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Wege des Schicksals

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Het
25.11.2021
26.11.2021
3
2.917
 
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25.11.2021 1.455
 
Hallo liebe LeseInnen!

Lange, zu lange spiele ich schon mit dem Gedanken eine Fanfiction zu verfassen… und endlich ist es so weit!
Das übliche Vorgeplänkel zuerst: alle Figuren bis auf Timothée und seine Angehörigen bzw. Weitere Personen des öffentlichen Lebens sind frei von mir erdacht. Jegliche Überschneidungen mit der Realität existierender Subjekte lassen sich dem Zufall zuschreiben.
Die Geschichte ist ebenfalls von mir.
So, da das nun geklärt wäre, bleibt mir nicht viel mehr zu sagen, als euch ganz viel Spaß zu wünschen!
Und wenn es mir gelungen ist euer Interesse zu wecken… lasst mir doch bitte ein Review da! <3

Alles Liebe,
CandleRose






„Einen Kaffee Latte, bitte“, riss die ungeduldige Kundin die junge Kellnerin aus ihren Gedanken. Um ein freundliches Lächeln bemüht, kam sie der Forderung nach. Becher raus, Kaffeemaschine an, Deckel drauf. Bezahlung, ein halbherziges „schönen Nachmittag noch“ nachgeworfen. Routine eben. Liz war beim Himmel kein Fan von ihr. Sie arbeitete nur in dem für seine Größe erstaunlich gut besuchten Coffeeshop, um neben dem Medizinstudium etwas dazuzuverdienen. Nicht, dass das nötig gewesen wäre, hörte sie die vor Zynismus triefende Stimme ihrer Mutter. Als würde deine Familie dich nicht über Wasser halten können, Elizabeth! warf ihr Vater gedanklich hinterher. Liz rupfte das ramponierte Haargummi aus ihren hellbraunen Längen und schüttelte sie in der Hoffnung, ihre verkorkste Familie würde sich so mit den von dem festen Pferdeschwanz herrührenden Kopfschmerzen vertreiben lassen. Klar, dass bei einer Familie, in der von Unfallchirurgen bis Kieferorthopäden alles an medizinischem Fachpersonal vertreten war, die Latte nicht gerade tief hing. Besonders wenn es um die Erstgeborerne ging.

Sich die Schürze energisch vom Körper raffend, klaubte Liz Handtasche, Portemonnaie und Mobiltelefon in einer ungeschickten Geste zusammen und verließ energisch den Coffeeshop. Ja, einfach hatte Liz es nicht mit ihrer Familie. Während sie sich durch die belebten Straßen Manhattens schlängelte, erlaubte sie sich einen wohligen Seufzer. Eine der besten Entscheidungen ihres Lebens war es gewesen, nach New York zu ziehen. Sie studierte die Familientradition der Schneiders bereits im fünften Semester und hatte sich in die Geschwindigkeiten New Yorks gefügt, als wäre sie mit ihnen aufgewachsen. Kein Vergleich natürlich zu dem verschlafenen Viertel in Düsseldorf, in dem sie achtzehn Jahre ihres Lebens verbracht hatte. Im Gehen überlegte Liz, ob sie die U-Bahn nehmen oder sich weiter zu Fuß fortbewegen sollte. Sie entschied sich für Letzteres. Ein Yellow Cab kam quietschend einige Meter vor ihr zum Stehen, eine Frau mit beispiellos unbequem aussehenden High-Heels stöckelte hektisch darauf zu, einige Etagen über ihr beugten sich zwei ältere Damen über ihre Miniaturbalkone und stritten lautstark auf Spanisch. Liz lächelte. Ja, das war New York.

So sehr sie die Metropole auch liebte, auf den Lärm hätte sie gut und gerne verzichten können. Um den Kopf freizukriegen, kramte sie in der Handtasche nach ihren Air Pods. Blank Space von Taylor Swift schlug ihr lautstark gegen die Ohren. Schmunzelnd passte Liz ihr Schritttempo dem Takt an. Von einer leeren Stelle konnte man hier in Soho so gar nicht sprechen…



Gut gelaunt ließ die sie eine knappe halbe Stunde später das Schloss zu ihrer Wohnungstür zuknallen. Lana und Aurora schienen noch in der Bibliothek zu sein. Anstelle ihrer Freundinnen wurde sie jedoch von einem überschwänglichen, etwas zu klein geratenem Golden-Retriever in Empfang genommen. Genie war das WG-Maskottchen, und obwohl sie, anders als ihr Namenspatron, nicht die Fähigkeit besaß, Wünsche zu erfüllen, sorgte sie doch unermüdlich für Freude, Gelächter und einen der Stadt würdigen Lärmpegel in der kleinen Wohnung.

Liz durchquerte den miniaturischen Flur, hängte ihre Weste an einen Arm des kerzenförmigen Jackenhalters und betrat ihr Zimmer. Ein kleiner rosafarbener Teppich mit der Aufschrift „home sweet home“ gab den Ton der Farbrichtung im ordentlich eingerichteten Zimmer an.

Dass Liz Schneider ein Auge für die Künste hatte, würde jedem spätestens dann auffallen, wenn er sich in ihr Zimmer gewagt hat. Beinahe alles, was aus Stoff und Weichmaterial bestand, war in Rosa- und Fliedertönen gehalten- von pastellfarbenen Tüllvorhängen bis hin zu einem magentafarbenen Bettüberwurf schien alles in Liz Lieblingsfarbe getunkt. Als Kontrast dazu hat sie für blau gestrichenes Holzmobiliar gesorgt. Der Tisch und Schrank, welche in rechtwinkliger Aufstellung eine gemütliche Ecke unter ihrem Hochbett formten, waren von einem kräftigen Meeresblau. Auch das aufklappbare Sofa, welches vor der Fensterwand stand, war von einem sanften Türkis. Bloß das Hochbett war aus gewöhnlichem Holz.


Liz liebte ihr Zimmer. Die Möglichkeit, es selbst in ihrem Sinne einzurichten, hat eine höchst erwünschte Zäsur in ihrem Leben erwirkt. Noch nie zuvor hatte sie so viel Macht über ihre nächste Umgebung gehabt.

Während sie den Inhalt ihrer Handtasche ausleerte, warf sie einen beiläufigen Blick auf ihr Smartphone. Jasmin hatte sie angerufen. Ihre kleine Schwester war 17, war im Begriff mit bestmöglichen Zensuren ihr Abitur abzuschließen und war der Schandfleck der Familie.

Warum?

Sie würde Physik studieren.


Jazz war ein Naturtalent. Bereits im Alter von vier Jahren kannte sie die Gestirne in und auswendig, mit acht hielt sie ihren Eltern bereits Vorträge über die Hauptsätze der Thermodynamik. Für keinen, der sie kennenlernte, konnte auch nur der Hauch eines Zweifels darin bestehen, dass sie die geborene Wissenschaftlerin war. Bis auf ihre Eltern natürlich.

Da Jazz somit unweigerlich zur Rebellin geworden ist, stand Liz ihr besonders nahe. Sie schätzte Jazz´ Willensstärke und war bereit, sie bedingungslos zu unterstützen.
Insgeheim beneidete sie ihre jüngere Schwester. Wie gerne hätte sie den Mumm gehabt, sich auf diese Weise gegen den Strom zu stellen! Wie gerne hätte auch sie eine Leidenschaft, eine Berufung! Doch bis auf ihre Zensuren hatte sie nichts Beachtenswertes an ihrer Person aufzuweisen. Sie war intelligent, doch nicht überdurchschnittlich schön. Sie war jugendlich, doch nicht annähernd so ausgelassen wie ihre Gleichaltrigen. Sie war nicht unbeliebt, ging jedoch nicht annährend oft genug unter Leute, die sich nicht gerade aus einer Laune heraus in dem Coffeeshop horteten, in dem sie arbeitete. Glücklicherweise haben ihre Mitbewohnerinnen es sich zur Aufgabe gemacht, diesen Missstand schnellstmöglich aus der Welt zu schaffen!


Das melodische Klingeln ihres Smartphones riss Liz aus ihren Grübeleien. Ihre Schwester rief erneut an.

„Dizzy Miss Lizzy!“, hörte sie ihre enthusiastische Stimme aus dem Hörer schallen. Lana verzog angesichts ihres Spitznamens die Mundwinkel.

„Hallo Schwesterchen.“ Sie sorgte dafür, dass man ihr das Augenrollen anhören konnte. „Na, was macht die Schule?“

„Ach, nichts Neues an dieser Front. Fünfzehn Punkte in Mathe, vierzehn in Musik. Sonst nichts diese Woche. Die interessante Frage ist: Was ist bei dir gerade los?“

Jazz theatralischer Tonfall sorgte bei Liz stets für ein stummes Lachen. Auf die Stimmung, die ihr kleiner Quälgeist wie eine Parfümwolke verbreitete, war immer Verlass!

„Ach, weißt du, nicht viel, eigentlich. Heute habe ich wieder drei Stunden in dem Cafe gearbeitet. Und du weißt ja Jazz, wenn man studiert, bleibt nicht viel Zeit für andere Dinge.“

„Pah. Für die Männer der Schöpfung habe ich immer Zeit! Und maße dir bloß nicht an zu glauben, das Abi sei leichter als das Studienleben, Lizzy!“

Liz kräuselte die Lippen. Die Tatsache, dass ihre jüngere Schwester bereits mehr Beziehungen als sie hinter sich hatte, war doch etwas befremdlich.

„Wie steht denn die Sache mit Frederick?“, fragte Liz also, um von sich abzulenken.

„Fürchterlicher Küsser. Ich werde sowasvon Schluss machen! Dämlich ist er irgendwie auch! Versteht nicht mal die Grundlagen des Elektromagnetismus…“

Liz begann in ihrem kleinen Zimmer hin und her zu tigern. „Du kommst mich aber in den nächsten Ferien besuchen, nicht wahr, Jazz?“

„Och, das muss ich mir noch gründlich überlegen“, sagte die mit vor Sarkasmus triefenden Stimme.

„Soooooo viel zu tun, verstehst du…!“

„Na schön, mach du nur deine Witze! Beklag dich nur bloß nicht, wenn DU im fünften Semester bist und es sich anfühlt, als hätte das Universum bis auf Berge von Papier und unbearbeiteten Aufgaben nichts zu bieten!“

Anstelle einer Antwort sagte Jazz „Hab dich auch lieb, Lizzy. Wir sprechen uns noch. Tschüssikovski!“

Schon hatte sie aufgelegt. Liz seufzte beherzt. Ihre Schwester war wahrlich ein Unikat.



„Huhu, Lizzy“, drang plötzlich eine säuselnde Stimme flüsternd um die Ecke. Liz fuhr zusammen. „Aurora, verdammt, du musst langsam aufhören, dich so anzuschleichen!“

Die Angesprochene ließ ein schellendes Lachen ertönen. Aurora war Musikstudentin. Hauptfach klassischer Gesang. Und das hörte man ihr auch an. Ihre melodische Stimme fegte bereits durch den Raum. „Lana und ich gehen nachher aus. Du kommst mit!“ „Habe ich dazu auch etwas zu sagen?“ „Nope“. Ein hohes Lachen erklang vom Hochbett herab. „Ich werde dir die Haare flechten. Du wirst wunderschön aussehen!“ Mit diesen Worten beendete die blonde Schönheit den Übergriff auf Liz Zimmer und zog sich in ihr eigenes zurück.

Liz beschloss sich ihrem Schicksal zu fügen. Kopfschüttelnd schlug sei einen dichtbedruckten Wälzer mit dem Titel „Vertiefung der Grundlagen der Anatomie pt.II“ auf. Ja. Schicksal. Wie sehr sie sich diesem in naher Zukunft fügen würde, war Liz in diesem stillen Augenblick gänzlich unbekannt…
 
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