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Folgen eines Interviews

Kurzbeschreibung
OneshotFantasy / P12 / Gen
20.12.2021
20.12.2021
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550
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20.12.2021 550
 
Ravic und Mrii gehören ganz allein Andrea Weil, ich verdiene keinen Cent mit dieser Geschichte, die ich mir ausgedacht habe.
Frohe Weihnachten, liebe Andrea!


Verdammt noch mal, diese Stadt liegt wie ausgestorben vor mir. Keine Menschenseele ist unterwegs, und das so kurz vor Weihnachten. Merkwürdigerweise ist nicht einmal ein Geräusch zu hören, nur das Klackern meiner Absätze auf dem Boden unterbricht die nächtliche Stille.
Unheimlich, denke ich und beschleunige mein Tempo, eile durch die beleuchteten Straßen, um schnell nach Hause in die Wärme und Geborgenheit meiner vier Wände zu kommen.
Vor mir erscheint plötzlich, wie aus dem Nichts, ein vertrauter Umriss.
Erschrocken schreie ich auf, doch kurz danach beruhigt sich mein Herzschlag wieder und ich beuge mich zu dem Kater hinunter, den ich so lange nicht mehr gesehen habe. Vorsichtig kraule ich ihm den Kopf und gnädig lässt er es geschehen, weil er zu Recht vermutet, dass ich ein Katzenleckerli in den Untiefen meiner Handtasche mit mir herumtrage. Mrii genießt seinen Snack, als ein weiteres Geräusch, direkt hinter mir, meine Nackenhaare zu Berge stehen lässt. Ich wirble auf dem Absatz herum, mache instinktiv einige Schritte nach hinten und presse mir die Hand auf den Mund.
„Ravic“, begrüße ich den Mann, der urplötzlich vor mir steht mit aller Coolness, die ich aufbringen kann, während mein Herz trommelnd in meiner Brust klopft.
Meine Stimme klingt dünn, und obwohl mir danach ist, laut zu schreien, gebe ich diesem Impuls nicht nach.
„Lange nicht gesehen“, antwortet der mysteriöse Mann.
Er zieht ein letztes Mal an seiner Zigarette, lässt den Stummel auf den Boden fallen und tritt ihn elegant mit dem Schuh aus, während er mich mit einem undefinierbaren Ausdruck in den Augen mustert und lässig näher kommt.
Tatsächlich sind wir uns meines Wissens nach erst einmal begegnet, in einer heruntergekommenen Bar, zu einem Interview. Damals wusste ich nicht, wer mir gegenüber sitzt und mich mit seinen Bemerkungen aus der Fassung bringt, doch ich habe recherchiert, einige Fakten zusammengetragen und bin mir mittlerweile sicher zu wissen, wer er ist. Was er ist. Und trotz dieses Wissens kann ich nicht leugnen, dass ich ihn interessant finde.
Das Blut rauscht plötzlich schneller durch meine Adern und ich bin mir sicher, er weiß es. Er riecht meine Angst, doch er lässt mit keiner Regung erkennen, was er denkt. Mir hingegen werden wieder seine Worte bewusst, die er damals bei dem Interview von sich gegeben hat.
Ich denke, es würde den wenigsten Leuten wirklich Spaß machen, einen fiktiven Charakter zu treffen. Was zwischen den Buchseiten ein angenehmer Grusel ist ...
Angenehm ist etwas anderes, dessen bin ich mir sicher. Mittlerweile schwitze ich trotz der kalten Nachtluft, und das atmen fällt mir schwer. Dennoch versuche ich, meine Furcht zu verbergen. Vergeblich.
Erneut macht Ravic einen Schritt auf mich zu.
Der grau-schwarz gestreifte, pummlige Kater, der eben noch friedlich gefressen hat, buckelt und faucht in Ravics Richtung, der sich davon jedoch nur milde beeindruckt zeigt.
„Was willst du?“, frage ich mit einer Stimme, die nichts von ihrer gewohnten Sicherheit zeigt und er verzieht seinen Mund zu einem minimalen Lächeln, kaum wahrnehmbar und deswegen umso bedrohlicher.
„Ich denke, diese Frage muss ich dir nicht erst beantworten, nicht wahr?“
Er streckt die Hand nach mir aus, neigt seinen Kopf und meine Welt explodiert in einer Kaskade aus Schmerz, ehe es dunkel wird.
 
 
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