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Infinitum Novum - Salvation

von Myska
Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy / P16 / Gen
Vampire
01.12.2021
18.05.2022
20
35.215
2
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01.12.2021 1.484
 
Trigon 3047

~Benjamin~

Nervös starrte ich auf das Gerät in den Händen des Mannes, der wie jeden Monat kontrollierte, ob mein Blut menschlich genug war, um nicht in eines jener Aussortierungslager gesteckt zu werden. Ich wusste, dass ich dort eigentlich hingehörte und es nur meiner Ziehmutter verdankte, dass ich immer noch frei herumlief.
Das Gerät piepte und spukte einen Zettel aus, den mir der Mann gab und er lächelte.
„Du musst doch nicht immer solche Angst haben“, meinte er, „Deine letzten Test waren immer im Rahmen. Du bist ein Mensch, so wie alle hier.“
Ich nickte und steckte den Zettel zu meinem Ausweis. Mit diesem hatte ich jetzt erst einmal wieder einen Monat Ruhe. Ich hob meinen Rucksack wieder an, bedankte mich bei ihm und verließ das Kontrollzentrum, wobei ich an jenen vorbeikam, die noch darauf warteten, getestet zu werden. Es war Pflicht eines jeden Einwohners das jährlich zu tun und wer es nicht tat, der landete in einem der Aussortierungslager. Ich wusste, dass ich in so einem nicht landen wollte, denn ich kam auf meinem Weg zu dem Kontrollzentrum hier immer wieder an eines vorbei und das was ich sah machte mir Angst. Außerdem hatte ich ein Jahr meiner Kindheit in einem verbracht.
Draußen erwartete mich meine Ziehmutter, die mich anlächelte.
„Dein Test war also in Ordnung“, ich nickte und ging auf sie zu, „Das ist gut, damit haben wir jetzt einen Monat Ruhe davor.“
„Ich habe Hunger“, meinte ich und schritt an ihr vorbei, „Können wir unterwegs etwas Essen?“
„Ja natürlich“, sie folgte mir den Weg schweigend zurück in die Stadt. Nur als wir die Brücke vorbei an jenem Lager überquerten, blieb sie stehen und sah traurig hinab. Ich wusste, dass sie in so einen gearbeitet hatte, bevor sie mich aufgenommen und groß gezogen hatte. Und ich erinnerte mich auch noch ein wenig daran, wie es für mich in dem Lager dort gewesen war als Kind. Ich war sehr froh, dass sie mich gerettet hatte, auch wenn sie es trotzdem zugelassen hatte, dass man meine echte Mutter tötete, dafür dass sie sich mit einem Mann eingelassen hatte, der nicht dem Standard entsprach.
„Wie lange denkst du, können wir diese Lüge noch aufrecht erhalten“, fragte ich sie leise, nachdem ich mich vergewissert hatte, dass uns keiner hörte. Sie wandte sich zu mir um.
„Ich hoffe lange genug, bis diese Welt wieder zu Besinnung kommt“, meinte sie eben so leise. Ich seufzte. Diese Welt würde sich aber nicht ändern. Nicht mehr. Oder wenn dann nicht zum Guten für uns. Zehn Jahre ertrug ich es jetzt getestet zu werden. Erst war es nur jährlich wie bei allen gewesen, doch seit vor zwei Jahren nach einem Streit mit meiner Ziehmutter mein Wert etwas abgewichen war, ließ man mich nun monatlich kontrollieren.
Sie ging weiter und dieses Mal folgte ich ihr. Wir aßen unterwegs eine Kleinigkeit, ehe wir endlich unsere Wohnung betraten und mir war als könnte ich endlich meine Maskerade ablegen, nachdem sie hinter uns die Tür geschlossen hatte.
„Du weißt, dass sich nie etwas an dieser Welt ändern wird und sie mich irgendwann doch wieder in eines der Lager sperren oder“, ich wandte mich zu ihr um und sie hob verärgert eine Augenbraue, „Meine Mutter hatte dir doch gesagt, was mein Vater war, bevor sie mich dir anvertraute. Das hast du mir selbst erzählt.“
Sie nickte.
„Ja und ich versprach ihr, dass ich dich beschützen würde, solange ich könnte, weshalb ich dich auch mit dem Testergebnis eines toten Jungen hinausgeschmuggelt hatte“, sie seufzte, „Ich habe sehr viel für dich bisher riskierst und ich werde das auch weiter tun, weil es falsch ist dich für etwas womit du geboren wurdest in ein Aussortierungslager zu stecken.“
Alleine dass es diese Dinger gab, war falsch. Angeblich sollte das diese Welt säubern, aber alles was es brachte war Angst und Schrecken. Absolut nichts war daran richtig jemanden einzusperren und zu töten, der einfach etwas Anderes als ein normaler Mensch war.
„Ich bin dir ja auch sehr dankbar dafür, aber ich weiß halt nicht, wie lange das noch klappt, dass wir deren Messgeräte austricksen. Ich meine irgendwann muss das doch auffallen, dass in deiner Klinik jeden Monat Blutkonserven verschwinden oder“, erwiderte ich ihr und sie verschränkte die Arme.
„Das war jedenfalls einfacher, als es nur jährlich war“, gab sie zurück und seufzte, bevor sie ihre Arme doch wieder sinken ließ und an mir vorbei in Richtung Küche ging, „Aber keine Angst noch glauben sie mir, dass ich es für Forschungszwecke brauche.“
Das war zumindest erst einmal gut für uns. Vor allem für mich.
„Ok gut“, ich wandte mich ab in Richtung Treppe, „Ich bin in meinem Zimmer und mache meine Hausaufgaben. Plan mich bitte nicht mehr zum Essen ein. Ich bin nämlich auch furchtbar müde.“
Sie rief mir etwas nach, doch ich ignorierte sie und stieg die Stufen zum oberen Flur hinauf, wo mein Kinderzimmer ihrem gegenüber lag, seit ich bei ihr wohnte. Ich wusste, dass dieses vor mir ihrem eigenen Sohn gehört hatte, aber auch dass er mit ihrem Mann verunglückt war. Sie hatte mir nie wirklich erzählt, was passiert war und ich hatte zwar immer vorgehabt sie zu fragen, es jedoch nie getan.
Ich schloss die Zimmertür hinter mir und schmiss meine Tasche neben meinem Schreibtisch, ehe ich auf mein Bett setzte und mich zurückfallen ließ. Ich war wirklich müde, so wie jedes Mal, wenn sie mir mein Blut abgenommen und stattdessen das eines Anderen gegeben hatte. Einmal hatten wir das nicht getan, weil ich zu wütend gewesen war, um sie das tun zu lassen. Zur Strafe durfte ich mir das jetzt monatlich antun.
Ich starrte auf die Kinderweltkarte an der Dachschränke über mir, die wir angebracht hatten als ich zehn war und runzelte die Stirn. Ganz unten standen symbolisch Kinder von den verschiedensten Einwohner Trigons und hielten lächelnd Hände. So etwas war heute kaum noch denkbar und die Meisten dargestellten Wesen waren schon ausgerottet. Vermutlich wurde diese Karte mittlerweile nicht einmal mehr verkauft, weil es das gewünschte Weltbild störte.
Diese ganze Welt war doch irre geworden. Ich hatte doch nicht einmal vor so zu werden, wie mein Vater, den ich ja nicht einmal wirklich kannte. Jedenfalls erinnerte ich mich nicht an viel von ihm. Vielleicht war er ja ein guter Mann tatsächlich gewesen, obwohl er eben kein Mensch war. Und vielleicht war ich ja auch ein guter Mensch, in dessen Adern halt zur Hälfte das Blut eines Vampirs floss?
Ich schloss die Augen und seufzte. Ich bin ein Mensch und werde nie etwas anderes sein, sagte ich mir immer wieder leise, so dass es klang wie ein Mantra, bis ich endlich entspannt genug war, um einzuschlafen.
Lange schlief ich nicht, sondern wachte wenige Stunden später wieder auf. Draußen war es bereits dunkel und ich erhob mich aus meinem Bett und schaltete das Licht ein, bevor ich mich an meinem Schreibtisch setzte und nun doch endlich meine Hausaufgaben begann. Es war nichts sonderlich Spannendes und das Meiste verstand ich ohnehin nicht, weil es mich nicht interessierte und ich nicht zuhörte, was unsere Lehrer uns erzählten. Vor allem wenn es darum ging, wie toll und schön doch alles jetzt sei, kamen mir immer wieder Brechreize. Nicht einmal als kleiner Junge hatte ich diese Lüge geglaubt und als ich einmal meine Meinung dazu gesagt hatte, war direkt meine Ziehmutter gerufen worden. Man hat ihr Vorwürfe gemacht, weil ich so verzogen sei und ihr gedroht mich ihr wegzunehmen, wenn ich weiter so verzogen wäre. Danach hatte ich nie wieder ehrlich gesagt, was ich davon hielt und schwieg eigentlich den ganzen Unterricht.
Ein Klopfen an der Tür unterbrach mich und ich drehte meinen Kopf zu Selbigen.
„Ben, bist du noch auf“, fragte sie draußen, „Ich bringe dir etwas zu Essen und zu Trinken. Du kannst nicht ohne Abendessen zu Bett. Du hast schon die letzten Tage viel zu wenig gegessen und gerade heute braucht dein Körper das.“
Weil sie auch so gut wusste, was ein Teenagerjunge brauchte. Ich legte meinen Stift ab und ging zur Tür, um sie ihr zu öffnen. Sie hielt mir ein Tablett entgegen, auf dem ein Teller mit Brotscheiben und einer mit verschieden Aufschnitt standen und auf welchen sie eine Wasserflasche gelegt hatte.
„Danke“, erwiderte ich ihr und nahm es ihr ab, „Aber ich habe keinen Hunger.“
Sie sah mich besorgt an.
„Ich muss nur meine Aufgaben endlich fertig kriegen und dann schlafen. Ich muss wieder früh raus“, ergänzte ich und ging mit dem Tablett zu meinem Tisch, wo ich dieses abstellte, ehe ich mich zu ihr umdrehte, „Du doch auch oder nicht?“
Sie nickte.
„Aber ich werde vermutlich bereits weg sein, wenn du aufstehst“, meinte sie und seufzte, „Iss bitte trotzdem etwas, bevor du schläfst. Und bring den Rest morgen früh mit hinunter.“
„Mache ich“, versprach ich ihr und erntete ein Lächeln von ihr, ehe sie sich umdrehte und mein Zimmer verließ. Ich schloss hinter ihr die Tür wieder und widmete mich wieder meinen Hausaufgaben.
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