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Helping Angel - Julian Brandt

Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Freundschaft / P16 / Het
Borussia Dortmund Die deutsche Nationalmannschaft
04.12.2021
05.08.2022
31
76.876
11
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05.08.2022 2.534
 
-Vier Monate später-

“Okay, dann steht für morgen soweit alles, die Einteilung ist ja klar und jeder weiß auch was er zu tun hat?” Stefan lässt seinen Blick durch seine Mannschaft schweifen und trifft damit auf einstimmiges Nicken. Wachablösungen mit Stefan sind immer eine Sache für sich, bei der er anders als sonst immer streng nach Protokoll arbeitet. Dennoch freue ich mich auch heute wieder auf den Dienst mit ihm, denn es steht eigentlich mehr Organisatorisches an als sonst. Morgen findet unser jährlicher Tag der Offenen Tür auf der Wache statt, für den es heute noch viel zu tun gibt, neben dem Abarbeiten der Einsätze natürlich.
“Gut so. Dann an die Arbeit Jungs und Anna.” Mit seinem Standardsatz entlässt er uns aus der Ablösung und die meisten machen sich erstmal auf den Weg sich den ersten Kaffee des Tages zu genehmigen.

Gerade als ich dabei bin, das Kinderprogramm vorzubereiten, gehen unsere Melder mit Vorarlarm. “Vorarlarm heißt schon wieder nicht gutes, nicht schon wieder.” schimpft Tobi neben mir, als wir im Laufschritt über den Hof zur Halle laufen. In den letzten drei Wochen hatten wir es mit drei Großbränden im Stadtgebiet zu tun, die allesamt auf einen Brandstifter hindeuten. “B4 Brand landwirtschaftliches Anwesen am Stadtrand” ist nun die Alarmierung zu hören und wenig später auch Stefans “Nicht schon wieder!”, das durch die Fahrzeughalle donnert. Ich springe in meine Stiefel, die ich in Sekundenschnelle zugezogen und mir meine Jacke übergeworfen habe. Als alle sitzen und sich der Zug in Bewegung setzt, gehen wir zusammen die ersten Schritte durch, während Tobi und ich bereits die Atemschutzausrüstung anlegen. Es ist uns mittlerweile fast schon in Fleisch und Blut übergegangen, so einprägsam waren die letzten drei Feuer, die auch noch jedes Mal in unsere Schicht gefallen sind.
Schon auf der Anfahrt kann man die riesige, dunkle Rauchwolke sehen, die ihre Schwaden bereits über den ganzen Süden der Stadt zieht. “Das kanns nicht geben, schon wieder so ein Höllenfeuer.” höre ich nun auch unseren Zugführer schimpfen. Als wir schließlich eintreffen, ist das ganze Ausmaß des Feuers erst richtig zu sehen. Der komplette landwirtschaftliche Komplex steht in Flammen und jedem von uns ist klar, dass es hier nichts mehr zu retten geben wird. Während der Einsatzleiter die Erkundung vornimmt, rüsten wir uns vollständig aus und warten auf die ersten Anweisungen, die nur noch mehr oder weniger auf kontrolliertes Abbrennen und Verhindern von Übergreifen lauten.

-
Vollkommen erledigt steige ich aus meinen Stiefeln,und lasse mich auf die schmale Holzbank fallen, unter der ich mit einem Kick meine Stiefel verschwinden lasse. Ganze 12 Stunden hat dieses Feuer uns jetzt auf Trab gehalten, die Nachbesprechung ist auch dementsprechend kurz ausgefallen. Ich entscheide mich, erstmal mein Handy zu checken. Die letzte Nachricht ist von Julian, bereits schon viel früher hat er mir auch schon eine geschrieben.

Schon wieder ein Feuer? Ist überall in den Nachrichten. Pass auf dich auf… <3    08:30
Meld dich bitte, wenn du zurück bist und obs dir gut geht.                                        14:50

Ich muss lächeln, mittlerweile unterlässt er es zumindest, mir tausend Nachrichten zu schicken, wenn ich auf Einsatz bin, da er nun langsam auch weiß, wie lang das unter Umständen dauern kann. Aber heute war wirklich die Spitze der ganzen vergangenen Monate. “Es ist schon echt irre, dass es jetzt schon das vierte Mal so brennt, falls wirklich jemand dahinter steckt hoffe ich dass sie den bald finden.” Marc lässt sich ebenfalls neben mir nieder, nachdem er sich ausgezogen hat. Ich nicke. “Schön ist was anderes. Eigentlich bin ich nur froh, dass da heute keine Tiere mehr drin waren, sonst wärs nochmal n größeres Ding geworden. Aber-” Ich werde durch das Vibrieren meines Handys unterbrochen, kurz vermute ich dass es wieder Julian ist, doch ein Blick auf das Display verrät mir, dass es Marcs Freundin Ellie ist, die mich anruft. Ich runzle verwirrt die Stirn. “Wieso ruft Ellie mich denn an?” frage ich Marc, der gerade etwas zu Trinken aus dem Schrank gegenüber holt, schaut ebenfalls fragend, während ich rangehe. “Ja hallo?” “Anna hey- ist Marc bei dir? Sein Handy ist aus” ertönt direkt Ellies Stimme, die allerdings mehr als gehetzt wirkt. “Er sitzt gerade neben mir ja, wieso?” “Kannst du ihm bitte- Gott ah fuck-” Sie bricht ab und sofort setzte ich mich auf. “Ist alles gut? Ist was passiert?” “Ich glaub unser Baby kommt-” wieder holt sie Luft und stößt ein hektisches Atmen aus. “Meine Mama fährt mich ins Krankenhaus- er soll kommen-” “Okay ja ich sags ihm, keine Sorge das kriegen wir hin.” damit endet das Gespräch und ich springe direkt auf, auch Marc kommt alarmiert zurückgelaufen. “Was ist los? Ist was passiert?” “Ich glaube du wirst heute noch Vater, Ellie hat angerufen dass sie auf dem Weg zum Krankenhaus ist.” Entgeistert schaut er mich an. “Was-? Was?? Aber wieso-” er sucht hektisch nach seinem Handy. “Der Akku ist leer, scheiße.” flucht er. “Egal, los lass uns fahren, ich fahr dich.”
“Was ist denn hier los?” Danny kommt hereingeschlurft und sieht verwirrt zwischen uns hin und her. “Marc wird Papa, wir müssen jetzt sofort los, sag Stefan Bescheid.” rufe ich nur und packe Marc am Arm, der nun mehr als durch den Wind ist. Zusammen laufen wir zu meinem Auto und fahren schnellsten Weges ins Krankenhaus.

Als wir vor dem Eingang stehen, schaut er mich mit einem Blick an, den ich noch nie bei ihm gesehen habe. “Anna ich habe Angst.” meint er dann und ich schlucke etwas. Ellie hatte nicht gerade eine einfache Schwangerschaft, auch für die Geburt stehen die Zeichen nicht gerade gut. Ich ziehe meinen besten Freund in eine feste Umarmung. “Das wird alles gut gehen, versprochen.” So oft hat er mich getröstet und bestärkt, vor allem in der Zeit als Alex ging, jetzt ist es an mit ihm dafür ein bisschen was zurückzugeben. “Ihr schafft das zusammen, da bin ich mir sicher. Und jetzt geh, sie braucht dich da drin.” Er löst sich von mir und nickt direkt. “Meld dich wenns was neues gibt, nachts ruhen wir ja schließlich nur.” meine ich mit einem Augenzwinkern, als er ausgestiegen ist. “Mach ich, danke Anna.” damit ist er auch schon hinter den großen Türen des Krankenhauseingangs verschwunden. Eine Weile sehe ich ihm nach und muss einmal mehr an Alex denken, als er diesen Weg gehen musste, um zu erfahren, dass sein Kind nicht mehr am Leben ist. Und dennoch freue ich mich so sehr für die beiden, noch mehr dass ich mein Patenkind bald kennenlernen darf. An meinem Geburtstag haben mich die beiden damit überrascht, dass sie gerne mich als Patin für die Kleine hätten. Natürlich gab es da nichts zu überlegen und der Gedanke daran macht mich schon jetzt unfassbar glücklich.

Ein Vibrieren reißt mich wieder aus meinen Gedanken, doch dieses Mal ist es tatsächlich Julian.
“Ist alles gut bei dir?” höre ich noch bevor ich irgendwas sagen kann. Ich stoße ein leises Lachen aus. “Ja, mir gehts gut, Julian. Sorry, dass ich mich nicht gleich gemeldet hab, aber ich musste Marc noch ins Krankenhaus zu Ellie fahren.” “Wieso ist was passiert?” “Wahrscheinlich kommt das Baby heute noch zur Welt, heute ist ziemlich was los.” “Okay krass. Ging denn im Einsatz alles gut?” “Dieses Mal tatsächlich schon, hoffentlich bleibt die Nacht ruhig. Was treibst du noch so?” frage ich ihn dann, während ich mich etwas im Autositz zurücklehne. “Nichts besonderes, hab eben noch gegessen und denk ich geh auch bald schlafen, die Therapie heute war wieder scheiß anstrengend.” man hört aus seiner Stimme, dass er ziemlich k.o. ist. “Okay, mach das. Ich schau, dass ich morgen früh pünktlich rauskomm, dann sehen wir uns noch.” “Ich freu mich. Pass auf dich auf und bis morgen.” Ich kann förmlich hören, wie er am anderen Ende der Leitung lächelt.

Als ich mich wieder auf den Rückweg zur Wache mache, lasse ich etwas meine Gedanken schweifen. Die letzten Monate sind unglaublich schnell vergangen, was nicht zuletzt an meiner Zeit mit Julian liegt. Nachdem wir uns an Weihnachten endlich ausgesprochen hatten, haben wir es tatsächlich erstmal langsam angehen lassen und uns erstmal auf eine Dating-Phase eingelassen. Wir waren oft Essen, nach meinen Diensten Kaffee trinken oder auch einfach mal nur spazieren. Ganz einfach war es nicht, da mein Schichtdienst sich meistens mit seinen Therapien überschnitten hat, so wie es jetzt auch noch oft ist. Nichtsdestotrotz haben wir genau das gebraucht um uns richtig kennen zu lernen. Einfach mal über Gott und die Welt reden und sich wie Teenager bis spät in die Nacht zu schreiben oder zu telefonieren. Ich hätte vorher von mir selbst nicht erwartet, dass ich mich so schnell darauf einlassen kann und dass ich so schnell das Gefühl habe, dass alles perfekt ist. Es hat sich wieder nach Verliebtsein angefühlt, wieder so wie früher. Natürlich haben wir beide unsere Vorgeschichte dabei nie vergessen, doch jeder hat dem anderen seine zweite Chance gegeben und die haben wir mehr als ausgenutzt. Kein einziges Mal hat es sich falsch angefühlt, aber dennoch habe ich ihn wissen lassen, dass ich vor allem am Anfang die Sache mit Alex wahrscheinlich nie ganz loslassen werden kann. Und er hat es akzeptiert, so wie ich seine Fehler und seine Unsicherheiten akzeptiert habe. Nach wie vor ist es nicht einfach für ihn zu wissen in welche Gefahren ich mich manchmal begebe, vor allem jetzt wo jede Woche ein anderes großes Feuer ausbricht.
Was mir bei allem am wichtigsten war ist, dass niemand das mit uns an die Öffentlichkeit trägt. Jetzt wo Julian gewissermaßen “auf Eis gelegt” ist, ist das mediale Interesse an ihm ohnehin nicht sehr groß, dennoch habe ich keine Lust darauf, dass unsere Beziehung große Wellen schlägt. Sicher haben uns einige Leute schon gesehen, aber das hat jetzt nicht wirklich einen großen Aufschrei bewirkt, und ich hoffe auch, dass das so bleibt. Ich habe keine große Lust darauf, von irgendwelchen Teenies belagert zu werden oder mich ständig verfolgt zu fühlen. Gerade jetzt dann, wenn Julian wieder offiziell als Spieler vorgestellt wird, kann das durchaus zur Realität werden.

-
Die Nacht war Gott sei Dank relativ ruhig verlaufen, nur ein kleiner Verkehrsunfall und ein harmloser Gasgeruch haben uns aus unserer Ruhephase geholt.

Nachdem sich Stefan heute mit der Wachablösung zur Abwechslung mal beeilt hat, sitze ich schon kurz nach acht in meinem Auto auf dem Weg nach Hause. Unter der Woche schlafe ich meistens bei Julian, da seine Wohnung nicht weit von der Wache entfernt liegt und wir uns so zumindest morgens nach den 24-Stunden Diensten noch ein bisschen sehen können. Gerade bin ich ziemlich froh darüber, dass nächste Woche wieder Schichtwechsel ist und ich jetzt erstmal ein paar Tage frei habe. Die letzten Schichten mit den Großbränden haben mir viel Kraft und auch Konzentration abverlangt.

Bereits als ich die Tür aufschließe, schon bald habe ich von Julian einen Schlüssel für seine Wohnung bekommen da es das oft leichter macht, kommt mir der Geruch von frischem Kaffee und Frühstück entgegen. Genau das, was ich gerade gebrauchen kann. Direkt höre ich auch das Tapsen von Hundepfoten auf dem Parkettboden und schon kommt Nala um die Ecke gelaufen. Ich schlüpfe schnell aus meinen Schuhen und begebe mich dann in die Hocke um sie erstmal zu knuddeln. “Ist da wieder jemand auf Besuch?” meine ich, als ich mit ihr zu Julian in die Küche gehe.  “Muss mir ja die Zeit vertreiben, wenn meine Freundin ständig Menschen retten muss.” schmunzelnd dreht sich der Blonde um und kommt nun ebenfalls auf mich zu. “Hey, schön dass du wieder da bist.” er lächelt sanft und zieht mich dann in einen ebenso sanften Kuss, während seine rechte Hand wie immer auf meiner Hüfte ruht. “Ich hab schon Frühstück gemacht und ganz wichtig natürlich Kaffee für meine kleine Nachteule.” “Heute diesmal zumindest nur zwei kleine Sachen, also schlafen war dann doch ein bisschen drin.” antworte ich, während ich meine benutzten Boxen und meine Wasserflasche in die Spülmaschine räume. “Na immerhin.” Er stellt die letzten Sachen auf dem Esstisch ab und kommt dann wieder um die Kücheninsel herum. Erst seit knapp zwei Monaten kann er mehr oder weniger ohne Gehhilfen gehen, aber Dinge wie Auto oder Radfahren sind noch weit entfernt, da er immer noch Koordinations-und Gleichgewichtsprobleme hat. Nicht zu reden von Fußball spielen, das für ihn selbst noch in gefühlt unerreichbarer Ferne liegt.  Dennoch bin ich sehr stolz auf ihn, dass er sich weiterhin so hart durchbeißt.
“Ich geh nur eben schnell duschen und mich umziehen, dann können wir essen.” Ich drücke ihm noch einen Kuss auf die Wange und verlasse die Küche in Richtung Badezimmer.

Mein Handy das auf dem Esstisch liegt, leuchtet ein paar Mal auf, als ich mit nassen Haaren und bequemen Klamotten zurückkomme. Ich greife sofort danach und sehe, dass es drei Nachrichten von Marc sind.

Hey Tanti Anna, rate wer da ist.
Wir sind überglücklich, Malia Anna ist endlich bei uns! Seit 06:32 ist unsere kleine Familie komplett <3

Sofort steigen mir die Tränen in die Augen, als ich das Foto der drei sehe, die Kleine in Ellies Armen und ein Marc der beide überglücklich strahlend in seinem Arm hält.
“Was ist denn jetzt los?” Julians verwirrte Stimme holt mich zurück und ich halte ihm lächelnd das Handy hin. “Gott, wie süß. Wie sie beide strahlen.” Ich nicke direkt und wische mir die Tränen aus dem Gesicht. “Sie hatten so ne schwere Zeit, ich bin so froh dass alles gut gegangen ist.” meine ich, während ich mich an den gedeckten Tisch setze. Julian mustert mich schmunzelnd. “Manchmal bin ich immer noch überrascht, dass du doch so ein Softie sein kannst.” “Hör auf dich über mich lustig zu machen.” schimpfe ich lachend und boxe gegen seinen Oberarm. “Sonst finden wir gleich raus wer hier der Softie ist.” Er hebt abwehrend die Hände. “Schon gut, schon gut verprügel mich nicht. Trink lieber deinen Kaffee bevor er kalt ist.”
Wir frühstücken zusammen, bis langsam die Müdigkeit in meinen Körper kriecht. Auch Julians Blick wandert zur Uhr. “Jetzt muss ich aber echt los, sonst krieg ich wieder Anschiss von Max.” schnell schiebt er sich noch die restliche Banane in den Mund und steht dann auf.

Dann beugt er sich zu mir herunter und drückt mir einen liebevollen Kuss auf. “Machs gut, kleine Feuerwehrfrau. Bis nachher.” “Bis nachher, und mach ja fleißig mit.” “Ay ay.” Damit ist er auch schon im Flur verschwunden und wenig später auch aus der Haustür.

Als ich fertig gegessen habe, räume ich noch alles auf und verschwinde dann relativ schnell im Schlafzimmer, um zumindest noch ein paar Stunden abzubekommen. Doch recht loslassen wollen mich meine Gedanken wie immer nicht, denn das Einsatzgeschehen der letzten Wochen lässt mich immer noch nicht los. Ist da wirklich jemand draußen, der uns was Böses will?


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Hallöchen!
Nach einer seeehr langen Pause melde ich mich mal wieder zurück.
Die letzten Wochen musste ich leider etwas pausieren, da mir ziemlich die Luft ausgegangen ist und ich mir dringend mal ne Auszeit gönnen musste.
Jetzt frisch gebräunt zurück aus dem Urlaub gehts weiter mit Anna und Julian!
Ich hoffe es gefällt euch und natürlich freue ich mich wie immer über Rückmeldungen.

xx
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