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Die erste Staffel

von Mujuchu
Kurzbeschreibung
SammlungFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Het
Dr. Anja Licht Franz Hubert
27.11.2021
23.06.2022
17
30.763
4
Alle Kapitel
15 Reviews
Dieses Kapitel
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23.06.2022 1.590
 
Kapitel 1: Frika-sucht-delle.de

“Ja, meine Herren, und natürlich auch Sie, Fräulein Wirth, da haben wir wieder einmal gezeigt, dass bei uns kein Mord ungesühnt bleibt”, betonte der Revierleiter der Wolfratshausener Polizeistation, “der Schuldige sitzt dank unserer unermüdlichen und kreativen Ermittlungsarbeit hinter Gittern und wir haben uns heute den Feierabend wirklich verdient!”

“Vor allem SEI unermüdliche und kreative Ermittlungsorbeit”, flüsterte Hubert Sonja zu, die ihr Lachen sich nicht ganz verkneifen konnte und deshalb einen bösen Blick des Chefs erntete.

“Das mir aber jetzt nicht der Schlendrian hier einzieht”, fügte Polizeirat Girwidz hinzu und fuchtelte mit seinem Zeigefinger vor den Gesichtern seiner Untergebenen herum. Dann machte er eine Handbewegung zur Tür und seine Mannschaft stiefelte einträchtig aus seinem Büro.

“Wer is denn der Schlendrian, der hier einziehn will?”, fragte der junge Polizist Riedl seine Kollegin beim Hinausgehen, die ihn daraufhin entgeistert ansah.

“I bin dann amol weg”, kündigte Hubert an, “kommst au, Hans?”

Doch der Angesprochenen schüttelte den Kopf. “Na, ich wollt no was die Sonja fragen", antwortete Staller und so machte sich Hubsi gemeinsam mit Riedl auf dem Weg in den Feierabend.

“Du, Sonja”, meinte Polizeiobermeister Staller zu seiner Kollegin, sobald auch Reimund Girwidz verschwunden war, “kannst du mir sagen, wie des hier so funktioniert?”

Die blonde Polizistin sah von ihrer Tastatur auf und fragte nach: “Was meinst du, Hansi?”

“Diese Dating-Seite da, Frika-sucht-delle.de”, erklärte er ihr und zeigte auf das offene Fenster auf Sonjas Bildschirm.

“Wieso?”, grinste sie, “suchst du nach einer neuen Freundin?”

“Na, net für mi”, erwiderte Hansi, “für den Hubsi. Ich kann des nimmer mit anschaun, wie er die Anja immer anguckt, aber die hat ja ihr Gspusi dahoam.”

Sonja legte ihre Stirn in Falten und meinte unschlüssig: “Also ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist.”

“Aber i. Du musst des ja net täglich mitansehn, wie der arme Kerl einsam und allein in seinem leeren Haus verschwindet", behauptete Hansi.

“Also ich bin mir da nicht sicher, ob der Hubsi das so schlimm findet”, entgegnete Sonja, doch dann half sie ihm trotzdem einen Account für den Kollegen anzulegen.

“Zuerst brauchen wir einen Nickname, also einen Spitznamen”, erklärte sie Hansi.

“Hubsi”, sagte Hansi sofort.

“Nee, einen, an dem man ihn nicht so leicht erkennt”, lehnte die Polizistin ab.

Die beiden grübelten lange nach, doch dann rief Sonja aus: “Wie wär’s mit Ranger? Er streift doch so gerne durch den Wald?”

Hansi grinste zustimmend, und so trug Sonja den Namen ein. Anschließend erstellten die beiden Verschwörer eine Kurzbeschreibung für Ranger.

“Wortkarger Naturliebhaber sucht geduldige Frau ab 40, die auch mal schweigen kann?”, schlug Hansi vor.

“Da schreibt aber niemand”, fürchtete Sonja.

“Na gut”, gab der schlaksige Polizist zu.

Am Ende einigten sie sich auf folgenden Text: “Attraktiver Naturliebhaber, 1,83 groß, schlank, sucht gleichgesinnte Frau zwischen 40 und 50, die auch ohne Worte die Zweisamkeit genießen kann.”

So ganz zufrieden war Hansi nicht, aber Sonja hatte nicht ewig Zeit und so stellten sie die Anzeige online und gingen auch in den Feierabend.

Gespannt kam Hansi am nächsten Tag schon sehr früh auf das Revier und passte Sonja ab, die sonst immer als erste da war.

“Und, hat schon jemand geantwortete?”, fragte er ungeduldig.

“Eine Menge sogar, aber die meisten kann man gleich aussortieren”, meinte die Polizistin und las ihm einige Anfragen vor: “Sexyhexy55 schreibt ‘Ich gehe gerne mit dir in den Wald ♥♥♥’, oder hier, von Anna66 ‘Deutscher Mann gut. Ich kochen, du Geld’”.

“So ein Schmarrn”, meinte Hansi enttäuscht und sie löschten gleich die ersten zehn Antworten.

“Halt!”, rief Hansi plötzlich aus, “das klingt doch nett!”

Er zeigte auf die vorletzte Antwort und las sie laut vor: “Mit Ruhe kenne ich mich aus und an der frischen Luft bin ich so oft es nur geht.”

“Hm”, machte Sonja, “viel gibt Blondie2 nicht gerade von sich preis. Hier steht nur, dass sie bis jetzt noch auf keine andere Anzeige geantwortet hat und auch keine Anfrage angenommen hat. Sie scheint sehr wählerisch zu sein.”  

"Vorsicht! Er kommt!”, zischte Sonja plötzlich und minimierte das Fenster auf ihrem Computer.

“Servus”, grüßte Hubsi kurz und sah dann misstrauisch auf seine beiden Kollegen, die einträchtig nebeneinander am Computer saßen und ihn unisono ebenfalls begrüßten.

“Is was?”, erkundigte er sich und kniff die Augen zusammen.

“Na, was soll denn sei?”, erwiderte Hansi und schob ihn in ihr gemeinsames Büro. Dort ließ sich Hansi von seinem Partner den Abschlussbericht zum Mord an der jungen Frau diktieren, die von ihrem eifersüchtigen Freund erst erwürgt und dann verbrannt worden war.

“Greislich, so was”, kommentierte Hubsi die Tat, “aber des kommt davon, wenn man sich auf a Frau einlässt.”

“Was hast eigentlich gegen die Frauen, Hubsi? Nur weil du oi schlechte Erfahrung gmacht hast, kannst doch net der ganzen Frauenwelt abschwörn!”, meinte Hansi.

“Doch, des kann i", trotzte Hubsi und zog seine Lederjacke an, denn es war Zeit für ein zweites Frühstück im Café Rattlinger.

Sonja juckte es in den Fingern und so schrieb sie Blondie2 in ihrer Mittagspause zurück: “Servus Blondie2, was magst du am liebsten an der Natur?”

Schon wenige Minuten später war die Antwort da. “Die Natur ist ehrlich und verlässlich”, schrieb Blondie, ”sie folgt ihren Gesetzen und findet doch immer einen Weg dahin zu kommen, wo sie hinkommen möchte.”

Das klang sehr sympathisch, fand Sonja. Jetzt musste Hansi nur noch Hubsi unauffällig eine ähnliche Frage stellen, damit sie diese in seinem Namen beantworten konnten.  

Hansi nippte gerade an seinem Kaffee, als plötzlich sein Handy piepte. Grinsend las er, was Sonja ihm geschrieben hatte, und steckte das Handy wieder in seine Jackentasche.

Hubsi, der ihm gegenüberstand, sah ihn fragend an und wollte wissen: “An neien Auftrag vom Girwidz?”

Doch Hansi schüttelte den Kopf und entgegnete ihm: “Na, was Privates!”

“Aha”, machte Hubsi und wand sich wieder seiner Leberkässemmel zu.

Aber kaum hatte er einen Bissen davon im Mund, fragte ihn sein Kollege: “Was magst du eigentlich am liebsten an der Natur?”

Hubsi kaute und schluckte und brummte schließlich: “Wird des jetzt a Quiz?”

“Na, aber du sagts doch immer, in der Natur, da hast wenigstens dei Ruh’”, regte sich Hansi auf und fegte mit seinen langen Armen beinahe sein Latte-Macchiato-Glas vom Tisch.

“Da hast doch die Antwort”, erklärte Hubsi und schob seinen leeren Teller beiseite.

Unzufrieden beließ es Hansi dabei und fuhr mit seinem Partner durch Wolfratshausen, doch es war heute nichts los im beschaulichen Örtchen.  

“Zu viel Ruhe ist aber auch nicht gut”, schrieb Blondie am nächsten Tag und die Verschwörer antworteten: “Bei meiner Arbeit habe ich schon genug Menschen um mich herum, da mag ich die Ruhe nach Feierabend ganz gern.”

In den nächsten Tagen versuchten Sonja und Hansi immer wieder Antworten zu Fragen von Blondie, bis der blonde Polizist schon ganz genervt davon war.

“Is dir langweilig Hansi, oder warum fragst mi allweil so an Schmarrn?”, schimpfte er mit seinem Partner.

Über eine Woche ging es so weiter, doch dann beschlossen Sonja und Hansi, Blondie eine persönlichere Frage zu stellen.

Gespannt tippte Sonja ein: “Gibt es etwas in deinem Leben, das du bereust?”

Blondies Antwort kam prompt: “Ja, aber das ist Vergangenheit”.

In den nächsten Tagen herrschte Funkstille und Sonja befürchtete, sie wären mit ihrer Frage ins Fettnäpfchen getreten.

“Ist vielleicht auch besser so”, meinte Sonja schließlich, der es inzwischen schon unwohl war, diese Scharade hinter Hubsis Rücken aufrecht zu erhalten. Außerdem war ihr diese Blondie sympathisch und sie wollte sie nicht verletzen.

Doch dann poppte nach drei Tagen eine Nachricht auf ihrem Bildschirm auf, gerade als Hubsi hinter ihr stand und ein paar Unterlagen kopierte.

“Seit wann suchst du andere Frauen im Internet?”, wunderte er sich und überflog den Chatverlauf.

Neugierig geworden las er die neueste Frage, die Blondie eben gestellt hatte: “Was hat dich in der Vergangenheit sehr traurig gemacht oder verletzt?”

Hubsi sah Sonja verwundert an und fragte die Kollegin: “Was sind denn des für Fragen? Is des so a Psychogruppe?”

In diesem Moment kam Staller in die Zentrale und Sonja sah ihn hilfesuchend an. Da beschloss Hansi seinem Freund die Wahrheit zu sagen: “Na, Hubsi, des is für di. I hab mir dacht, es wird Zeit, dass du au mal wieder a Frau findest und die Blondie würde zu dir passn!”

“Sag amoi, spinnt’s ihr jetzt ganz? Des is doch mei Privatangelegenheit, ob i mi noch amol auf a Frau einlassn wui und i wui net!”, regte sich Hubsi auf. “Ihr löscht jetzt sofort mei Profil oder i mach des glei selber!”

Er ließ sich von Sonja die Zugangsdaten geben, ging in sein Büro und schlug die Tür hinter sich zu. Hansi beschloss seinen Kollegen erst einmal in Ruhe zu lassen und machte heute früh Feierabend.

An seinem Schreibtisch loggte sich Hubsi mühselig in die Datingseite ein und wollte gerade sein Profil löschen, als Blondie ihre eigene Frage beantwortete:

“Ich hoffe, du wunderst dich nicht über die seltsame Frage, aber das Thema liegt mir am Herzen und ich kann dir auch als erstes diese Frage beantworten, denn es gibt etwas, das mich noch immer traurig macht und auch sehr verletzt hat. Ich weiß nicht, ob ich überhaupt noch einmal eine funktionierende Beziehung finden kann, da meine letzte lange Beziehung viel Traurigkeit und Schmerz über mich gebracht hat. Ich habe noch nie mit jemandem so richtig über diese Erfahrung reden können, aber ich habe das Gefühl, dass du mich verstehen wirst. Ich will mit offenen Karten spielen, denn ich mag dich und auch wenn ich dich noch nie gesehen habe, habe ich das Gefühl, dass ich dir vertrauen kann.”
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