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Mit Gorillaherz und -verstand

von - Leela -
Kurzbeschreibung
OneshotAllgemein / P12 / Gen
Eddie GB Jake Tracy
21.12.2021
21.12.2021
1
1.657
 
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21.12.2021 1.657
 
Anm. d. Aut.:
      ● Diese Geschichte gehört zu dem Projekt »Oxymoron« von »Nevermind«.
      ● Das Oxymoron war Nr. 4: Eisenholz



Mit Gorillaherz und -verstand

Tracy war sauer! Und das war eine ernstzunehmende Angelegenheit, denn Tracy war ein Gorilla. Gemeint ist das dritte Mitglied im Team der Ghostbuster, und nicht gemeint ist damit ein Bodyguard, Türsteher oder ähnliches, nein, gemeint ist ein wortwörtlicher Gorilla – und eben diesen sollte man besser nicht in Rage versetzen.
      Auslöser für die Wut des animalischen Ghostbusters war ein Zeitungsartikel.
      Eddy blieb bei seinem Partner Jake am Schreibtisch stehen, welcher den Anfang des Spektakels live mitbekommen hatte. „Was ist denn mit ihm los?“
      „Er hat gerade den Bericht gelesen über die geplante Abholzung des Stadtwäldchens.“ Auch Jake wirkte betroffen. „Es ist wirklich nicht nachvollziehbar. Wenn wenigstens noch ein Sinn dahinter wäre. Aber das hier hat nichts mit Gehölzpflege zu tun, sondern einfach damit, daß es angeblich »nicht in das moderne Stadtbild« paßt.“
      „Bitte was?“ Eddy sah seinen Kumpel entsetzt an.
      „Mmhm.“ Jake nickte mit mißmutiger Miene. „Der Platz soll betoniert werden. Eine groß angelegte Protestaktion wurde kommentarlos abgeschmettert.“
      Eddy sah betroffen zu dem Gorilla herüber, der verzweifelt und hilflos vor dem Artikel saß und so wirkte, als würde er am liebsten irgendwo reinschlagen. „Oh mein Gott. Das ist für uns ja schon schlimm. Wie mag es erst Tracy damit gehen?“
      Jake machte eine Geste zu ihrem Kameraden hin. „Siehst du ja. Tracy kann sich darüber gar nicht mehr beruhigen.“
      „Verständlich.“ Beklommen musterte Eddy seinen Freund und Mentor. Langsam wandte er den Blick wieder zu Jake. „Wann soll es denn losgehen?“
      „Laut dem Bericht in zwei Wochen. In der ersten Welle werden Bäume gekennzeichnet, die noch an eine Holzverarbeitungsfabrik gehen sollen. Wenn das passiert ist, kommt Welle zwei. Dann wird der Rest platt gemacht.“ gab Jake mit müder Stimme Auskunft.
      Eddy sah betrübt zu Boden. Auch er war immer gerne im Stadtwäldchen unterwegs gewesen, welches gar nicht mal so klein war. Es war immer eine Oase des Friedens in der großen Stadt gewesen. Für Tracy, der seine Wurzeln in Afrika hatte, war es in dieser Umgebung ein persönlicher Wohlfühlort gewesen. Aber nicht nur deswegen war es ein Skandal, da waren sich Eddy und Jake einig. Gerade in der Stadt mußte jedes Stück Natur erhalten und gepflegt werden. Der mollige Ghostbuster ballte selber wütend die Fäuste. „Wie schade, daß die Bäume nicht aus Eisenholz bestehen! Daran würden sich die Geräte der Abholztruppe die Zähne ausbeißen!“
      Als er das sagte, schnappte der Gorilla auf der anderen Seite des Raumes nach Luft. „Das ist es!“
      Die beiden Männer am Schreibtisch wechselten einen überraschten Blick. Von einem zum anderen Moment grinste Tracy euphorisch. Mit einem solchen Umschwung der Gemütslage hatten sie nicht gerechnet.
      Plötzlich kam Tracy auf Eddy zu, schloß ihn in die Arme, und ehe es sich sein Partner versah, mußte er einen Gorillakuß über sich ergehen lassen, bevor Tracy guter Dinge aus dem Büro stürmte.
      Eddy sah Jake entgeistert an. „Was war das jetzt…?“
      Jake schmunzelte. „Naja, Tracy ist ja Erfinder! Ich fürchte, du hast ihn gerade auf eine gute Idee gebracht…“

Und das hatte Eddy tatsächlich! Tracy hatte alle Register gezogen.
      Zuerst war der Gorilla zum Stadtwäldchen gefahren, um sich umzusehen. Prompt war er dort auf ein paar Arbeiter gestoßen, welche die Bäume kennzeichneten, die als erstes gefällt werden sollten. Ihm hatte sich automatisch das Fell gesträubt. Auf die Nachfrage, was er dort tat, hatte er nur unverbindlich geantwortet, er wolle sich verabschieden.
      So hatte er sich allerdings erst einmal einen Überblick verschafft, um seine Idee umzusetzen. In der zweiten Instanz ging es um den Materialeinkauf. Einige Dutzend mehrere Meter lange und verschieden dicke Eisenrohre. Sie paßten gerade mal in den Garten der kleinen Villa, in welcher der GhostbusterService seinen Firmensitz hatte.
      Eddy beobachtete das geschäftige Treiben seines Kameraden neugierig. Er ahnte langsam, auf was für eine Idee er den Erfinder der Truppe gebracht hatte. Und helfen konnte er auch, denn Tracy bat ihn, zu den Mitgliedern der Protestaktion Kontakt aufzunehmen. Bei dem, was der Gorilla geplant hatte, konnte er alle Hilfe gebrauchen, die er kriegen konnte.
      Die Zeit saß dem Genie im Nacken, und so arbeitete er Tag und Nacht. Aber die Mühe lohnte sich. Am Ende hatte er einen ganzen Haufen wundervoll echt aussehender Baumstämme geschaffen.
      Jake und Eddy staunten, als ihr Freund ihnen mit breitem Gorillagrinsen das Ergebnis präsentierte. „Echt Eisenholz!“ erklärte der Gorilla stolz.
      Jake lachte. „Ich hatte immer eine andere Vorstellung von Eisenholz.“
      „Ja. Wächst nur nicht hier.“ kommentierte Tracy amüsiert.
      „Und wie geht es jetzt weiter?“ erkundigte sich Eddy. „Diese Eisenholzstämme willst du jetzt im Stadtwäldchen einpflanzen?“
      Tracy nickte.
      „Ah, das ist das, was du mit den Leuten von der Protestaktion besprochen hast!“ erkannte Jake. Im Grunde hatte Tracy seine Aktionen nicht verheimlicht, trotzdem hatten Eddy und Jake dem Treffen nicht beiwohnen können, da sie in der Firma eingebunden gewesen waren, und in der Zeit neue Aufträge hereingekommen waren. Eddy hatte es nicht gefallen, daß er und Jake in der Zeit allein auf Geisterjagd hatten gehen müssen, immerhin war Tracy das stärkste Teammitglied, und von allen das älteste und erfahrenste. Nicht umsonst hatte Tracy schon mit den Vätern von den beiden Jungs zusammen gearbeitet. Irgend jemand hatte die Firma aber am laufen halten müssen, während Tracy sich um sein aktuelles Projekt kümmerte. Und so hatten Eddy und Jake nicht alles mitbekommen, was in der Zwischenzeit organisiert und geplant worden war.
      „Morgen geht es los.“ verkündete Tracy. „Könnt mitkommen. Markierungen umkleben!“
      Jake und Eddy wechselten ein Grinsen. Darauf freuten sie sich schon.

Es wurde eine Nacht- und Nebelaktion. Viele Helfer hatten sich eingefunden, um Tracys Aktion zu unterstützen.
      Zuerst wurden die präparierten Eisenbaumstämme zum Stadtwäldchen transportiert. Dort wurden an einschlägigen Stellen im Wald, die Tracy selbst festlegte, Löcher gegraben, in welchen dann die Eisenstämme installiert wurden.
      Jake und Eddy gingen durch den Wald und suchten akribisch die Bäume, die mit einem gelben Klebeband markiert worden waren. Für jeden markierten Baum gab es ein Eisenpendant, welches nicht weit entfernt davon aufgestellt wurde. Das Markierungsband brauchte dann nur vom Original zur Nachbildung umgeklebt zu werden. Tracy hatte dafür ein bestimmtes Schema entwickelt, damit anschließend eine reibungslose Abnahme von ihm erfolgen konnte.
      Mit den vielen Helfern dauerte es nur eine Nacht, bis alles erledigt war.
      Während Tracy akribisch durch den Wald ging und prüfte, ob alles zu seiner Zufriedenheit war, stellte Eddy sich zu Jake, der alles vom Waldrand aus beobachtete. „Wie gut, daß Tracy die Zeitungsannonce veranlaßt hat. Die Aktion hier wird sicher jemand mitbekommen haben.“
      Jake grinste. „Ja. Es war eine gute Idee, in der Zeitung offiziell bekanntzugeben, daß heute vom Stadtwaldverein eine nächtliche Verabschiedungsfeier vom Stadtwäldchen stattfindet, – nächtlich, damit die Mitglieder ungestört Abschied nehmen können. Das hat er geschickt eingefädelt. Daß der Verein eigentlich gar nicht existiert, muß ja niemand wissen.“
      „Ja, aber so wissen die Leute, daß hier heute etwas stattfindet und hinterfragen es nicht.“ lobte Eddy. „Das merkt keiner! Auf so eine Idee, wie Tracy sie hatte, kommt garantiert niemand.“
      Tracy gesellte sich gerade wieder zufrieden zu ihnen. „Fertig!“
      „Gut, dann gehen wir.“ Jake wandte sich zur Straße, wo ein Stück entfernt das Ghostbuggy auf sie wartete. „Jetzt können wir nur noch schauen, was passiert.“
      Gemächlich und versonnen gingen die drei Teammitglieder zu ihrem Einsatzfahrzeug zurück. Alles, was jetzt passierte, mußten sie dem Schicksal überlassen. Doch zumindest gab es jetzt noch eine kleine Chance…

Tracy war sehr zufrieden, als er heute die Zeitung las. Es war ein großer Artikel erschienen. Die Arbeiten für die Abholzung des Stadtwäldchens hätten beginnen sollen, doch aus irgendwelchen unerklärlichen Gründen war es nicht möglich gewesen, die Bäume zu fällen. Es hatte den Anschein, als wären die Baumstämme aus Eisen, so hieß es. Die Gerätschaften der Arbeiter waren nicht in der Lage gewesen, durch das Holz durchzukommen, egal, bei welchem Baum sie angesetzt hatten. In letzter Instanz war man überein gekommen, den Wald dann einfach dort zu lassen wo er war.
      Tracy zeigte ein breites Gorillagrinsen. Sein Einsatz hatte sich gelohnt.
      Jake kam mit versonnenem Lächeln näher. „Und die Eisenholzbäume bleiben jetzt dort, wo sie sind?“
      „Oki Doki!“ bestätigte der Gorilla so fröhlich wie nie.
      „Tracy hat es mir erklärt.“ erzählte Eddy. „Die Eisenholzbäume mit den Markierungen bleiben als eine Art Denkmal. Nur wer weiß, was in der Nacht wirklich passiert ist, weiß die wahre Bedeutung.“
      „Dann darf aber niemand hinter das Geheimnis kommen!“ warnte Jake.
      „Mal ganz im Ernst, wärst du bei der tollen Arbeit von Tracy auf die Idee gekommen, daß die Bäume nicht echt sind?“ wollte Eddy wissen. „Ich war noch mal im Stadtwäldchen und habe mir das angesehen. Wären die Markierungen nicht gewesen, ich hätte es nicht rausgefunden.“
      „Ja, aber es könnte sein, daß jemand das mal näher untersucht!“ gab Jake zu bedenken. „Oder daß sich jemand verplappert, der davon weiß.“
      „Ist egal. Konzept wurde gekippt.“ erklärte Tracy. „Entwurf für Denkmalschutz wird gerade ausgearbeitet.“
      „Und wenn der durch ist, darf das Wäldchen nicht mehr abgeholzt werden.“ Eddy grinste. „Das war echt knapp. Aber wir haben gewonnen!“
      „Yeah!“ Tracy grinste ebenfalls. Der Gorilla hielt die Hand hoch, und die beiden Jungs klatschten zum High Five ein.
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