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Schöne Bescherung!

Kurzbeschreibung
OneshotRomance / P16 / Het
Hermine Granger Remus "Moony" Lupin
26.12.2021
26.12.2021
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1.766
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Für Kingsman, nach deinen Vorgaben. Frohes Restweihnachten, meine Liebe!



„Wir sind viel zu spät.“

„Hast du was gesagt?“, kommt Remus’ körperlose Stimme aus dem Flur neben der Haustür.

„Dass wir viel zu spät dran sind!“ Hermine stemmt sich eine Hand ins schmerzende Kreuz und macht mit der anderen eine halbherzige Bewegung in Richtung des stattlichen Weihnachtsbaums, der zwar schon in seinem Spanner, dafür aber immer noch dunkelgrün und nüchtern in der Ecke des gemütlichen Wohnzimmers steht. Sie kann es nicht fassen, wie weit sie hinter ihrem Zeitplan zurück sind. Es ist fast schon elf Uhr mittags am ersten Weihnachtsfeiertag, da haben alle englischen Kinder schon längst ihre Geschenke ausgepackt. Und die Lupins haben noch nicht mal ihren Baum geschmückt! Sowas hat es bei ihr noch nie gegeben, weder als Kind noch in den letzten drei Jahren, seitdem sie und Remus ein Paar sind.

„VIEL ZU SPÄ-HÄT!“, kräht Teddy vom Sofa her.  

Remus betritt den Raum; er hat gerötete Wangen und Schnee in den Haaren. Als er den Baum sieht, reißt er die Augen auf. „Sag nicht, du hast das schwere Ding ganz allein da hingeschleppt!“, bellt er entgeistert. „Du sollst doch nicht…!“

„Was blieb mir denn anderes übrig?“, ereifert sich seine Frau. „Aber damit du beruhigt bist …“ Sie wedelt mit ihrem Zauberstab. „Zum Teufel mit meiner Zauberabstinenz an Weihnachten.“ Dann schüttelt sie ungläubig den Kopf. „Das sollte ich mal Ginny erzählen. Dass mein Mann draußen im Garten stundenlang einen Schneemann baut und ich den ganzen Rest machen kann, den man an Weihnachten so macht.“ Sie nimmt ihre Finger zu Hilfe und zählt daran ab. „Essen kochen, Geschenke einpacken, Baum aufstellen, Baum schmücken …“

„Ich habe den Schneemann lediglich noch mit ein paar Kohlestücken und einer Karotte verziert, damit wir nicht immer irgendwas Angefangenes irgendwo rumstehen haben“, verteidigt sich ihr Mann.

„Ach, hatte dein Sohn keine Lust mehr auf Schneemann bauen?“

„Ich warte auf den Tag in nicht mehr allzu ferner Zukunft, wo du das nicht mehr sagen kannst.“ Remus zieht eine Grimasse. „Ab da heißt es dann unser Sohn. Ich hatte eigentlich gehofft, dass es noch vor Weihnachten passieren würde, aber die Adoptionsbehörde des Ministeriums lässt sich ganz schön viel Zeit.“

„Glaub mir, in der Muggelwelt würde es noch länger dauern.“ Hermine betrachtet lächelnd den agilen Sechsjährigen, der auf dem Sofa auf und ab hüpft.

„Und jetzt, jetzt hoffe ich“, Remus schenkt Hermine einen zärtlichen Blick, „dass der Termin vielleicht mit einem anderen Datum zusammenfällt, das mir sehr viel bedeutet.“

„Meinst du Silvester?“, schnaubt Hermine ein wenig abfällig, obgleich sie natürlich weiß, was er damit meint. „Ich sag dir was, ich werde den ganzen verdammten Tag nicht aus dem Haus gehen. Diese gestörte Ballerei …“

Du wolltest unter Muggeln wohnen, nicht ich. Und ich meine selbstverständlich nicht Silvester, ich meine …“

„Wenn du das nächste Mal vergisst, deinen Trank rechtzeitig zu nehmen, wenn es so weit ist, dann werden wir auch nicht mehr lange unter Muggeln wohnen“, prophezeit Hermine mit drohend erhobenem Zeigefinger. „Oder unter einer erheblich dezimierten Anzahl von Muggeln“, setzt sie säuerlich hinzu.

„Es waren nur zwanzig Minuten, die ich zu spät war, Hermine, und es ist doch alles gutgegangen ... Warum bist du denn auf einmal so … so …“

„Sag jetzt ja nichts Falsches“, giftet die junge Hexe selbst für ihren Geschmack ein wenig zu laut. Aber ihr tut alles weh und sie fühlt sich gehetzt und wie gerädert, weil sie kaum geschlafen hat in letzter Zeit. Es ist fast Mittag am 25. Dezember und der Baum ist noch nicht geschmückt. „Ich könnte hier drin echt deine Hilfe gebrauchen, Schatz. Teddy ist heute eine rechte Plage. Ohne Witz jetzt, ich glaube, er ist hyperaktiv. Schau dir mal seine Haare an. Er hat sein gesamtes Farbspektrum heute schon drei Dutzend Mal durchgewechselt!“

Remus blickt zu dem Jungen, der jetzt angefangen hat, auf dem Sofa Purzelbäume zu schlagen. „Das ist die Aufregung. Er freut sich schon so auf die Geschenke!“

„Letztes Jahr war es nicht so schlimm, glaub mir.“

„Letztes Jahr warst du auch noch nicht …“

Hermine schießt Remus einen Blick zu, der ihn verstummen lässt. „Weißt du was, wenn das so weitergeht, rufe ich Severus an.“

„Was soll der denn machen, Kindermädchen spielen? Dann kriegen wir Teddy am Ende völlig verstört zurück. Wenn einer nicht mit Kindern kann, dann der.“

„Er soll auch nicht auf Teddy aufpassen, sondern ihm einen Trank brauen. Damit dein Sohn ein bisschen runterkommt.“

„Hermine, jetzt übertreibst du aber. Willst du das Kind wirklich sedieren?“

Teddy schreit mittlerweile unverständliches Zeug, fuchtelt mit einem Plastikzauberstab in der Luft herum und hüpft auf dem Sofa immer höher.

„Ich möchte nur, dass er ein wenig ruhiger ist“, ruft Hermine über das Kindergeschrei hinweg ihrem Mann zu. „Bei uns wird es bald sowieso laut und ich kann es einfach nicht brauchen, wenn er über die Stränge schlägt wie jetzt.“

Mit einem riesigen Satz springt Teddy vom Sofa auf den Teppich und somit auf eine Plastiktüte, in der vorhin noch ein paar altmodische Weihnachtskugeln eingepackt waren. Jetzt ist sie zum Glück leer, denn Remus’ Sprössling rutscht natürlich darauf aus und landet in der stacheligen Tanne. Jetzt ist das Geschrei erst recht groß.

„Mach du das mit dem Baum“, sagt Hermine stöhnend, „ich nehme Teddy mit in die Küche. Die Plätzchen sollten ohnehin gleich fertig sein.“

Sie nimmt den schluchzenden Jungen, dessen Haarschopf jetzt auf der linken Seite des Kopfes tannengrün und auf der rechten knallrot leuchtet, an der Hand und zieht ihn aus dem Wohnzimmer.

In der Küche beruhigt sie Teddy, streichelt ihm über den Kopf und steckt ihm einen noch ofenwarmen Schokokeks zu. Allmählich beruhigt sich der Sechsjährige und seine Haarfarbe verwandelt sich in ein unauffälliges Rotbraun. Der Kleine kann am allerwenigsten etwas dafür, dass sie sich so gestresst fühlt. Seit ein paar Tagen ist sie nicht ganz auf der Höhe, ihre Füße tun ständig weh, und ihr Rücken erst … Wenn sie in den Spiegel schaut, findet sie sich aufgequollen wie Dolores Umbridge in ihren schlechtesten Zeiten, na ja, außer vielleicht ihre Augen. Aber dann noch Pansy Parkinsons Spruch, als sie gestern auf den letzten Drücker noch in der Winkelgasse war, um ein paar Last-Minute-Geschenke und Zutaten zu besorgen, etwas, was ihr früher nie, nie, niemals passiert wäre …

Die ehemalige Slytherin hatte mit einer Mischung aus Neid und Ekel auf Hermines sich unter dem Wintermantel abzeichnenden Bauch gestarrt und so laut, dass alle Umstehenden und nicht zuletzt Hermine es hören konnten, gezischt: „Es ist wirklich eine Schande! Lässt sich von ihrem einstigen Lehrer schwängern, der zu allem Überfluss auch noch ein Werwolf ist! Na, was daraus wird, kann man sich ja denken!“

Normalerweise hat Hermine nicht so nah am Wasser gebaut, aber selbst bei der Erinnerung an die gehässigen Worte steigen ihr wieder die Tränen in die Augen. Klar, dass Pansy nur neidisch ist, schon seit damals in Hogwarts ist sie es. Seit sich der von ihr ach so angeschmachtete Draco Malfoy nämlich für Hermine und nicht seine langjährige Hauskameradin interessiert hatte. Dabei konnte sie mit dem blassen Jüngelchen noch nie etwas anfangen – einem Todesser! Und gewiss hätte sie nie auch nur annähernd geahnt, eines Tages ausgerechnet mit dem Mann, der sie und ihre Freunde ein Jahr lang in Verteidigung gegen die Dunklen Künste unterrichtet hatte, zusammenzukommen! Als Vierzehnjährige denkt man nicht an so was!, hätte sie Pansy am liebsten ins Gesicht geschrien. Doch am Ende hatte sie gar nichts erwidert, bloß dafür gesorgt, dass sich eine Ladung Schnee von einer der hohen Platanen in der Winkelgasse urplötzlich auf ihre Widersacherin entlud. Ein kleiner Triumpf, immerhin.

Doch auch sie ist besorgt. Nicht, weil Remus ein Werwolf ist; es gibt Mittel und Wege, um diesen Zustand zu entschärfen. Doch was, wenn … Unglücklich schaut sie hinunter auf ihren immensen Bauch. Lang wird es nicht mehr dauern. Und wenn es losgeht, muss sie Luna Bescheid sagen, die seit kurzem frischgebackene Hebamme ist. Aber Harry und Ginny sind gemeinsam im Weihnachtsurlaub und ihre Eltern auch, in Frankreich, gerade jetzt, wo sie so gern mit jemand Vertrautem reden würde. Es ist ihre erste Schwangerschaft und bislang war sie unauffällig, aber man weiß nie. Sie hätte sich besser doch in einem dieser Muggelkrankenhäuser für die Geburt angemeldet … Und außerdem …

Ich bin eine Muggelgeborene, denkt sie, vielleicht unterdrückt das Remus’ verändertes Erbgut ja … Tonks war halb und halb und bei der hat es schließlich auch geklappt … Voller Zuneigung tätschelt sie Teddy die rosige Wange. An ihm ist der Kelch vorübergegangen. Es wird schon werden. Wir finden einen Weg.

Nur wenige Minuten später ruft Remus die beiden zurück ins Wohnzimmer, wo sowohl Hermine als auch Teddy sich mit großen Augen umsehen. Der Baum ist fertig geschmückt, die Geschenke liegen eingepackt darunter. Zwei Dutzend Kerzen, mindestens, brennen über den ganzen Raum verteilt, Girlanden hängen von der Decke und leise Weihnachtsmusik tönt aus dem alten Grammophon. Mit einem verzückten Aufschrei wirft Teddy sich unter den Baum und beginnt, alles auszupacken, worauf mit großen bunten Lettern sein Name steht. Seine Haare leuchten golden wie die Spitze des Tannenbaums.

Hermine tappt lauernd mit einem Fuß auf den Boden. „So schnell? Das grenzt ja an …“

„Zauberei?“ Remus grinst und nimmt sie in die Arme. „Frohe Weihnachten, meine Schönste. Euch beiden …“

„Frohe Weihnachten, Liebster.“ Sie küsst ihn zurück. „Ich dachte, wir würden dieses Jahr nicht zaubern.“

„Ist doch egal“, murmelt er an ihren Lippen. „An Weihnachten soll man sich keinen Stress machen. Ich helfe dir nachher beim Kochen.“

„Klingt perfekt“, haucht sie und verzieht plötzlich das Gesicht. „Ich hab schon wieder Krämpfe, Remus. Mist, ich hätte nicht selbst so viel vom Plätzchenteig naschen sollen. Ich glaube, ich sollte besser …“

„Du legst jetzt erstmal die Füße hoch und ich bringe dir deine Geschenke. Teddy ist sowieso fürs Erste beschäftigt.“

Remus führt Hermine zum Sofa, doch noch bevor sie dort ankommen, spürt Hermine plötzlich einen warmen Schwall, der ihren Schlüpfer in Sekundenschnelle durchnässt. „Bei Merlins Unterhose“, entfährt es ihr und sie deutet ungläubig auf die feuchte Stelle in ihrer bequemen Leggings.

Auch Remus erstarrt. Aber nur für einen kurzen Augenblick, dann ist er ganz in seinem Element. „Oh, oh, dann geht es jetzt also los. Hier, setz dich, ich stecke nur kurz meinen Kopf in den Kamin und rufe Luna. Und danach Severus.“

„Severus?“ Soll das ein Witz sein?

„Ja, wir brauchen ein Kindermädchen; Ginny und Harry sind nicht da. Denn du glaubst ja wohl nicht, dass ich dich auch nur eine einzige Minute alleine lasse?“

Hermine spürt der ersten Wehe nach, einer Vorbotin dessen, was da heute noch geschehen soll und wirft ihrem Beinahe-Adoptivsohn, der von dem ganzen Aufruhr, Merlin sei Dank, noch gar nichts mitgekriegt hat.

„Also dann“, seufzt sie. „Schöne Bescherung. Für jeden von uns.“
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