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Sigh for you

von Ririchiyo
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Freundschaft / P12 / MaleSlash
Alexander "Alec" Lightwood Isabelle "Izzy" Lightwood Jace Wayland / Jonathan Christopher Herondale Magnus Bane Raphael Santiago Simon Lewis
28.11.2021
24.12.2021
5
12.185
8
Alle Kapitel
7 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
12.12.2021 2.948
 
Kapitel 3

Raphael versteht wirklich nicht, warum Simon so schlecht gelaunt ist. Er hatte in letzter Zeit viel zu tun, ja, aber Simon? Die letzten drei Tage ist er nicht einmal hier im Hotel gewesen, weil er unbedingt seine Familie hat besuchen wollen. Was Raphael natürlich versteht, auch wenn es merkwürdig ist, dass Simon sich dafür abmeldet, immerhin verschwindet er sowieso andauernd, um mit irgendwelchen Sterblichen ins Kino zu gehen oder andere Dinge zu unternehmen … oder ist es doch etwas anderes? Denn Simon ist still. Simon ist nie still, wenn er Freunde oder Familie trifft. Er hat danach immer zu viel zu erzählen und geht damit allen auf die Nerven. Das hier passt einfach nicht zu ihm. Es kann nicht einmal am Wetter liegen, denn auch wenn Raphael tagsüber die meiste Zeit schläft weiß er ganz genau, dass es nicht geregnet hat sondern sonnig war. Was Simon mag. Er hat manchmal schlechte Laune, wenn er tagelang nur dunkle Wolken sieht, weil er sich daran noch immer nicht gewöhnt hat — Raphael kann es ihm nicht verübeln, für ihn sind es ein paar Jahrzehnte und er vermisst die Sonne auch immer noch —, und manchmal hat er schlechte Laune, wenn er sich etwas zu sehr an die anderen Clanmitglieder anpasst und nachts wach ist und tagsüber schläft, aber nichts dergleichen ist in letzter Zeit gewesen. Oder nicht, dass Raphael davon wüsste. Und dennoch sitzt Simon reglos auf dem Stuhl in der Eingangshalle und starrt schweigend aus dem Fenster. Als würde die Dunkelheit dort draußen etwas Spannendes sein. Sieht er sie überhaupt? Simons Blick sieht zu leer aus, als dass er wirklich irgendetwas vor dem Fenster sehen kann. Was genau ist passiert? Warum ist Simon so?
     „Vielleicht solltest du ihn einfach fragen, was los ist.“
     Er verdreht die Augen. „Danke, Lily.“ Er sollte sie auch Lilith nennen. Sie hätte es verdient. „Und du solltest vielleicht deinen Pflichten nachkommen und dich mit Josh um die Verhandlungen kümmern.“
     „Ich meine ja nur.“ Sie hebt beide Hände und entfernt sich von ihm. Würde er das schreckliche Grinsen nicht sehen, würde er ihre Stimme beinahe als zurückhaltend einschätzen, aber er weiß genau, was für ein Dämon sie ist, und so tut er es nicht. Er sieht ihr nach, während sie verschwindet, und dann wieder die Treppe hinunter zu Simon. Der sich noch immer nicht bewegt. Und noch immer nicht spricht. Er hat noch nicht einmal versucht, jemanden zu finden, den er nerven kann! Stattdessen hat er bisher die Anwesenheit aller anderen Vampire konsequent ignoriert … vermutlich hat Lily recht. Was nichts daran ändert, wie wenig er sie gerade leiden kann.
     Trotzdem folgt er ihrem Rat, gesellt sich zu Simon, und … steht einfach nur da. Was genau soll er auch tun? Er ist nicht wie Simon, der Leute einfach aufmuntern kann oder sie Dinge fragt oder sich nach ihrem Gemütszustand erkundigt. Simon ist derjenige von ihnen beiden, der redet, nicht Raphael. Und ja, meist wünscht er sich, dass Simon weniger reden würde, aber gerade ist nicht einer dieser Momente. Gerade wünschte er wirklich, Simon würde es ihm leichter machen. Wo ist der Frischling, der immer alles über sich erzählt hat, wenn man ihn mal braucht?
     „Was ist passiert?“, zwingt Raphael sich schließlich, doch etwas zu fragen.
     Simon zuckt sogar zusammen, ehe er zu ihm herumfährt. Das ist lange nicht passiert. Sehr lange. Mehr auf seine Umgebung zu achten ist eines der ersten Dinge gewesen, die Simon gelernt hat, Raphael hat selbst dafür gesorgt, weil alles andere Simon viel zu schnell umgebracht hätte, und jetzt hat er selbst das verlernt? Vielleicht ist es gut, dass Raphael doch den Mund aufgemacht hat, denn das kann wirklich nicht so bleiben.
     „Was ist los?“, fragt er erneut, als Simon weiterhin nicht anfängt Dinge zu erklären.
     Simon sieht ihn an. Er starrt auffordernd zurück und wartet.
     Es dauert ewig, aber schließlich zuckt Simon mit den Schultern. „Nichts.“ Raphael kann sich nicht daran erinnern, Simon jemals derart lustlos gehört zu haben. Seit wann ist Simon nicht mehr sein strahlendes Selbst?
     „Und was ist wirklich los?“
     Simon seufzt sogar. Raphael hat keine Ahnung, wie genau Simon glaubt, dass das irgendjemanden von einem guten Gemütszustand überzeugen könnte. „Ich bin siebenundzwanzig.“ Simon sieht wieder aus dem Fenster.
     Ähm … „Und?“ Was soll ihm das sagen? Er ist siebzig. Er kann nur froh sein, dass er schon immer älter gewirkt hat und nicht so jung aussieht, wie viele andere Teenager … aber Simon kann kein Problem damit haben, dass er jünger aussieht, als er eigentlich ist. Und so viel jünger ja auch wieder nicht. Sicher, er sieht aus, wie er mit siebzehn ausgesehen hat, aber Raphael würde ihm trotzdem glauben, wenn er behaupten würde, er wäre Mitte zwanzig, also ist es nicht so, dass man ihm das Alter gar nicht ansehen könnte. Und sollte er sich nicht lieber freuen, dass er jünger aussieht als älter? Oder … hatte er Geburtstag? In den letzten Tagen? „Habe ich einen Geburtstag verpasst?“ Ist Simon darum so niedergeschlagen? „Wenn du Glückwünsche von uns erwartest, muss ich dich enttäuschen, die meisten hier achten nicht auf so etwas, außer du sagst es sehr deutlich.“
     Simon seufzt erneut. „Nein“, meint er dann. „Ich meine ja, hatte ich, aber ich bin nicht— Das ist nicht das Problem an der Sache.“
     „Sondern?“
     „Ich bin fast dreißig.“
     Ja, das weiß Raphael … gut, er weiß es nicht direkt aus dem Kopf, er hat nicht mitgezählt, wie viele Jahre er Simon schon kennt, aber er weiß, dass es Jahre gewesen sind, und das Alter überrascht ihn auch nicht. „Erneut: Und?“
     Simon schüttelt den Kopf. „Clary ist auch fast dreißig.“
     „Un—“ Er unterbricht sich selbst, ehe er das Wort ganz beenden kann. Oh. Oh. Simon ist in der Phase, in der— Ja, das ergibt mehr Sinn. Es sind zehn Jahre seit seiner Verwandlung, natürlich wird ihm langsam klar, dass er sich niemals weiterentwickeln wird, während die Leute um ihn herum es doch tun. Zehn Jahre sind genug, um den Unterschied zu bemerken und festzustellen, dass Dinge vielleicht doch vergänglicher sind, als man das ursprünglich annimmt.
     „Und Jace auch. Und Izzy. Und Alec ist eigentlich schon dreißig.“ Er zuckt mit den Schultern. „Es ist nur …“
     Raphael kann nicht glauben, dass er gerade wirklich das Bedürfnis hat, zu seufzen. Simon hat kein Recht darauf, ihn so fühlen zu lassen! „Schwer?“, steuert er bei. Raphael kann auch nicht glauben, dass er sich kurz darauf einen der Sessel im Raum näher zu Simon holt, um sich zu setzen. Das alles passt nicht zu ihm. Er hat wirklich andere Dinge zu tun.
     „Ja.“ Simon nickt. Und schweigt. Wieder.
     Vermutlich könnte er ihm einen Vortrag darüber halten, dass das Shadowhunter sind, und die sowieso jederzeit sterben können, unabhängig vom Alter, und es darum keinen Unterschied macht … und vermutlich würde Simon diese Erinnerung ebenso wenig zu schätzen wissen wie Magnus. Vielleicht sogar weniger, Raphael ist sich nicht sicher, ob Simon sich der Problematik auch so stark bewusst ist wie der Hexenmeister.
     „Aber sie sind erst dreißig.“ Vermutlich ist das nicht so viel besser. Vermutlich sollte Raphael solche Gespräche lieber anderen überlassen. „Genau genommen heißt das doch nur, dass sie den Großteil ihres Lebens noch vor sich haben.“
     „Und am Ende werden sie trotzdem vor mir sterben.“
     Dios, seit wann ist Simon derjenige, der so pessimistisch denkt? „Ja.“ Raphael nickt. „Aber es wird noch eine Menge Zeit vergehen, bis es soweit ist.“ Und bis dahin würde Simon sich vermutlich längst an den Gedanken gewöhnt haben. Oder es schon oft genug erlebt haben, um damit leben zu können. Nur, dass diese Aussage ihn jetzt wohl kaum beruhigen würde. Und außerdem würde es nicht bedeuten, dass Simon leichter damit umgehen könnte. Raphael hatte auch Zeit, und trotzdem ist Rosas Tod nicht unbedingt leicht gewesen. Es ist leichter sich daran zu gewöhnen, aber das heißt nicht, dass die Tatsachen an sich einfach sind …
     „Du bist echt schlecht darin, mich aufzumuntern“, sagt Simon irgendwann.
     Ja, das weiß er auch selbst. „Ich bin nicht dafür da, dich aufzumuntern.“ Wie hat Simon das auch denken können? Seit wann genau kommt Raphael ihm wie jemand vor, der gut darin ist, Menschen irgendwie aufzubauen? „Aber ich kann zuhören, wenn du willst.“
     Doch Simon schweigt. Raphael wünschte wirklich, er würde endlich damit aufhören.

Es dauert ein paar Wochen, aber schließlich schafft Simon es doch, wieder zu seinem Selbst zurückzufinden. Fast. Aber Simon wirkt glücklich genug, dass Raphael das kleine bisschen Ruhe eher auf Simons Alter als auf weiteren Kummer schiebt. Simon verbringt immerhin nicht einmal mehr jede sich bietende Gelegenheit bei den Shadowhuntern, als würde die Zeit ihm davon rennen. Was Raphael wirklich nur deshalb für so eine gute Sache hält, weil er als Anführer des Clans auch für Simons Gesundheit zuständig ist, und nicht, weil er Simons Anwesenheit manchmal vermisst. Was er ganz bestimmt nicht tut. Nie. Warum sollte er auch?
     Und doch fühlt er sich automatisch besser, wann immer er Simon zu Gesicht bekommt. Warum reagiert er so? Es ist nur Simon! Nur ein weiteres Mitglied seines Clans, mehr nicht. Er sollte so nicht reagieren. Und schon gar nicht sollte seine Reaktion groß genug sein, dass irgendwer sie bemerkt. Nicht Simon natürlich, ein Glück, der achtet kaum darauf, aber Lily sieht Raphael immer öfter mit diesem schrecklich wissenden Lächeln auf den Lippen an, und Josh mustert ihn auch manchmal auf eine Art und Weise, bei der es Raphael nicht wundern würde, wenn der ebenfalls mitbekommt, dass er sich Simon gegenüber ganz und gar anders verhält, als er das eigentlich möchte. Was schrecklich ist. Er sollte sich wirklich besser unter Kontrolle haben!

Er öffnet die Tür zu seinem Büro, setzt sich an seinen Schreibtisch, und ist bereits dabei, nach dem Brief zu greifen, über den Lily ihn gerade informiert hat, als ihm die schwarze Schachtel auf seinem Tisch auffällt, die gestern ganz sicher noch nicht da war. Wer genau ist in seinem Büro gewesen? Und warum hat Lily dazu nichts gesagt? Sollte sie das nicht auch bemerkt haben, wenn ihr schon Post auffällt?
     Die Schachtel ist klein und wiegt beinahe nichts, als er sie anhebt. Auf dem Deckel ist eine kleine weiße Schleife befestigt, die er nur zu gerne ignoriert, und als er die Schachtel öffnet, ist darin ein kleiner Zettel und unter diesem auf einem Stück Samt liegt ein schwarzer Ring. Was soll das?
     Er stellt die Schachtel wieder weg und widmet sich dem Zettel.
     ‚Fröhliche Weihnachten vorträglich, da ich es vermutlich sonst nicht rechtzeitig schaffen werde.‘
     Was ihm auch nicht mehr erklärt. Oder doch, denn wer würde ihm schon Weihnachtsgeschenke machen, aber gleichzeitig passt abgesehen von dem Text so wenig daran zu Simon, dass Raphael sich trotzdem nicht sicher ist. Und selbst bei dem Zettel … warum sollte Simon es sonst nicht rechtzeitig schaffen? Wovon spricht er? Es sind noch über zwei Wochen bis Weihnachten, was genau sollte ihm dazwischen kommen, dass er bisher noch nicht einmal erwähnt hat? Oder ist es doch nicht Simon? Raphael kann nicht einmal sagen, ob das wirklich Simons Handschrift ist, also vielleicht täuscht er sich und es gibt doch noch andere Leute, die sich die Mühe machen und ihm zu einem derartigen Feiertag etwas schenken wollen würden? Aber die Schachtel riecht nach Shadowhunter … andererseits riecht der ganze Raum nach Shadowhunter, weil Simon viel zu oft hier ist und der Geruch an ihm aus irgendeinem Grund viel zu präsent ist. Vielleicht hätte Raphael ihm von Anfang an viel konsequenter verbieten müssen, die Shadowhunter aufzusuchen.
     Er faltet den Zettel wieder zusammen und greift nach dem Ring. Warum schenkt Simon ihm einen Ring? Wobei es bei ihm durchaus wahrscheinlicher ist als bei einem der anderen. Weil niemand außer Simon auf die dämliche Idee kommen könnte, ihm einen Ring zu schenken. Der ihm auch noch nur am Mittelfinger passt. Was will Simon eigentlich von ihm? Aber es ist doch Simons Handschrift, oder? Raphael sieht Simon nicht oft schreiben und das hier ist ordentlicher als seine üblichen Notizen, aber wenn er sich Mühe geben würde, könnten durchaus solche Buchstaben dabei herauskommen, oder?
     Er steckt den Zettel wieder zurück in die Schachtel, als es an seiner Tür klopft, und greift nach dem Brief. „Ja?“
     Die Tür öffnet sich und er sieht auf. Lily bleibt im Türrahmen stehen. „Ich habe gerade Simon getroffen“, meint sie ohne Umschweife. „Ich soll dir sagen, dass er die nächsten Wochen bei seiner Schwester verbringt.“ Und dann dreht sie sich auch schon wieder um und schließt die Tür, ehe Raphael wirklich etwas erwidern könnte. Nun, das erklärt dann wohl, warum Simon zu Weihnachten nicht hier ist. Es erklärt nicht, warum er Raphael nicht persönlich darüber informiert hat oder was es mit dem Rest auf sich hat, aber immerhin hat er keine Zweifel mehr daran, dass der Ring wirklich von Simon kommt, als er sich endlich seiner eigentlichen Post zuwendet.

Raphael weiß nicht genau warum, aber er trägt den Ring. Am ersten Tag nur deshalb, weil er ihn vergisst, am zweiten, weil er kann, und viel zu schnell deshalb, weil er sich daran gewöhnt. Es ist beinahe, als wäre der Ring gar nicht da. Was nicht stimmt, denn als er den Ring doch einmal nicht trägt, weil er in Eile ist, ist ihm die Abwesenheit nur allzu bewusst. Also trägt er ihn weiter. Der Ring passt sogar zu ihm. Vielleicht hat sich Simon deshalb für ein so schlichtes Geschenk entschieden … obwohl Raphael ihm so viel Verständnis fast nicht zutrauen möchte.
     Aber vielleicht sollte er das doch tun.
     „Du magst ihn, das freut mich.“ Simon strahlt ihn an. „Fröhliche Weihnachten!“
     … was? „Wolltest du nicht bei deiner Familie sein?“
     Simon kommt in sein Zimmer gelaufen und lässt sich auf Raphaels Bett fallen. „Ja, aber nach den letzten zwei Wochen brauchte ich eine kurze Auszeit, und ich dachte, ich könnte euch besuchen, und nachsehen wie du Weihnachten feierst.“
     Dachte er das, ja? „Gar nicht“, gibt Raphael zurück.
     Simon nickt. „Das sehe ich.“ Er grinst immer noch. „Bestimmte Gründe?“
     „Nein.“ Das Fest ist lächerlich, mehr nicht.
     Simon nickt wieder. „Willst du mit nach unten kommen und den anderen Gesellschaft leisten?“
     „Nein.“ Die anderen dürfen gerne Weihnachten feiern, er hat nichts dagegen, aber sie sollen ihn aus der Sache heraushalten. Wenn er irgendwie das Bedürfnis hätte, zu feiern, würde er zu Magnus gehen.
     „Okay.“ Simon lässt sich nach hinten fallen. Was tut er da? Er sollte gar nicht in Raphaels Zimmer sein, geschweige denn sich hier so ausbreiten! Und dabei ist es egal, wie entspannt er aussieht. Wieder einmal kommt Raphael in den Sinn, dass Simon es vermutlich verdient hätte, wenn jemand ihn malen würde.
     Simon dreht sich auf die Seite, stützt seinen Kopf auf seiner Hand ab, und sieht Raphael eine ganze Weile einfach nur an. „Wir sollten irgendwas machen“, meint er dann.
     Raphael möchte die Augen verdrehen. „Ich habe doch schon gesagt—“
     „Nichts weihnachtliches“, unterbricht Simon ihn. „Weihnachten ist auch nicht mein Fest, wenn du das vergessen haben solltest—“
     Richtig. Simon feiert Chanukka, das hatte er wirklich vergessen.
     „—sondern einfach“, fährt Simon fort und macht eine ausschweifende Handbewegung, „irgendwas.“ Und dann setzt er sich auch schon wieder auf, weil er offensichtlich in den letzten zwei Wochen wieder verlernt hat, wie man nicht die ganze Zeit unruhig ist. „Wir könnten einen Spaziergang machen. Die Straßen sind ziemlich leer, was irgendwie cool ist.“ Simon zuckt mit den Schultern. „Oder wir könnten uns die Sterne ansehen, wenn das was wäre, für das du dich interessieren könntest. Oder vielleicht—“ Simon denkt sehr offensichtlich sehr angestrengt darüber nach.
     Raphael möchte seufzen.
     Wirklich.
     Er lässt es.
     Stattdessen erhebt er sich. „Meinetwegen.“ Wenn Simon so unbedingt seine Gesellschaft möchte, dann wird Raphael ihm ausnahmsweise einmal seinen Wunsch erfüllen.
     „Großartig.“ Simon kommt wieder auf die Beine. „Es ist ein Date!“ Er lacht. Und wird im nächsten Moment wieder ernst. „Was ich als Witz meinte, ich wollte nicht andeuten— Ich meine, ich hab nicht— Es ist— kein richtiges Date“, bringt Simon schließlich heraus.
     Raphael gibt sich wirklich größte Mühe, die Enttäuschung zu ignorieren, die bei diesen Worten in ihm aufkommt. Er hat dem doch zugestimmt! Das ist doch genau das, was er gewollt hat … also warum will er es jetzt nicht?
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