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new Horizons (2)

von JaneS
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P18 / Gen
Chris Fehn Corey Taylor Craig Jones Joey Jordison OC (Own Character) Sid Wilson
02.12.2021
27.01.2022
55
308.070
2
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14.01.2022 4.954
 
Gina versteht endlich



Seiner Tochter langsam folgend blieb er schließlich in der Flügeltür seines Schlafzimmers stehen, denn Ben und Jules sowie Colbey standen hier auf der Terrasse und rauchten wie abgemacht eine Zigarette, alle Drei sahen sie zu Gina, die nun in der Mitte stand und sich unwirsch die Wangen mit einer Hand trocknete. „Ist das alles wahr, Ben?“, fragte sie und klang ganz gebrochen, Ben nickte einfach ohne nachzufragen und seufzte dann schwer. „Papa sagt, dass sie von ihrem Onkel missbraucht wurde, der eigentlich nur ein Freund ihres Vaters war. So wie du ein Freund meines Vaters bist, mein Onkel.“, sagte Gina erneut und auch darüber nickte Ben stumm. „Papa sagt, dass sie schwanger von dir war, ist das auch wahr?“, fragte seine Tochter und da bröckelte ihre Stimme leicht, sie war regelrecht erschrocken über die Wahrheit, die Diego dank Amelia immer von Gina fern gehalten hatte. „Das war sie. Sie hat mich missbraucht für ihre Gier, nur um ihre Lust zu stillen. Ich hab mich dagegen gewehrt und ihr immer wieder gesagt, dass wir uns so nahe stehen wie Geschwister. Ich hab ihr immer wieder gesagt, dass sie aufhören und mich in Ruhe lassen soll, Gina. Und dann kam sie mit diesem Kind um die Ecke und das warf mich zu Boden. Noch heute trauere ich um dieses Kind, sie hat das einfach hinter sich gelassen und nie wieder davon gesprochen oder Traurigkeit über diesen so großen Verlust gezeigt. Ich hingegen war frisch mit Liana verheiratet, war gerade Papa von Max und Emma geworden, als sie mir das um die Ohren knallte und mir sagte, dass sie mich hasst. Sie lief weg und ließ mich in meinem Schmerz ganz allein. Ich war so gebrochen von ihr, so verletzt, dass ich drauf und dran war ihr nachzugeben und sie gewinnen zu lassen. Ich hätte mich ihr ergeben, wenn Liana nicht so stark an meiner Seite gestanden hätte. Egal was dein Papa dir noch erzählt hat über Amelia und ihr Verhalten, alles davon darfst du zu hundert Prozent glauben.“, erklärte Ben ruhig und nun sah Gina über ihre Schulter zu ihm hin, ehe sie ein „Großer Gott.“, aus seufzte. „Papa sagte, dass er ebenso krank ist wegen … den Dingen, die er in seinem Leben erlebt hat und dass sie ihm weh getan hat, ihn schlug und ihm… sie wollte uns wegnehmen und ihn damit ruinieren, weil wir seine Schwachstelle sind. Hat sie… hat sie wirklich versucht ihm so zu schaden?“, fragte Gina nach und sah dabei nochmal zu ihm hin, Ben nickte und auch Jules summte darüber zustimmend vor sich hin. „Das hat sie. Möchtegern-Mexikaner hat sie ihn genannt, Gina. Dreck und mieser Scheißkerl hat sie ihn genannt und ihm Vergewaltigung unterstellt. Vor Gericht bei einer Scheidung hätte ihn das komplett ruiniert, unter den Anschuldigungen wäre er vermutlich ins Gefängnis gegangen und das unschuldig, weil er nicht hätte beweisen können, das ihre intime Beziehung einvernehmlicher Natur war. So redet man nicht mit dem Menschen, den man von Herzen liebt und so geht man auch nicht mit diesem Menschen um. Und sie hat noch ganz andere Dinge gesagt und getan, die deinen Papa sehr tief verletzt haben, er hat das aus Liebe zu ihr nur nicht realisiert. Wäre sie nicht gestorben, sie hätte ihre Spielchen weiter gespielt und ich weiß nicht, ob dein Papa in der Lage gewesen wäre ihrem Druck Stand zu halten. Ich war es damals nicht und hätte um ein Haar nachgegeben, ich hätte alles verloren, was ich liebe. Liana, meine Kinder, meine Heimat und mein eigenes Leben. Weil ich aber nicht nachgab und stur ihrem Trotz auswich hat sie sich ein neues Opfer gesucht. Sie hat ihm deine Geschwister geschenkt und das gleichzeitig als Druckmittel gegen ihn verwendet und es gibt im Leben nichts Schlimmeres als das. Als Liana sich von mir trennte wollte sie für kurze Zeit aus Wut und Sturheit die Kinder zu sich nehmen, das hätte ich nicht überlebt und das sage ich dir ganz ehrlich. Ich hätte mich umgebracht, hätte sie mir die Kinder genommen. Meine Kinder sind alles für mich, Gina. So seid ihr alles für ihn. Amelia mag eine gute Mutter gewesen sein und sie mag euch über alles geliebt haben, aber ihre Liebe war Gift.“, antwortete Ben und das spiegelte sich mit dem, was Diego gerade vorhin erzählt hatte, weswegen Gina ihre Krücke losließ und das Ding scheppernd zu Boden fiel. „Sie sagte mir, dass ich niemals einen Menschen über mein Herz bestimmen lassen soll. Nur ich allein bestimme die Regeln und ich muss mir nehmen, was ich haben möchte, weil mir niemand etwas schenkt. Sie sagte mir, dass ich eine gute Tochter sei und das niemals vergessen soll, kein Mann darf Macht über mich haben. Nicht über mein Leben, nicht über mein Geld und auch nicht über meine Gedanken oder meine Gefühle. Und ich fühle mich so hilflos im Moment, weil ich das nicht stoppen konnte. Es ist einfach passiert und als ich merkte, dass das Macht über meine Gefühle, meine Gedanken und mein Herz hat hab ich geglaubt, ich müsste es so machen, wie sie es sagte. Nimm dir, was du greifen kannst, Gina. Nimm es dir einfach, es wird dir gehören und du allein darfst dann stolz auf dich sein, weil du es geschafft hast und dich niemand unterwerfen kann.“, murmelte Gina und schluchzte auf, Cobe hob die Augenbrauen und Ben seufzte nur wieder schwer. „Was ein Bullshit ist das denn bitte?“, fragte Jules rein und griff nach Gina, da sie ohne ihre Krücke einen Schritt machte und sich von Ben jedoch einfangen ließ, er umarmte seine Tochter liebevoll und gab ihr den Halt, den sie nun auch brauchte. „Es tut mir so leid, Ben. Es tut mir leid, verzeih mir bitte.“, schluchzte sie ganz gebrochen klingend und weinte so richtig an dessen Schulter, derweil Diego nach ihr griff und brummte. „Dafür, allein dafür könnte ich sie…“, murrte er und streichelte Ginas Rücken, Ben nickte und küsste Ginas Scheitel genau so, wie er das vorhin auch getan hatte, väterlich und voller Liebe, da war das gute Herz in diesem Kerl. „Es ist okay, kleine Ballerina. Ich weiß, was sie dir ins Ohr geflüstert hat und ich weiß, was sie dir damit sagen wollte. Sie wollte dich nur schützen vor den Dingen, die sie selbst erlitten hat in ihrem Leben. Aber so zu denken und so zu sein ist falsch, sich so zu benehmen tut anderen Menschen einfach nur weh und kann sie in den Ruin treiben. Sieh mich mal an, ich nenne dir ein kleines Beispiel dafür, ja? Als du ihr sagen wolltest, dass du dich unglücklich in mich verliebt hast ist sie sofort davon ausgegangen, dass ich dich angefasst hab. Sie hat mich dafür geohrfeigt und wollte dich nur schützen. Amelia war krank, Gina, krank im Sinne von verhaltensgestört. Wir alle sind das, wir alle sind Opfer von Missbrauch geworden und wir alle haben so unsere Eigenarten, um damit umzugehen. Amelias Verhalten war reiner Selbstschutz, du bist doch nicht sie. Du bist ein wunderbarer Mensch und eine verdammt gute Tänzerin, du hast ein gutes Herz und du hast diese Reinheit hier drinnen, bewahre dir das. Und wenn du dich irgendwann noch einmal verliebst und diese Gefühle dann erwidert werden, dann hat das Macht über dich. Du wirst fröhlich sein, lachen, glücklich an diese Person denken und den Wunsch haben, jede freie Sekunde mit diesem Menschen zusammen sein zu können. Dein Denken, dein Fühlen, dein Herz wird davon bestimmt und nun sieh mal zu Jules. Sie hat Macht über mich, weil ich mich total in sie verliebt hab. Ich habe Macht über sie, weil sie sich in mich verliebt hat und keiner von uns käme jemals auf die Idee, diese Macht zu missbrauchen und dem Anderen damit zu schaden. Jules würde mir niemals so weh tun, wie Amelia das getan hat. Und ich würde ihr niemals so weh tun, wie Amelia deinem Papa weh getan hat. Liebe macht manchmal blind, dumm und taub für die warnenden Stimmen aus dem Off. Das ist okay, wir alle sind schon da durch gegangen und wir alle lernen aus unseren Fehlern. Du lernst das auch noch.“, sagte Ben ruhig und tröstete Gina damit ein wenig, Diego hingegen nahm die Zigarette entgegen und spürte da eine heiße Flamme aus Zorn in sich aufsteigen, wie hatte Amy denn Gina nur so einen Quatsch eintrichtern können? „Das hast du schön gesagt, Liebling.“, meinte Jules und gab ihm Feuer, Cobe nickte nur und war stumm wie eh und je. „Ich habe Macht über dich, weil du dich verliebt hast. Nie im Leben würde ich meine Position dir gegenüber so ausnutzen, niemals würde ich zulassen, dass du noch größeren Schmerz erfährst und anfängst dich so zu verteidigen, wie sie das getan hat. Du bist nicht Amelia, Gina. Du musst nicht so sein und ich bin immer für dich da. Auch in deiner Traurigkeit und auch in den Momenten, wo du glaubst du wärst ganz allein auf dieser weiten Welt. Das bist du nicht, hörst du?“, sagte Ben aber noch und drehte seine Tochter zu ihm hin, sodass Diego nach ihr griff und sie umarmte. „Niemals bist du allein, ich hab dich weinend im Dreck sitzend gefunden, vier lange Jahre hab ich dich davor jeden Morgen auf dem Weg zur Schule beobachtet und auf dich aufgepasst, ich lass dich nicht mehr los. Du bist mein Kind und ich werde immer da sein, wenn du mich suchst. Hier, deine Krücke, halte dich kurz fest.“, sagte er dazu und gab Gina die Krücke zurück, an die sie sich klammerte und seine Hand daran fest hielt. „Warum hast du mir nie die Wahrheit gesagt?“, fragte sie und sah ihn nun an, voller Traurigkeit. „Weil sie das nicht wollte. Sie ist zu jung, zu unschuldig, Diego. Solche Dinge sind nichts für die Ohren eines Kindes, untersteh dich und sprich mit ihr über unser Leben. Lass sie träumen, lass sie fliegen wie einen Schmetterling und sei ihr gefälligst ein guter Vater. Sei kein Vater, der über Missbrauch und so einen Quatsch redet! Wenn du ihr irgendwas davon sagst, dann lernst du mich kennen, das waren ihre Worte. Ich hab mich dem gefügt und blieb still, was ein großer Fehler war. Sie hat dich in ihrem Nebel gezogen, so wie sie mich umhüllt hat. Es tut mir leid, mi Estrella.“, antwortete er und
strich ihr von der Wange in die Haare hinein, weil sie nun endlich verstand, dass das Leben rau und hart sein konnte und das nicht jeder geliebte Mensch ein Herz aus Gold in der Brust trug. „Sie hat mich also belogen. Darf… darf ich deswegen sauer sein?“, fragte Gina ihn ganz unschuldig und nun nickten sie alle hier, sie alle trugen eine gewisse Wut im Bauch, was die Sache mit Amelia betraf. „Ich bin in meinem ganzen Leben noch nie gegen eine Frau gegangen, Gina. Aber als sie high von den Drogen mit dir im Auto fuhr und mich so angriff, da hat nicht mehr viel gefehlt und ich hätte ihr weh getan, weil sie dich in Gefahr gebracht hat. Und deinem Vater geht es noch viel schlimmer.“, brummte Ben, Diego hingegen ließ Gina los und zog an seiner Zigarette, ehe er seufzte. „Du hast alles Recht der Welt dazu, sauer zu sein. Sie hat uns belogen, manipuliert und ausgenutzt. Ich hab diese Frau vergöttert, sie war mir heilig, Gina. Mein ganzes Leben habe ich ihr gewidmet und wäre für sie in den Tod gegangen, hätte man es von mir gefordert. Jetzt sieht die Sache anders aus, aber jetzt ist sie nicht mehr da, um sich zu verteidigen oder zu erklären. Sei ruhig sauer, aber lass die Wut dann verrauchen und widme dich lieber den schönen Dingen in deinem Leben. Jetzt geh rein und setz dich, du sollst deinen Fuß nicht so lange belasten, das weißt du doch. Ich komme gleich zu dir und mach die Puddingschlacht sauber.“, forderte er und ließ Gina los, die sich jedoch noch einmal zu Ben drehte und dem Kerl die Hand gab. „Kannst du mir verzeihen?“, fragte sie und das sehr leise, Ben jedoch lächelte nur. „Was denn? Du hast nichts falsch gemacht. Sie hat Fehler gemacht, du hast ihr nur vertraut und dich leiten lassen. Es gibt nichts zu verzeihen.“, antwortete der Schwarzhaarige und damit nickte Gina, lief humpelnd und klackend an ihm vorbei ins Haus hinein und verschwand da hinten um die Ecke, wo sich eine Tür öffnete und wieder schloss. „Danke.“, murrte er nun und sog nochmal an seiner Zigarette, doch sowohl Ben als auch Cobe und Jules schüttelten nun die Köpfe. „Überlasst das Lilly und mir, wir regeln das unter uns Mädchen. Gina hat einen guten Draht zu mir, ich krieg das schon aus ihr raus.“, meinte Jules ganz lässig und zog ihn dabei näher, Diego nickte und hatte Vertrauen in die beiden Frauen, Gina hatte hier ein gutes Vorbild dafür, wie Familie funktionierte und wie der Umgang miteinander in einer Beziehung eigentlich sein sollte.

So blieb es still zwischen ihnen, derweil sie ihre Kippen rauchten und ihren Gedanken nach hingen, selbst Ben blieb still und stützte sich nur wieder auf dem Holzgeländer ab, sodass er vornüber gebeugt mit den Ellbogen auf dem Holz da stand. „Also, um das Thema zu ändern und diese Gedanken aus dem Kopf zu kriegen, bevor ich was kaputt mache … ihr beide, nun offiziell. Erzählt ihr uns oder besser gesagt mir, warum und wie es gelaufen ist? Chris scheint heute ja doch recht entspannt zu sein.“, warf er in die Runde und darüber schmunzelte Jules nur, sie wusste ja bestimmt Wort für Wort von der Unterhaltung. „Warum? Weil ich weder ein Lügner, noch ein Spieler bin und weil ich mich eingepfercht fühle in dieser gesellschaftlichen Struktur. Ich kann weder frei lieben noch mich frei bewegen, so wie ich das will. Das löst einen Fluchtreflex aus, am liebsten würde ich mir Jules, Cobe, Lilly und die Kinder schnappen und verschwinden. Frei sein, tun und lassen können, wonach mir der Sinn steht und ohne, dass das von außen angegriffen wird. Aber ich kann nicht flüchten, ich kann nicht einfach verschwinden. Dies zwängt mich ein, das schnürt mir die Luft ab. Ich liege in Ketten gefesselt da und wünsche mir so sehr, einfach ich selbst sein zu dürfen und es geht so nicht. Deshalb. Wie es gelaufen ist? Du kennst meinen Dad, er hat zugehört, hat mich mal erschrocken angesehen und mit ganz viel Wärme, Liebe und Verständnis reagiert. Ich bin zuhause und hier legt mich niemand in Fesseln meinte er, ich erwiderte das Lissy und Craig dieses Beziehungskonstrukt aus vier Leuten weder verstehen noch akzeptieren werden. Mein Dad meinte dann lass sie zetern. Lilly ist erwachsen, ich bin es. Wir treffen unsere eigenen Entscheidungen und da haben die Eltern sich raus zuhalten und Punkt aus.“, erklärte Ben cool und ruhig, Cobe nickte stumm und hielt sich den Oberschenkel. „Okay, das war auf euer Viererding bezogen, wie hat er auf euch beide gezielt reagiert? Ich will da nicht in ein Fettnäpfchen treten, wenn es da etwas gibt, was er nicht wissen soll.“, harkte Diego nach und darüber begann Ben zu lächeln, selbst Colbey hatte plötzlich ein Lächeln im Gesicht. „Ich liebe, wen ich lieben will, ihn hat das nicht zu interessieren und meine Sexualität geht mit mir nach Hause, scheiß auf die Welt und die Gesellschaft.“, meinte Ben und verbreiterte das Lächeln zu einem Grinsen, Cobe hingegen zog an seiner Kippe und drückte sie dann aus. „Catalana kennt das Leben ohne Regelwerk, also so, wie ich es kenne. Mann oder Frau, die sich bücken? Ist egal, es tut beiden weh, beide bluten rot. Sie macht keine Unterschiede und sie hat zum ersten Mal Ben gegenüber über diese Nacht mit ihm gesprochen, stell dir vor. Und Aroha war auch ganz cool, bedingt durch ihre Kultur feiert sie die Liebe, die sich vermehrt, statt Mauern zu ziehen und zu urteilen. Wie sagte sie? Das Marena besteht noch immer und das auch zwischen uns beiden, sie war regelrecht stolz darauf, das wir an diesem Bündnis auch weiterhin festhalten. Chris versteht das Bündnis als Solches, weil er es zu Benjamins Mutter ebenfalls erfuhr. Er versteht dieses Gefühl und den Wunsch nach mehr. Weiß, wie das Band geknüpft wird und was dazu nötig ist, so viel Mut aufzubringen, um das auszusprechen, was Ben die ganze Zeit so gequält hat. Ich sage was ich denke, auf den Punkt und zack, fertig aus. Mich zweifelt niemand an und man nimmt mich so, wie ich bin.“, fügte Cobe an und darüber nickte Jules nur wieder wissend, Diego hingegen sah von Colbey zu Ben und ließ den Blick bei dem Schwarzhaarigen ruhen, das Eis in diesen Augen funkelte heute wie Diamanten im Sonnenlicht, diese Aussprache hatte Ben sichtlich gut getan. „Und wenn Craig, Liss und wie sie alle heißen dann doch herausfinden, was ihr unter der Decke so fummelt?“, fragte er leise und darüber gluckste Jules gut gelaunt, Ben hob die Augenbrauen und Cobe winkte ab. „Dann stehen drei Leute vor Ben, die das abfangen. Sechs, wenn wir Chris, Aroha und Catalana mitzählen, die das hier verstehen und unterstützen. Sieben, wenn du dich dazu gesellst. In allererster Konsequenz wird es mir schaden und das Bild meiner Ehe mit Liana ins Schwanken bringen. Der gute Schwiegersohn, der mit einer anderen Frau und einem anderen Mann quer vögelt, wie kann ich nur, tzehe. Und? Ich werde nur lächeln und nicken, mich juckt das nicht. Und dann wird Lilly auffahren, sie kann, wenn sie will. Du hast das ja heute gesehen, wie sie ist, wenn sie sich ärgert aus Angst oder was weiß ich. Wenn sie ihre Eltern oder ein anderes Familienmitglied dann gestutzt hat darf Jules sich äußern. Sie steht ganz offen zu ihrer Bisexualität und hat mit Sicherheit auch das eine oder andere Ass im Ärmel und erst dann kommt Chris, der nur seinen Sohn schützen will. Wenn alle Stimmen dann gehört wurden darf Ben sich dazu äußern. Muss er aber nicht, er kann ebenso schweigen und lächeln, die Schultern zucken und sich denken ‚was zum verfickten Scheiß geht dich das an?‘, nicht?“, meine Cobe gelassen, Ben und Jules nickten synchron und auch Diego nickte einmal. „Was hast du gestern mit ihm gemacht, Cobe, das er doch plötzlich den Mut hat darüber zu reden?“, fragte er aber nochmal nach und darüber grinsten die beiden wie Honigkuchenpferde, Dios noch eins. „Ich hab mich lange mit ihm hierüber unterhalten. Hab ihm meine Sicht der Dinge erklärt und das ich trotz der drohenden Katastrophe für das Ansehen meiner Ehe mit Liana keine Angst davor hab, aufzufliegen. Ich bin, wie ich bin und muss damit leben. Ich stecke in meiner Haut und fühle, wie ich eben fühle. Und was habt ihr hier so getrieben, als Gina endlich geschlafen hat? Warst du endlich mal der Hahn im Korb?“, konterte Cobe und ja das war ja klar gewesen, keine Details rückte der Kerl heraus, dafür grunzte Jules nun auf. „War er und es war eine lange Nacht. Er hat sich vor mir so ein bisschen geziert, aber Lilly hat das wunderbar abgewiegelt, du kennst ihr Mundwerk ja. Oh Ben, mein Liebling, Lilly hat sich übrigens mit mir über die Tattoo-Idee unterhalten und mir mal ihre Mappen gezeigt, ich bin ja ganz hingerissen!“, antwortete Jules und lenkte das Thema um, doch Diego entging nicht, dass sie Colbey die Hand auf den Arm legte und das war bei den Vieren der sicherste Beweis für eine Datenübertragung oder so etwas, die Stelle kribbelte auch an seinem Arm auf. „Hat sie? Wurde ja auch mal Zeit, du bist noch nicht bunt genug, Liebling.“, erklärte Ben mit Blick in den Raum und ah, deshalb der Themenumschwung, da kam Chris die Treppe rauf und sah sich fragend um, offenbar wollte er hier oben auch eine rauchen. „Ihr schafft mich.“, brummte er nur und gluckste mit Cobe zusammen, so einen sechsten Sinn hätte er manchmal auch gern. „Hier seid ihr alle, ich war schon unten im Garten und hab euch gesucht. Hat jemand Feuer für den alten Kettenraucher?“, fragte Chris durch das Zimmer kommend und alle hielten sie ihr Feuerzeug zu Ben hin, der darüber gluckste und brummelte. „Hey, ich hab schon stark eingeschränkt!“, beschwerte der Schwarzhaarige sich und gab seinem Vater sein Feuerzeug, der sich auch darüber amüsierte. „Habt ihr vernünftig mit Gina geredet, ihr beiden?“, wollte Chris dann wissen und naaah, da war das Thema wieder, weshalb Diego seine Kippe ausdrückte und sich abwandte, nun sah er in den Garten hinab und lehnte an das Geländer. „Haben wir und sie hat glaube ich verstanden, dass sie sich nur selbst verletzt, wenn sie weiterhin so stur auf dieser Schwärmerei beharrt. Erzähl Diego doch lieber von unserem Gespräch heute Morgen, er brennt vor Neugier.“, sagte Ben dazu und rempelte ihn an, zwinkerte dabei und half ihm, diese Wut ins Aus zu drücken, heute war das auch ganz gut so, denn heute war kein guter Tag.

Irgendwann schlenderte Chris dann mit Jules zusammen lachend und in einer Unterhaltung über Lillys Zeichnungen steckend den Weg zum Garten hinab und war so abgelenkt, dass das für Diego eine Erleichterung war. Über Amelia wollte er nicht mehr groß nachdenken oder sprechen, das schürte nur die Wut in ihm und brachte ihn dazu, dumme Dinge zu denken. „Und weg sind sie, das hat ja geklappt wie am Schnürchen. Also, Diego, was zur Hölle geht in San Diego ab?“, fragte Ben und auch darüber seufzte er nur, das war der nächste Stein in seiner Tasche. „Salazar geht ab. Der Kerl ist unberechenbar und mit größter Vorsicht zu genießen. Als er runter kam von dem Heroin hat er wohl das Handy in seiner Tasche gefunden und realisiert, was da die ganze Zeit über in seinem eigenen Haus abging, das hat ihn austicken lassen. Sämtliche Gefolgsleute seiner Gang, die vorher zu den Medellá gehört haben wurden hingerichtet, zudem hat er wohl die anderen Clans und Gangs der Stadt zur Solidarität aufgerufen und will offen Krieg auf der Seite der Mauer gegen das Kartell führen. San Diego hat eine sogenannte Säuberungsaktion erfahren gestern Nacht, Ben. Das heißt es gab viele Verletzte, viele Gefangene, die unschuldig sind und sehr viele Tote, die auf offener Straße gerichtet wurden. Positiver Nebeneffekt davon ist eine Verkettung zur mexikanischen Grenze hin, San Diego hat die Grenzen dicht gemacht und blockt alles ab, was von mexikanischer Seite her hierher schwappen will. Gleichzeitig sitzen die, die sich hier in Los Angeles befinden somit in der Falle, denn sie kommen aus den Staaten jetzt nicht mehr raus. Negativer Seiteneffekt davon ist der Abriss der Konsumkette, Salazar lässt keine Ware mehr über die Grenzen, die nicht vorab angekündigt wurde. Meine Ware kommt durch, meine Jungs fahren ihre Lieferungen und das mit Salazars Schutz. Für die Medellá wird dies das Nadelöhr sein, wo sie durch schlüpfen wollen und wenn sie das probieren haben wir die Arschlöcher sofort am Wickel. Was mir nicht behagt sind die vielen Opfer, Ramon war schon immer total durchgeknallt, was das angeht. Und was mir noch viel größere Sorgen macht ist der Fakt, das viele meiner Männer ebenfalls einst Medellá-Kämpfer waren. Miguél, Fetch, allen voran Cobe. Wenn Salazar weiterhin so wütet wird er ihr Leben fordern, um das Rattenpack los zu werden, verstehst du, und dann muss ich mich gegen ihn stellen und meine Männer schützen. Ich bin Sohn des Clans, er weiß das. Damit bin ich das Hauptziel, sollte er auf die Idee kommen. Juan hat schon sehr früh heute Morgen angerufen und bestätigt, dass das in San Diego heftig geknallt hat. Es lief in den Nachrichten, die haben sich richtige Schlachten geliefert, Ben. In Los Angeles ist alles ruhig, die Schläfer tun genau das, was sie am besten können und das ist schlafen, die ziehen sich jetzt noch tiefer ins Schwarz der Nacht zurück und halten die Füße still. Und wenn es in San Diego dann zur Ruhe kommt wird das hier abgehen.“, erklärte er und  schüttelte den Kopf über diese sinnlose Gewalt, die Ramon an den Tag legte. Er hätte das alles ganz anders geregelt und wollte doch nur diese Verkettung zur Grenze hin, kein Blutbad, in dem Kinder auf offener Straße erschossen wurden! „Diego, unter uns im Vertrauen. Warum war dieser Kerl dir was schuldig? Ging es um die Nacht mit José auf diesem Parkplatz oder wo hat er dir nicht geholfen?“, fragte Ben nach, Cobe brummte und Diego atmete den Rauch seiner Zigarette langsam aus, ehe er das Shirt hob und sich auf die Narbe an seinem Bauch tippte. Seitlich zwischen den Rippen gelegen war sie kaum zu sehen. „Es war vor José, ich hab für Ramon gedealt und wurde auf Patrouille geschickt. Bring den Stoff an den Mann, in dem und dem Viertel. Wir passen auf dich auf, haben ein Auge auf dich und achten darauf, dass du nicht geschnappt wirst. Einen Scheiß hat er getan, stattdessen bin ich mit dem Heroin in der Tasche zu diesem Viertel gelaufen und wusste nicht, dass das feindliches Gebiet war. Die haben mich aufgemischt und zwar so übel, dass ich abgestochen wurde und fast zwei Stunden blutend in dieser Ecke lag, bis mich eine junge Frau fand und den Rettungsdienst alarmierte. Die haben mich geflickt und wollten mich vom Krankenhaus direkt den Behörden wegen der Dealerei und dem Heroin in meinem Blut übergeben, ich bin aus dem Krankenhaus getürmt und schnurstracks zu Fuß quer durch San Diego zu Salazars Haus. Oh das tut mir aber leid, Diego, ei ei ei was machen wir mit dir denn nun? Fragte er mich high wie eine Taube und hielt mir seine Waffe an den Kopf, weil ich seine Ware verloren hatte. Dann fing er an zu lachen, steckte die Pistole weg und bat mir einen Platz auf seiner Couch an, was wie eine Ehrung für mich war. Der kleine Dealer darf zu dem großen Boss auf die Couch, verstehst du, das war eine Beförderung meines Ranges. Das gefiel seinem Wachmann nicht, der mich angriff und mir genau hierhin schlug. Ich hab es aber irgendwie im Rausch geschafft, den Kerl zu Boden zu ringen. Salazar hat mich ins offene Messer rennen lassen und das gleich zweimal, Ben. Die Nacht, in der José sich an mir verging war auch kein Wachmann da, der ein Auge auf mich hätte haben können. Ein Deal zwischen meinem Vater und Ramon nehme ich an, wissen wir ja nun, das es da zu Geschäften gekommen ist. Wäre dem so würde er mir mehr als sein Wort schulden, dann würde mir die Uhr zustehen und ich würde San Diego zu meinem Gebiet erklären. Etwas, was er um alles in der Welt vermeiden möchte und etwas, was ihn vielleicht auch gegen mich so rasend machen kann, wenn ich die Wahrheit heraus finde.“, erklärte er ruhig und ließ zu, das Ben diese Narbe sanft berührte. „Vergiss nicht zu erwähnen, dass Salazar Rominas Freund war, als du sie kennengelernt hast.“, brummte Cobe und ach ja, das hatte er wiederum ordentlich verdrängt. „Das war der Bruch zwischen uns. Ich hab mich in dieses bildschöne Ding verknallt und wollte unbedingt mit ihr zusammen sein, sie hat sich über die Wochen hinweg immer mehr von ihm weg und zu mir hin gedreht, bevor sie ihn in die Wüste schickte und in meinem Bett landete. Wir waren so zugedröhnt in der Nacht, dass sie es Ramon am nächsten Tag einfach so erzählt hat. Er entließ mich aus seinen Diensten und ließ mir meinen Kopf, weil Romina ihm gesagt hat, dass sie mich liebt und mit mir glücklich sein kann. Es war alles nur eine große verdammte scheiß Lüge, die wir uns im Rausch zusammen gesponnen haben.“, gab er zu und sah zu Ben, der ihn ansah, als sei er verrückt. „Ich sag es ja nur ungern, aber meine Fresse, Diego. Dass du noch lebst ist mir ein absolutes Rätsel, du Glückspilz.“, brummte Ben, Cobe gluckste vergnügt und stimmte dem zu. „Hast du das in Tijuana nicht zu mir gesagt, Ben? Ich bin das Glückskind, du bist der Wunderknabe. Vielleicht war es mir ja vorbestimmt, bis zum heutigen Tag mein Dasein fristen zu dürfen, wer weiß das schon. Ich brauche euch beide an meiner Seite, wenn Salazar nochmal so aufschlägt. Ich brauch deine Schnelligkeit und Konsequenz, Cobe und deinen blitzschnellen Verstand, Ben, sonst wird das hier kein so schönes Ende nehmen. Ich hatte leider keine andere Wahl mehr, als Ramon zu kontaktieren.“, meinte er und seufzte, weil Ben ihm die Hand auf die Schulter legte und ihn herzte. „Hör mir mal gut zu, Diego. Du magst ihn über dir stehen sehen, aber so wie ich die Sache sehe seid ihr euch in Rang und Namen ebenbürtig. Ihr beide trägt so eine Uhr und befehligt eine ganze Stadt. Ihr beide dealt mit Drogen und scheffelt Geld dafür. Ihr beide habt einen Ruf zu verlieren. Der einzige Unterschied zwischen euch ist nicht der, dass er über dir steht, sondern dass er einen dunklen, blutigen Pfad bestreitet, derweil du deine Männer schützt und anderen hilfst. Er dealt und konsumiert, du vernichtest es. Manchmal ist nicht alles Gold, was glänzt, oder? Silber ist ebenso wertvoll und hübscher anzusehen. Und was ein Salazar kann, das kann ein Garcia doch im Dreimalauf. Außerdem hast du Cobe und mich und wir haben Jules, sie kann den Kerl mit einem einzigen Blick röntgen und ausschalten, mit seinen eigenen Waffen. Mehr Selbstvertrauen, mach dich nicht kleiner, als du bist.“, bat Ben und darüber grunzte Diego mit Blick zu Ben, der ihn anzwinkerte. „Ja, ist gut, Herr Professor.“, sagte Cobe dazu und genau das hatte er gerade auch gedacht, sie begannen zu lachen und so war der Tag auszuhalten, innerhalb seiner Familie und im Frieden des Tages lebend, mit Ben an seiner Seite hatte er gegen Ramon definitiv einen großen Vorteil, wenn das einer wusste, dann war Diego das höchst selbst.
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