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Jarl

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Erotik / P18 / Mix
OC (Own Character) Sabaton
27.12.2021
10.05.2022
5
5.828
 
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20.04.2022 631
 
Ulf Arnarsson war tot. Daran gab es nichts zu rütteln. Der verstorbene Jarl war alt gewesen; mit sechzig Jahren war er weit älter geworden als die meisten. Er würde nach Walhalla kommen, darin waren sich die Clansmitglieder einig; er war im Kampf gefallen, ein kurzer Moment der Schwäche? des Schwindels? hatte seinen Gegnern die Möglichkeit gegeben, ihn so zu verletzen, dass er binnen kurzer Zeit verblutet war. Er war ins Dorf zurück gebracht worden, wo ihm die letzte Ehre erwiesen wurde.

„Was meinst du, wer wird der Nachfolger? Oder hat Ulf noch einen benannt?“ fragte Hjaltar, ein großer blonder Krieger, die Heroldin Síf. Hjaltar war der größte Mann im Clan, über sechs Fuß groß. Er entstammte einer Händlerfamilie, hatte dafür aber kein Geschick. Sein Vater redete kein Wort mehr mit ihm, seit er dem Kontor der Familie den Rücken gekehrt hatte. Ich hatte noch Glück, dachte er, der Alte hat mich nicht verstoßen. Dann würde ich bestimmt nicht hier stehen.

„Soweit ich weiß nicht, ich bin also so schlau wie du. Ich tippe auf Jocke.“ Síf, die fast so groß war wie Hjaltar, aber dunkelhaarig, wurde auch „Walküre“ genannt. Ihre Stimme konnte mit denen der besten Barden und Skalden mithalten. Sie wusste über die Stammbäume der einzelnen Familien Bescheid wie kein anderer und kannte vor allem das geltende Recht auswendig, geschriebene wie ungeschriebene Gesetze.

„So sehr ich es ihm gönnen würde – er ist völlig ungeübt in politischen Dingen.“

„Dafür hat er mehr Charisma als der Rest des Clans zusammen. Und hast du ihn mal übers Schlachtfeld brüllen gehört? Du warst doch in seinem Trupp, als ihr mit Ulf ausgerückt seid. War Ragnar übrigens dabei?“

Hjaltar schnaubte: „Wo denkst du hin? Der musste seine Ränke schmieden“, setzte er sarkastisch hinzu.

„Er ist eben eher Politiker als Krieger…“

„Das kannst du laut sagen! Da ist mir ja Pär lieber!“ Hjaltar mochte das geistliche Oberhaupt des Clans nicht wirklich, ohne dass er hätte sagen können, warum.

„Mir ist er auch lieber“, stimmte Síf zu.

„Du bist ja auch mit ihm und Jocke aufgewachsen. Ich bin viel jünger.“ Leider, fügte er in Gedanken hinzu. Sehnsüchtig blickte er zu Síf.


Einen Tag später wurde Ulf beigesetzt, zwei Tage später der neue Jarl gewählt. Der ganze Clan war auf dem Thingplatz versammelt. Síf und Pär traten vor.

„Wir haben uns hier versammelt, um den neuen Jarl zu wählen“, Sífs Stimme hallte über den Platz.

„Hat jemand einen Vorschlag?“, fragte Pär. Bald standen die beiden Kandidaten vorne, die am häufigsten genannt worden waren.

Ragnar Arvidsson, etwa fünfundzwanzig, groß, blond, gutaussehend. Offensichtlich kein Krieger, dazu war er zu schlank. Aber er hatte eine gerade Haltung. Die blauen Augen blickten kritisch und leicht verächtlich. Ragnars Eltern waren Großgrundbesitzer, er hatte früh die Familienpolitik mitgestaltet. Hier lag seine Begabung, und so war der nächste Schritt gewesen, als Unterführer in Ulfs Dienste zu treten und dort sein politisches Geschick einzusetzen.  

Joakim Olofsson war so alt wie sein Konkurrent, einen halben Kopf kleiner, aber anscheinend doppelt so breit. Ein sehr muskulöser junger Mann. Die dunklen Haare trug er als relativ schmalen Streifen in der Mitte des ansonsten kahlen Schädels. Aus grünen Augen schaute er skeptisch drein, fast ängstlich. Er entstammte einer Ahnenreihe von Kriegern und führte alle möglichen Waffen mit großem Geschick. Ulf hatte ihn deshalb zu seinem Unterführer gemacht.

„Abstimmung“, rief Síf, „wer für Ragnar Arvidsson ist, hebt die Hand.“ Zwischen vierzig und fünfzig Hände waren zu sehen. Síf zählte sie: „Zweiundvierzig“, verkündete sie das Ergebnis.

„Joakim Olofsson.“ Etwa zehn Stimmen mehr als für Ragnar. Wiederum zählte die Heroldin: „Genau fünfzig.“ Ragnars siegessicheres Grinsen erlosch, während Joakim erbleichte.

„Joakim Olofsson, nimmst du die Wahl an?“ Pär trat auf ihn zu und flüsterte: „Bitte, Jocke. Oder willst du, dass Ragnar Jarl wird?“

Innerlich seufzend, erklärte Joakim: „Ich nehme die Wahl an.“
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