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Harry Potter und das Erbe des Phönix

von Melody18
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Fantasy / P16 / Het
Albus Dumbledore Draco Malfoy Harry Potter Hermine Granger OC (Own Character) Ronald "Ron" Weasley
28.11.2021
01.02.2023
73
237.985
16
Alle Kapitel
59 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
25.01.2023 3.742
 
Hallo, meine Lieben :) Das magische Abenteuer geht weiter und das heutige Kapitel bringt so einige Ereignisse mit sich :D Ich bin gespannt auf eure Meinungen und wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen ;)

Liebe Grüße,
eure Melody


                                                                            ~~~

                                                                Der Schleier fällt


Als Amberle den Eingang zur Schule erreichte, raste ihr Herz bereits aufgrund des hohen Tempos und auch der Anspannung, die sie verspürte. Was ihr bevorstand war schließlich kein leichtes Unterfangen und dennoch war es notwendig, um den Schleier endlich fallen zu lassen und dadurch die Wahrheit ans Licht zu bringen. Sie betete, dass Harry die Aufgabe heile überstand und vielleicht sogar als Sieger des Turniers ausgehen könnte.
Es kam Amberle wie eine Ewigkeit vor die Korridore zu durchqueren und den Weg zur großen Halle hinter sich zu bringen. Und in jeder einzelnen Sekunde lag ihre Befürchtung nahe, von irgendjemandem erwischt zu werden, was vollkommen absurd war, da sich alle beim trimagischen Turnier befanden. Endlich erreichte sie die zwei großen Flügeltüren, die sich durch Magie selbst öffneten und Amberle sah in die Halle, in der keine Menschenseele war. Ihr Blick richtete sich sogleich auf den Feuerkelch, der nach wie vor in der Ecke stand und sie zog ihren Zauberstab, den sie auf Tische und Stühle richtete, welche sie durch Magie ordentlich zur Seite schob und sich somit ein gutes Stück Platz in der Mitte des Raumes schuf. Dann sah sie fest entschlossen zum Feuerkelch und richtete ihren Zauberstab auf das mächtige Relikt.
>>Wingardium Leviosa. <<
Genau wie Flitwick es ihr und ihren Klassenkameraden im ersten Jahr beigebracht hatte, ließ Amberle den Feuerkelch behutsam durch die Luft schweben und stellte ihn in der Mitte des Raumes ab. Die unheimliche Stille, die Amberle aufgrund aller Abwesenheit umgab, verursachte bei der Hexe eine Gänsehaut und dennoch zwang sie sich, ihre Konzentration auf das Hier und Jetzt zu richten. Eine bessere Gelegenheit bekam sie nicht und dies war ihre einmalige Chance, den Feuerkelch in das Ritual mit einzubeziehen.
Sie steckte ihren Zauberstab zurück in ihre Hosentasche und schloss die Augen. Es würde eine Menge Konzentration und Magie erfordern, um das Ritual sorgfältig durchzuführen und daher durfte ihr kein Fehler unterlaufen. Gerade als Amberle die erste Formel anwenden wollte, erklangen jedoch Schritte und eine vertraute Stimme drang zu ihr durch.
>>Amberle, warte! <<
Abrupt fuhr die Hexe herum und stand Draco gegenüber, der ihr ins Schloss gefolgt war und starrte ihn entgeistert an.
>>Verschwinde, Malfoy. Ich hab keine Zeit für deine Scharaden. Du musst gehen und zwar sofort. <<, zischte die Hexe energisch, aber der schüttelte den Kopf und trat auf sie zu.
>>Nein. Ich weiß, was du vorhast. Du willst das Ritual nochmal durchführen und genau deshalb bin ich hier. Amberle, du darfst diesen Zauber nicht nochmal anwenden. Ich habe ihn mir mehrfach angesehen und gelesen, dass du dieses Traumwandeln nur kannst, wenn ein Teil deiner Seele sich bereits in diesem Reich befindet. Und dieses Reich wird von den Seelen der Verdammten bewacht. Zwar habe ich keine Ahnung, was das bedeutet, aber es klingt nicht so, als wäre es etwas Gutes. <<


Der Slytherin versuchte eindringlich, Amberle von ihrem Vorhaben abzubringen. Doch die war nur umso entschlossener und verspürte nach wie vor Wut gegenüber Draco.
>>Wann hörst du endlich auf, dich in meine Angelegenheiten einzumischen? Das hier geht dich nichts mehr an und was auch immer ich tue, ist meine Entscheidung. Deshalb sage ich dir ein letztes Mal: verschwinde! <<
Draco sah sie erschüttert an, als ihm bewusst wurde, dass Amberle ihre Meinung keineswegs änderte. Sie würde dieses Ritual durchziehen und er konnte sie nicht davon abhalten. Zumal sie sicherlich im Stande wäre, ihn wenn nötig außer Gefecht zu setzen. Deshalb traf Draco eine Entscheidung, die zwar vollkommen verrückt war und ihm sicher noch mehr den Zorn von Amberle ernten ließ, doch er hatte keine Wahl. Denn wenn sie sich schon in Gefahr begab, dann sollte sie das keinesfalls alleine tun.
>>Wird schon schiefgehen. <<, murmelte er und schloss mit einem Schwenker seines Zauberstabes die Türen, ehe er die Fenster der Halle verdunkelte und dann den Zauberstab zurücksteckte. Amberle beäugte ihn misstrauisch, als er zu ihr in die Mitte des Raumes trat und schien nach finsteren Absichten seinerseits zu suchen.
>>Was wird das? <<
>>Nun, da ich dich nicht von diesem Wahnsinn abhalten kann, werde ich wenigstens dafür sorgen, dass du ihn überlebst. Auch wenn ich immer noch der Meinung bin, dass das eine ganz miese Idee ist. <<, klärte er sie auf, doch Amberle schnaubte abfällig.
>>Vergiss es. Mit dir unternehme ich keine geheimen Missionen mehr. <<
>>Amberle! Schieb für einen Moment mal diverse Konflikte beiseite und hör mir zu. Das Buch der Schatten birgt schwärzere Magie als jedes andere Relikt und es könnte dir den Tod bringen. Deshalb ist es klüger, wenn man noch jemanden hat, der die Augen offen hält, sollte die Situation außer Kontrolle geraten. Abgesehen davon, wirst du das hier brauchen. <<
Er zog etwas aus der Innentasche seiner Jacke hervor, was sich als Miniatur des Buches offenbarte. Eine einzige Berührung mit dem Zauberstab reichte aus und das Buch der Schatten erhielt seine normale Größe zurück. Amberle sah fassungslos auf das Exemplar, als sich die Antwort bereits in ihrem Kopf zusammenfügte.
>>Du hast gewusst, dass ich den Zauber heute durchführen würde. <<
>>Ich hatte so eine Ahnung. Mir war klar, dass du es nochmal versuchen würdest und irgendwie erschien mir die dritte Aufgabe als die logischste Erklärung. Ziehen wir das jetzt gemeinsam durch oder nicht? <<, verlangte der Blonde zu wissen und Amberle zögerte einen Moment, ehe sie ihm das Buch entriss und ihn mit warnendem Blick anfunkelte.
>>Damit eins klar ist, das ändert gar nichts. <<


Sie wandte sich von ihm ab und ließ das Buch unmittelbar vor dem Feuerkelch zu Boden gleiten. Draco trat in ihre Nähe und beobachtete die Hexe dabei, wie sie die Seiten aufschlug und bei dem Zauber des Traumwandelns Halt machte. Ihn beschlich ein ungutes Gefühl, als Amberle einen Zauber sprach, um die Kerzen aufflammen zu lassen und auch der Feuerkelch entfachte sein blaues Feuer, was den Slytherin unwillkürlich zusammenzucken ließ.
>>Wozu der Feuerkelch? <<, fragte er und Amberle antwortete, ohne ihn eines Blickes zu würdigen.
>>Er wird mir verraten, wer den Namen von Harry reingeworfen hat. Denn irgendjemand scheint daran interessiert zu sein, dass Harry an diesem Turnier teilnimmt und der Feuerkelch wird mir offenbaren wer. <<
Draco musste zugeben, dass Amberle brillant war. Sie hatte wirklich an alles gedacht und so langsam verstand er, warum der sprechende Hut bei der Einschulung behauptet hatte, sie würde die Eigenschaften aller vier Häuser in sich vereinen. Den Mut einer Gryffindor besaß sie ohne Zweifel und auch die Loyalität von Hufflepuff zeigte sich in ihr, da sie für ihre Freunde alles tun würde. Aber genauso stark zeichneten die Intelligenz von Ravenclaw und der Ehrgeiz der Slytherin die junge Hexe aus, was sie, so absurd es vielleicht klang, gewissermaßen zu einem Multitalent machte. Und spätestens das bewies Draco ein für allemal, dass Amberle Harvey unmöglich eine muggelgeborene Hexe sein konnte.
Amberle selbst ahnte nichts von den Gedankengängen, die Draco hegte, sondern ließ sich im Schneidersitz vor dem Buch der Schatten nieder und schloss die Augen. Ihre wilde Entschlossenheit ließ keinen Zweifel mehr zu, dass dies hier der einzige Weg war, um die Wahrheit ans Licht bringen zu können. Deshalb verwarf sie auch die leise Stimme, welche ihr die Warnung von Dumbledore ins Gedächtnis rief und sie sprach die Formel für das Traumwandeln aus, während sie ihre Konzentration wieder auf den Traum richtete und gleichzeitig den Feuerkelch mit einbezog.
>>Vim somniorum carpe. <<
Amberle spürte, wie sie sich langsam aber sicher in ihrer Position verharrend nach oben in die Lüfte erhob. Draco beobachtete dies mit Staunen, aber auch großer Besorgnis, denn ein Detail ließ ihm einfach keine Ruhe.
>>Amberle, wenn wirklich ein Teil von deiner Seele in diesem Reich existieren sollte…wie bei Salazar kommt es dann dorthin? <<, rief er angespannt aus und kurz öffnete Amberle die Augen, um auf ihn herabzusehen.
>>Das werden wir gleich rausfinden. <<
Dann schloss sie wieder die Augen und ließ ihre ganze Konzentration in den Zauber des Rituals gleiten. Echohafte Stimmen hallten um sie herum von weit her, als die Realität um die Hexe herum verschwand und sie zurück in das grenzenlose Reich der Traumwelt katapultierte.


                                                                                   ***

Als Amberle die Augen aufschlug, fand sie sich an einem Ort der unendlichen Finsternis wieder. Sie richtete sich auf und erhob sich langsam, während sie ihre Umgebung aufmerksam betrachtete. Es war jener Ort, den Amberle schon in den ersten Träumen gesehen hatte, als sie und ihre Freunde damals versucht hatten, das Geheimnis um den Stein der Weisen zu lüften.
Draco, die Halle und auch der Feuerkelch waren spurlos verschwunden und dennoch spürte Amberle, dass sie nicht allein war. Leise Stimmen klangen wie ein Rauschen, dass sie allgegenwärtig umgab und der Ort wies eine nie endende Leere vor, die fast noch schlimmer als jeder Albtraum erschien. Und noch bevor die Stimme das Schweigen durchbrach, spürte Amberle eine Präsenz unmittelbar hinter sich.

>>Du bist zurückgekehrt. <<
Amberle drehte sich langsam um, als sie wieder ihrem anderen Ich gegenüberstand.
Es musterte sie ausdruckslos und gleichzeitig so eindringlich, als würde es durch Amberle hindurchsehen. Doch diesmal wollte die Hexe standhaft bleiben und sich nicht erneut fortschicken lassen. Denn sie hatte die Ungewissheit satt und wollte endlich wissen, was hier vor sich ging.
>>Ja. Und diesmal wirst du mich nicht wegschicken, denn ich will Antworten und ich weiß, dass du sie hast. Wer hat den Namen von Harry in den Feuerkelch geworfen? <<, forderte Amberle energisch zu wissen, jedoch zeigte ihr Gegenüber
noch immer keinerlei Regung auf seinem Gesicht.
>>Du kennst die Antwort darauf bereits.
Schon von Anfang an wusstest du es. Du hast nur zu viel Angst davor, deinem Instinkt wahrhaftig zu vertrauen und die Wahrheit zu erkennen. <<
>>Welche Wahrheit? <<
Diesmal zögerte Amberle, denn sie spürte, dass sich die Angst wahrhaftig in ihr ausbreitete.
>>Sie wird sich dir offenbaren, wenn der Zeitpunkt dafür gekommen ist. Aber er ist noch nicht jetzt. <<
>>Wann dann? <<, platzte es aus Amberle heraus, die langsam aber sicher die Geduld verlor.
Ihr Gegenüber schwieg und Amberle glaubte schon fast, einen Ausdruck der Trauer auf dem Gesicht ihrer Doppelgängerin zu erkennen. Doch so schnell dieser aufgetaucht war, so schnell verschwand er auch wieder. Stattdessen wurde die Miene von ihr wieder ernst und Amberle spürte die Anspannung ihres anderen Ichs.
>>
Wie ich in deinem Traum schon sagte: du bist dem Pfad der Finsternis viel zu nah und wenn du den Zauber nicht abbrichst, wird das Konsequenzen mit sich ziehen. Du würdest den Schleier einreißen und dadurch das Tor der Verdammnis öffnen. Es gäbe kein Zurück mehr und dein Schicksal wäre unwiderruflich besiegelt, sobald die Prophezeiung ausgesprochen wird. <<
>>Welche Prophezeiung? <<, entfuhr es Amberle verwirrt, bekam aber nur wieder rätselhafte Worte.
>>Eine, die sich schon bald offenbaren wird, wenn du deinen Kurs nicht änderst. Mehr kann ich dir nicht sagen. <<
Nun hatte Amberle endgültig genug und konnte ihren Unmut nicht länger zurückhalten.
>>Also noch mehr Geheimnisse? Noch mehr ungeklärte Fragen und mysteriöse Zwischenfälle? Nein, danke!
Ich ertrage das nicht länger und ich will endlich wissen, was hier vor sich geht. <<
>>Das willst du nicht, glaub mir! Die Ungewissheit ist ein Segen und du solltest froh sein, solange sie noch anhält. Wenn dein Schicksal erstmal besiegelt ist, dann kannst du dem nicht mehr entkommen und der Kreis schließt sich endgültig. <<


Die Worte jagten Amberle einen eisigen Schauer über den Rücken und dennoch war sie nicht gewillt aufzugeben. Sie wusste, dass ihr anderes Ich mit allen Mitteln versuchte, sie zur Rückkehr zu bewegen und sie erinnerte sich auch an die Mahnung von Dumbledore, um jeden Preis den Anweisungen Folge zu leisten. Aber sie war ihrem Ziel nie näher gewesen als jetzt und deshalb funkelte sie ihre Doppelgängerin wütend an und ächzte nach der entscheidenden Antwort.
>>Offenbare mir den Traum! Was für einen Plan hegt Voldemort und wag es nicht, mich zurückzuschicken. Wir spielen dieses Spiel so lange, bis du mir die Antwort gibst. <<
, fauchte sie geradezu und die andere Amberle warf ihr einen ausdruckslosen Blick entgegen.
>>Wie du willst. <<
Sie richtete ihre rechte Hand gegen Amberle und schleuderte diese zurück. Zuerst dachte Amberle, ihr anderes Ich würde sie wahrhaftig wieder aus der Traumwelt schicken, doch stattdessen fiel sie nun in meterweite Tiefe und sie erstarrte, als sich vor ihr Bilder eines Albtraums abzeichneten, der im Begriff war Wirklichkeit zu werden.
Ein Friedhof erschien vor ihren Augen und sie erkannte Harry, der gemeinsam mit Cedric Diggory an diesen dunklen Ort gelangt war.
Auf einmal erhellte ein grüner Lichtstrahl die Finsternis der Nacht und Cedric schlug mit geweiteten Augen rücklings auf den Boden auf. Harry saß in der Falle und die Bilder veränderten sich schlagartig, als Blut floss und der dunkle Lord vor den Augen seiner Diener und des Jungen, der überlebte schließlich zurückkehrte. Es folgte ein Duell zwischen Lord Voldemort und Harry Potter, als eine Stimme in den Gedanken von Amberle widerhallte und über ihr hereinbrach.
>>Avada Kedavra! <<
Amberle spürte die geballte Macht, welche der Todesfluch mit sich brachte und die Bilder des Traums zersprangen in tausend Stücke. Sie stürzte in die Tiefe und schlug unsanft auf dem Boden auf, als etwas vom Himmel auf sie zugegleitet kam. Es war ein kleines Stück Pergament, welches am Rand leicht verbrannt wirkte…als wäre es soeben einer Flamme entflohen. Es landete in ihrer rechten Hand und als Amberle es in Augenschein nahm, erkannte sie den gleichen Zettel, durch den Harry für das Turnier ausgewählt worden war.


Amberle umschloss den Zettel und richtete sich auf, ehe sie sich auf die Beine kämpfte. Nun befand sie sich selbst auf dem Friedhof, allerdings waren Harry und Voldemort verschwunden. Sie ahnte bereits, dass dies kein Traum, sondern eine Vorahnung war. Eine Vorahnung auf das, was sich heute Nacht ereignen würde. Denn genau deshalb war Harry unfreiwillig Teilnehmer des trimagischen Turniers geworden. Er sollte an diesen Ort gelangen. An diesen Friedhof, um die Rückkehr von Lord Voldemort Wirklichkeit werden zu lassen.
Der Blick von Amberle fiel nun auf den Grabstein von Tom Riddle unmittelbar vor sich und anschließend wieder auf das Stück Pergament in ihrer rechten Hand, wo der Name von Harry drauf stand. Sie spürte, dass erneut ihr anderes Ich vor ihr stand und als dessen Stimme erklang, vernahm Amberle sogar einen Anflug von Bedauern.
>>Du kannst es nicht verhindern. Er wird zurückkehren und ihn zu besiegen ist seine Aufgabe. Deine ist eine andere. <<
>>Und welche habe ich? <<, fragte Amberle leise, ehe sie aufsah und ihre Doppelgängerin hatte wieder ihre undeutliche Miene aufgesetzt.
>>Du wirst es wissen, sobald sich dir die ganze Wahrheit offenbart hat. Und erst dann wirst du auch erkennen wer und was du wirklich bist. <<
>>Warum wird daraus so ein Geheimnis gemacht?
Warum sollte das etwas Besonderes sein? Ich bin doch nur eine einfache Hexe. Wenn ich nicht das bin, was bin ich denn dann? <<
Verzweiflung und Hilflosigkeit überkamen Amberle und gerade wollte ihr anderes Ich etwas sagen, als auf einmal ein Klang von weit her zu ihnen rüber schallte, der etwas Gesangvolles an sich hatte. Die Blicke von Amberle und ihrer Doppelgängerin richteten sich auf den dunklen Himmel, wo ein rötlicher Vogel angeflogen kam und über sie beide hinweg einzelne Bahnen zog. Amberle identifizierte das Tier sofort als Phönix und sie sah ungläubig zu ihrem anderen Ich. Dieses hatte einen traurigen Blick aufgesetzt und Amberle hatte
erneut das Gefühl, als würde es durch sie hindurchsehen.
Der Gesang des Phönix‘ verstummte in der Ferne und
Amberle hatte das Gefühl, als würde er die ersehnten Antworten mit sich nehmen und erst wieder zurückkehren, wenn der Zeitpunkt dafür gekommen war. Wann auch immer das sein mochte.


Amberle musste nun wieder an die Vorahnung denken und es wurden ihr so einige Dinge dadurch klar. Weshalb sie bei der ersten Begegnung mit Cedric Diggory dieses seltsame Gefühl verspürt hatte, ihm würde ein schreckliches Schicksal bevorstehen. Die Antwort darauf war ganz einfach: ihn erwartete der Tod!
Damit würde das Turnier enden. Mit dem Tod von Cedric Diggory und der Rückkehr von Lord Voldemort. Und obwohl Amberle es bereits erahnte, wandte sie sich dennoch hilfesuchend an ihr Ebenbild.
>>Gibt es einen Weg, um Cedric zu retten? <<, fragte sie zögerlich, doch wie zu erwarten schüttelte das andere Ich den Kopf.
>>Nein. Sein Schicksal ist besiegelt. Sein Weg endet heute. <<
Amberle nickte hilflos, denn sie wusste, dass sie dagegen nichts ausrichten konnte. Das Schicksal bat nicht um Erlaubnis, es schlug einfach zu und in dieser Nacht würde sich der Tod Cedric holen. Obgleich er bereit dafür war oder nicht.
Die Atmosphäre veränderte sich erneut und der Friedhof verschwamm um sie herum, ehe die endlose Finsternis wieder zurückkehrte. Amberle sah sich beachtlich um und wurde das Gefühl nicht los, dass dieser Ort eine größere Bedeutung besaß, als sie ihm bisher zugedacht hatte.
>>Was ist das für ein Ort? <<
>>
Nennen wir es das Zentrum fernab von Raum und Zeit. Seine wahre Bedeutung wirst du selbst herausfinden müssen. <<, erklärte ihr anderes Ich tonlos und Amberle zog eine vage Vermutung aus den Erkenntnissen von heute Nacht.
>>Jetzt verstehe ich das mit dem Teil der Seele, den das Reich des Traumwandelns beherbergt. Du bist demnach kein sonderbares Geschöpf oder dergleichen…du bist ich. Und du bist hier gefangen. Nicht wahr? <<
Ihr Ebenbild schwieg und gab keine Antwort, aber das musste es auch nicht. Amberle wusste auch so, dass sie die Wahrheit erkannt hatte und die Hintergründe diesbezüglich würden sich ihr wohl wirklich erst zu gegebener Zeit offenbaren. Dann horchte der andere Teil von ihr jedoch auf und wirkte zunehmend alarmiert, denn er warf einen panischen Blick über seine Schulter und richtete seinen Blick dann energisch auf Amberle.
>>Er ist hier. Du musst gehen! Sofort! <<
>>Wer ist hier? <<, fragte Amberle verwirrt, doch ihr Ebenbild gab keine Zeit für Erklärungen.
>>Dass dies überhaupt möglich ist beweist nur, dass der Zauber bereits zu lange anhält. Der Schleier ist gefallen. Verschwinde von hier. Ich kann ihn nicht lange aufhalten. <<
Bevor Amberle etwas sagen oder tun konnte, setzte ihr anderes Ich erneut seine Fähigkeiten ein und schleuderte sie zurück. Das Reich des Traumwandelns stürzte um sie herum in sich zusammen und sie spürte nur noch, wie sie in endlose Tiefe hinab fiel.


                                                             ***

>>Amberle! <<
Eine entfernte Stimme holte die Hexe in die Wirklichkeit zurück und sie riss erschrocken die Augen auf. Sie erkannte Draco vor sich, der neben Amberle in die Hocke gegangen war und erst jetzt realisierte diese, dass sie auf dem Boden der großen Halle lag. Das Feuer der Kerzen und des Feuerkelchs war erloschen und dem Gesichtsausdruck von Draco nach zu urteilen, musste der Zauber eine verheerende Wendung genommen haben.
>>Amberle, ist alles in Ordnung? <<
Die Sorge schwang seiner Stimme mit und die Hexe brachte nur ein Nicken zustande, ehe der blonde Zauberer ihr aufhalf. Ihre Beine zitterten noch etwas und fühlten sich an wie Wackelpudding, jedoch versuchte Amberle, sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Sie hatte es tatsächlich geschafft das Ritual durchzuführen und hatte sogar Antworten bekommen.
>>Hat es funktioniert? <<, fragte Draco und wirkte enorm angespannt, aber Amberle nickte erneut.
>>Ja. <<
>>Was hast du gesehen? <<
Draco musterte sie intensiv und hielt die Hexe am Arm fest, da er sonst fürchtete, sie würde jeden Augenblick zusammenbrachen. Der Zauber musste ihr einiges an Kraft abverlangt haben und Amberle rief sich die Ereignisse der anderen Welt ins Gedächtnis zurück, was ihr wieder eine Gänsehaut verschaffte.
>>Ich hab…<<
>>Den Schleier eingerissen. <<, erklang mit einem Mal eine dritte Stimme und Amberle fuhr herum.
Sie erstarrte und konnte nicht glauben, was sie da sah. Draco war zunehmend verwirrt, ahnte er doch nicht, was sich vor den Augen von Amberle abspielte und ihm verborgen blieb. Denn der andere Teil von Amberle war ihr aus dem Reich der Traumwandler gefolgt und trat nun mit entschlossenen Schritten auf sie zu.
>>Von nun an gibt es kein Zurück mehr. Du hast den Pfad der Finsternis beschritten und damit dein Schicksal endgültig besiegelt. Die Wahrheit wird sich dir nun offenbaren und du wirst erkennen, was du wirklich bist. Bist du bereit den Preis dafür zu zahlen? <<
Die Frage blieb unbeantwortet, denn Amberle Harvey warf einen Blick der Erschütterung auf ihren Zwilling, dessen Augen sie keine Sekunde aus den Augen ließen. Erst jetzt wurde der jungen Hexe klar, dass sämtliche Warnungen berechtigt gewesen waren. Sowohl Dumbledore als auch Draco sollten Recht behalten. Der Zauber hatte seinen Preis und brachte für Amberle nun unumkehrbare Konsequenzen mit sich, von denen es keinen Weg zurück mehr gab.


     
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