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How to let you go

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteDrama, Schmerz/Trost / P12 / Gen
Böse Hexe / Zelena Mills Böse Königin / Regina Mills
16.12.2021
15.04.2022
2
4.750
5
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Dieses Kapitel
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15.04.2022 1.930
 
A/N: Da nun Ostern vor der Tür steht, habe ich mich an den Oneshot erinnert und überlegt, wie Regina und ihre kleine Nichte nach drei Monaten mit dem Verlust umgehen. So wird aus dem OS nun ein Twoshot. Heute ist außerdem der 15. April, meine Lieblingshexe hat Geburtstag und möge mir verzeihen, dass ich solche traurigen Dinge schreibe. Ich bin jedenfalls echt froh, dass sie nicht den Serientod sterben musste. Am Sonntag wird dann, so ich es schaffe, noch ein lustiger Oster-OS kommen.
****



Garden of Memories



Robin hatte kaum den letzten Bissen ihrer Osterpinze mit Butter hinuntergeschlungen, als sie bereits aufsprang und wie ein Wirbelwind aus der Küche sauste. Normalerweise achtete Regina darauf, dass ihre Nichte gesund aß, doch sie hatte beschlossen, dass am Ostersonntag ausnahmsweise nichts gegen ein süßes Frühstück einzuwenden war. Sie räumte rasch das Geschirr in die Spüle, ehe sie dem kleinen Mädchen folgte, das bereits in den Garten gerannt war. Wie jeden Morgen schnappte sich Robin die grüne Gießkanne, die sie vollgefüllt kaum zu tragen vermochte, um das Kräuterbeet ihrer Mutter mit Wasser zu versorgen. Nach dem Winter spross nun wieder das erste satte Grün des Frühlings. Regina zog sich eine Strickjacke über und ging in den Garten hinaus. In vergangenen Jahren hatten sich ein paar Dinge verändert. Vom stärksten Ast des Apfelbaums hing eine Schaukel, die sacht in der warmen vormittäglichen Brise hin und her schwang. Zusammen mit Zelena hatte sie ein kleines Biotop angelegt, das von Steinen, Schilf und naturbelassenem Gras gesäumt wurde. Insekten tummelten sich dort und im klaren Wasser gab es kleine Schnecken.

„Schau mal, Tante Gina!“, rief Robin begeistert, als sie sie bemerkte. „All die hübschen Pflanzen. Das ist Wegerich und dort ist Schafgarbe.“

Ihre Nichte würde erst im Herbst in die Schule kommen, sie konnte noch nicht lesen und schreiben, wusste aber die Namen aller Gewächse, die in dem Beet sprossen. Sie fragte sich, ob Zelena in dem Alter wohl genauso enthusiastisch und wissbegierig gewesen war.

„Deiner Mom hätte es gefallen, wie gut du dich um ihre Pflanzen kümmerst.

Robin blickte sie aus ihren großen hellblauen Augen an, die Zelenas so ähnlich waren. „Mommy fehlt mir.“

„Mir auch, Süße.“ Behutsam streichelte sie ihrer Nichte über die Haare. „Lauf doch mal zur Vogeltränke und schau nach, ob die Piepser frisches Wasser brauchen.“

„Okay!“

Als sie davonwirbelte, flatterten ihre Zöpfe im Wind. Sie hatte auch die langen glänzenden Locken ihrer Mutter geerbt, nur deren Farbe entsprach mehr dem sandbraunen Ton ihres Vaters, den sie kaum gekannt hatte. Bei seinem Tod war sie zu klein gewesen, um sich an sein liebevolles Lächeln zu erinnern, und nun war Zelena ebenfalls fort. Auch nach über drei Monaten fiel es Regina noch schwer, damit umzugehen. Sie hatte sich selbst geschworen, dem kleinen Mädchen die schönste Kindheit zu schenken, die es verdiente. Rasch stellte sie den Osterkorb, den sie bisher hinter ihrem Rücken verborgen gehalten hatte, in das Beet, bevor Robin wieder angerannt kam.

„Ich hab’s geschafft, Zelena“, sagte sie leise, den Blick auf die Gewächse gerichtet. „Das war der schwierigste Zauber. Du weißt ja, mit heller Magie habe ich nicht so viel Übung.“

Im Gegensatz zu ihrer beider Mutter lag Zelena nicht in der Familiengruft. In ihrem Leben hatte sie nie dazugehört, also hatte sie sich gewünscht, in der Nähe der Menschen zu bleiben, die ihr am meisten bedeuteten. Regina war allein in die Leichenhalle des Krankenhauses gegangen, um ihre Schwester ein letztes Mal zu sehen. Das blasse wächserne Gesicht hatte sich für immer in ihr Gedächtnis eingebrannt. Für einen Moment hatte ihre Magie den leblosen Körper eingehüllt, bevor er zu feiner Asche geworden war. Diese hatte sie nach der Schneeschmelze zusammen mit ihrer Nichte der Erde des Kräuterbeets übergeben, das Zelena so viel bedeutet hatte. Natürlich hatte an einem kalten Januartag für die Familie auch eine Zeremonie auf dem Friedhof stattgefunden, doch Regina musste nicht an einem Grabstein stehen, um sich an ihre wunderschöne Schwester zu erinnern. Sie spürte Zelena überall in dem großen Haus und vor allem im Garten. Die Pflege der Pflanzen half auch Robin mit dem Verlust zurechtzukommen. Oft hörte sie das Mädchen mit seiner Mutter reden, wenn es vor dem Beet hockte.

„Tante Gina!“ Robins ungestüme Schritte holten sie aus ihren Gedanken. „Hab den Vögelchen Wasser gegeben, jetzt können sie baden.“

„Da werden sie sich freuen.“ Ein melancholisches Lächeln umspielte ihre Mundwinkel.

Ihre Nichte stutzte, als sie das Osternest im Beet bemerkte. „Oh, was ist denn das?“

„Ich glaube, da steht dein Name drauf.“

Ehrfürchtig griff sie mit ihren kleinen Händen danach, aber es war nicht der in Goldfolie verpackte Schokoladenhase mit dem rosafarbenen Schleifchen oder die bunten Eier, die ihre Aufmerksamkeit auf sich zogen. Neugierig betrachtete sie den unregelmäßig geformten dunkelgrünen Kristall, der mit darin lag.

„Was ist das?“ Sie hielt das an einem Lederband befestigte Schmuckstück in die Höhe und das Sonnenlicht offenbarte einen rötlichen Schimmer im Inneren. „Wie schön! Ist da was drin?“

Regina nahm ihr die Kette behutsam ab und legte sie ihr um den Hals. „Spürst du den Stein?“

Das Mädchen nickte langsam. „Ja, er ist ganz warm.“

„Er reagiert auf dich. In ihm ist eine Haarlocke von deiner Mommy. Solange du ihn trägst, wird sie bei dir sein. Nimm ihn und denk fest an sie. Stell dir ihr Gesicht genau vor.“

Konzentriert kniff Robin die Augen zusammen, während sie den Kristall mit beiden Händen hielt. Die Geräusche der Vögel klangen für einen Wimpernschlag gedämpft wie durch geschlossene Fenster. Völlig verblüfft starrte das Kind auf den magischen Dunst, der von dem Anhänger aufstieg. Konturen formten sich und bildeten schließlich ein Gesicht. Durchscheinend, nicht mehr als ein Geist aus einer anderen Welt, aber gleichzeitig beinahe lebendig. Die langen Locken bewegten sich im leichten Wind.

„Mommy“, hauchte Robin. Vor Erstaunen war sie versteinert und brachte keine weiteren Worte heraus. Tränen begannen über ihre Wangen zu laufen.

Zelenas Abbild bewegte tonlos die Lippen. Ihre Augen waren nicht gespenstisch leer, in ihnen lag der Ausdruck, den Regina oft bei ihr gesehen hatte, wenn sie ihre Tochter betrachtete. Die Liebe, die nur eine Mutter für ihr Kind fühlen konnte. Die Erscheinung begann wieder zu verblassen, woraufhin Robin die Hand nach ihr ausstreckte.

„Geh nicht weg, Mommy!“, flehte sie. „Ich vermisse dich so. Bitte bleib da.“

Regina legte ihr sanft die Hand auf die Schulter. „Was in diesem Stein lebt, ist deine Erinnerung an sie. Die Magie gibt ihr eine Form, die du sehen kannst. Sie hat dich unglaublich geliebt, mehr als du es dir vorstellen kannst, und deswegen wird ein Teil von ihr immer bei dir sein.“

Sprachlos schlang ihre Nichte die Arme um ihre Taille und sie streichelte ihr über die weichen Haare. Die Monate seit Zelenas Tod, die sie damit verbracht hatte, an dem Zauber zu arbeiten, hatten sich gelohnt. Ein paar Mal war sie kurz davor gewesen, alles hinzuschmeißen und sich damit abzufinden, dass sie nicht in der Lage war, mit einer so reinen Form der hellen Magie umzugehen. Dann hatte sie an Henry gedacht, der ihr sagte, dass sie alles schaffen konnte, wenn sie nur wollte. Und sie hatte an Zelena gedacht, die ihr Kind nicht mehr aufwachsen sah.

„Das ist wunderschön, Tante Gina“, murmelte Robin in die Umarmung hinein.

Mit einem schwermütigen Lächeln zog sie den Anhänger, den sie selbst an einer silbernen Kette um den Hals trug, unter ihrer Kleidung hervor, um ihn ihrer Nichte zu zeigen. Es war das Gegenstück zu Robins und als die Steine einander berührten, glomm der rote Schimmer im Inneren für einen Augenblick.

„Damit sind auch wir beide verbunden, egal wo es dich eines Tages vielleicht hinziehen wird, wenn du älter bist. Du hast deiner Mutter beigebracht, was es heißt, von Herzen zu lieben und das ist die stärkste Magie überhaupt.“

Robin sagte nichts, aber sie schmiegte sich erneut an sie, woraufhin sie das Mädchen hochhob und ihm so ermöglichte, die Arme um ihren Hals zu schlingen. Mit ihrer Nichte ging sie zu der Schaukel hinüber, die am Apfelbaum hing. Genau da, wo Zelena sie befestigt hatte. Natürlich hatte sie nicht gefragt, sie hatte es einfach getan. Ihre Schwester hatte immer das gemacht, wonach ihr gerade war, und ausgesprochen, was ihr auf der Zunge lag. Es war vor rund einem halben Jahr gewesen, als sie Zelena aus dem Krankenhaus abgeholt hatte. Drei kleine Worte hatten alles verändert.



Wind blies Regina ins Gesicht, als sie den Garten betrat, und sie zog ihren Cardigan enger um sich. Der Sommer war endgültig vorbei, aber sie hatte den Herbst mit seinen malerischen Farben immer gemocht. Ihr Blick fiel auf die schmale Gestalt, die auf der Schaukel am Apfelbaum saß. Zelena hatte kaum ein Wort gesagt, seit sie sie nachmittags aus dem Krankenhaus abgeholt hatte. Langsam näherte sie sich ihrer Schwester, deren Haltung merkwürdig steif war. Als sie vor ihr stand, konnte sie sehen, dass ihre Hände die Seile fest genug umklammerten, um die Fingerknöchel hervortreten zu lassen. Ebenso weiß wie ihr Gesicht.

„Da bist du ja, Schwesterchen“, begann Regina bemüht munter. „Ich habe dich gesucht.“

Wie mechanisch hob Zelena den Kopf, um sie anzusehen. „Sitzt Robin noch vorm Fernseher?“

Sie nickte leicht. „Der Film ist erst zur Hälfte vorbei.“

Darauf reagierte ihre Schwester nicht mehr. Sie schien vollkommen abwesend, während sie auf der Schaukel sacht hin und her schwang. Erst als Regina vor sie trat und sie stoppte, trafen sich ihre Blicke erneut. Da war ein zutiefst verlorener Ausdruck in ihren blauen Augen, der ihr Angst machte.

„Ich werde sterben“, murmelte Zelena mit einer erdrückenden Endgültigkeit in der Stimme.

Ungläubig schüttelte sie den Kopf. Sie konnte sich nur verhört haben, doch die ernste Miene ihrer Schwester sagte etwas anderes.

„Zwei Monate, höchstens drei“, fuhr der Rotschopf tonlos fort. „Die Behandlung würde mir etwas mehr Zeit verschaffen.“

Reginas Verstand weigerte sich, zu begreifen, was ihre Ohren deutlich vernahmen. Ihr brannten tausend Fragen auf der Zunge, aber die Worte kamen ihr nur schwer über die Lippen. „Was redest du denn für einen Unsinn? Als ob ich zulassen würde, dass du stirbst!“

„Ich bin krank. Magie wird mich nicht retten.“ Sie atmete tief die kühle Herbstluft ein. „Das bisschen Leben, das mir noch bleibt, möchte ich nicht in einem Krankenbett verschwenden. Verstehst du das? Robin soll nicht dabei zusehen müssen, wie ich elend verrecke. Und du auch nicht, Schwesterchen.“

„Nein, verdammt nochmal nein!“, protestierte Regina so wütend, dass ein Feuerball in ihrer Hand aufflammte und sofort wieder verdampfte. „Wo ist meine starke Zelena, die nie aufgegeben hat?“

„Sie braucht dich jetzt mehr als je zuvor.“

Regina legte die Arme um den Hals ihrer Schwester und drückte sie an sich, woraufhin diese sie ebenfalls umarmte. Sie spürte wie sich Zelenas Brustkorb bei jedem Atemzug gleichmäßig bewegte. Das Feuer in ihr konnte doch nicht einfach erlöschen wie eine Kerze im Wind.

„Ich werde nicht erleben, wie Robin aufwächst. Ich werde die Frau nicht sehen, die aus ihr wird.“ Tränen begannen ihre Wangen hinabzulaufen.

Nun konnte auch Regina nicht mehr an sich halten. Der Körper ihrer Schwester, den sie immer noch hielt, bebte leicht. Sie streichelte ihr über die langen dichten Locken. Am liebsten hätte sie sie gar nicht mehr losgelassen. Genauso standen sie noch da, als Robin auf sie zugelaufen kam. Der Film musste inzwischen zu Ende sein. Liebevoll schloss Zelena ihre Tochter in die Arme, um sie ins Bett zu bringen. Regina ließ sich auf die Schaukel fallen, deren Holz noch warm war, und sah ihrer Schwester verloren hinterher.


Now you belong to heaven

And the stars spell out your name

And it seems to me you lived your life

Like a candle in the wind


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Song: Candle in the Wind (Elton John)
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