltern in allen Einzelheiten zu beobachten, sondern die direkten Auswirkungen auf sich selbst. Aber das war kein Vergleich. Vielleicht, weil er bereits gewusst hatte, was damals geschehen war… vielleicht war Severus ihm aber auch einfach nur wichtiger.
Dieses Mal rutschte er von sich aus vom Sessel und auf Severus Schoss und schlang die Arme um ihn, der immer noch ganz steif war.
„Es tut mir leid“, flüsterte Harry. Das hätte Severus wirklich nicht noch einmal durchleben müssen. Nicht so. Severus Arme schlossen sich jetzt ganz fest um ihn, auch wenn er keinen Ton sagte. Erst jetzt, als sich der Stoff von Severus Kleidung gegen ihn drückte, spürte er, dass seine eigenen Wangen tränennass waren. Er atmete tief durch.
„Es tut mir so unendlich leid.“

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Extrem kurzes Kapitel, ihr kennt den Grund. Ich verspreche, dass wars erst mal mit furchtbaren Rückblenden, vorallem in dieser Detailiertheit. Die nächsten Kapitel werden dann auch wieder länger, hoffe ich. Aber das hier macht mich selbst zu sehr fertig, und gerade bei Gewalt gegen Tiere kriege ich Heul- und Schreikrämpfe gleichzeitig. Hab ewig daran gesessen und auch lange mit mir gehadert, ob ich es überhaupt reinnehmen soll... Ich hab den Absatz beim letzten Mal tatsächlich schon einmal geschrieben und mich dagegen entschieden, aber gut... hier ist es nun.

Genug der Worte. Ein schönes Wochenende,
Eno
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