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Zimt und Sterne

von Northstar
KurzgeschichteHumor, Romance / P16 / MaleSlash
Dr. John Watson Sherlock Holmes
25.11.2021
25.11.2021
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In Johns kurzen, aschblonden Haaren hatten sich Schneeflocken verfangen, die nun in der Wärme zu kleinen, glitzernden Wassertropfen schmolzen. Kaum hatte er zwei große Papiertüten mit einem Seufzer der Erleichterung auf dem Schreibtisch in ihrem Wohnzimmer abgestellt, schoss Sherlock, seinen nachtblauen Morgenmantel offen über der Oberbekleidung tragend, aus der Küche heraus.

Mit vorwurfsvollem Gesichtsausdruck schwenkte er eine kleine Kladde in seiner Hand.

„Da bist Du ja endlich, John. Martha hat den Tee gebracht“,

Sherlock hielt dem Arzt das Notizbuch vor die Nase,

„und dies hier aus einem Grund, der mir jedoch nicht klar ist, für dich dagelassen. Es handelt sich, allem Anschein nach, um Backrezepturen für dieses, leider unvermeidbare, jährliche Weihnachten. Warum tut sie das?“

„Ich habe Martha darum gebeten.“,

antwortete ihm John gelassen und schälte sich aus seiner Jacke.

„In diesem Jahr werden wir unsere Weihnachtsplätzchen selbst backen. Martha versorgt uns doch sonst jeden Tag. Da fand ich es nur angemessen ihr die Plätzchenbackerei einmal abzunehmen. Das wird sicher nett werden. Sieh mal! Ich habe gerade dafür eingekauft.“

Der Arzt deutete zufrieden auf die beiden prallgefüllten Einkaufstaschen.

Sherlock starrt ihn entsetzt an.

„Das kann nicht dein Ernst sein, John! Das wird nicht nett! Das wird….das wird ….furchtbar!“

John trat zum schockiert dreinschauenden Detektiv, schlang die Arme um dessen Taille, zog ihn zu sich heran und küsste ihm sanft die Wange.

„Es wird sicher nicht furchtbar werden, Sherl. Wir werden Spaß haben. Versprochen. Dann können wir an Weihnachten, -an diesem ganz besonderen Weihnachten-, jedem der uns besucht etwas Selbstgebackenes anbieten, und eine Freude bereiten.“

Sherlock erwiderte zögernd Johns Umarmung.

Nicht, weil es ihm nicht gefiel. Im Gegenteil.

Seit dem vergangenen Sommer waren sie ein Paar.

John hatte ihn, während eines spontanen Ausflugs an die Kanalküste, den sie unternahmen um der Gluthitze Londons zu entfliehen, an einem schmalen und steinigen, aber dafür menschenleeren Strand, ziemlich unerwartet und mit dem ganzen Gewicht seines, noch immer gut trainierten, Körpers in das Badelaken gepresst, auf dem sie beide lagen um sich die Sonne auf ihren Bauch und andere, privatere, Körperteile scheinen zu lassen.

Der Arzt hatte ihn damals fast besinnungslos geküsst und nicht mehr freigegeben, bis die einsetzende Flut ihre Beine umspülte und sie in aller Eile die Flucht ergriffen, um nicht ins Meer hinausgezogen zu werden.

Wenn Sherlock sich daran zurückerinnerte dachte er, dass es ihm in diesem Moment nichts ausgemacht hätte, gemeinsam mit John, in den kalten Fluten zu ertrinken. Er hätte nicht glücklicher von dieser Welt gehen können. Doch diesen Gedanken behielt er wohlweislich für sich.

Als sie nach London zurückgekehrt waren trug Sherlock noch einige Tage lang eine Anzahl blauer Flecken, welche kantige Steine während Johns leidenschaftlichen Überfalls auf seinem Rücken hinterlassen hatten, stolz als sichtbaren Beweis ihres Zusammenseins mit sich herum.

Die fürsorgliche Behandlung dieser Blutergüsse durch den Arzt, den offensichtlich das schlechte Gewissen plagte, hatte Sherlock sehr genossen. Nicht zuletzt, weil alle Inspektionen des lädierten Rückens vorzugsweise in seinem Bett endeten.

Misses Hudson hatte rasch begriffen, dass John und ihn jetzt mehr als nur eine Freundschaft verband. Was kein Wunder war, schließlich waren die Wände in der Bakerstreet recht hellhörig, und John setzte eine Menge Ehrgeiz daran bei bestimmten Gelegenheiten Sherlock Töne zu entlocken, die laut und eindeutig genug waren, um von ihrer Vermieterin verstanden zu werden.

Auch als seine Rückseite wieder hergestellt war, hatte John Sherlocks Schlafstätte weiter regelmäßig seiner eigenen vorgezogen. So hatten sie an einem verregneten Septemberwochenende in selbstverständlichem Einvernehmen Johns Siebensachen aus dem Zimmer im Dachgeschoss in Sherlock Schlafzimmer hinunter geschafft.

Ihr Alltag hatte sich, nun mit einer anderen Nähe zueinander, überraschend schnell eingespielt. John begleitete ihn nach wie vor zu den Tatorten, unterstützte so oft es ging seine Ermittlungen, und übernahm weiterhin klaglos den Großteil der Hausarbeit.
Neu war allerdings, dass er Sherlock beharrlich zu Dingen ermunterte, die wie er es selbst einmal formuliert hatte, „normale Leute tun“.

An Halloween hatte der Arzt ihn sogar dazu überreden können an die, vor ihrer Haustür um Süßigkeiten bettelnden, Kinder, Naschereien zu verteilen. Während John, mit reichlich Kunstblut auf seinem Kittel, als Doktor Frankenstein verkleidet, Bonbons in die klebrigen Hände kleiner Hexen, Zauberlehrlingen und Werwölfen drückte, blieb er selbst, als attraktiv zurechtgemachter Zombie, im Hintergrund. Jedoch nur, um im rechten Augenblick, mit lautem Heulen und gefletschten Zähnen, neben John zu springen.

Das hatte, nachdem die erste Horde dieser kleinen Nervensägen kreischend das Weite suchte, tatsächlich begonnen ihm Spaß zu machen. Umso mehr, weil John nach einigen seiner Auftritte die Befürchtung äußerte, das im nächsten Jahr wohl niemand mehr an ihre Schwelle kommen würde. Sherlock fand diese Aussicht so verlockend, das er bei jedem Läuten der Türschelle zu immer neuer Höchstform auflief. So lange, bis Misses Hudson empört aus ihrer Wohnung herauseilte, und den beiden Männern gehörig die Leviten las.

Und nun Plätzchen backen?

Das war so gar nicht nach Sherlocks Geschmack. Nicht, das er keine aß. Marthas gut gefüllten Keksteller konnte er, egal zu welcher Jahreszeit, niemals widerstehen.

Aber selbst welche herzustellen?

-Langweilig, öde, anstrengend-

Während der Detektiv sich schmollend in seinem Sessel verkroch, räumte John mit Feuereifer Küchentisch und Anrichte leer, die, vollgestellt mit Sherlocks Versuchsaufbauten, keinen Platz für sein Vorhaben boten und verteilte die eingekauften Backzutaten darauf.

Schweigend und fest entschlossen sich an NICHTS zu beteiligen was auch nur entfernt mit BACKEN zu tun hatte, sah ihm der Detektiv mit mürrischem Gesicht dabei zu.

„Sherl, wo ist nur die gelbe Rührschüssel geblieben? Ich bin mir sicher, dass ich sie noch letzte Woche hier irgendwo gesehen habe.“,

tönte es dumpf aus dem Buffet.

John war, auf den Knien liegend, schon eine Weile fast vollständig im Unterschrank verschwunden. Nur seine Kehrseite ragte daraus hervor. Sherlock, der mit den Begriff „gelb“ gepaart mit  „Rührschüssel“ weniger anfangen konnte als mit den Planeten des Sonnensystems, brummte etwas Unverständliches und begutachtete weiter interessiert Johns Po, der eingepackt in einer schwarzen enganliegenden Jeans, absolut fantastisch aussah.

Schließlich fand sich der vermisste Gegenstand wieder ein. Seltsamerweise in ihrer Mikrowelle; bis obenhin gefüllt mit blutbespritzten Taschentüchern.

Auch auf Johns wiederholte Nachfragen bekannte Sherlock sich in dieser Sache unschuldig. Vielleicht hatte ja Martha…?

Der Arzt gab es auf.

tbc
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