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Kein kleiner Urlaubsflirt

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P18 / Het
01.12.2021
06.05.2022
15
26.117
6
Alle Kapitel
37 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
01.12.2021 1.806
 
Hallo ihr Lieben,

eure Tante ist zurück und hat eine brandneue Geschichte im Gepäck!

Lasst uns gemeinsam dem kalten, grauen Wetter entfliehen und kommt mit mir an die Nordsee. Die Wellen rauschen und die Sonne scheint warm auf uns herunter. Wir sitzen am Strand, genießen den Sommer und lesen eine schöne Fanfiction.

◟ ◠ ◡ ◜ ◝ ◞◟ ◠ ◡ ◜ ◝ ◞


Bevor es mit dem ersten Kapitel los geht, einige Hinweise:
Die nachfolgende Geschichte entspringt zu 100% meiner Phantasie, nichts davon ist real und nichts davon ist autobiographisch.
Es erwartet euch eine Familiengeschichte mit ein bisschen Rosamunde-Pilcher-Flaire ;)
Geplant ist ein Kapitel pro Woche.

Und jetzt viel Spaß beim Lesen!

◟ ◠ ◡ ◜ ◝ ◞Kapitel 1◟ ◠ ◡ ◜ ◝ ◞



„Aber Papa, es ist einfach nicht Sylt.“ Einzelne Tränen kullerten über die Wangen des Jungen und mit jedem Wort wurde seine Stimme leiser. Er versuchte krampfhaft das Weinen zurückzuhalten, schniefte und wischte sich dann mit der Hand über die Nase. Zusammengesunken saß er in seinem Autositz auf der Beifahrerseite des Wagens und starrte seine Schuhe an. Er sah viel kleiner und jünger aus, als er eigentlich war.

„Ich weiß, Kumpel. Hast du deine Zahnbürste eingepackt?“ Chris stand vor der offenen Autotür und ignorierte den Gefühlszustand seines Sohnes. Innerlich war er so angespannt, dass er befürchtete jeden Moment in die Luft zu gehen. Doch das wollte er seinen Sohn nicht spüren lassen. Nicht jetzt. Die Situation bloß nicht zum Eskalieren bringen.

Noah nickte und blieb dann stumm.

„Na siehst du, dann haben wir doch alles. Jetzt schnall dich an, es geht los.“ Seine Stimme hatte freundlich und zuversichtlich klingen sollen, doch sie zitterte und überschlug sich. Hoffentlich bemerkte Noah seine eigene Unsicherheit nicht.

Er ließ die Tür etwas zu feste ins Schloss fallen, ging um den Wagen herum, stieg ein und nur wenige Momente später fuhren sie los.

In Richtung Nordsee. Aber es ging eben nicht nach Sylt.

Sylt.

Damit waren so viele schöne Momente verbunden. Familienurlaube, als sie drei noch eine echte Familie waren. Selbst nach der Trennung waren sie manchmal noch gemeinsam in ihr übliches Ferienhaus gefahren. Eine echte Idylle. Aber man konnte eben nicht alles haben und dieses Jahr mussten sie mit dem Festland vorlieb nehmen. Ihm missfiel es genauso wie seinem Sohn, aber das sollte dieser natürlich nicht merken. Sie hatten Glück gehabt, so kurzfristig überhaupt etwas zu finden. Eigentlich war die Ferienwohnung auch viel zu groß für sie beide, er hoffte dass sie sich nicht allzu einsam darin fühlen würden. Aber so gab es wenigstens eine kleine Chance, dass die Sommerferien nicht komplett zum Desaster wurden.

Schweigend saßen Vater und Sohn nebeneinander im Auto. Noah hatte aufgehört zu weinen, schwieg aber weiterhin. Chris versuchte auch gar nicht erst, ihn zum Sprechen zu bewegen. Es würde eine stille Fahrt werden.

Noah hatte seine Stirn gegen das Fenster gelehnt und starrte geradeaus. Er fühlte sich innerlich leer und einsam. Er konnte seit Tagen nicht richtig essen oder trinken, fand keinen Schlaf und hatte so viel geweint wie noch nie in seinem Leben. Man hatte ihn im Stich gelassen. SIE hatte ihn im Stich gelassen. Er war im wahrsten Sinne mutterseelenalleine und das wurde ihm gerade bewusst. Auch die Anwesenheit seines Vaters konnte daran nichts ändern. Er hatte ein tiefes Loch in seinem Herzen. Sie hatte ihn verraten. Ihren eigenen Sohn. Ihn von sich geschoben und sich für ein anderes Leben entschieden.
Noah war auf der Zielgeraden zum Teenager, er glaubte die Zusammenhänge zu verstehen und das machte es umso schmerzhafter. Er wusste, dass er keine Schuld an diesen Umständen trug und trotzdem suchte er sie bei sich. Hatte er sie nicht erst vor kurzem als „blöde Kuh“ beschimpft? War sie deshalb gegangen? Obwohl sie ihm sein ganzes Leben lang versichert hatte, dass sie ihn bedingungslos liebte?

Aus dem Augenwinkel beobachtete Chris verstohlen seinen Sohn. Er konnte sich vage vorstellen, wie es in ihm brodelte. Doch er war gerade nicht in der Lage, ihn emotional aufzufangen. Er war mit den Gedanken ganz woanders, verfluchte sich selbst dafür. Er wusste, dass die Geschehnisse der letzten Tage ihre Spuren hinterlassen hatten. Dass da ein traumatisierter Junge neben ihm saß. Nach den Ferien würde er einen Termin mit dem Schulpsychologen ausmachen. Genau, nach den Ferien. Oder eher gesagt nach seinem aktuellen Projekt. Wenn er als Produzent arbeitete, konnte er nicht einfach mitten in der Produktion in den Urlaub fahren. Er hatte Verpflichtungen, es gab immerhin Verträge und Deadlines. Doch zum Glück hatte er ein tolles Team hinter sich stehen und sie hatten ihm diese zwei Wochen freigeschaufelt. Fast jedenfalls. Er würde sich einen Arbeitsplatz einrichten und einige Stunden am Tag vor seinem Laptop sitzen müssen. Und während der restlichen Zeit würde er einen tollen Urlaub mit seinem Sohn verbringen. Alle Katastrophen und die Angst vor der Zukunft  vergessen und es sich richtig gut gehen lassen. Und hoffentlich wäre er dann in der Lage, sich richtig auf Noah einzulassen und ihm eine Stütze zu sein. Dann würden sie sich nicht mehr anschweigen, so wie gerade jetzt. Er würde sich ihm anvertrauen, immerhin war er sein Vater. Und seinem Vater konnte man doch alles erzählen, oder? Und nach den ernsten Gesprächen würde sich Erleichterung breit machen, sie würden lachen und toben und einfach unbeschwert sein.

Jedenfalls sah so Chris´ Idealvorstellung des Urlaubes aus. Er hielt gedanklich fast schon krampfhaft daran fest, doch während er erneut den Blick über seinen Sohn gleiten ließ, kamen ihm die ersten Zweifel.

◟ ◠ ◡ ◜ ◝ ◞◟ ◠ ◡ ◜ ◝ ◞


Auch andernorts wurde sich auf die Fahrt in den Urlaub vorbereitet. Es war drei Uhr in der Nacht, als Sophias Wecker klingelte. Sie brauchte einen kurzen Moment um ganz zu sich zu kommen, schlurfte in die Küche und blieb kurz unschlüssig vor der Kaffeemaschine stehen. Kaffee oder kein Kaffee, das war hier die Frage. Mit Kaffee im System würde sie schneller wach werden, aber auch schneller wieder zur Toilette müssen. Sie entschied sich für einen Schluck Wasser und ging dann weiter ins Bad. Warum musste die Nordsee auch so verdammt weit weg sein? Es war jedes Jahr ein Akt, acht, manchmal neun Stunden Autofahrt. Doch dieses Mal würden sie nicht ganz so weit fahren, schließlich war ihr Ziel ein anderes als sonst.

Nachdem sie sich halbwegs fit für die Fahrt fühlte, weckte sie Amelie. Sie kroch zu ihr ins Bett und streichelte sie sanft. Kleine Ärmchen schlangen sich um Sophias Hals und brachten sie zum Lächeln.

„Es ist so weit, Spätzchen. Wir fahren in den Urlaub.“

„Juhuuuuu“, brüllte sie ihr ins Ohr und war sofort hellwach und sehr begeistert. Sophia bewunderte diese kindliche Eigenschaft und wünschte sich nicht zum ersten Mal, direkt nach dem Aufwachen so topfit zu sein.

Amelie schien sich nicht an der Tatsache zu stören, dass ihr Schlaf mitten in der Nacht unterbrochen wurde und sie brabbelte fröhlich vor sich hin. Sophia packte noch die letzte Tasche, belud sich selbst dann mit eben jener, ihrem großen Rucksack, nahm Amelie noch auf den Arm und verließ schwer bepackt das Haus.

Jetzt würde der anstrengendste Teil kommen. Emotional jedenfalls viel anstrengender als die lange Fahrt an sich. Hoffentlich konnte sie es kurz halten. Sie ging durch das Gartentor und sah schon das Licht hinter den Vorhängen des Nachbarhauses. Bevor sie auf die Klingel drücken konnte, wurde die Tür geöffnet und ihre Schwiegermutter stand im Morgenmantel vor ihr. Es glitzerte verräterisch in ihren Augenwinkeln, sie hatte wahrscheinlich schon wieder geweint. Sophia schluckte.

„Omaaaa, wir fahren in Urlaub!“, rief Amelie ihr enthusiastisch entgegen und zappelte auf dem Arm ihrer Mutter herum.

Die ältere Dame mit den grauen Locken versuchte ein Lächeln aufzusetzen, doch es wirkte sehr gezwungen.

„Und du bist wirklich sicher, dass ihr – “

„Ja, bin ich! Es muss sein.“

Sophia hatte keine Lust auf weitere Diskussionen. Die letzten Tage waren geprägt davon gewesen und es kam ihr schon zu den Ohren raus.

„Aber muss es denn das Auto sein? Ihr hättet doch auch – “

„Mach es gut, Hannelore. Wir fahren vorsichtig und rufen an, sobald wir angekommen sind.“

Sie ging einen Schritt nach vorne, umarmte sie und ließ Amelie noch einige Küsschen auf Omas Wange verteilen. Zum Schluss drückte sie ihr noch den Haustürschlüssel in die Hand und winkte ihr auf dem Weg zum Auto noch einmal zu.

Die aufkommenden Tränen unterdrückend schnallte Sophia ihre Tochter an und setzte sich dann hinter das Steuer. Sie konnte Hannelore nur zu gut verstehen. Und die allmächtige Angst, die sie umtrieb. Doch wollte sie sich vor dieser Angst so sehr im Leben einschränken lassen? Sollte sie nach ihrem Verlust nicht lieber nach vorne schauen und ihrer Tochter ein gutes, sorgloses Leben ermöglichen können? Ihre Schwiegermutter konnte einfach nicht verstehen, dass das Leben nun mal weiter ging. Und Sophia vermochte auch nicht in ihren Schuhen stecken, konnte sich kaum vorstellen, welches Ausmaß der Tod des eigenen Kindes bedeutete. Es war schon kaum in Worte zu fassen, wie hart es gewesen war, den Ehemann zu verlieren, aber das eigene Kind… Das war wahrscheinlich noch schlimmer. Da war es schwer, den Lebensmut nicht zu verlieren.

Beinahe gewaltsam schob sie die Gedanken der Trauer zur Seite, stellte sich Manuels Gesicht ganz dicht an dem ihren vor und rief sich die schönen Momente ins Gedächtnis. Die langen Fahrten in den Urlaub, bevor Amelie auf der Welt war. Wie sie neben ihm saß und die meiste Zeit schlief, davon geweckt wurde, wie er ihr eine Strähne aus dem Gesicht strich. Sie versuchte sich an die Sorglosigkeit von damals zu erinnern und ein Stück davon mit auf die Reise zu nehmen.

So gestärkt und durchflutet von schönen Gedanken fuhren sie los.

Amelies Kindersitz hatte sie auf dem Beifahrersitz installiert, ihre kleine Tochter gluckste aufgeregt vor sich hin und bestaunte die Dunkelheit um sie herum. Noch bevor sie die Autobahn erreicht hatten, war die 3-jährige eingeschlafen und ihre Mutter konnte sich jetzt richtig entspannen und auf die Straße konzentrieren. Sophia liebte lange Autofahrten, das hatte sie schon immer getan. Doch mit einem Kind im Auto war alles anders. Noch dazu war sie jetzt alleine und es war niemand da, mit dem sie die Verantwortung teilen konnte.

Dieser Urlaub sollte der Startschuss in ein neues Leben werden. Bisher war Sophia selten über längere Zeit ganz alleine mit ihrer Tochter gewesen. Manuel war ein toller Vater gewesen, der sich im gleichen Maße wie sie einbrachte. Noch dazu wohnte seine Mutter im Haus nebenan und war im letzten halben Jahr täglich bei ihnen gewesen. Doch Sophia fühlte, dass es jetzt an der Zeit war, wieder auf beiden Füßen zu landen und alleine für ihre Tochter zu sorgen. Auch wenn es vorerst nur für zwei Wochen sein sollte.


◟ ◠ ◡ ◜ ◝ ◞◟ ◠ ◡ ◜ ◝ ◞


Lasst mir gerne eure ersten Eindrücke und Meinungen da. Ich sitze seit August an dieser Story und freue mich über Kritik.
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