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Schachmatt

von A-7064
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteAllgemein / P18 / MaleSlash
Antonin Dolohow Lord Voldemort / Tom Vorlost Riddle
09.12.2021
28.01.2022
6
17.475
13
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Dieses Kapitel
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09.12.2021 2.800
 
Gebetat von MrPotter. Danke dir!


Schachmatt


I.



01. September 1944

Tom Riddle spielte nicht. Weder Kartenspiele, noch Koboldstein oder sonstige Gesellschaftsspiele. Mannschaftsspiele wie Quidditch waren Zeitverschwendung und er teilte es auch jedem mit. Schon seit dem ersten Schuljahr hatte ihn niemand mehr gefragt, ob er mitmachen wolle. Im letzten würden sich alle hüten, diesen Fehler zu machen.

Das einzige Spiel, dass er ab und an spielte, war Schach, doch das war kein Spiel für ihn, sondern das Leben im Kleinen. Ordentlicher, auf 48 Kästchen gepresst und mit strikten Regeln. Er sah gern zu, wie sein Gegner ins Schwitzen geriet. Wenn Furchen sich in die Stirn gruben, sodass ein Schüler aussah wie ein Greis. Rote Heringe auszulegen und sein Gegenüber zu verwirren, sodass dieser in schier endlose Grübeleien stürzte und einen falschen Zug machte, liebte er geradezu. Am besten gefiel es ihm aber, wenn er den anderen so unter Druck gesetzt hatte, dass dieser gar nicht mehr merkte, dass er einen falschen Spielzug machte.

Tom Riddle setzte die Regeln außer Kraft und niemand bekam es mit.

Selbstverständlich waren die Spielanfragen über die Jahre immer weniger geworden. Nichtsdestotrotz hatte Tom ein Schachset in seinem Koffer.

Mit einem Knirschen öffnete sich die Abteiltür, als der Zug gerade um eine Kurve fuhr und ein hochgewachsener, dunkelhaariger Junge kam hereingeschlendert. Er hielt sich an der Gepäckablage fest, um nicht umzufallen. Hinter sich zog er eine abgenutzte Ledertasche her, die ein Stück zurückrollte. Mit einem Brummen wie ein Braunbär setzte er ihr nach und hievte sie dann auf seinen Nachbarssitz.

Er beobachtete das Theater und kniff die Augen zusammen. Den Jungen musste er erst ein paar Sekunden mustern, bevor er ihn zuordnen konnte. An seiner Uniform, die er sich knittrig übergeworfen hatte, prangte eine zischelnde, smaragdgrüne Schlange, die nicht nur das Zeichen Slytherins, sondern auch Toms war.

Er war der Erbe Slytherins.

Es wusste nur niemand, dass dem so war. Blöderweise hatte er einen Mord begangen, bevor er irgendjemandem von seinem Stammbaum hatte erzählen können. Nun wäre es gleichzeitig ein Schuldbekenntnis und Tom war zu intelligent, um in Askaban zu verenden.

Stolz erfüllte seine Brust, doch da war auch etwas anderes. Die angesehene Linie endete mit ihm - und verlor die über Jahrtausende gehütete Reinblütigkeit. Darüber wollte er lieber nicht nachdenken, doch er tat es immer wieder. Sein Muggelvater hatte ihm nichts als Armut und Elend beschert.

Der Junge war ganz und gar durchschnittlich und unscheinbar, wäre da nicht das markante Kinn und die dunklen, wachsamen Augen. Ach ja, der Russe.

Antonin Dolohov, fünfte Jahrgangsstufe. Ein Einzelgänger mit guten, schulischen Leistungen und einem schweren russischen Akzent, sobald er den Mund aufmachte. „Kommen noch Leute? Ist hier ein Platz noch frei?“, fragte er Tom.

Leute, wie Antonin es nannte, würden nicht mehr kommen, ein Platz war trotzdem nicht frei. Tom saß ja bereits da. Auf keinen Fall wollte er einen Mitfahrer. „Ist nirgendwo anders was frei?“, stellte er die Gegenfrage, in einer scheinbar besorgten Manier. Es waren immer irgendwo noch Plätze frei. Im schlimmsten Fall schickten die Hufflepuffs niemanden weg.

„Weiß nicht, ich habe nicht geguckt.“ Mit einem Seufzen ließ sich Dolohov auf den gegenüberliegenden Platz von Tom fallen.

Er runzelte die Stirn. Das war keine Einladung gewesen. „Willst du nicht lieber noch einmal nachsehen?“ Er wollte in Ruhe sein Buch lesen.

„Mir gefällt’s hier ganz gut, schon gut. Außer du möchtest, dass ich gehe?“

„Nein, bleib ruhig da.“ Er konnte nicht geradeausweg unhöflich sein. Das würde seinem schwer erarbeitetem und wohl gepflegtem Ruf vom Musterschüler einen unschönen Riss bescheren. Um deutlich zu machen, dass er kein Gespräch wünschte, hob er das Buch höher. Nun konnte weder er Dolohov, noch dieser ihm ins Gesicht blicken.

Zu seinem Glück versuchte er auch kein Thema zu finden. Schweigend kramte Dolohov in seiner Tasche.

Dafür war er auch bekannt: Dolohov war ein denkbar schlechter Redner und ein mangelhafter Zuhörer. Niemand unterhielt sich groß mit ihm und ihn schien das auch nicht sehr zu stören. Er hielt lieber zu sich selbst.

Tom mochte das in einem Menschen. Er suchte nicht danach, denn diese Unabhängigkeit war denkbar schlecht für einen Anhänger. Die Schüler, die er um sich scharte, sollten zu ihm aufblicken und ihm nahe sein wollen. Nur so würden sie ihm eines Tages bedingungslos folgen. Er war schon weit fortgeschritten in seiner Anwerbung, auch wenn er hier gerade allein saß. Auf eigenen Wunsch.

Dolohov klapperte mit einer Holzkiste.

Als Tom über den Rand seines Buches lugte, sah er ihn mit einem Schachbrett hantieren und die Figuren auf ihre Anfangspositionen platzieren. Turm, Springer, Läufer, Dame, König. Er wusste, was er tat.

Genervt stellte Tom fest, dass es sich beim Schachset um ein magisches handelte. Diese ollen Dinger, die dem Spieler Tipps zuriefen oder sich beschwerten, wenn sie geopfert wurden. Allein diese Erkenntnis ließ das Blut in seinen Ohren rauschen, bevor irgendjemand auch nur einen Ton von sich gegeben hatte.

„Juhu, es kann losgehen!“, sagte ein Läufer, als Dolohov fertig war.

„Es wird dich doch nicht stören?“, fragte der Junge.

„Doch.“

„Hm.“ Mit dieser Antwort hatte er wohl nicht gerechnet.

„Es wäre freundlich, wenn du es wegpacken könntest. Ich will weiterlesen.“

Dolohov rührte nicht einen Finger. „Ich wollte auch nicht mit dir spielen, sondern gegen mich selbst.“

„Dann rufen die dämlichen Figuren ja noch mehr, was du machen sollst und was nicht.“

„Ich habe nichts zum Lesen.“

„Ist das mein Problem?“, hörte er sich selbst fragen, doch dann atmete er tief durch. Was sollte es ihm bringen? Dolohov war ein einsamer Junge, der anscheinend Schachfiguren als Freunde hatte. Die Unabhängigkeit, die er ausstrahlte, war im besten Fall etwas Oberflächliches. Wenn Tom Glück hatte, dann brodelte tief in Dolohov ein unstillbares Verlangen nach einer Verbindung. War dies der Fall, musste Tom nun nur die richtigen Worte sagen und könnte den glühendsten Anhänger bisher generieren. Jemandem, der für ihn sterben würde, Hauptsache, er wäre nicht so allein. Was hatte er schon zu verlieren?

„Warte einen Augenblick“, sagte er und holte seinen Koffer hervor. „Du kannst mein Set nehmen.“

Er schob zwei Roben und seinen Pyjama beiseite, dann hatte er das Schachset gefunden. Nun, er besaß immer noch nicht wirklich viel.

Dolohov beobachtete ihn mit aufmerksamen Augen. Man sah ihm an, dass er jede Bewegung registrierte wie ein Buchhalter. Tom machte sich nichts draus. Ständige Beobachtung war er gewohnt – von seinen Mitschülern, von den Mädchen, von Dumbledore.

Er begann es für ihn aufzubauen, als Dolohov sich nicht rührte. Dann machte er das eben für ihn. Als der letzte Bauer stand, machte er eine auffordernde Handbewegung. „Viel Spaß.“

„Dir auch.“ Mit diesen Worten nahm sein Gegenüber den weißen Bauern vor dem König und setzte ihn zwei Felder nach vorn.

Kein kreativer Spielzug. Tom seufzte und wollte sich wieder seinen Buch zuwenden, doch Dolohov sah ihn so erwartungsvoll an.

„Ich habe noch nie mit jemandem gespielt, der so lange für den allerersten Zug nachdenken musste.“ Dolohov lächelte ihn an.

Tom dachte zurück und konnte sich nicht daran erinnern, ihn jemals lächeln gesehen zu haben. Das war in erster Linie nichts Außergewöhnliches, immerhin gehörte er auch nicht zum Typ Frohnatur. Doch Dolohov hatte wirklich ein gutaussehendes Lächeln, das seine Zähne blitzen ließ. Nach einem Augenblick war es wieder verschwunden und er schaute so grimmig wie eh und je. „Ich denke nicht nach.“

„Schade, ich dachte, du hättest dir jetzt schon überlegt, wie du mich schlagen möchtest. Ich habe da schon einen gewissen Plan.“

Diese Provokation würde Antonin nicht ein weiteres Mal wagen. Leise prustend legte Tom seine Finger an einen schwarzen Bauer und machte den selben unkreativen Spielzug wie Antonin. „Die Herausforderung nehme ich an.“

Er hatte noch nie eine Partie verloren.

Eine Weile schoben sie in Stille ihre Figuren übers Brett, bis sich Antonin plötzlich zurücklehnte und streckte. Tom wusste sofort, dass irgendetwas nicht stimmte. Antonin hatte irgendeinen Plan ausgeheckt.

„Warum besitzt du ein Muggelschachbrett?“, fragte Antonin obendrein.

Tom grummelte, setzte dann aber zu einer wirklichen Antwort an. „Ich finde die Zwischenrufe der magischen Sets störend. Ich möchte allein gewinnen, wenn ich gewinne und allein verlieren, wenn ich verliere.“

Sein Gegenüber kratzte sich am Kinn.

„Hast du etwas dagegen zu sagen?“ Was sollte das sein? Tom fand den Russen wunderlich, aber bis jetzt hatte dieser nicht den Fehler gemacht und irgendetwas völlig Unlogisches gesagt.

„Nein, nicht wirklich, nur dass man auch besser werden kann, wenn man Hilfe annimmt.“

Er bemühte sich, seine Miene so versteinert wie möglich zu halten, als er seinen Turm vier Felder nach vorn schob. Angriff!

Und aufgrund der Unterhaltung sah Antonin es nicht einmal kommen.

„Ich habe das Spiel von meinen Vater gelernt. Er hat mir viele Ratschläge gegeben und Erkenntnisse, die ich, wenn ich auf mich allein gestellt gewesen wäre, erst Jahre später, wenn überhaupt, gehabt hätte.“

Diese Möglichkeit bestand für Tom nun mal nicht. Er hatte keinen Vater, der ihm irgendetwas beibrachte. Für sein Wissen – für sein Leben – war er immer allein zuständig gewesen. Antonin war ein verwöhntes Kind wie alle anderen seiner Mitschüler. Er grunzte, doch rieb es seinem Gegenüber nicht unter die Nase. Stattdessen schob er den Läufer übers Feld.

Antonins Miene blieb versteinert, doch er blickte aus dem Fenster und nicht aufs Schachbrett. „Kannst du mir sagen, warum ich eigentlich kein Vertrauensschüler geworden bin?“

Tom zuckte mit den Achseln. „Ich habe da kein Mitspracherecht. Nicht einmal als neuer Schulsprecher.“

„Herzlichen Glückwunsch übrigens, wie unhöflich von mir, dass nicht sofort zu tun.“ Antonin griff nach seiner Hand und schüttelte sie. Widerwillig ließ Tom die Berührung zu. Er mochte es nicht, eigentlich, doch die Wärme von Antonins Hand löste ein Kribbeln in seinen ständig kalten Fingerspitzen aus.

„Ich will nicht angeben, aber ich bin Jahrgangsbester”, fügte Antonin an.

Es war schon ziemlich protzend, aber Tom sagte nichts. Lieber zog er noch den anderen Läufer in die gegenüberliegende Ecke. „Nun, es zählen nicht nur die akademischen Leistung, obwohl diese schon einen großen Teil ausmachen. Wichtig ist aber, dass man ebenfalls ein allseits respektiertes Mitglied des Hauses ist und mit vielen unterschiedlichen Menschen umgehen kann. Das man diplomatisch ist, sozusagen. Korrigiere mich, falls ich falsch liege, aber du bleibst meist eher für dich.“

Antonin brummte. „Stimmt.“

Mit einer ruppigen Geste, die signalisierte, dass er nicht bereit war, weiter darüber zu sprechen, setzte Antonin seine Dame genau vor Toms König.

Bemüht, keinen erschreckten Laut von sich zu geben, presste Tom die Lippen aufeinander. Dass sein Gegner diese Möglichkeit eines Zuges hatte, hatte er glatt übersehen. Sie war ihm zu reißerisch vorgekommen.

Antonin ließ ihn aber nicht weiter nachdenken. „Was ist mit dir?“

„Was soll mit mir sein, Mr. Dolohov?“

„Nun – du bist auch ein Einzelgänger.“

„Du irrst dich.“

„Warum sitzt du dann hier allein?“

Jetzt wurde er frech. Das konnte Tom gar nicht leiden. Anscheinend gehörte er nicht zu der zurückgezogenen Art, die sich vor Konfrontationen scheute und heimlich nach Anerkennung lechzte.

„Ich wollte in Ruhe lesen“, brummte Tom. Es klang viel zu verteidigend für seinen Geschmack, daher hing er dran: „Nicht, dass es mir vergönnt war. Ab morgen bin ich Schulsprecher und habe viele zusätzliche Aufgaben wahrzunehmen. Viele werden Anliegen haben, die sie mit mir besprechen möchten. Da werde ich nicht viel Ruhe bekommen.“

Die Wahrheit war, dass sich seine Anhänger über ihren Sommer unterhielten. Regelmäßig artete es in einem Wettbewerb aus. Wer hatte den teuersten Urlaub gemacht? Wer war am weitesten gereist? Wer hat die einflussreichsten Leute kennengelernt?
Von all diesen Dingen interessierte ihn nur das Letzte und dies auch nur halb. Seine Anhänger lernten Ministeriumsangestellte in hohen Positionen kennen, das war so, aber nur als Anhängsel. Ihre Eltern waren die wahren Mächtigen. Nur bedingt konnten sie davon profitieren und nur unter noch eingeschränkteren Umständen konnte Tom einen Vorteil daraus ziehen. Er war dem ganzen Konkurrenzdenken überdrüssig – denn er war offensichtlich der talentierteste Schüler unter ihnen. Nur er hatte ausnahmslos Ohnegleichen. Trotzdem würde er ihn Zukunft sich alles hart erarbeiten müssen – mindestens genauso schwer, wie er sich all die Ohnegleichen erarbeitet hatte – während vielen wohlgeborenen Slytherins der Reichtum und der Einfluss einfach so zufiel.

„Entschuldige, dass ich einen Strich durch deine Pläne gemacht habe.“ Antonin klang keine Spur traurig darüber.

„Wenn du willst, kannst du zu einem Treffen von mir und ... – meinen Freunden kommen. Wir reden viel über Politik, Schule und andere Sachen.“ Er glaubte selbst nicht, dass er das anbot, obwohl er noch vor Augenblicken festgestellt hatte, dass Antonin nicht unbedingt Anhänger-Material war. Aber er war talentiert und benachteiligt – wie Tom. Das machte ihn interessant, irgendwie.

Antonin zuckte mit den Achseln. „Sind das diese Ritter? Mit Malfoy, Mulciber, Black, Selwyn und so weiter?“

„Ja.“ Seine Mundwinkel zogen sich nach oben, er konnte nichts dagegen tun, als er die lange Liste an seinen Gefolgsleuten hörte. Es war fantastisch, wie viele er schon in der Tasche hatte. Und wie reich und angesehen diese Familien waren.

„Ich verzichte, aber danke für das Angebot. Mit den hochwohlgeborenen Familien will ich nicht mehr Zeit verbringen als nötig. Nicht, nachdem sie mir jahrelang leugnen, dass meine Familie ebenfalls reinblütig ist ... oder war.“

Das war interessant. Tom hatte die Auswüchse des Konflikts mitbekommen, doch bis jetzt hatte er sich nicht darum geschert. Es war ihm nicht als lukrativ erschienen.

Doch bevor er etwas erwidern konnte, sagte Antonin: „Schachmatt übrigens. Danke für die Partie.“

Tom starrte auf das Schachbrett. In der Ecke des Schachbretts stand noch Antonins Läufer und deckte die Dame. Verdammt! Er war hereingelegt wurden. Und dann solch einfallsloser Trick. Er schnaubte, als er erkannte, dass er seinem Gegenüber gratulieren musste.

Zum Glück ging in dieser Sekunde die Abteiltür schwungvoll auf und Abraxas Malfoy kam herein. „Tom, da bist du ja. Ich habe dich schon überall gesucht. Willst du nicht bei uns sitzen?“

Er nutzte den günstigen Moment und stieß mit einem ungesagten Zauber das Schachbrett in die Luft. Die Figuren folgen in hohem Bogen durch das Abteil.

„Oh, das muss ein Luftzug gewesen sein!“, rief Tom, gespielt aufgeregt und entschuldigend.

Abraxas und Antonin waren beide verwirrt und durchblickten das Schauspiel nicht.

„Keine Ursache.“ Antonin suchte schnell die Figuren auf.

„Ist das ein Muggelschachset?“, krächzte Abraxas und als er keine Anstalten machte, aufzustehen, ließ Abraxas sich auf den Platz neben ihn fallen. „Ich wusste gar nicht, dass du das immer noch hast.“

Tom brummte nur. Es war eines seiner wenigen Besitztümer, natürlich hatte er es noch!

Antonin schnaufte und griff nach seiner abgewetzten Tasche. „Danke für die Partie. Es hat wirklich Spaß gemacht. Du bist ein guter Gegner, ich habe lange nicht mehr eine solch intensives Spiel gehabt. Ich werde dich nicht weiter ablenken, ich muss mich sowieso noch umziehen, bin sowieso schon spät damit dran.“

Mit einem letzten flüchtigen Blick zu Abraxas erhob sich Antonin und verschwand. Tom sah ihn verwundert hinterher. Was sollte dieser schnelle Abgang? Dabei hatte er seine Schuluniform schon an.

„Ein komischer Kauz, nicht?“, spannte Abraxas ihn in die nächste, unnötige Konversation ein. „Er guckt immer grimmig, noch nie habe ich ihn lächeln sehen. Ich bin überrascht, ihn bei dir zu finden.“

Tom brummte wieder etwas Unverständliches, doch Abraxas gab sich mit der Nicht-Antwort zufrieden. Er hatte keine hohen Standards für Gesprächspartner, solange er erzählen konnte. Doch seine Familie besaß eine Menge Galleonen und Einfluss, deshalb tolerierte Tom dieses Verhalten seit sechs Jahren.

„Wer hat gewonnen?“

„Was ist denn das für eine Frage? Ich natürlich. Glaubst du, ich lasse mich von Dolohov schlagen?“ Er fand es ein wenig zu dick aufgetragen, aber Abraxas hinterfragte es nicht. Er schenkte es nicht einmal einem zweiten Gedanken. Bei Merlin, warum unterhielt sich Abraxas überhaupt mit ihm? Tom konnte sich keinen Reim drauf machen. Er beobachtete es immer nur bei den Malfoys und den anderen Slytherin.

„Was wollte er von dir?“, fragte Abraxas ihn weiter aus.

„Wissen, weshalb er nicht Vertrauensschüler ist.“ Tom seufzte. Er wusste, jedes Worte würde sogleich zu den anderen Slytherins getragen werden.

„Oh, wie anmaßend.“

„Kann er nicht einfach ambitioniert sein?“

„Dolohov ist Kommunist, trotz allem.“ Abraxas sah ihn bedeutungsschwanger an.
Tom runzelte die Stirn. Trotz allem? Nein, er wusste nicht, was das bedeuten sollte. Niemand hatte sich je zuvor mit ihn über Antonin unterhalten.

„Er ist fünfzehn Jahre alt, ich bezweifle, dass er etwas mit Kommunismus anfangen kann.“

Missbilligend zog Abraxas die Augenbrauen hoch. „Ich finde diese revolutionären Gedanken nicht gut. Er ist ein Muggelfreund.“

So war das also. Nicht Antonin, sondern Abraxas – und wahrscheinlich auch die anderen Slytherin – konnten den Kommunismus nicht einordnen. Sie verstanden irgendeinen Unsinn darunter.

„Mulciber wollte übrigens mit dir reden. Es gibt da irgendein Problem, aber er wollte nicht sagen welches, bevor du nicht da bist.“

Seufzend erhob sich Tom und folgte Abraxas zu den anderen. Er konnte sich dem Ruf der Pflicht nicht länger entziehen. Garantiert hatte Mulciber wieder irgendeine Nichtigkeit auf dem Herzen, die Tom – der talentierte Tom, der arme Tom, der sich nichts leisten konnte – für ihn lösen sollte. Sie sahen es als Wohltätigkeit an, ihm Arbeit und einen Lebenssinn zu verschaffen.

Eines Tages würde der Spieß sich umkehren.


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