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Rudolph mit der roten Nase

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie / P6 / Gen
03.12.2021
03.12.2021
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1.907
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03.12.2021 1.907
 
Hallo ihr Lieben,

nach meinem „Abenteuer im Märchenwald“
kommt hier nun eine zweite kleine märchenhafte Geschichte für Kinder ab 5 Jahren.
Inspiriert dazu hat mich vor allem Nesaja mit ihrer schönen Geschichte
Eine Stunde in der Waldschule.

Erzählt wird von Rudolph, dem Rentier, dessen leuchtende Nase dem Weihnachtsmann alle Jahre wieder an Weihnachten
den Weg in die Kinderzimmer zeigt, um den Kindern schöne Geschenke zu bringen.
Was passiert jedoch, wenn…

Aber lest selber!

Viel Spaß und einen schönen zweiten Advent wünscht euch
eure Jeany


*****
***
*


RUDOLPH MIT DER ROTEN NASE




Kennt ihr die Geschichte von Rudolph, dem Rentier mit der roten Nase?

Er war das einzige Rentier im Märchenwald, dessen Nase so hell leuchtete wie eine Taschenlampe.
Zuerst war Rudolph darüber sehr unglücklich, denn die anderen Rentiere ärgerten ihn wegen seiner Nase.
„Rotbirne“, „Leuchtrakete“, „Waldlaterne“ oder „Feuergurke“ waren noch die harmlosesten Begriffe, die sich das arme Rentier von seinesgleichen anhören musste.

Doch dann, irgendwann kurz vor dem Weihnachtsfest, geschah das große Wunder.
Der Weihnachtsmann suchte ein Rentier für seinen fliegenden Geschenkeschlitten, und er wählte Rudolph, dessen leuchtende Nase ihm wie ein Scheinwerfer den sicheren Weg durch die Dunkelheit zeigte.
Von da an änderte sich Rudolphs Leben schlagartig.
Aus dem verspotteten Rentier wurde über Nacht der Anführer der Schlitten-Rentiertruppe des Weihnachtsmannes. Alle hatten plötzlich einen Riesenrespekt vor ihm und behandelten ihn mit der größten Hochachtung.

Das blieb so… bis heute.

Rudolph war mit dem Weihnachtsschlitten die ganze Nacht unterwegs gewesen und hatte sich erst in der frühen Morgendämmerung erschöpft und müde ins Stroh seines Stalles zum Schlafen gelegt.
Als er sich nun am darauffolgenden Abend für die nächste Schlittenrunde bereitmachen wollte, bemerkte er etwas, dass ihm einen gewaltigen Schrecken in alle Glieder fahren ließ:

Seine Nase glühte und leuchtete nicht mehr!

Erschrocken schüttelte er den Kopf, wackelte mit den Ohren, zog eine Grimasse und zeigte die Zähne, doch nichts half. Die berühmteste Leuchtnase des Märchenwaldes sah plötzlich furchtbar normal aus und zeigte nicht den geringsten Lichtschein.

Was war passiert?

„Alter, hast du einen Kurzschluss in der Birne?“, erkundigte sich sein Freund Erwin, der Esel, als Rudolph zutiefst beunruhigt aus dem Stall trat.
Das hörte Willi, das Warzenschwein, das sich gerade genüsslich im Schlamm suhlte. Sofort hielt Willi inne und betrachtete das Rentier interessiert.
„He Rudi, hast wohl die letzte Stromrechnung nicht bezahlt?“, scherzte er, grunzte unverschämt und wühlte dann weiter im Dreck.
Rudolph fand das gar nicht lustig. Mit hängendem Kopf trabte er zum Seeufer, um sein Spiegelbild im Wasser zu betrachten. Er konnte gar nicht glauben, was ihm gerade hier geschah. Seine Nase hatte doch immer geleuchtet! Immer!!!

„Rudi, meine Güte, ist dir die Laterne aus dem Gesicht gefallen?“, rief Bertold, der Biber, und ließ vor Schreck den dicken Ast fallen, den er soeben durchnagen wollte, um für sich und seine Kinder ein neues Floß zu bauen.
„Keine Ahnung“, erwiderte Rudolph kopfschüttelnd. „Ich bin aufgewacht, und seitdem leuchtet sie nicht mehr.“
„Vielleicht ist die Batterie alle?“, vermutete Bernhard.
„Welche Batterie? Meine Nase glüht doch von alleine!“
„Jetzt jedenfalls nicht mehr“, stellte der Biber fest und nagte weiter an seinem Holz.
Traurig machte Rudolph kehrt und ging den Weg zurück.

„W-wieso ist d-dein Sch…scheinwerfer aus? Sparst d-du Strom?“, fragte Romy, das zarte Rehlein, das immer etwas stotterte, wenn es aufgeregt war. Zögernd trat es aus dem Dickicht des Waldes und beäugte Rudolph misstrauisch.
„Nein... also… ich… Ach, vergiss es.“ Verdrossen lief das Rentier weiter. Heute war nicht sein Tag.
Definitiv nicht.

„Mensch Rudi, schalt die Glühbirne ein! Blindflug ist gefährlich!“, warnte Freddy, der Fuchs und fügte grinsend hinzu: „Aber keine Sorge, in einer Stunde geht der Vollmond auf, dann siehst du wieder, wo du hinläufst.“
Ohne zu antworten trottete Rudolph mit hängendem Kopf weiter. Er wollte nichts mehr hören. Keine lästigen Fragen und erst recht keine dummen Sprüche. Das hatte er doch alles schon einmal durchgemacht und wollte es kein zweites Mal erleben.

Die Tiere waren ihm jedoch gefolgt, denn sie hätten ihm gern geholfen. Doch sie wussten nicht so recht, wie sie das anstellen sollten.

„Vielleicht hat der Müller das Kabel durchgebissen“, mutmaßte der Fuchs ärgerlich und blickte sich suchend um.
„Der Müller war`s, der Müller war`s!“, tschilpte Spezi, der freche Spatz sogleich von seinem sicheren Ast herunter.
„Nee, nee, das war ich nicht, ich schwör`s!“, beteuerte Müller, der Marter, eilig und schüttelte sich bei der Vorstellung. „Ich würde doch nie an Rudis Nase knabbern!“

„Und was machen wir nun?“ Ratlos blickte Erwin, der Esel, in die Runde.

„Die Glühwürmchen-Armee muss her!“, schlug Freddy, der Fuchs, schließlich vor. „Sie könnten sich alle auf Rudis Geweih setzen und leuchten.“
Erwin schnaufte skeptisch.
„Bei der Geschwindigkeit, die Rudi fliegt, wird sich aber kein Glühwürmchen auf dem glatten Geweih halten können“, gab er zu bedenken.
„Dann muss er eben langsamer fliegen“, beharrte Freddy.
„Kommt gar nicht in Frage“, widersprach Rudolph entschieden. „Da komme ich zu spät zu den Kindern!“

„U-und w-wenn wir ihm eine Ta-ta-taschenlampe um d-den Hals hängen?“, schlug Romy, das Rehlein aufgeregt vor.
„Das könnte funktionieren“, willigte Erwin, der Esel, ein.

Gesagt, getan.
Die Tiere organisierten eine Taschenlampe und hingen sie Rudolph an einer Schnur wie eine Kette um den Hals.
Hoffnungsvoll nahm das Rentier Anlauf und erhob sich zum Probeflug in die Lüfte.
Kurz darauf krachte es gewaltig, und die dicke Fichte unweit der Lichtung erzitterte. Sekunden später landete ein völlig benommener Rudi auf dem Waldboden, alle Viere von sich gestreckt und über und über mit Tannennadeln bedeckt.

„Oh oh…“, ließen sich die Tiere vernehmen, die das Ganze erschrocken beobachtet hatten.
„H-hast du dir w-wehgetan?“, fragte Romy, das Rehlein, besorgt.
Rudolph schluckte schwer und schüttelte den Kopf.
„Na wenigstens ist er noch im Stück“, stellte Müller, der Marter, fest, nachdem er das Rentier mit fachkundigem Blick einmal schnell umrundet hatte. „Der wird wieder.“

„Was war denn das? So eine bodenlose Frechheit mitten in der Nacht!“, schimpfte eine helle Stimme aus dem Baum. Kurz darauf erschien Elli, das Eichhörnchen, auf dem untersten Ast, die Vorderpfoten empört in die Seiten gestützt. „Da wäre eben fast ein Rentier in meinem Nest gelandet! Seit wann können Rentiere fliegen?“ Dann erblickte Elli Rudolph, der noch immer wie ein begossener Pudel mit der vor sich hin schaukelnde Taschenlampe auf dem Waldboden saß. „Oh, Rudi, warst du das? Was ist denn mit deiner Nase passiert? Trägst du sie jetzt um den Hals?“

Das war zu viel für das arme Leittier des Weihnachtsmannes. Aufschluchzend rappelte Rudolph sich auf, schlenkerte die Lampe, die durch ihre Schaukelei seinen Flug fehlgeleitet hatte, wütend beiseite und trabte, ohne sich noch einmal umzusehen, zurück in seinen Stall.

„Ich könnte ja mal auf seinen Kopf klopfen“, schlug Spanner, der Specht, vor und hackte wie zur Demonstration mit seinem spitzen Schnabel an den Stamm des Eichbaumes, auf dem er saß. „Wer weiß, vielleicht ist es ja nur ein Wackelkontakt.“
„Lieber nicht“, erwiderte Erwin, der Esel. „Ich glaube, dem Rudi brummt ohnehin schon der Schädel nach der harten Landung eben.“
Auch die anderen Tiere sahen ziemlich ratlos aus. Sie wussten keinen Rat, wie sie dem armen Rentier noch helfen sollten.
„Gehen wir erst einmal schlafen und warten, bis es wieder hell wird“, schlug Bernhard, der Biber, schließlich vor. „Vielleicht weiß ja der Weihnachtsmann, was zu tun ist.“

Rudolph legte sich indessen ins weiche Stroh in seinem Stall und starrte traurig ins Dunkel.
Eines war klar: Ohne das Licht seiner Nase konnte er nicht fliegen.
Und wenn er den Schlitten mit dem Weihnachtsmann nicht fliegen konnte, dann würde es in diesem Jahr sicher keine Geschenke für die Kinder geben.
Vielleicht würde es dann nie wieder Geschenke für die Kinder geben! Schließlich konnte der Weihnachtsmann die Pakete ja nicht alle selber tragen!

Bei dem Gedanken wurde es Rudolph schwer ums Herz. Dicke Tränen rollten aus seinen gütigen braunen Augen und tropften auf die Nase, die einfach nicht mehr leuchten wollte.

„He, du große, dicke Heulsuse!“, piepste plötzlich ein zartes Stimmchen aus dem Stroh.
Erstaunt sah Rudolph auf, konnte jedoch nichts entdecken. Da war nur ein Rascheln, dann war es wieder still.

„Nun hilf mir doch mal!“, ließ sich wieder das Stimmchen vernehmen. „Sitz nicht tatenlos herum. Heulen kannst du später!“

„Wer ist denn da?“, fragte Rudolph schniefend.

„Na wer schon! Ich bin es, deine Freundin Mali, die Maus!“
„Mali?“ Rudolph starrte erstaunt in die Richtung, aus der das Stimmchen kam. „Wieso schläfst du denn nicht, um diese Zeit?“
„Ts, ts, ts! Wie kann ich denn schlafen, wenn du heulst wie ein Wolf und schniefst wie ein Walross?“
„`Tschuldigung, Mali.“ Schuldbewusst senkte Rudolph den Kopf. „Ich bin so traurig, weil meine Nase nicht mehr leuchtet.“
„Schon bemerkt“, erwiderte die Maus. „Hier ist es dunkel wie noch nie. Aber das werden wir gleich ändern.“
„Was hast du vor?“
„Ich schenkte dir etwas aus meiner Vorratskammer.“
„Aus deiner… Aber ich fress doch keine Körner!“
„Du sollst auch nichts fressen, du musst nur mal deinen Kopf senken und dann stillhalten.“
Mali zog mit aller Kraft eine vertrocknete Grasrispe hervor und wartete, bis Rudolph seinen riesigen Kopf zu ihr herabsenkte. Dann hob sie die Rispe und kitzelte ihn damit an der Nase.

„Was soll denn da…da… ha… haa…haaa…“

Mali brachte sich blitzschnell in Sicherheit, als Rudolph auch schon so gewaltig nieste, dass die Stallwände erzitterten und Suki, die dicke Spinne, vor Schreck aus ihrem Netz purzelte.

HAAAATSCHIIIIIIII !

„Sehr zum Wohle!“, ließ sich Mali aus ihrem Versteck vernehmen und plötzlich wurde es taghell im Stall.
Die Rentier-Nase leuchtete und glühte wieder, heller als je zuvor!

Rudolph sah sich zunächst ungläubig um, doch dann begannen seine Augen vor Freude zu glänzen, als hätte ihm jemand gerade eben ein zweites Leben geschenkt.
„Sie leuchtet wieder!“, brachte er fast ehrfürchtig hervor.

Das Mäuschen trat grinsend näher und wedelte wie selbstverständlich mit der Grasrispe.
„Na also, das hätten wir“, meinte es zufrieden. „Da war wohl nur`ne Leitung verstopft!“

„Mali, liebe Mali, wie kann ich dir denn bloß danken?“, fragte Rudolph mit vor lauter Rührung feuchten Augen.
„Schenk mir doch bitte zu Weihnachten eine neue Rispe“, erwiderte die Maus. „Die hier mag ich nicht mehr fressen, nachdem ich dich damit an der Nase gekrabbelt habe.“
„Gern, liebe Freundin“, versprach Rudolph überglücklich. „Ich werde daran denken.“

Dann trat er hinaus in den Märchenwald, gerade zur richtigen Zeit, denn der Weihnachtsmann machte sich soeben daran, den Schlitten neu zu beladen.
„Da bist du ja, treuer Gefährte.“, brummte der Alte zufrieden und klopfte Rudolph liebevoll den Hals. Als sein Blick auf die Nase des Rentiers fiel, stutzte er. „Kann es sein, dass sie heute heller leuchtet als sonst?“
„Na ja“ Rudolph nickte grinsend. „Ich hatte immerhin einen Tag lang Zeit die Batterien aufzuladen.“
„Gut so, Rudi.“ Zufrieden packte der Weihnachtsmann das letzte Geschenk auf den Schlitten und schnallte alles sorgsam fest. „Wir haben viel zu tun. Da brauchen wir deine Laterne, damit wir nicht vom Weg abkommen.“
„Geht klar, Chef!“, sagte Rudolph und scharrte ungeduldig mit den Hufen. „Von mir aus kann es losgehen! Aber auf dem Rückweg müssen wir unbedingt eine Grasrispe von der Märchenwaldwiese mitnehmen.“
„Eine Grasrispe?“ Erstaunt blickte ihn der Weihnachtsmann an. „Schmeckt dir dein Hafer nicht mehr?“
„Doch, der ist hervorragend. Die Rispe ist mein Weihnachtsgeschenk für eine gute Freundin. Sie hat in diesem Jahr das Weihnachtsfest gerettet.“


Rudolph the red nosed reindeer
©JeanyEvans 2021


Vielen Dank für all die Likes, für die Reviews, die Sternchen und vor allem auch für die Buchrücken, die ihr mir und meiner Geschichte gewidmet habt. Rudi und ich fühlen uns sehr geehrt!
 
 
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