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Das Edenprojekt

von Mary Reid
Kurzbeschreibung
MitmachgeschichteAllgemein / P16 / Mix
Flordelis OC (Own Character) Pachira Professor Platan Team Flare
02.12.2021
23.06.2022
19
135.320
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23.06.2022 9.375
 
Nach ihrem Abenteuer am Vorabend, saßen alle drei Trainer völlig übermüdet um fünf am Frühstückstisch und schaufelten ihr Essen ins Schweigen gehüllt in sich hinein, damit sie losgehen konnten. Ihre Pokémon beobachteten sie besorgt, keiner der drei hatte die Nacht wirklich schlafen können, dennoch hielten sie entschieden an ihrem Plan fest so früh wie möglich Frescora zu verlassen, womöglich war die vorherige Nacht nur eine Bekräftigung. Selbst Fiffyen blickte Connor besorgt an. In der Nacht hatte der Junge viel mit ihm und Amphizel geredet, er hatte nur schweigend dagelegen und zugehört. Es war das erste Mal, dass Fiffyen bei Connor blieb und ihm zuhörte, aber jetzt verstand er mehr, weshalb Kira keine Angst vor den Trainern hatte. Anstatt darüber zu reden, welche schillernden Pokémon er noch fangen wollte und was er mit diesen vorhaben könnte, philosophierte Connor über einen großen Mann und zerbrach sich den Kopf über seinen eigenen Emotionen. Dieser gruselige Mensch, für den Fiffyen ihn hielt, war er wohl nicht, vielmehr ein Jugendlicher, der mit seiner neuen Situation noch nicht vollständig zufrieden war. Fiffyen tapste ganz vorsichtig und leise zu Connor hinüber und schnupperte an ihm.

„Was hast du denn, Fiffyen? Brauchst du noch mehr zu essen?“ Connor blickte zu seinem Partner, dieser schüttelte den Kopf. Nein, Fiffyen wollte wissen, ob es Connor gut ging, immerhin hatte er sich auch um ihn kümmern wollen.

„Vielleicht will er eine Streicheleinheit? Er wirkt doch schon viel zutraulicher.“ Lissy blickte rechts neben sich unter den Tisch zu Fiffyen. Sie grinste das kleine Pokémon freudig an, verschreckte es damit wohl aber mehr, denn Fiffyen zog sich weiter von ihr weg.

„Glaub ich nicht, die Nacht über wollte er auch nicht angefasst werden.“ Fiffyen sah beleidigt nach oben, das war gelogen. Eindeutig, er konnte sich gut daran erinnern, dass Connor ihn die Nacht über kurz gestreichelt hatte, und er hat nicht gebissen.

„Er wird womöglich anfangen, die Gerüche seines Teams sich einzuprägen. Er ist doch noch immer neu im Team.“ Eden überlegte, was es genau sein konnte, das Fiffyen zu Connor führte, doch mehr als spekulieren konnten sie alle nicht. Demnach blieb es dabei, dass Fiffyen an Connor schnupperte, ohne eine direkte Antwort seines Trainers zu erhalten. Ging es ihm denn nun gut?

„Packst du uns was für heute Mittag ein?“ Lissy hoffte sehr darauf am Mittag irgendwo auf dem Tristesse-Weg eine kleine Pause einlegen zu können, um etwas mehr Nahrung ihrem Körper zuführen zu können, denn gerade stopfte sie bereits das eine Brot und zwang es sich herunter, da sie wusste, ohne etwas im Magen sollte sie gar nicht erst auf die Idee kommen aufzubrechen.

„Mach ich, kannst du dich dann schon darum kümmern, alles andere einzupacken?“ Eden legte sich zurecht, was sie brauchen würde, sodass Lissy bereits den Tisch abräumen und die nicht mehr benötigten Lebensmittel einpacken konnte. Connor wurde das Spülen als Aufgabe zuteil, dennoch, ohne groß zu murren, machte er sich daran das klein bisschen Geschirr, das sie zum Frühstücken nutzten zu reinigen.



So waren sie nur wenige Minuten später bereit aufzubrechen, es war vom Vorteil den Abend zuvor bereits die Taschen gepackt zu haben. Gemeinsam verließen sie das Zimmer, Connor ging den Schlüssel noch bei Schwester Joy abgeben, ehe sie das PokéCenter verließen und schnellen Schrittes die Stadt wieder Richtung Romantia verließen. Denn der Tristesse-Weg, der von Frescora aus nach Illumina führte, spaltete sich vom Brun-Weg ab. Müde schleppten sie sich vorbei an den Ruinen eines großen Hotelkomplexes, welcher bereits vor Jahrzehnten geschlossen wurde. Lissy kramte in ihrem Gedächtnis, ihr Bruder hatte ihr damals von der Hotelruine erzählt, was genau war denn noch einmal der Grund für die Schließung, und den Zustand der Ruine? Sie kam beim besten Willen nicht drauf, zu ihrer Verteidigung, sie war sich sicher, dass es auch den anderen beiden schwerfiel, ihre Gedanken zuordnen. Denn Eden lief mit halb geschlossenen Augen und eierte dabei von rechts nach links, während Connor angestrengt seine Gähner unterdrückte. Sie wandte sich wieder den Ruinen zu, sie faszinierten sie. Sie waren so faszinierend, dass sie entschied, sie musste unbedingt nachschauen, ob sie die Ruine betreten konnte. Sie entfernte sich vom Hauptweg und von Eden und Connor, während sie durch das hochgewachsene Gras wanderte und nach irgendwas suchte, das nach einem richtigen Eingang aussah. Sie ging an ehemaligen Wänden vorbei, die noch stehenden Steine waren mit Moos überzogen und auf einigen dieser Moosbewachsenen Steine saßen Kramurx, welche sie mit ihren tiefroten Augen verfolgten. Im fahlen Mondschein, des langsam untergehenden Mondes, konnte sie nur die leuchtenden Augen erkennen, die sie zu durchbohren schienen, während sie langsam weiter durch die von Mutternatur zurück gewonnene Ruine streifte. Ungeachtet der schaurigen Atmosphäre und dem unwohlen Gefühl in ihrem Bauch, wollte Lissy weiter suchen, sie würde sich nicht vom kalten Wind oder den sie beobachtenden Pokémon einschüchtern lassen, sie hatte immerhin Aslan und Indigo bei sich. Während sie weiter durch das hohe Gras stolperte, kroch ein kalter Nebel um ihre Füße und breitete sich um sie herum aus. Lissy war so auf die Suche nach einem Eingang zum Kellersystem fokussiert, dass sie nicht mitbekam, wie weit sie sich bereits von den anderen entfernt hatte, noch bemerkte sie den sich immer mehr zuziehenden Nebel, der langsam, aber sicher sie vollständig verschluckte.

Der Nebel hatte sich so weit zusammen gezogen, dass nicht einmal das Licht der Sterne oder des Mondes noch hindurchbrechen konnte, so stolperte Lissy, ohne ein Gefühl dafür wo sie war, weiter, sie konnte gerade so die Hand vor ihrem Gesicht sehen und wäre nicht ein Rattfratz gegen sie gelaufen, wäre sie womöglich die Treppe vor ihr hinuntergefallen. Neugierig blickte sie hinunter, in der Ferne konnte sie das Flackern einer Kerze erkennen, kurz stutzte sie und überlegte, ob sie wirklich hinuntergehen wollte. Je länger sie an der Schwelle stand, desto heller schien ihr der Kerzenschein zu werden. Sie fasste sich ein Herz und entschied nachzuschauen, es interessierte sie einfach zu sehr, was da unten sein könnte. Bereits beim ersten Schritt hinunter spürte Lissy, dass etwas nicht stimmte, sie wollte sich umdrehen und wegrennen, als ihr der Nebel den Weg abschnitt. Sie atmete tief durch, schrie dann jedoch los, hinein in den Nebel. Ihre Stimme kam jedoch nicht durch, nichts und niemand reagierte auf sie und ihr blieb nicht mehr, als weiter hinunterzugehen, ehe der Nebel anfing, ihr die Luft zu rauben. Sie eilte die Treppe hinunter, wollte dem Nebel entkommen, doch unten musste sie leider feststellen, dass dieser vor ihr da war. Und nicht nur, dass dieser Nebel unten bereits auf sie wartete, das Kerzenlicht hatte sich auch von ihr fortbewegt. In ihrem Unterbewusstsein spielte sich schmerzhaft die Erinnerung aus dem Romantia City Moor ab, irgendwo tief in ihr, wusste sie bereits, dass dieses Licht keine Kerze war, sondern Lichtel, oder sogar ein Skelabra. Ihr blieb jedoch nichts weiter übrig, als diesem Licht zunächst zu folgen, denn neben diesem Geisterlicht, erleuchtete nichts Weiteres die Gänge vor ihr, vielleicht war sie ja in der Lage ihren Gegner zu überrumpeln, Aslan würde sicherlich mit einem Lichtel fertig werden. Mutig schritt sie weiter auf das Licht zu, bis sich Stimmen mit in das schwache Licht und den Nebel mischten. Stimmen von Kindern, von Erwachsenen und von Pokémon, die leiderfüllt durch die Gänge halten und Lissy das Blut in den Adern gefrieren ließ. Um Arceus Willen, was geschah hier unten? Wo kamen diese Stimmen her und wem gehörten sie? Lissy entschied sich an der nächsten Weggabelung, an welche sie kam, nicht mehr dem Licht zu folgen, sie würde in die andere Richtung gehen und dann so schnell sie konnte zurücklaufen. Sie würde keinen Moment länger in diesem Keller bleiben, nichts würde sie dazu bringen. Geister Pokémon, die ihre Seele fressen wollten, Stimmen, aus dem Nichts und ein Nebel, der ihr die Luft raubte, war definitiv nicht ihre Vorstellung von spaßig oder interessant. Sie sah im Augenwinkel, wie das Licht links abbog, also bog sie vorsichtig rechtsherum ab und nahm dann die Beine in die Hand, sie hatte absolut keine Ahnung, wo sie langlief, aber Hauptsache weg von dem Lichtel und dem Nebel und den Stimmen. Den Stimmen, die nun lauter und lauter wurden? Lissy wusste nicht warum, aber es war eindeutig, dass die Stimmen, die sie hörte, mit jedem Schritt lauter wurden. Sie blieb abrupt stehen, nicht nur die Stimmen wurden lauter. Die Luft roch faul und die Temperatur sank bei jedem Schritt weiter. Es war bereits eiskalt, als sie stehen blieb und es wurde nur noch kälter, je länger sie stehen blieb. Was auch immer die Schließung des Hotels begründete, es musste noch immer in den Gängen hausen. Es lebte noch immer im Kellersystem und aus irgendeinem Grund entschied es für sich, dass Lissy die perfekte nächste Mahlzeit war. Das Schlimmste war, es kam näher. Lissy spürte es in ihren Knochen, etwas kam näher und was auch immer es war, es hatte Hunger. Lissy wollte weiterlaufen, sie kam jedoch nicht weit. Nur wenige Schritte weiter baute sich eine Wand vor ihr auf und stoppte sie in ihrer Flucht. Sie presste sich mit dem Rücken an die Wand und starrte ins Dunkel, sie zitterte, ihre Knie wollten nachgeben und das Einzige, dass sie davon abhielt zu schreien, war die Tatsache, dass die Luft so flach war, dass es ihr bereits schwerfiel zu atmen. Sie schnappte nach jedem bisschen Sauerstoff, den sie bekommen konnte, schluckte schwer und fokussierte sich darauf etwas in der Schwärze zusehen. Sie erwartete jede Sekunde verschlungen zu werden.



Dann ging alles so schnell. Noch ehe sie erkennen konnte, was sie auf dem Speiseplan stehen hatte, kniff sie ihre Augen zu. So bekam sie nicht mehr mit, wie sich Indigo aus seinem eigenen Pokéball befreite und mit Säuselstimme nicht nur den Gang erhellte, sondern auch den Angreifer zurückdrängen konnte. In dem kurzen Moment packte er Lissys Hand und konzentrierte sich darauf, sich dahin zu teleportierten, wo der Rest des Teams war. In binnen von Sekunden, noch ehe die Schatten sie wieder völlig verschlingen konnten, brachte er Lissy und sich aus dem Keller. Sie landeten unweit der Ruine, am Fluss, der über den gesamten Tristesse-Weg hinweg floss. Als Indigo ihre Hand losließ, sackte Lissy auf ihre Knie, noch ehe sie ihre Augen öffnete. Sie spürte das frische Gras unter ihren Händen, hörte das Rauschen des Flusses und das Zirpen einiger, in der Ferne sitzenden, Zirpurze. Sie ließ sich komplett fallen und lag erst einmal mit allen vier Gliedern von sich gestreckt auf dem Boden, bevor sie überhaupt darüber nachdachte, ihre Augen zu öffnen. Sie atmete die frische, kühle Luft um sie herum ein und genoss die Ruhe, die um sie herum herrschte. Mit einem leisen Seufzer öffnete sie ihre Augen und erblickte zwei Gestalten vor sich. Sie kniff ihre Augen mehrfach zusammen, versuchte ihre Sicht zu fokussieren, ehe sie erkennen konnte, wer oder was vor ihr saß.

An einen Baum angelehnt saß Connor mit geschlossenen Augen da, Edens Kopf auf seinem Schoß, seine rechte Hand in ihren Haaren. Wie in Stein gemeißelt schlummerten die beiden vor sich hin. Kurz überlegte Lissy, ob sie auch einfach wieder die Augen schließen sollte, einfach etwas Schlaf nachholen klang nicht verkehrt, dann dachte sie an die Ruine zurück und wie nah sie dieser waren.

Sie hob sich auf ihre Knie und krabbelte leise zu den beiden Schlafenden.

„Psst, Eden. Wach auf.“ Sie rüttelte etwas an Eden, bekam aber nur ein gemurmeltes „Noch zwei Minuten“ zurück. Lissy verdrehte die Augen, nun gut, musste sie eben versuchen Monsieur Stinkstiefel aufzuwecken. Allein der Gedanke, dass Connor sie wahrscheinlich zur Sau machen würde, weil sie ihn geweckt hat, gefiel ihr gar nicht. Genauso wenig gefiel ihr allerdings der Gedanke, dass dieses Ding aus der Ruine heraufkommen könnte. Sie stupste ihm zweimal in die Wange, ehe dieser, zu ihrer Zufriedenheit, tatsächlich reagierte. Erst schlug er nur ein Auge auf und blickte Lissy müde und genervt an. Dann öffnete er sein zweites Auge, als er Lissy fokussiert hatte.

„Auf wachen, wir wollten doch so schnell es geht nach Illumina.“ Lissy ignorierte die allgemein etwas eigenartige Situation und half Connor einfach dabei, Eden aufzuwecken. Diese wollte aber lieber weiter liegen bleiben und schlafen. Wer wusste schon, wann sie wieder zu so einem friedvollen Schlaf kommen würde?

„He, beweg dich, wenn wir früh genug in Illumina ankommen, können wir noch bei deinem Onkel vorbeischauen.“ Connor hob Eden von seinem Schoß, in der Hoffnung sie so aufzuwecken, während er sie ebenfalls versuchte zu überreden. Eden öffnete ihr linkes Auge zaghaft.

„Versprochen?“, flüsterte sie ihm entgegen. Connor nickte, woraufhin Eden sich energisch die Augen rieb und von allein aufrichtete. Sie war zwar müde, aber die Möglichkeit ihren Onkel wiederzusehen, wollte sie definitiv nicht verstreichen lassen. Andererseits, sie würden mit Sicherheit ohnehin zu ihm gehen, ob nun heute oder morgen oder an einem anderen Tag, wenn nicht ihr Onkel, wer sonst, wüsste etwas über das Freundschaftsphänomen.

„Was hast du eigentlich gemacht?“ Connor wandte sich an Lissy, er und Eden hatten zuvor entschieden, dass sie zu müde waren, um mit Lissy auf Erkundungstour zu gehen, interessieren tat es ihn jedoch schon, wohin sie verschwunden war und was sie dort gefunden hat.

„Ach gar nichts. Ich habe mich nur in der Ruine ungesehen, dann bin ich noch etwas weitergegangen, bis mir aufgefallen ist, dass ich euch nirgends finden konnte, also bin ich zurück und hab euch hier schlafend gefunden.“ Lissy kratzte sich etwas am Hinterkopf. Sie hoffte, dass sie nicht völlig verschwitzt aussah, ansonsten würde Connor ihr das sicher nicht abkaufen.

„Gab es etwas Interessantes in den Ruinen?“ Eden funkte dazwischen. Sie hatte sich etwas weiter zum Fluss bewegt und dort das Gesicht mit Wasser bespritzt, ehe sie sich zu Lissy drehte.

„Nicht wirklich, nur halb stehende Mauern, dunkle Kellereingänge und eine Menge Pokémon.“ Lissy ging zu ihr, sie wollte sich auch das Gesicht befeuchten, oder eher das Gesicht abwaschen, sie konnte beinahe spüren, wie klebrig sie sein musste. Wäre es nicht so verdammt kalt, hätte sie es gewagt, im Fluss zu schwimmen. „Ein paar hätten sicher gut zu Connor passen können. Die haben mich genauso finster angesehen.“ Lissy und Eden musste lachen.

Connor verdrehte über die Aussage nur die Augen, wusch sich aber ebenfalls kurz mit dem kalten Wasser des Flusses sein Gesicht. Es bewirkte zwar nicht so viel, wie erhofft, aber sein müder Geist wurde wacher. Er war auch der Erste, der die Gruppe Bamelin, die gerade den Fluss hoch geschwommen kamen, sah. Er bedeutete den Mädchen, ruhig zu sein, bevor sie noch die Meereswiesel-Pokémon aufschreckten. Eden beobachtete die Bamelin. Neugierig, Lissy jedoch konnte ein bestimmtes unter ihnen ausmachen. Sie erkannte die Brandwunde an seiner Seite, es schien noch immer Schmerzen zu erleiden. Sie winke Indigo zu sich, sie würde diesem Pokémon endlich helfen, ob es das nun wollte oder nicht.

„Indigo, nutz Konfusion, verletz das Bamelin aber nicht, wir wollen es nur verwirren.“ Lissy zog sich ihre Stiefel und ihren Mantel aus, während Indigo versuchte, die Aufmerksamkeit des Bamelin zu erhalten, um es nicht aus Versehen zu verletzen. Ihm gelang es zwar das Bamelin, welches in der Mitte der Gruppe schwamm, daran zu hindern weiter zu schwimmen, doch dieses erkannte Lissy sofort. Noch ehe sie einen Schritt ins Wasser gemacht hatte, schoss ein noch sehr junges Bamelin auf sie zu und griff sie mit Wasserdüse an. Nun klatschnass entschied sie, dass genug, genug ist.

„Nun gut, setzt Zauberblatt ein Indigo“, befahl Lissy den nächsten Angriff. Die Gruppe Bamelin blieb natürlich nicht untätig stehen, als ihr jüngstes Mitglied von einem Sturm aus Blättern angegriffen wurde. Eines warf sich zwischen das Kleine und die Blätter, die anderen griffen Eden und Connor an, welche sich nun genötigt füllten, ebenfalls am Kampf teilzunehmen.

„Anubis, du bist dran, nutz Eisenschädel.“

„Amphizel, los nutz Finsteraura.“

Beide Pokémon erschienen im Kampfgeschehen, Anubis köpfte sich ein ebenfalls noch jung wirkendes Bamelin vor, während Amphizel gleich zwei der Bamelin mit seiner Attacke traf. Gemeinsam brauchten die drei Trainer mit ihren Pokémon keine fünfzehn Minuten, bis sie die Bamelin davon überzeugen konnten, dass sie stärker waren. Geschlagen zogen sich die Bamelin zurück in den Fluss, wo sie feststellen mussten, dass Lissy die Zeit des Kampfes genutzt hatte, um ihren Anführer aus dem Wasser zu fischen. Sie hatte das Pokémon fest im Arm, während sie in ihrer Tasche nach einem Tank und etwas Wundheilmittel suchte. Die Bamelin wollten einen zweiten Aufstand proben, konnten jedoch von Indigo, Anubis und Amphizel davon überzeugt werden, abzuwarten und zuzusehen, ehe sie sich auflehnen wollten.

Die gesamte Gruppe Meereswiesel-Pokémon paddelte also im Wasser und wartete, sie beobachteten Lissy durch dringlich, während sie die Salbe auf Bamelins Wunde auftrug und er den Trank zu sich nahm. Das kleine Bamelin war dabei am fasziniertesten von Lissy, es schwamm aufs Ufer zu und krabbelt flink an Land. Es versteckte sich in einem kleinen Büschel Schilf, unweit der Trainer und beobachtete von dort aus weiter. Mit großen Augen hockte das Kleine in seinem Versteck, auch noch nachdem sein Anführer bereits zurück ins Wasser gelassen wurde. Das nun versorgte Bamelin bedankte sich bei Lissy und befahl seinen Verbündeten den Rückzug. In dem kleinen Trubel, als jedes einzelne Bamelin sich höflich bei Lissy bedanke und freudig um seinen Anführer schwamm, bekam beim weiter schwimmen keiner mit, dass ein Bamelin fehlte.

„Beim nächsten Mal versuchst du es bitte erst mit Fragen und dann mit Angreifen, okay?“ Connor war wenig erfreut darüber, dass Lissy unbedingt diesem Bamelin helfen musste. Hätte sie es gefangen, wäre er wahrscheinlich weniger erzürnt, aber so hatte sie doch nur umsonst nass gemacht und ihn und seinen Partner in den Kampf hineingezogen. Was war nur wieder aus ihrem Plan geworden? So konnte Lissy nicht weiterreisen, also würden sie nun bereits eine Pause einlegen müssen.

„Tut mir –. Ach, zum Grypheldis, ich wollte dem Bamelin doch nur helfen. Das war jenes, welches Aslan angegriffen hatte, es war also ohnehin meine Schuld, dass es verletzt war.“ Lissy strich Indigo dankend über den Kopf. „Das hast du super gemacht, mein kleiner Held.“

Connor kniff sich mit Daumen und Zeigefinger den Nasenrücken und zog die Luft scharf ein. „Lass mich das bitte eben richtig verstehen. Aslan wurde von diesem Bamelin angegriffen, er verletzt Aslan und du machst dir Sorgen um Aslans Gegner, während dieser eine blutende Pfote hatte? Du machst dir sogar so große Gedanken, dass du eben eine erneute Konfrontation mit diesem Bamelin gesucht hast, nur um es zu heilen und dann wieder gehen zu lassen?“

„Fasst es ziemlich gut zusammen, ja.“ Lissy schenkte Connor ein breites Grinsen, während sie sich etwas verlegen am Nacken rieb. Sie wollte sich auch sofort wieder auf den Weg machen, sie hatte nicht vergessen, dass sie versuchen wollten, noch an diesem Tag nach Illumina zu kommen, allerdings hielt Eden sie davon ab.

„Du solltest dir was anderes anziehen, bevor du dir noch eine Erkältung holst.“ Eden zog Lissy hinter den Baum, damit diese sich dort umziehen konnte, ohne dabei von ungewollten Augenpaaren beobachtet zu werden. Während die beiden Mädchen sich also um Lissys nasse Kleidung kümmerten, setzte sich Connor auf der anderen Seite des Baumes wieder hin und zog Edens Tasche zu sich. Er holte das vorbereitete Essen und ihre Wasserflaschen heraus, breitete Edens Picknickdecke aus, sodass sie gemeinsam eine Pause einlegen konnten, während Lissys Kleidung trocknete und wartete auf die beiden Mädchen.



Sie waren bereits dabei, ihr Mittagessen wieder einzuräumen und den Platz sauber zu hinterlassen, da fiel Lissy auf, dass ihr ein Brot aus ihrer Dose fehlte.

„Wie, du hast dein Brot verloren? Wie verliert man bitte ein Brot?“ Connor sah Lissy ungläubig an, schüttelte den Kopf und blickte sich kurz um. Er wollte Lissy bereits als verrückt attestieren, da fiel ihm ein kleiner, oranger gespalteter Schwanz auf, welcher aus einem nahegelegenen Busch hing. „Was war nochmal auf deinem Brot?“

„Tunfischpaste, wieso fragst du?“ Lissy stand mit dem Rücken zum Busch, nahm also zunächst an, Connor würde sie nur wieder anstarren. Bis dieser dann mit seinem rechten Zeigefinger hinter sie deutete. Oh großartig, jetzt will er sie auch noch auf den Arm nehmen. Lissy verdrehte die Augen, während sie hinter sich blickte. Ihre Einstellung änderte sich allerdings augenblicklich, als sie den kleinen Schwanz ebenfalls sah. Ganz langsam schlich sie nun auf das sich dort versteckende Pokémon zu, vielleicht konnte sie ihm ja noch das Brot abnehmen.

„Lin!“ Das kleine Bamelin, welches sich im Busch versteckt hatte und gemütlich seine Beute vertilgte, nachdem es erfolgreich Lissy ihr Brot stibitzen konnte, zuckte zusammen, als diese ihn aus dem Busch hob.

„Da haben wir ja den Übeltäter. Hättest du nicht mit den anderen Bamelin davon schwimmen sollen?“ Lissy hielt Bamelin an seinem kleinen Schwimmreifen, sodass das Bamelin mit dem Brot in den Pfoten in der Luft zappelte und hoffte, bald heruntergelassen zu werden. Sie blickte ihn mit zusammengekniffenen Augen und hochgezogenen Augenbrauen an, hatte man ihn etwas vergessen?

„Bamelin lin!“ Das noch junge Bamelin zappelte weiter unnachgiebig in Lissys Griff.

„Hey. Hey. Schau mal, das war mein Essen, du kannst doch nicht einfach durch die Gegend laufen und anderen ihr Essen stehlen.“ Sie setzte das Bamelin auf dem Boden ab, hielt es aber am Kragen weiterhin fest, damit es nicht einfach mit dem Rest ihres Essens davonlaufen konnte. Das Bamelin blickte sie mit großen Augen an, warum sollte es denn nicht einfach nehmen, was es braucht?

„Ich kann nicht glauben, dass ich das mal sage, aber ich weiß, wie du denkst. Du denkst dir steht alles zu, aber Realitätscheck, dir steht das Eigentum anderer nicht zu. Wer weiß, vielleicht bist du ja sowas wie ein Prinz in deiner Gruppe, aber das bedeutet nicht, dass dir alles gehört, oder du Anrecht auf alles erheben kannst. Schau, wenn du willst, darfst du auch den Rest meines Essens haben, und wenn du immer genug haben möchtest, dann kann ich dir anbieten, mit mir zu kommen.“ Lissy kramte kurz in ihrer Tasche, was alles andere als einfach war, während sie versuchte das Bamelin nicht loszulassen. Eden nahm ihr die Tasche ab, kramte ebenfalls darin herum, ehe sie einen Pokéball herausholte, den sie an Lissy weiter reichte. Lissy hielt den Ball vor Bamelins Nase und ließ es selbst entscheiden, ob es ihrem Team angehören wollte, oder nur mit dem Brot davonlaufen wollte. Ganz langsam ließ sie den Kragen los und hielt die Luft an. Würde es bleiben? Ihre Hand begann zu zittern, während sie darauf wartete, dass das Bamelin seine Entscheidung traf.

Dieses blickte sie noch immer mit großen Augen an und legte den Kopf schief. Ihr Angebot klang zunächst etwas beängstigend, es hatte von seinem Vater gehört, wie bedrohlich ihr Luxio sei und wie gemein gefährlich sie sei. Er fühlte sich zu Beginn auch darin bestätigt, immerhin hatte sie ihn einfach am Kragen gepackt und aus dem Busch gezogen, andrerseits hatte sie ihn nun losgelassen und versprochen, er würde nie mehr hungern müssen, würde er ihr Partner werden. Oh, wieso mussten Menschen denn nur so faszinierend sein? Das Bamelin beobachtete Lissy, sie hatte seinem Vater geholfen und dann einfach gehen lassen, sie würde ihn auch nicht aufzwingen, mit ihr mitzukommen. Es seufzte leise und wollte sich bereits mit seinem Brot umdrehen und davonrennen, doch etwas in ihm sagte ihm, er könnte mit ihr Freunde finden, die er sonst niemals treffen würde. Er wäre frei von den Erwartungen seiner Eltern und ihm stünde die Welt offen. Er blickte über seine Schulter zu Lissy, dann zurück auf das Brot, ehe er seine Schultern hängen ließ und mit einer schnellen Drehung den Pokéball mit seiner Nase berührte. Der Ball fiel Lissy aus der Hand und wackelte auf dem Boden dreimal, ehe er final zuschnappte und Bamelin als offiziellen Partner Lissys bestätigte. Lissy atmete tief durch, als sie den Pokéball aufsammelte und Bamelin wieder herausrief.

„Bamelin Bame?“ Lissy musste lachen, wie konnte dieses Bamelin ihr Brot so schnell verdrücken und jetzt noch immer nach Essen betteln. Sie holte ihr letztes Brot aus ihrer Dose und reichte es dem kleinen Meereswiesel, welches sehr begeistert nach diesem griff und sich sofort daran, machte auch dieses zu vernichten. Lissy beobachtete ihn dabei verzaubert, während Connor und Eden zu Ende einpackten.

„Ich nenne dich Nautilus.“ Lissy hob das Bamelin auf ihren Arm, wo er noch die letzten Bissen seines Brotes in sich hineinstopfte.

„Warum denn Nautilus?“ Eden blickte neugierig zu den beiden, sie freute sich für Lissy, dass diese bereits ihren dritten Partner gefunden hatte.

„Na, Bamelin sind Wasser Pokémon, Nautilus ist ein Wasser bezogener Name, warum also nicht.“ Lissy streichelte ihr kleines Bamelin, welches die Namensentscheidung einfach über sich ergehen ließ.

„Und du willst ihn jedes Mal bei vollem Namen rufen?“ Connor verdrehte die Augen, ihn störte es nicht unbedingt, aber sie immer wieder diesen Namen rufen zu hören, käme einem Alptraum gleich.

„Nein? Ich glaub Newt als Spitzname wäre süß.“ Lissy hob Newt über ihren Kopf und blickte ihm tief in die Augen. „Siehst du das auch so, Newt?“ Das Bamelin nickte nur zaghaft, hatte er denn überhaupt eine andere Wahl, als diesen Namen anzunehmen?

„Dann sollte Newt auch den Rest der Gruppe kennenlernen, findest du nicht?“ Eden rief ihre Pokémon aus den Bällen. Lissy musste ihr zustimmen, vor allem Aslan und Indigo sollte Newt kennenlernen, also rief sie Indigo zu sich, er hatte sich bei dem ganzen Aufruhr zuvor etwas abseits teleportiert, und Aslan aus seinem Ball. Connor schüttelte nur genervt den Kopf, Amphizel hingegen ging freudig auf Newt und Lissy zu. Es freut ihn, dass es nun ein zweites Wasser Pokémon in der Gruppe gab, denn wenn er sich auch unheimlich gerne mit Anubis maß, würde er auch gerne die Mentorenrolle für eines der Mitglieder einnehmen.





Lissys Partner gingen zuerst auf Newt zu. Das kleine Bamelin wurde von seiner Trainerin wieder abgesetzt und sofort von Aslan angesprungen. Bamelin wollte sich am liebsten sofort verteidigen, allerdings erklärte ihm Lissy zeitgleich, dass Aslan ihm nichts tun will, sondern einfach sehr wild beim Begrüßen ist. Indigo nutzte seine telepathischen Kräfte, um Newt nicht zu nah kommen zu müssen. Er wusste, wie überwältigend es sein konnte, mit dem gesamten Team überrumpelt zu werden.

„Du bist jetzt also auch ein Partner von Lissy?“ Aslan schnupperte an Newt. Er war sich noch nicht sicher, was er davon halten sollte, seine Pfote schmerzte noch immer ab und an.

„Ja?“ Newt blickte Aslan unsicher an.

„Dann musst du jetzt auch ganz doll auf sie aufpassen, verstanden?“ Aslan setzte sich direkt vor Newt hin und leckte sich über die rechte Pfote. Er behielt dabei Augenkontakt mit ihm.

„Jawohl.“ Newt versuchte, seinem Blick auszuweichen.

„Nimm es dir nicht zu sehr ans Herz, Aslan will sie nur beschützen. Wir wollen sie einfach in Sicherheit wissen.“ Indigo stand links von den beiden Pokémon und übertrug seine Gedanken an Newt. „Wir werden dir auch gerne helfen, versprochen.“

„Wer sind die anderen?“ Newt blickte mit großen Augen zu den anderen, seine Schwänze zuckten jedoch freudig.

„Das sind unsere Freunde. Flame, Kira und Anubis hier gehören zu Eden, dem Mädchen mit roten Haaren und Amphizel und Fiffyen gehören zu Connor. Er kann ein Stinkstiefel sein, aber du brauchst keine Angst vor ihm haben, er kümmert sich auch um uns und zu uns ist er auch sehr nett. Also uns allen, auch zu Fiffyen, obwohl er ihm bereits mehrmals in die Hand gebissen hatte.“ Aslan schmieg seinen Kopf an Newt, obwohl er auf großen Beschützer tun wollte, war er sehr glücklich darüber einen neuen Freund zu haben und den wollte er sich wirklich nicht vergraulen.

Newt blickte verwirrt zu den übrigen Pokémon. „Sind unsere Trainer befreundet?“

„So etwas in der Art, aber das ist etwas viel für jetzt. Vielleicht erklären wir dir das später, sobald wir in Illumina City ein Hotelzimmer bezogen haben, ich denke, die drei wollen weiter.“ Anubis hielt Newt seine Pfote hin, er wollte ihn nicht sofort streicheln.

„Okay.“ Newt schüttelte Anubis Hand kurz, ehe er von Flame beinahe über den Haufen gerannt wurde.

„Wowie! Wir werden die besten Freunde.“ Flame rieb ihren Kopf freudig an Newt. Dieser stand nur da und ließ die Begrüßung über sich ergehen, ehe Anubis Flame auf den Arm nahm.

„Was hab ich dir erst gestern gesagt?“ Anubis blickte Flame enttäuscht an.

„Ich soll nicht jedem, den ich für gut befinde entgegenspringen, das könnte diese verwirren und abschrecken.“ Flame blickte schmollend weg. Anubis nickte nur leicht und setzte sie wieder ab, denn er sollte Recht behalten, Lissy, Eden und Connor wollten weiterreisen. Und während Amphizel und Fiffyen Connor folgten, Aslan und Flame um die Reisegruppe herumtollten, Anubis Kira trug und Indigo immer etwas vor die Gruppe teleportierte, lief Bamelin eng an Lissys Beinen mit der Gruppe.

Lissy betrachtete ihn nachdenklich, ihr kam dieses Verhalten zu vertraut vor.







Während das Trio mit einem Pokémon mehr in der Gruppe ihren Weg nach Illumina wieder aufnahm, verbrachten Celine und Eddie ihren Tag damit weiter an sich zu arbeiten. Eddie suchte die, wenn auch sehr kleine, Trainingshalle von Nouvaria City auf, um dort weiter an seinen Pokémon und an sich zu trainieren. Mit seinen Gedanken war er dabei nicht bei der Sache, er saß längere Zeit einfach an den Geräten und starrte ins Leere oder vergaß ganz seinen Partnerinnen Befehle zu erteilen. Bibor flog zu ihm und rieb ihren Kopf an seinem.

„Hm? Tut mir leid, Bibor, ich wollte dich nicht ignorieren.“ Eddie streichelte seine Partnerin, dabei fiel sein Blick, abermals auf den Bibornit und seine Gedanken begannen wieder abzudriften. Es gefiel ihm nicht, für welchen Preis er diesen Stein bekommen hatte, oder womit er die Freiheit Celines und des Trios auf ihrer Reise erkauft hatte. Bisher hatte sich weder Magnolia noch Aliana bei ihm gemeldet. Im Gegensatz dazu, hatte er darauf bestanden, Begonia und Calluna über seinen Fund zu unterrichten. Er hatte immerhin eine Verpflichtung, dieser sollte er jetzt nachkommen können, warum also zog es ihn dann so herunter, die Megaentwicklung nutzen zu können? Er war allein zum Training gegangen und neben ihm und seinem Team war nur der Hausmeister, ein etwas älterer Mann und ein junges Mädchen anwesend, niemand schenkte ihm Aufmerksamkeit, er könnte einfach verschwinden und irgendwo zurückziehen, wo Team Flare ihn nicht finden würde, sollten sie ihn doch benötigen. Er presste seine Handballen gegen die Augen, warum nur hat er das gemacht. Warum musste er unbedingt diesen Deal eingehen? Er hätte sicherlich irgendwo anders einen ganze Bibornit finden können, es hätte nicht dieser sein müssen. Nun, Calluna schien über die neusten Entwicklungen bei ihm erfreut zu sein. Zumindest einer war einfach froh und stolz auf ihn. Vielleicht konnte er sich einmal im Stillen mit Calluna darüber unterhalten, was er nun dafür tun muss. Sie würde ihm vielleicht zuhören und unterstützen können. Für genau so etwas waren die beiden ihnen doch auch zugeteilt worden, oder etwa nicht?

„Entschuldigung, benutzt du das noch?“ Das junge Mädchen holte Eddie aus seinen Gedanken, als sie auf das Trainingsgerät deutete, auf welchem er gerade saß.

„Oh, tut mir leid, nein. Du kannst.“ Eddie schüttelte seinen Kopf kurz, stand auf und ließ das Mädchen trainieren. Er selbst blickte durch die Halle. Noch war er eigentlich nicht mit seinem Training fertig, aber wirklich die Muse dafür weiterzumachen hatte er auch nicht. Er entschied es für den Tag sein zu lassen, morgen war auch noch ein Tag, vor allem da Celine sehr viel Zeit damit verbrachte ihre neue Choreographie durchzuplanen. Sie hatte noch nicht einen Schritt final aufgeschrieben, während Haspiror Tag ein Tag aus, ihre Ausdauer trainieren musste. Sie hatte ihn darum gebeten, mit ihr am Tag des Showcase nach Illumina zu reisen, bis dahin wollte sie weiterhin bei seiner Familie bleiben. Bei dem Gedanken, dass sie versuchen könnte ihn auszuquetschen, wollte er am liebsten doch weiter in der Trainingshalle bleiben, hier würde ihn keiner fragen, wie er gegen Magnolia gewonnen habe, oder warum er so angespannt sei. Nein, hier konnte er in Ruhe nachdenken, in Ruhe abschalten, während er selbst darüber nachdachte, ob es nicht doch ein Fehler war, Magnolia und Team Flare beizutreten. Er spielte im Kopf noch einmal ab, was sie über Team Flare Ziele gesagt hatte. Eine bessere Welt für alle, wie wollten sie das erreichen? Etwa durch Gesetze und Überwachung? Eddie wisch sich etwas Schweiß von der Stirn, das ganze Denken war gerade viel mehr Sport für ihn als die zwei Stunden, die er gerade trainieren war. Am Ende brachte ihm das ganze Denken auch nicht weiter, was ihm seine zweite Anstellung nun einbrachte, würde er wohl noch früher oder später erfahren. Jetzt sollte er sich auf ein ordentliches Mittagessen von seiner Mutter freuen und sich nicht weiter mit deprimierenden Gedanken befassen, was geschehen ist, kann er erst einmal nicht rückgängig machen.



„Du bist ja schon wieder zurück.“ Celine blickte von ihrem Holo-log auf und sah ihn überrascht an. Eddie nickte nur, wirklich reden wollte er nicht, er hatte Hunger, Durst und vor allem keine Kapazitäten Celine gerade über sein Training zu informieren.

„Du kommst gerade rechtzeitig, Eddie. Der Auflauf sieht fertig aus.“ Catherine schaute hinter ihrem Ofen hervor. Sie sah ihrem Sohn den leeren Magen an, andererseits sorgte sie sich auch um sein Gemüt. Sie hatte ihren Sohn als ruhig und freundlich in Erinnerung, doch seit er gegen Viola gewonnen hatte, war er kurz angebunden, fuhr schneller aus seiner Haut und zog sich mehr in die Trainingshalle zurück als in den Wald.

„Danke, ich geh mich erst abduschen, fangt ruhig ohne mich an, sollte ich nicht rechtzeitig unten sein.“ Eddie zog sich in den ersten Stock seines Zuhauses zurück, um bei lauwarmem Wasser den Schweiß und die tristen Gedanken von sich zu waschen.

Seine Mutter und Celine blickten ihm sorgenvoll hinterher. „Ist irgendetwas vorgefallen?“ Catherine wandte sich Celine zu, als die beiden am Vortag zurückkamen, wurde hauptsächlich von Eddies großem Sieg über Viola gesprochen.

„Eddie hat eine Kriminelle aufgehalten, mehr weiß ich auch nicht.“ Celine hatte sich bereits die gesamte Nacht den Kopf darüber zerbrochen, was genau im Wald vorgefallen war. Vor allem, weil Eddie ihr bei all ihren Fragen nur ausweichend geantwortet hatte. Vielleicht waren Violas Bedenken gerechtfertigt? Konnte es denn sein, dass Eddie ihnen einige wichtige Details vorenthielt?

„Das klingt aber nicht nach etwas, dass meinen Sohn so aus der Fassung bringen sollte.“ Catherine holte den Nudelauflauf aus dem Ofen, während sie sich fragte, was ihrem Sohn wirklich passiert ist.

„Nicht wirklich, Eddie spricht aber auch nicht darüber.“ Celine erhob sich von ihrem Platz auf der Couch im Wohnzimmer und half Catherine dabei, den Esstisch zudecken. Sie hatte sich vorgenommen nicht negativ aufzufallen, also half sie so weit sie konnte mit im Haushalt, sprach so wenig wie möglich über sich und behielt bissige Kommentare für sich. Sie wollte einfach von Eddies Familie gemocht werden und so lange wie möglich ihre eigene Familie fernbleiben. Zu Hause vermisste man sie sowieso nicht, man meldete sich nicht bei ihr und auf ihre Nachrichten bekam sie keine Antwort.



Am Esstisch wurde zwar nicht direkt geschwiegen, dafür sorgte Linda, welche begeistert darüber philosophierte, welche Trainerinnen am Showcase teilnehmen werden. Eddie hingegen schwieg und stocherte in seinem Essen herum, während er seiner Schwester zuhörte. Er wich Celines Blicken aus und versuchte sich darauf zu fokussieren sein Essen auch wirklich zu essen. Obwohl sein Magen danach schrie, konnte Eddie sich nicht dazu bringen, etwas zu essen.

„Eddie Schatz, iss bitte etwas, du hast schon beim Frühstück kaum etwas zu dir genommen. Was auch immer dir so auf deine Laune schlägt, sollte dich nicht ins Grab bringen.“ Catherine beobachtete ihren Sohn, sie war es leid das gleiche Bild vom Morgen zu sehen. Was auch immer ihn verstimmte, sollte nicht dazu führen, dass er gar nicht mehr aß.

„Tut mir leid Mutter, ich fühl mich einfach nicht gut, ich glaub, ich hab mir einen Infekt eingefangen.“ Eddie schob seinen Teller vor, stand vom Tisch auf und schleppte sich in sein Zimmer. Vielleicht hatte er sogar recht, womöglich hatte er sich sogar noch etwas eingefangen, das käme ihm jetzt jedenfalls sehr gelegen. Eddie schmiss sich mit einem verzogenen Grinsen auf sein Bett. Wer würde sich freiwillig über eine Erkältung freuen? Er drückte sein Gesicht ins Kissen, um seinen Schrei zu dämpfen. Nachdem er ausgeschrien hatte, setzte er sich in seinem Bett auf, nahm seinen Holo-log zur Hand und wählte Callunas Nummer. Er starrte auf das kleine grüne Symbol, sollte er sie anrufen? Er atmete durch, doch ehe er den Anruf betätigen konnte, klopfte es an seiner Tür. Da er nicht antwortete, öffnete seine Mutter die Tür, um nach ihm zu sehen.

„Eddie, wie geht es dir?“ Catherine hatte ein Fieberthermometer in ihrer Hand und sah ihren Sohn besorgt an.

„Nicht so gut, tut mir leid, ich wollte euch nicht das Mittagessen versauen.“ Er legte den Holo-log weg und schenkte seiner Mutter ein schmales Lächeln. Es schmerzte ihn, sie alle anzulügen, aber was blieb ihm? Vor allem jetzt, dass Celine seiner Mutter erzählt hatte, dass Magnolia kriminell sei. Catherine atmete scharf durch die Nase, als ob eines ihrer Kinder sie beim Essen stören könnte, wenn sie krank waren. Sie setzte sich zu ihrem Sohn aufs Bett, ehe sie das Thermometer nutzte, presste sie ihm ihre Hand gegen die Stirn. Er glühte ein wenig, weshalb sie sich entschied seine Temperatur zu nehmen.

„Mit Fieber kann ich mir auch nicht vorstellen, dass es dir gut geht.“ Catherine blickte auf das Thermometer, mit 38 °C war es ihr kein Wunder, dass ihr Sohn neben sich stand. Mit liebevoller Kraft drückte sie ihn in sein Bett und deckte ihn zu. „Du solltest dich jetzt erstmal ausruhen, bevor ihr an Halloween nach Illumina City wollt.“ Sie machte beim Hinausgehen noch das Licht aus. Damit ließ sie Eddie zurück im Dunkeln. Dieser seufzte kurz, er war also wirklich krank, nun gut, was wollte er noch gleich machen, bevor seine Mutter reinkam? Er setzte sich auf und reib sich die Stirn, hoffte das dies sein Gehirn wieder ins Rollen brachte, doch das einzige sein Kopf wollte, war Ruhe. Also legte er sich geschlagen wieder hin, zog die Decke über den Kopf und hoffte, dass sein Kopf ihn zumindest zur Ruhe kommen ließ.



Während Eddie im Bett lag, saß Celine unten im Wohnzimmer und übte mit Haspiror weiter. Sie würde dieses Mal nicht wieder gegen Eden verlieren. Wenn die Zuschauer Ballett nicht würdigen, dann muss sie eben moderner werden. Sie sah sich zusammen mit ihrer Partnerin Videos von Showcasen der letzten Jahre an, vielleicht könnte sie einen von denen aufbessern. An das Thema wollte sie noch gar nicht denken, Halloween, was sollte sie denn da mit einem Normal und einem Feen Pokémon?

„Haspi. Haspiror“ Haspiror sah vom Holo-log auf, sie konnte nicht mehr, ihre Augen brannten und spielen wollte sie sowieso viel lieber.

„Wir können keine Pause machen, in zehn Tagen ist es so weit.“ Celine schüttelte ihren Kopf, sie konnte nicht aufhören, sie hatte noch nichts, kein Kostüm, keine Choreographie, kein Lied und vor allem noch keine Idee wie sie das in den nächsten Tagen zusammen bekommen sollte.

„Ich stimme deinem Haspiror zu, macht eine kleine Pause, hilf mir eben und dann kannst du dich mit einem frischen Kopf wieder an deine Aufgabe machen.“ Linda setzte sich zu Celine auf die Couch. Sie hatte eine Idee, nicht unbedingt die normalste, aber vielleicht könnte sie beiden helfen.

„Wie kann ich dir denn helfen?“ Celine gab es auf, ihr brannten die Augen ebenfalls und ihre Gedanken waren überall, nur nicht bei der Aufgabe.

„Ich wollte Eddie eine Suppe kochen, vielleicht willst du mir beim Schneiden des Gemüses helfen.“ Linda schnappte Celines Hände und zog sie von der Couch. Sie fasste Celine gerade so fest, dass sie sich nicht aus ihrem Griff befreien konnte, aber auch nicht verletzte. Celine sah sie überrumpelt an, bisher hatte man sie noch nicht darum gebeten beim Kochen zu helfen, und das war auch gut so, denn wo sie wusste wie sie Ofen und Mikrowelle benutzen musste, hatte sie das richtige Kochen lieber Köchen überlassen. Für sich selbst musste sie nie kochen, wie sollte sie sich also beim Schneiden anstellen? Linda ignorierte den Blick und führte Celine in die Küche. Das Gemüse hatte sie bereits gewaschen und geschält. Zwei Schneidebrettchen und Messer lagen auf der Arbeitsfläche bereit. „Keine Sorge, das schaffst du schon.“ Linda schob Celine an das eine Brettchen und reichte ihr eine Handvoll Möhren. „Schneid sie einfach in schmale Scheiben, aber nicht zu schmal.“ Damit ließ Linda auch Celine arbeiten, sie selbst nahm sich den Sellerie zur Hand und schnitt diesen zu kleinen Würfeln.

Celine blickte auf die Möhren, nahm eine und begann diese zu schneiden. Ihre Scheiben waren dabei so unterschiedlich in der Breite, dass Linda bei einigen der besonders dicken Scheiben noch einmal nach schnippelte. Während Celine die ihr gereichten Möhren bearbeitete, hatte Linda bereits den Sellerie und den Lauch fertig geschnitten, sie setzte bereits das Wasser im Topf auf den Herd. Celine verfiel in Hektik und wollte unbedingt rechtzeitig fertig werden, doch Linda legte ihr eine Hand auf die schneidende Hand.

„Ich wollte doch, dass du hier etwas lernst. Mach mal kurz eine Pause. Du musst beim Schneiden ein Gefühl für das Messer und die Möhre entwickeln. Erst wenn du dieses Gefühl hast werden die Scheiben auch gleichmäßig aussehen, dafür darfst du dich aber nicht so hetzen.“ Linda versuchte Celine trocken zu zeigen, was genau sie meinte. Am besten war es jedoch, Celine ganz langsam schneiden zu lassen, damit sie selbst sehen konnte, was Linda meinte.

Celine packte das Messer nun so, wie es Linda ihr zeigte, sah die Möhre überzeugt an und setzte das Messer an, schnitt und schob die Möhre ein kleines Stück weiter. Sie konzentrierte sich darauf, nur soweit zu schieben, bis sie ein gleich großes Stück abschneiden konnte. Langsamer, aber dafür sehr viel präziser arbeitete sie an der letzten Möhre, bis sie fertig war und Linda die Scheiben bereitstellen konnte.

„Danke, jetzt kannst du wieder weiter an deinem Tanz arbeiten.“ Linda zwinkerte ihr kurz zu, bevor sie sich völlig der Suppe zuwandte. Celine nickte nur stumm und verließ die Küche zum weiter arbeiten. Sie fand Haspiror eingerollt auf der Couch, so entschied sie alleine weiter zu schauen. Doch noch während sie die Videos ansah, überlegte sie, weshalb genau Linda sie darum bat ihr zu helfen. Sie wäre ohne Celine sicher schneller gewesen. Sie überlegte lieber, anstatt die Videos genau zu analysieren.





Und während sich Eddie auskurierte und Celine an ihrem Tanz arbeitete, kam das Trio endlich in Illumina City an. Es war bereits dunkel als sie den östlichen Stadtrand betraten. Sie entschieden den nächsten Bus in die Innenstadt zunehmen, während sie darüber beratschlagten, wo sie am günstigsten unterkommen konnten.

„Wir können nicht für zehn Tage im PokéCenter bleiben.“ Connor hatte sich extra bereits auf dem Weg darüber informiert, wie lange sie am Stück im PokéCenter übernachten durften.

„Dann sollten wir später schauen, dass wir ein Hotelzimmer finden, das uns nicht unser gesamtes Geld aus der Tasche zieht.“ Lissy war normalerweise nicht so zimperlich mit ihrem Geld umgegangen, wäre sie es, hätte sie sicherlich nicht so viel Krimskrams in ihrer Tasche, zwischen dem sie auch noch Aslans Schätze verstauen musste. Allerdings wusste Lissy, dass Illumina City nicht nur die Hauptstadt war, sondern auch die teuerste, wenn es um Wohnraum ging.

„Sollten wir das nicht besser sofort machen? Bevor wir noch um zehn Uhr nach einer Bleibe suchen?“ Eden war bereits beim ersten Planen des genauen Tagesplans in Illumina überstimmt worden. Es gab unzählige Möglichkeiten in der riesigen Metropole einen Ort zum Übernachten zu finden, da brauchten sie doch nicht so früh zu suchen, zumal ihr Onkel sicher früher das Labor verließ, als das ein Hotel die Pforten schloss. Auch diesmal entschieden sich Connor und Lissy gegen ihren Vorschlag und überhörten sie einfach geflissentlich. Eden verdrehte kurz die Augen, sie war es leid, die beiden darauf aufmerksam zu machen, dass sie nicht die einzigen Trainer waren. Natürlich, neben Celine und Eddie, waren sie die Einzigen, die für den Prinzen von Kalos arbeiteten, allerdings vermochte dies ihnen sicherlich nicht überall helfen an das zukommen, dass sie brauchten.

„Du machst dir zu viele Gedanken. Komm, wir sind fast da.“ Connor zog Eden von ihrem Platz, während Lissy bereits zum nächsten Ausgang des Busses trottete. Der Bus war zwar nicht besonders überfüllt, aber wirklich leer war er auch nicht. Als der Busfahrer nun bremste, verlor Eden das Gleichgewicht mit ihren Sachen, Connor wollte noch nach ihr greifen, allerdings brachte das abrupte Halten auch ihn aus dem Gleichgewicht, sodass er sie nicht schnell genug abfangen konnte und Eden schlug mit ihrem Kopf gegen eine der Haltestangen und rutschte zu Boden. Mit ein paar Tränen in den Augen rieb sich Eden den Hinterkopf, stand auf, schnappte sich ihr Gepäck und verließ mit Lissy und Connor den Bus.

„Alles gut bei dir, junge Dame?“ Eine ältere Frau, sie stieg mit ihnen aus, legte Eden ihre Hand auf die Schulter. „Der Sturz sah gefährlich aus.“

„Mir geht es gut, danke der Nachfrage.“ Eden grinste die Frau verlegen an, es war ihr peinlich, dass sich eine wildfremde Frau Sorgen um sie machte.

„Sei trotzdem vorsichtig. Ihr beide solltet ein Auge auf sie haben, sie könnte sich schwerer verletzt haben als es nun scheint.“ Die Frau schenkte Eden ein sorgenvolles Lächeln, ehe sie sich an Lissy und Connor wandte. Ihre dunkelgrünen Augen funkelten die beiden ernst an. „Pass bitte gut auf dich auf, junge Dame.“ Mit diesen Worten verabschiedete sich die Frau von ihnen.

„Kennst du die Frau?“ Connor sah Eden verwirrt an, bei seinen letzten Besuchen der Hauptstadt waren die Bewohner viel eher dazu geneigt gewesen einen runterzumachen oder einen völlig zu ignorieren, anstatt sich Sorgen um ihre Mitmenschen zumachen.

„Nein, nicht, dass ich wüsste.“ Eden zuckte leicht mit den Schultern. Sie war von der Situation genauso überrascht worden, wie ihre Freunde. Lissy blickte sie unsicher an.

„Aber du bist dir sicher, dass es dir gut geht? Ich mein nur, ältere Menschen wissen meistens mehr als wir.“ Sie war sich nicht sicher, inwieweit das nun auf diese Frau zutraf, aber die Möglichkeit, dass sie recht haben konnte, wollte Lissy sehr gerne ausschließen. Eden nickte, sie fühlte sich großartig, nun gut, sie würde sicher eine Beule davon tragen und ein wenig brummte ihr auch der Schädel, aber das war alles. Mehr als ihr glauben, konnten Lissy und Connor gerade nicht, also taten sie den Sturz als einfach das ab und betraten das Labor des Professors.



„Ah, da seid ihr drei ja wieder.“ Diesmal empfing der Professor sie persönlich in der Eingangshalle. Er hatte einige Unterlagen unter seine Arme geklemmt, hielt seine Lieblingskaffeetasse in der rechten Hand und stand neben seinem Knakrack, als das Trio durch die Tür trat.

„Wir stören sie doch hoffentlich nicht?“ Lissy blickte auf ihre Uhr, es war bereits früher Abend, wahrscheinlich wollte der Professor nur noch aufräumen und dann gehen.

„Ach was, nein, ich wollt nur gerade eine kleine Pause machen.“ Professor Platan grinste die drei an, Knakrack neben ihm brüllte kurz zur Begrüßung.

„Das trifft sich gut, dann halten wir sie auch nicht von ihrer Arbeit ab.“ Connor wollte direkt zum Anlass des Besuches kommen.

„Hat es mit der Megaentwicklung zu tun? Oder etwas anderem?“ Der Professor war bereits darauf gefasst, dass die drei ihn nicht einfach so besuchen wollten.

„Es geht um das Freundschaftsphänomen Onkel. Monsieur Valois wollte, dass wir mehr dazu herausfinden.“ Eden nahm ihrem Onkel die Unterlagen ab, während sie alle gemeinsam in die kleine Küche des Labors gingen. Ihre Pokémon blieben bei Knakrack, welcher in der Eingangshalle blieb und stolz davon berichtete, dass er stärker geworden ist.

„Hm, ja, davon hab ich bereits gehört.“ Der Professor stellte seine Tasse auf dem Esstisch ab, setzte sich und bot den Trainern ein paar Kekse, die auf dem Tisch standen, an. „Wieso sollt ihr es denn erforschen? Soweit ich weiß, hat das nichts mit der Megaentwicklung zu tun. Noch nie hat sich ein Megapokémon mit seinem Partner verbunden.“

„Bis vor einer Woche.“ Connor saß dem Professor gegenüber. Links von ihm hatte es sich Eden bequem gemacht, sie schüttelte ganz leicht den Kopf.

„Wie meinst du das?“ Professor Platan wurde neugierig, ihm kam noch nie zu Ohren, dass ein Megapokémon zur Synchronisation fähig gewesen sei. Natürlich benötigte man auch für die Megaentwicklung bereits ein starkes Band zwischen Trainer und Pokémon, dieses war allerdings nie so besonders stark, wie die bei Trainern, die das Freundschaftsphänomen einsetzten.

„Letzte Woche, im Kampf gegen Valerie, haben wir es gesehen. Eden, zeig deinem Onkel doch die Daten, die du Flordelis geschickt hattest.“ Lissy war aufgeregt, sie hatten tatsächlich etwas Neues herausgefunden. Eden nickte nur matt, holte das Tablett hervor und zeigte dem Professor die Wellenmuster.

„Sind das eure?“ Platan blickte zu Eden. „Sind das wirklich deine und Anubis Gehirnwellen?“ Er war außer sich, ob vor Freude oder vor Wut konnte allerdings keiner der drei genau einschätzen. Eden nickte ganz zaghaft, sie holte nun ihr kleines Notizbuch hervor. Sie hatte nach dem Kampf aufgeschrieben, wie sich die Verbindung mit Anubis angefüllt hatte. Diese Niederschrift zeigte sie ihrem Onkel nun auch.

„Das ist außergewöhnlich. Sehr außergewöhnlich.“ Platan nahm seiner Nichte ihr Büchlein ab, und lass sich durch, was diese genau geschrieben hatte. Vom Forschergeist gepackt, blickte er nun noch einmal auf die aufgezeichneten Wellenmuster. „Ich wusste schon immer, dass ihr beide ein sehr inniges Band habt, aber dass es so stark ist, das hätte ich niemals vermutet.“ Er ging die Wellen mit seinem Zeigefinger entlang. „Hier, da wart ihr beide ganz kurz synchron.“ Es war nur eine sehr kurze gemeinsame Linie der beiden Wellen, bis sie sich sehr abrupt wieder voneinander entfernten. „Und hier, was ist passiert als ihr euch wieder voneinander entfernt habt?“

„Anubis ist zusammengeklappt und Eden auf ihre Knie gesunken. Sie hat auch keine Erinnerung daran.“ Connor fasste kurz das wichtigste zusammen. Dass mehr passiert war, als nur das Zusammenbrechen der beiden, konnte er allerdings auch nicht wissen. Platan sah ihn verständnislos an, legte dann seiner Nichte mitfühlend die Hand auf die Schulter.

„Geht es dir denn jetzt besser? Habt ihr beiden das nochmal versucht?“ Er war nicht nur besorgt um sie, er machte sich auch Gedanken um Anubis.

„Wir haben es nicht nochmal gemacht. Anubis geht es auch soweit ganz gut, ich hab momentan Kopfschmerzen, aber ich hab mich gut erholt.“ Eden gähnte kurz, ergab es überhaupt Sinn, was sie sagte?

Lissy sprang auf. „Du hast Kopfschmerzen! Und das sagst du uns erst jetzt?“ Sie sah Eden schockiert an.

Eden sah sie verwirrt an. „Ja, ich trink gleich einfach etwas, dann passt das schon wieder.“

„Lissy, was ist los?“ Professor Platan sah die beiden Mädchen verwirrt an.

„Eden ist eben im Bus gegen eine der Stangen geschlagen.“ Connor sah Eden an, die Kopfschmerzen konnten doch von allem kommen, besonders viel getrunken hatte sie nicht und die Nacht hatte keiner von ihnen besonders viel Schlaf bekommen.

Der Professor sah Eden besorgt an. „Stimmt das?“ Eden nickte nur. „Hattest du auch schon vorher Kopfschmerzen?“ Eden zuckte mit den Schultern, warum musste ihr Onkel denn jetzt auch besorgt sein. Ihr ging es doch gut.

„Mir geht es soweit ganz gut. Ich weiß gar nicht, warum ihr euch alle so sorgt.“ Eden holte ihre Flasche heraus, um einen Schluck zu trinken. Lissy setzte sich beunruhigt wieder hin. Wie konnte Eden nicht besorgt sein, sie tat so als wäre gar nichts passiert.

„Dann pass aber auf dich auf. Lissy und Connor, ihr solltet auch ein wachsames Auge behalten, es könnte mehr sein.“ Professor Platan sah Eden unschlüssig an, am liebsten hätte er sie sofort zum Krankenhaus getragen, um sicherzugehen, dass ihr nichts fehlte, andererseits sagte man ihm immer wieder, er solle sich nicht immer so große Sorgen um Eden machen. Er seufzte, wie könnte er sich denn keine Sorgen machen.

„Nun gut, können wir zurück zum eigentlichen Grund unseres Besuches kommen?“ Connor deutete wieder auf die Sachen vor Professor Platan. „Haben sie Informationen zu diesem Phänomen?“

„Nein, ich weiß nicht mehr als ihr oder Flordelis, aber ich weiß, dass es in Vanitéa jemanden gibt, der euch mehr über diese besondere Art der Verbindung erzählen kann. Wenn ihr wollt, melde ich euch bei ihm an für morgen.“

„Ach was, nein. Wir sollen doch erstmal schauen, ob es Eden gut geht, und dann ist doch auch in zehn Tagen der Showcase. Wir gehen einfach bei ihm vorbei, wenn wir irgendwann nach Vanitéa kommen“, sagte Lissy so schnell sie konnte. Sie wollte auf keinen Fall nach Vanitéa, vor allem nicht, wenn der Showcase bereits so nah war.

„Sicher? Ich dachte, Flordelis wollte, dass ihr das Phänomen erforscht.“ Professor Platan sah Lissy misstrauisch an, irgendetwas stimmte hier nicht, warum wollte Lissy nicht nach Hause?

Connor zuckte mit den Schultern. „Natürlich will er, dass wir es erforschen, aber er hat betont, dass wir unsere Reise dafür nicht biegen und brechen sollen.“

Professor Platan nickte nur, das sah seinem Freund sehr ähnlich. „Na gut, ich sag ihm dennoch Bescheid, dass ihr wohl irgendwann vorbeikommen werdet.“ Lissy sah erleichtert aus. „Apropos Vanitéa, dein Bruder war die Tage hier und hatte nach dir gefragt.“ Professor Platan blickte zu Lissy, augenblicklich spannte sie sich an. Ihr Bruder? Aber der war doch in Fluxia an der Universität, was hatte er hier zu suchen.

„Ah, ich werde mich dann wohl mal bei ihm melden. Danke Professor Platan.“ Lissy stand auf. „Dann sollten wir jetzt gehen und uns eine Bleibe suchen.“ Eden und Connor stimmten ihn zu und erhoben sich ebenfalls von ihren Stühlen, bevor sie gemeinsam gingen, verabschiedeten sie sich noch vom Professor und seinen Pokémon. Knakrack und ein kleines Froxy spielten mit den anderen in der Eingangshalle. Sie winkten noch zum Abschied, ehe die Trainer mit ihren Pokémon durch die Tür verschwanden.

Das Trio fand ein Zimmer am östlichen Stadtrand in einem kleinen Hostel. Lissy und Connor waren noch dabei, ihre Sachen auszupacken, als Eden sich im Bad einschloss und das noch zuvor gegessene Abendessen wieder hochwürgte. Mit Tränen in den Augen saß sie vor der Toilette und hielt ihre Haare aus ihrem Gesicht.

„Eden? Geht es dir gut?“ Connor stand auf der anderen Seite der Tür.

„Ich glaub nicht.“ Eden schloss mit etwas zittrigen Händen die Tür auf und blickte ihm matt entgegen.

„Woah, nein, du siehst scheiße aus, komm, wir gehen mit dir zum Krankenhaus. Lissy!“ Connor wischte Eden kurz mit etwas Klopapier über das Gesicht, hob sie vom Boden und trug sie ins Wohnzimmer. Lissy kam aus ihrem Zimmer gerannt, sie hatte bereits damit gerechnet, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung war. Sie hatte Edens Handtasche in der linken und ihre eigene in der rechten, während sie Connor die Tür aufhielt. Gemeinsam eilten die beiden, Connor mit Eden auf dem Arm, zur nächsten Haltestelle und stiegen in den ersten Bus, der auftauchte. Es war der letzte Zug, der noch in die Innenstadt fuhr, und da keiner dazu stieg für einige Haltestellen, konnte Lissy den Busfahrer davon überzeugen sie direkt zum Krankenhaus zu fahren. Es war nur ein kleiner Umweg für den Mann und so ließ er sich nach Schilderung der Lage ohne weiteres darauf ein.

Im Krankenhaus angekommen, setzte man die drei erst einmal ins Wartezimmer, allerdings suchte Eden schnell das nächste Badezimmer auf, ihr war übel, und ohne Lissy hätte sie es auch nicht bis zum Bad geschafft, so schwindelig war ihr.

Als sich endlich eine Ärztin finden ließ, die sich Eden ansah, stand schnell fest, Eden hatte sich eine leichte Gehirnerschütterung zugezogen, nichts Ernstes, aber sie sollten weiterhin ein Auge auf Eden haben. Nicht nur das, sie wurde auch von den Vorlesungen befreit und dazu verdonnert, die nächsten fünf Tage ruhig im Bett zu liegen, bis es ihr wieder besser gehe.

______
Hey,

Endlich ist auch das nächste Kapitel fertig. Ich hoffe wirklich sehr das es euch wieder gefallen hat und ich die Figuren gut getroffen habe.

Ich möchte euch hier schon einmal vorwahnen, aber ab dem 4.Juli fange ich meine Grundausbildung an und komme daher natürlich nicht mehr so regelmäßig zum schreiben. Demnach solltet ihr wohl eher mit unregelmäßigen Uploads rechnen, womöglich werde ich die drei Monate auch nur zu jeweils einem Upload im Monat kommen. Bleibt mir trotzdem bitte erhalten, immerhin sind wir hier ja noch lange nicht durch.

Apropos noch nicht durch, lasst mich doch bitte wissen ob euch die Geschichte zu langsam, zu schnell oder genau richtig vorkommt. Ich hab mir nämlich die kluge Idee in den Kopf gesetzt, dass diese Geschichte etwa über ein Jahr gehen soll. Also in der Geschichte, mal schauen wie lange ich daran schreibe.

Etwas auf das ihr euch jedoch freuen könnt, im nächsten Kapitel findet der nächste Showcase statt. Demnach dürft ihr euch schon darauf freuen wieder abstimmen zu dürfen.

Ich verabschiede mich dann jetzt erstmal und wünsche euch noch eine schöne Woche.
Liebe Grüße
Cas
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