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Sigh for you

von Ririchiyo
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Freundschaft / P12 / MaleSlash
Alexander "Alec" Lightwood Isabelle "Izzy" Lightwood Jace Wayland / Jonathan Christopher Herondale Magnus Bane Raphael Santiago Simon Lewis
28.11.2021
24.12.2021
5
12.185
8
Alle Kapitel
7 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
05.12.2021 1.958
 
Kapitel 2

„Hey, Raphael, kommst du mal?“ Simon winkt ihm von der anderen Seite des Raumes zu und Raphael verzieht das Gesicht.
     „Warum?“, will er wissen. Simon sitzt mit dem Frischling an einem Tisch und vor ihnen liegen irgendwelche Karten.
     Simon lacht. „Maddy glaubt tatsächlich, dass Marvel schlechter als DC ist—“
     Richtig. Maddy. Ihr Name ist Madison. Raphael sollte ihn sich wirklich merken.
     „—und das ist einfach nur lächerlich, also hilf mir, ihr—“
     „Ganz sicher nicht“, unterbricht er Simon. In solche Diskussionen wird er sich nicht einmischen. Erst recht nicht, um Simon zu helfen. Was sind das überhaupt für Gespräche? Er schüttelt den Kopf und dreht sich wieder um.
     „Hey, warte!“ Simon läuft ihm nach. „Sag bloß, du bist DC-Fan? Ist es wegen Batman? Fühlst du dich verpflichtet? Bitte sag, dass es nicht das ist. Nichts gegen Batman natürlich, und DC ist okay, aber Marvel hat Spiderman! Zum Beispiel. Und die X-Men. Und Deadpool. Und die Avengers auch! Es gibt bestimmt jemanden, den du mehr mögen kannst als Batman. Wie wäre es mit …“
     Raphael hat vergessen, wie viel Simon redet, wenn man ihn nicht aufhält. Aber andererseits ist es auch das erste Mal seit Ewigkeiten, dass er dem wieder ausgesetzt ist, und das erste Mal seit Ewigkeiten, dass Simon und er wieder halbwegs normal sind, und … vielleicht ist Simons Geschwafel ausnahmsweise einmal willkommen genug, dass Raphael aktiv den Gedanken beiseite schiebt, ihm zu sagen, dass weder Marvel noch DC ihn jemals wirklich interessiert haben. Nicht in den Anfangstagen, nicht jetzt, und in Zukunft auch nicht. Aber Simon redet mit ihm und es fühlt sich halbwegs wie vorher an, also …
     Raphael würde nicht so weit gehen, zu behaupten, dass er den Moment genießt, aber ertragen tut er ihn auf jeden Fall.

„Camille?“, will Simon wissen. „Waren wir die nicht eigentlich losgeworden?“
     „Ja.“ Aber wird man sie nicht immer los und dann taucht sie doch wieder auf?
     „Wir sollten die Shadowhunter um Hilfe bitten.“
     Raphael schüttelt den Kopf. „Simon, das hier ist eine Clanangelegenheit.“
     „Aber eigentlich sollte Camille bei denen in Gewahrsam sein, oder nicht?“
     Eigentlich sollte Camille tot sein, wenn man Raphael fragt, aber das ist auch nicht der Fall.
     „Und wir sollten Magnus warnen“, spricht Simon weiter. „Und selbst wenn wir nicht alle Shadowhunter informieren, dann doch wenigstens Alec, oder?“
     „Was das Gleiche ist, wie alle Shadowhunter zu informieren.“ Offensichtlich. Solange Lightwood der Institutsleiter wäre, würde es nicht wirklich einen Unterschied machen, ob man ihm privat oder offiziell Dinge mitteilte.
     „Wenn ihr meint.“ Warum ist Simon eigentlich hier? Er hat doch noch nie Interesse an solchen Besprechungen gehabt. Wobei Raphael vielleicht froh sein sollte, dass er gerade nicht bei seiner rothaarigen Freundin ist und ihr hierüber berichtet. „Kriegt Alec es nicht auch raus, wenn wir es Magnus erzählen?“, fragt Simon als nächstes. „Und sollten wir nicht eigentlich alle zusammenarbeiten, um größeres Chaos zu verhindern?“
     Seit wann ist Simon so erwachsen?
     „Ich stimme ihm ausnahmsweise zu, Camille sollten wir eher nicht für uns behalten.“
     Warum muss Lily so sein?
     „Danke.“ Simon betont das Wort viel zu sehr. „Oder hat jemand eine bessere Idee?“ Aber natürlich hat niemand eine, und nach und nach stimmen sie Simon zu, dass es vermutlich am einfachsten sein dürfte, sich zusammenzutun.
     Raphael hasst all seine Leute. Jeden einzelnen von ihnen. „Meinetwegen.“ Warum tut er sich das eigentlich an? „Ich werde mit Magnus reden und einer von—“ Er sieht sie an. Wieso formuliert er das eigentlich so? Wieso gibt er ihnen noch mehr Freiheiten. „Simon kann ins Institut gehen“, bestimmt er stattdessen. Es ist dessen Idee, dann soll er sie auch umsetzen. „Und wenn er Hilfe braucht, kann Lily ihn begleiten.“ Immerhin ist sie mindestens genauso schuldig.

Die Tür zu Magnus‘ Loft öffnet sich, kaum dass seine Finger das Holz berühren, und auch wenn Magnus nicht da ist und nichts dergleichen sagt, nimmt Raphael es als die Einladung, die es hoffentlich sein soll. Er schließt die Tür hinter sich.
     „Wie kann ich Ihnen—“, fragt Magnus, während Raphael vom Flur in den Wohnbereich tritt, und bricht dann ab, als er ihn sieht. „Oh, du bist es!“ Er wirft einen kurzen Blick auf einen Tisch neben sich, der bis oben hin voll ist mit irgendwelchen Papieren, und dann lässt er all das mit einer einzigen kurzen Handbewegung verschwinden und läuft stattdessen auf seine Spirituosen-Sammlung zu. „Kann ich dir etwas zu Trinken anbieten?“
     „Nein.“ Er kommt näher und setzt sich auf eines der Sofas, während er darauf wartet, dass Magnus sich selbst etwas zusammenmischt.
     „Dein Verlust.“ Magnus setzt sich mit einem viel zu bunten Getränk ihm gegenüber. „Hast du endlich weniger zu tun?“
     „Was?“
     Magnus macht eine ausschweifende Handbewegung. „Wir haben uns lange nicht gesehen, also musst du beschäftigt gewesen sein.“
     „So lange nun auch wieder nicht.“ Raphael schüttelt den Kopf. Sollte nicht gerade Magnus mit seinem Alter eigentlich eher das Gefühl haben, dass es nur wenig Zeit gewesen ist? Und sicher, es war nicht gestern, aber … es war wirklich nicht so lange. „Wo ist dein Freund?“
     „Arbeiten.“ Magnus seufzt. „Leider, wie so oft, aber er sollte bald zurückkommen. Was kann ich für dich tun? Oder bist du wegen ihm hier?“
     Dios, nein. „Bestimmt nicht. Ich wollte dir eigentlich nur mitteilen, dass Camille laut Gerüchten wieder einmal in der Stadt ist, und du vielleicht besser vorsichtig sein solltest.“
     „Und ich soll Alec nichts davon verraten?“
     Raphael zuckt mit den Schultern. „Solltest du eine Beziehung auf Geheimnissen aufbauen?“
     „Und doch hast du sichergestellt, dass er nicht hier ist.“
     Oh bitte. „Ich war nur verwundert.“ Es ist Nacht, sollte Lightwood nicht Zuhause sein? „Simon ist im Institut, um dort alle aufzuklären, also rede mit wem auch immer du willst.“
     „Seit wann so offen mit Problemen?“
     „Seit mein ganzer Clan sich gegen mich verschworen hat.“ Magnus hat viel zu gute Laune nach dem Satz.
     Und vielleicht ist Raphael doch nicht so wenig begeistert davon, Alexander Lightwood zu begegnen, denn das Öffnen der Wohnungstür lenkt Magnus genug ab, damit dieser ihn weder aufzieht noch merkwürdige Fragen stellt, und Raphael ist wirklich dankbar dafür.
     „Oh, Raphael.“ Der Mann nickt ihm zu und legt seine Sachen ab, eher er sich zu Magnus setzt und ihn mit einem kurzen Kuss begrüßt. „Bist du wegen Camille hier?“, wendet er sich wieder ihm zu. Es ist immer noch irritierend, dass Magnus‘ Freund inzwischen manchmal einen Dreitagebart hat. Selbst wenn er so wenig zu sehen ist wie jetzt und Raphael eigentlich oft genug Zeuge gewesen ist, um nicht mehr verwirrt zu sein. Er ist es dennoch immer wieder. Er weiß, dass der Shadowhunter inzwischen um einiges älter ist als damals, also natürlich bekommt er einen Bart, wenn er viel zu tun hat und nicht dazu kommt, sich zu rasieren, aber es bleibt dennoch ein merkwürdiger Anblick.
     „Richtig.“ Raphael nickt. „Aber eigentlich ist das auch schon alles und ich würde wieder gehen.“
     „Wir lassen euch eine Nachricht zukommen, wenn wir etwas finden“, gibt Lightwood so ernst zurück, dass Raphael sich selbst gegenüber fast zugibt, dass Simons Idee vermutlich doch nicht die schlechteste gewesen ist … aber wirklich nur fast!

Jemand klopft an seine Tür und im nächsten Moment wird sie auch schon geöffnet, ohne dass er etwas gesagt hätte. Es ist Simon. Natürlich ist es Simon.
     „Hey“, meint der mit einem Grinsen auf die Lippen. „Heute ist im Hunter‘s Moon eine kleine Party, willst du mitkommen?“
     „Ich habe …“ Er sieht auf die neusten Briefe, die er von irgendwelchen Vampiren bekommen hat, die mit seinem Clan eigentlich nichts zu tun haben und auch nichts zu tun haben sollten. Und die Nachricht von dem Anführer des Clans in Staten Island sollte er unbedingt auch noch beantworten. Außerdem sollte er noch seinen Teil des Berichts notieren, jetzt wo sie Camille wieder losgeworden sind und—
     „Zu tun, ich weiß“, wirft Simon ein. „Aber es kann dir nicht schaden, ein paar Stunden frei zu nehmen. Du hast ein wenig Freizeit verdient.“ Simon grinst ihn an. „Komm schon, ich habe sogar einen Gig.“
     Simon hat einen Auftritt? Wirklich? Raphael hat gewusst, dass er immer noch Musik macht, immerhin kann er ihn manchmal üben hören, aber es ist inzwischen so selten, dass er nicht erwartet hätte, dass Simon immer noch vor Publikum spielt.
     „Ich würde mich freuen, wenn du mitkommst?“, versucht Simon es ein weiteres Mal und Raphael gibt sich schließlich doch geschlagen.
     Nicht, weil Simon ihn darum bittet natürlich. Und auch ganz sicher nicht, weil er nichts dagegen hat, Simon wieder singen zu hören. Simon hat nur Recht: Er hat sich ein paar freie Stunden verdient. Mehr ist ganz sicher nicht dabei.

Vielleicht ist ein bisschen mehr dabei, aber es ist nichts, was er zugeben wird. Und es ist auch nichts, nach dem irgendjemand fragen würde. Niemand kommt Raphael zu nahe und es stellt auch niemand dumme Fragen. Simons rothaarige Freundin ist vielleicht etwas zu glücklich, ihn zu sehen, weil sie aus irgendeinem Grund der Meinung zu sein scheint, dass Simons Freunde auch ihre Freunde sind, aber während Raphael dem nicht zustimmt, denkt er zu intensiv darüber nach, ob er Simon und sich wirklich als Freunde bezeichnen würde, um wirklich zu widersprechen.
     Simons Auftritt ist gut. Es ist merkwürdig, Izzy zu sehen, und es ist auch merkwürdig zu sehen, wie gut Simon und der schreckliche blonde Shadowhunter sich inzwischen verstehen, aber es ist trotzdem einer der besten Abende, die Raphael seit langem hatte. Was Simon ganz sicher niemals erfahren wird.

Er geht nicht lange nach Simons Auftritt und kümmert sich lieber wieder um seine eigenen Angelegenheiten und Pflichten, aber es ändert nichts daran, dass er die Nacht genossen hat, und auch nichts daran, dass er sich danach schneller zu Pausen überreden lassen kann … nur manchmal und nur kurze Pausen, aber es ist erstaunlich einfach, mit Simon Zeit zu verbringen.
     Und obwohl Lily ihn manchmal etwas zu wissend ansieht und er durchaus merkt, dass Simon ihn immer noch von Zeit zu Zeit anstarrt, tut Simon genau, was er gesagt hat: Gar nichts. Es ist wirklich wie vor seinem Geständnis. Er hat noch immer Gefühle, Raphael weiß es und Lily kann es offensichtlich auch sehen, aber es bleibt trotzdem wie davor. Raphael hat keine Ahnung, wie Simon so gut darin ist, sich an die Grenzen zu halten. Er hat auch keine Ahnung, warum er nicht einfach zufrieden damit sein kann, dass Simon sich an sein Versprechen hält. Das ist doch genau das, was er gewollt hat, oder nicht?
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