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Das Erbe der schwarzen Magier II - Der Feind in ihrer Mitte

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Drama / P18 / Mix
Ceryni Hoher Lord Akkarin Lord Dannyl Lord Rothen Regin Sonea
01.12.2021
26.04.2022
13
132.150
27
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Dieses Kapitel
4 Reviews
 
01.12.2021 2.677
 
Hallo ihr Lieben, nach sechs Wochen Pause, in denen ich mich auf das Ende von Teil 3 konzentrieren habe (die Rohfassung ist noch nicht ganz fertig, liegt aber in den letzten Zügen), geht es nun mit Teil 2 weiter.

Weil der Prolog kurz ist und ich es dieses Jahr weder geschafft habe, einen Adventskalender zu schreiben noch eine Leseprobe zu diesem Teil zuladen, habe ich dem Prolog einen alternativen Prolog hinzugefügt. Dieser war eigentlich für ein Bonuskapitel am Ende gedacht, doch aus den obengenannten Gründen ich mich kurzerhand entschieden, ihn hier zu posten. Bitte lest die Szene mit einem Augenzwinkern. Auch wenn die Ereignisse darin Headcanon sind, habe ich sie in erster Linie aus Spaß an der Freude und nicht im Hinblick auf literarischen Mehrwert geschrieben.


Und jetzt wünsche ich euch ganz viel Spaß beim Lesen <3







Prolog


]
Obwohl die dritte Stunde gerade erst begonnen hatte, brannte die Sonne gnadenlos auf die Dächer von Arvice und vertrieb die Schatten aus den Straßen. Bis zum Mittag würde die Stadt zu einem Backofen und wer nicht gerade Sklave war oder ein dringendes Geschäft zu erledigen hatte, würde das Haus nicht verlassen.

Oder wer Palastwache ist.

Es geschah selten, dass der Palastmeister Wachdienst hatte, doch wenn dem so war, dann ging es um den Schutz des Königs, seiner Familie oder seiner Cachira.

Die jungen Sklavinnen reckten neugierig die Köpfe nach den Karren, die gezogen von Gorin in den Hof rollten. Die älteste der zehn Mädchen war vierundzwanzig, die jüngste fünfzehn und erst vor kurzem zur Frau erblüht. Von allen war sie die Aufgeregteste, als erhoffe sie sich, dass Schmuck und Geschmeide helfen würden, damit der König sie mit ins Bett nahm. Tatsächlich dienten Ishakas Sklavinnen ausschließlich der nicht-sexuellen Unterhaltung.

Als die Karren sich unter den Blicken der diensthabenden Palastwachen in einem Halbkreis im Hof aufgereiht hatten und die Verkäufer und ihre Gehilfen ihre Stände aufgebaut hatten, bedeutete Ienara den Mädchen, ihr und Esari zu folgen. Die junge Frau, die offiziell Ivasakos und Ienaras Bettsklavin war, war mit einigen Mädchen befreundet und beteiligte sich am Tanz- und Musikunterricht, den Ienara der Cachira erteilte.

Ivasako folgte ihnen in einigem Abstand. Bei solchen Gelegenheiten war er nicht Ienaras Mann und Meister, sondern sorgte dafür, dass es während des Aufenthalts der Händler auf dem Palastgelände nicht zu Zwischenfällen kam.

Mehrmals pro Jahr kamen Händlerkarawanen aus anderen Ländern zum Palast. Bevor sie ihre Ware auf dem Markt feilboten, boten sie dem König von Sachaka ihre besten Stücke an. Neben Delikatessen und Wein verkauften sich Schmuck, kostbare Stoffe und Parfum am besten. In dieser Hinsicht stand Ishaka als König seinem Vorgänger Marika in nichts nach. Die Cachira musste immer vorzeigbar sein.

Während die Sklavinnen Halsketten, Armreifen, Ringe und Diadems mit aufgeregtem Getuschel und gelegentlichen Quietschlauten bestaunten, begutachtete Ienara die bunten Stoffe an einem anderen Stand. Elynische Seide und so fein gesponnenes Leinen, dass es beinahe wie Seide schimmerte. Esari war ihr gefolgt. Seit einer Weile unterstützte sie Ienara im Schneidern von Kleidern. Ein Großteil der Garderobe für die Cachira kam indes von einem Ashaki, der sich auf Frauenmode spezialisiert hatte. Das meiste entwarf Ienara für sich und ihre kleine Familie, wie sie Ivasako, Esari und ihren Ziehsohn Jorika bezeichnete.

„Etwas Schmuck für Eure Frau?“

Ivasako fuhr herum zu dem kyralischen Händler am Nachbarstand. Auf dem Verkaufstisch lagen die schönsten Halsketten in Gold, Silber, Bronze und Messing. Ivasako warf einen Blick zu Ienara, die am Nachbarstand um den Preis für einen dunkelblauen Stoff feilschte. Hart und unerbittlich, wie sie es immer tat. Für einen Moment drohten ihn seine Gefühle zu überwältigen. Auch nach vierzig Jahren gehörte sein Herz noch immer ihr allein. Trotz einiger Fältchen und der gelegentlichen grauen Strähne war sie für ihn die schönste Frau auf der ganzen Welt. Sie hatte nie aufgehört, sich als Sklavin zu sehen und doch für Ivasako war sie eine Königin.

Langsam und wachsam kam Ivasako näher. Einen Stand weiter feilschte Ienara noch immer um den Preis. Obwohl der König die Händler bezahlte, ließ die Meisterin der Cachira diese spüren, dass sie sie nicht ausnehmen konnten, nur weil sie sich auf Palastgelände befanden.

„Was könnt Ihr mir anbieten?“, fragte Ivasako den Schmuckhändler.

Der Händler, der seinem Blick gefolgt war, deutete auf mehrere Ketten. „Gold oder Messing würde sich hervorragend an ihr machen. Entweder pur oder mit Juwelen von kräftiger Farbe. An Eurer Stelle würde ich Messing nehmen. Es sieht aus wie Gold, ist jedoch härter und es ist günstiger – seit ein paar Jahren der letzte Schrei in den Verbündeten Ländern. Das Kupfer kommt aus den Imperialen Bergen. Der Rubin aus der Region vom Jenna-See.“

Ivasako betrachtete das Schmuckstück, das der Mann ihm entgegenhielt. Er verstand nicht viel von Schmuck, doch er kannte den Unterschied zwischen Juwelen und Glas.

„Jenna-See sagt Ihr?“

Der Mann nickte. „Von dort kommen die besten Rubine der Verbündeten Länder.“

Ivasako nahm die Kette entgegen und betrachtete die filigranen Verzierungen auf dem Anhänger und die feinen Kettenglieder. Er versuchte sich vorzustellen, wie sie an Ienara aussehen würde. Mit einem Finger fuhr er über das rote Juwel, das in die Mitte des Anhängers gefasst war. Dahinter spürte er etwas, das ihm vertraut war.

Mit einem Lächeln sah er zu dem Händler. „Ich nehme die Kette.“







Prolog (alternativ)



Eine Salve Feuerschläge raste auf Sonea zu. An der Farbe und Helligkeit sah Sonea bestätigt, was ihre magischen Sinne ihr sagten. Einige Feuerschläge waren stärker als andere. Und ihre Sinne sagten ihr noch etwas anderes: In den Feuerschlägen waren drei transparente Kraftschläge versteckt. Den meisten Magiern würden sie entgehen, doch jahrelange Duelle mit dem trickreichsten und gemeinsten Magier der Magiergilde zu Kyralia hatten Soneas Sinne geschärft.

Kurz bevor die Angriffe Sonea erreichten, änderten die Kraftschläge ihre Flugbahn. Mit einer Streckung ihres Willens verstärkte Sonea ihren Schild oben und an den Seiten, bevor die Kraftschläge dort einschlugen. Die Feuerschläge prasselten derweil von vorne auf sie ein, keiner jedoch stark genug, um ihrem Schild ernsthaften Schaden zuzufügen.

Sonea hob eine Hand.

„Genug!“

Lina stellte ihren Angriff ein. Die Luft um sie herum flimmerte, als die transparente Kugel, die sie umgab, sich auflöste.

„Du wirst immer besser“, teilte Sonea ihrer Novizin mit. „Mit diesem Trick könntest du einige unserer Krieger in Bedrängnis bringen.“

„Danke, Mylady.“ Linas Antwort kam ein wenig schroff. „Aber für meine Ansprüche ist das noch nicht gut genug.“

„Du bist talentierter als die meisten Krieger, die gerade ihren Abschluss gemacht haben“, erwiderte Sonea. „Sei nicht so hart zu dir selbst. Deine Fähigkeiten sind herausragend.“

Linas Miene verfinsterte sich. „Aber nicht gut genug, um schwarze Magier zu bekämpfen.“

Perfektionismus war eine Sache, die Sonea nur allzu gut verstand, die jedoch auch schaden konnte, wann man sie zu weit trieb. Rache eine andere. Und diese war noch schädlicher, wenn man sie zu weit trieb, und führte niemals zu Befriedigung.

Sie wusste jedoch auch, dass es zwecklos war, dies ihrer Novizin zu erklären.

„Du hast fast alles über Kriegskunst gelernt, das die Gilde als Wissen bietet. Bei deinem Ehrgeiz wirst du es noch sehr weit bringen, Lina“, sagte sie. „Ich werde mich dafür einsetzen, dass du nach deinem Abschluss den Kriegern zugeteilt wirst, gegen die der Hohe Lord und ich jede Woche in der Arena kämpfen.“

Lina nickte und sie wirkte etwas weniger ungehalten.

Der Universitätsgong hallte über das Gelände. Sonea bedeutete ihrer Novizin, ihr zum Ausgang zu folgen, bevor Lady Nastias Abendklasse in die Arena strömte.

Vor dem Portal wartete eine vertraute schwarzgewandete Gestalt. Mit Ende vierzig war sein einst schwarzes Haar an den Schläfen ergraut und einige silbrige Strähnen verliehen dem altmodischen Zopf, zu dem er ein Haar zurückgebunden trug, Struktur. Als er Sonea und ihre Novizin erblickte, verzogen sich seine Mundwinkel zu einem seltenen Lächeln. So auch die Narbe, die sich über seine linke Geschichtshälfte bis zum Hals zog und seine Augenbraue teilte.

„Sonea“, sagte er. „Lina.“

„Hoher Lord“, erwiderten Sonea und Lina nahezu gleichzeitig und Sonea musste dem unwillkürlichen Drang widerstehen sich zu verneigen, als ihre Novizin es neben ihr tat. Auch nach so vielen Jahren hatte Akkarins ehrfurchtgebietende Ausstrahlung zuweilen noch diesen Effekt auf sie. Und dafür liebte sie ihn.

„Du hast sehr gut gekämpft, Lina“, sagte er. „Tatsächlich wirst du von Mal zu Mal, das ich zusehe, besser.“

„Vielen Dank, Hoher Lord“, erwiderte Lina mit geröteten Wangen.

- Das tut es aber auch nur, wenn sie nicht weiß, dass du zusiehst, sandte Sonea durch den Blutring an ihrer rechten Hand.

- Das ist wahrscheinlich.

„Du hast großes Talent, Lina. Ich bin sicher, du wirst eines Tages eine großartige Kriegerin sein“, sagte Akkarin, worauf sich das Rot auf Linas Wangen vertiefte und Sonea sich fragte, ob er sie absichtlich in Verlegenheit brachte.

„Das wäre schön“, antwortete Lina.

- Seltsam. Als ich ihr dies vorhin in fast demselben Wortlaut gesagt habe, wollte sie mir nicht glauben.

- Das könnte daran liegen, dass sie nicht das Bedürfnis verspürt, dir zu gefallen, obwohl sie das sollte.

„Lina“, sagte Sonea. „Nutze den Rest des Tages, um dich auf den Test vorzubereiten, den du morgen bei Lady Indria schreibst. Solltest du zu dem Stoff fragen haben, kannst du sie mir morgen früh stellen.“

„Ja, Mylady.“ Lina verneigte sich vor ihr und Akkarin. „Auf Wiedersehen, Hoher Lord.“

„Lina“, erwiderte Akkarin kühl.

Mit einem letzten sehnsüchtigen Blick über die Schulter schritt Lina in Richtung Novizenquartier davon. Es kam Sonea vor, als würde sie ihre Hüften dabei etwas mehr schwingen lassen als sonst.

„Sie wird allmählich zu alt für diese Schwärmerei“, murmelte Akkarin.

„Was habt Ihr erwartet, Hoher Lord? Dass sie sich in einen Jungen aus ihrer Klasse verliebt? Nicht einmal dieser Karrin kann sich mit Euch messen“, erwiderte Sonea feixend.

„Ein junger Krieger wäre intellektuell und altersmäßig eine gute Wahl.“

„Ein junger Krieger wäre aber nicht Ihr, Hoher Lord.“

„Es wäre dennoch besser für sie.“

Der Unterton in seiner Stimme sagte Sonea, dass Linas Schwärmerei ihm Unbehagen bereitete. Wo Akkarin-der-umtriebige-Novize es genossen hatte, zahlreiche Verehrerinnen zu haben, missfiel Selbiges dem Akkarin, der aus Sachaka zurückgekehrt war. Als Lina noch ein Kind gewesen war, war ihre Schwärmerei süß gewesen. Inzwischen fand auch Sonea sie zuweilen als anstrengend. Doch sie versuchte Verständnis zu zeigen. Schließlich war Akkarin der Mann, der Lina aus den Fängen von Ashaki Ikaro gerettet hatte.

„Ich bin sicher, das wächst sich noch aus“, sagte sie.

„Inzwischen wage ich das zu bezweifeln.“ Akkarins Augenbrauen zogen sich zusammen, dann glättete sich seine Miene. „Nun, Sonea. Was hältst du von einem Abendspaziergang?“

Sonea hob eine Augenbraue. „Heute wieder romantischer Akkarin?“

Er musterte sie mit kühler Erheiterung. „Muss ich es als Befehl formulieren, Sonea?“

„Also nicht einvernehmliches Spazierengehen?“

Die Piratennarbe zuckte. „Wenn dir das lieber ist, dann auch das.“

„Dann beuge ich mich Euren Wünschen, Hoher Lord.“

Akkarin nahm ihre Hand und schritt mit ihr durch den Park, vorbei am Dome und am Heilerquartier. Mehrere Magier kamen ihnen entgegen und grüßten sie ehrfürchtig, obwohl Akkarin sich so informell gab. Sonea hatte nie verstanden, wie es ihm gelang, selbst dann noch Autorität auszustrahlen, wenn sie Hand in Hand gingen. Vielleicht lag es daran, dass man auf diese Weise sofort zum Angriff mit kombinierter Magie übergehen konnte.

Auf der Wiese vor den Sieben Bögen blühten die Pachibäume. Weiß-rosa Blütenblätter rieselten zu Boden, als Sonea und Akkarin unter dem Blütendach hindurchschritten, und verfingen sich in ihrem Haar und auf ihrer Robe.

„Erzähl mir von deinem Tag“, sagte Akkarin, als sie den von Vogelgezwitscher erfüllten Wald betraten. Das erste Grün spross aus den Zweigen, doch die Luft war deutlich angenehmer als im Park.

„Er war nicht sonderlich spektakulär“, antwortete Sonea.

„Das macht nichts.“

In wenigen Worten berichtete Sonea, wie sie ihre Klasse in Kriegskunst unterrichtet hatte. Laysa und San-San hatten einen neuen Trick gemeistert, wohingegen die Zwillinge sich gesträubt hatten, als Sonea sie getrennt und ihnen unterschiedliche Gegner zugewiesen hatte. „Ich habe ihnen gesagt, dass sie lernen müssen, getrennt zu kämpfen, für den Fall, dass einer von ihnen im Kampf stirbt. Und, oh, Regin hat gefragt, ob ich am Freitag mit ihm zu den Pferderennen gehe. Ich habe ihm gesagt, dass ich erst dich um Erlaubnis fragen müsste.“

„Und jetzt willst du, dass ich es dir verbiete, damit du ihm nicht sagen musst, dass du keine Lust hast, weil du ihn diesbezüglich schon zu oft versetzt hast“, folgerte Akkarin.

„Dann müsste ich mir keine Ausrede überlegen, um ihn nicht zu kränken“, antwortete Sonea mit einem süffisanten Lächeln, wohl wissend, dass er sich strikt dagegen ausgesprochen hatte, die Kontrolle über ihre Freizeit zum Teil ihrer Vereinbarung zu machen, nach der sie das Spiel das keines war spielten.

„Und was macht dich so sicher, dass ich dir nicht befehle, hinzugehen?“

Abrupt blieb Sonea stehen. „Willst du mich ärgern?“, fragte sie.

Akkarin blickte kühl zu ihr herab. „Wer ärgert denn hier wen?“

„Einen Versuch war es wert.“

Kopfschüttelnd nahm er wieder ihre Hand und führte sie eine Steigung empor. „So oft, wie du ihn bezüglich der Pferderennen versetzt hast, solltest du tatsächlich gehen“, sagte er. „Er ist dein Freund und offenkundig bedeutet es ihm viel.“

„Ich weiß“, sagte Sonea. „Doch es gibt kaum etwas, das langweiliger ist.“

„Dann überlege dir einen Weg, wie du die Erfahrung für dich amüsanter gestalten kannst.“

„Du meinst so, wie wenn wir ins Theater gehen?“

„Zum Beispiel.“

Als Sonea darüber nachdachte, erkannte sie, dass dies gar keine schlechte Idee war. Und vielleicht konnte sie das sogar so gestalten, dass Regin auch davon profitierte. „Dann gebe ich der Sache eine Chance.“

„Und schon gehst du, ohne dass ich es dir befehlen musste.“

„Stattdessen hast du mich mit weisen Ratschlägen dazu manipuliert“, erwiderte sie frech.

Die Bäume teilten sich vor ihnen und ein fröhliches Plätschern erfüllte Soneas Ohren. Sie waren an der Quelle angelangt. Akkarin führte sie zu einem sonnenbeschienenen Felsen und ließ sich darauf mit ihr nieder.

„Jetzt bin ich verwirrt“, sagte Sonea. „Also doch romantischer Akkarin?“

„Angesichts des Anlasses, ja.“

„Was ist denn der Anlass?“

Akkarins Mundwinkel zuckten. „Ich kann nicht glauben, dass du das vergessen hast, Sonea.“

„Das kann ich dir erst sagen, wenn ich weiß, was ich vergessen haben soll.“

Er schien noch immer erheitert, was Soneas Verwirrung steigerte. „Heute vor fünfzehn Jahren haben wir geheiratet.“ Er zog ein Päckchen aus buntem Seidenpapier aus seiner Robe. „Das hier ist für dich. Zum Hochzeitstag.“

Überrascht sog Sonea die Luft ein. „Das wäre nicht nötig gewesen“, sagte sie und nahm das Päckchen entgegen. Sie hatten noch nie ihren Hochzeitstag gefeiert. Wenn überhaupt dachte sie dabei an ihre zweite Hochzeit, die ein halbes Jahr später hier an der Quelle stattgefunden hatte. Ein schwarzmagisches Ritual, nur sie beide in ihren Roben und das alles sehende Auge über ihnen. „Jetzt habe ich nichts für dich.“

„Jeder Tag mit dir ist ein Geschenk, auf das ich niemals zu hoffen wagte. Du hast mir mein Leben zurückgegeben und das nicht nur in medizinischer Hinsicht. Dir eine kleine Aufmerksamkeit zu machen, wiegt das nicht im Geringsten auf und doch will ich dir für diese Zeit danken.“

Ja, das war definitiv der romantische Akkarin. Doch zugleich erfüllten seine Worte Sonea mit einer irren Wärme, als hätte er ihr gerade zum ersten Mal ihre Liebe gestanden. „Du zeigt mir jeden Tag, wie sehr du mich liebst“, sagte sie. „Das ist alles, was ich brauche.“

Ihre Blicken begegneten einander und für einen langen Moment glaubte Sonea, sich in seinen Augen zu verlieren.

„Und jetzt mach das Geschenk auf.“

„Ja, Hoher Lord“, erwiderte sie amüsiert. Sie öffnete die Schnur und wickelte ein Buch aus dem Seidenpapier. „Die Abenteuer des Gayend von Gallene“, las sie. „Band Eins: Gayend und der schwarze Kristall.“ Das Buch war von einem Alend von Brennini. Der Name war Sonea unbekannt.

„Es ist der erste Band einer Abenteuerreihe aus Elyne“, sagte Akkarin. „Dana ist ganz begeistert davon. Nach allem, was sie darüber erzählt hat, bin ich überzeugt, dass es dir gefallen wird.“

„Danke“, sagte Sonea und umarmte ihn. „Ich liebe dich, aber das weißt du ja schon.“

„Ich liebe dich auch“, erwiderte Akkarin und ihre Lippen trafen aufeinander, während die Sonne unter ihnen im Wald versank.


***


Ich hoffe, der Einstieg hat euch gefallen. Nächste Woche Dienstag geht es richtig los mit Kapitel 1 und dann geht es wie gewohnt zweiwöchentlich weiter.
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