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Schneeengel

von alegna70
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteRomance, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
28.11.2021
31.12.2021
6
17.392
34
Alle Kapitel
45 Reviews
Dieses Kapitel
10 Reviews
 
 
28.11.2021 2.286
 
Hej hej!

Heute Nacht geht es endlich los mit meiner neuen Weihnachtsgeschichte

Die Idee dazu hab ich im Sommer gehabt, auf dem Campingplatz und nicht wie man meinen könnte im Herbst auf der Zugspitze. Ich bin super glücklich auch dieses Jahr eine neue Weihnachtsgeschichte für Euch zu haben, denn es gab Momente nach der Flut, da hab ich wirklich daran gezweifelt, dass das passieren würde. Nach diesem wirklich besch**** Jahr ist mir einfach nur nach purer Romantik in Regenbogenfarben ❤

Heute Nacht kommt das erste Kapitel, danach immer in der Nacht zum Advent und das letzte voraussichtlich dann zu Weihnachten.

Diese Geschichte ist mein geistiges Eigentum und ich verbiete sie im Ganzen oder in Auszügen zu verwenden, das Urheberrecht liegt alleine bei mir!

Ich hoffe, dass sie Euch gefällt und freue mich natürlich sehr über Euer Feedback :)

Viel Vergnügen bei


Schneeengel



1

Leise stöhnte Karsten vor sich hin und fuhr sich mit seinen schlanken Fingern durch seine kurzen blonden Haare. Es musste ein Moment der geistigen Umnachtung gewesen sein, als er im Sommer seinem besten Freund zugesagt hatte, mit ihm über Weihnachten zum Wintercamping zu fahren. Dass sie Weihnachten zusammen verbrachten war dabei kein Problem, es war auch nicht das erste mal, aber zum Wintercamping....
Normalerweise zog es sie in den Süden, ein paar Tage Wärme tanken, ausspannen vom Job. Seine Praxis, die er sich mit einem Kollegen teilte, war über die Feiertage geschlossen und er hatte die kleine Auszeit wirklich nötig. Er arbeitete gerne als Arzt, die orthopädische Praxis lief, eigentlich hätten sie schon längst einen Aufnahmestopp einführen müssen, aber sie hatten sich bis jetzt dagegen entschieden und so waren Überstunden an der Tagesordnung. Selten machte er vor 20.00 Uhr Feierabend und oft erledigte er noch den lästigen, leider nicht vermeidbaren Papierkram zu Hause.
Er sah auf den Haufen von Klamotten, der sich vor ihm, auf seinem Bett auftürmte und noch immer hatte er nicht alles parat gelegt, was er mitnehmen wollte. Wintercamping, wie auf aller Welt war Max auf diese Idee gekommen?
Sie kannten sich seit der Oberstufe, hatten auf der gleichen Uni studiert und für seine schrägen Einfälle war sein bester Freund berühmt und berüchtigt. Das Problem war, man konnte ihm einfach nicht widerstehen! Max wusste was er wollte und brachte das Ganze auch immer sehr überzeugend rüber. Dazu ein Bier oder ein gutes Glas Wein und man sagte Ja, obwohl man nicht wirklich überzeugt von seiner genialen Idee war. Er konnte schon immer gut reden …
Leicht schüttelte Karsten seinen Kopf, wie konnte man sich nur so belabern lassen! Anstatt Badehose und Bermudas einzupacken, stapelten sich sexy Thermowäsche, dicke Socken und Pullover auf seinem Bett, die Wäsche hatte er extra kaufen müssen, um nicht in Bayern zu erfrieren …
Bis zuletzt hatte er gehofft, dass er um den Schnee drumherum kommen würde, aber, die letzten zwei Wochen hatte es in den Alpen geschneit. Wohin sie genau fahren würde hatte Max ihm nicht verraten, nur ihm immer wieder erklärt, dass er es nicht bereuen würde …
Da war sich Karsten gerade nicht wirklich so sicher …
Im Schnee campen ….
Camping war so schon nicht so unbedingt sein Ding! Früher als Student, da war es eine billige Möglichkeit gewesen Urlaub zu machen. Max und er waren im Sommer immer unterwegs gewesen, in einem Minizelt, aber sie hatten viel Spaß gehabt. Auf einem Festival, vielleicht mal ein paar Nächte, aber ansonsten zog er die Annehmlichkeiten eines Hotels eindeutig vor. Ein gepflegtes Zimmer, Wellness, ein gutes Restaurant ….
Karsten war wirklich gespannt, was der Campingplatz so zu bieten hatte, denn so ganz günstig war es nun auch nicht wirklich …
Er holte seine Reisetasche  aus der Abstellkammer und versuchte seine ganze Kleidung dort nun rein zubekommen. Er musste alles jetzt noch fertig machen, obwohl es schon fast 23.00 Uhr war. Nach der Praxis war er noch zum Sport im Studio gewesen und Max wollte ihn schon um 7.00 Uhr abholen. Sie hatten eine ordentliche Wegstrecke vor sich. Sein Freund hatte was von ungefähr 800 Kilometer gesagt. Von ihrer Heimatstadt Bremen aus hieß das, tiefstes Bayern …
Das würden vermutlich zehn Stunden Fahrt bedeuten. Ihm machte die lange Fahrt nichts aus, eher fuhr er gerne Auto. Max war ein guter Fahrer und er ging davon aus, dass sie sich abwechseln würden, so wie immer, wenn sie gemeinsam auf Tour waren.
Karsten stopfte die letzte Unterhose in die Tasche und atmete erleichtert auf, er hatte alles eingepackt bekommen! Das einzige, was nun noch fehlte, war seine dicke Winterjacke und die Schuhe, die würde er so in den Kofferraum schmeißen.
Der Tag war lang gewesen, der letzte Praxistag vor dem Weihnachtsurlaub und Karsten konnte nicht verleugnen, dass er wirklich müde war, der Sport hatte ihm den Rest gegeben.
Schnell machte er sich noch einen Proteinshake und anschließend zur Nacht fertig, putzte sich seine Zähne und kuschelte sich danach in sein Bett, welches ein Boxspringbett in Kingsize Größe war. Auch wenn er solo war, er liebte es einfach viel Platz und viele kuschelige Kissen zu haben. Gegen etwas weniger Platz, dafür aber mit einer schönen Frau drin liegen, dagegen hätte er auch nichts gehabt …
Aber irgendwie hatte er kein Glück in der Liebe und manchmal war er an dem Punkt, dass er und die Liebe einfach nicht zusammen passten …

Als Karstens Wecker am Morgen des 23. Dezember ging, war es eindeutig zu früh und er fluchte leise auf. Da hatte man endlich Urlaub und musste noch früher aufstehen, als wenn man zur Arbeit ging. Trotzdem quälte sich der Mediziner aus dem Bett. Auch wenn er wirklich skeptisch dem Wintercamping gegenüberstand, es warteten ein paar Tage Qualitytime mit seinem besten Freund auf ihn. Weihnachten im Kalten war definitiv besser, als Weihnachten alleine verbringen! Früher hatte er natürlich Weihnachten immer mit seiner Familie gefeiert. Aber seine Mutter war früh verstorben, da war er gerade mal Anfang zwanzig gewesen und inzwischen hatte sein Vater eine neue Frau gefunden. Er mochte sie, hätte auch kein Problem damit, mit ihr die Feiertage zu verbringen, aber auf Wunsch seines Vaters gingen die Beiden jedes Jahr auf Kreuzfahrt über die Feiertage. Früher war er noch mitgekommen, aber inzwischen  machte er lieber sein eigenes Ding, zumal Max dem weihnachtlichen Familienstress liebend gerne entfloh. Er hatte schlichtweg kein Bock auf die Besuchsorgie in seiner Familie, bei der er sich jedes Jahr aufs neue erklären musste, warum er noch keine Frau vorzuzeigen und seine Eltern noch nicht zu Großeltern gemacht hatte …
Er hatte ihnen bereits mehrfach versucht klar zu machen, dass dieses vielleicht nie passieren würde, denn er stand auf beide Geschlechter und ließ normal nichts anbrennen …
Wie oft Karsten ihn schon über den Liebesfrust geholfen hatte, konnte er schon gar nicht mehr sagen, aber eindeutig mehr als andersrum ...
Mit einem Kaffee in der Hand ging Karsten ins Bad, hüpfte unter eine schnelle Dusche, um irgendwie wach zu werden. Nachdem er sich abgetrocknet und den Kaffee ausgetrunken hatte, schwang die Zahnbürste noch eine Runde durch seinen Mund und dann war er fertig für den Tag. Rasieren sparte er sich, er hatte Urlaub! Gerade als er seine Tasche an die Haustür stellen wollte, klingelte es auch schon Sturm, Max war mal wieder überpünktlich …
Eine lästige Angewohnheit, die so gar nicht zu ihm passte, wenn man ihn sonst kannte, denn er war der König des Verlierens und des Chaos …
Breit grinsend stand Max unten an der Haustür, als Karsten mit seinem Gepäck sein Wohnhaus verließ: „Moin! Fit? Es warten ein paar Kilometer auf uns!“
Karsten zog den etwas größeren, absolut trainierten, breitschultrigen Mann mit den Sommersprossen und den verwuschelten kurzen roten Haaren zur Begrüßung in den Arm und schüttelte leicht den Kopf: „Was für eine Frage! Hast mal auf die Uhr gesehen?“
Sein Freund boxte ihn leicht: „Du tust so, als ob wir mitten in der Nacht haben!“
Sofort nickte  Karsten: „Ganz genauso ist es! Ich hab Urlaub und dann ist 7.00 Uhr mitten in der Nacht! Wo ist dein Wagen?“ Suchend sah er sich um. Eigentlich fuhr Max ein sportliches BMW Cabriolet, aber das konnte Karsten nicht entdecken. Der zeigte auf einen schwarzen BMW X5, der in einer Parktasche stand und nun wurde es Karsten auch klar, warum sie nicht mit seinem Wagen gefahren waren. Er hatte zumindest einen größeren Kofferraum, als das Cabriolet seines Freundes …
Sie gingen zu dem Wagen rüber und als er den Kofferraum aufmachen wollte, schüttelte Max den Kopf: „Stell die Tasche auf die Rücksitzband, hinten ist voll!“
Karsten machte große Augen, denn auch die Rücksitzbank war schon gut beladen: „Hast du den halben Hausstand eingepackt, oder was ist los?“
Max nahm Karsten die Tasche ab, baute sie tetrismäßig auf der Rückbank ein, schmiss dessen Jacke obenauf und die Tüte mit den Schuhe verstaute er schließlich noch hinter dem Beifahrersitz. Zufrieden grinste er: „Passt würde ich sagen!“
Dass er nicht wirklich auf die Frage seine Freundes geantwortet hatte, ließ Karsten ein wenig skeptisch auf das ganze Gepäck gucken. Er war zumindest davon ausgegangen, dass der Wohnwagen, den sie gemietet hatten, voll ausgestattet wäre …
Max klopfte ihm auf die Schulter: „Schau nicht so mürrisch, dafür ist der Morgen viel zu schön! Einsteigen, abfahren, Urlaub!“ Ein leichtes Schmunzeln zauberte sich wie von alleine auf Karstens Lippen, so war er, sein bester Freund …
Er setzte sich auf den Beifahrersitz und aus dem Schmunzeln wurde ein Lächeln, als Max ihm einen Thermobecher mit heißen Kaffee gab, sein Freund wusste definitiv, womit er ihn bestechen konnte: „Hier, für meinen geliebten Morgenmuffel! Ich fahre die ersten dreihundert Kilometer, dann du, zum Schluss ich, ist das okay?“
Sofort nickte Karsten: „Klar! So hab ich das gerne!“ Er drehte den Verschluss des Bechers auf und trank einen Schluck des schwarzen Goldes. Dieses leicht verzückte Gesicht, welches er dabei machte, ließ Max auflachen, Karsten war doch sehr schnell zu bestechen …
Er startete den Wagen, machte das Radio an und los ging die Reise hoch in den Süden Deutschlands. Auf dem Navi hatte er erst mal ein Zwischenziel eingegeben, noch wollte er Karsten nicht verraten, wohin es sie genau verschlug. Das sie das Navi eigentlich nicht mal bräuchten, weil sie, einmal auf der A7 angekommen, diese nur noch bis nach Füssen durchfahren müssten, machte das Ganze nur noch lustiger für ihn.
Er fuhr los, rauf auf die Autobahn und dann immer Richtung Süden. Da er genau wusste, das Karsten erst mal den Kaffee intus haben musste, bevor er wirklich gesprächig wurde, sang er lieber die Songs mit, die im Radio liefen. Er war kein begnadeter Sänger, aber liebte es dafür um so mehr. Immer mal wieder streifte ihn ein verachtender Blick seines Freundes, was er breit grinsend und noch lauter singend konterte.
Karsten trank seinen Kaffee und musste zugeben, trotz des wirklichen schlechten Gesangs von Max, war er schon im Urlaubsmodus angekommen. Max nahm ihn so, wie er war! Im Gegensatz zu seinem Job konnte er sich nun fallen lassen, musste nicht den Chef spielen,  seinen Angestellten sagen, was erledigt werden musste, er konnte er sein; Karsten, 36 Jahre jung, Kaffeejunkie und der größte Morgenmuffel vor dem Herrn …
Bei Hannover war der Becher leer und nun war auch er richtig ansprechbar. Max grinste zu ihm rüber: „Alles gut Jung?“
Leicht nickte er: „Joa, wenn du endlich mal besser singen würdest, wäre es perfekt!“
Max lachte auf, ein warmes Lachen, Lachfältchen zeigten sich und Karsten stellte fest, auch bei ihm ging der Zahn der Zeit nicht spurlos vorbei, was ihn doch sehr beruhigte. Dann grinste Max ihn an: „Bezahle mir Gesangsunterricht, eine Investition fürs Leben!“
Nun lachte Karsten laut auf: „Bin doch nicht wahnsinnig und schmeiß mein Geld zum Fenster raus!“
Die Reaktion seines Freundes kam sofort. Er drehte das Radio lauter und sang Last Christmas lauthals mit, denn eigentlich mochte er Weihnachten, nur halt nicht den Stress mit der Familie …
Bei Kassel war Fahrerwechsel. Nach einer kleinen Pause inklusive eines frischen Kaffees ging es weiter Richtung Süden. Die nächste Zwischenstation war Würzburg, die Max ins Navi eingab. Karsten ergab sich seinem Schicksal nun vollkommen und gönnte seinem besten Freund den Spaß, den er hatte, ihn im Dunkeln tapsen zu lassen. Je weiter sie Richtung Bayern kamen, desto voller wurde nun die Autobahn. Die Skigebiete zogen die Massen förmlich an, dazu kamen dann noch alle, die  es zu Verwandten oder nach Hause zog über die Feiertage. Inzwischen hatte Max seinen Freund mit dem Mitsingen angesteckt und so johlten sie zusammen altbekannte Weihnachtssongs und so kam auch Karsten ganz langsam in Weihnachtsstimmung.
Irgendwann hatten sie Würzburg erreicht und nun legten sie einen längeren Stopp, inklusive eines ungesunden Burgermenüs, ein. Das war etwas, was Karsten sich wirklich nur im Urlaub erlaubte, auch wenn er die Burger wirklich liebte, sie waren einfach verdammt ungesund! Als sie herzhaft in den Burger bissen, grinsten sich die Freunde wie kleine Jungs an, zusammen sündigen machte einfach doppelt so viel Spaß!
Als Max dann wieder das Lenkrad übernahm und das Navi ausließ, wusste Karsten, das sein Freund ihn mal wieder gehörig auf den Arm genommenen hatte. Dieses ganze Navigedöns hatte er nur wegen ihm veranstaltet, denn normalerweise war Max ein lebendiges Navi. Egal wo er war, er wusste immer wohin. Egal ob Berlin, München oder Frankfurter U-Bahn, ein Blick auf den Plan und er wusste Bescheid. Dieses fotografische Gedächtnis, er beneidete ihn schon ein wenig darum. Aber natürlich verriet Max noch immer nicht, wohin der Weg sie führte. Irgendwann wurde die Landschaft hügeliger, die Temperatur kälter und in der Ferne waren die ersten hohen Gipfel zu erkennen. Die Luft war klar und die Sicht richtig gut. Wenn man aus dem norddeutschen Flachland kam, war das schon ein imposanter Anblick, zumal es Weiß auf den Gipfeln im Sonnenuntergang glitzerte. Als dann auch die Wiesen neben der Autobahn immer weißer wurden, erfasste beide endgültig Weihnachtsstimmung. Weiße Weihnachten hatten sie zuletzt als Kinder erlebt …
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