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SYLTHERIN! - Teil 3: Von Wölfen und Raben

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
Draco Malfoy Harry Potter Remus "Moony" Lupin Severus Snape Sirius "Tatze" Black
10.12.2021
20.04.2022
10
23.481
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12.04.2022 2.097
 
Für Minerva McGonngal war es kein Problem Weasleys Ratte zu organisieren. Sie sagte einfach, dass Sie sie für ein Experiment bräuchte und der Junge sie ganz sicher zurück bekäme. Zugegeben, wäre diese Ratte wirklich Peter Pettigrew, dann würde sie sich noch eine Ausrede einfallen lassen müssen. Sicher wäre Mister Weasley äußerst betrübt wenn das Tier abhanden käme. Auf der anderen Seite war das ein kleines Opfer falls Sirius wirklich die Wahrheit sagte.

Minerva trug den kleinen Käfig, mit der Ratte darin, hoch in das Büro des Schulleiters.

„Hier ist sie!“, sagte sie und stellte das Tier auf Dumblesdores Schreibtisch ab. Albus begutachtete sie von außen.

„Es stimmt, ihr fehlt eine Kralle.“, meinte er nachdenklich.

„Soll ich den anderen Bescheid geben?“, fragte Minerva.

„Ja.“, antwortete Albus nur knapp.

Sogleich ging Minerva los und informierte Lupin und Severus. Als sie ins Schulleiterbüro zurückkehrte war auch Sirius Black anwesend. Wahrscheinlich hatte Albus ihn auf andere Weise bereits herbestellt. Sie sah zu Severus der sich mit finsterer Miene und verschränkten Armen im Hintergrund hielt. Minerva verstand seine Gefühle, auch wenn sie zuweilen am Rande der Irrationalität waren. In den letzten Jahren hatten sie viel mit Harry erlebt, aber niemand war dabei so nah dran wie Severus. Er hatte sich um den Jungen gekümmert als es scheinbar niemand anderes tat.

Minerva atmete tief. Sie holte die Ratte aus dem Käfig. Sie schien zu zittern, fast als wüsste sie was ihr bevorstand. Minerva hielt das Tier am Nacken in die Luft und Albus drückte seinen Zauberstab an den Kopf der Ratte.

Was als nächstes Geschah verblüffte Minerva tatsächlich, denn sie hatte ehrlich gesagt gezweifelt. Die ganze Geschichte, die Sirius ihnen auftischte wirkte auf sie so unglaublich und voller Zufälle, dass sie die Wahrscheinlichkeit das Weasleys Ratte wirklich Peter Pettigrew war für äußerst gering hielt. Ihren Zweifeln zum Trotz wuchs die Ratte nun weit über ihre natürliche Größe hinaus. Der kleine Kopf pfloppte auf die Größe einer Melone  und die Ratte verlor ihre Haare während ihr Körper die Form eines kleinen, pummeligen Menschen annahm. Ein langgezogener Schrei erfüllte den Raum und schließlich fiel ein nackter Peter Pettigrew mit einem Quieken vorn rüber auf alle Viere. Erschrocken sah Minerva auf den fehlenden Mittelfinger an seiner rechten Hand. Sirius hatte die ganze Zeit recht gehabt!

„Erstaunlich!“, sagte Albus nur. „Wirklich erstaunlich.“

Lupin und Severus starrten auf den nackten Mann vor sich als könnten sie nicht glauben, was sie da sahen. Schließlich war es Sirius, der die Initiative ergriff.

„Hallo, Peter.“, sagte er und schlug ihm ohne Vorwarnung mit der Faust ins Gesicht. Der Hieb ließ Pettigrew endgültig zu Boden gehen und er verschränkte abwehrend die Arme über dem Kopf.

„Niiiicht! Niiiiicht!“, quiekte Pettigrew.

„Hab ich es nicht gesagt?“, rief Sirius triumphal. „Zwölf Jahre, Peter! Zwölf Jahre saß ich wegen dir, du kleines, widerliches Stück Scheiße!“

Erneut schlug Black ohne Vorwarnung auf Pettigrew ein.

„Das reicht!“, sagte Albus und zog Sirius von ihm fort.

„Nein, bitte, Gnade!“, bettelte Pettigrew.

„Gnade?“, fragte Sirius zornig. „Etwa die Gnade, die du Lily und James zuteil werden ließest?“  

„Nein! Nein! Du verstehst das nicht! Der Dunkle Lord, er hat mich gezwungen! Du weißt nicht welche Waffen er hat! Zu was er alles fähig ist! Denk nach, was hättest du getan?“

„Ich? Ich hätte mich lieber töten lassen als meine Freunde zu verraten!“, rief Sirius aufgebracht.

Albus hielt ihn noch immer fest. Offenbar fürchtete er Sirius würde sofort wieder auf ihn losgehen. Wer konnte es ihm schon verübeln? Mit einem Schlag änderte sich alles. Sirius hatte ihnen all die Jahre die Wahrheit gesagt. Dass er unschuldig sei. Und sie hatten ihm nicht geglaubt. Selbst Dumbledores Zweifel waren nicht ausreichend, um die Mehrheit davon zu überzeugen. Und jetzt sahen sie dabei zu wie Peter Pettigrew nackt auf dem Boden hockte und sich wand unter den zornigen Blicken seines einstigen, besten Freundes.

„So wie es aussieht, bekommt Askaban einen neuen Gefangenen.“, sagte Lupin. Seine Stimme war seltsam kalt, ebenso wie sein Blick. „Warum, Peter? Warum?“

„Ich hatte keine Wahl! Wirklich!“

„Man hat immer eine Wahl, du Ratte.“

Es war überraschender Weise Severus, der diese Worte sprach. Besorgt sah Minerva wie er seinen Zauberstab zog.

„Severus, nicht …!“, sagte Minerva als er auf Pettigrew zu trat.

„Ich zeige den anderen wie wenig du eine Wahl hattest.“, entgegnete Severus und packte Pettigrews rechten Arm. Unter einem ängstlichen Quieken Pettigrews drückte er seinen Zauberstab auf den Arm von Peter und offenbarte, was sonst keiner sah: Die schwarze Tätowierung, die einen Schädel zeigte durch dessen Mund sich eine Schlange wand. Das Dunkle Mal. Das Erkennungszeichen der Todesser.

Minerva bemerkte das schockierte Gesicht Lupins. Er hatte sich offenbar nicht vorstellen können, dass sein einst bester Freund sich tatsächlich Voldemorts Männern anschloss und darüber hinaus sie ausspionierte und den Tod ihrer besten Freunde zu verantworten hatte.

Severus ließ Pettigrews Arm los und steckte seinen Zauberstab zurück in die Innentasche seines Jacketts. Ohne ein weiteres Wort verließ er den Raum.

Albus indes lockerte seinen Griff um Sirius. Anders als befürchtet stürzte er sich nicht auf Pettigrew.

„Du bist eine Schande.“, sagte er nur.

Pettigrew saß auf dem Boden und wimmerte vor sich hin.

„Was nun?“, wollte Sirius von Albus wissen.

„Ich schätze, ich werde das Ministerium direkt informieren müssen.“

„Tun Sie das.“, antwortete Sirius.


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Nach den Ereignissen in Dumbledores Büro lag Severus die ganze Nacht wach. Er hatte es nicht geglaubt. In seiner Welt gab es keinen Sirius Black, der ausnahmsweise einmal die Wahrheit sagte. Nun jedoch war alles anders. Als er Pettigrew sah, da war es als würde eine Gewissheit in ihm zerbrechen. Wie unter Schock starrte Severus auf die Szene bis es in seinem Gehirn klick machte. Er zeigte den anderen das Dunkle Mal, weil sich niemand von ihnen darauf rausreden konnte, dass sie keine Wahl gehabt hätten. Sie alle waren freiwillig zu den Todessern gegangen. Selbst jemand wie Peter Pettigrew. Er stand immer im Schatten seiner Freunde und suchte nach Anerkennung. Für Voldemort war er nur eine gute Gelegenheit den Orden weiter auszuspionieren. Severus war zu diesem Zeitpunkt bereits ein Doppelagent. Obwohl er es hätte besser wissen können zweifelte er nicht an der Version der Geschichte in der Black der Bösewicht war. Vielleicht weil sein Hass auf ihn es so wollte. Es war einfacher Sirius für alles Geschehene die Verantwortung zuzuschieben.

Severus setzte sich auf und stieg aus seinem Bett. Unter den gegebenen Umständen konnte er doch sowieso nicht schlafen. Also warf er sich einen Pullover über und schnappte sich ein Päckchen Zigaretten vom Tisch und ging nach draußen. Er ging die Kerkertreppen hinauf und setzte sich mit einer Zigarette auf die Stufen des Schlossportals.  Die Nacht war kühl und bewölkt und trug bereits die ersten Vorzeichen des nahenden Winters heran.

Die Stille wurde jäh durchbrochen als Severus Schritte hinter sich hörte. Er blickte über die Schulter und sah Lupin, der sichtlich geknickt und in Gedanken versunken in die Nacht hinaus trat. Als er Severus entdeckte setzte er sich neben ihn auf die Treppe.

„Das Ministerium schickt die Auroren.“, sagte Lupin.

„Nicht die Dementoren?“, fragte Severus mit leichter Überraschung.

„Dumbledore will sie nicht in der Schule haben, also kommt der Minister und der Chef der Strafverfolgung persönlich.“

„Du scheinst nicht besonders glücklich zu sein.“, sagte Severus.

„So habe ich mir das nicht vorgestellt. Es ist als würde ich einen meiner Freunde gleich zweimal verlieren.“, entgegnete Lupin gedrückt.

„Und warum erzählst du mir das?“, fragte Severus.

Lupin zuckte nur mit den Schultern.

„Was haben wir damals nur falsch gemacht?“, sagte Lupin schließlich.

„Es war Pettigrews Entscheidung sich den Todessern anzuschließen, nicht eure.“, antwortete Severus und zog an seiner Zigarette.

„Ist das wirklich so einfach?“, fragte Lupin.

„Bei den Todessern gab es keine Zwangsrekrutierten. Man war dort, weil man es genauso wollte, völlig egal, was sie nach dem Krieg alle behauptet haben. Es ist viel schwieriger zuzugeben, dass man einen Fehler gemacht hat als einfach so zu tun als sei man gezwungen worden bei der ganzen Scheiße mitzumachen.“, sagte Severus.    

„Du sprichst da aus Erfahrung, was?“, fragte Lupin.

„Wenn du das so nennen willst.“, meinte Severus dazu und atmete tief. „Ich war all die Jahre überzeugt, dass Black Lily und James verraten hat. Für mich gab es da keinen Zweifel.“

„Weil du ihn gehasst hast.“, schloss Lupin.

„Ich habe es ihm zugetraut. Nach allem, was passiert war. Dabei hätte ich es besser wissen müssen.“

„Und jetzt?“, fragte Lupin.

„Weiß ich noch nicht.“, gab Severus zu.

Nachdenkliche Stille, die jäh vom charakteristischen Pflop! mehrerer apparierender Zauberer durchbrochen wurde. Severus und Lupin sahen auf.  Der Zaubereiminister Cornelius Fudge, gefolgt von mehreren Auroren mit Hüten und Trenchcoats. Offenbar hatte Dumbledore ihnen eine Sondergenehmigung erteilt, um direkt in die Schule zu apparieren.

Severus und Lupin erhoben sich von der Treppe. Severus warf seine Zigarette auf den Boden und trat sie aus.

„Wo ist er?“, fragte Fudge nur hektisch.

„Wer?“, fragte Severus.

„Das wissen Sie genau!“, erwiderte Fudge.

„Ich schätze, Sie wollen zu Professor Dumbledore.“, sagte Lupin freundlich. „Er ist in seinem Büro. Folgen Sie mir.“

Severus ließ die Auroren an sich vorbei ziehen und folgte der Truppe schließlich hoch ins Schulleiterbüro. Dumbledore saß hinter seinem Schreibtisch, während Black am Kamin stand. Pettigrew hatten sie etwas zum Anziehen gegeben, jedoch seine Hände mit einem Zauber gefesselt. Er saß mit leerem Blick in einem der Sessel. Der Schulleiter erhob sich und ging auf Fudge zu.

„Also stimmt es?“, fragte der Minister mit Blick auf Black und Pettigrew.

„Ganz offensichtlich.“, sagte Dumbledore.

„Barthemius Crouch, Leiter der Strafverfolgung.“, stellte sich einer der Auroren vor. Er trug einen fast schon überkorrekten Seitenscheitel und Anzug und Krawatte.

„Natürlich, Barty.“, sagte Albus.

„Mister Crouch.“, korrigierte er den Schulleiter.

„Natürlich. Natürlich.“, beschwichtigte Albus ihn.

„Es gibt eine einfache Methode herauszufinden, ob dieser Mann da wirklich Peter Pettigrew ist.“, sagte Mister Crouch und zog seinen Zauberstab. Er trat auf Pettigrew zu. Für einen Augenblick blieb sein Blick an dessen verstümmelter Hand hängen, dann jedoch fuhr er unbeirrt fort. Crouch drückte seinen Zauberstab gegen Pettigrews Schläfe. Dieser begann einmal mehr verängstigt zu wimmern.

„Hmm, sonderbar.“, sagte Mister Crouch schließlich. „Sonderbar, aber unumstößlich. Das hier ist eindeutig Peter Pettigrew.“

„Aber wie ist das möglich?“, sagte Fudge fassungslos.

„Er ist ein Animagus.“, entgegnete Albus. „Ein unregistrierter noch dazu. Er schnitt sich den Finger ab, um alle von seinem Tod zu überzeugen und entkam dann als Ratte und behielt diese Form immerhin zwölf Jahre bei. Wie Sie sehen ist Mister Black unschuldig.“

„Ob er unschuldig ist oder nicht wird das Gericht klären.“, schaltete Mister Crouch sich ein.  „Kann er sich noch verwandeln?“

„Ich habe Mister Pettigrews magische Fähigkeiten gehemmt. Er wird Ihnen keine Probleme machen.“, antwortete Albus.

Crouch nickte und bedeutete dann den Auroren mit einer Handbewegung Pettigrew abzuführen. Sie packten ihn an den Armen und schafften ihn aus dem Büro.

„Und nun zu Ihnen.“, sagte Croch an Black gewandt. „Wie haben Sie es geschafft zu entkommen?“

„Ich denke, das bleibt lieber mein kleines Geheimnis.“, entgegnete Sirius.

„Professor Dumbledore?“, wandte sich der Chef der Strafverfolgung nun an den Schulleiter.

„Mister Black will darüber schweigen, dann ist das sein gutes Recht, möchte ich meinen. Ich für meinen Teil verlange, dass sie sofort die Dementoren abziehen.“

„Sie scheinen sich ja ziemlich sicher zu sein, dass er hier unschuldig ist. Ich an Ihrer Stelle würde lieber den Prozess abwarten.“, ermahnte Crouch ihn.

„Ich denke, wir können uns einigen, dass die Ereignisse des heutigen Abends die Geschichte neu schreiben werden.“, sagte Albus.

Mister Crouch tauschte eine vielsagenden Blick mit dem Zaubereiminister aus.

„Na schön ...“, sagte Fudge schließlich. „... ich werde Mister Black gestatten sich unter Beobachtung frei zu bewegen. Sollte er jedoch aus der Reihe tanzen ist er schneller wieder in Askaban als er denkt!“

„Gut, dann wäre das geklärt. Herr Minister ...“ Albus nickte ihm zu. Mit einem letzten Blick auf Black wandte Fudge sich ab und verließ zusammen mit Crouch das Büro.

Für einen Augenblick herrschte Stille.

„Nun, ich hoffe Sie enttäuschen mich nicht, Sirius.“, sagte Albus schließlich.

„Wenn Sie erlauben, Professor Dumbledore, würde ich mich gern bereit erklären auf Sirius ein Auge zu haben.“, erklärte Lupin.

„Ja, das erscheint mir ohnehin das Beste.“, sagte Albus.

Severus, der die ganze Zeit in der Ecke gestanden hatte, regte sich nun.

„Das war es also?“, fragte er. „Friede? Freude? Eierkuchen?“

„Was denn? Wäre es dir lieber mich im Gefängnis zu sehen, Snape?“, erwiderte Sirius.

„Ich bin nur eventuell irritiert wie schnell sich die Ereignisse gerade entwickeln.“, gab Severus zu.

„Kommt Zeit, kommt Rat, Professor.“, schaltete Albus sich ein. „Kein Grund beunruhigt zu sein. Manchmal, wenn auch selten genug, ändern sich die Dinge auch mal zum Guten.“

„Hmm.“, machte Severus nur. Er drehte sich um und ging.
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