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Sigh for you

von Ririchiyo
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Freundschaft / P12 / MaleSlash
Alexander "Alec" Lightwood Isabelle "Izzy" Lightwood Jace Wayland / Jonathan Christopher Herondale Magnus Bane Raphael Santiago Simon Lewis
28.11.2021
24.12.2021
5
12.185
8
Alle Kapitel
7 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
19.12.2021 2.823
 
AN: Dieses Kapitel ist bisher noch nicht betagelesen, hat aktuell also bestimmt noch einige Fehler, aber es wird überarbeitet, sobald ich die Rückmeldung meiner Betaleserin habe.


Kapitel 4

„Hey.“ Jemand lässt sich neben Raphael auf einen der Stühle fallen. Als er aufsieht, grinst Simons rothaarige Freundin ihn an. Warum begrüßt sie ihn, als wären sie Freunde? Schon wieder. Dabei sind sie noch nie Freunde gewesen! Er verzeiht das Gesicht, als der Gestank von Shadowhunter ihm in die Nase steigt. Vielleicht hat er sich getäuscht, vielleicht riecht Simon doch nicht so intensiv danach, denn sie ist um einiges schlimmer. Wie ist ihm das bisher nie aufgefallen? Aber vielleicht, weil er sie so ewig nicht gesehen hat? Oder weil er sie normalerweise nur mit Simon zusammen zu Gesicht bekommt? Wie erträgt Simon das nur? Und warum riecht sie überhaupt so? Nicht einmal Lightwood stinkt so sehr nach Shadowhunter. Hat es damit zu tun, dass der immer bei Magnus ist? Wie kann das Shadowhunter-Blut an ihr so intensiv riechen und an anderen nicht? Außer natürlich, die anderen Shadowhunter sind ihr verfluchter Verlobter, denn der riecht auch nicht viel besser, als er sich mit zwei Gläsern zu ihnen gesellt. Widerlich.
    „Wo ist Simon?“ Der blonde Shadowhunter setzt sich ebenfalls an den Tisch und schiebt das eine Glas zu seiner Partnerin weiter.
    Raphael hat sie wirklich lange nicht gesehen. Was er weiß, natürlich, immerhin merkt er, wenn er sich ewig nicht mit ihnen beschäftigen muss, aber es ist doch merkwürdig, wenn er es jetzt so sieht: Sie hat nicht mehr dieses schrecklich kindliche Gesicht und er ist endlich sein überhebliches Grinsen losgeworden. Er hat immer noch zu sichtbar gute Laune, aber es ist eindeutig besser. Und er hat nach Simon gefragt, ohne bissige Bemerkung, was eventuell erklärt, warum Simon kein Problem mehr damit hat, seine Zeit mit beiden Shadowhuntern zu teilen, wenn sie inzwischen wirklich erwachsen genug sind, um ihre kindischen Auseinandersetzungen überwunden zu haben.
    Ihm fällt erst auf, dass er noch immer nicht geantwortet hat, als die blonde Nervensäge nicht aufhört, ihn abwartend anzustarren. Richtig. „Keine Ahnung.“ Raphael zuckt mit den Schultern. Er ist doch nicht Simons Aufpasser! Vielleicht hat er sich von Simon mit nach hier schleppen lassen, aber das verpflichtet weder Simon dazu, ihn über jeden Schritt aufzuklären, noch ihn dazu, Simon ständig im Blick zu behalten. „Irgendwo wird er schon sein.“ Raphael greift nach seinem eigenen Glas und nimmt einen Schluck. Eigentlich hat er sich wirklich darauf gefreut, ein wenig Ruhe zu haben und alleine trinken zu können, aber offenbar kann er das jetzt doch vergessen.
    „Ich gucke mal, ob ich ihn finde.“ Ohne weitere Umschweife lässt die rothaarige Shadowhunterin ihr Getränk stehen und läuft in Richtung der anderen Anwesenden davon.
    Ihr Verlobter sieht ihr nach. Raphael wartet darauf, dass er ihr folgt, oder er eine andere Beschäftigung für sich findet, aber stattdessen dreht er sich zu Raphael um. Noch immer viel zu glücklich. Wie kommt es, dass Simon und er sich anfangs nicht verstanden haben, wo sie sich doch in ihrer ständigen guten Laune und Überschwänglichkeit so ähneln? Sie haben sogar den gleichen schrecklichen Frauengeschmack. Wobei das die Abneigung vielleicht eher erklärt als ausschließt.
    „Und wie geht es dir so?“ Ist das sein Ernst? Möchte er jetzt derart belanglose Gespräche mit ihm führen? „Simon hat erzählt, dass du in letzter Zeit eine Menge zu tun hast, wegen irgendwelcher Friedensabkommen, wie läuft‘s?“
    „Simon hat was?“ Simon hat ihm zugehört? Nein, Moment, Raphael kann sich nicht daran erinnern, direkt mit Simon darüber gesprochen zu haben … Simon hat aufgepasst? Seit wann ist Simon so aufmerksam? Wobei das wirklich nicht gut ist, wenn Simon es dann gleich weitererzählt. Was denkt er sich eigentlich?
    Der Shadowhunter winkt ab und nippt an seinem Glas. „Nicht im Sinne von ‚er informiert uns, was du tust‘. Und Alec weiß auch nichts davon, keine Sorge, wir sind nicht blöd.“ Sind sie nicht? Er ist nicht sicher, ob er dem zustimmen würde. „Simon hat sich hauptsächlich darüber beschwert, dass du weniger Zeit für ihn hattest, darum habe ich mich gefragt, wie es läuft. Andererseits seid ihr gemeinsam hier, also muss es wohl gut laufen.“
    … was genau soll er davon bitte halten? Außerdem ist ihm egal, was los ist, Simon hat gefälligst den Mund zu halten! Muss Raphael ihm unausgesprochene Regeln extra erklären, damit er sie versteht? Dabei sollte diese doch wirklich mehr als deutlich sein!
    „Das geht dich nichts an“, gibt er irgendwann zurück. Aus irgendeinem Grund wirkt der Shadowhunter trotzdem nicht weniger zufrieden als vorher auch. Was Raphael nicht so stören sollte. „Wo ist Isabelle?“
    Die Frage bringt ihm hauptsächlich einen verwirrten Blick ein. „In London“, meint sein Gegenüber dann. Einfach so. Als wäre nichts dabei, dass er solche Informationen einfach an Leute weitergibt, die das eigentlich nichts angeht. Er nimmt alles zurück: Simon und der andere Mann hätten von Anfang an ein Herz und eine Seele sein müssen. Wie können sie sich beide derart dämlich anstellen? „Sie wollte sich dort eine Weile die Begebenheiten ansehen, und ein paar Neulinge unterrichten“, spricht der Shadowhunter weiter und zuckt mit den Schultern. „Sie ist eine echt gute Lehrerin.“
    Was nicht das ist, was Raphael gefragt hat, aber wenn Leute offensichtlich gerne zu viele Informationen teilen … warum ist er eigentlich noch hier? Er sollte einfach gehen.
    Er trinkt den Rest seines Getränks mit einem Schluck aus, und offensichtlich hat sein Gegenüber nicht verstanden, dass das heißt, dass dieses Gespräch jetzt beendet ist und er gehen möchte, denn—
    „Cooler Ring.“
    Er möchte seufzen. Schon wieder. Würde er Simon nicht kennen, würde er sicher nicht einmal auf die Idee kommen, es zu tun, so muss er das Bedürfnis aktiv unterdrücken. Können die Leute ihn nicht einfach in Ruhe lassen? Er sieht auf seine Hand und dann wieder zu dem Shadowhunter. Was genau erwartet der jetzt von ihm? Ein Danke? Das wird er nicht bekommen. Es interessiert ihn wirklich nicht, was irgendjemand darüber denkt, was er trägt … was nicht stimmt, es interessiert ihn ein wenig, und es ist ihm wichtig, dass Leute ihn für ordentlich halten, aber es interessiert ihn wirklich nicht, was irgendein Shadowhunter über ihn oder sein Auftreten denkt! Aber vielleicht sollte es ihn mehr interessieren. Vielleicht könnte er etwas daran ändern, dass er offensichtlich ausstrahlt, man könne ihn einfach so ansprechen und mit ihm über alles Mögliche reden …
    „Sag Simon, dass ich gegangen bin.“ Er erhebt sich und greift nach seinem Glas, um es zurück zur Bar zu bringen. Der Shadowhunter sieht ihn merkwürdig an, nickt aber und hebt kurz eine Hand zum Abschied. Raphael ignoriert ihn. Genauso, wie er auch das merkwürdige Gefühl ignoriert, das ihn überkommt, als er auf seinem Weg nach draußen Simon mit irgendeiner Frau tanzen sieht, die er ganz sicher noch nie gesehen hat, und von der er keine Ahnung hat, was sie von Simon wollen könnte. Was hat sie mit ihm vor? Wo ist die rothaarige Shadowhunterin, wenn man sie mal braucht? Wenigstens würde Raphael sich dann keine Sorgen um Simons Gesundheit machen müssen.
    Denn mehr ist ist dieses Gefühl nicht.
    Ganz bestimmt …
    Zum ersten Mal seit Jahrzehnten seufzt er doch.

„Viel Spaß“, sagt Lily etwas zu fröhlich, bevor sie ihn alleine stehen lässt.
    Raphael öffnet den Mund. Und schließt ihn wieder. Diese Frau! Dann schüttelt er den Kopf und dreht sich um. Was ist eigentlich ihr Problem? Und jetzt lässt sie es auch noch klingen, als hätte er irgendwelche merkwürdigen Pläne, oder Hintergedanken, oder … was alles nicht stimmt! Er wäre ja nicht einmal auf die Idee gekommen, das Dach aufzusuchen, wenn sie ihm nicht gesagt hätte, dass Simon schon ewig dort ist und eventuell jemand nach ihm sehen sollte. Was Raphael gerne tut, aber das ändert nichts daran, dass es ursprünglich nicht sein Plan war, nach Simon zu sehen, und sie gefälligst auch nicht so tun soll!
    Er öffnet die Tür zum Dach und tritt an die kühle Nachtluft, die ihm nur deshalb immer noch auffällt, weil er wegen Rosa gelernt hat, auf Umschwünge in Temperaturen zu achten.
    Simon lässt seine Beine über die Dachkante baumeln, und hat sich nach hinten auf seine Hände gestützt und den Kopf so zurückgelehnt, dass er in den Himmel sehen kann. Der Mond spendet nicht genug Licht, dass Simon wirklich im Hellen sitzen würde, aber es hat … Raphael hat nicht wirklich Worte dafür. Simon sieht gut aus, wie das Licht einige seiner Haare zum Leuchten bringt und mit diesem sanften Lächeln auf seinen Lippen. Er sieht ruhig aus. Raphael hat das Bedürfnis, eine Hand auszustrecken und ihm durch die Haare zu fahren. Er unterdrückt es.
    Langsam tritt er näher, bis er neben Simon an der Dachkante steht. Die Straße unter ihnen ist bis auf einige Laternen in Dunkelheit gehüllt und menschenleer, weshalb er schließlich ebenfalls den Blick abwendet und nach oben sieht.
    „Kennst du dich mit Sternbildern aus?“
    Als Raphael zu Simon sieht, starrt dieser immer noch den Himmel an. „Nein“, gibt er zurück und setzt sich ebenfalls.
    „Schade eigentlich.“ Simons Lächeln wird noch etwas breiter. „Du hättest mir irgendwas erzählen können.“
    „Hm.“
    „Wir können uns Sternbilder ausdenken.“ Mit einer Bewegung, die viel zu gezielt für Simon aussieht, verschränkt er die Arme hinter seinem Kopf und legt sich auf den Rücken. Vielleicht wird Simons Körper ihm doch nicht gerecht. Weil er Raphael noch immer an den Frischling denken lässt, der kaum etwas mit seinen ganzen Gliedmaßen anfangen konnte, und Simon dieser Frischling ganz offensichtlich nicht mehr ist. „Wie wäre es mit einem Vampir? Welche von den Sternen sehen für dich wie ein Vampir aus? Oder wir könnten einen Werwolf oder einen Engel finden … gibt es schon Engel als Sternbilder? Bestimmt, oder?“ Simon wendet sich letztendlich auch vom Himmel ab und dreht den Kopf zu Raphael. In dem wenigen Licht erscheinen seine Augen schwarz. Raphael ignoriert die leise Stimme, die ihm erklärt, dass er das eigentlich so warme Braun vermisst.
    „Oder nicht?“, will Simon wissen.
    Raphael wendet den Blick ab. Wie lange genau hat er Simon angestarrt? Eindeutig zu lange, wenn es diesem genug aufgefallen ist, dass er sogar seine Frage wiederholt hat. Hätte er es nicht einfach dabei belassen können? „Vielleicht.“ Raphael zuckt mit den Schultern.
    Das leise Lachen neben ihm ist bestimmt nicht das angenehmste Geräusch, das er heute gehört hat. Wirklich nicht. Und er genießt auch ganz sicher nicht alles andere an diesem Moment … oder vielleicht doch. Nur ein wenig.
    Er sieht zu Simon zurück, der all seine Aufmerksamkeit erneut dem Himmel gewidmet hat. Eigentlich hat er wirklich viel zu viel zu tun, als dass er seine Zeit hier mit Simon verschwenden sollte. Dennoch schleicht sich langsam auch auf seine Lippen ein kleines Lächeln, als er seine eigene Aufmerksamkeit ebenfalls wieder den Sternen zuwendet.

„Ich weiß, du hast kein Interesse an Sex, aber was genau hat es hiermit auf sich?“
    Raphael sieht auf. „Isabelle.“
    Sie grinst ihn an und setzt sich ihm gegenüber an den Tisch. „Gibst du mir einen Drink aus?“, möchte sie wissen und sieht in Richtung Bar, wo zweifellos noch immer Simon und der komische Mann sitzen und sich ein wenig zu angeregt über etwas vermutlich Belangloses unterhalten. Und ganz zweifellos sitzen sie noch immer viel zu nah beieinander, und Simon hängt viel zu sehr an den Lippen des Mannes, und …
    „Nein.“ Raphael sollte wirklich aufhören, sich von solchen Dingen so aus dem Konzept bringen zu lassen. „Du bist aus London zurück?“
    „Schon eine Weile, ja.“ Isabelle lächelt. „Aber du lenkst vom Thema ab.“ Sie wirft einen weiteren kurzen Blick zur Bar. „Warum genau starrst du Simon so missmutig an?“
    Er … starrt Simon nicht missmutig an. Generell starrt er überhaupt nicht. Besonders nicht missmutig.
    „Bist du eifersüchtig?“
    Wie bitte? „Warum sollte ich?“
    Sie nickt. „Eben. Soweit ich weiß hätte Simon durchaus Interesse an dir und deine Abneigung betraf doch eigentlich nur Sex, keine Beziehungen insgesamt, also verstehe ich nicht, warum du dich der Eifersucht aussetzt. Könntest du ihn nicht einfach für dich beanspruchen und dann würde er nicht mehr mit anderen Leuten flirten und alles wäre gut?“
    Beanspruchen? Simon ist doch kein Besitz. Außerdem … „Wir haben entschieden, dass es das Beste wäre, diese ganze Angelegenheit zu vergessen.“
    „Wirklich?“ Isabelle klingt alles andere als überzeugt. „Warum genau klang das für dich nach einer guten Idee?“
    Für ihn? Sie haben das gemeinsam entschieden. „Simon ist ein …“ Kind. Aber das stimmt nicht, richtig? Es stimmt sogar schon verdammt lange nicht mehr. Simon ist nicht einmal mehr wirklich ein Kind gewesen, als sie sich zum ersten Mal getroffen haben, egal wie er aufgetreten ist, und seitdem ist er eigentlich nur erwachsener geworden. Er ist schon längst erwachsen gewesen, als er Raphael gegenüber zum ersten Mal seine Gefühle ausgesprochen hat. Warum genau hat Raphael es noch einmal für eine schlechte Idee gehalten? Er ist sich sicher, dass es einen Grund gegeben hat. Aber es kann nicht Simons Alter gewesen sein, immerhin war Simon da schon … Raphael ist nicht so dumm gewesen. Richtig?
    Isabelle hat dieses gewisse Leuchten in den Augen, das bestimmt nichts Gutes zu bedeuten hat. Er wendet den Blick ab. „Idiot?“, bietet Isabelle an und lacht. Und dann lacht sie für einen kurzen Augenblick sogar noch lauter, weil Raphaels automatische Reaktion ist, ihr zu widersprechen. „Ihr seid beide Idioten, also hab dich nicht so“, fährt sie fort. „Oder hat sich deine Abneigung gegenüber Sex auf ganze Beziehungen erweitert? In dem Falle habe ich die Situation eventuell falsch interpretiert will ich nichts gesagt haben.“
    Sie klingt sogar ehrlich. Als wäre Isabelle wirklich die Person, die solche Situationen oder Gefühle falsch interpretiert. Warum hat er es jemals für eine gute Idee gehalten, etwas mit ihr anzufangen? Ja, die Sucht, aber es ist offensichtlich, dass das zwischen ihnen nicht funktioniert hätte. Wie genau hätte er je seine Ruhe gehabt? Mit Simon wäre es ganz sicher leichter— Nicht, dass er je darüber nachdenken würde.
    Er wirft einen kurzen Blick zur Bar hinüber. Simon und seine Begleitung scheinen sich immer noch bestens zu verstehen. Er sieht wieder zu Isabelle. „Hast du nicht.“ Natürlich wirkt sie nicht im Geringsten überrascht. Als wäre sie wirklich je davon ausgegangen, falschgelegen zu haben. Eigentlich hätte sie es alleine wegen dieser Überheblichkeit verdient, dass es anders wäre. Vielleicht bei der nächsten Person. „Aber das ändert nichts daran, dass wir entschieden haben, dass wir keine Beziehung anfangen sollten.“
    „Ihr oder du?“
    „Wir.“ Oder? Es waren sie beide, richtig? Ja, ganz bestimmt, er erinnert sich. „Simon war die Person, die es vorgeschlagen hat.“
    Isabelle legt den Kopf schief wobei ihre Haare ihr elegant über die Schulter fallen. Simon und sie würden gemeinsam vermutlich auch ein gutes Bild abgeben … nicht in einer Beziehung natürlich, nur gemeinsam. Auf einem richtigen Bild. Einer Leinwand vielleicht.
    Er schiebt den Gedanken beiseite. „Was?“, fragt er stattdessen, als Isabelle nicht aufhört, ihn zu mustern.
    „War es Simons Vorschlag, weil er es für eine gute Idee hielt, oder weil du der Meinung warst, keine Gefühle zeigen zu wollen und er deine Zurückweisung akzeptiert hat und dich nicht bedrängen wollte?“
    „Weil—“ Noch während er das Wort ausspricht, wird ihm klar, dass er keine Ahnung hat, wie dieser Satz enden soll. Er hat Simon nicht wirklich zurückgewiesen, er hat nur … doch, vielleicht hat er ihn zurückgewiesen. Vielleicht war sein Schweigen mehr als deutlich, und Simon hat wirklich einfach den Korb hingenommen und entschieden, dass daran keine Freundschaft zerbrechen würde. Raphael schließt den Mund wieder.
    Isabelle lächelt. „Vielleicht solltet ihr darüber reden“, merkt sie an.
    „Ja, vielleicht.“ Er mag es wirklich nicht, wie schnell sie diese ganze Situation durchschaut und verdreht hat. Und wie zufrieden mit sich sie aussieht. Warum ist sie so unglaublich zufrieden? Geht diese Beziehung sie eigentlich irgendetwas an? Warum sollte sie sich dafür interessieren?
    „Großartig.“ Sie lehnt sich zurück. „Ich helfe doch immer wieder gerne.“ Ein leises Lachen. „Wie wäre es mit einem Drink als Bezahlung?“
    Er verdreht die Augen. Also wirklich. „Meinetwegen.“ Als er zur Bar hinüber sieht, sind sowohl Simon als auch der andere Typ verschwunden. Er ignoriert Isabelles Blick genauso wie das schlechte Gefühl, das er noch immer nicht als Eifersucht betiteln möchte, selbst wenn Isabelle es bereits sehr berechtigt getan hat. „Wie war London?“
    Dem Seufzen nach weiß sie genau, dass er sich nur ablenken möchte. Aber sie spricht ihn nicht darauf an. „Das erzähle ich dir, sobald ich etwas zu trinken habe“, meint sie stattdessen. Lily sollte sich wirklich ein Beispiel an diesem Verhalten nehmen.
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