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Seelensplitter - Buch einer Eisernen Schlange

von Amroth
Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy / P12 / Gen
26.11.2021
26.11.2021
1
14.485
 
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Seelensplitter –


Buch einer Eisernen Schlange




„Was in meinem Feuer gebrannt wird, zerspringt nicht mehr.“ - Nâhâsh, Ausbilder der Eisernen Schlange -




Nur wenige Auserwählte Draconiter werden in die elitären Reihen der Eisernen Schlange aufgenommen. Arkane und Laien sind von vornherein ausgeschlossen und nur die gläubigsten unter den Geweihten werden initiiert. Die Probanden müssen Willensstärke und Selbstbeherrschung in hohem Maße besitzen, belastungsfähig sein und daneben auch die körperliche Eignung besitzen.  Den ständigen Konflikt zwischen der Berufung zum Hesindediener einerseits, und  Schulung und Einsatz der leuingefälligen Talente andererseits, bestehen nur die geistig Starken. Nicht wenige praktizieren Selbstdiziplinierung, um, wie sie sagen, die Klarheit des Geistes und des Willens zu erlangen.  

Besonderer Schwerpunkt der Ausbildung liegt, neben dem Erlernen der Waffenfertigkeit und dem waffenlosem Kampf, insbesondere darin, das Schwert stets mit vollkommener Beherrschtheit zu führen.

Daneben werden taktische Fertigkeiten und das Verhalten im Feindesland ebenso geschult, wie Magiekunde und -theorie, Geschichtswissen und alte Sprachen – Wissen, das in den besetzten Landen Leben retten kann.



Voraussetzung für die Benennung zum Ausleseverfahren:

- empfangene Weihe zum Diener Hesindes- Überdurchschnittliche körperliche Eignung- Geistige Disziplin- Große Glaubensstärke

Die heilige Aufgabe eines jeden Draconiters sei es, das geheiligte Wissen der Herrin HESinde zu sammeln, zu erforschen, zu vertiefen und zu verteidigen, sowie dafür Sorge zu tragen, daß dieses Wissen jedem, der die Allweise Herrin verehrt, zugänglich gemacht werden kann.

Der Draconiter setze all seinen Geist und all sein Streben in den Dienst der Allwissenden Herrin HESinde und ihrer Erkenntnis. Dienst an der Allwissenden freilich bedeutet nicht, daß der Draconiter sich in Klausur zu begeben habe, sondern er solle gerade die Fülle des Lebens kosten, damit er die Weisheit der Herrin wahrlich schätzen lerne.

Der Draconiter wähle niemals den Weg der Sturmherrin, es sei denn, das heilige Wissen, ein geheiligter Ort oder sein Leben sei unmittelbar bedroht. Selbst dann solle er bei seiner Verteidigung Maß halten, gemäß dem Codex Argelionis.

Der Draconiter beuge niemals sein Haupt vor solchen, die der Herrin lästern und die Weisheit verspotten, noch vor solchen, die blinde Folgsamkeit als Weisheit titulieren.

Der Draconiter begegne jedem Menschen und sonstigen Lebewesen mit Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und Anstand und achte sein Leben und seine Sitten hoch, denn vielleicht vermag er aus dieser Begegnung zu lernen und Kunde darüber zu geben, auf daß unser aller Weisheit gemehrt werde.

Dem Draconiter solle Bescheidenheit, auch in den Worten, als hohe Tugend gelten, wohl aber wird nicht erwartet, daß er auf Wohlstand und persönlichen Besitz verzichte.

Der Draconiter studiere die heiligen Bücher der Herrin, als da sind: das Buch der Weisheit, der Kodex der Tugend, der Kanon der Wandelbarkeit, das Buch der Mada, das Buch der Heiligen und das Stundenbuch der heiligen Canyzeth.

Der Draconiter richte zu gegebener Zeit ein Gebet an die Herrin und bringe ihr ein Opfer dar.

Der Weg des Draconiters wird ihn mit allen Aspekten der Herrin HESinde in Kontakt bringen, und keinen dieser Wege soll er verdammen, sondern vielmehr zu verstehen trachten und seine eigenen Fähigkeiten denen eines hesindeerfüllten Lebens anpassen.

Dem Draconiter gelten Ruhe, Besonnenheit, Wissen und Weisheit als höchste Güter, nach denen er auch andere zu beurteilen habe.

Der Draconiter wird nach seinem Werke und seinen Taten beurteilt werden, so solle sein höchstes Ziel sein, im Angesicht der Herrin und nach unserer Regel, in der Gemeinschaft mit allen Dienern der Herrin, unvergängliche Werke zu schaffen oder seine Taten in die Geschichtsbücher zu schreiben, denn solange allein lebt er fort, wie seine Taten gepriesen und seine Werke bestaunt werden.

„Ihre Güte ist unsere Stärke, Ihre Weisheit unser Verlangen, Ihr Wille ist unser Befehl!“ - Lea Elida Welfenhaag, Erzpräzeptorin zu Drachenblick  


„...unter Ihnen aber werden jene sein, die erwählt sind, die steinigen unter den derischen Pfaden zu beschreiten...“ - aus den Offenbahrungen der Erzheiligen Canyzeth


Codex Draconitis


Gegeben im Schlangensaal der Hallen der Weisheit zu Kuslik am Tag des Schwurs im Jahre MXIII nach dem Falle Bosparans.


Praeambulus: Pro alveranis visio Dea gratia! Wir, Erynnion Quendan Eternenwacht, Erzmagister der Heiligsten Herrin HESinde, Schlangenrat und Erzcurator, erklären den Heiligen Drachenorden Zur Vertiefung Allen Wissens Unserer Göttlichen Herrin HESinde, im Einvernehmen und im Auftrage der Magisterin der Magister, dem Willen der Allweisen folgend, für erstanden. Somit soll dem Immerwährenden Hort der Hesindianischen Gaben zum ersten Male seit seinem Bestehen ein Orden erwachsen, der auf Geheiß der Magisterin der Magister und der Heiligsten Herrin selbst den Geschicken der Allwissenden und der Kirche dienlich sei.

Hiermit seien nun die Maximen festgelegt und allen Ordensschwestern und -brüdern kund und zu wissen getan, auf daß sich ein jeder nach ihnen richte.

Ad maximum gloriam Deae!

Conclusio: Auf das der Geist dieser Zeilen mit der Weisheit der Heiligsten Herrin erfüllt werde, vor ihren alldurchdringenden Augen Bestand habe und den Hörnern des ewigen Satinav zu trotzen vermag, zeichnen Wir diesen Kodex mit Unserem Siegel.



Von Naclador,dem Namenspatron der Draconiter


»Gewaltig und weise ist Naclador, der Alte Drache, der schon zu Zeiten der mytischen Drachenkriege an der Weisen Herrin Seite gestanden hat, der Allwissenden Herrin Hüter und Wächter, bestallt darüber zu wachen, daß das Tun der Menschen nach Hesindes Gebote und zu ihrem Gefallen sei. Der derisch Glanz der Herrin Weisheit ist Meister Naclador, der Alveraniar der Wachsamkeit gegen all unhesindisches Tun, und wenn er zieht, dann ist die Milde der Allwissenden Herrin verbraucht. Fällt der Schatten seiner Schwingen über das Land, begangenen Frevel zu bestrafen, dann wissen die Menschen, daß jede Sühne zu spät kommt. Denn obgleich das Wesen der Herrin Hesinde voller Neugier und Wißbegier ist, wiewohl sie doch allwissend ist, erzürnt sie nichts so sehr, wie das ruchlose Streben über die Grenzen hinweg, die die Zwölfe den Menschen gesetzt.«-Aus: 'Kodex der Tugend', des hl. Argelion, Kuslik, 400 v. Hal



„Dies sei vorangestellt, auf daß der werte Leser zu erkennen vermag, welchen Patron die Draconiter sich erwählt haben. Denn ebenso wie der mächtge Herr Naclador zieht, die Strafe der Heiligsten Schlange unter die Menschen zu tragen, den alveranischen Tempel der Weisheit vor den Daimonen zu schützen und die finstersten Schmähungen wider die Allweise Herrin Hesinde zu sühnen, so ziehen die Draconiter in die Welt, die Gaben der allweisen Herrin zu bewahren.“

„Doch über Meister Naclador zu berichten, habe ich begonnen dies niederzuschreiben und so will ich denn nun berichten, mit dem, was in den Annalen unseres Volkes noch nicht vergessen ist:Einer der mächtigsten Alten Drachen war Naclador, den manche auch Varsinor zu heißen pflegen, und so hielt er Einzug nach Alveran, wo er der Bitte und dem Willen der Allwissenden folgend, mit ihr gemeinsam den Tempel der Wahrheit schützt. Denn ein weiser Meister ist Herr Naclador, ein mächtiger Lenker der astralen Künste und nur übertroffen von der Weisen Herrin. Immer wieder zog Naclador in der frühen Zeit mit den Seinen, so auch als dereinst Famerlor, der im ersten Kriege der Drachen obsiegt hatte, nach Alveran eingezogen war, und der der Löwenhäuptige genannt wird, und Pydracor, der die Echsischen und Elfen unter seine Macht gezwungen hatte, und der der Güldene geheißen wird, erneut fochten, in jenen Kampf, der der zweite Drachenkrieg geheißen wird. Zornerfüllt stieg der Löwenhäuptige aus Alveran herab und der Kampf der Drachen währte lange, und keiner der beiden konnte zunächst den anderen bezwingen. Die schiere Macht und Kraft des Löwenhäuptigen konnte Pydracor nicht vernichten und die magischen Künste des Güldenen vermochten Famerlor nicht zu bezwingen. Nach langem Zörgern und dem Abwägen was zu tun sei, breitete nun Naclador seine grüngoldenen Schwingen aus und schnellte auf Deres Antlitz herab. Und der Moment, als seine Weisheit und Macht aufblitzten, irritierte den Güldenen, so daß nach hartem Ringen Famerlor den Verdammten in der vierten Spähre zerreißen konnte. Und während des Güldenen Seelenstein fiel, machte Naclador sich auf, diesen zu fangen und zu verstecken, auf daß Pydracor nicht wiederbeseelt werden könne, um sich gegen Alveran zu erheben. Zutiefst weise ist der Hohe Drache, und doch hat er seit den Drachenkriegen niemals wieder in seiner wahren Gestalt in die Geschicke Deres eingegeriffen, obgleich die Magister der Magister vermuten, daß er noch das ein um andere Mal auf Deren weilte, um begangenes Unrecht zu sühnen.Jedoch war es in der Geschichte des Immerwährenden Hortes nur einem Geweihten der Weisen Herrin vergönnt ihn zu schauen, den mächtigen Herrn Naclador. So erfuhren wir, daß Meister Naclador einen Hort auf Deren besitzt, der von seinem Sohn Calador bewacht wird, dem Stammvater aller Kaiserdrachen. Doch lest selbst, was Magister Odrilion zu berichten weiß.“

»Oh, heiligste Herrin, Deine Gnade ist zu groß. So will ich denn tun wie Dein Getreuer, der mächtge Herr Naclador mich hieß, und Wissen über die altvorderen Zeiten sammeln. So schaute ich, wie im Traume, ein Buch, verschlossen mit zwölf Siegeln. Ein jeder Gott, ein jede Göttin hatte ihr Zeichen gesetzt auf dieses Buch, das alles Wissen enthielt, verwahrt von der einen Weisen Herrin, die ohnehin allwissend und allweise ist. Und nur sie ist würdig, dieses Buch zu öffnen. Doch hinter dem Throne, der aus Schlangen von Gold und Onyx und Smaragd gefüget war, in perfekter Harmonie, erhob sich die Gestalt des Herrn Naclador und mir blieb der Blick auf den Tempel der Wahrheit verwehrt. Mächtig ist der grüngoldene Leib des Hohen Drachen, gigantisch in seinen Ausmaßen. Vier Beine tragen seinen Körper und seine Flügel spannen sich weit. Unerträglich ist es in die Augen des Hohen Drachen zu schauen, denn es ist, als loderten sie, dunklen Juwelen gleich, im drachischen Feuer. Der Glanz seiner Weisheit blendete mich fast und als seine Stimme ertönte, war ich unfähig anderes zu tun als ihm zu lauschen. Tief und voll erfüllte sie mein gesamtes Denken. [...]“-Aus: Offenbarung an Odrilion, Kuslik, 542 v. Hal

 

Das Buch der Schlange erhält jeder ausgebildete Hesinde - Geweihte, damit er auf seinen Reisen Wissenswertes und Ereignisse darin festhalten kann und letztlich mit diesen Erfahrungsbericht das hesindegefällige Wissen mehren kann. Die Bücher der Schlange werden später in die Gelehrsame Stube der Kusliker Hallen der Weisheit gebracht.





Name: HesindeBeinamen: Die Allwissende, Mutter der WeisheitAspekte: Wissenschaft, Magie, Alchimie, Herrschaft über Elemente, Sterne, Astrologie, Kunst, Sprache & Schrift, GeschichtsschreibungTier: Schlange Heilige Pflanzen: Blutulme, Lotos Farben: Gelb-Grün (Heraldisch: Grün auf Gold)Gefolgschaft: Naclador, Nandus, Mada, XeledonParadies: Hesindes Hain (Labyrinth) Ursprung: AltechsischHeilige Orte: Kuslik (Hallen der Weisheit) , Goldfelsen (Teleskop), Elburum (Feuerschlick), Orakel von AltaiaWeitere wichtige Tempel: Silas, Gareth (Pentagontempel& Katakomben), Tiefhusen (Kristall) , Vinsalt (Teleskope), Festum (Hesindedorf) , Methumis (Volksschule), BaburinTalismane, Artefakte: Hesindes Trichter, Leuchtende Kugel, Porträts der MächtigenDie Heiligen: Canyzeth (Erkenntnis), Cereborn (Kunstschaffen), lngalf von Silas (Erfindungen), Argelion (Schutzmagie)Heilige Bücher: "Annalen des Göttetalters - Vom Anbeginn der Zeiten" u.v.aFeiertage: Versenkungsfest (30. PHE), Reinigungsfest (30. RAH), Prüfungsfest (30. EFF), Erleuchtungsfest (30. HES)Opfergaben: Edelsteine, künstlerische und magische Artefakte, Forschungswerke

Hesinde-Geweihte sind geweihte Mitglieder der Hesinde-Kirche. Entsprechend dem Wesen ihrer Gottheit widmen sie sich der Sammlung, Verbreitung und Bewahrung von Wissen, sowie der Volksbildung. Jeder Geweihte trägt sein Buch der Schlange mit sich, in dem er Wissenswertes und Ereignisse aufschreiben und für die Nachwelt schildern kann. Ihre Geweihtentracht besteht aus einem gelbgrünen Oberteil mit Rock (Frauen) oder einer gelbgrünen Robe (Männer), zu dem ein metallener schlangenförmiger Halsschmuck, der den Rang widerspiegelt, getragen wird.

„Ohne die Weisheit ist die Welt ein gefährlicher Ort…“




Willkommen in der Welt des Schwarzen Auges!




Dieser Band wird Sie zu den sagenhaften Quelle des Geistes führen. Die Helden Ihrer Runde werden bis dahin jedoch noch manche Schwierigkeiten überwinden, gefährliche Kämpfe austragen und mannigfaltige Geheimnisse aufdecken müssen. In erster Linie ist das Buch, das Sie hier in Händen halten, eine große Sammlung von Meisterwissen.

Die Ereignisse der jüngeren Geschichte bieten sehr viele Möglichkeiten für spannende Hintergründe eines Helden – sei es eine Veteranin aus den Schlachten gegen die Heptarchen, sei es ein Vertriebener, der vor dämonischen Angreifern flüchten mußte und nie wieder seßhaft wurde oder die Erbin eines zu Unrecht abgesetzten Adelshauses. Kein noch so gelehrter Held verfügt auch nur über einen Bruchteil des Wissens, das hier niedergelegt wird. Im Gegenteil: Die aventurischen Gelehrten sind von vielen Dingen überzeugt, die in diesem Buch ganz eindeutig als falsch dargelegt sind. Selbst das, was als Überlieferungen und Sagen den unterschiedlichen Kulturen zugeordnet ist, steht dort zumeist nur wenigen Wissenden zur Verfügung.

Aventurische Gelehrte, die sich für die Vergangenheit ihres Kontinents oder ihrer Welt interessieren, haben unterschiedliche Möglichkeiten des Erkenntnisgewinns. Doch jede einzelne davon ist unvollkommen und fehlerbehaftet.

Seit es Schrift gibt in Aventurien, werden Berichte über wichtige Ereignisse festgehalten. Das war schon zu Zeiten der Echsen so, ebenso bei den Trollen. Ob andere, frühere Kreaturen schriftliche Zeugnisse hinterlassen haben, ist heute nicht mehr bekannt – auszuschließen ist es jedoch nicht. Dennoch gibt es kaum noch jemanden, der die hochkomplexen Schriften der echsischen Hochkulturen entziffern kann. Uund selbst dann ist es schwierig, die benutzten Sprachbilder zu entschlüsseln und zu entscheiden, ob es sich um niedergeschriebene Legenden und Gleichnisse oder um Tatsachenberichte handelt. Kulturen sind gekommen und gegangen, und mit ihnen auch ihre Schriften und ihre Aufzeichnungen. Mit dem Untergang großer Städte sind ganze Bibliotheken verschwunden – abgebrannt, in Kriegen zerstört oder einfach nur vergessen und vermodert. Vermutlich schlummern noch so manche Schriftstücke irgendwo an geheimen Orten, und sollten sie eines Tages gefunden und entschlüsselt werden, könnte dies so manches Weltbild erschüttern. Andererseits sind selbst die aktuellen Bibliotheken nicht gerade gut sortiert. Während die großen Schriftensammlungen wenigstens thematische Abteilungen haben, sind die Bücher und Schriftrollen in anderen Bibliotheken und Schreibstuben eher willkürlich in die Regale gestellt worden. Häufig sind die Schriftstücke nicht nach Themen sortiert, sondern nach Sprachen, nach Alter oder auch nach Herkunft. Selbst der belesenste Bibliothekar kennt nicht alle seine Schätze. Und so wartet manches Buch seit Jahrhunderten darauf, endlich von einem Kundigen wiederentdeckt zu werden...

Natürlich werden viele wichtige Ereignisse auch von Generation zu Generation weitergegeben, und zwar in Form von Sagen und Legenden. Selbst in vielen Märchen steckt häufig eine verborgene Wahrheit, die jedoch ohne entsprechenden Kontext nur schwer zu entschlüsseln ist.

Mündliche Überlieferungen sind vor allem in Kulturen verbreitet, die wenig Wert auf Schriften legen, etwa bei Nivesen, Orks und Goblins. Aber auch beim einfachen Volk, das ja bekanntlich kaum in der Lage ist zu schreiben, sind Geschichten, die abends in der Spinnstube oder am Herdfeuer weitergegeben werden, oft der einzige ‚Geschichtsunterricht‘.

In heutigen Zeiten ist Hesinde auch die Göttin der Geschichtsschreibung. Selbst wenn man davon ausgeht, dass sie sich eigentlich an alle Ereignisse seit ihrer eigenen Seinswerdung erinnern müsste (wie könnte eine Göttin des Wissens jemals etwas vergessen?), so teilt sie dieses Wissen doch nicht mit den Sterblichen. Warum sie das nicht tut? Darüber philosophieren die Gelehrten schon lange. Manche sagen, dass die Sterblichen einfach nicht die richtigen Fragen stellen. Andere schieben es darauf, daß der Geist eines Sterblichen nicht in der Lage sei, die Antworten einer Göttin zu begreifen, weswegen der größte Teil jeder Antwort unverstanden verhallt. Weniger gottesfürchtige Philosophen (Praiospriester nennen sie mitunter auch Ketzer) behaupten, Hesinde verfolge ihre ganz eigenen Ziele und gebe deswegen nur das Wissen heraus, das ihr persönlich behagt oder ihren Plänen dient. Schließlich gibt es noch diejenigen, die behaupten, Hesinde warte darauf, daß der Fragende sich der Antwort würdig erweist. Das ähnelt in gewisser Weise der Sicht mancher Nandusanhänger, die behaupten, jeder Sterbliche könne jegliches Wissen erlangen, er müsse es nur finden und entschlüsseln. Als Fazit kann man sagen, daß kein Gott seinen Anhängern das Geschichtswissen im Schlafe einflüstert. Aber mitunter bekommen die Priester doch einen Hinweis, wo zum Beispiel eine bislang vergessene Schrift zu finden ist.

An einigen Orten in Aventurien leben Wesenheiten, die schon seit mehreren Zeitaltern die Geschicke der Welt beobachten. Drachen und Elfen können in einzelnen Fällen Jahrtausende alt werden, doch es gibt auch noch ältere Wesen. Niemand weiß so genau, welches Alter ein Riese erreichen kann, aber es scheint, als seien diese Wesen schon immer da gewesen. Nicht zu vergessen Fuldigor, der Alte Drache, der irgendwo im Ehernen Schwert haust. Natürlich ist es möglich, diese Wesen nach ihren Erlebnissen zu befragen. Doch selbst, wenn sie sich dazu herablassen sollten, eine Antwort zu geben, ist die immer subjektiv. Ein Wesen, das schon so lange lebt, denkt völlig anders als ein Sterblicher. Dementsprechend fallen seine Aussagen immer kryptisch aus. Gerade bei Fuldigor ist jede Antwort so vielschichtig, daß der menschliche Geist niemals in der Lage sein kann, sie zu verstehen. Selbst die Antwort auf eine einzelne Frage kann so komplex geraten, dass der Fragende beim Versuch, sie zu verstehen, in den Wahnsinn abgleitet.

Natürlich ist auch die Archäologie eine Methode des Erkenntnisgewinns. Aus den Grundrissen uralter Ruinen kann der Fachkundige manches über die ehemaligen Bewohner schlußfolgern. Malereien an Kryptawänden berichten aus dem Leben der Verstorbenen oder erzählen längst vergessene Legenden. Doch selbst hier gilt: Jeder Forscher kann nur aufgrund seines Vorwissens neue Erkenntnisse gewinnen. Hinweise auf Dinge, die nicht in sein Weltbild passen, wird er entweder einfach übersehen oder uminterpretieren: Es ist viel einfacher, von einer zufälligen Anordnung oder einer bedeutungslosen Ausnahme auszugehen, als die Grundlagen der eigenen Theorien anzuzweifeln. Erschwerend kommt hinzu, daß die Archäologie genau genommen eigentlich nicht existiert. Zwar sendet die Hesindekirche immer wieder Forscher aus, um nach Spuren alter Zivilisationen zu suchen, aber eine systematische Erforschung findet dabei nicht statt. Viele Archäologen sind eigentlich nichts anderes als bessere Grabräuber, die ohne Zögern wertvolle Keramik mit aussagekräftigen Bildern zerschlagen, wenn sie darin Goldmünzen vermuten.

Unter den Magistern hat es sich herumgesprochen, daß die Geschichte der aventurischen Welt in Zeitalter aufgeteilt wird und sie sich gerade im Übergang vom elften zum zwölften Äon befindet. Unter aventurischen Gelehrten ist diese Theorie nur wenig bekannt und gilt im besten Falle als zweifelhaft. Schließlich besagt sie, daß die Menschen eine recht junge und vor allem unbedeutende Rasse sind – und das soll nicht sein. Neben einigen wenigen Mystikern und Geschichtsgelehrten innerhalb der Hesindekirche sind es zumeist Menschen, die tiefen Einblick in die Hintergründe des jüngsten Borbarad – Konflikts hatten, die sich mit der Vorstellung der Zeitalter konfrontiert sahen. Vor allem die Zeugen der Prophezeiung des Allvogels am Raschtul Kandscharot in der Nähe von Drakonia erfuhren hier von dem beginnenden Karmakorthäon – und mußten daraufhin erst einmal forschen, was es damit auf sich hat. Interessanterweise kennen die Kulte der Echsenvölker diese Theorie schon lange, ebenso die Weisesten unter den Trollen. Der orkische Aikar Brazoragh nimmt die derzeitige Zeitenwende sogar zum Anlaß, um dafür zu kämpfen, daß das anbrechende Zeitalter zum Zeitalter der Orks wird, offensichtlich hat er das Karmakorthäon schon lange kommen sehen. Elfen hingegen ist die Theorie der Zeitalter in der Regel gänzlich unbekannt, oder sie interessieren sich nicht dafür, und bei den Zwergen kennt man nur die sogenannte Heldenzeit, deren Hereinbrechen zufällig (?) mit dem Beginn des jüngsten Karmakorthäons übereinstimmt. Wie Sie sehen werden, geht dieser Band davon aus, daß die Einteilung in Zeitalter (oder Äonen) keine substanzlose Theorie ist, sondern die Geschichte wirklich beschreibt. In der hesindianischen Überlieferung gestalten sich die Zeitalter so:

1. Äon: die Schöpfung


2. Äon: die Gigantenkriege


3. Äon: Zeit der Drachen


4. Äon: Zeit der Trolle


5. Äon: Zeit des Namenlosen


6. Äon: Zeit des Ersten Volkes Praios’


7. Äon: Zeit der Vielbeinigen (die ‚Unaussprechlichen‘)


8. Äon: der vergessene Äon


9. Äon: Zeit der maritimen Wesen (‚Lahmaria‘)


10. Äon: Zeit der Echsen


11. Äon: Zeit der Elfen und Zwerge (die ‚Alten Völker‘)




Wie üblich bei menschlichen Theorien, ist diese Einteilung nicht immer ganz zutreffend. Über die Dauer eines einzelnen Zeitalters soll auch hier keine konkrete Aussage getroffen werden, jedoch können Sie davon ausgehen, daß es mindestens einige Tausend Jahre sind bis hin zu möglicherweise einigen Hunderttausend Jahren (vor allem bei den ersten Äonen). Der Übergang von Zeitalter zu Zeitalter findet nicht abrupt statt, sondern mit einer Übergangszeit, dem ‚Karmakorthäon‘. Mystiker behaupten, in einer solchen Übergangszeit entscheide sich, welches Volk den kommenden Äon dominiere. Und besonders frevlerische Seelen vertreten sogar den Standpunkt, daß in dieser Zeit die Götter darum kämpfen, wer von ihnen im kommenden Zeitalter in Alveran Aufnahme finde und wer sich weiterhin als ‚niederer Gott‘ oder ‚Halbgott‘ bezeichnen lassen müsse.

Vor dem Anbeginn der Zeit gibt es nichts als Chaos. Allumfassendes Chaos. Damit ist nicht das gemeint, was ihr euch üblicherweise darunter vorstellt, also etwa das, was ihr in dem Studierzimmer manches vertrottelten Magus vorfinden mögt. In dem Chaos, von dem ich spreche, gibt es keine Studierzimmer, keine Zimmer, ja noch nicht einmal oben und unten. Denn dieser Zustand beschreibt die totale Abwesenheit jeglicher Ordnung und Gesetzmäßigkeit. Das heißt: Es gibt keine Naturgesetze, keine Elemente, kein Dere, keine sieben Sphären und schon gar keine Lebewesen irgendwelcher Art. Noch nicht einmal die Zeit existiert. Deswegen ist es auch unmöglich zu sagen, wie lange diese Epoche dauert – denn ohne Zeit dauert sie ebenso gut eine Ewigkeit wie auch nur einen winzigen Augenblick. Oder, wenn Euch das lieber ist: Weder das eine noch das andere, denn es gibt weder Augenblicke noch Ewigkeiten...

Die sinnvolle Tätigkeit (negotium) unterscheidet sich wesentlich von der Arbeit dadurch, daß sie sich nicht als Zweck betrachtet, sondern als Mittel zum Zweck, welcher darin besteht, dem Gemeinwesen in praktischer Hinsicht dienlich zu sein und daraus für das eigene Gedeihen Kraft und Mittel zu schöpfen.

Die vollkommene Tätigkeit (otium) aber besteht in der Verwirklichung des eigenen geistig-moralischen Wesens sowie darin, dem Gemeinwesen in geistiger Hinsicht dienlich zu sein und jede Art der Tätigkeit mit dem Geist der Menschlichkeit zu speisen.

Selbstverwirklichung ist das erste und fundamentalste Recht jedes einzelnen. Im Gegensatz dazu aber verlangen Zeitgeist und Gesellschaft, daß ein jeder sich anpasse, sich einpasse, sich verpasse.

Jeder hat zu sein, wer man zu sein hat, oder besser gesagt: Was man zu sein hat. Wer sein will, wer er ist, wird wie ein Egoist, ein Anarchist behandelt, wird arrogant genannt, selbstgerecht, selbstsüchtig und an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Jedem, der auch nur daran zweifelt, daß alles gut ist, was die meisten für gut halten, was den meisten gefällt, was die meisten machen, was die meisten denken, wird sein Gewissen schlecht gemacht.

Wer sich selbst verwirklichen will, muß nach geistigen, moralischen und ästhetischen Werten streben, denn der Mensch ist ein moralisch-ästhetisches Wesen, welches sich durch seinen Geist auszeichnet und nur dann sich entfalten, nur dann seine Stärken mehren kann, wenn ihm Zugang gewährt ist zu den Werten, die es nähren.



Angst ist die Macht des Bösen. Angst führt zu Zorn. Zorn führt zu Schmerz. Schmerz führt zu Hass. Hass führt zu Leid. Leid führt zu Verdammnis oder zu Erkenntnis – je nach dem, ob es nutzbar gemacht werden kann oder nicht.



„Erforsche deine Gefühle! Höre auf dein Gewissen!“




Empathie bezeichnet die Fähigkeit, Gedanken, Emotionen, Absichten und Persönlichkeit eines Anderen zu erkennen und zu verstehen.



Menschen glauben, dass die Spaltung zwischen zwei, oder mehreren Menschen stattfindet. Immer wieder höre ich:

die Gesellschaft ist gespalten!

meine Familie ist gespalten!

mein Partner und ich sind gespalten!

ich und meine Kinder sind gespalten!

ich und meine Eltern sind gespalten!

Das stimmt aber nicht so ganz! Denn die Spaltung findet in einzelnen Menschen statt und das bedeutet, daß sie von ihrem emotionalen Teil, ihrem Wesenkern, ihrem Inneren Kind abgeschnitten sind. Sie spüren sich nicht und haben somit keinen funktionierenden inneren Kompass mehr. Diesen bräuchten sie aber, damit sie überhaupt eigene Entscheidungen treffen könnten.

Vereinfacht kann man sagen, daß wenn dieser Kompass in einem Menschen inaktiv ist, haben wir es nicht mit einem Erwachsenen zu tun. Emotional gesehen sind sie nicht erwachsen geworden und somit immer auf «äussere Eltern» angewiesen. Diese Menschen bräuchten Hilfe, stattdessen läßt unsere Gesellschaft allerdings zu, daß sie die Mitmenschen angreifen, die Mißstände aufzeigen. Sie sind leicht manipulierbar und werden deshalb schnell übergriffig, da ihnen für eine Diskussion die Argumente fehlen. Zusammenfassend kann man also festhalten, daß wir es mit wütenden, verängstigten Kindern zu tun haben – in ausgewachsenen Hüllen! Es ist sehr wichtig, sich gut selbst zu schützen. Das heißt, wenn ich eine Situation verändern möchte, muss ich gut überlegen, was da sinnvoll ist. Sich dagegen mit Befehlsempfängern anzulegen, kostet viel Energie und hat wenig Chance auf Erfolg. Leider haben wir es häufig mit Menschen zu tun, die Befehle empfangen und ausführen, sich aber nicht spüren und somit auch nicht den Schaden realisieren, den sie bei anderen anrichten. Ist das der Fall, ist es vergebene Liebesmühe, diesen Menschen von den eigenen Werten überzeugen zu wollen. Ein solcher Mensch befindet sich wie in einer Blase – wir können ihn leider nicht erreichen. Die ‹Seuche› hat eine sehr kranke Gesellschaft sichtbar gemacht und aus dieser Situation, werden wir auch nicht so einfach herauskommen. Denn nicht der Totentanz spaltet, sondern Corona beleuchtet und macht damit eine bereits seit langem bestehende Situation sichtbar.

„So schrecklich es ist, aber es scheint ganz so, daß wir ans Äußerste gebracht werden müssen, ehe die Stunde der Wahrheit schlägt.“




“Seid listig wie die Schlangen!”




Vortrefflich ist es, insgeheim zu planen, dem Feind einen Strich durch die Rechnung zu machen und seine Pläne zu vereiteln, so daß der Sieg ohne Blutvergießen erzielt wird. Der Sieg des trefflichen Kriegers wird ihm weder den Ruhm der Weisheit noch des Mutes einbringen. Denn da er durch Umstände errungen wurde, die nicht ans Licht kommen, wird die Allgemeinheit nichts davon erfahren.

Eure wahre Stärke müßt ihr verbergen. Erst dann gewinnt ihr Überlegenheit.

In der Zeit des Wahnsinns zählt einzig die Stimme der Vernunft.

So ist das Wesen des Bösen: Dort draußen in allgegenwärtiger Unwissenheit schwelt es und breitet sich aus – ein Schatten, der im Dunkel wächst. Eine schlaflose Bosheit. So scharz wie die aufziehende Finsternis der Nacht. So war es seit jeher. So wird es immer sein.

Die meisten Menschen verschlafen ihr Leben. So war es. So wird es immer sein.

Die wichtigsten Antworten findest du IN dir. Die meisten Leute haben Angst davor, sich SELBST zu erforschen. Sie übernehmen die Ansichten der Masse, ohne SELBST zu denken und ihrem eigenen Urteil zu trauen.

Der Verstand ist nur ein Reflexorgan. Er jagt pausenlos Gedanken durch den Kopf.

Wissen ist nicht Weisheit. Vielwisserei führt zu nichts Gutem.

Ein Krieger ist verwundbar. Dennoch stellt er sich dem Kampf. Darin liegt sein Mut.

Finde heraus, wozu die Niederschläge des Lebens gut sind. Alles hat seinen Sinn.



Hesinde für den eiligen Leser :


Aspekte: Gelehrsamkeit, Wissen, Verbesserung, Erneuerung von Geistigem, Wissenschaft, Magie, Alchimie, Herrschaft über die Elemente, Sterne, Astrologie, Kunst, Sprache, Schrift, Geschichtsschreibung, intellektueller Disput, Wandel, Veränderung

Verbreitung: Ganz Aventurien, vornehmlich städtisch

Weltliche Aufgaben: Sammlung und Vermittlung von Wissen, Förderung von Künstlern

Wichtige Tempel: Kuslik (Hallen der Weisheit, Haupttempel), Gareth (Pentagontempel, Katakomben), Tiefhusen, Silas, Vinsalt (Teleskope), Festum, Methumis (Volksschule), Baburin

Feiertage: Versenkungsfest (30. Phex), Reinigungsfest (30. Rahja), Prüfungsfest (30. Efferd), Erleuchtungsfest (30. Hesinde)

Sternbild: Schlange

Beinamen: Allwissende, Allweise, Mutter der Weisheit, Herrin der sechs Künste, große Weberin

Alveraniare, Heilige, Erwählte: Naclador (Hoher Drache), Nandus (Sohn von Hesinde und Phex, Vermittler göttlichen Wissens und Überbringer der Einsicht, Schutzpatron der (Volks-) Bildung, Mada (Tochter Hesindes und eines Sterblichen, verbannte Bringerin der Magie), Xeledon (Sohn von Hesinde und Ingalf von Silas, spöttischer Mahner an die Unvollkommenheit der Menschen), Sankta Canyzeth (Erkenntnis), Sankt Cereborn (Chronik, Kunstschaffen), Sankt Ingalf (Erfindungen), Sankt Argelion (Schutzmagie), Sankta Ancilla (geistiger Wandel)

Orden und Laienbruderschaften: Draconiter (Vorantreiben des Hesinde-Glaubens, Bestrafung des Missbrauchs von Hesindes Gaben, handelnder Arm der Kirche), Schwesternschaft der Mada (nur locker mit der Kirche verbunden, Verbreitung von – hauptsächlich magischem – Wissen)

Heilige Talismane und Artefakte: Infundibulum (Trichter) der Allwissenden (alchimistische Analyse), Tafel der heiligen Canyzeth (schafft Klarheit der Gedanken), Schlangenstab des heiligen Argelion (unterbindet unheilige Magie), Krone der Allweisen (Analyse magischer Strömungen), Porträts der Mächtigen (Kennzeichnung außergewöhnlicher Menschen), Statue ‘Hesinde mit dem Menschenschüler’ (fast greifbare Präsenz der Göttin), Kristall der elementaren Wandlungen (Zeitmesser), Leuchtende Kugel von Altaïa (derzeit verschollen), verschiedene Bücher

Heilige Orte: Kuslik (Hallen der Weisheit), Silas (Hain, in dem der Legende nach Xeledon empfangen wurde), Goldfelsen (Teleskop), Elburum (Feuerschlick), Orakel von Altaïa (seit 1017 BF verschwunden)

Sinnbilder: Schlange, Ouroboros (die sich selbst in den Schwanz beißende Schlange, die einen Kreis bildet: Symbol für die Kirche als Ideal), die Gesamtheit der sechs Elemente (von manchen Geweihten auch den einzelnen Künsten zugeordnet: Bildhauerei – Erz, Malerei – Humus, Schrift – Eis, Musik – Wasser, Gesang – Luft, Sprache – Feuer)

Heiliges Tier: Schlange

Farben: Grün und Gelb (heraldisch: Gold)

Pflanzen: Blutulme, Lotos

Steine: Onyx, Serpentin (grünlicher Onyx mit goldbrauner Bänderung)

Symbole: Schlange, Ouroboros, Buch (Schriftrolle), Schreibfeder, Blutulmenblätter, Lotusblüte, Polygone und -gramme (vor allem Hexagon und Hexagramm)

Opfergaben: Edelsteine, Bücher, Kunstwerke, magische Artefakte, Forschungswerke

Kirchenstruktur: Dem Haupttempel untergeordnet sind die ‘Zirkel des Wissens’ (den Kulturregionen folgend)

Politischer Einfluss: Wird im Allgemeinen von der Kirche kaum angestrebt, daher gering; in weiten Teilen des Lieblichen Feldes (insbesondere Kuslik) durch Beratertätigkeit jedoch hoch

Hierarchie innerhalb der Kirche: Groß (jedoch kann jeder Geweihte seine Position je nach seiner Befähigung verbessern)

Feindbilder: Vernichtung von Wissen, dämonisches Wirken, unheilige Magie, Falschauslegung und Mißbrauch von Wissen, Ignoranz

Lehre der Kirche: Der Geist ist unvollkommen und sollte im Leben weiter vervollkommnet werden. Jeder sollte die Gaben, die die Götter ihm gegeben haben, nutzen und entfalten.

Ziele der Kirche: Sammlung, Behütung und Mitteilung von Wissen und magischen Artefakten, Förderung der Kunst, Auswahl des Wissens, das der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden sollte

Jenseitsbild: Hesindes Hain (Labyrinth des Wissens und der Kunst)

Weltbild: Mit dem Wissen der Wesen Deres wächst auch Dere selbst



Menschenbild: Ein Wesen bei seiner Geburt ist eine leere Schale. Hesinde ermöglicht jedem, sie mit Wissen zu füllen. Nicht jeder ist jedoch dafür geschaffen, jedes Wissen zu erhalten. Die Lebewesen sind vergänglich, aber ihr Wissen darf nicht verloren gehen. Die Schönheit geschaffener Kunstwerke lebt ewig und garantiert dem Künstler eine Art Unsterblichkeit.

Stärkstes Argument: »Die Geschichte wiederholt sich. Wer sie kennt, begeht Fehler nicht ein zweites Mal.«

Lebensinhalte der Gläubigen: Forschen, fragen, studieren, Wissen sammeln und weitergeben

Bild des Glaubens in der Bevölkerung: Große Bedeutung bei Zauberern, Gelehrten, Handwerkern und Künstlern, aber auch Anerkennung bei städtischem Volk (durch die Hesinde-Schulen). Auf dem Land nicht selten mit Skepsis betrachtet: “Die Kinder sollen auf dem Feld arbeiten, die Hesinde-Schule setzt ihnen nur Flausen in den Kopf!”

Vom Wesen der Gottheit: »Als der sechste Blutstropfen des Unergründlichen auf Sumus Leib fiel, hielt das Wissen um die Welt Einzug in Alverans Hallen. Und Er, der die Zeit ist und das Gleichgewicht und alle Sphären zugleich, hieß Seine weise Tochter, allem, was erschaffen werden würde, die Erkenntnis zu bringen, auf daß es Seine ersten Kinder ehrte und selbst ein geachtetes Leben führen mochte. Denn am Anfang lebten alle Kinder Sumus untereinander, Tiere wie Menschen, und es war kein Unterschied zwischen ihnen. Dumpf gingen sie ihren Trieben nach und fürchteten sich vor allem Unbekannten. Da offenbarte sich ihnen Hesinde in Gestalt einer Schlange, um die Menschen anzuleiten, sich die Kräfte der Natur untertan zu machen und die Welt zu gestalten und zu schmücken. Die Allwissende brachte ihnen die Sprache, die Schrift und den Einblick in das Wesen der sechs Elemente und jener Kräfte, die sie bewegend im Gleichgewicht halten.« —aus dem Brevier der Zwölfgöttlichen Unterweisung, Kaiser-HalAusgabe, 994 BF

Hesinde wird häufig in sinnender Haltung mit gesenktem Haupt oder lehrend mit erhobener Hand dargestellt. Fast immer trägt sie ein altertümliches Wickelgewand und über einer kunstvollen Steckfrisur ein Kopftuch. Verbreitet ist auch die Darstellung als barbusige Frau, die eine Schlange gen Himmel hält. Die Hallen der Weisheit zu Kuslik sind der Nabel der hesindianischen Welt. Daneben ist die Einzigartigkeit eines jeden Tempels wichtigstes Element der Kirche, so dass sie sich auf deren Erhaltung besonders konzentriert und daraus ihre Stärke zieht. Die regionale Unterteilung der Kirche, die sich selbst Immerwährender Hort der Hesindianischen Gaben nennt, folgt den großen Kulturregionen Liebliches Feld (Horasreich, südliche Stadtstaaten, Al’Anfa), Tulamidenlande (östliche Länder südlich von Darpat und Yaquir), Bornland (Bornland, Nivesenlande, Elfengebiete, Riva) und Neues Reich (Mittelreich, Nostria, Andergast, Svelltbund, Thorwal). Unterhalb dieser Ebene ist die nächste regionale Unterteilung bereits der einzelne Tempel. Die Hierarchie der Hesinde-Kirche ist vielfältig – der Stand eines Individuums in selbiger jedoch stets durch eigene Taten und vorzuweisendes Wissen, bisweilen durch göttliche Inspiration, keinesfalls aber durch Geburt oder Reichtum begründet. Die Scholaren (Novizen) erhalten nach einer anspruchsvollen Ausbildung (6 Jahre) die Priesterweihe, die in den Hallen der Weisheit zu Kuslik mit der Übergabe des persönlichen Buches der Schlange vollzogen wird. Die Ernennung zum Consortis (bosp.: Verbündeter, Akoluth) ist eine Ehre für verdiente Laien. Häufig werden diese ‘minderen Weihen’ herausragenden Magiern und Wissenschaftlern, aber auch Künstlern und Erfindern zuteil. Die Mentoren (einfache Geweihte) gelten als die Sinne der Hesinde-Kirche, denn auf ihnen lastet der größte Teil der Kirchenarbeit, vor allem der Lehrtätigkeit. Häufig ziehen sie durch die Lande, um zu predigen, zu lehren oder zu forschen, bevor sie in ihren Heimattempel zurückkehren und dort ausbilden. Magister (Erzpriester) sind verdiente Geweihte, deren Hingabe sie zu Spezialisten auf einem bestimmten Gebiet werden ließ. Hohe Lehrmeister (Tempelvorsteher) gelten als Hände der Kirche, denn sie ordnen und bewahren, was Mentoren und Magister in die Tempel bringen. Sie sind für ‘ihren’ Tempel und alles, was in ihm vorgeht, zuständig. Sehr wenige Geweihte haben den Rang eines Erzmagisters (Erzpraetor) inne, der zwischen den Rängen des Magisters und des Erzwissensbewahrers angesiedelt und an keinen Tempel gebunden ist. Stattdessen reisen sie als Kapazitäten in ihren Fachgebieten häufig hin und her, um weiter zu forschen oder zu lehren, oder auch um ein Artefakt zu begleiten, dem sie sich verpflichtet fühlen. Die Erzwissensbewahrer (Metropoliten) sind das Herz der Kirche und stehen den Zirkeln des Wissens vor, in denen alle Tempel einer Kulturregion zusammengefasst sind. Der Hohe Schlangenrat berät die Magisterin der Magister und ist die Versammlung der einflussreichsten Hesinde-Geweihten. Das Wort dieses Gremiums hat in der Kirche enormes Gewicht, denn nur den bekanntesten Geweihten steht der Weg hierhin offen. Alle sechs Jahre wird der Erste Schlangenrat, der Sprecher des Rates, von den Mitgliedern neu gewählt. Der Hohe Schlangenrat ernennt die Erzwissensbewahrer und kann sie auch von ihrem Amt entbinden. Weiterhin muss er über die Nachfolge der Magisterin der Magister entscheiden. Im Schlangenrat sind die Erzwissensbewahrer, der Abtprimas der Draconiter, die Erste Schwester der Mada, der Hochmeister der Gelehrsamen Stube und der Hohe Lehrmeister von Punin versammelt. Neben diesen traditionellen Mitgliedern ist es Usus, weitere verdiente Geweihte in den Rat zu berufen, so daß die Anzahl der Mitglieder stets zwölf beträgt. Die Magisterin der Magister ist die höchste Geweihte des Kultes (Matriarchin), der Mund der Göttin auf Dere. Sie wird durch den Hohen Schlangenrat aus allen Geweihten des Hortes auf Lebenszeit gewählt, hat aber die Möglichkeit, das Amt für einen würdigeren Nachfolger niederzulegen. Die Praetoren des Argelianischen Gerichts sorgen für die innere Gerichtsbarkeit. Da die Einzigartigkeit der Tempel der Kirche so wichtig ist, sind viele Häuser der Göttin prächtige Bauwerke, die höchsten architektonischen und künstlerischen Ansprüchen genügen. Viele Tempel haben eine polygonale Grundform, zumeist Penta-, Hexa- oder Oktagone und sind als Zentralbauten angelegt, deren Zentrum eine Statue der Göttin bildet. Sie sind lichtdurchströmt und offen gehalten mit langgezogenen Fenstern, die oftmals Szenen aus den Annalen des Götteralters darstellen, sowie hohen Spitzbögen, die den Gebäuden eine Leichtigkeit verleihen, die man eher mit einem Wald als mit einer Halle verbindet. Säulen und Durchbrüche sind fast immer verziert und tragen häufig Schuppen-, Lotos- oder Blutulmenblattstrukturen. Auch die Verwendung von Bildsäulen oder Pilastern, die fast immer Heilige oder die Göttinkinder darstellen, sind typisch. Zwar haben die Tempel oft nur kleine Räume für das gemeinsame Gebet, dafür sind ihre Bibliotheken und Skriptorien in der Regel umso üppiger ausgestattet. Da viele Opfergaben an Hesinde kostbar sind, heißt es, daß in ihren Tempeln (in den sogenannten Bleikammern) oftmals riesige Schätze versteckt seien. Der Hesinde-Dienst findet fast ausschließlich in den Tempeln statt. Zu einer Andacht gehören stets der Umgang mit gesegnetem Wasser, Feuer, Weihrauch und anderen elementaren Symbolen, das gemeinsame Ausführen segnender und bannender Gesten sowie Choräle und Rezitationen in alten Sprachen. Bei den Tulamiden und Norbarden kommt dazu auch eine tiefe Schlangenverehrung.

Vier Feste bilden den Lauf des Hesindianischen Jahres. Das Versenkungsfest am 30. Phex, die Meditation der Gläubigen zum Frühlingsbeginn, gilt der Abkehr von der Welt und der Hinwendung zum Selbst: “Nur was in sich ruht, kann gereinigt werden.” Am 30. Rahja wird das Reinigungsfest durch die rituelle Reinigung der Kunstschätze im Tempel begangen. Viele Laien vollziehen die Vorbereitung auf das Neue Jahr durch einen Hausputz nach: “Nur was gereinigt ist, kann geprüft werden.” Am 30. Efferd folgt das Prüfungsfest mit der rituellen Sortierung und Bewertung der Tempelschätze und der Gläubigen: “Nur was geprüft ist, kann erleuchtet werden.” Am 30. Hesinde wird das Erleuchtungsfest gefeiert: Die Tempelgemeinschaften führen Fackelzüge durch die Städte. Tempel und die Häuser der Gläubigen erstrahlen im Lichte der Erleuchtung. Prozessionen mit den Kleinodien der Tempelschätze folgen bald den Fackelzügen. Während das Volk Strohpuppen verbrennt (“Das Stroh der Dummheit muss brennen”), wird den Gläubigen zum Abschluß des Jahres die Erkenntnis zuteil: “Nur was erleuchtet ist, ist wirklich frei.”

Der Hort der Hesindianischen Gaben verfolgt offiziell die Politik der strikten Nichteinmischung. In der Realität wirkt die Hesinde-Kirche allerdings behutsam im Hintergrund, vor allem durch ihre Laienmitglieder. Auch Geweihte haben letzten Endes Einfluß auf etliche bedeutsame Entscheidungen, denn sie werden immer wieder als Berater geladen. Höchstes Ziel des Hortes ist die Verbreitung und Sammlung von Wissen und nicht die Anhäufung von weltlicher Macht. Vor allem in den seit ältesten Zeiten besiedelten Regionen und kultivierten Gegenden wird Hesinde größte Verehrung zuteil – besonders natürlich von Gelehrten, Magistern, Künstlern und Handwerkern. Häufig sind auch Norbarden und Tulamiden in Hesinde-Tempeln zu finden, die durch ihre Art der Schlangenverehrung Hesinde huldigen.

Den materiell größten Tempelschatz Aventuriens enthalten die Katakomben des Pentagontempels von Gareth (über 18.000 Artefakte). Kein anderer Kult hat so viele Schriften wie der Hort der Hesinde. Die Kusliker Bibliothek hütet die größte Bibliothek Aventuriens, darunter 75.000 Bücher der Schlange von Generationen von Geweihten. Die Schriftensammlung der Chronica Eternica in Punin, ständig zusammengetragen aus den Arbeiten hunderter Geweihter ist die kompetenteste Geschichtsschreibung Aventuriens. Das heiligste Buch der Hesinde sind die Annalen des Götteralters – vom Anbeginn der Zeiten, die vom Erzheiligen Cereborn begonnen und seither ständig erweitert, überarbeitet und kommentiert wurden. Es ist bezeichnend für die Philosophie der Hesinde-Geweihten, daß sie selbst von ihrem Heiligen Buch auch Profanversionen angefertigt haben – unter dem Untertitel „Aventurische Götter- und Heldensagen“ oft sogar politisch gefärbt.

Die Erzheilige Canyzeth ist die höchste Heilige der Kirche, deren Buch der Weisheit in jedem Tempel als besondere Ausgabe zu finden ist. Canyzeth wird gerne und häufig um Wissen und Erleuchtung angerufen (Attribute: Buch, Schlange, Silberulmenzweig).

Der Erzheilige Argelion war einst Magister der Magister. Er führte die Kirche aus den Magierkriegen. Ihm wird daher die Schutzmagie zugeordnet. Er trägt den Beinamen ‘Schlangentreu’ und verfaßte den Kodex der Tugenden (Attribute: Zauberstab, Richtschnur).

Der Erzheilige Cereborn gilt als Schutzheiliger der Chronik und des Kunstschaffens. Ihm werden die Annalen des Götteralters sowie die ältesten Teile des Kusliker Hesinde-Tempels zugeordnet (Attribute: Schreibfeder, Altarminiatur des ersten Hesinde-Altars zu Kuslik).

Sankt Ingalf, der sagenhafte Vater Xeledons, wird häufig als Mittler zur Göttin angerufen, da sich in ihm am besten zeigt, wie sehr sie den Menschen zugetan ist (Attribute: Signalhorn, Olivenzweig).

Die Heilige Ancilla starb den Märtyrertod im Feuer der Priesterkaiser. Als Schutzheilige des geistigen Wandels ermöglichte ihr Kanon der Wandelbarkeit der Kirche das Überleben unter der Knute der Priesterkaiser. Erst vor kurzem wurden ihre Gebeine nach Festum überführt (Attribute: brennende Lotusblüte, Miniatur eines Labyrinths, das Hesindes Hain repräsentiert).

Naclador, der ‘Drache der Wahrheit’, auch Varsinor genannt, wird als göttergleicher Gefährte Hesindes verehrt. Er gilt als Schützer der Wahrheit und Verfechter der Wachsamkeit gegen jedes unhesindianische Tun.

Die Geweihtenschaft Hesindes teilt sich in zwei große Lager, die unterschiedlich mit Wissen – und seinem Erwerb – umgeht. Die eine Fraktion ist mystisch orientiert und richtet ihr Hauptaugenmerk auf die Weisheit der Göttin und die intuitive Erkenntnis derselben. Ihre Mitglieder sehen Hesinde als Quell aller Weisheit an und bevorzugen Wissensvertiefung durch Diskussion, Meditation und Philosophie. Daher horten die so genannten Pastori (bosp.: Hirten) das heilige Wissen, ohne es preiszugeben: “Weisheit wird nur aus der Göttin selbst geboren.” Die andere Fraktion der Satori (bosp.: Säleute) sammelt die Erkenntnisse der verschiedenen Wissenschaften. Ihre Mitglieder streben danach, ihr Wissen zu verbreiten: “Wissen und Erkenntnis sind das Fundament des Glaubens.” Innerhalb beider Fraktionen haben sich immer wieder Sekten ausgebildet, wobei die meisten im Lager der Pastori zu finden waren und immer noch sind, wie z.B. die Eingeweihten, ein geheimer und von den Draconitern verfolgter Bund aus dem Lieblichen Feld. “Die Macht sollte nur in den Händen der wahrhaftig Mächtigen liegen” ist deren Leitsatz und spiegelt zugleich deutlich ihre Interessen wider: Die ‘wahrhaft Mächtigen’, also die (gebildeten) Priester der Eingeweihten, sehen es als ihre Aufgabe an, das (dumme) Volk zu führen. Freigeister, die sich gefährlich weit von den Lehrmeinungen der Kirche entfernt haben, hängen oftmals sektiererhaften Strömungen an. Das berüchtigtste Beispiel dieser Gemeinschaften, gegen die immer wieder mit unnachgiebiger Härte vorgegangen wird, war die Sekte von Ilaris, von der man sicher war, daß sie ausgelöscht wurde, deren Gedankengut aber immer wieder zum Aufflammen neuer ‘ilaristischer’ Sekten führt. Die Ilaristen sammeln Wissen, um das wahre Gesicht der Welt zu entdecken – und zu verkünden – und würden dabei auch nicht vor der Lektüre der Lobpreisungen des Namenlosen zurückschrecken.

Kirchliche Persönlichkeiten:

Die langjährige Matriarchin Haldana von Ilmenstein (945–1029 BF) führte die Kirche in eine echte Blütezeit, bis sie im Herbst 1029 BF in Silas verschwand, wobei viele glauben, daß sie von der Göttin entrückt wurde.

Erynnion Quendan Eternenwacht (963–1026 BF), der Gründer und Abtprimas der Draconiter, verschwand ebenfalls. Die Gerüchte wollen nicht verstummen, daß er sich den mysteriösen Menacoriten angeschlossen habe.

Aldare Firdayon, die sowohl den Satori wie auch der Nandus-Kirche und der Schwesternschaft der Mada nahe steht und für viele die weltoffene und geradlinige Gelehrte verkörpert, ist seit 1030 BF neue Magisterin der Magister und führt die kosmopolitische und besonnene Politik Haldanas in fast allen Belangen fort.

Valnar Yitskok, der Erzwissensbewahrer des Neuen Reiches und immer wieder bestätigte Erste Schlangenrat, gilt als einer der einflussreichsten Geweihten. Dem Pastori-Lager zugerechnet, will er so viele Artefakte und Bücher wie möglich im Pentagon-Tempel zu Gareth sammeln.

Der geheimnisvolle Erechthon, ein distanzierter Gelehrter und strategisch abwägender Ordensführer, hat als Abtprimas die Nachfolge Eternenwachts angetreten, wohingegen die Zwillingsschwestern Hitta und Haricia von Ilmenstein (Enkelinnen Haldanas) gemeinsam zu Erzwissensbewahrinnen des Lieblichen Feldes ernannt wurden und nun am Orakelstein zu Silas ihre prophetischen Gaben erforschen.

Die Zahori-stämmige Rinaya von Punin, eine Belhankaner Magierin und Leiterin der Kaiserlichen Mechanikerschule zu Aldyra, steht als Erste Schwester der Schwesternschaft der Mada vor.







Wenn junge Hesinde-Geweihte ihren Tempel verlassen, sind sie geprägt durch unstillbare Neugier, durch ihr Bestreben, alles Erfahrene für die Kirche festzuhalten, und durch ein feines Gespür für Weltanschauungen und das Schöne. Durch ihre lange Ausbildung besitzen sie enormes theoretisches Wissen und leben strikt nach jenen Geboten, die ihre bisherige Welt bestimmten. Vielen Situationen werden sie weltoffen, aber naiv entgegentreten und dabei häufig auf Unverständnis und dumpfes Unwissen stoßen. Dann werden sie mit flammendem Eifer die Weisheit der Göttin unter die Unwissenden tragen – oder es wenigstens versuchen. Zu Auseinandersetzungen mit ihnen kann es kommen, wenn magische Artefakte auftauchen, oder wenn sie glauben, daß Magie gegen den Willen Hesindes eingesetzt wird. Mit ungewohnter Härte bekämpfen sie diejenigen, die der Göttin lästern oder ihre Gebote verletzen. Fast jede Geweihte hat ein spezielles Interessensgebiet, ein Steckenpferd, dem sie vergnügt nachgeht, wie dem Sammeln seltener Muschelschalen, dem Zeichnen der ‘Gesichter der Völker’, dem Notieren von Sprichwörtern und Redensarten, oder eine kühne Theorie, die sie zu beweisen suchen, zum Beispiel die Oberflächenherkunft der Zwerge, die Kugelform der Welt oder die Existenz des Achten Elements.

Ausbildung und Weihe: Scholaren treten in der Regel im Alter von zwölf Jahren in die Kirche ein, aber es werden auch jüngere Kinder aufgenommen. Die Ausbildung endet mit der feierlichen Weihe: Die angehenden Geweihten müssen sich in Kuslik vor Magisterin und Schlangenrat der Prüfung von Wissen und Würde stellen, wobei ihnen stellvertretend für Hesinde ein Mentor zur Seite steht. Besteht das angehende Mitglied, so werden ihm von den Magistern selbst das grüngelbe Gewand und von dem Mentor das Buch der Schlange überreicht, dessen Seiten so leer sind wie der Geist eines Neugeborenen. Diese stehen stellvertretend für den letzten Augenblick, in dem die Geweihten unwissend sein sollten. Im Laufe ihres Lebens füllen sie dieses Buch mit Wissen und Weisheiten – und es bildet auch ihr letztes Opfer beim Einzug in den Hain der Hesinde. Die Bücher selbst werden nach dem Tod in Kuslik archiviert und bilden einen wichtigen Teil der gigantischen Bibliothek. Die Draconiter bilden auch selbst aus, jedoch ist es auch nicht ungewöhnlich, wenn erfahrene Hesinde-Geweihte dem Orden beitreten. Dem arkanen Zweig kann man nur beitreten, wenn man bereits einige Jahre als Zauberer Wissen gesammelt hat. Der profane Zweig bildet ebenfalls aus und unterweist die Mitglieder in den hesindianischen Lehren. Die Schwesternschaft der Mada bildet nicht selbst aus. Traditionell tragen Hesinde-Geweihte (Frauen wie Männer) ein langes, komplexes Wickelgewand in Grün und Gold bzw. Gelb, dazu ein grünes Kopftuch mit goldener Borte, wobei kulturelle Eigenheiten gerne geduldet werden. Der Rang der Geweihten wird allein durch ihr Schlangenhalsband bezeichnet, nicht aber durch die Tracht. Alle Geweihten tragen eine prächtige Gürteltasche für ihr Buch der Schlange. In neuerer Zeit haben sich auch modernere Varianten der Tracht ausgebildet: Frauen tragen heute verstärkt lange Tuniken, dazu ein gewickeltes Untergewand und das lange Kopftuch. Männer sind dazu übergegangen, Hosen und knielange Tuniken mit eng anliegenden Ärmeln zu tragen, dazu das kurze Kopftuch. Nach den Schriften des Heiligen Argelion halten sich die Geweihten aus körperlichen Streitigkeiten heraus, so gut es eben geht. Doch wenn sich ein Kampf nicht vermeiden lässt, bevorzugen die meisten Hesinde-Geweihten den Stab.

Gebote, Verbote, Ideale Sammeln von Wissen:

Führe dein Buch der Schlange gewissenhaft.

Sammeln von Artefakten: ‘Herrenlose’ Artefakte – sowohl magische wie besonders kunstfertige – und solche, die nicht im Sinne Hesindes verwendet werden, müssen aufgespürt und in den Besitz des Tempels gebracht werden.



Ewige Suche: Widerstehe keiner Herausforderung, dein Wissen und das der Menschheit zu mehren oder deine Kunstfertigkeit auf neue Proben zu stellen sowie deinen Geist zu erweitern.

Ewige Lehre: Unwissen und Unbildung sind der Herrin ein Gräuel, und selbst wenige Augenblicke am Kaminfeuer oder in der Gasse können genutzt werden, um den Geist jedes denkenden Wesens weiterzubilden.

Ästhetik: Liebe das Schöne um der Schönheit Willen und schule die Sinne in der Wahrnehmung und Beurteilung zu schulen.

Zitate:

»Seht euch diese Giebel an! Frühhelaischer Stil, 1.500 Meilen vom Reich entfernt. Das relativiert ja alle Aussagen über ...«

»Wissenschaft lehrt nicht nur zu antworten, sie lehrt auch zu fragen.«

»Der Mut zum Irrtum macht den Forscher aus.«

Mirakel und Liturgie:

Fast alle Liturgien der Hesinde-Kirche muten archaisch an, als ob sie an sehr alte Rituale angelehnt oder aus Sprachen übersetzt sind, die schon lange nicht mehr gesprochen werden. Typische Elemente sind Symbole, Glyphen und Graphen auf Pergament, das Spielen exakter Tonleitern, die Verwendung von Schlangenhäuten, Salz und Edelsteinen. Viele Liturgien werden von Gesten unterstützt, die Unterschiedliches bedeuten, je nachdem, mit welchen Fingern sie ausgeführt werden. Eine der häufigsten Gesten in der Hesinde-Kirche ist die mit beiden Händen ausgeführte Geste der Lehre, mit der Predigten eröffnet und geschlossen werden und die darstellt, wie ein Buch geöffnet und geschlossen wird. Das Zeichen der Göttin, eine vertikal in die Luft gemalte Schlange, ist ebenfalls eine häufig gesehene segnende Geste.

Rituale werden oftmals durch plötzlichen Lotusduft, Schlangenzischeln, das Rascheln von Buchseiten oder Pergament, Sphärenklängen, komplexen Melodien, die sich – das Motiv erkennbar erhaltend – immer wieder verändern, ein grüngoldenes Leuchten oder eine plötzliche Klarheit der Gedanken begleitet.

Sacer Ordo Draconis:

Das Hauptziel des Heiligen Drachenordens (Wappen: auf Grün eine goldene Schlange, die sich dreimal um zwei Schriftrollen windet) ist – neben den Zielen der Hesinde-Kirche – die Verbreitung des Glaubens im Allgemeinen. Zudem sind die Draconiter die ordnende und strafende Hand der Magisterin der Magister (denn nur dieser ist der Orden verpflichtet), wenn es gilt, die Menschen vor dem Mißbrauch von Hesindes Gaben zu schützen. Gerüchten zufolge geht der Orden auf den mythischen Drachenorden, die Societas Vigilarium und das Heilige Curatorium zurück, das einst die Sekte von Ilaris bekämpfte. An der Spitze des Ordens steht der Abtprimas, der in der Ordenshochburg in Thegûn residiert. Ihm folgen im Rang die Erzäbte und -äbtissinnen, die einer Zirkelkongregation genannten Region vorstehen (Innerer Zirkel – Thegûn, Nordlande – Festum, Südlande – Khunchom, Dunkle Lande – Drachenhaupt, Mittellande – Gareth, Westlande – Salza). Dann folgen die Präzeptoren, die einzelne Ordenshäuser, Horte genannt, leiten, und schließlich die Prälaten (Vollmitglieder des Ordens) und Akoluthen. Draconiter werden häufig von ihren Ordensoberen mit delikaten Aufträgen betraut oder von Hesinde-Tempeln angefordert, um wichtige (meist langwierige und unspektakuläre) Missionen zu erledigen. Neben den Geweihten (die den sogenannten sakralen Zweig bilden), die gut zwei Drittel aller Draconiter ausmachen, existieren zwei weitere Zweige: Ein arkaner Zweig, in dem sich hesindefromme Magier versammelt haben, und ein profaner Zweig, in dem ungeweihte Draconiter zusammengekommen sind, was sowohl Gelehrte als auch Kämpfer umfasst.

Neben diesen Zweigen, die im Namen Hesindes bisweilen auch zu den Waffen greifen (wenn sie sich auch meist auf die kompetente Begleitung von Tempelgardisten verlassen), gibt es noch die Eiserne Schlange, die bei der Dritten Dämonenschlacht und beim ordensinternen Konflikt um das Kloster Varsincero so gut wie ausgelöscht wurde. Die Handvoll Überlebender agiert heute noch inkognito für die Kirche in den Schwarzen Landen. Ihre Identität geben sie nur selten und unter besonderen Umständen preis, und über ihre Aufgabe verlieren sie kein Wort. Die Tracht der Draconiter ist die von Hesinde-Geweihten, ergänzt durch eine Fibel, die von einer Onyxschlange auf einer metallenen Nadel in Schlangenform gebildet wird. Kennzeichen des arkanen Zweiges ist die gold-durchbrochene Gewandborte, des profanen Zweiges die Borte in gelb. Jeder Draconiter erhält bei seiner Aufnahme im Orden eine geweihte Basiliskenzunge, die mittlerweile auch als Abzeichen der Draconiter gewertet wird. Rüstungen werden nahezu nie getragen, obgleich sich Gerüchte von Lederrüstungen aus grün gegerbtem Iryanleder halten, die mit magischen Sprüchen durchwoben sein sollen.



Der Gier ist nichts genug.




Der Geist ist es, der reich macht.




Niemals ist großen Geistern lieb das Verweilen im Körper.




Was lange vorher vorausgesehen ist, greift uns weniger heftig an.




Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert, geht noch immer


geschwinder, als jener, der ohne Ziel umherirrt.




Das Leben hat vielleicht 30.000 Tage – warum also dem Geld hinterherrennen?




Alle Grausamkeit entspringt der Schwäche.




Die Wissenschaft fängt eigentlich erst da an interessant zu werden, wo sie aufhört.




Schaut und fragt nach den Wegen der Vorzeit und wandelt darin, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele...




Wenn etwas dein Herz zerfleischt, dann reiß es aus und wirf es weg!




Habe den Mut, alles zu beginnen, was du erträumst, denn Kühnheit trägt Genie, Kraft und Zauber in sich!




Der Tod lächelt einen Mann an. Und der Mann kann nur zurück lächeln.




Erkenne dich selbst - befreie dich selbst - für dich selbst - und werde, der du bist!




Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom. Die anderen gelangen zur Quelle.




Die Menschen werden NIE besser, nur anders!!




Glaube wenig, prüfe alles, denke selbst!




Was anderes sind also Reiche, wenn ihnen die Gerechtigkeit fehlt, als große Räuberbanden?




Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen.




Die schlimmste Art der Ungerechtigkeit ist die vorgespielte Gerechtigkeit.




Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.




Bildung hat bei jedem Grenzen – Unbildung bei keinem.




Jede Träne wiegt ein Meer in der Göttin` Waage.




Man sieht nur mit dem Herzen gut. Doch wer keinen Verstand hat, sieht überhaupt nicht.




Der Pöbel hat für alles eine Benennung, von nichts aber einen Begriff.




Schuld liegt nie bei dem, welcher den Tod wählt, immer bei denen, welche ihm das Werkzeug in die Hand gezwungen.




Unendlich weit besser selbstgelehrt als fremdgefüllt.




Wer Wahrheit sucht, findet Feindschaft.




Unsere Gelehrten sind kleine Würmchen, die, einen trüben Tümpel durchwühlend, glauben, sich ein Meer der Erleuchtung zu erschließen.




Weise ist nicht, der viel weiß, sondern viel versteht.




Nur der Weise erkennt den Weisen.




Vielfalt der Meinung ist Vielfalt des Unwissens.




Man kann dir den Weg weisen, aber gehen musst du ihn selbst.




Der Mensch ist ein Wesen, das göttlichen Geist besitzt. Geist schließt jedes Extrem aus, trägt in sich die Tugend, welche moralischer sowohl als auch ästhetischer Natur ist. Der Mensch ist zu einem moralisch-ästhetischen Wesen geschaffen, einem Wesen, welches sich durch die ungebundene Tätigkeit des Geistes, ethisch richtiges, ästhetisch schönes Handeln aus der Liebe zur Göttin definiert. Der Mensch ist ein Wesen, dem Extreme nicht entsprechen, weil Extreme stets ungeistig und unmoralisch sind.

Die Göttin ist Führerin zum Glück, Helferin im Unglück, Wegweiserin zur Freude, Trösterin im Leid. Sie ist Heilerin der Seele und Versöhnerin von Körper und Geist. Sie geleitet zu harmonischem Leben mit uns selbst und unseren Mitmenschen und lehrt uns Liebe, Vertrauen und Ehrfurcht.

Es gilt daher, stets zu bedenken, daß das Ziel des Strebens nach einem gottgefälligen und also sinnerfüllten Leben in der vollkommenen Tugend, also im Streben selbst liegt, denn schon der Weg ist das Ziel. Dieses „Streben nach Heiligkeit“ ist ein Fortschreiten. Der Fortschreitende aber bereits in der vollkommenen Tugend, denn er ist am Ziel, seit er strebt und solange er strebt. Das bedeutet: Die vollkommene Tugend an sich hat die Göttin allein; die individuelle Tugend eines Menschen, der wirklich und beständig strebt, ist in jedem Augenblick so vollkommen, wie vollkommen sie in jedem Augenblicke sein kann. Am Ende des Lebens aber so vollkommmen, wie sie überhaupt sein kann.

Weisheit ist die höchste aller Tugenden, aus der alle anderen Tugenden hervorgehen. Weisheit ist das Wissen von den göttlichen und menschlichen Dingen.

Die Tugend ist das höchste Gut als vollkommener geistig-moralischer Zustand der menschlichen Seele, in welchem die Vernunft souverän über Leib und Trieb herrscht, ohne diese beiden zu knechten. Die Tugend allein hat Wert von sich aus. Nur von ihr allein her also kann jedwedes Ding Tauglichkeit und also Wert erhalten, insoweit es um der Tugend willen gebraucht wird.



Der Geist ist Göttin, und Göttin ist Geist. Der Geist in uns ist also unsterblich und zur Schau des Wahren, Schönen und Guten fähig, aus welchem er stammt. Der Geist ist unserer Seele bester Teil, da wir den Trieb mit Pflanze und Tier, den Affekt mit dem Tier teilen, den Geist aber mit der Gottheit allein. Da nun aber der Geist das Beste in uns ist, definiert er den Menschen, und so kann der Mensch sich und damit seinem Glück nur so nahe kommen, wie nahe er seinem Geiste kommt.



„Vor uns liegen dunkle, schwere Zeiten. Schon bald müssen wir uns entscheiden zwischen dem richtigen Weg und dem leichten.“


„Es sind nicht unsere Fähigkeiten, die zeigen, wer wir sind, sondern unsere Entscheidungen.“


„Bedauere nicht die Toten. Bedauere die Lebenden, und besonders diejenigen, die ohne Liebe leben.“




„Schließlich ist der Tod für den gut vorbereiteten Geist nur das nächste große Abenteuer.“


Denn jenes wahre Gut stirbt nicht,


sicher ist es und immerwährend,


Weisheit und Tugend:


Dies einzige wird zuteil unsterblich Sterblichen.




Höchstes Ziel sei, sich der Gottheit anzugleichen. Die Tugend sei zureichend für Eudämonie, bedürfe aber körperlicher Vorzüge als Hilfsmittel wie Stärke, Gesundheit, Sensibilität etc. und auch äußerer Vorteile wie Reichtum, gute Herkunft, Ansehen. Der Weise freilich werde, auch wenn das alles fehlt, nicht weniger glücklich sein.

Es gibt seelische, körperliche und äußere Güter. So gehören Gerechtigkeit, Klugheit, Tapferkeit, Besonnenheit etc. zur Seele; Schönheit hingegen, gute Konstitution, Gesundheit und Kraft zum Körper; Freunde, Wohlstand des Staates, Reichtum zum Äußeren.

Die Seele ist  individuell und unsterblich. Ihr Dasein ist von dem des Körpers gänzlich unabhängig; sie existiert vor seiner Entstehung und besteht nach seiner Zerstörung unversehrt fort. Daraus ergibt sich die Rangordnung der beiden. Der Leib, der mancherlei Beeinträchtigungen und letztlich der Vernichtung unterliegt, ist der unsterblichen, unzerstörbaren Seele untergeordnet. Es steht ihr zu, über ihn zu herrschen. Der Körper ist das „Gefäß“, die „Wohnstatt“ der Seele, aber auch negativ ausgedrückt ihr „Grab“ oder „Gefängnis“.

In ihren Handlungen streben alle Menschen nach etwas, das ihnen gut erscheint. Einige dieser erstrebten Güter werden nur als Mittel erstrebt, um andere Güter zu erreichen, andere sind sowohl Mittel als auch selbst ein Gut. Da das Streben nicht unendlich sein kann, muß es ein oberstes Gut und letztes Strebensziel geben. Dieses wird nur um seiner selbst willen erstrebt. Es wird offenbar allgemein „Glück“ genannt.

Bei den anderen Unternehmungen folgt der Lohn im besten Falle dann, wenn sie zu ihrer Vollendung gekommen sind, bei der Philosophie aber läuft die Freude von Anfang an mit der Erkenntnis mit. Denn der Genuß kommt nicht nach dem Lernen, sondern Lernen und Genuß sind gleichzeitig.

Die Menschen schaden einander aus Haß, Neid oder Verachtung, die der Weise durch sein Denken überwindet. Wer einmal die Weisheit erreicht hat, kann nie mehr die entgegengesetzte Disposition einnehmen bzw. sie absichtlich vortäuschen. Von Affekten wird der Weise stärker betroffen, doch hindern sie ihn nicht an der Weisheit.



Kein junger Mensch möge mit dem Philosophieren warten und keiner im Alter dessen überdrüssig werden, denn man ist weder zu jung noch zu alt für die Therapie der Seele. Wer behauptet, die Zeit für`s Philosophieren sei noch nicht da oder schon vorbei, der sagt gleichsam, daß die Zeit für die Eudämonie noch nicht bzw. nicht mehr vorhanden ist. Also soll man, ob jung oder alt, philosophieren, und wer altert, wird so jung bleiben durch die Güter, die ihm die Gunst des Gewesenen gewährte; wer aber jung ist, wird damit zugleich jene Reife erringen, die aus der Furchtlosigkeit vor dem Künftigen kommt. Also soll man sich um das Mittel der Eudämonie bemühen. Denn ist sie da, dann besitzen wir alles; fehlt sie dagegen, dann tun wir alles, sie zu erreichen.

Der unserer Natur angemessene Reichtum ist begrenzt und leicht beschaffbar, der auf Wahnvorstellungen gegründete kennt keine Grenzen.

Wenig bewirkt beim Weisen der Zufall. Das wichtigste und wesentliche hat das Denken geregelt, regelt es für die ganze Lebenszeit und wird das tun.



Und immer sind da Spuren,


und immer ist da einer dagewesen,


und immer ist einer noch höher geklettert


als du es je gekonnt hast, noch viel höher.


Das darf dich nicht entmutigen.


Klettere, steige, steige.


Aber es gibt keine Spitze.


Und es gibt keinen Neuschnee.




Er hat seinen Begierden Grenzen gesetzt; er ist gleichgültig gegen den Tod; er hat von den unsterblichen Göttern, ohne sie irgendwie zu fürchten, richtige Vorstellungen; er nimmt keinen Anstand, wenn es so besser ist, aus dem Leben zu scheiden. Mit solchen Eigenschaften ausgerüstet, befindet er sich stets im Zustand der Lust. Es gibt ja keinen Augenblick, wo er nicht mehr Genüsse als Schmerzen hätte.

Darum und um alles andere, was dazu gehört, kümmere dich Tag und Nacht, und zwar für dich selbst allein und für den, der dir ähnlich ist, und dann wirst du niemals, weder wenn du wach bist noch wenn du schläfst, in Unruhe geraten, sondern leben wie ein Gott unter Menschen. Denn in nichts mehr gleicht einem vergänglichen Wesen ein Mensch, der umgeben ist von unvergänglichen Gütern.



Den Tod fürchten die am wenigsten, deren Leben den meisten Wert hat.




Religion ist die Erkenntnis aller unserer Pflichten als göttlicher Gebote.




Geschäftige Torheit ist der Charakter unserer Gattung.




Der wahre Lohn der Tugend ist die innere Stille der Seele.




Je weniger Bedürfnisse ihr habt, desto freier seid ihr.




Widerlegt zu werden, ist keine Gefahr, wohl aber, nicht verstanden zu werden.




Konsequent zu sein ist die größte Obliegenheit des Philosophen.




Der ewige Friede ist keine leere Idee, sondern eine Aufgabe, die, nach und nach aufgelöst, ihrem Ziele beständig näher kommt.




Bestimme dich aus dir selbst.




Tapferkeit ist das Vermögen und der überlegte Vorsatz, einem starken, aber ungerechten Gegner Widerstand zu tun.




Der Mensch hat einen freien Willen, da Ethik und Moral keinen Sinn haben, wenn es nicht zugleich die Freiheit gibt, diese zu erfüllen (oder dasselbe eben nicht zu tun).

Die Unsterblichkeit der Seele ist notwendig, weil sich der konkrete (unvollkommene) Mensch in seiner natürlichen (triebhaften), nach Glückseligkeit suchenden Existenz, dem moralischen Gesetz nur annähern kann. Diese Annäherung behält aber nur unter der Voraussetzung Sinn, daß der Tod sie nicht wertlos macht, sondern ihr „über das Leben hinaus“ Bedeutung verleiht.

Nur durch die Göttin aber ist garantiert, daß (die häufig gegeneinander bzw. auseinander strebenden Kräfte innerhalb der Seele, nämlich:) Natur (Trieb) und Sittengesetz (Moral) letztlich miteinander versöhnt (ausgeglichen) werden (Erlösung).

Die Gottheit ist nur vorstellbar als ein Wesen, das sowohl die „von der Natur unterschiedene Ursache der gesamten Natur“ als auch eine aus „moralischer Gesinnung“ handelnde „Intelligenz“ ist.

Somit kann man also im Umkehrschluß logisch erklären, daß die Gottheit das Universum erschaffen hat, den Menschen mit einem freien Willen ausstattete und dieser eine unsterbliche Seele besitzt.

Die Existenz und Bewegung aller Dinge bedingt aber eine erste Ursache, nämlich die Gottheit (als „letzten unbewegten Beweger“). Warum sollte nun ein allwissendes, allmächtiges, vollkommenes und somit selbstgenügsames Wesen Raum und Zeit, das Universum und den Menschen mit seiner unsterblichen Seele erschaffen? Es muß einen konkreten Sinn und Zweck gegeben haben: Sie muß alles erschaffen haben, um die Beziehung zu Ihrer Schöpfung zu genießen! Unsere himmlische Mutter sehnt sich nach der Liebe Ihrer Schöpfung! Ohne lieben zu können, kann sie selbst nicht sein. Ohne unsere Liebe bliebe ihr Traum unerfüllt und ihre Wirklichkeit könnte ohne uns nicht manifestiert werden. Ohne uns bliebe Sie unvollständig. Und am Tage unseres physischen Todes wird Sie unseren unsterblichen Seelen unendlichen Frieden, unendliches Licht, Wissen, Weisheit und unendliche Seligkeit schenken.

Cogito ergo sum. Cogito ergo Dea est!



Was kann ich wissen? – Erkenntnistheorie

Was soll ich tun? – Ethik

Was darf ich hoffen? – Religionsphilosophie

Was ist der Mensch? – Anthropologie



Ein Weiser ist man nur unter der Bedingung in einer Welt voll Narren zu leben.




Der Grund des Alterns und Sterbens ist kein physischer, sondern ein metaphysischer.




Die Welt ist eben die Hölle, und die Menschen sind einerseits die gequälten Seelen und andererseits die Teufel darin.




Wer auf die Welt gekommen ist, sie ernstlich und in den wichtigsten Dingen zu belehren, der kann von Glück sagen, wenn er mit heiler Haut davon kommt.


Im Alter gibt es keinen schöneren Trost, als daß man die ganze Kraft seiner Jugend Werken einverleibt hat, die nicht mit altern.




Dem bei weitem größten Teil der Menschen aber sind die rein intellektuellen Genüsse nicht zugänglich; der Freude, die im reinen Erkennen liegt, sind sie fast ganz unfähig: Sie sind gänzlich auf das Wollen verwiesen.




Es ist wirklich unglaublich, wie nichtssagend und bedeutungsleer, von außen gesehen, und wie dumpf und besinnungslos, von innen empfunden, das Leben der allermeisten Menschen dahinfließt. Es ist ein mattes Sehnen und Quälen, ein träumerisches Taumeln durch die vier Lebensalter hindurch zum Tode, unter Begleitung einer Reihe trivialer Gedanken.




Die Zeitungen sind der Sekundenzeiger der Geschichte. Derselbe ist meistens nicht nur von anderem Metalle als die beiden anderen, sondern geht auch selten richtig.




Ein geistreicher Mensch hat, in gänzlicher Einsamkeit, an seinen eigenen Gedanken und Phantasien vortreffliche Unterhaltung, während von einem Stumpfen die fortwährende Abwechslung von Gesellschaften, Schauspielen, Ausfahrten und Lustbarkeiten die marternde Langeweile nicht abzuwenden vermag.




Es gibt nur einen angeborenen Irrtum, und es ist der, daß wir da sind, um glücklich zu sein.




Ganz er selbst sein darf jeder nur, so lange er alleine ist: wer also nicht die Einsamkeit liebt, der liebt auch nicht die Freiheit; denn nur wenn man allein ist, ist man frei.




Ich glaube, daß, wenn der Tod unsere Augen schließt, wir in einem Licht stehen, von welchem unser Sonnenlicht nur der Schatten ist.




Alle Formen nimmt die Geistlosigkeit an, um sich dahinter zu verstecken: sie verhüllt sich in Schwulst, in Bombast, in den Ton der Überlegenheit und Vornehmigkeit und in hundert anderen Formen.




Heiterkeit ist unmittelbarer Gewinn. Sie allein ist die bare Münze des Glücks.




Je mehr der Mensch des ganzen Ernstes fähig ist, desto herzlicher kann er lachen. Menschen, deren Lachen stets affektiert ist und gezwungen, sind intellektuell und moralisch von leichtem Gehalte.




Es gibt Leute; die zahlen für Geld jeden Preis.




Nicht in der Weltgeschichte ist Plan und Ganzheit, sondern im Leben des Einzelnen.




Einsamkeit ist das Los aller hervorragender Geister.




Im Reiche der Wirklichkeit ist man nie so glücklich wie im Reiche der Gedanken.




Das wahre Glück – man kann auch sagen: der innere Reichtum - ist das höchste Gut. Es hat nichts mit äußeren Dingen zu tun, sondern ist der gute Daimon, welcher im Inneren wohnt, während das wahre Unglück der schlechte Daimon im Innern ist. Ob wir wahrhaft glücklich oder wahrhaft unglücklich sind, hängt davon ab, ob in der Seele das Gute, also die Tugend, oder das Schlechte, also das Laster, wohnt. Der Mensch nämlich ist zur Tugend bestimmt, weil seine unsterbliche Vernunftseele das Göttliche (Gute) und sein wahres Wesen ist, und läßt sich daher selbst im Stich, wenn er nach allem eher als nach der Tugend strebt. Wahrhaft glücklich ist der Mensch, sobald er sich selbst ganz erreicht, ganz verwirklicht hat in der Tugend, denn das wahre Glück ist nichts anderes als die vollkommene Empfindung der eigenen Vollkommenheit, die Tugend aber reine Menschlichkeit, deren Äußerungen ethisch richtiges Empfinden, Denken, Reden und Handeln sind.



Habe den Mut, alles zu beginnen, was du erträumst, denn Kühnheit trägt Genie, Kraft und Zauber in sich.




Die Wissenschaft fängt eigentlich erst da an interessant zu werden, wo sie aufhört.




Der Weise lebt demnach in vollkommener Weise in Übereinstimmung mit der Natur, die mit der Vernunft und gleichzeitig mit der Tugend identifiziert wird –  dem höchsten Gut. In allen seinen Handlungen zeigen sich in gleichem Maße alle vier Kardinaltugenden: Die Weisheit, die Tapferkeit, die Mäßigung und die Gerechtigkeit. Daher besitzt er aus zwei Gründen Eudaimonia, die vollkommene Glückseligkeit: Zum einen hat er erkannt, dass die Affekte und Begierden allein auf Geisteskrankheiten oder Irrtümern beruhen. Somit ist er von ihnen frei und als Individuum autark. Zum anderen heißt es, dem Weisen sei klar, daß alle Lust und alle Unlust in Bezug auf das höchste Gut indifferent sind. Die Wechselfälle des unwandelbaren und vorherbestimmten Schicksals wie Krankheit, Armut oder gesellschaftliche Isolation kann er mit der sprichwörtlich gewordenen stoischen Ruhe ertragen (Leidenschaftslosigkeit).

Die Größe eines Menschen hängt einzig und allein von der Stärke des Gottesverhältnisses in ihm ab.




Die Göttin wendet sich dem Leidenden zu, stellt ihm Heilung in Aussicht und trocknet mit ihrem Gewand seine Tränen. Nun erst erkennt er, wer sie ist. Sie erinnert ihn daran, daß seit jeher Philosophen verfolgt worden sind, wobei sie unter anderem auf die Schicksale der zum Tode Verurteilten hinweist.

Denn sie läßt sich von allen finden, die es ernst meinen, und zeigt sich denen, die ihr Vertrauen schenken. Verkehrtes Denken trennt den Menschen von ihr, und wenn einer die göttliche Macht mißachtet, wird er von ihr in die Schranken gewiesen.

Sie meint es gut mit allen Menschen, deshalb bestraft sie jeden, der schlecht über andere redet. Sie weiß alles, was in einem Menschen vorgeht; sie kennt genau seine Gedanken und hört jedes Wort, das er spricht. Ihr entgeht es nicht, wenn einer böse Worte ausspricht; sie läßt die gerechte Strafe über einen solchen Menschen kommen. Vor dem Gericht werden seine innersten Gedanken aufgedeckt. Seine Worte dringen bis zur Göttin‘ Thron und rufen die Strafe auf ihn herab.

Die Menschen aber, die nicht nach der Göttin fragen, rufen mit ihren Worten und Taten den Tod herbei. Sie sehnen sich nach ihm, als wäre er ihr bester Freund, und schließen einen Bund mit ihm. Wahrhaftig, sie haben es verdient, wenn sie ihm als Beute zufallen!

Sie wissen nichts von der Göttin geheimen Absichten; sie rechnen nicht damit, daß sie die Frommen belohnt und eine Auszeichnung bereithält für alle, die ihr gehorchen. Die Gottheit hat die Menschen für ein unvergängliches Leben geschaffen; nach ihrem eigenen Bild. Erst der Neid des Namenlosen brachte den Tod in die Welt; und dem Tod verfallen alle, die auf seiner Seite stehen.

Aber die Frommen sind in der Göttin Hand geborgen. Keine Qual kann sie mehr erreichen. Die unverständigen Spötter halten sie für tot. Daß sie uns verlassen mußten, wird als ein Unglück betrachtet; es sieht so aus, als seien sie endgültig vernichtet. Aber sie sind im Frieden bei der Göttin. Nach Ansicht der Menschen traf sie die Strafe, aber sie starben voll Hoffnung; und in dieser Hoffnung sind sie schon unsterblich.

Nur für kurze Zeit mußten sie leiden, aber unermeßliches Glück wird ihnen zuteil. Die Göttin stellte sie auf die Probe, um zu sehen, ob sie es verdienen, bei ihr zu leben. Wie Gold im Schmelztiegel erprobte sie sie, wie ein vollwertiges Brandopfer nahm sie sie an. Wenn sie das letzte Gericht hält, werden sie hell aufstrahlen.

Die Bösen aber, die den Frommen verachten und der Herrin den Rücken gekehrt haben, werden die Strafe bekommen, die sie verdient haben. Wer von Weisheit nichts wissen will und alle Ermahnungen in den Wind schlägt wird unglücklich. Die Hoffnung solcher Menschen ist trügerisch, ihre ganze Mühe vergeblich; sinnlos ist alles, was sie tun. Ihre Frauen sind unverständig und ihre Kinder böse; auf ihrer ganzen Nachkommenschaft liegt ein Fluch.



Die Weisheit ist strahlend und unvergänglich. Wer sie liebt, dem gibt sie sich schnell zu erkennen. Sie läßt sich finden von dem, der sie sucht. Sie kommt denen zuvor, die nach ihr verlangen. Wer am Morgen früh aufsteht, um ihr zu begegnen, dem macht sie es leicht: Sie sitzt schon vor seiner Tür. Wer über sie nachdenkt, besitzt vollendete Klugheit, und wer ihretwegen schlaflose Nächte hat, wird rasch alle Sorgen los sein.

Sie geht selbst umher und sucht die Menschen, die ihrer würdig sind. Freundlich tritt sie ihnen auf dem Weg entgegen, und bei jedem Nachdenken zeigt sie sich ihnen.

Das Streben nach Weisheit beginnt mit dem aufrichtigen Verlangen, etwas zu lernen. Daraus erwächst Liebe zur Weisheit. Liebe zur Weisheit führt zur Befolgung ihrer Gebote. Befolgung ihrer Gebote garantiert Unvergänglichkeit. Unvergänglichkeit aber bringt in die nächste Nähe der Göttin.

Die Weisheit ist vernünftig und heilig. Sie ist einzig in ihrer Art und doch vielfältig, fein und beweglich, durchsichtig, fleckenlos und klar. Niemand kann ihr etwas anhaben. Sie liebt das Gute und durchschaut alles. Nichts kann sie hindern. Sie erweist den Menschen Wohltaten und meint es gut mit ihnen. Sie ist fest und unerschütterlich und genügt sich selbst. Sie kann alles, sie sieht alles; sie durchdringt alle denkenden Geister, so fein sie sind.

Die Weisheit leuchtet herrlicher als die Sonne und steht höher als jeder Stern; sie übertrifft sogar das Tageslicht. Denn auf den Tag folgt die Nacht; aber über die Weisheit hat das Böse keine Macht. Kraftvoll durchwaltet sie das All von einem Ende bis zum anderen und regiert alles aufs Beste.

Wer die Herrin ernst nimmt, kommt zu Ehre und Ruhm. Mit Glück und Freude wird er gekrönt. Ehrfurcht vor der Herrin erquickt das Herz, gibt fröhlichen Sinn und ein langes Leben. Wer sie ehrt, dem geht es am Ende gut, und am Tag seines Todes wird er gepriesen. Ehrfurcht vor der Herrin ist der Anfang der Weisheit; wer zur Göttin hält, dem ist sie angeboren. Von jeher wohnt sie bei solchen Menschen, auch bei deren Nachkommen wird sie bleiben. Ehrfurcht vor der Herrin ist die Fülle der Weisheit. Sie beglückt die Menschen mit ihren Früchten. Sie füllt die Häuser und Vorratskammern mit allem, was man sich wünschen kann. Ehrfurcht vor der Herrin ist die Krone der Weisheit. Wo sie herrscht, blühen Wohlstand und Gesundheit.

Wenn du dir vorgenommen hast, der Herrin zu dienen, richte dich darauf ein, daß du auf die Probe gestellt wirst. Bleibe unbeirrt bei deinem Entschluß, und wenn es dann ernst wird, behalte die Ruhe! Bleibe ganz eng mit der Herrin verbunden, verlaß sie niemals; dann kannst du am Ende nur gewinnen. Nimm alles an, was dir zustößt; selbst wenn du Demütigungen erfährst, ertrage sie mit Geduld! Denke daran: Gold wird im Feuer auf seine Echtheit geprüft; und Menschen, die die Göttin angenommen hat, müssen durch den Schmelzofen der Demütigung gehen. Vertrau der Herrin. Sie wird dir beistehen; bleibe auf dem geraden Weg und hoffe auf sie!

Weh den Zaghaften und Unentschlossenen, den Sündern, die auf zwei Wegen gleichzeitig gehen wollen! Weh den Unentschiedenen, die sich nicht an die Herrin halten; sie werden keinen Schutz finden. Weh denen, die nicht durchhalten können! Was wollen sie tun, wenn die Herrin sie zur Rechenschaft zieht? Wer die Herrin ernst nimmt, widersetzt sich nicht ihren Befehlen. Wer sie liebt, lebt so, wie die Herrin es will. Wer sie liebt und ehrt, will ihr Freude machen und hält sich an ihr Gesetz. Alle, die die Herrin ernst nehmen, machen sich bereit, ihr zu begegnen. Sie beugen sich unter ihre Macht und sagen: Wir wollen lieber in die Hand der Herrin fallen als in die Hände von Menschen; denn ihr Erbarmen ist genauso groß wie ihre Majestät.

Die Weisheit bringt ihre Söhne zu Ehren; sie kümmert sich um alle, die sie suchen. Wer sie liebt, liebt das Leben. Wer ihretwegen früh aufsteht, erlebt viel Freude. Wer sie besitzt, kommt zu großen Ehren; jedes Haus, das er betritt, segnet die Herrin. Alle, die der Weisheit dienen, dienen der heiligen Göttin; sie liebt jeden, der die Weisheit liebt. Wer auf sie hört, wird über die Völker zu Gericht sitzen. Wer sich an sie hält, lebt in Sicherheit. Wer ihr vertraut, erhält sie zum Besitz und wird sie an seine Kinder weitergeben.



Anfangs führt dich die Weisheit auf gewundenen Pfaden. Sie erschreckt dich so sehr, daß du Angst hast weiterzugehen. Ihre strenge Erziehung ist eine Qual für dich. Mit ihren Forderungen stellt sie dich so lange auf die Probe, bis sie dir völlig vertrauen kann. Dann aber kommt sie auf dem geradesten Weg zu dir, enthüllt dir ihre Geheimnisse und erfüllt dich mit Freude. Doch wenn du von ihrem Weg abweichst, zieht sie sich zurück und läßt dich in dein Verderben laufen.

Denke daran, in was für eine Zeit du lebst, und hüte dich, etwas Verkehrtes zu tun! Du sollst dich doch nicht vor dir selber schämen müssen! Es gibt eine Scheu, die dich schuldig werden läßt, und eine andere Scheu, die dir Ruhm und Ehre einbringt. Sei unparteiisch, sonst schadest du dir selbst. Laß dich nicht von deiner eigenen Scheu zu Fall bringen! Wenn der Augenblick es erfordert, mach den Mund auf und rede! Du brauchst dein Wissen nicht zu verstecken. Ob du Weisheit und Bildung besitzt zeigt sich an dem, was du sagst. Auf keinen Fall widersprich der Wahrheit! Scheu dich zu reden, wenn du nicht Bescheid weißt. Aber scheu dich nicht, deine Verfehlungen zu bekennen; es wäre sinnlos, den Lauf eines Flusses aufhalten zu wollen. Laß dich nicht von einem dummen Menschen beherrschen, und von einem mächtigen laß dich nicht einschüchtern! Kämpfe für die Wahrheit unter Einsatz deines Lebens; die Herrin wird selbst den Kampf für dich führen.

Sei nicht voreilig mit Worten, aber auch nicht faul und träge mit Taten! Benimm dich vor deinen Hausgenossen nicht wie ein Löwe, aber auch nicht wie ein Gespensterseher! Wenn du die Hand zum Nehmen öffnest, dann schließe sie nicht, wenn es ums Geben geht!

Häng deinen Mantel nicht nach dem Wind und tanze nicht auf jeder Hochzeit; beides tun doppelzüngige, charakterlose Menschen. Bleibe entschieden bei deiner Überzeugung und steh zu dem, was du sagst. Sei immer bereit zu hören, aber laß dir Zeit mit der Antwort! Antworte einem anderen nur, wenn du weißt, wovon du redest; sonst halte lieber den Mund! Was du sagst, kann dir Ehre oder Schande einbringen; deine Zunge kann dir sogar zum Verderben werden. Sorge dafür, daß man dich nicht einen Verleumder nennt; stifte mit deiner Zunge kein Unheil! Ein Dieb erntet Schande; doch den Doppelzüngigen trifft ein strenges Urteil.

Vermeide die kleinen Fehler genauso wie die großen. Wenn du jemandes Freund bist, dann begegne ihm nicht als Feind! Ein schlechter Ruf hat Schimpf und Schande im Gefolge; so geht es jedem doppelzüngigen charakterlosen Menschen. Laß dich nicht von deinen Wünschen beherrschen; sie könnten deine ganze Kraft aufzehren. Was sie dann von dir übriglassen, gleicht einem kahlen Baum, von dem alle Blätter und Früchte abgefressen sind. Böse Wünsche vernichten den, der sie hat, und machen ihn zum Gespött seiner Feinde.

Durch freundliche Worte gewinnst du viele Freunde, und einleuchtende Rede verschafft dir ihre Zustimmung. Menschen, die dich grüßen, solltest du viele haben; aber als Ratgeber nimm nur einen unter tausend! Wenn du jemand zu deinem Freund machen willst, dann vertrau dich ihm nicht zu schnell an; finde zuerst heraus, ob er es verdient. Mancher ist dein Freund, solange es für ihn nützlich ist; sobald du in Schwierigkeiten gerätst, ist er nicht mehr da. Es gibt Freunde, die geraten mit dir in Streit und hängen es gleich an die große Glocke; den Ärger davon hast dann du. Es gibt Freunde, die mit an deinem Tisch sitzen, solange bei dir alles zum besten steht. Sie folgen dir wie dein Schatten und befehlen deinen Dienern, als wären es ihre eigenen. Aber sobald du in Schwierigkeiten gerätst, verschwinden sie. Wenn es dir schlecht geht, wollen sie nichts von dir wissen und lassen sich nicht mehr sehen.

Halte dich fern von deinen Feinden, und nimm dich in acht vor deinen Freunden! Ein zuverlässiger Freund ist wie ein sicherer Zufluchtsort. Wer einen solchen Freund gefunden hat, der hat einen wahren Schatz gefunden. Er ist so wertvoll, daß er mit nichts zu bezahlen ist. Ein zuverlässiger Freund ist ein echtes Heilmittel; wer der Herrin gehorcht, findet einen solchen Freund. Wer sich an die Herrin hält, der kann auch rechte Freundschaft halten; denn er wird einen Gefährten finden, der zu ihm paßt.

Entscheide dich für das Lernen; dadurch wirst du bis ins hohe Alter Weisheit finden. Wenn es dir um Weisheit geht, mußt du dich anstrengen wie ein Bauer, der seinen Acker pflügt und besät; dann kannst du auch eine reiche Ernte erwarten. Es kostet einige Mühe, Weisheit zu erwerben; aber schon bald wirst du ihre Früchte genießen. Für einen Dummkopf sind ihre Anforderungen zu schwer; wer keinen Verstand hat, hält es nicht bei ihr aus. Sie kommt ihm vor wie ein großer Stein, an dem er seine Kraft messen soll; darum läßt er sie schnell wieder fallen. Die Weisheit ist, wie ihr Name sagt, nur etwas für Weise; darum bekommen nur wenige sie zu sehen.

Leg dir selbst die Fesseln der Weisheit um die Füße und ihren eisernen Ring um den Hals! Nimm sie auf die Schultern und trage sie, ärgere dich nicht über ihre Stricke! Laß dich mit deinem ganzen Willen auf sie ein und folge ihr mit deiner ganzen Kraft! Geh ihren Spuren nach und suche sie; sie wird sich dir zu erkennen geben. Und wenn du sie ergriffen hast, dann laß sie nicht wieder los! Am Ende wirst du bei ihr Ruhe finden, und deine Mühe wird sich in Freude verwandeln. Dann werden ihre Fußfesseln für dich zum starken Schutz und ihr Halseisen zum prächtigen Gewand. Ihr Joch wird zum goldenen Schmuck und ihre Stricke zu purpurfarbenen Bändern. Wie ein Prachtgewand wirst du sie tragen und wie eine strahlende Krone.

Wenn du lernen willst, dann kannst du es auch. Wenn du dazu entschlossen bist, kannst du klug und geschickt werden. Wenn du gerne zuhörst, wirst du lernen und weise werden. Geh dorthin, wo die Alten beieinander sitzen. Und wenn du einen Weisen unter ihnen findest, halte dich zu ihm! Hör aufmerksam zu, wenn von göttlichen Dingen geredet wird. Achte darauf, daß dir kein lehrreiches Wort entgeht! Wenn du einen klugen Menschen gefunden hast, dann steh früh auf und geh zu ihm! Betritt sein Haus so oft, daß seine Türschwelle abgenutzt wird. Überdenke immer wieder die Vorschriften und Gebote der Herrin! Sie selbst wird dein Herz fest machen und dir die ersehnte Weisheit schenken.

Bitte die Herrin nicht um eine führende Stellung und den König nicht um einen Ministersessel! Versuche nicht, die Herrin von deiner Tadellosigkeit zu überzeugen, auch nicht den König von deiner Klugheit. Wünsche dir nicht, Richter zu werden, wenn du nicht genügend Kraft hast, dem Unrecht die Stirn zu bieten. Sonst würdest du dich von einem Mächtigen beeinflussen lassen und dich selbst unmöglich machen. Schädige nicht das Wohl der Stadt, sonst bringst du dich bei deinen Mitbürgern in Verruf.

Mach nicht zweimal denselben Fehler, schon das erste Mal bringt dir Strafe ein.

Rede dir nicht ein: Die Göttin wird mir die vielen Opfergaben anrechnen, die ich ihr darbringe.

Laß dir viel Zeit zum Beten; aber beeile dich, den Armen zu helfen!

Mach dich nicht lustig über einen, der verzweifelt ist! Denk an den, der Menschen erniedrigen und erhöhen kann!

Verbreite keine Lügen über deine Brüder und Freunde. Du sollst überhaupt nicht lügen; denn die Gewöhnung daran führt zu nichts Gutem.

Rede kein dummes Zeug in der Versammlung erfahrener Männer! Und wenn du betest, sag nicht alles zweimal!

Drücke dich nicht vor der Feldarbeit oder anderer harter Arbeit; die Höchste hat sie uns zugeteilt.

Schließ dich nicht einem Haufen schlechter Menschen an; denk daran, daß der Göttin Strafe nicht ausbleibt!

Gib allem Hochmut den Abschied; denn was den Menschen erwartet, ist Verwesung.

Laß nicht außer acht, was erfahrene Menschen gesagt haben, sondern beschäftige dich eingehend mit ihren Lehren! Dadurch kannst du dich bilden und lernen, wie man den Großen dienen soll. Hör gut zu, wenn die Alten erzählen; auch sie haben es von ihren Vätern gehört. Durch sie gewinnst du Einsicht und lernst, wie du antworten sollst, wenn es darauf ankommt.

Gib einem gewissenlosen Menschen keine Gelegenheit, Unheil zu stiften! Damit würdest du ein Feuer anzünden, an dem du dich selber verbrennen könntest. Laß dich von einem frechen Spötter nicht aus der Fassung bringen; sonst dreht er dir aus deinen eigenen Worten einen Strick! Leihe keinem etwas, der mächtiger ist als du! Wenn du es doch tust, kannst du es gleich abschreiben. Leiste keine Bürgschaft, die dein Vermögen übersteigt! Wenn du es doch tust, richte dich darauf ein, daß du zahlen mußt! Prozessiere nicht gegen einen Richter; wegen seiner Stellung würde er den Prozeß gewinnen. Geh nicht zusammen mit einem Waghals auf Reisen! Er bringt dich von einer Schwierigkeit in die andere, weil er immer seinen Kopf durchsetzen muß; und wegen seiner Verrücktheit kommst du schließlich mit ihm um. Laß dich auf keinen Streit mit einem Jähzornigen ein, geh auch mit ihm nirgendwo hin, wo ihr allein seid! Im Jähzorn ist er sogar zum Totschlag fähig, und wenn keine Hilfe in der Nähe ist, bringt er dich um. Führe kein vertrauliches Gespräch mit einem Dummkopf; denn was du ihm sagst, kann er nicht für sich behalten. In Gegenwart eines Fremden tu nichts, was er nicht sehen soll! Du weißt ja nicht, ob er es gegen dich verwendet. Schütte nicht jedem dein Herz aus; es würde dir wenig Freude einbringen.

Gib keinen alten Freund auf; ein neuer kann ihn dir niemals ersetzen! Mit einem neuen Freund ist es wie mit dem Wein: Erst wenn er alt geworden ist, schmeckt er richtig. Beneide keinen schlechten Menschen um seinen Erfolg; du weißt nicht, wie es mit ihm ausgeht. Liebäugle nicht mit dem Glück gewissenloser Menschen; denk daran, daß sie nicht bis zum Tod straffrei bleiben! Halte gehörigen Abstand zu einem, der Macht hat, dich zu töten; dann mußt du keine Angst um dein Leben haben! Wenn du ihm aber nicht ausweichen kannst, hüte dich vor jedem falschen Schritt; sonst ist es um dich geschehen! Halte dir vor Augen, daß du auf einem Weg voller Fußangeln gehst oder wie oben auf der Stadtmauer, ein leichtes Ziel für feindliche Pfeile.

Lerne deine Mitmenschen kennen, so gut du kannst; aber Rat und Hilfe suche nur bei den Klugen! Unterhalte dich mit verständigen Leuten, und bringe das Gespräch auf das Gesetz der Höchsten! Männer, die der Göttin gehorchen, sollen deine Tischgenossen sein; die Herrin zu ehren sei dein größter Stolz!

Trag es einem anderen nicht ewig nach, wenn er Unrecht getan hat, und handle nie aus gekränktem Stolz! Überheblichkeit ist bei der Herrin und bei den Menschen verhaßt, Ungerechtigkeit gilt bei beiden als Verfehlung. Ungerechtigkeit, Überheblichkeit und Habgier sind die Gründe dafür, daß Völker ihre Macht verlieren und andere an ihre Stelle treten. Staub und Asche ist der Mensch, schon bei Lebzeiten beginnt er zu verfaulen - worauf ist er dann so stolz? Selbst bei einer langen Krankheit macht der Arzt Scherze; doch ein Mensch, der heute noch König ist, kann morgen schon tot sein. Wenn ein Mensch stirbt, dann bleibt ihm als Besitz nichts als Würmer, Käfer und Maden.

Der Hochmut eines Menschen fängt damit an, daß er sich von der Herrin abwendet und gegen seinen Schöpfer rebelliert. Der Anfang des Hochmuts ist Auflehnung gegen die Götter, und wer sich daran gewöhnt hat, bei dem regnet es Schandtaten. Darum setzt die Gottheit ihm mit unerwarteten Plagen zu und richtet ihn schließlich zugrunde. Die Herrin stürzt stolze Herrscher. Übermütige Völker reißt sie aus mit Stumpf und Stiel und pflanzt andere dafür ein, die sich ihr unterstellen. Die Gottheit hat keinen Menschen überheblich geschaffen, und keiner wird als Gewalttätiger geboren.

Wie glücklich ist der Mensch, der sich eifrig mit der Weisheit befaßt und beim Denken seinen Verstand gebraucht! Er denkt über die Wege der Weisheit nach und lernt ihre Geheimnisse kennen. Er eilt ihr nach wie ein Jäger und lauert ihr überall auf. Er späht durch ihre Fenster und lauscht an ihrer Tür. Er lagert gleich neben ihrem Haus, seine Zeltpflöcke schlägt er in ihre Mauer, um sein Zelt in ihrer Nähe zu haben, bei der Wohnung des Glücks. Er stellt seine Kinder unter ihren Schutz und bleibt unter ihren Zweigen, wo er Schatten findet vor der Hitze. Er darf in ihrem Glanz wohnen.

Wer anderen zu schnell etwas anvertraut, ist leichtsinnig. Wer diesen Fehler begeht, hat selber den Schaden davon. Wer Vergnügen an Schlechtigkeiten hat, verurteilt sich dadurch selbst. Wer sich aus Klatschereien heraushält, erspart sich manchen Ärger. Erzähl nie ein Gerücht weiter, dann kann dir auch kein Schaden daraus entstehen. Rede über keinen, weder Freund noch Feind! Du darfst nur dann etwas bekanntmachen, wenn du durch Schweigen schuldig würdest. Wenn du über jemand redest und er erfährt es, dann traut er dir nicht mehr, und bald haßt er dich. Wenn du ein Gerücht hörst, nimm es mit ins Grab! Hab keine Angst, du wirst nicht davon platzen! Ein Schwachkopf, der etwas verschweigen soll, leidet darunter wie eine Gebärende, die ihr Kind zur Welt bringen will. Jedes Wort, das er in sich behalten muß, schmerzt ihn wie ein Pfeil, der in seinem Oberschenkel steckt.

Die Herrin ernst nehmen, das ist die ganze Weisheit. Bei ihr geht es immer darum, das Gesetz zu befolgen. Sich in allem Schlechten auszukennen, ist keine Weisheit, und dem Rat von Verbrechern zu folgen, ist keine Klugheit. Manche handeln mit einer Art von Schlauheit, die man nur verabscheuen kann; andere handeln wie Schwachköpfe, weil sie nicht genug Klugheit besitzen. Einer, der nicht viel Wissen hat, aber Ehrfurcht vor der Göttin, ist besser als ein überaus schlauer Kopf, der sich über das Gesetz hinwegsetzt. Es gibt eine Schlauheit, die so durchtrieben ist, daß sie unehrlich wird. Und es gibt eine Freundlichkeit, die einer nur heuchelt, um zu bekommen, was er will.

Wer viel herumgekommen ist, hat viel gelernt; er hat reiche Erfahrungen gesammelt und redet von Dingen, die er kennt. Wer keine Erfahrungen gemacht hat, kann nicht viel wissen; wer aber viel herumkommt, erwirbt sich große Gewandtheit.

Er untersucht die Weisheit aller früheren Lehrer und befaßt sich mit den Worten der Propheten. Er bewahrt die Reden berühmter Männer im Gedächtnis und folgt dem Gang ihrer Überlegungen. Er erforscht den verborgenen Sinn der Sprichwörter und geht den Rätseln der Gleichnisse auf den Grund.

Der erste Mensch, der die Weisheit des Gesetzes erforschte, ist nie damit fertig geworden, und auch der letzte wird sie nicht ausschöpfen. Denn ihre Gedanken reichen weiter als das Meer, und ihre Einsicht ist tiefer als der tiefste Abgrund.



»Hesinde, lass mich nie verzagen. Und weiß ich’s nicht, dann hilft nur: Fragen!«



„Neue Meere kannst Du nur erforschen, wenn Du den Mut hast, alte Gestade zu verlassen...“




Und meine Seele spannte weit die Flügel aus, flog durch die stillen Lande, als flöge sie nach Haus.




Geschichte wurde Legende...



Legende wurde Mythos...
 
 
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