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SYLTHERIN! - Teil 3: Von Wölfen und Raben

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
Draco Malfoy Harry Potter Remus "Moony" Lupin Severus Snape Sirius "Tatze" Black
10.12.2021
20.04.2022
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Das alte Landhaus auf dem Hügel vor dem Wald lag scheinbar verlassen da. Ein hölzerner Zaun mit einigen lockeren Latten umgab es und ein Weg aus Steinplatten führte in den benachbarten Garten in dem allerhand Kräuter blühten, aber auch magische Pflanzen, die man für Tränke und Tinkturen brauchte. Das Haus war nur selten bewohnt, da sein Besitzer die meiste Zeit des Jahres im Schloss Hogwarts verbrachte. Nur in den Sommerferien kehrte er hierher zurück. Dieses Jahr jedoch mit einem Jungen im Schlepptau. Harry Potter.

Severus Snape handelte, weil es höchste Zeit war. Zwei mal war der Junge, der bei ihm war, gerade mit dem Leben davon gekommen. Zwei Mal hatte der Dunkle Lord, oder das was von ihm übrig war und durch die Gegend spukte, versucht ihn unter seine Kontrolle zu bringen. Ein weiteres Mal, so schwor sich Severus, würde er zu verhindern wissen. Nur zähneknirschend hatte Dumbledore ihm seine Einwilligung gegeben, dass er den Jungen darin unterrichtete seine Geist zu verschließen. Die hohe Kunst der Okklumentik war jedoch nichts, was man einem Kind über Nacht beibringen konnte. Es brauchte in der Regel Jahre bis man gut genug wurde, um Angriffe auf die Psyche abzuwehren und zu verhindern, dass Fremde in den eigenen Kopf eindrangen. Severus wusste um die Stärke seines alten Meisters auf diesem Gebiet. Deshalb unterrichtete er Harry auch hier, in seinem Haus und nicht in Hogwarts. Die Wochen in denen, die anderen Schulferien hatten brachte damit zu Harry Potter zumindest in den einfachsten Grundlagen zu schulen.

Severus war verantwortlich für den Jungen. Nicht nur als Lehrer, sondern auch in einer Rolle, die wohl einem Vater am nächsten kam. Er sorgte sich um Harry in einer Weise, die unüblich für ihn war. Während des ersten Schuljahres des Jungen war er unfreiwillig und kaum merklich in diese Rolle hineingerutscht. Vielleicht lag es an den Schuldgefühlen, die er immer noch Harrys Mutter gegenüber hatte, aber er würde nicht zulassen, dass wer auch immer den Jungen schadete.

Während Harry bei ihm lebte unterrichtete er ihn nicht nur in der Okklumentik, sondern brachte ihn auch das eine oder andere in Sachen Zaubertränke und Kräuterkunde bei. Severus musste zugeben, dass es das erste Mal war, dass es ihn mit Freude erfüllte jemanden etwas beizubringen. Wahrscheinlich, weil sie unter sich waren und er nicht vor einer lärmenden Klasse stand, die ihn um seine wenigen, noch verbliebenen Nerven brachte.

Wie jeden Morgen stand Severus schon sehr zeitig auf. Harry schlief noch. In einen Morgenmantel gewickelt tapste er müde die schmale Treppe hinunter. Severus ging in die Küche und machte sich noch im Halbschlaf einen Kaffee und ein Sandwich. Anschließend setzte er sich an den Küchentisch. Gerade als er in sein belegtes Brot beißen wollte fiel ihm die Zeitung auf, die bereits hier lag. Auf der Titelseite pragte ein ihm nur allzu bekanntes Gesicht, doch es war deutlich gealtert. Trotzdem erkannte er den Mann auf der Titelseite, auch ganz ohne den sensationsheischenden Schriftzug, der verkündete:

MASSENMÖRDER SIRIUS BLACK ENTKOMMT AUS ASKABAN!


Severus entfaltete die Zeitung und las den Artikel unter dem Bild.

Wie der Zaubereiminister Cornelius Fudge heute mitteilte kam es zu einem Ausbruch aus dem berüchtigten Gefängnis von Askaban. Dabei soll Sirius Black, ein Gefangener aus dem Hochsicherheitstrakt, entkommen sein. Traurige Berühmtheit erlangte Black als er James und Lily Potter verriet – in dessen Folge schicksalhafter Weise Du-weißt-schon-wer im Haus der Potters sein Ende fand – und auf seiner halsbrecherischen Flucht dreizehn Muggel und seinen früheren Mitstreiter Peter Pettigrew ermordete. Das Ministerium teilte mit, dass die Dementoren ausgeschickt wurden, um den Flüchtigen Massenmörder wieder einzufangen.

Aus dem oberen Stock hörte Severus Schritte. Er schnappte sich die Titelseite, ging schnellen Schrittes hinüber ins Wohnzimmer und warf sie in den Kamin. Er stocherte noch ein wenig mit dem Schürhaken in den Kohlen herum, um sicher zu sein, dass sie Seite auch restlos verbrannte. Anschließend ging er zurück in die Küche, setzte sich an den Tisch und trank seinen Kaffee. Severus lauschte, doch Harrys Schritte waren offenbar wieder in seinem Zimmer verschwunden. Erleichtert atmete er aus. Das hätte ihm noch gefehlt, dass der Junge aus der Zeitung erfuhr wer für den Tod seiner Eltern wirklich verantwortlich war.

Und für den Tod von Lily Evans. , berichtigte Severus eine Stimme in seinem Kopf. In der Tat. Black! Es gab kaum einen Menschen den er mehr hasste, abgesehen vielleicht von Voldemort und James Potter. Schon als sie noch Teenager waren, da war Sirius Black der eigentliche Kopf der Bande um Harrys Vater gewesen. James war ein unausstehlicher Wichtigtuer, aber Black brachte genug kriminelle Energie mit, dass es für zwei reichte. Aus heutiger Sicht hatte Severus' Gefühl ihm gegenüber sich nicht getäuscht.

Er aß sein Sandwich und trank seinen Kaffee. Anschließend ging Severus ins Bad und duschte. Als er fertig war zog er sich Hose und Hemd an und ging aus dem Haus. Er kramte eine Packung Zigaretten aus der Hosentasche. Er zog sich eine heraus und zündete sie sich mit seinem alten Benzinfeuerzeug an. Die Sonne ging gerade erst hinter dem Wald auf. Harry war vermutlich nur auf dem Klo. Severus setzte sich auf die Bank hinter dem Haus und rauchte. Die Nachrricht, dass Black frei war verursachte ihm Bauchschmerzen. Auch wenn er natürlich wusste, dass die Behauptung Black sei einer der größten Anhänger Du-weißt-schon-wers gewesen absoluter Blödsinn war. Er hatte vielleicht versucht ein Geschäft mit Voldemort zu machen, aber er war kein Todesser. So viel stand fest!

Im Grunde war es für Severus unerheblich, ob er nun einer von ihnen war oder nicht, denn sein Handeln hatte dafür gesorgt, dass Lily starb. Alles hatte Severus in dieser Zeit getan, um sie zu retten und am Ende brauchte es einen einzigen, unzuverlässigen Straßenköter damit die ganze Sache platzte. Sein alter Hass auf Black war ungebrochen. Und jetzt war er frei, um Gott weiß was zu tun!

Severus rauchte seine Zigarette auf und ging wieder hinein. Drinnen kam Harry ebenso müde wie Severus die Treppe hinunter. Er trug eine graue Jogginghose und ein blaues T-Shirt. Sein schwarzes Haar stand in alle Richtungen ab und er rieb sich die Augen.

„Gut geschlafen?“, fragte Severus.

„Grrrmmmmpf!“, brummte Harry und taumelte in Richtung Bad.

„Ganz meine Meinung.“, entgegnete Severus.

Während der Junge sich wusch und frühstückte bereitete er eine weitere Stunde seines Unterrichts vor. Die letzten Wochen hatten sie jeden Tag die Meditation geübt. Severus war sich ziemlich sicher, dass Harry mittlerweile seinen Geist ohne Probleme leeren konnte. Das hieß sie konnte zu Schritt zwei seines Trainings übergehen.  

Nachdem er fertig war kam Harry in das Wohnzimmer. Severus saß in seinem Sessel vor dem Kamin und drehte seinen Zauberstab in Gedanken zwischen seinen Fingern.

„Und was steht heute an?“, fragte der Junge. Sein Blick fiel auf den Zauberstab in Severus' Hand.

„Heute beginnen wir mit Phase Zwei deines Trainings.“, sagte Severus und erhob sich. „Du hast gelernt deinen Kopf zu leeren. Das wirst du jetzt wieder tun, mit dem Unterschied, dass ich versuchen werde in deinen Geist zu dringen. Deine Aufgabe ist es mich herauszudrängen.“

„Und wie mache ich das?“, wollte Harry sichtlich nervös wissen.

„Es ist eine Frage des Willens. Die Barriere zwischen dir und deinem Gegner muss fest sein. Dein Wille bestimmt wie stark sie ist. Du musst mich unter allen Umständen vertreiben wollen. Wenn du nachgibst habe ich leichtes Spiel. Also gut, versuchen wir es.“, sagte Severus und stellte sich dem Jungen gegenüber. „Schließe deine Augen und leere deinen Geist. Bist du so weit?“

Harry schloss die Augen. Nach einigen Augenblicken nickte er. Severus hob den Zauberstab.

„Legilimens.“

Harry zucke zusammen. Der Angriff den Severus ausführte war bei weitem nicht so schlimm wie er hätte sein können. Er kratzte förmlich nur an der äußersten Schicht seines Geistes. Zuerst ließ der Junge ihn aufgrund des Schrecks kurz eindringen, doch das spürte Severus seinen Widerstand. Dennoch drückte er weiter dagegen. Harry versuchte ihn mit aller Kraft zurück zu drängen. Severus spürte wie er ihn langsam fort schob, dann jedoch ließ er plötzlich los. Severus durchbrach seine Barriere und war mitten in einer Erinnerung des Jungen gelandet. Er stand wieder vor dem Spiegel Nerhegeb und der Schatten Voldemorts ergriff von ihm Besitz. Zuckend lag er am Boden und …

Severus kappte die Verbindung. Harry schlug die Augen auf. Schwer atmend sank er zu Boden. Er zitterte am ganzen Leib.

„Harry, alles in Ordnung?“, entgegnete Severus und wollte ihm aufhelfen. Harry jedoch wisch unwillkürlich vor ihm zurück. Er umklammerte sich mit seinen Armen und sah zu Boden.

„Ich war wieder dort.“, antwortete Harry schließlich mit schwacher Stimme.

„Warum hast nicht weiter gekämpft?“, wollte Severus wissen.

„Ich … ich weiß nicht.“ Harry richtete sich wieder auf.

„Es ist anstrengend, ich weiß. Du darfst aber trotzdem nicht nachgeben. Sobald du nachgibst kann ich dich überwältigen. Also nochmal. Leere deinen Geist.“

Harry atmete tief durch, dann schloss er die Augen. Schließlich nickte er.

„Legilimens.“

Wieder traf Severus auf die Barriere in Harrys Geist. Wieder spürte er seinen Widerstand, doch er war deutlich schwächer als zuvor. Harry schaffte es nicht mehr gegen ihn anzukommen. Langsam schob Severus ihn fort und Harrys Widerstand brach zusammen. Erneut fand sich Severus genau in einer Erinnerung wieder. Dieses Mal sah er sich und Harry. Der Junge brüllte und schlug um sich, während Severus ihn umklammerte und versuchte zu beruhigen. Er kappte die Verbindung.

Harry lag auf dem Boden, am ganzen Körper zitternd. Severus konnte sehen wie ihm eine stumme Träne die Wange hinab rann. Er hockte sich neben Harry und nahm ihn in den Arm.

„Das ist nur die emotionale Übertragung der Erinnerung.“, sagte Severus. Harry klammerte sich dennoch an Severus als seien sie wieder in jenem Flur an jenem Abend.

„Ich schaffe es nicht.“, wimmerte er.

„Das hat noch niemand beim ersten Mal geschafft.“, versuchte Severus ihn zu beruhigen.

Er beschloss das es für heute genug war. In diesem Zustand würde Harry keine angemessene Barriere mehr zustande bringen.

Als sie später beim Mittagessen saßen fragte Harry plötzlich: „Vielleicht bin ich zu schwach?“

„Was?“, machte Severus, der seinem Gedanken nicht sofort folgen konnte.

„Vielleicht schaffe ich es nicht zu widerstehen, weil ich zu schwach bin? Ich meine, Voldemort hat mich zweimal übernommen ...“

„Nein, Harry!“, unterbrach Severus ihn strikt. „In Voldemorts Händen sind wir alle wehrlose Lämmer. Es liegt nicht an dir, dass all das passiert ist. Es ist Voldemorts schuld. Er ist der Einzige, verstehst du?“

„Nachdem du das erste Mal in meinem Kopf warst hatte ich Angst. Ich habe versucht zu widerstehen, aber ich hatte keine Kraft mehr.“, sagte Harry.

Severus atmete tief. Ja, Angst schwächte natürlich sämtliche Barrieren.

„Wenn du Angst vor dem hast, was ich in deinem Kopf finden könnte, dann werde ich immer leichtes Spiel haben. Erinnerst du dich an die Meditation? Du musst deine Gefühle gehen lassen. Angst lähmt und sorgt dafür, dass du scheiterst.“, erklärte Severus.

„Wie machst du das denn?“, wollte Harry wissen.

„Du meinst, wenn man mal davon absieht, dass ich locker fünfzehn Jahre länger Übung darin habe? Ich lasse es nicht an mich heran.“

„Das ist nicht so richtig hilfreich.“, brummte Harry.

Wie sollte er das nur einem noch Zwölfjährigen erklären? Severus hatte sich schon immer abgekapselt. Seinen Geist von seinen Emotionen zu trennen war da nur der nächste, logische Schritt. Während er darüber nachdachte klopfte es am Fenster. Severus wandte sich um und sah einen großen Kolkraben dort sitzen, der mit seinem Schnabel gegen die Scheibe klopfte. Er stand auf und ließ den Raben herein.

„Komm schon, Hades.“, sagte Severus. „Hast du mir was mitgebracht?“

„Pooooop, Poooooop!“, machte der Rabe. Um seine Kralle trug er einen Brief. Severus nahm ihn entgegen und Hades flatterte auf seine Schulter. In der Schule hatte er eine Eule, aber Hades war sein wahrer Gefährte. Der Rabe begleitete ihn schon viele Jahre und anders als Eulen war er deutlich gesprächiger. Severus ging zum Schrank und holte eine Tüte mit Erdnüssen heraus. Er gab Hades eine.

„Pooooop, Poooooop!“, machte der Rabe und pickte die Nüsse in Severus' Hand auf.

Als er fertig war flatterte Hades auf seine Sitzstange in der Küche und fing an sein Gefieder zu putzen. Severus riss den Brief auf und las die Nachricht darin.


Severus,

dringliche Besprechung, 18 Uhr in meinem Büro.

Albus


„Ich muss doch eher zur Schule zurück als ich gehofft habe.“, sagte Severus an Harry gewandt. „So wie ich Dumbledore kenne wird das etwas längerfristiges. Soll ich dich vorher bei Draco abliefern?“

„Oh ja, das wäre wirklich nett.“, antwortete Harry und seine Miene hellte sich merklich auf.

„Gut.“ Severus nahm den Brief und warf ihn in den Kamin im Wohnzimmer. Anschließend ging er hoch und fing an seinen Koffer zu packen. Eigentlich hätten sie noch eine Woche Zeit gehabt, aber Sirius Black schien nun alles zu beschleunigen.

Er musste nicht groß raten worum es bei einer spontan anberaumten Dringlichkeitssitzung in Dumbledores Büro gehen würde. Wenn es um Black gehen würde, dann würde es sicherlich auch um Sicherheit gehen und das konnte sich nur hinziehen. Erst recht, wenn das Ministerium involviert wäre – was zweifellos der Fall sein würde.

Also machte sich Severus reisefertig. Er warf sich sein schwarzes Jackett über und schnappte sich seinen Koffer. Harry stand am Nachmittag bereits mit gepackten Sachen im Flur. Severus streckte ihm die Hand entgegen. Harry ergriff sie und schon apparierten sie zu Malfoy Manor. Dort erwartete sie zwar keiner, doch Severus wusste, dass Überraschungsbesuche kein Problem waren. Draco freute sich riesig seinen Freund endlich wieder zu sehen. Es gab einen kurzen Wortwechsel mit Narzissa und Lucius. Anschließend apparierte Severus weiter nach Hogwarts. Er schaffte seinen Koffer in seine Räumlichkeiten und marschierte anschließend hoch in das Büro des Schulleiters. Was ihn allerdings dort erwartete, damit hätte Severus im Leben nie gerechnet.
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