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SYLTHERIN! - Teil 3: Von Wölfen und Raben

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
Draco Malfoy Harry Potter Remus "Moony" Lupin Severus Snape Sirius "Tatze" Black
10.12.2021
20.04.2022
10
23.481
19
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11.04.2022 2.189
 
In den Tagen nach dem Angriff auf das Portrait der Fette Dame wurden im Schloss sichtbar die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. So durften die Schüler ohne Begleitung nicht mehr raus gehen und Aufenthalte in Hogsmead fielen sogar ganz aus. Harry hatte sich auf seinen ersten Besuch im Dorf gefreut, doch das sie nun gar nicht mehr raus durften versetzte seiner Stimmung einen ordentlichen Dämpfer. Einzig zum Unterricht und für das Quidditschtraining war es noch erlaubt. Letzteres gab es jedoch nur, wenn alle Mannschaftsmitglieder sich eine Erlaubnis bei ihrem Hauslehrer holten.

Severus wirkte etwas zerknirscht als sie sich seine Schriftliche Erlaubnis am Morgen holten, um dann bei strömenden Regen auf einer reinen Matschpiste zu trainieren. Es waren zwei grauenvolle Stunden in denen sie mehr mit dem Wetter kämpften als das Spielen zu üben. Bald wäre das Spiel gegen Hufflepuff und sie hatten bisher kaum geübt, weil entweder das Wetter noch schlechter war oder sie nicht raus durften wegen Sirius Black. Der einzige Vorteil war, dass es den anderen Teams nicht besser erging.

Als sie völlig durchnässt und tropfender Weise hinunter in die Kerker kamen war das erste, was Harry tat, sich warm zu duschen. Wahrscheinlich würde das Spiel eh ausfallen, weil sie alle krank im Bett lagen. Immerhin niesten einige schon.

Später saß er beim Hausaufgaben machen in der großen Halle und versuchte sich krampfhaft auf einen Aufsatz für Professor Sprout zu konzentrieren. Allerdings wurde Harry immer wieder von einer Gruppe Schüler abgelenkt, die geheimnistuerisch die Köpfe zusammengesteckt hatten.

„Hast du den letzten Artikel im Tagespropheten gelesen?“, flüsterte einer der Jungs so laut, dass Harry ihn hören konnte.

„Nein, was?“, wollte sein Gegenüber wissen.

„Das über Sirius Black! Angeblich ist er Potters Onkel oder so was.“

Harry hörte auf zu schreiben. Er atmete tief durch. Am Rande hatte er einiges mitbekommen. Ebenso, dass Severus und die anderen Lehrer ihm jede Zeitung in Reichweite wegnahmen. Harry hatte Gerede gehört. Das ging auch gar nicht anders. Wochenlang hatte er dieses Spiel mitgespielt. Alle sorgten sich um ihn und keiner wollte ihm sagen, was es mit Black auf sich hatte. Den wenigen Gesprächsfetzen konnte er entnehmen, dass sie wohl irgendwie miteinander verwandt waren. Harry hatte ein paar Mal versucht Severus zu fragen, doch immer wenn er ansetzen wollte ließ er es dann wieder. Er erinnerte sich noch zu gut an die Geschichte mit der Kammer des Schreckens. Als alle dachten er sei der Erbe von Slytherin. Auch jetzt hatte Harry wieder das Gefühl nichts über sich selbst zu wissen, doch er ahnte, was die Erwachsenen sagen würden: Dass er sich raus halten solle! Das wollte er auch, aber es ging ihm unfassbar auf die Nerven die anderen nach jeder neuen Ausgabe über ihn tuscheln zu hören. So wie jetzt! Dann steckten Wildfremde die Köpfe zusammen und werteten alles ganz genau aus, während er gar nicht wusste, was stimmte und was nicht. Harry wusste, dass er hätte Severus fragen sollen. Er hätte es ihm sicher erzählt, aber irgendwie fürchtete Harry sich auch vor der Antwort.

Er versuchte seinen Aufsatz weiter zu schreiben, doch in Anbetracht der Tuschellei neben ihm brachte er nichts zu Papier. Entnervt packte Harry seine Sachen zusammen. Auf dem Weg in den Gemeinschaftsraum bog er in Richtung Severus ab. Zögernd klopfte er an seine Tür.  

„Herein!“, tönte es von drinnen.

Harry trat ein. Severus stand vor seinem Bücherregal als suche er etwas.

„Hallo Harry, wie war das Training?“

„Nass.“, antwortete Harry einsilbig. Er nahm dieses Mal seinen ganzen Mut zusammen und fragte Severus: „Ist Sirius Black mit mir verwandt?“

Severus hielt inne und drehte sich langsam zu ihm herum.

„Wer sagt das?“, fragte er.

„Ich habe es gehört.“, sagte Harry kleinlaut. „Ich weiß, dass ihr Lehrer versucht das vor mir zu verstecken.“

Severus sah für einen Augenblick gen Decke.

„Albus, du und deine tollen Pläne!“, flüsterte er und schien sich selbst um Geduld zu bitten.

„Also stimmt es?“, wollte Harry wissen.

„Ich bin mir nicht sicher, ob ich der Richtige für dieses Thema bin.“, entgegnete Severus.

Harry sah ihn fragend an, dann gab er klein bei.

„Ja, Sirius Black ist dein Pate.“, sagte Severus schließlich. „Er war der beste Freund deines Vaters, zumindest dachte er das.“

„Warum wolltet ihr nicht, dass ich es erfahre?“, fragte Harry.

„Das war nicht meine Idee. Dumbledore dachte du würdest etwas Dummes tun, wenn du wüsstest wer er ist und was er getan hat.“, erwiderte Severus.

„Also stimmt es, dass er meine Eltern verraten hat?“, wollte Harry wissen.

„Zumindest legt das die offizielle Version nahe.“, antwortete Severus.

„Die offizielle Version?“, fragte Harry.

„Es gab Unstimmigkeiten.“, bemerkte Severus und strich sich mit der Hand über das Kinn.  „Hör zu, ich habe den Befehl dir nichts zu sagen und ich habe jetzt schon mehr gesagt als ich dürfte.“

Harry war enttäuscht von dieser Antwort. Sie dachten er würde sich in Schwierigkeiten bringen, wenn er wusste, dass seine Eltern ihren besten Freund zu seinem Paten gemacht hatten. Und Sirius Black verriet sie an Voldemort? Harry wusste nicht wie er diese Gewissheit aufnehmen sollte, doch es war besser als dem ständigen Gerüchten zu lauschen und nicht zu wissen, was vorgefallen war. Allerdings fühlte Harry nichts dabei. Vielleicht hätte er wütend sein sollen, aber er war es nicht. Alles fühlte sich so weit weg an. Irgendwie surreal.

„Warum denken immer alle ich würde etwas anstellen?“, sagte Harry schließlich.

„Nach den letzten zwei Jahren dachte Dumbledore vermutlich eine gewisse Vorsicht sei angebracht.“, meinte Severus.

„Als würde ich mit Absicht immer in Gefahr schweben wollen!“, erwiderte Harry grimmig.

Severus blickte ihn zweifelnd an, dann jedoch wuschelte er ihm durch das Haar.

„Nimm es nicht so tragisch.“, meinte er.

„Ach Mann, Severus!“, ereiferte sich Harry und versuchte sein Haar wieder in halbwegs geordnete Bahnen zu lenken.


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Kurz nachdem Severus sich von harry verabschiedet hatte wurde er in das Büro des Schulleiters gerufen. Dort erwarteten ihn Albus, Minerva, Lupin und ein in eine schwarze Robe gekleideter Mann, der sich die Kapuze tief ins Gesicht gezogen hatte. Er stand schräg hinter Dumbledore. Severus' Nackenhaare stellten sich auf. Als würde sein Körper die Gefahr spüren, die von dem Mann ausging.

„Nun, sehr schön, dass sie alle da sind. Zuerst möchte ich jedoch das Wort von Ihnen allen, dass kein Wort von dem, was hier besprochen wird nach außen dringt.“, sagte Albus und sah dabei insbesondere Severus scharf an.

Minerva und Lupin nickten.

„Severus?“, fragte der Schulleiter.

„Was ist hier eigentlich los?“, entgegnete er.

„Ich brauche ihr Wort!“, sagte Albus.

„Sie haben mein Wort. Das wissen Sie.“, antwortete Severus.

„Zugegeben, die Ereignisse haben sich ein wenig überschlagen, daher musste ich Ihnen dieses Versprechen abringen.“, sagte Albus und räusperte sich. „Darf ich vorstellen; Sirius Black!“

Der Mann hob sich die Kapuze vom Kopf und zum Vorschein kam wahrhaftig Severus' alter Schulkamerad. Stark gealtert, aber immer noch mit einem Hauch seiner früheren Schönheit im Gesicht und seinen schulterlangen, schwarzen Haar, welches hier und da eine graue Strähne aufwies.

Severus zog die Luft zwischen seinen Zähnen ein und sein ganzer Körper spannte sich an. Bereit zu kämpfen falls er es musste.

„Was hat das zu bedeuten?“, fragte Minerva.

„Nach dem Vorfall von neulich hat Professor Lupin mich darüber informiert, dass sein alter Freund Mister Black ein Animagus ist. Und nicht nur er, sondern auch seine restlichen Freunde nahmen die Gestalt von Tieren an. Ich habe daraufhin das Gespräch gesucht und es enthüllte Erstaunliches. Aber vielleicht möchte Sirius das lieber selbst erklären.“, sagte Albus und überließ Black das Wort.

„Ich weiß, dass keiner von euch einen Grund hat mir zu trauen, aber Dumbledore will mir die Chance geben meinen Namen rein zu waschen. Ich bin aus Askaban ausgebrochen, nicht um Harry zu töten oder ähnlichen Unsinn, sondern, weil derjenige, der James und Lily auf dem Gewissen hat noch mitten unter uns lebt: Peter Pettigrew!“

Severus lachte hohl.

„Pettigrew ist tot!“, erwiderte er verächtlich. „Du hast ihn ins Jenseits gesprengt, falls du dich erinnerst!“  

„Severus, lassen Sie ihn ausreden!“, ermahnte Albus ihn und Severus verschränkte abwehrend die Arme vor der Brust.

„Ich kann beweisen, dass er noch lebt.“, antwortete Sirius und holte einen Zeitungsausschnitt aus der Innentasche seines Mantels und reichte ihn ihm. „Wie gesagt, wir wurden Animagi. Ich ein Hund. James ein Hirsch und Pettigrew ...“ Er deutete auf die Ratte auf der Schulter des Jungen. „... eine Ratte.“

Severus betrachtete das Foto, dass die Weasley-Familie zeigte. Auf der Schulter des Jungen namens Ron saß eine große, ziemlich ranzig aussehende Ratte. Severus gab das Bild Minerva, die dieses ebenso kritisch betrachtete wie zuvor Severus.

„Woher wollen Sie wissen, dass er es ist?“, fragte sie schließlich.

„Ich erkenne Peter, wenn ich ihn sehe!“, antwortete Sirius.

„Oh, also verlassen wir uns jetzt auf die Nase eines wahnsinnigen Mörders? Was kommt da als Nächstes? Lesen aus Eingeweiden?“, sagte Severus sarkastisch.

„Ich hätte Sirius nicht hierher gebracht, wenn ich glauben würde, es sei das Gebrabbel eines Irren.“, erwiderte Albus. „Sehen Sie sich die Ratte genau an. Ihr fehlt ein Finger. Sie wissen sicherlich, was das einzige war, was man von Pettigrew je fand?“

„Nehmen wir für einen Augenblick an ich würde glauben was dieser … Sträfling … von sich gibt ...“, begann Severus, wurde dann aber von Sirius unterbrochen.

„Hmpf, dir glaubt man doch auch, und dabei bist du nur unschuldig, weil Dumbledore es sagt. Gibt es irgendeinen tatsächlichen Beweis für deine Unschuld, Schnifulus?“

Severus' Augen verengten sich und er spürte den alten Hass in sich hochsteigen. Seinen alten Spitznamen, den ihn Potter und seine Freunde gegeben hatten, hatte er fast dreizehn Jahre nicht mehr gehört.

„Das reicht!“, ging Albus dazwischen. „Davon abgesehen werden wir sehen wer recht hat. Spätestens wenn wir diese Ratte hier haben.“

„Toll, und dann?“, fragte Severus. „Wird Pettigrew der Gerichtsbarkeit überantwortet, Black ist dann unschuldig und wir werden wieder eine große, glückliche Familie?“

„Was regst du dich eigentlich so auf? Dir kann es doch egal sein!“, erwiderte Sirius. „Davon abgesehen, ich habe immer noch einen Patensohn, den ich kennenlernen will.“

Severus spürte wie er innerlich zu kochen begann. Black wollte seine Unschuld beweisen? Fein, sollte er doch diese Ratte bekommen! Das war ihm doch egal! Viel schlimmer war die Eifersucht, die sein bloßes Erscheinen hier in ihm auslöste. Als würde Blacks bloße Existenz ihm sein einziges Stück Familie streitig machen.

„Minerva, besorgen Sie Weasleys Ratte. Dann sehen wir weiter.“, durchbrach Dumbledores Stimme die angespannte Stille zwischen Severus und Black.

„Ist das alles?“, fragte Severus grimmig. Als niemand darauf antwortete nickte er nur und rauschte aus dem Schulleiterbüro.  


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Severus tigerte mit einem Glas Whisky in der Hand in seinen Räumlichkeiten hin und her. Das plötzliche Auftauchen Blacks ließ ihn jede Fassung verlieren. Es war nicht nur der alte Hass, der ihn rasend machte, sondern auch die Möglichkeiten, die sich aus diesem Zusammentreffen ergaben. Sollte Black freigesprochen werden, dann würde er sicher seine Rolle als Harrys Pate wahrnehmen wollen. Severus hatte die letzten Jahre um Harry gekämpft. Und jetzt tauchte einfach Black hier auf und machte sich wichtig!

Es klopfte an der Tür.

„Herein!“, rief Severus übellaunig.

Minerva trat ein.

„Ich habe mir gedacht, dass Sie hier sind.“, sagte sie und schloss die Tür hinter sich.

Severus antwortete nichts, sondern mahlte nur mit seinen Zähnen und blickte in sein Schnapsglas.

„Hmm.“, machte Minerva. „Diese Wut ist doch nicht allein der Vergangenheit geschuldet?“

„Nein.“, gab Severus zu und leerte sein Glas. „Dieser Mistkerl taucht hier auf und macht sich wichtig und plötzlich springt jeder auf sein Wort! Dabei gehört er wo ganz anders hin!“

„Ich dachte, Sie würden es am ehesten Verstehen, wenn jemand um seine Unschuld kämpft.“, sagte Minerva.

„Hmmmrrrr.“, knurrte Severus nur und setzte sich auf das Sofa. Er stemmte sich mit den Armen auf die Knie und sah in die Flammen des Kamins.

„Sie machen es einem aber auch nicht leicht!“, kommentierte Minerva sein Verhalten. „Oder … oh natürlich! Es geht gar nicht um Sirius, hab' ich recht?“

Sie setzte sich zu ihm.

„Es geht um Harry, richtig?“

Severus hätte ihre Fragerei am Liebsten ignoriert, aber schlussendlich antwortete er ihr doch.

„Was glauben Sie denn, was Black tun wird, wenn er frei ist? Dort weitermachen, wo er aufgehört hat.“

„Würden Sie das denn nicht?“, sagte Minerva. „Er hat all seine Freunde verloren, da ist es das Mindeste das zu tun weshalb James und Lily ihn zu Harrys Paten gemacht haben.“

„Ach, und womit hat sich Black dieses Recht verdient?“, fragte Severus finster. „Ich war es, der Harry in den Armen hielt als er halbtot vor dem dem Spiegel Nerhegeb lag und ich war es, der ihn und Ginny aus der Kammer des Schreckens gerettet hat! Black ist nichts weiter als ein Wichtigtuer! Unschuld muss man sich verdienen! Genauso wie einige andere Privilegien!“

„Sie steigern sich da in etwas hinein!“, entgegnete Minerva. „Niemand, auch nicht Sirius, hat vor Ihnen irgendetwas wegzunehmen. Davon abgesehen muss erst noch bewiesen werden, dass Pettigrew wirklich noch lebt.“

„Und wenn es so ist, was dann?“, sagte Severus.

„Sie sind eifersüchtig.“, antwortete Minerva. „Außerdem hat Harry da sicher noch ein Wort mitzureden, oder? Vielleicht sollten Sie die Dinge sich zunächst entwickeln lassen ehe sie vorschnelle Urteile fällen.“

Severus atmete tief. Er wusste, dass Minerva recht hatte. Wie so oft. Trotzdem, seine Gefühle sagten ihm etwas anderes.
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