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Schnee bedeckt das Kriegsgerät

von Engelchen
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Übernatürlich / P12 / MaleSlash
07.12.2021
07.12.2021
1
2.053
3
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07.12.2021 2.053
 
Eine kleine Geschichte zu "Hades".
Vielleicht kennen noch ein paar Leute dieses Fandom? Es ist mein erster Versuch in diesem Fandom, aber ich hoffe der ist nicht komplett misslungen?



Prinz Zagreus würde sich wohl nie daran gewöhnen können. Daran, dass wann immer er aus seinem Gemach treten würde – wenn er das denn mal machte, ohne gestorben zu sein – er in den Garten seiner Mutter treten könnte oder er würde ihr direkt im Hauptsaal entgegen treten. Davon abgesehen, war jedes nette Wort seines Vaters, genauso unglaubwürdig, wie die Tatsache, dass er es hunderte Male versucht hatte, aus dem Reich des Hades zu entfliehen.
Nur um dann wieder dort zu landen, wo er herkam.

„Ich kann nichts für diesen Fluch!“, maulte Zagreus nach oben, irgendwo dorthin, wo die Stimme des alten Mannes herkommen könnte. Angestrengt lauschte er in die Stille seines Zimmers, doch nichts kam mehr zurück.

Der Prinz verdrehte die Augen, seine Finger zupften an der Leier, die er glücklicherweise immer besser spielen konnte. Mit Orpheus als Lehrer war dies auch unausweichlich, dennoch hatte es wirklich viel Übung benötigt und Zagreus war Stolz auf sich selbst, weil er es durchgezogen hatte, dieses Instrument zu lernen. Am Gesang würde er sich wohl dennoch nicht wagen.

Außerhalb von seinem Gemach, war das altbekannte Treiben am Schaffen, Nyx stand mit Rat und Tat in der Nähe seines Zimmers, seine Mutter stand bei seinem Vater, sie unterhielten sich über irgendwas – vielleicht sprachen sie über ihn, eventuell auch über die Arbeit hier oder der Familie? Hypnos bemühte sich wach zu bleiben und seine Arbeit zu machen und Orpheus sang.

Der kurze Zorn seines Vaters war ihm egal – er hatte Orpheus glücklich gemacht, nicht mehr lange und er würde es auch bei Achilles schaffen. Sein Vater machte auch nicht wirklich etwas, um ihn aufzuhalten, deshalb würde sich Zagreus auch keine Sorgen machen.

Und aufhalten, ließ sich der junge Prinz ohnehin nicht. Der Zorn seines Vaters war etwas so Bekanntes, wie die Unordnung in seinem eigenen Gemach.

Zagreus warf böse Blicke nach oben, auch wenn er nicht glaubte, dass solche Blicke den alten Mann davon abhalten würden, weiter zu reden. Überraschenderweise sagte er aber nichts mehr, also bewegte sich der Prinz weiter vorwärts, um auch die Teile zu erblicken, die von seinem Zimmer nicht einsehbar waren. Dank all seiner Bemühungen, wirkte das Reich seines Vaters bereits einladender, es gab Teppiche, Blüten am Boden und diverse Skulpturen und Gemälde. Sicher, die Toten würde das nur wenig glücklicher machen, aber zumindest Zagreus fühlte sich wohler und er hoffte auch, dass sich die Anderen wohler fühlten.

Einige Sachen musste er noch ausbauen. Die Wichtigste davon, wurde ihm auch wieder bewusst, als er ein paar Skulpturen schubste und sich darüber amüsierte, wie sie unter seinem Schubser wackelten und leise Geräusche von sich gaben.
Ein Blick nach links reichte aus, um das wahre Ziel von ihm zu entdeckten.

Mit altbekannter stolzer Haltung, stand der Gott des Totes an seinem üblichen Ort. Der Prinz hatte diesen bereits versucht, wohnlicher zu gestalten. Dennoch würde die hübsch verzierte Bank wohl auf ewig unbenutzt bleiben und der Teppich unbeachtet. Doch der Tisch würde die Aufmerksamkeit auf sich ziehen – alles würde dort geordnet werden und der Gott des Totes konnte leichtfertig seine Arbeit erledigen.

Ausnahmsweise schrie Zagreus den Mann nicht an, dass er über alles sprach. Er sollte es demnächst wohl bereuen.

Es war jedoch nicht zu ignorieren, dass es wohl nur einen Grund für die Mühen des Prinzen gab. Sein Herz, dass stets schneller schlug, wenn er in der Nähe des Gott des Totes war und sein Verlangen danach, eben jenem all seine Liebe durch solche Taten zu zeigen.

„Jetzt übertreibe aber mal nicht!“, unterbrach Zagreus den Typen nun doch, bevor er noch anfing, anderes Zeug auszuplaudern. Nicht das es unwahr war, aber es musste dennoch nicht so lautstark verkündet werden.

„Mit wem sprichst du?“

Der Prinz hob seinen Blick, sah zu Than, der sich nur leicht in seine Richtung gedreht hatte, vermutlich um sicher zu gehen, dass Zagreus keinen Unfug anstellte, so wie es für diesen nicht ganz unüblich war.

„Ach... mit Niemandem“, winkte Zag leichtfertig ab. „Was tust du?“

„Ich warte darauf, zur Arbeit gerufen zu werden.“

Langweilig wie eh und je. Zagreus verdrehte etwas die Augen darüber, dass Thanatos so zielstrebig und vernünftig war, wie immer. Die Sorge seines Vaters, dass ihre Beziehung zu einander, schlecht auf Than abfärben könnte, war wirklich nicht zu erwarten.

„Sehe wir uns, wenn ich auf Arbeit gehe?“

Es war nach wie vor seltsam, dass er aus der Unterwelt versuchte zu fliehen und dies als Arbeit bezeichnete. Zagreus konnte sich gleichzeitig nichts Besseres vorstellen als das.

„Wenn ich Zeit habe.“

Es gab selten einen Fluchtversuch, ohne das Than Zeit hatte. Aus Liebe zu diesem, erwähnte Zag das jedoch nicht.

„Alles klar, dann... überarbeite dich nicht“, auch wenn viele Jahre seid ihrer Kindheit vergangen waren, in denen sie eine gewisse Distanz aufgebaut hatten, war das heutzutage anders. Natürlich vor allem wegen ihrer Beziehung, auch wenn sie jene nicht vor allen austrugen, wusste es dennoch Jeder. Er ließ seine Finger lediglich über die straffen, bekleideten Schulterblätter wandern, eine zaghafte Berührung, dennoch spürte er eine Regung unter ihr und sein Blick hing einen weiteren Moment an Thanatos fest.

Seine Beine trugen ihn an seinem Vater vorbei, der Geister befragte, an Nyx die eine Unterhaltung mit Dusa führte. Normalerweise würde er sich dazustellen und lauschen, aber dieses Mal hatte er den unbändigen Drang danach, an die Oberfläche zu kommen.
Zu Arbeiten.
Eventuell würde er auf Thanatos treffen.

Er verbrachte keine Minute damit, ins Gespräch mit Skelly zu kommen, ein Lächeln, ein Griff zu einer Waffe – es wurde sein Schwert – dann trat er durch das Portal, um die Flucht zu starten. Um zu seinem Vater zu kommen, aber allem voran, ein paar freie Minuten von Thanatos zu bekommen.

Doch dieses Mal sollte der Prinz enttäuscht werden. Raum um Raum, bekämpfte er allein all die Schergen, die sein Vater zur Verfügung stellte. Er durchquerte das Erebos und besuchte Chaos ganze dreimal, er sammelte Münzen, aß Granatäpfel und versuchte Charon nach wie vor, dazu zu überreden, mit den Preisen runter zu gehen – vergeblich wie eh und je. Er kämpfte sich ganz nach oben, bis zu seinem Vater, der vor seinen Augen im Styx versank.

Zagreus besah sein Schwert, an dem Blut klebte und musste an Achilles denken, an den Eintrag und an seine Worte, er könnte der Gott des Blutes sein. Deshalb zogen sich Than und er immer wieder an, sie konnten nicht ohneeinander, trotz das sie ab und an aneinander gerieten.

Seine brennenden Füßen, ließ den Schnee unter ihm schmelzen, aber beinahe genauso schnell kehrte er zurück, wenn er sie anhob. Großmutter Demeter hatte zwar mal gemeint, dass der Winter lang genug ging, aber geändert hatte sich bislang noch nichts. Zagreus würde sich nie an die kühle Luft gewöhnen können und dennoch genoss er sie zeitweise.

„Der Tod ist nah.“

Zagreus bekam eine Gänsehaut und zeitgleich schlich sich ein Lächeln auf seine Lippen. Er steckte sein Schwert in die Erde, wie Excalibur einst in einem Stein steckte.

„Ich habe dich schon vermisst“, sagte er und drehte sich zu seinem Freund um, der mit seiner Sense in der Hand dastand und sich umblickte. „Du kommst zu spät zum Showdown.“

„Ja, ich merke es“, Thanatos schien sich etwas zu entspannen. Zagreus wusste, dass sein Freund seinen Job ernst nahm und er wusste, dass sie beieinander entspannen konnten. Zeitweise, manchmal. Zagreus war ständig entspannt, aber als Prinz hatte er weniger zu befürchten. Dennoch überwand er die letzten Meter zwischen ihnen, versenkte eine Hand in Thanatos Kleidung. „Willst du nicht zu mir auf den Boden kommen?“

„Ich verzichte auf die Kälte.“

Der Tod flog immer etwas über den Boden hinweg. Zagreus empfand es immer als spannend zu sehen, wie sein Freund leichtfertig flog, im nichts verschwand und wieder an anderer Stelle erschien. Der Prinz selbst konnte das nicht so, egal wie sehr er trainierte. Nur die Gaben seiner Verwandten schafften es zeitweise, seine eigenen Gaben zu stärken.

„Du hast lange gebraucht. Ich habe auf dich gewartet. In jeder Kammer.“

„Entschuldige, es war mir nicht möglich zu erscheinen.“

Eine Hand von Thanatos bewegte sich durch die Luft hinweg, landete unerwarteterweise an Zags Hals. Er spürte die Wärme von Leben und Blut unter seinen Fingern, wie er es nur selten zu spüren bekam, weil er meist dann auftrat, wenn die Menschen schon kalt und leblos waren. Der Prinz war voller Leben, auf viele, verschiedene Weisen.

„Du hast Glück, dass ich es ohne dich geschafft habe“, der Prinz lächelte. Normalerweise verschwand Thanatos genauso schnell, wie er auftauchte. Das sie gerade einen wirklich ruhigen Moment mit einander teilen konnten, sprach einige Dinge in ihm an. Man musste es eben auch ausnutzen, wenn Thanatos nicht von der Arbeit sprach oder gleich wieder verschwand. Also zog Zagreus mehr an der Kleidung, solange bis sie einander so nahe waren, dass sie die Atmung gegenseitig spürten. „Wir verbringen immer weniger Zeit miteinander. Lass sie uns jetzt genießen.“

„Prinz... Zag...“, Thanatos schwankte zwischen distanzierter Höflichkeit und der brennenden Liebe und noch tieferen Gefühlen in seinem Inneren. Die Hand am Hals wanderte hinauf, berührten die tiefschwarzen Haare und streiften den goldenen Kranz, der darauf saß. Thanatos ließ die Sense los, zugleich verschwand sie im nichts und sobald auch seine zweite Hand den Prinzen berührten, gab es ohnehin kein Halten mehr.

In binnen weniger Sekunden, konnte keiner mehr sagen, wer anfing oder wer wann aufgehört hatte. Ihre Lippen umgarnten einander auf jede Art und Weise. Thanatos landete ungewollt nun doch auf der Erde, er spürte die Kühle an seinen Füßen, war aber viel zu sehr auf die Wärme des Prinzen fixiert und jener ließ das zu. Thanatos nahm sich selbst wieder dreimal vor, sich häufiger Zeit für den Prinzen zu nehmen, für mehr als ein kurzes Gespräch, für mehr als ein paar schnelle Küsse und Berührungen, ganz egal wie gut sie sich gerade anfühlten.

Der Prinz ließ alles unter sich schmelzen, der Schnee hatte keine Zeit mehr, aufzutauchen, trotz der Kälte um sie herum. Eine Kälte, die keiner mehr zu spüren schien. Man musste jedoch auch bedenken, dass der Prinz nicht besonders viel Zeit hatte, auch wenn die Unterwelt nahe war, würde auch das den Fluch nur etwas hinauszögern.
Nicht. Komplett. Aufhalten.
Es war ein stechendes Gefühl in der Brust, dass Zagreus daran erinnerte.

Ein Keuchen, von fehlender Luft, aber auch beginnenden Schmerzen, ließ den Prinzen sich lösen. Eine Hand sorgte vorsorglich dafür, dass Thanatos die Zentimeter nicht wieder durchbrach, sondern blieb wo er war.
Zagreus ächzte etwas, kniff die Augen zu, hielt sich trotzdem an den Tod fest, eh er wieder mit trüben Blick hinauf zu seinem Freund sah.

„Than... Bring mich... nach Hause“, forderte er ihn schließlich auf.

Niemals würde sich der Prinz an Jemanden klammern. Aber für den Tod machte er eine Ausnahme.

„Natürlich mein Prinz“, Thanatos Arme lagen fest um den hitzigen Körper. „Dein Schwert.“

„Nimm es einfach mit.“

Daran hatte der Tod schon selbst gedacht. Aber es war etwas anderes, dass ihn murren ließ.

Schnee. Auch wenn er der Tod war und als dieser nur bedingt so etwas fühlte, war Kälte intensiv.

„Es ist von Schnee bedeckt.“

Wenn Demeter nicht mehr die Stellen unter Zagreus Füße bändigen konnte, dann vergriff sie sich an andere Dinge. Das Schwert des Prinzen.

Thanatos kannte solche Szenen, er hatte in Kriegen viel zu tun. Es war ein Schwert, eine Waffe, die im Boden steckte und ihr Besitzer, war tot.

Zum Glück war der Prinz grundsätzlich unsterblich und diese Kriegswaffe, vom Schnee bedeckt, nur kurzzeitig an einem trostlosen Ort.
Der Körper, der mehr und mehr gegen ihn zusammen sackte, erinnerte ihn an alles. Prompt zog Thanatos das Schwert aus dem Boden, packte den Prinzen fester und...

...brachte ihn zurück in die Unterwelt. Zurück, nach Hause. Ohne das Prinz Zagreus aus dem Styx steigen musste, direkt in sein Gemach, wo Thanatos ihn sanft bettete und das Bild von Schnee bedeckten Kriegsgeräten aus seinem Kopf entfernte. Denn es wäre nie etwas, dass man mit dem Prinzen direkt in einen Vergleich ziehen konnte.

Thanatos wollte bei Zagreus bleiben, aber die Arbeit rief – wie eh und je. Also beließ er es bei einem sanften Kuss auf die Stirn und eine noch sanftere Berührung durch das Haar, bevor er seine Sense erscheinen ließ und verschwand.

Es würde einen besseren Zeitpunkt für sie geben.

Später.
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